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Full text of "Mitteilungen des Kaiserlich Deutschen Archaeologischen Instituts, Roemische Abtheilung = Bullettino dell'Imperiale instituto archeologico germanico, sezione romana"

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THE EISENHOWER LIBRARY 



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CAROLI WALDSTEIN. 



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.-AtSH-^LIBRARY 

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JOHNS HOPKINS UNIVERSITY 




PRESENTED BY 



Lady Walston 




MITTHEILÜNGEN 

DES KAISEKLICH DEUTSCHEN 

AllCHAEOLOGISCHEN INSTITUTS 

ROEMISCHE ABTHEILUNG 
Band XV. 



BÜLLETTINO 

DELL' IMPERIALE 



ISTITÜTO ARCHEOLOGIOO GEßMANICO 



SEZIONE ROMANA 
Vol. XV. 




ROM 
[^ O E S C H E R & C." 

(bRETSCHNEIDER & REGENBERG) 

1900 



TC 5-00 r 



Gvrt OF Lady Walstom. 



DIOSKÜREN IN TARENT 



Von den zahllosen Terracotten welche zu Beginn der achtzi- 
ger Jahre dieses Jahrhunderts in Tarent zutage kamen, sind nur 
die auf den Ahnenkult (') bezüglichen genauer besprochen und in 
Auswahl abgebildet worden. Von einer besonderen Gruppe von 
Thonreliefs, die bei keinem der drei in A. Evans Plan markierten 
Punkte, weder bei dem sanetuary of Kora and chthonie Dio- 
nysos im Nordwesten der grossen Unterstadt, noch im Nordosten 
derselben beim sanetuary of Persephone , noch endlich im Süd- 
westen bei den Thermen gefunden ist, scheint nirgendwo die Rede 
gewesen zu sein, und die Terracotten selbst Evans nicht bekannt 
geworden zu sein (2). Es wird das mit den Wechselfällen des Ta- 
rentiner Museums zusammenhängen, wo ich diese Terracotten im 
J. 1889, dank der Liberalität Violas, welcher damals an der Zu- 
sammenfügung zusammengehöriger Bruchstücke arbeiten Hess, sÄien 
und für mich skizzieren konnte. 

Danach vermochte ich in diesen Rom. Mitth. 90 S. 216 die 
Haupttypen jener Thonreliefs namhaft zu machen und durfte die 
Hoffnung aussprechen, dass dieselben durch die Direction des Ta- 
rentiner Museums bald würden veröffentlicht werden. Das geschah 
nicht, sondern als ich etliche Jahre später das Museum wieder 
besuchte, fand ich nur ein ziemlich vollständig zusammengesetztes 
Relief im Museum ausgestellt, die übrigen Bruchstücke dagegen 

S. Viola, Notizie 81 S. 402, 404, 408, 425 ; Heibig, Bull. d. Inst. 81 
S. 196; Lenormant, Gas. arch. 81/2 S. 148; Wolters, Arch. Zeit. 82 S. 285; 
Dümraler, Af,n. d. Inst. 86, 192, Mon. d. I. XI Taf. LVf.; Furtwängler, 
Samml. Saburoff I S. 27; München. Sitz. Berr. 1897 II S. 132. A. Evans, Journ. 
hell. St. 86, 1. 

(2) Vgl. unten S. 50. Auch Furtwängler erwähnt sie in seinem gedrängten 
Bericht, Berl. Phil. Woch. Sehr. 88 S. 1452 nicht. 



E. PETERSEN 



in einem Magazim-aum, der noch allerlei andere Dinge enthielt, 
in einen Winkel zusammengekehrt. 

Nur in unbequemer Stellung konnte ich die Hunderte von Scher- 
ben Stück für Stück in die Hand nehmen und wieder auf einen 
Haufen legen, nachdem ich alle Stücke die mir beachtenswerth 
schienen ausgewählt hatte. Diese befestigte ich gruppenweise auf 
einen mit Stoif überkleideten Kistendeckel und photographierte sie 
alle in gleichem Abstände auf sieben Platten, nach deren Copien (') 
diese Abbildungen gemacht sind, so viel wie möglich mit Zusam- 
mensetzung der verschiedenen Stücke. Sie nunmehr zu veröffentlichen 
darf ich wohl wagen, ohne mich dem Vorwurfe einer Indiscretion 
auszusetzen. 

Nach gefälliger Mittheilung Violas sind sowohl die Thonreliefs, 
von denen hier gesprochen werden soll, als auch eine ganze Anzahl 
von nicht für den Gebrauch gearbeiteten, nicht bemalten, sondern 
in grauer Thonfarbe belassenen Amphoren gefunden worden in dem 
Winkel des Platzes, der südwestlich von der Chiesa del Carmine 
in Violas Plan, Notisie 81 T. VI, im Nuovo Borge angegeben ist. 
Auch hier Hesse sich wie bei den Terracotten des fondo Giovinazzo 
streiten (2), ob es sich hier um sei es Verkaufs- sei es Ausschass- 
ware einer Töpferei oder um Weihgeschenke eines Heiligthumes 
handele. Für die Bestimmung des Lokals wäre die Entscheidung, 
wenn überhaupt möglich, natürlich nicht gleichgiltig ; für die Beur- 
theilung der Terracotten selbst macht es wenig aus, ob sie, als 
dem Zweck nicht genügend ausgeschieden, in der Fabrik geblieben 
oder weggeworfen wären ; oder ob ihren Zweck erfüllend an hei- 
ligem Ort auf bewahi-t ; oder Ueberfüllung halber ausgekehrt : der 
Zweck wäre ja derselbe gewesen, einerlei ob die gefundenen Stücke 
ihm nicht genügten, noch genügten, oder nicht mehr genügten, als 
sie an den Ort geriethen, wo sie gefunden wurden. Gefunden sind 
sie beim Fundamentgraben in einem fosso, dem man nichts Wei- 
teres angesehen hat. 

Bestimmt waren die kleinen Täfelchen augenscheinlich geweiht 
zu werden : sie haben ja meist die Form eines kleinen Naiskos, 
in dessen Giebel, wenn nicht am Gebälk, mehrfach die Löchlein 



(') Sie sind von der hiesigen Anstalt zu beziehen. 

(2) Vgl. Heibig, a. a. 0. S. 196, Lenorraant, a. a. 0. S. 167. 



DIOSKLREN IN TAUENT 5 

erhalten sind zum Annasreln an Pfosten oder Wand des Heilig- 
thums. 

Natürlich sind auch diese Pinakia aus Foimen gewonnen, die 
von frei modellierten Originalen abgenommen waren; an Abb. IX 3 
Pho. VI sind die Conturen der Vorderbeine des rechten Pferdes 
(nur in der Photographie zu sehen) doppelt; schwerlich durch ein 
in die Form und deren Ausgüsse übergegangenes pentimeuto am 
Original, sondern vielmehr durch eine Verrückung der Form auf 
dem Ausgiiss. Auch finden sich Wiederholungen nicht selten, wenn 
auch nur in kleinen Stücken. Derselbe Typus existierte aber auch 
in verschiedenen Grössen, die zur Herstellung des Typus immerhin 
dienen können. Für die Grössenschätzung genügt zu wissen dass 1, 1, 
das vollständigste Stück, 0,21 hoch ist, VI mindestens 0,26 hoch 
war. Natürlich fehlte den Reliefs die Farbe nicht — sofern sie 
wirklich geweiht wurden oder werden sollten; aber Spuren, und zwar 
nur von der üblichen weissen Grundierung habe ich nur bei einem 
Stück bemerkt; in der Photographie erkennt man sie mit der Lupe 
noch an vielen. Die Ausführung, an den Photographien besser zu 
beurtheilen als an den Zeichnungen, ist ungleich, mehr wohl durch 
verschiedenes Geschick des Künstlers als durch weitauseinanderlie- 
gende Entstehungszeiten. Darüber ist am Schluss noch ein Wort zu 
sagen; jetzt gilt es den Kreis der Darstellungen selbst erst einmal 
kennen zu lernen. 

Immer sind zwei Jünglinge dargestellt, beide wesentlich gleich 
an Gestalt und Tracht, im Thun, in Haltung oder Bewegung ; mit 
nur so viel Verschiedenheit, als am Ende auch zwei Brüder in 
lebendiger Wirklichkeit zeigen würden. Und dass sie Brüder sind, 
das lässt schon die stetige Verbindung und die allgemeine Gleich- 
heit ihrer Erscheinung erkennen ; deutlicher noch offenbart sich ihre 
innige Zusammengehörigkeit darin, dass öfter einer dem andern den 
Arm um den Hals legt; und ein sicheres Anzeichen dessen sind auch 
die schlanken Amphoren, welche in der Zweizahl, wie die Jünglinge 
selbst, immer dabei sind ('), meist an jeder Seite eine stehend, 
bald höher bald tiefer, seltener beide zusammen an einer Seite (-). 



(') Die Vasen fehlten wohl auch V 4 nicht; denn wie auf X 1 konnten 
sie tiefer vor der glatten Fläche stehen. 

(2) So gewiss VII 4 und VIII 1, vielleicht auch IV 3. 



6 E. PETERSEN 

Denn in ihrer offen bar symbolischen Bedeutung, über welche später 
zu sprechen sein wird, auf die Jünglinge bezogen, stellen sie durch 
ihre Gleichheit auch die Gleichheit und Zusammengehörigkeit der 
Jünglinge ausser Zweifel. Dasselbe gilt wohl von den Schalen, die 
immer im Vollrund dargestellt sind : auch sie werden vor unseren 
Augen zu Symbolen, wo sie nicht in Händen gehalten werden, son- 
dern wie Sterne oben am Grunde befestigt scheinen; so in IV 1, 
VII 2 und 3 (?), IX 3 und X 2. Dass die zwei Jünglinge die Dio- 
skuren sind, wird durch alle Umstände ausser Zweifel gestellt, die 
später zusammengefasst werden sollen. 

Ich zähle im Folgenden die Typen durch, indem ich geringe 
Varianten, zumal wenn nur an kleinen Bruchstücken wahrgenommen, 
ohne dass über das Ganze zu urtheilen ist, nicht besonders zähle, 
sondern nur nebenbei anmerke. Zu den beistehend abgebildeten 
Typen ist ausser der Nummer der Abbildung in Anmerkung auch 
diejenige der Photographie (I-VII) gesetzt. Die Nummern der nicht 
hier abgebildeten Typen sind eingeklammert; wenn wenigstens in 
Photographie vorliegend, mit Zahl I-VIl der Photographie versehen, 
ohne solche wenn nur in meinen Notizen Die Zahl der in den 
Fragmenten nachweisbaren Exemplare eines Typus in einer oder 
verschiedenen Grössen wird zu jedem Typus anmerkungsweise an- 
gegeben. Es braucht kaum gesagt zu werden, dass eine mit mehr 
Müsse und unter günstigeren Umständen vorgenommene Nachprüfung 
die Zahl der Exemplare modificieren, vielleicht auch noch einen 
oder den anderen neuen Typus ergeben mag. 

A. Die Dioskuren stehend ohne Rosse. 

1. Abb. I 1 ('). Nur mit der Chlamys auf der r. Schulter 
bekleidet, stehen sie links und rechts von einem Altar. Beide stützen 
sich mit der äusseren Hand leicht auf ihre Amphoren, deren Zu- 

(M Phot. II 1, war schon im Museum aus vielen Stücken zusammenge- 
setzt. Zwei Lücken sind aus drei Stücken Ph. II 4, 9, 17, III 5 in der Zeichnung 
ergänzt. Mit einem nur in Skizze vorliegenden Stück gehören sie zu mindestens 
vier Exemplaren gleicher Grösse. Von einem wenig variierten Typus scheint 
ein Stück Ph. II 14 herzurühren, nur ein Theil von a, der die Rechte auf die 
Hüfte zu stemmen scheint. Die Vase musste, wenn unten befindlich, erheblich 
niedriger stehen. 



DIOSKUREN IN TARENT 



gehörigkeit damit noch besonders deutlich ausgesprochen ist. Die- 
selben haben hier einen sehr hohen Fuss; fast möchte man diesen 
für einen besonderen Untersatz halten, in welchen die Vasen mit 
spitzer Endigung hineingestellt wären, womit freilich ein Anlehnen 
an dieselben noch unstatthafter würde. Aus seiner Schale giesst b — 
ich werde immer a den links, b den rechts befindlichen bezeich - 





I. Typus 1 und 2. 

nen — die Spende so eben auf den feuerlosen Altar; a hält die 
seine, das Vollrund zeigend, in der Linken ; er ist also schon nach 
vollbrachter Spende zu denken. Doch vgl. T3^pus 10 und 11. 

2. I 2 ('), die Jünglinge zu beiden Seiten eines tischähnli- 
chen Gestells, das aus Stein, natürlicher aber wohl aus Holz 
gedacht werden kann. Daneben stand a, soweit noch zu sehen, 
ähnlich wie im vorigen Bilde, nur mit tiefer herabhängendem Ge- 
wand, die Schale fast ebenso haltend, wie dort ; b, vollständiger 
erhalten, mit vom Rücken he.- über beide Arme hängender Chlamys 
oder Himation, lässt die Linke mit den Schale hängen und lehnt 
sich mit dem r. Arm auf das Gestell und hält in der r. Hand 
eine Stlengis, wodurch die Scene, die im vorigen Bilde an jedem 



(*) Ph. n 10, 12, Fragmente von zwei Exemplaren; vielleicht von einem 
dritten grösseren ein Theil Ph. VII 30, durch die auf der r. Schulter geknüpfte, 
die 1. Brust deckende Chlamys von 1 abweichend. 



E. PETERSKN 



heiligen Orte gedacht werden konnte, in Gymnasium oder Palaestra 
verlegt scheint. 

(3) Phot. VII 17 f. sind nur zwei Stücke von zwei auch in der 
Grösse nicht ganz gleichen Exemplaren, beide von grösseren Ver- 
hältnissen als die meisten Typen: beidemal die Rechte von b. 
ähnlich gehalten wie die Linke von a in 1 und 2, verschieden durch 
Gewandüberdeckung des Armes beim zweiten Exemplar. 




IL Typus 4, 8 und 10. 



4. II 1 (')• Beide stehn mit gleich umgehängter Chlamys oder 
Himation, beide die eingehüllte Linke in die Seite stemmend neben- 
einander, a in der Rechten, nahe dem Kopfe die Stlengis hebend, 
b die Rechte auf des andern 1. Schulter legend. 

(5) Die allein erhaltene 1. obere Ecke mit Giebelanfang und 
Akroterion hat nur den erhobenen r. Arm von a mit der Stlengis ; 
dabei aber die Amphora oben, dicht unter dem Gebälk. 

(6) Gleichfalls nur die 1. obere Ecke mit auffallend hohem 
markiertem Säulenhals unter, und Abacus über dem Capitell, aber 
ohne Giebel über dem Epistyl, daher auch mit Nagelloch (eines 
ist erhalten) unter diesem, im Ganzen 125 mm. hoch. Nur im 

(1) Ph. II 1 ; ausserdem a theilweise von drei Exemplaren in Ph. I 6/7 
VII 32 (mit der Hand von a auf seiner 1. Schulter) und in Notizen, davon 
eines ein wenig variiert. Bei dem letzten habe ich den spitzen in einen Knauf 
endenden Deckel der Amphora angemerkt. 



ÜIOSKUKEN IN T.ARENT 



Obertheil erhalten, wendet a den Kopf nach rechts, den r. Arm ähn- 
lich wie in 1 haltend (ob auf die Amphora gestützt, ist nicht mehr 
zu sehn) : ebenso auch die 1. Schulter in Gewand, aber emporge- 
drückt, wie wenn der Ellbogen sich auf Altar oder Gestell gestützt 
hätte, wozu auch die vor der 1. Brust sichtbare Linke mit nach 
oben gehaltener Stlengis passt. Im Ganzen ähnelt also hier a dem 
b von Typus 2. 

(7) Linke obere Ecke mit Giebeltheil und Akroter 85 mm. 
hoch, darin Obertheil von a nackt (ohne 1. Schulter und Arm) den 
r. Arm über den Kopf legend. 

.8. H 2 (^). Beide Jünglinge haben das Gewand ähnlich wie 
in den Typen 2 und 4 ; a hält in der Linken das Schwert in der 
Scheide, an welcher auch eine Schleife des Riemens sichtbar wird ; 
der r. Oberarm ist nach aussen gehoben, so dass der Unterarm 
abwärts wieder zum Körper ging: vielleicht stützte sich der Ell- 
bogen ähnlich wie bei a in 1, oder bei b in 2. Denn auch b 
stützt in diesem Typus offenbar den 1. Ellbogen auf die faltige 
Masse der Gewandes, die nur auf einem Pfeiler aufliegend gedacht 
werden kann. Mit beiden Händen fasst b ein axomor, an dem 
eine Spit/.e oben rechts nie vorhanden gewesen ist(-). Aber die 
Haltung mit beiden Händen, ähnlich wie bei Jüthners (a. a. 0.) 
Figuren 89 und 41 links, mit schräger Lage von unten links (hin- 
teret' Ende» nach oben rechts, wie in Jüthners Fig. 39-48, endlich 
besonder? das Fassen der r. Hand mit gestrecktem Zeigefinger, fast 
genau wie in Jüthners Fig. 42 (^), so dass der Finger in der frei- 
lich nicht ausgedrückten dyxvkrj zu denken ist, das alles macht 
den Wurfspeer in der Hand von b gewiss. Die Amphoren, von denen 
auf keinem der Bruchstücke irgend ein Theil kenntlich ist, waren 
wohl auf den Pfeilern, auf welche die Jünglinge sich stützen, ste- 
hend gebildet. 

(9) Fast nur der Bumpf von a oder b, mit der vor der Hals- 
grube geknüpften Chlamys, ähnlich wie das zu 2 in Anmerkung zu- 

Cj Ph. II 3, 5-7 Stücke von mindestens drei Exemplaren, und von einem 
vierten vielleicht ein Theil voa b Ph. VII 26, variiert. 

1^) ^ ?'• Jüthner, über antike Turngeräthe S. 37 f. 

Pj Der eingebogene vierte und fünfte Finger, die auch in den Thon- 
relieliä unter dem Speerschaft sichtbar werden, sind vom Zeichner, wie von 
mir «flV.st H-i der Revision nicht bemerkt worden. 



10 K. PETERSEN 

letzt angeführte Stück ('), aber abweichend durch über die Wagrechte 
hinaus gehobenen r. Oberarm, und namentlich dadurch, dass neben 
der 1. Flanke die von der Linken gehaltene Schwertscheide sicht- 
bar wird: 'die gehobene Rechte muss das Schwert geschwungen 
haben ', notierte ich mir 1889 (-'). Vgl. 10. 

(9*) Ph. II 8, 11 zwei Stücke, welche von allen Typen höchstens 
mit 2, 3 oder 11 b, wenn dies nicht zu 11 a gehört, zu verbinden 
eine gewisse Möglichkeit zugegeben werden muss ; aber sie kön- 
nen auch als besondrer Typus gezählt werden, oder eigentlich als 
zwei, da, von den verschiedenen Verhältnissen abgesehen, die Va- 
riation zu gross ist. Beidemal ist es ein Stück vom linken Rande, 
wo im kleineren ein glatter Pilaster, im grösseren — ganz unge- 
wöhnlich — ein cannelierter Säulenschaft den Naiskos abschloss; 
daran a im kleineren Typ ganz von vorn mit 1. Standbein, in 
gesenkter Rechter der Diskos vor Hand und Unterarm, und erhal- 
ten ausser diesem die r.' Seite des Rumpfes und der grösste Theil 
der Oberbeine ; vom grösseren a blieb fast nur der r. Arm mit Diskos 
dahinter. 

10. Fig. II 3 (3). In der Mitte ist wieder jenes Gestell, auf 
welchem hier die beiden Amphoren stehen. Von a ist nur die 1. Hand 
übrig, welche die Schale wie spendend nicht über sondern vor dem 
Obertheil des Gestells hält. Allerdings ist hier nichts von der Schale 
Abfliessendes zu bemerken wie in 1, und Spenden mit der Linken 
ist wohl nicht correkt ; aber auch in Abb. I 1 und 2, III 1 in den 
Typen 1 2 und 20 findet sich die Schale in der Linken von a 
oder b, allerdings wohl nach erfolgter Spende, aber doch schwerlich 
dann erst aus der Rechten in die Linke übergegangen. Vielmehr 
wird das Ceremoniell aus Rücksichten der Composition hintenan- 
gesetzt sein. Der andre, b steht nach links gegen die Urnen und 
den Genossen gewandt. Ueber den 1. Unterarm, den er hinten gegen 



(') Vielleicht richtiger als Stück eines zweiten Exemplares von diesem 
Typus ist ein kleines Stück derselben Figur aus Ph. VII 7 anzusehn, das zuerst 
mit b in III* war zusammengezeichnet worden. 

(*) Neben zwei öfter wiederholten Typen eines Pyrrichisten bei Hauser, 
Neuatt. Reliefs S. 22 ff. die abweichen, käme ein drittes, Ann. 1863 L abge- 
bildetes unserem Typus nahe. 

(3) Phot. II 2, 13, III 10, 15 16 fünf Fragmente von mindestens vier 
Exemplaren, davon eines in kleineren Verhältnissen. 



DIOSKUREN IN TARKNT 



11 



die Hüfte zu stemmen scheint, hängt die Chlamys herab, die oben 
am 1. Oberarm und auf der Schulter, wo man sie voraussetzen muss, 
nicht sicher erkannt wird. Dagegen hängt über jede Schulter eine 
breite Binde herab, die am Hinterkopf eine Schleife bildend, ums 
Haupt geknüpft ist. In der erhobenen Rechten hält er wieder die 
schon in 2 4 5 6 gesehene Stlengis, deren Griff unter der Hand 
hervorkommend gesehen wird. 

11 (') Abb. IIP 2. Auch hier ist zwischen a und b ein Unter- 
satz mit den Amphoren oben darauf; verschieden von dem ' Gestell *, 




IIP. Typus 26 und 11. 

wie wir es in 2 und 10 gesehen haben und in Abb. VIII noch 
wiedersehen werden, nicht sowohl durch seiue Höhe, die zwar grösser 
als in 2 und 10, aber nicht als in Abb. VIII, wie durch seine Form. 
Denn hier erkennen wir an dem allein erhaltenen oberen Theil 
nicht den einfachen Querbalken, der sich übergreifend über zwei 
senkrechte legt, sondern eine compakte Masse, oben mit zwei wie 
durch eine Hohlkehle getrennten Platten mit abgeschrägtem Profil: 
man wird diesen Gegenstand also, da er mit dem Altar in 1 zwar 
die Doppelplatte mit Profil gemein hat, aber der Voluten ent- 
behrt, auch schon seiner, bis an die Schultern der Jünglinge rei- 
chenden Höhe wegen, nicht einen Altar, sondern eher einen Pfeiler 
nennen dürfen, wie er für die einzelnen oder die vereinten Ampho- 



(*) Ph. VII 4, 0, 16, 19 vier Stücke von drei Exemplaren nicht glei- 
cher Grösse, nicht sehr geschickt zusammengezeichnet. Die Zugehörigkeit des 
vierten Stückes mit der 1. Schulter von b hahe ich erst während des Schrei- 
bens erkannt. Ich habe sie also nicht durch Anpassen prüfen können, aber 
sie erscheint nach den Photographien so gut wie zwingend. 



12 E. PETERSEN 

reo auch z. B. in Abb. VII 4 vorkommt. Ja vielleicht war sogar 
auch noch ein Altar oder Opfertisch vor dem Pfeiler aufgestellt, 
auf den b die Spende aus seiner Schale (auch hier Fliessendes nicht 
plastisch ausgedrückt) zu giessen scheint. Denn unter der Schale 
rechts ragt ziemlich genau in der durch die Amphoren bestimm- 
ten Mitte des Bildes, ein konischer Gegenstand auf, der mit dem 
Mittelstück der Opfertische in Abb. IX zu vergleichen ist. Der 
Opfernde neigt sein Haupt, wie derjenige von Abb. I, 1, und sein 
Haupt ist wie in Typus 10 mit der umgeknüpften, hier seitlich 
eine Schleife bildenden. Binde geschmückt, deren eines Ende über 
der rechten, das andre über der 1. Schulter flattert. Der erhobene 
1. Arm stützt sich auf den Speer, mit diesem vor dem Pfeiler sicht- 
bar, während über dem Kopf das Gebälk des Naiskos kenntlich ist. 
Sein Genosse a lehnte den allein erhaltenen 1. Oberarm gegen den 
die Amphoren tragenden Pfeiler, und die hängende Linke hält einen 
Gegenstand, der wieder 'in der Photographie leichter als in der 
Zeichnung für eine Stlengis erkannt wird, die ja auch schon auf 6 
in der Linken des gleichfalls angelehnten b erschien. 

(12) Ein linkes oberes Eckstück mit Giebeltheil und Akroter 
und vor dem Pilaster eine von der rechten Hand von a gehaltene, 
oben nach rechts eingebogene Palme, ein Stück von der rechten 
Seite mit einer nach links eingebogenen Palme und daneben der 
mit Binde geschmückte Kopf von a mögen zusammen genannt 
werden, obwohl, bei der vorwaltenden Neigung die Brüder zu diffe- 
renzieren, die Uebereinstimmung im Hauptmotiv die beiden Stücke 
vielmehr zwei verschiedenen Typen zuzuschreiben anräth 

(13) Der mittlere Theil eines Giebels mit Mittelakroter und 
Nagelloch grade darunter, ein erhobene Linke (von a) mit schräg 
gehaltenem, wie geschwenktem Palmzweig dicht neben der Mitte 
dürfte auch von einer Darstellung der Stehenden herrühren. 

(14, 15) Phot. VII 9-11, 22-24 sechs Fragmente deren jedes 
nur einen kleinen Theil einer Mantelfigur mit Stab zeigt. Drei davon 
scheinen denselben Typus in verschiedener Grösse darzustellen: die 
herabhängende Linke von b kommt zwischen den senkrecht hängen- 
den Falten des Gewandes hervor, das wohl nur ein Himation sein 
kann. Die Hand hält einen von den stark gewundenen kurzen Spa- 
zierstöcken wie sie in Athen schon früh im 5. Jhdt Mode waren. 
Ein viertes Stück variiert diesen Typus nur ein wenig, und ein fünftes 



DIOSKLRKN IN TARENT 13 

könnte, wenn ich es recht verstehe, ein Stück des zu diesem oder 
jenem b gehörigen a sein : der hängende 1. Arm, bis auf die Hand 
vom Himation überdeckt, und, unter die Achsel gestemmt, ein langer 
grader Stab; auch ein Theil des 1. Beines mit gebogenem Knie ('). 
Jenes sechste Stück zeigt wieder den gewundenen kurzen Stock, 
aber daneben rechts ein eigenthümliches Schrauckstük, drei neben- 
einander grad herabhängende Streifen, Riemen oder Binden, von 
deren Enden je mehrere sich kräuselnde Schnüre wie Fransen 
ziemlich lang herabhängen (^). Auf jenen drei graden Riemen liegt 
oben, wie alle drei deckend, die rundliche Endigung einer glatten, 
wie vor ihnen hängenden breiten Binde. 

(16) Ein Stück der linken Seite: neben dem Pilaster ein ganz 
nackter Jüngling, der in der Rechten ein Plektron hält; dazu zog 
ich ein andres Stück mit einer Leyer, an welcher das Oberste 
fehlte, und neben welcher rechts tief das Oberstück einer Amphora 
sichtbar wurde. Ein andres Fragment (Phot. VII 15) zeigt grade 
den oberen Theil einer Leyer, aber mehr als an jener fehlt, und 
von nicht ganz demselben Typus. 

(17-19) Ph. VII 1, 31, 21 wieder nur drei kleine Stücke, die 
weder zu einem anderen Typus gehören, noch miteinander verbunden 
werden können. Denn zwei davon, 17 und 18 sind von bedeutend 
grösseren Verhältnissen als das dritte, unter sich aber grade an ent- 
sprechender Stelle von einer sonst nie vorkommenden Verschieden- 
heit. Vom ersten 17 ist nämlich neben dem erhaltenen linken Rand, 
einem sehr dünnen Pfeiler- oder Säulenschaft, also von a, nur ein 
nacktes r. Bein eines lebhaft Ausschreitenden erhalten, in einer 
Bewegung, wie sie in keinem der bisher beschriebenen Typen zulässig 
wäre, auch nicht mit 9 vereinbar. 

Von 18 dagegen steht, nahe dem rechten Plattenrande, also 
zu b gehörig, ein linkes etwa wie ein Spielbein gebogenes ünter- 
bein; aber vor dem Rande, der als Pfeiler, wenn auch in dem 
kleinen erhaltenen Stück nicht sicher zu erkennen, doch zu denken 
ist, erscheint unten ein niedriger Untersatz, über welchem ein 

(») Noch ein Fragment Ph. VII 29, 1. Uoterarm und Hand, aus dem Hi- 
mation hervorkommend, aber mit nicht so deutlichem Stock scheint zu diesen 
Typen gehörig. 

(*) Sie haben unverkennbare Aehnlichkeit mit den freilich kürzeren Rie- 
men des Panzergurts von Imperatoren. 



14 E. PETERSEN 

dünner, unten fussartig ausladender Schaft steht, der schwerlich 
etwas andres als ein Amphorenfiiss ist. Zwischen diesem und dem 
Bein sind ganz schwache senkrechte Kiefen sichtbar, so schwach, 
dass sie vielleicht für zufällig zu halten sind. Da auf 17 an ent- 
sprechender Stelle Untersatz und Vase fehlen, kann es nicht vom 
selben Typus sein. 

Auf 19 sieht man, in bedeutend kleineren Verhältnissen, ein 
1. Oberbein stark noch rechts schreitend, also wenn überhaupt in 
diese Reihe gehörig, wohl von a ; dazu einen Theil des Unterleibes 
mit dem Gliede, und über dem Bein senkrecht herabhängende 
Falten, die auf einen vorgestreckten 1. Arm schliessen lassen. 

B. Die Dioskuren stehend neben ihren Rossen. 

20. III 1 ('). Die Dioskuren stehen diesseits neben ihren wie 
sie selbst rechtsgewandten Rossen. Für die Rosse dieses Typus 
charakteristisch ist die nicht kurz geschorene sondern kraus abste- 
hende Mähne, die namentlich über dem Kopf buschig zurückgestri- 
chen ist. Die Dioskuren haben in diesen Typen immer das Hima- 
tion, nicht die Chlamys, um den Unterkörper und über die 1. Schulter 
gelegt. Durch das Himation wird als zugehörig erkannt das Stück 
von a, der die Rechte mit mehr attributiv gehaltener Schale auf 
der Amphora ruhen lässt; die Amphora ist mit dem Deckel ge- 
schlossen. In gleicher Weise hält auch b die Schale, aber mit der 
Linken und weiter ab von der nicht miterhaltenen Amphora. Ich 
habe das Stück von a dazuzeichnen lassen, obgleich es von einer 
etwas modificierten Verkleinerung desselben Typus herstammt, mit 
Säule statt eines Pilasters. Vielleicht gehört dies vielmehr zu ei- 
nem andern Stück (^) mit der Schale in der Linken von b und 

(^) Ph. I 2, 5 zwei Stücke von zwei Exemplaren: auf 2 Kopf von a und 
Kopf seines Pferdes, Kopf von b; auf dem andern Kopf des Pferdes von a 
und Kopf von b; dazu Ph. III 17, mit Schale haltender Hand von b und Vorder- 
Iheil des Pferdes ; zugehörig wohl auch 18 (nicht mitgezeichnet), vielleicht auch 
I 9; Ph. VII 27 Kopf des Pferdes von b und rechts daran die Ante des Naiskos. 
Der rundliche Körper unter dem Pferdekopf kann nur der Deckelknauf der 
Amphora sein (vgl. 4). 

(2) Ph. III 14. Ein etwas vollständigeres, worauf rechts auch noch der 
Säulenschaft und davor die Amphora erhalten ist, giebt Ph. I 8 ; dasselbe ist 
aber von einem kleineren Exemplar; und zu diesem könnte nach den Ver- 



DIOSKÜREN IN TARENT 



15 



dahinter Brust und Hals seines Pferdes. Die hängende Rechte von b 
und die den Zügel haltende Linke von a sind in Fragmenten klei- 
nerer Exemplare erhalten. 

(21) Ph. III. Nicht sehr verschieden ist ein andrer Typus, 
der auch in verschiedenen Grössen geformt scheint, aber nur sehr 




III. Typus 20 und 22. 

fragmentarisch erhalten ('). Die Dioskuren etwas mehr seitlich ge- 
wandt: auf einem Stücke der ins Himation gehüllte Unterkörper 
von a nach rechts schreitend und links von ihm 6 die hinteren 



hältnissen wohl ein Stück von a und seiner Amphora Ph. III 11 und 12 auch 
I 10, von drei gleichen, und 7, von einem kleineren Exemplare, gehören. Auch 
die zu jenen grösseren Exemplaren fehlenden Theile von a und b scheinen 
in zwei Bruchstücken von wiederum verschiedenen Verhältnissen Ph. III 
9 (s) und 8 (b) erhalten. 

(') Ph. III 6 und 8, 13, von zwei gleichen Exemplaren und 9 von einem 
grösseren. 



16 E. l'ETEKSEN 

Beine des Pferdes (also anders als in Typus 20), rechts noch ein 
vorderes; auf einem andern Stücke etwas mehr gegen den Beschauer 
gedreht b, der die Linke ohne Schale, vielmehr wohl den Zügel 
seines Rosses haltend, so wie im vorigen Typus a, wenig vorstreckt. 

22. III 4(') (2 und 3 sind cassiert). Erhalten ist immer nur 
Kopf und mehr oder weniger vom Oberkörper von b zwischen den 
Vordertheilen beider Pferde (abwärts bis zum Anfang der Beine) 
und der linke aus dem Himation weiter (als bei a in den vorher- 
gehenden Typen) vorgestreckte 1. Unterarm, nicht nur von a ^sondern 
auch von b. vor den Hälsen der Thiere. Wie die Rechte von b grade 
herabhängt, allem Anschein nach ohne Schale, so that es gewiss 
auch die von a. Der Kopf von b ist mit leiser Neigung zurückge- 
wandt. Er ist, wovon bei Typus 20 und 21 nichts zu sehn war, 
deutlich mit einer Binde geschmückt, deren Enden freilich nicht 
herabhängen. 

(23) Ph. VII 20 und 8 (-), ein ganz abweichender Typus, so- 
viel ist trotz sehr fragmentarischen Zustandes klar : ein Pferdekopf 
nach links, über welchem fast die Hälfte einer mit Rosette ge- 
schmückten Sehale erhalten ist, wie am Grunde haftend ; sodann der 
hoch gehobene 1. Arm eines der Jünglinge, dessen fehlende Hand 
nicht etwa die Schale gehalten hat; aber sich auch nicht, wie in 
Typus 11, auf eine Lanze stützen konnte, da kein Schaft sichtbar 
ist ; auch nicht wohl einen Kranz, wie in Typus 26 die Binde, em- 
porhalten, da keine Binden herabhängen : also vielleicht eine Palme 
wie in Typus 13. Denn allerdings hängt, vom fehlenden Kopfe her 
eine breite Binde über die Schulter, und es kann nur das umgelegte 
Ende derselben sein, was auf dem Oberarme liegt. Das andre Bruch- 
stück enthält einen gehobenen rechten Arm, der aber mehr gegen 
den fehlenden Kopf eingebogen ist, und über den sich ebenfalls 
eine Binde von gleicher Breite wie jene legt, die vom Kopf her 



(1) Ph. I 3 aus mehreren Stücken schon ira Museum zusammengeklebt; 
dazu noch zwei Fragmente von zwei andern Exemplaren von etwas kleineren 
Verhältnissen Ph. I 3, 15, von denen aber doch eines zur Ergänzung in Abb. 
III 4 benützt ist. Das grössere Exemplar hat ein Mittelakroter (die kleineren 
nicht), und statt zweier Nagellöcher im Giebelfeld nur eines, dies natürlich 
erst nach der Ausformung durchgestochen. 

(2j Nur zwei Fragmente, von denen eines nicht einmal sicher zugehört. 



DIOSRUREN IN TARENT 17 

nicht grade niederhing, sondern wie vom gehobenen Arm auf 
gehalten erscheint. 

Für eine Reconstruction des Typus scheint dies zu wenig z 
sein, und doch muss erwogen werden, was sich mit Berücksichti- 
gung der Compositionsart unserer Täfelchen daraus machen lässt 
Ein Pferd von rechts her, eines von links, dazwischen in Vollan- 
sicht die Dioskuren, das wäre eine ohne alle Analogie da stehende 
Anordnung, zu breit gegen die Höhe, mit Leeren über den Pferde- 
rücken, die durch die Amphoren nur ungenügend gefüllt sein könn- 
ten. Die, wo die Rosse dargestellt sind, stets (') beobachtete theil- 
weise Deckung der Figuren durch einander kann hier unmöglich 
gefehlt haben ; und sicherlich werden, wie in den vorhe rgehenden 
Typen, die Rosse auch hier beide gleiche Richtung gehabt haben. 
Also nehme ich an, dass das erstbeschriebene Bruchstück den 1. 
Arm von a neben dem Pferd von b giebt, und dass im zweiten 
Stück neben dem rund, wie längs der Mähne eines Pferdes (von b) 
verlaufenden Bruch, der r. Arm von b erhalten ist : mit der Hand 
würde er sich sehr wohl den mit der Binde geschmückten Kranz 
(vgl. Typus 26) auf den Kopf setzend gedacht werden können. Wei- 
teres erzählen zu wollen wäre verkehrt {-). 

C. Die Dioskuren reitend. 

24 Abb. IV 2 (3), verhältnissmässig vollständig, aber aus sehr 
abgenutzter Form, so dass z. B. nicht recht zu unterscheiden ist, 
ob Säulen oder Pilaster den Naiskos tragen. Die Amphoren stehen 
oben innen neben den Säulen; aber man siebt nicht, worauf sie 
stehen. Die Dioskuren galoppieren nach links, einer wie der andere 

(1) Ausgenommen in Typ. 34 ff. mit den ganz klein dargestellten Eeitern; 
dies auch die einzigen Beispiele von nicht in gleicher Richtung dargestellten 
Pferden. 

(*) Besser nicht als Typus zu zählen ist ein für mich räthselhaftes 
Bruchstück Ph. VII 28, mit einem nach links stehenden Pferde, neben wel- 
chem links unverständliche Körpertheile (weder als Bein noch als Arm ver- 
ständlich) und darüber ein senkrechter Schaft, oben mit einem Qnerschaft 
verschon, sichtbar sind. 

(3) Ph. V 5 im Museum schon aus drei Stücken zusammengesetzt. Von 
einem andern, vielleicht etwas grösseren Exemplar ist ein Stück im Museum 
von Reggio. 

• 2 



18 K. PETERSKN 

mit Chiton und flatternder Chlamys (') bekleidet, a den Kopf halb 
zum Genossen umwendend. 

25. IV 1 und von einem etwas grösseren Exemplar VII 3 (-). 
Wieder im Galopp nach links, aber nur mit der Chlamys (nur a so- 
weit erhalten) bekleidet, die hinter eines jeden Kopfe rückwärts em- 
porweht. Ungefähr über den Pferdeköpfen die Schalen am Grunde, 
nicht gehalten. Die Haltung der Köpfe fast gleich, bei a ein klein 
wenig zurükgewandt. 




IV. Typus 25, 24, 29, (25), 26, 29. 

26. IIP 1. Phot. I 12 und V 2 die Ante rechts oben durch die 
Amphora, unten durch den sie tragenden Pilaster gänzlich verdeckt. 
Die Dioskuren, nackt bis auf das um 1. Arm und Schulter geschlun- 
gene Gewand, galoppieren nach links ; b, von dem allein Kopf und 



(') Die linke Zügelhand verbietet, darin einen am Ann hängenden Rund- 
schild zu erkennen. 

(*) Jenes Pho. VI 2 dieses V 3. Wenn nicht von einem ganz verlorenen 
Typus, muss auch IV 4 von einem erheblich grösseren Exemplar herstammen 
weil 25 allein von Gruppe C eine Amphore unten links haben könnte. 



DIOSKURKN IN TARENT 19 

1. Arm erhalten oder sichtbar ist, schultert in der Linken eine 
Palme, während er mit der Rechten wie triumphierend eine flatternde 
Binde, in der Mitte gefasst, emporhält. Ausserdem schmückt eine 
Binde ihm schon den Kopf; und auch über der 1. Schulter von a 
sieht man das Ende einer Binde hängen. Die Zugehörigkeit des 
andern Stückes wird, ausser durch allgemeine Uebereinstimmung, 
ganz besonders durch Amphora und Untersatz erwiesen. Wie b die 
Siegerbinde, so schwenkt a einen Pokal, xäv^agog, 

27. VII 4('). Oben vor der rechten Ante und links daneben 
stehen die beiden Amphoren auf gemeinsamem Untersatz. Dicht 
zusammengedrängt dann nach links (im Galopp?) die Dioskuren, 
die Köpfe mit dicken Kränzen geschmückt, von denen breite Binden 
auf die Schultern herabfallen. Beide sehen gleichmässig auf den 
Beschauer; b scheint die Rechte auf die Mähne seines Pferdes zu 
legen (-) (nicht es zu kränzen), und mit der Linken hält er ziem- 
lich niedrig einen kleinen Rundschild. 

28. Abb. VII 2 minder vollständig, als ich die Stücke, um 
eines rechts vermehrt, im Museum skizzierte, mit der zweiten rechts 
am Grunde haftenden Schale und der rechten Amphora, an welcher 
ich nicht wie an der linken die zwei Rotellen oben am Henkelansatz 
notierte. Mit Binden ums Haupt, und (b) zurückwehender Chlamys, je 
in der Rechten hoch vor sich eine Fackel haltend, deren Flamme stark 
zurückweht, können die Dioskuren nur reitend gedacht werden (^). 

Im Folgenden sind diejenigen Typen zusammengestellt, in wel- 
chen einer der Dioskuren die Kunst des Anabaten vorstellt, und 
zwar in vier auf einander folgenden Momenten, wenn wir Abb. V 1-3 
heranziehen, obgleich sie nicht zu den Dioskurenreliefs gehören. Von 
diesen, insbesondere den hier in Betracht kommenden unterscheiden 
sie sich schon dadurch, dass sie keinen oder nur stellenweise Relief- 
grund haben, wie V 3 zwischen den Pferdebeinen, sonst aber rings 
am Umriss frei gearbeitet sind. Damit hängt das andre Unterschei- 

(*) Zusammengezeichnet aus zwei Stücken Pho. V 8 und 10 von zwei 
Terschiedenen Exemplaren, zu denen wohl noch ein drittes kommt, durch ein 
kleines Stück auf Pho. VII 5 vertreten. 

(*) Aehnlich scheint es in dem kleinen Fragment VII 1 zu sein, das zn 
einer Variante von Typus 30 gehören kann. 

P) Drei Stücke in der Phot. VI 1 schon ungefähr so vereint. Im J. 1889 
skizzierte ich mir noch ein viertes Stück oben rechts anschliessend. 



20 



E. PETERSEN 



dungsmerkmal zusammen, dass diese verhältnissmässig vollständig 
erhaltenen Reiterfiguren nirgendwo irgend einen Theil eines andren 
überschneiden ; also allem Anschein nach isolirt, nicht mit einer 
entsprechenden Reiterfigur gepaart gewesen sind('). In beiden Punk- 
ten stimmen sie mit den von Lenormant, Heibig, Wolters, Dümmler 
und Evans beschriebenen Figuren des Heros überein. Ihnen werden 




V. 4, 5 = Typus 30. 

wir also auch unsere drei Figuren, die alle drei schon durch ihre 
Grösse aus der übrigen Reihe (ausgenommen das einzige Abb. VI) 
herausfallen, zuzählen müssen. 

29. IV 3 und 6 (2), welches zu geringer Vervollständigung 



(1) Auch das wird man nicht unbeachtet lassen, dass die Mähne des Bosses, 
wo sie erhalten ist, wie bei VII 1 und 2, nicht vom Halse abstehend sondern 
an ihm anliegend und hängend gebildet ist. 

(*) Pho. V 6, 7, ein grösseres und ein kleineres Stück, von zwei gleichen 
Exemplaren, zusammengezeichnet ; von einem dritten, kaum kleineren, aber ein 
wenig abweichenden Pho. I 14. • 



DIOSK.UREN IN TARENT 



21 



jener hätte dienen können, zeigen uns dagegen sicher die Diosku- 
ren unter dem von schlanken ionischen Säulen getragenen Giebel 
nach links galoppierend. Wie in Typus 24 (') kann hinter dem 
Rücken von a nur die wehende Chlamys (im dritten Exemplar 
fehlend), nicht ein hängender Rundschild erkannt werden, um so 
weniger als die, wie es scheint, in beiden Varianten gleiche Haltung 
der 1. Armes von a mit einem daran hängenden Schilde unverein- 
bar ist. Hier ist nun der diesseits reitende Dioskur im Begriff 




VI. Typus 31, 

sein linkes, stark zusamengebogenes Bein von der rechten Seite des 
Pferdes herüberzunehmen. 

30, V 4, zu vervollständigen durch das grössere Verhältnisse 
zeigende V 5 (^), bietet den nächsten Moment, wo von den nach 



(*) Eine Zügelhand, wie gezeichnet, ist freilich in Typus 29 unmöglich. 

(*j Jenes Pho. V 1, schon im Museum aus vier Stücken zusammenge- 
leimt; dieses V 9. Auffallend sind ausser anderem die deutlichen Capitelle und, 
schon bemerkt, der fehlende Giebel, der vielleicht weggelassen ist, weil durch 
den gestreckten Galopp die Tafel relativ zur Höhe zu breit geworden war, Zwej 
Nagellöcher unter dem Epistyl sind auch bei der Revision übersehen worden. 
Ueber die Amphoren vgl. S. 41. 



22 



K. PETERSEN 



links Reitenden wieder der diesseitige (b), gleich a mit Binde 
um den Kopf aber nackt, während jener Chiton und Chlamys hat, 
schon beide Beine diesseits hinabstreckt und dabei den Oberkör- 
per sichtlich zurücklehnt, um beim Absprung in vollem Galopp 
nicht vorüberzufallen, so wie wir es ja auch beim Abspringen von 
rasch fahrendem Tram zu machen pflegen. Und man braucht nur 
die Hinterbeine beider Pferde mit dem Galopp aller andren Ta- 
feln (ausser V 3!. ob auch V 1 und 2?), wo es möglich ist, zu 
vergleichen, um zu erkennen, dass hier geflissentlich ein rascheres 




VII. Typus (30?) 28, (25), 27. 

Tempo genommen ist. Sehen wir nun den Anabaten hier wie in 
dem immerhin vergleichbaren Relief Abb. V 3 und möglicherweise 
in IV 3 und 6 mit dem kleinen Rundschild versehen, durch wel- 
chen die Kunstleistung gewiss nicht erleichtert wurde, so möchte 
man das auffällige (in der Zeichnung nicht wiedergegebene) Zurück- 
lehnen des Schildreiters in Typus 27, Abb. VII 4 ebenfalls schon 
als allerersten Moment des Anabatenacts nehmen. 

31. Abb. VI (^), das einzige Beispiel der zusammen rechtshin 
Reitenden, von grösseren Verhältnissen als die meisten Tafeln. Die 
Composition scheint ungefähr die Umkehr von Abb. IV. 



(') Das Hauptstück schon im Museum aus fünf Bruchstücken zusammen- 
geleimt, mit dem andern auf Pho. V 11 und 12 beieinander. 



DIOSKUREN IN TARENT 



23 



D. Die Dioskuren fahrend. 

32. Abb. VIII 1 (1), das zweite Beispiel einer oben mit dem 
Epistyl abgeschlossenen Tafel, diese sogar ohne seitlich abschlies- 
sende Säulen oder Pilaster. Auf dem Rennwagen, ohne Antyx auf vier- 
speichigen Rädern, mit zwei mächtig springenden Rossen bespannt, 
stehen die Dioskuren, a die nicht plastisch ausgedrückten Zügel 
haltend, ohne das übliche Lenkerkostüm, vielmehr ganz nackt, b mit 
der Chlamys, die durch eine dick verschmierte Fuge im Hals wohl 
hier verschwunden ist, aber unter dem 1. Arm durch zum Vorschein 





Vm. Typus 32 und 33. 



kommend zurückweht. Er legt den r. Arm um des Bruders Nacken 
und neigt den Kopf ein wenig zu ihm. Als wäre es das zu umfah- 
rende Ziel, ragt jenseits der Pferde köpfe jenes Holzgestell auf, hier 
aber höher als die Köpfe der springenden Rosse ; und oben darauf 
stehn, winzig wie nie, als ob der Perspektive halber, die beiden 
Amphoren. 

33. Abb. VIII 2(2), erhalten fast nur die Dioskuren, auch sie 

(') Pho. IV 1. Aus verschiedenen Stücken ira Museum zusammengeleimt, 
das Hauptstück ergänzt durch 2 und 5, von zwei anderen Exemplaren. 
(*) Ph. IV 3, zwei Stücke, schon im Museum zusammengefügt. 



24 



K. PETERSEN 



nicht mal ganz, in derselben Stellung, nur b ganz wie a her- 
ausschauend. Hier hat der Wagen die avxv^, und an dieser liegt die 
Linke von a, ohne sie zu fassen. Die Köpfe scheinen von Binden 
umwunden, und b schultert am 1. Ann, der hier von der Chlamys 
umhüllt ist, senkrecht einen grossen Palmwedel. Vom Gebälk ist 
nur das rechte Ende da : ein freilich stumpfes Akroterion zeigt, dass 
diese Tafel einen Giebel hatte. 




IX. Typus (36?), 34, 35, 36. 

E. Die Dioskuren zu ßoss von oben zum Gastmahl 

kommend. 



34-36. Abb. IX 2-6, Pho. VI und V; der fragmentarische Zu- 
stand erlaubt nur drei Typen zu scheiden, nach einem Hauptmerkmal, 
nämlich 34 (^), wo das den Dioskuren bereitete Gastmahl nur in 

(') 34, Abb. IX 6, Ph. VI 8 und 5 im Museum aus sechs Stücken zu- 
sammengesetzt früher noch vollständiger, mit dem Giebel und zwei Nagel- 



DIOSKUREN IN TARENT 25 

dem Tisch mit Opfergaben besteht ; 35, wo hinter dem Tisch, höher 
als er, auch das Ruhebett, die xh'vi] dargestellt ist ; 36, wo der 
Tisch weggelassen ist imd nur die Kline geblieben. Logisch richti- 
ger wäre vielleicht, das vollständigste 35 vorauzustellen und die 
andern als Verkürzungen folgen zu lassen, oder aber 35 an den 
Schluss zu stellen. Ohne irgendwie entscheiden zu wollen, ob die 
Entwickelung dieser drei Typen vom Einfacheren zum Reicheren 
gegangen sei oder umgekehrt, habe ich nur den vollständiger er- 
haltenen Typus voranstellen wollen. 

In diesem (34) also erscheinen oben im Naiskos, entsprechend 
verkleinert die Zwillinge, nicht wie sonst fast immer in einer 
Richtung reitend sondern einander entgegen, zu unzweideutigem 
Ausdruck dessen, dass sie nicht vorüberreiten sondern eben hier 
ankommend zu denken sind, das bereitete Mahl zu geniessen. Zu 
welchem der drei Typen — wenn überhaupt zu einem von diesen 
drei, und nicht zu einem vierten — Abb. IX 1 gehört, ist nicht 
mit Sicherheit zu sagen, wahrscheinlich aber zu 36. Denn hier ist 
nicht nur auch unter der Kline eine grosse Leere, sondern rechts, 
neben der Vase keine Spur von abschliessender Ante. Da nun 
Abb. IX 1 unter dem dicken Epistyl (die theilende Horizontale ist 
Interpolation des Zeichners) richtig ein Nagelloch angiebt, wie es 
sonst nur bei den oben nicht mit Giebel abgeschlossenen Pina- 
kia Y 4 und VIII 1 vorkommt, und von diesen das eine ebenfalls 
keine Säule oder Stütze als seitlichen Abschluss hat, so wird man 
jenes kleine Stück IX 1 zu IX 5 ziehn dürfen. Auch hier aber 
werden wir den zweiten Dioskur nicht weiter rechts hinter dem 
theilweise erhaltenen herreitend zu denken haben, sondern ihm ent- 
gegenkommend links. Denn auch hier werden wir wie in den zwei 
andern giebellosen Pinakia zwei Nagellöcher annehmen. Wird das 
zweite links vom Bruch angesetzt, dahinter der Reiter wie rechts, 
so ist von einem Rossschweif bis zum andern ungefähr grade so weit 
wie von einem Ende der Kline zum andern, und bleibt jederseits 
oben noch Raum für eine Schale. Im kleinsten Exemplar von Ty- 



löchern im Feld ; etwas variiert in den Opfergaben auf dem Tisch IX 2, aus 
drei Stücken in Pho. VI 6, 7 und V 4 zusammengezeichnet. Wesentlich nur eine 
Verkleinerung von IX 6 ist IX 3, Ph. VI 9, schon im Museum aus zwei Stücken 
zusammengesetzt; 35, Abb. IX 4, Ph. VI 10; 36 Abb. IX 5, Ph. VI 11 im 
Museum bereits aus sechs Stücken zusammengesetzt. 



26 E. PETERSEN 

piis 34 ist eine solche oben zwischen den Pferdeköpfen sichtbar; 
sie kann jedem von beiden gehören, wie ein Kopf zwei Thierlei- 
bern. Und doch könnte sie hier eher fehlen wie sie in der grösseren 
Variante des Typus fehlt, weil ja auf dem Speisetisch die zwei 
Schalen vorhanden sind, während im dritten Typus, ohne Tisch, die 
Schalen überhaupt fehlen würden. Die Amphoren stehn in 34 und 
36 aussen neben dem Tisch oder der Kline, in 35 unter dem Tisch. 
Auf dem Tisch sind zu äusserst die Schalen, auch hier in Vollan- 
sicht dargestellt; nicht Brotlaibe; denn IX 4 steht an dem allein 
erhaltenen 1. Ende der Kantharos. auch aus III a 1 (IV 5) bekannt; 
zunächst jederseits ein Granatapfel; weiter in IX 3 und 6 und einer 
dritten Variante Pho. VI 3 ein pyramidaler oder konischer Ge- 
genstand zwischen zwei rundlichen, die in 3 deutlich nicht Früchte 
sind, sondern Kuchen ; solche auch in jenem dritten Stück, wo ihre 
flache Rundung in der Seitenansicht dargestellt ist ('). Es wird 
also wohl auch das Mittelste ein Kuchen sein, und die Scheibe auf 
welcher alle drei liegen, ist das übliche Körbchen (^). In IX 2 
(Pho.) scheinen zwei Pyramiden, und dazwischen eine grössere Schüs- 
sel zu stehn. Auch auf dem vor die Kline gestellten Tisch steht 
gleich neben dem Kantharos ein niedrigerer konischer Gegenstand, 
offenbar noch weitab von der Mitte, also auch er gewiss doppelt 
dargestellt. Der Tisch hat überall dieselbe Form; als dreibeiniger {^) 
ist er an der verschiedenen Stellung der Füsse nicht sicher kennt- 
lich, nur in IX 6 stellen sich die Beine oben ungleich dick dar. 
Die Kline mit der bekannten Beinform mit Doppelpalmette (aus 
Metall?) in der Mitte, mit einfacher oben, die hier nicht erhal- 
ten ist wie IX 5, hat am untersten Querleisten ein nicht mehr be- 
stimmbares Ornament. Die Kline in 36 ist ziemlich vollständig : 
über der Platte, welche über den Voluten liegt breitet sich die an 
beiden Enden rechtwinklich herabhangende Matratze, wie in einem 
andern Tarentiner Thonrelieftypus und grade so wie da muss das 
darüber eben noch Sichtbare ein Theil des Ruhepolsters sein. 

(1) Ph. VI 3. In diesem Punkt stimmt überein des Fragment (etwas we- 
niger als die Hälfte des Ganzen) im Berliner Museum, Arch. Anz. 1889 S. 91, 
15 (Abbild.). 

(*) Vgl. Arch. Anz 90, 89. wo ein solches Körbchen auf dem Tische 
steht, eines gebracht wird; über die Kuchen Ath. Mith. 96, 352. 

(5) Vgl. Blümner, Arch. Zeit. 84, 179 und 285; 85, 287 ; Benndorf-Nie- 
mann, Heroon von Gjölbaschi S. 176. 



DIOSKUREN IN TAKENT 



27 



F. Die Dioskureu zum Mahle gelagert. 

37. Abb. X 1 ('). Im Naiskos liegen die Jünglinge auf den 
linken Arm gestützt, nicht gegen — wie man nach der Polster- 
lage denken möchte — sondern nebeneinander; das Himation um 
Unterkörper und 1. Arm, Binden, wie es scheint, um den Kopf, 
strecken sie die Rechte mit der Schale vor, wohl nicht zur Spende 




X. Typus 37, 38, 39. 

sondern um die beiden Pferde zu tränken, die unverhältnissmässig 
gross mit Kopf und Hals links über den Liegenden zum Vorschein 
kommen, auf ihre Herren blickend. 

Die Säulen des Naiskos setzen sich nur bis zum Lager fort, 
dies aber stellt sich, weder oben noch seitlich charakterisiert, oben 
gar nicht, seitlich als wenig starker Pfosten dar, vor welchem tiefer 
die Amphoren standen : von der linken ist ein kleines Stück erhal- 
ten, üngetähr in halber Höhe der Vasen ist unten am Bruchrand 



(1) Zusammeiigezeichnet aus zwei Exemplaren von nicht ganz gleicher 
Grösse, auf Pho. IV", das eine aus fünf, das andre aus zwei Stücken schon im 
Museum zusammengesetzt. 



28 E. PETERSEN 

eine undeutliche Spur von etwas, das etwa auf dem Fussschemel (?) 
gestanden haben könnte. 

38. Abb. X 2(')- Aehnlich angeordnet, doch ohne die Pferde. 
Daher auch die Dioskuren nicht nach links sondern grad heraus 
gegen den Beschauer die Köpfe richten, und nicht in den Händen 
die Schalen halten. Vielmehr legt b den Arm um den Nacken von a ; 
das Himation deckt ihnen nur den Unterkörper, und beide Schalen 
haften links oben an Grunde. Die Kline erscheint hier nur als dicker 
Querleisten, an den die Amphoren heranreichten; darunter noch 
ziemlich tief erhalten glatte Fläche. 

39. Abb. X 3 (^). Das stark verschlissene Relief lässt bestimmte 
Formen der Kline nicht erkennen. Die Amphoren, von denen die 
1. fast ganz erhalten ist die rechte genügend, um die Breite des 
Reliefs zu bemessen, reichen wie in 37 bis an die Kline. Die Diosku- 
ren lagen wieder nebeneinander, die Schalen in den Händen ähnlich 
und ziemlich an selber Stelle wie in 37 : auch hier sind es die zwei 
Polster von a (in Photographie deutlicher), über welche die Scha- 
lenhand von b sich hinlegt. Die Pferde, fehlten nicht, wie die in 
der Anmerkung erwähnte Berliner Variante zeigt, und 4 a lässt sein 
1. Bein aus dem Gewände heraus über die Kline hinabhängen. Die- 
ser Typus ist also 37 mehr als 38 verwandt. 

(40) nur ein Bruchstück, in der Pho. VIT 12 unrichtig ge- 
stellt (3), steht wiederum 39 nahe, durch, die freiere Art zu liegen, 

(1) Pho. III 3 4. Aus Theilen von zwei Exemplaren zusaramengezeichnet ; 
3 ist nur ein Fragment, das andre aus sechs im Museum zusammengesetzt. 

(2) Pho. in 2, aus zwei Stücken schon im Museum zusammengesetzt. 
Von einer Variante dieses Typus ist die Thonform fast vollständig erhalten 
im Berliner Museum, Jahrb. d. Arch. Inst. 1887, 201, 3, daselbst nach einem 
Ausguss abgebildet. Der moderne Ausguss giebt aber auch den vorstehenden 
Eand wieder, den die Form neben den Säulen und um dem Giebel hat, der 
den antiken Ausgüssen dagegen fehlt. Die Form ist nicht allein kleiner als 
das Tarentiner Stück X 3, dessen Maasse zu den Maassen jener sich ver- 
halten wie 3 : 2, wofern die Angabe unter der Abbildung genau ist ; sondern 
die Darstellung ist auch ein wenig abweichend: der hängende Fuss von a 
reicht nur eben bis oben an den Henkel der Amphora, statt in X 3 bis fast 
an den Fuss derselben. Die Beschreibung hebt die dicken Blumenkränze mit 
Bändern hervor. Letztere bilden oifenbar die aus Abb. IIP 2 bekannten 
Schleifen. Auf der Eückseite war eingeritzt my©aa. 

(3) Ob ein darunter in derselben Pho. VII 13 abgebildetes Fragment völlig 
umzudrehen sei, und ein ähnlich gebogenes nacktes 1. Bein, darüber das von 



DIOSKUREN IN TARENT 29 

die auch hier a zeigt, indem er das 1. Bein nackt horizontal auf dem 
schwach (?) angedeuteten Polster einbiegt und, das von Falten über- 
deckte r. Knie hoch stellend, den Fuss auf das 1. Unterbein setzt. 
Von der Hüfte aufwärts ist nichts von ihm erhalten, also auch nichts 
von dem weiter rechts liegenden b. — 

Dass die zwei Jünglinge überall die Dioskuren sind, braucht 
nicht besonders nachgewiesen zu werden ; wohl aber müssen, nach 
der etwas umständlichen Einzelbeschreibung, die in dieser reichen 
Reihe von Darstellungen der Zwillinge uns gebotenen Züge ihrer 
Charakteristik nun auch in ihrer Gesammtheit betrachtet werden (*). 
Denn eben die Zusammengehörigkeit dieser Täfelchen macht ihren 
Hauptwerth aus. Zerstückelt wie sie sind, bilden sie doch ein ein- 
zigartiges Ganzes ; denn wenn auch einzelne Typen von mir über- 
sehen, andere ganz verloren sein sollten : der Kreis der Vorstellungen 
würde, kämen diese etwa noch hinzu, schwerlich wesentlich verän- 
dert werden. Und dass diese Bilderreihe in Tarent gefunden ist, 
der Tochter Spartas, eines Hauptsitzes der Zwillinge, wie sie uns 
selber noch nachdrücklich beweisen werden, das steigert den Werth 
dieser unscheinbaren Täfelchen. 

Der bekannte Homervers Kdcxoqa t>' ImiöSafjbov xal nv^ uya- 
d^ov Holvdsvxea war gewiss nicht so gemeint, wie ihn Spätere 
manchmal verstanden haben, so z. B. Ovid. Fast. 5, 700 hie eqites 
nie pugil ; wo durch die gegensätzlichen Pronomina unmöglich ge- 
macht wird, die Epitheta so zu verstehen, wie es bei Homer möglich, 
wenn nicht nöthig scheint, nicht als unterscheidende, sondern die 
beiden gemeinsamen Eigenschaften vertheilt, um jedem ein ehrendes 
Beiwort zu geben. Denn dass jene Unterscheidung nicht so durchaus 
typisch in der Folgezeit blieb, das zeigen uns am besten unsere 
Tafeln, wo die Unterscheidung gegenüber der Aehnlichkeit der Zwil- 
linge so gut wie verschwindet. Kann man doch in Wirklichkeit bei 



Falten reichlicher bedeckte rechte darstelle, und das Fragment von einen» 
ähnlichen Typus herstamme, rauss ich unentschieden lassen. Sowohl mit Pho. 
VII 12 wie 13 ist der gelagerte Jüngling der Tarentiner Terracotta R. Mitth . 97 
T. VIT zu vergleichen. 

{}) Vgl. die, wie immer, ausgezeichnete Behandlung Furtwänglers in 
Roschers Lex. I 1154. 



80 E. HETERSKN 

keinem der Bilder sagen, wer Kastor, und wer Polydeukes ; vielmehr 
sind sie immer beide Castores, beide Polluces, wie ja auch die Rö- 
mer, gewiss mehr durch ihre Bilder als durch Dichterworte be- 
stimmt, beide oft mit gleichem Namen nannten (')• Allerdings würde 
jene Unterscheidung, in einem Bildwerk verwirklicht und vor Augen 
gestellt, die Hauptsache, nämlich die Wesensgleichheit der Zwillin- 
ge stark verdunkeln. Der Dichter konnte ja neben jenen scheinbar 
unterscheidenden Beiworten in anderen Versen noch ihre Wesens- 
gleichheit genügend ausdrücken und hat es gethan, sowohl F 236 
wie A 301. Den Bildnern wäre das nur im symbolischen Beiwerk 
möglich gewesen; sie haben es kaum je gethan, am meisten viel- 
leicht der alte Eiekias ; und darüber kann ja doch wohl auch kein 
Zweifel sein, dass jene Unterscheidung nur dichterische, nicht my- 
thologische Geltung hat. 

In unsern Tafeln also sehen wir die Jünglinge immer beide 
ohne Ross oder beide mit Ross. Sind sie ohne Ross, so sollen wir 
beide als die Meister der gymnischen Agone denken (2). In agonisti- 
scher Thätigkeit werden sie allerdings kaum dargestellt : die Stlen- 
gis, 4, 5, 6, 11 in der Hand von a, 2, 10 von b gehalten, und 
zwar mehr wie ein Symbol, genügt als Andeutung ; und in 4, dem 
einzigen von diesen Bildern, wo wir von jedem beide Hände sehn, 
gewahren wir, dass eine Stlengis in der That alles ist. Nur in 8 hat 
jeder ein Geräth. Schwert der eine, Wurfspeer der andre ; und dieser 
fasst seine Waffe allerdings annähernd in der für den Beginn der 
Uebung charakteristischen Weise; aber man vergleiche die ange- 
zogenen Bilder bei Jüthner, und man wird erkennen, dass die Waffe 
von dem Dioskuren nur wie spielend, man möchte sagen gewohn- 
heitsmässig, absichtslos so gehalten wird. Etwas ostensibler, aber 
noch weniger gebrauchsmässig hält der Bruder das Parazonion. 
Ebenso ist es mit dem Diskos 9 a. Wirkliche Action, wie sie ja 
auch die nur zu dürftigen Reste von 17 ff. vorraussetzen Hessen, 
würde 9 zeigen, wenn wirklich die gehobene Rechte das aus der 
Scheide (in der Linken gehalten) gezogene Schwert hoch in der 
Luft schwänge : wir würden an die svonXog oQxrjaig denken können, 

(») Marx, Arch. Zeit. 85, 271. Athen. Mitth. 85, 85. 

(2) Furtwängler 1156. Inscr. Gr. Sic. et It. 748; Collection Tyszkiewicz 
XXVII ein Diskos den Dioskuren geweiht, im 6. Jhdt. ; dazu von Froehner 
angeführt ein zweiter Diskos und ein denselben geweihter «Arjyp. 



DIOSKUREN IN TARENT 31 

welche die Dioskuren erfunden haben sollten, und die einen Theil 
der spartanischen Gymnopädien bildeten ; an welche uns nach den 
Ausführungen von Wolters auch der nackte Leyerträger 16 denken 
lassen könnte, wäre nur mehr von ihm erhalten ('). Nun zeigen ja 
aber auch die Palmen in 7, 12, 13, desgleichen die Kopfbinden dass 
die Zwillinge nicht als Kämpfende sondern als Sieger dargestellt 
sein sollten ; und darauf mögen wir auch die Spende beziehen, die 
wir so oft dargestellt oder wenigstens angedeutet finden. Gewiss 
aber sollen die Schalen eigentlich etwas andres besagen ; das zeigt 
die Schaustellung derselben, ganz besondess da wo sie nicht in 
Händen gehalten, sondern am Grunde haftend wie Symbole erschei- 
nen : sie bedeuten die Cultusehren. Wie in den Händen der Götter, 
so sind wir gewohnt Schale oder Kantharos auch in den Händen 
der Heroen zu sehen, wovon weiterhin noch nahverwandte Bei- 
spiele zur Sprache kommen werden. AYir haben also auch den 
Altar in 1 als ihren eigenen anzusehn ; und dass sie am eigenen 
Altar spenden ist nicht widersinniger, als dass auch die Götter 
selbst das thun : sei es dass unüberlegt menschlicher Brauch über- 
tragen wurde, sei es dass eben die Absicht war, nur das Spenden- 
recht deutlicher zum Bewusstsein zu bringen {^). Darum sind die 
Dioskuren nun auch nicht in gymnastischer Action dargestellt, weil 
die Würde der Cultusempfänger gewahrt werden sollte ; und wenn 
in Darstellung der Pyrriche 9 und des gleichfalls zu den Gymno- 
paedien gehörigen Leyerspiels davon abgewichen sein sollte, so ist 
wohl zu bedenken, dass das eben beides selbst, wie das Spenden, 
Cultushandlungen sind. 

In Darstellung der ritterlichen Dioskuren scheint nun aller- 
dings grössere Bewegung zu herrschen, von 20-23 abgesehen, wo 
die Jünglinge ruhig neben ihren ruhigen Pferden stehen, entweder 
wieder mit den spendemässig gehaltenen Schalen, oder als ago- 
nistische Sieger charakterisiert. Aber im Grunde sind es doch nur 



(1) Vgl. weiter anten S. 38. 

(*j Vgl, Jahn, Griech. Bilderchxoniken S. 49. Die daselbst gegebene, 
von Wolters, Bausteine 427 angenommene Erklärung der archaisierenden Ee- 
liefs mit Apoll und Nike fände eine genaue Analogie an unserem Typus 1, 
falls der Altar den Dioskuren gehört. Eine andre Möglichkeit kommt weiter un- 
ten zur Sprache. Vgl. auch v. Fritze, Ath. Mitth. 96, 258. 



32 E. PETERSEN 

die ßosse, die so lebhaft bewegt sind: die Jünglinge lassen nur in 
drei Fällen etwas mehr von eigener Bewegung sehen. 

In 30 führt uns der diesseitige (b) den Agon der Anabaten 
vor, welcher von der in Olympia nach Pausanias von der 71. bis zur 
84. Olympiade gebräuchlichen (') xälrcrj nur durch das Geschlecht 
des Thieres sich unterschied. Denn die xdXnrj war eine Stute, deren 
Reiter beim letzten Umlauf in vollem Rennen absprang und das 
Thier am Zügel haltend neben her lief. Die noch zu Pausanias Zeiten 
gesehenen dvaßärai leisteten dasselbe mit Hengsten (-), und auf 
einem Hengst scheint auch der Dioskur zu sitzen. Der erste Sieger 
der xälTiVf in Olympia war ein Achaeer von Dyme. Im Westen 
kennen wir Anabaten ausser in Tarent, (woher wohl auch die schon 
früher von mir verglichene Vase bei Miliin I 47 mit ihrem Ge- 
genstück 46 stammt), am Tempel des epizephyrischen Lokri, auf 
Münzen von Himera, alle diese Beispiele ungefähr derselben Zeit 
angehörig, in welcher die xdlnr^ in Olympia noch auf dem Programm 
stand. Aus Grossgriechenland kam wie nach Rom, so auch nach 
Etrurien wenigstens der Sport: auf Grabgemälden von Corneto und 



(^) Warum sie im Oxyrynchos-Papyros bei eben diesen Olympiaden fehlt, 
sagt Robert, Hermes 1900 S. 143. 

(*) Paus. V 9 'ff»' ffe rj usu [xdlntj) d-)j'/.sia l'nnog, xai «tt' «rrwr dnontj- 
(fcüpTsg ini no eaj^ätM öqö^io avviS^eov oi dyaßcirai, raig Innon; siXTjfXfisfoi. 
Twy ^uXlvwv, xa<^c( xul ig ifis sti ol dva^äxai xakovfisyoi ' Sidcpoga de toig 
dvctßdxuig ig TTJg xdkntjg tov dqöfMOv xd xe arj^eld iaii xul äqasveg acfiaiv or- 
xeg ol l'nnoi. Die Apobaten (s. Lexica und Inschriften, Mommsen Heortol. S. 158) 
thun dasselbe vom Rennwagen. Die berühmten TuQuyxTroi sind nicht Agonisten, 
sondern Krieger, Innaxoyxiaxai mit einem Pferd, oder uf^cpinnot, diese nur 
durch Verschreibung den u\uin7ioi gleichgesetzt, in Wirklichkeit das Gegen- 
theil davon; indem dies Fussgänger sind, die einem Reiter beigegeben, ge- 
legentlich hinter ihm aufsitzen, also ein Pferd mit zwei Mann drauf: jene da- 
gegen Reiter, je mit zwei Pferden, die sie in vollem Reiten wechselten; (Aeneas 
Tact. II 2, 4 ((ficftnnoL und 13 Tugayxivoi). Dies wurde allerdings nach 
Hygin fab. 80 auf Pollux zurückgeführt, unde etiam Romani servant insti- 
tutum cum desuUorem mittunt. Aber auch für die Tarentini ist das Reiten 
auf zwei Pferden von Livius 35, 28 bezeugt, und über Tarent könnte man es 
von Sparta nach Rom gekommen geglaubt haben (s. Woelfflin in diesem Heft). 
Desultores heissen aber wenigstens bei Isidor 18, 39 nicht blos, in der von 
Friedländer (Marquardt, R. Staatsv. HI'* 524, 5 allein angenommenen Bedeu- 
tung, die ttfjLtpLTinoif sondern auch die Anabaten. Vgl. S. 50. 



DIOSKUREN IN TARENT '33 

Chiusi sehen wir Anabaten (')• In Corneto sind es, wohl zu beach- 
ten, zwei symmetrisch einander gegenüber gestellte, wie die von 
Lokri, ob man sie nun mit mir für Giebelfiguren oder mit v. Duhn 
und Koldewey-Puchstein für Akroterien hält (-) ; in Chiusi hat der 
Anabat einmal noch ein lediges Handpferd, und man könnte ihn 
darum für einen afKfijtitog, desultor im gewöhnlichen Sinne halten, 
nur dass der Maler ihn aus Bequemlichkeit nach der verkehrten 
Seite hätte umsitzen lassen. Das andre Mal trägt auch das zweite 
Pferd einen Reiter: die Gruppe wäre also mehr wie auf den Ta- 
rentiner Dioskurentafeln ; doch ist im Wandgemälde der Anabat 
ein Gerüsteter, der andre vielmehr wie ein Knappe (oder Schütze?) 
costümiert. Nicht minder deutlich ist der Absprung des Gerüsteten, 
neben einem leichten Reiter auf zweitem Rosse, auf zwei Seiten 
einer volcenter Kylix i^). Diese mag aus dem Osten stammen, wo 
wir das charakteristische Anabatenschema jedenfalls auf Münzen 
des kyprischen Kelenderis aus dem 5. und 4. Jhdt. finden (^). Ganz 
abgesprungen und neben dem am Zügel, besser am Halfter gehal- 
tenen Pferd herlaufend, sehen wir den Bewaffneten dann auf einer 
Münze von Erythrai, allein, also wohl im Agon ; gegen drei feindli- 
che Fussgänger, zum Kampf, auf einer Vase von Kameiros; sym- 
metrisch je einen von links und rechts gegen einen Krieger in der 
Mitte auf einem Sarkophag von Klazomenai (^). Der Abgespmngene 
hält zwei Rosse am Zügel wie ein afjb<fi,n7ioQ, fünfmal wiederholt 
auf einer Vase von Rhodos, otfenbar nicht zum Kampf sondern ago- 
nistisch; die zwei Kämpfer einer ander Vase von Rhodos haben 
dagegen jeder einen gleich gewappneten Reiter hinter sich, der aus- 



(1) Lokri: Ant. Denkm. I 52, Rom. Mitth. 90 IX S. 214. Himera: P. 
Gardner Types II 88, Zeitschr. f. Num. 95 HI, IV; Corneto: Mon. ined. d. 
I. I, 32; Chiusi: V 14 und 15. 

(*) Koldewey u. Puchstein, Die griech. Tempel S. 8. Zu dem Anabaten, 
welcher rechts neben einer Kämpfergruppe vom Pferde springt, seheint ein 
entsprechender links hinzugedacht werden zu müssen auf einer Tasse bei 
Micali, Mon. ant. XVIII (München?). 

(3) Mus. Gregoriano II Taf. 72 (A). 

(5) P. Gardner Types Taf. IV 26 und X 12. 

(6) Erythrai: P. Gardner Types IV 32; Kameiios, Salzman 55; Klazome- 
nai, Fondation Piot IV (1897) pl. VII (Murray) ; auf demselben wie es scheint 
Apobaten (vom Wagen) pl. IV, V, VI, und Anabaten pl. VI. 

3 



34 E. PETERSEN 

ser seinem eigenen noch ein Handpferd führt ('). Es kann in diesem 
und vielen ähnlichen Bildern nicht zweifelhaft sein, dass diese Ritter 
in die Schlacht nicht fahren, wie die Homerischen sondern rei- 
ten ; dass sie von ihrem Rosse springen, wie die Homerischen vom 
Streitwagen, und dass, wie hinter diesen der Lenker mit dem 
Wagen, so hinter jenen der Genoss mit dem ledigen Pferd hält, be- 
reit, ihn jederzeit wieder aufzunehmen. Es ist die Vereinignng des 
af^icpiTiTtog und des ccfiinTiog, und dasselbe ist bei den Dioskuren 
der Fall, aber nur agouistisch {^). 

Die beiden anderen Typen, wo die reitenden Dioskuren sich 
stärker bewegt zeigen, sind 28, wo beide in der Rechten hoch die 
brennende Fackel halten, also im Fackelrennen zu Pferde, das wir 
für Tarent auch durch Münzen bezeugt sehen werden (^) ; sodann 26, 
wo sie die Siegeszeichen triumphierend in erhobener Rechter halten, 
b in der Linken auch noch die Palme hält. Denn wie die von b 
gehaltene Binde, möchte ich den Pokal in der Rechten von a nicht 
als Heroenattribut verstehen, da die Situation dafür zu ungeeignet 
ist; auch nicht etwa als Andeutung des nachfolgenden Siegesbanketts, 
sondern als Preis. Schon Achill theilt bei Patroklos' Leichenfeier 
unter anderem auch Kessel, mit und ohne Dreifuss, einen Krater, 
eine ym'Aiy und einen Pokal mit Doppelhenkel als Preise aus ; von 
Sikyon kehrten auch zu Pindars (N. X 80 vgl. IX 51) Zeiten die 
Sieger von den Agonen heim 

dqyvqbad-evTBg üvv oivr]QaTg ^idXaig, 

ja Kastor selbst schmückt I. I 17 ff. sein Haus mit Preisen 

xal XeßrjTsffffiv (piäkai(Ti ts xqvüov, 

und wie dort mögen wir auch in Tarent den Pokal bei der Sieges- 
feier weingefüllt und eingeweiht uns denken. Also auch hier leb- 
haftere Bewegung nur bei dem sicher cultlichen, wahrscheinlich 
für die Lichtnatur der Dioskuren selbst bedeutsamen Fackelrennen 

(>) Journ. of hell. st. 84, T. XLIII agonistisch, XLII Ernstfall. 

(2) Die "Apccxeg iatwrss in Athen waren eher (ifiinnoi, wenn, ihre ncuSsi 
(Paus. I 18, 1) xa&ijfxeyoi acpiaiv iq)' l'nnojp je nur ein Pferd hatten. 

(3j Unten S. 49. Die Dioskuren stehend mit Fackeln in den Händen 
auf einer Münze von Abydos. Münch. Akad. Abh. 1890 Phil. Cl. 18, S. 622, 
n. 201 f. Taf. VU 21. 



DIOSKUKEN IN TARE.NT 35 

und im Triumph ; denn bei dem Anabaten ist sogar eher die rela- 
tive Ruhe bei Ausführung der nicht leichten Aufgabe als wesent- 
lich zur Leistung gehörig beachtenswerth. 

Dasselbe erkennt man bei den zwei Bildern der Fahrenden, 
von denen wieder in einem der Sieg betont ist. 

Ganz besonders charakteristisch für die Dioskuren ist Gruppe E, 
an welche die nächste wie eine Fortsetzung sich anschliesst : eine 
neue Illustration der im griechischen Festland wie in Ost und West 
weitverbreiteten Sitte, einzelne Götter, namentlich aber Heroen und 
ganz besonders die Dioskuren zu Gaste zu laden, anfangs in Familie 
lind Geschlecht, an einzelnen Orten, wie in Athen und Faros, dann 
auch von Gemeinde- und Staatswegen ('). 

Weniger als die meisten Heroen an ein Local gebunden, viel- 
leicht schon von ihrem mythologischen Ursprung her wandernd, auf 
ihren Bossen rasch zur Rettung über Land und Meer herbei- 
kommend und so denn auch zur Einkehr geladen, kennen wir sie 
in mancher Legende, die an Legenden von christlichen Heiligen 
erinnern mag (^). Zum Dank für verliehenen Sieg in schwerem Kampf 
oder in der Hoffnung auf zu verleihenden wird ihnen der Tisch 
gefüllt und das Lager bereitet (3), und 

KuaxoQog 6^s'A&^6vrog inl ^eviav ndo Tlafxqxtt], 
x«l xciaiyvrjTov TloXvSevxsog, ov S^uvfxa atpiaiy 
iyysueg i/j/uev c<s9-'/.r]Tc(ig dya&oTaiv. inei 
€vqvj(6qov Tttfiiai ^nÜQTtti; aytavtav 
fi'iiQctv 'F.Qfi^ xal avv 'HgnxXet diSTXoyn ^ciXeicev 

singt Pindar. N. X 49 den Ringer Theaios aus Argos an ('*). Sie ver- 

(•) Vgl. Deneken de theoxenns. Furtwängler, Roscher's Lex. I 1171 ; Pick, 
Jahrb. 98, 14.5 über Theoxenien auf thrakischen Münzbildern, der Dioskuren 
S. 153; da die Kline daselbst fehlt, stellen sich die Münzbilder zu Typus 37 ff. 

(«) Vgl. üsener, Rhein. Mus. 1900 S. 290 f. 

(3) Jenes zeigt die Geschichte des Pheraeischen Jason bei Polyaen VI, 1, 
von ihm zwar geschwindelt, von andern aber geglaubt; dieses die von dem 
Hilfsgesuch d er Lokrer in Sparta und von der auf dem heimfahrenden Schiff 
bereiteten Kline, auf welcher man die Dioskuren (unsichtbar gelagert) mit- 
zubringen, oder gebracht zu haben glaubte. 

(*) Worte wo Furtwängler 1157, Deneken a. 0. S. 13, wie schon ein Scho- 
liast und ich selbst früher, fJio?Qav irrthümlich vom Mahle verstehn, statt es 
mit (lywvMv zu verbinden. 



36 E. PETERSKN 

leihen athletische Tüchtigkeit, im Ringen wie im Wagenrennen, 

roig yi(Q instQmjSf (HgaxXrjg) OvXvfinöyd^ iiüv S^arjtöv ctyiSt^a ye/ueiv 
nt'&Qbjy rVperä«: nsQi xal ^ifxcfttQUitrov di(fQT]Xaaiag' 

sagt Pindar Ol. III 36, und stellt, auch hier wieder dies als den 
Lohn hin, der Therons Geschlecht von den Tyndariden zuthell wird, 

oTi nXeiaxami ßQordHv 

Auch in Tarent sind die Dioskuren augenscheinlich vornehm- 
lich als Vorsteher der Agone und Siegverleiher gefeiert, und mochte 
der Einzelne sich begnügen ihnen die ^eivia xQaTte^a im Bilde (') 
zu weihen, so muss es doch auch eine wirkliche Theoxenienfeier 
gegeben haben, vielleicht wie die von Faros (Deneken S. 10) im 
Gymnasium und öffentlich. Die Darstellungen sind wesentlich so 
wie die zwei schon bekannten, nämlich der attischen Lekythos von 
Kameiros und des Reliefs von Larissa. Jene, etwa derselben Zeit wie 
die Tarentiner Reliefs, stellt, wie von diesen Typus 36, nur die 
Kline (2), ohne Tisch, dar. Erheblich jünger ist das Relief von 
Larissa, wo zur Kline nicht nur der Tisch kommt, sondern vor 
diesem auch noch ein Altar steht. Der Tisch ist im Relief spärli- 
cher besetzt, nur mit grossen runden flachen Broden und den pyra- 
midalen Kuchen C"*) ; es fehlen die Granatäpfel, es fehlen die Scha- 

(') Vg. Reisch, Griech. Weihgeschenke S. 9. 

(2) Auf dem Polster rechts liegt ein Fächer. 

(3; Vgl. über diese v. Fritze, Ath. Mi. 96, 352. Tische dieser Art z. B. 
Schreiber Atlas 96, 2, Koschers Lex. I 2575; neuerdings des Men, Bull. corr. 
hell. 96 XV. Die Granaten spielen eine grosse Rolle auch in den Grabgemälden 
Unteritaliens ; z. B. Mon d. /. X 55 ; Mon. ant. Line. I S. 953. Die von v. Fritze 
a. a. 0. S. 347 unter 1 hingestellte Erklärung der Todtenmahle, die ich sel- 
ber früher vertreten habe, ist ja unhaltbar ; die andern beiden : 2. der He- 
roisierte sei im Jenseits, die Freuden des ewigen Schmauses geniessend, 3 die 
Opfergaben seiner Verehrer geniessend dargestellt, dürfen aber nicht, wie dort 
geschieht, als Alternative gestellt werden. Wie die Götter das ihnen auf Er- 
den gebrachte Opfer sowohl nah wie fern geniessen können, so ist das dem 
Heros hienieden Dargebotene ein Symbol des dort Genossenen. Auch v. F.'s 
Beweisführung ist nicht bündig. Dass Weihrauch vom Todtencult ausgeschlos- 
sen sei, hat er (Rauchopfer S. 50 f.) nicht bewiesen, und es wäre ein Wider- 
spruch, wenn der Weihrauch vom Gült ausgeschlossen wäre, und dennoch die 
Heroen beim ewigen Schmaus sich daran erfreuen sollten. Dass die Tische 
mit Kuchen u. s. w., die regelmässig das Mahl des Heros (und gelegentlich 



DIOSKUREN IN TARKNT 37 

len; ähnlicher aa Ausstattung sind andre Tische, immer jener eigen- 
thümlichen Form mit drei Beinen, die ihre platte Breitseite und 
den Thierfuss je nach einer andern Seite kehren, schon fast wie 
die später an die Stelle tretende runde tripes mensa. Die Rich- 
tung der Dioskuren ist in beiden früher bekannten Darstellungen 
abweichend, indem die Zwillinge beide rechtshin reiten, was trotz 
einem Anziehn des rechten Zügels — nur im Relief, nicht im Va- 
senbild — wie gesagt mehr den Eindruck des Vorüberreitens macht. 
Beachtenswerth ist, dass im Theoxenion des Reliefs der Helios mit 
seinem Viergespann im Giebel des Naiskos die später anerkannte Be- 
ziehung der Zwillinge zu Auf- und Untergang anzudeuten scheint (*), 
und dass die Nike mit dem Kranze, der nur den Dioskuren gelten 
kann, unter statt über ihnen fliegt. Wir werden, um dies nicht 
widersinnig zu finden, denken müssen, dass sie den Kranz, gewiss für 
bescheideneren Sieg als kriegerischen, auf den pulvinus legen wird, 
dahin wo auf dem Vasenbild der Fächer liegt, wie Deneken richtig 
verstand ; aber der wahre Grund das Flügelmädchen anzubringen war 
der, dass sie die Dioskuren zu tragen schiene (*) ; oder besser wohl 
noch, ihr Reiten durch die Luft veranschaulichen möchte, mit Ver- 
wendung eines altherkömmlichen Motivs, wie es der den Lokrischen 
Dioskuren tragende Triton oder der unter Paionios Nike durchflie- 
gende Adler darstellt. 

In der letzten Gruppe X sehen wir dann die Dioskuren auf 
der Kline gelagert. Obgleich der Tisch in diesen Bildern fehlt, 
dürfen wir sie doch, namentlich wo die Rosse zugegen sind, wie in 37 
und 39, als eben aus der Höhe zu den ^s'via herabgekommen 
verstehen, die in der vorigen Gruppe bereit standen. — 



der Götter) darstellen, nicht die dsviSQu rgäne^« sind, zeigen unwidersprechlich 
die Theoxenia der Dioskuren; denn diese Heroen sind eben erst ankommen, 
und man wird nicht denken, dass sie zwischen dem ersten und zweiten Gang 
sich eine Motion gemacht haben. Anders Furtwängler, vgl. die letzte Anm. 

('; Heuzey, mission en MacSdoine S. 420 zieht Kabirendarstellungen 
heran, ohne Grund, wie mir scheint. 

(*) Aehnlichen Dienst versehen in hellenistischer Zeit verschiedene Flü- 
gelwesen. Das früheste Beispiel ist wohl, wenn ich recht verstehe, der auf« 
Proskenion des athenischen Theaters gemalte Demetrios (Phalereus) ini r^s 
Oixovfieyt]? oxovfisvo? (Athen XII 536 vgl. Dörpfeld-Reisch. Gr. Th. S. 291). 
Die Oikumene ist geflügelt auf der Tafel des Archelaos von Priene. Dazu etwa 
Clarac pl 130, 331. 



38 K. PETERSEN 

So schliesst sich die Keihe, und Ende verknüpft sich mit An- 
fang. Denn auch dort schon sahen wir die Zwillinge spendend, nur 
nicht Hebend sondern stehend bei dem Altar. Haben wir in dem 
durchlaufenen Kreise so oft Hinweise auf Agonen und agonistische 
Siege gefunden, so müssen wir eine mit Agonen verbundene Feier 
denken, an welcher die Dioskuren theilhaben. Im üppigen, festfrohen 
Tarent ist es wahrscheinlich, dass dieselbe mit einem allgemeinen 
Festschmaus geendet habe, wie die ^so^tvia in Argos (Deneken 
S. 10) oder die Dioskurenfeier der Spartaner (Paus. IV 27), also 
ein Festmahl, bei dem wir die Tyndariden, wie sie in Kampf und 
Sieg als Vorbilder und Vertreter der Landesjugend dastehen, auch 
des Mahles nicht allein geniessend denken würden, sondern eine 
dri^iod^oivicc, gemeinsam Menschen und Göttern oder wenigstens 
Heroen. Anschauliche Vorstellung von solchem geraeinsamen Mahle 
mögen wir aus elruskischen Wandgemälden gewinnen Avie in der 
tomba della Pulcella von Corneto ('), in deren Hintergrund die 
tempelartige Nische ein separates Ruhebett enthält, zu dessen 
Schmuck ein Mädchen von links Zweige herbei bringt, wie auf 
dem Ruhepolster der Dioskuren (s. oben S. 37) der Fächer lag, 
und alsbald auch der festliche Kranz liegen sollte. Wir mögen dort 
den Ehrenplatz für den letzt verstorbenen Geschlechtsgenossen be- 
stimmt denken oder für die Götter; an beiden Seiten wänden aber 
sind schon die Paare der Männer und Frauen gelagert, auch sie 
schon gestorben aber geringeren Grades, und geniessen der Freuden 
des Festmahls. 

Aber da die Dioskuren, nach Tarent von Sparta gekommen 
sind, was uns sogleich noch augenscheinlicher werden wird, so 
könnte auch an eine andre spartanische Feier gedacht werden. An 
die Gymnopaedien erinnerten nämlich zwei leider unvollständige 
Typen; 9 der Waffentänzer und 16 der Leyerspieler. Beziehung 
der Dioskuren, der Vorbilder spartanischer Jugend, die bei jenem 
Feste die Hauptrolle spielt, darf man auch ohne ausdrückliches 
Zeugniss voraussetzen; auch deswegen, weil das Fest Todten zum 



(1) Vgl. Dennis, Cities I S. 313. Bull. d. I. S. 73, 98 ff. Photogr. Mo- 
scioui 8618. Vgl. auch die tomba delle Iscrizioni, Dennis I 364, Museo Gre- 
gor I Taf. CHI, wo auch die Polster gelegt sind, und nun mit Zweigen das 
Lager geschmückt wird; Tischbein II 56, Müller- Wieseler D. a. K II 617. 



DIOSKt REN IN TARKNT 39 

Gedächtniss gefeiert wurde (Herod. I 82), den im Kampfe um die 
Thyreatis Gefallenen. Die aus Athen. XV 678 bekannten Thyrea- 
tischen Kränze, welche an diesem Feste die Epheben trugen, hat 
uns Wolters, Jahrb. 9<5 S. 7 f. durch eine in Amyklai gefundene 
Bronze anschaulich gemacht. Dem hohen Kranze dieses Jünglings 
vergleicht Wolters mehrere Beispiele. Aehnlicher scheinen mir ein 
par andre, von denen hier besonders das alterthümliche spartani- 
sche Kelief hervorzuheben ist, auf welchem die Zwillinge einander 
gegenüberstehen, und der zur Linken einen Kranz jener Art in der 
Hand hält ('). Die Dioskuren unserer Tafeln haben öfter einen 
Kranz über der Binde, besonders hoch und deutlich in 27. Aber 
auch Schmaus und Bewirthung ist für die Gymnopaedien in Sparta 
bezeugt von Xenophon M. S. I 2, 61. In Sparta wurden die Tänze 
dieses Festes auf einem Theile des Marktes aufgeführt, der deshalb 
XoQog genannt wurde ; in Tarent sind die Dioskurentafeln da gefunden 
wo man den Markt ansetzt, mit welchem zusammen Strabo VI 278 
das Gymnasium und den Koloss des Zeus nennt, wie Zeus Agoraios 
auch auf dem Markte Spartas stand. Also könnten die Dioskuren in 
I 1 auch am Altar des Apollo spendend verstanden werden. 

Doch lassen wir es dahingestellt sein, welcher Feier man bei 
Weihung jener Täfelchen in Tarent gedachte : soviel ist gewiss, dass 
wo bestimmte Nachrichten über Tarentiner Feste der Dioskuren 
fehlen, wir auf spartanische schriftliche Tradition zurückgreifen 
dürfen, und dass diese wiederum unerwartetes Licht erhält durch 
die nunmehr soviel vollständigere bildliche Tradition der Tochter- 
stadt. In Sparta giebt es zwar einige Dioskurendarstellungen die älter 
sind als alle unsere Tarentiner (-), aber weder da noch sonst, wie 
gesagt, giebt es eine so vollständige Reihe, und diese noch aus bester 



(}) Athen. Mitth. 83 T. 18. Augenscheinlich derselbe Kranz ist es ferner, 
der in einem antiken Anathem als Votiv, in einen Rahmen (^»' n'/.aiaiio? vgl. 
den Kleiderschatz der Brauronia C. J. A. II 751, 4, 18 u. s. w.) eingespannt, 
im Heiligthum aufgehängt zu denken ist, zwischen dem Athleten und dem Bilde 
des Zeus, vor welchem jener eine zwar nicht genügend deutliche aber gewiss 
heilige Handlung vornimmt. Von den zwei Wiederholungen dieses Reliefs lässt 
dasjenige im Conservatorenpalast {Bull, comun. 84 T. 23, Heibig Fährer I n. 613) 
den Zeus weg; das andre, in Wiltonhouse (Michaelis Anc. marbles S. 681, 
Arch. Zeit. 78. T. II) den Kranz. 

(«) Vgl. Furtwängler Ath. Mitth 83 S. 372. 



40 E. PETERSEN 

Zeit. Auch um diese zu bestimmen, ist nun noch ein Wort über 
die besonderen Symbole unserer Täfelchen zu sagen ('). 

Schalen <piäXm, entweder glatt um den dfj,(f>aXdg oder xa- 
QvcoTai, sehen wir wie S. 31 gesagt wurde, vor unsern Augen zu 
Symbolen werden, wenn sie nämlich auch da, wo sie durch die 
Art, wie die Dioskuren dargestellt sind, eigentlich ausgeschlossen 
wären, wie z. B. IV, 1 VII 2, dennoch erscheinen, als ob sie an 
der Wand des Naiskos hafteten; noch mehr Symbol vielleicht IX 3. 
wo im selben Bilde ausser den zwei auf dem Opfertisch aufgestellten 
Phialen noch eine, die gleich zweien gilt, in der Mitte zwischen 
den Zwillingen angebracht ist. Die Bedeutung der symbolisch oder 
attributiv gewordenen Schalen ist selbstverständlich aus den andern 
Darstellungen zu entnehmen, wo sie zu lebendigem Gebrauche da 
sind, d. h. von den Dioskuren, den zum Mahle gelagerten oder 
beim Altar stehenden I 1, III* 2 gehalten werden wie zur Spende 
oder das Koss zu tränken. Dass wir die Spende als ihnen selber 
geltend, die Schale also wie in Götterdarstellungen attributiv als 
Andeutung des Spenderechts und der Cultusehren zu verstehen ha- 
ben (2), das erhellt wohl am besten aus den Bildern von Gruppe IX, 
wo die Schalen, und einmal der gleichbedeutende Kantharos, nebst 
den andern Opfergaben auf der ^sivia TQuns^a aufgestellt sind. 
Damit vereint sich sehr wohl noch ein weiterer Gedanke. Den Pokal 
nämlich, welchen in Typ. 26 (IIP 1 und IV 5) der eine galoppie- 
rende Dioskur wie triumphierend in der Hand hält, glaubten wir 
als gewonnenen Siegespreis verstehen zu sollen, wie es Pindar 
(Isthm. I 18 ff.) von Kastor (u. Polydeukes ?) rühmt, dass sie mit 
Dreifüssen die sie als Preise gewonnen ihr Haus geschmückt hät- 
ten. Als Preise gab man diese Gefässe, weil sie den Heros ehren, 

(') 0. Lessing, die Gestalt der Dioskuren und ihre Attribute (Diss. 
München 91) hat mancherlei zusammengetragen aber ohne historischen Ge- 
sichtspunkt. Paten, de cultu Dioscurorum I (Diss. Bonn 93) behandelt die 
Bildwerke nur beiläufig. 

(*) In Euripides Hei. 1666 verheissen die Dioskuren nach dem Tode, ^eog 
xexkijaei xai JioaxovQOjy uira anov&cäv fAtr^s^eig u. s. w. Die Schalen als Sym- 
bole der Cultusehre hat v. Fritze in der Zeitschrift f. Numism. 97 S. 66 und 
besonders 69 besprochen. Er weist besonders auf die cptakai als Verzierung 
heiliger Architektur hin, an Tempelfriesen, und Grabcippen. Vgl. die über 
hängenden Festons nachgebildeten der Ära Pacis, desgl. an den Heroa Taren- 
tinischer Grabvasen, Watzinger vasc. pict. tarent. S. 3, 2. 



DIOSKUREN IN TARENT 41 

ja gab sie der Heros selbst; und so dürfen wir nun die Schalen 
nebenher noch als Sieges- und Ehrenpreise verstehen. 

Die Amphoren, die man auf Münzen und Reliefs schon oft 
gefunden, nie so regelmässig und in so verschiedenartiger Aufstel- 
lung wie auf unsern Tafeln, und deren Erklärung bisher verschie- 
den ausgefallen ist ('), sie erklären sich jetzt auf dieselbe Weise 
wie die Phialen: in den Händen gehalten wie diese kommen sie 
allerdings nicht vor ; aber in den Bildern der IX. Gruppe, wo sie 
neben dem Opfertisch stehn, oder in einem Fall IX 4 sogar unter 
dem Tisch (ebenso auf dem Spartanischen Dioskurenrelief Athen. 
Mitth. 77 S. 387 F), während die Phialen oder der Kantharos oben 
darauf gestellt sind, da kann es keinem Zweifel unterliegen, dass 
die Amphoren — oder vielleicht sollten wir nun Krater sagen — 
den Trank enthalten, der zu der Phialen gehört. Wie diese dürfen 
wir sie zugleich auch agonistisch nennen und mögen vermuthen, 
dass wie in Athen Oel (-), so in Tarent und wohl auch anderswo 
Wein als Preis gegeben wurde. 

Solchen Zweck haben sie ja auch in den Heroen -Todtenmahlre- 
liefs, wo es meist durch das Schöpfen daraus, um die Schale zu füllen, 
noch deutlicher gemacht wird; ebenso in dem Tarentiner Terracotta- 
relief, Rom. Mitth. 97. VII (vgl. unten). Dass sie auf unseren Tafeln, 
meist deutlich durch einen Deckel geschlossen sind, so besonders in 
Gruppe IX, spricht keineswegs dagegen : das Mahl hat ja noch nicht 
begonnen : wo das der Fall ist wie in X, da vermag ich, auch auf 
der Photographie, die Deckel auf den Amphoren nicht zu erkennen ('). 
Unmöglich kann man nun dieselben zwei Vasen in den andern 
Bildern in einem ganz andern Sinn nehmen. Sepulcral kann man 
sie ja auch so immer noch nennen, nur nicht als die irdischen Reste 



(}) Mit Gerhard Gr. My. I. 484 versteht sie Lessing S. 49 als Aschen- 
gefilsse. Fragweise deutet Furtwängler 1174 die richtige Erklärung an. Die 
Lutrophoros (s. Wolters, Ath. Mitth. 91, 371 und 93, 66) kommt, als attisch, 
ja nicht in Betracht, so gross im letzten Grunde die Analogie sein mag. Die 
Uydxüjy vdgiat C. I. A. II 679, 10 sind Tempelgeräth wie die Hydrien andrer 
Götter 681. 

(*) Vgl. C. Smith im III Annual report Brit. school Athens zu Taf. XVI a. 

(ä) Dass die Henkelansätze oben öfters Eotellenform haben, während wir 
eigentlich Voluten über dem Kraterrand erwarten sollten, müssen wir doch 
als thatsächliche Vasenform hinnehmen. 



42 E. PETERSEN 

des Todten enthaltend, soadern das was diesen auch nach dem Tode 
noch ehrt und erquickt (') 

Dass in andern Denkmälern öfters (in unsern Tafeln niemals) 
Schlangen d. h. die Geister der Heroen die Amphoren umwinden, 
verträgt sich ja mit dieser Deutung der Amperen nur um so besser. 
Sehen wir doch auch sonst die Schlange die Eschara umwinden, 
und von ihr fressen, nach den Speisen auf dem Tisch oder dem 
Trinkgefäss verlangend sich winden und recken. Auch auf dem inie- 
ressanten Relief des Argenidas in Verona (bei Furtwängler 1171, 
Wiener V. B. IV, IX 8) kann es nicht absichtslos sein, dass die 
Schlange, welche vom Lande herkommt, nach der Mündung der frei- 
lich auch hier verschlossenen Amphoren den Kopf reckt. Gewiss 
versteht man richtig, dass Argenidas für Rettung aus Meeresgefahr 
den Dioskuren eine Stiftung macht, wenn auch nur im Bilde, d. h. 
zwei Amphoren, die der Stifter zu berühren scheint, vor sei es mit- 
geweihten sei es vorher vorhandenen Standbildern der 2(0TrJQsg auf- 
stellt. Die Schlange kann nicht wohl etwas anderes bedeuten als 
dass die Dioskuren die Weihung annehmen. Sie muss aus einem 
bekannten Heiligthum herüberkommen, ähnlich wie auf einem 
Medaillon des Antoninus Pius die Schlange des Asklepios vom 
Schiff, das sie von Epidauros brachte, zu ihrem Heiligthum auf der 
Tiberinsel hinüber gleitend dargestellt ist {-). Welches Heiligthum 
mit jenem seltsamen Bauwerk gemeint sei, hatte man vielleicht 
richtig errathen. Die Bestätigung bringen unsere Tafeln. 

Hier sehen wir in zwei Typen, sowohl der Dioskuren ohne 
Rosse I 2 (?) II 3, als der fahrenden VIII 1 jenes eigenthümliche 
' tischartige Gestell ' (^), und beide Male darauf die Amphoren stehn. 

(') Auch Amphoren oder Krater sieht man wie auf Grabpfeilern so auch 
im Inneren der Aedicula tarentinischer Grabvasen. Vgl. Watzinger de vasc. 
pict. tar. S. 16 ff., auch die Tische mit Vasen, die zur Prothesis des Arche- 
meros gebracht werden, daneben auf der Erde stehend eine mit Deckel ge- 
schlossene Amphora, Gerhard Ak. Abh. I Taf. II Etwas besonderes ist es mit 
der Bonner Vase S. 24, I, wo rechts und links von der trauernden Frau in der 
Aedicula je eine schlanke Amphora steht. Ob es eine Priesterin der Diosku- 
ren ist ? 

(2) Köm. Mittheil. 86 S. 168 mit der Erklärung v. Duhn's. 

(3) So wird auch in der Beschreibung des Spartanischen Dioskurenreliefs T 
(Ath. Mitth. 77 S. 393) das Geräth genannt, welches zwischen den Dioskuren 
steht. Da aber die undeutlichen Gegenstände darauf nicht wie in II 3, VIII 1 



DiOSKUREN IN TAREKT 48 

Man braucht nun nur ein schriftliches Zeugniss zu vergleichen, 
um zu erkennen, dass wir hier endlich Anschauung der spartani- 
schen döxava haben. Td naXaid xwv JiodxovQoav äifiÖQi^ava ot 
27taQudrai döxava xakovGi' Mozi di ovo ^vXa Tiagäkkr^ka Jyfft 
TtXayioig iits^svyiisva, xal doxei to) (fiXa^tkcpo) tmv ^emv otxsTov 
sivai Tov dvaO^rj/jiaTog to xoivov xal udiaiQsrov sagt Plutarch de 
frai. am. 1. Die ethische Auslegung des Symbols können wir 
einstweilen auf sich beruhen lassen ; sie bestätigt aber die Beschrei- 
bung : zwei parallele Balken — so hat man die ^vla immer schon 
verstanden (') — durch zwei Querbalken verbunden, das ist genau 
was wir an unserem Gestell sehen, am besten VIII 1, wo es am 
grössten und vollständig erhalten ist (-), und wo es mehr noch als 
in dem andern Beispiele selbständige Bedeutung zu haben scheint. 

Die einfachste Auffassung dieser Darstellung ist nun doch die, 
dass diese $6xavu im Hippodrom stehn und hier von den idealen 
Vorbildern des Rennsports umfahren werden gleich wie von den 
wirklichen Rosselenkern in Tarent. 

Da die Tarentiner Balken aber nur difiÖQvnata der spartani- 
schen sind, wie diese selbst, genau verstanden (3), nur Nachbilder 
andrer Originale — man darf vermuthen derer in Therapnai — 
so mag man, was für Tarent nicht bezeugt ist, aus Sparta ergän- 
zen. Dort erfahren wir wenigstens soviel, dass die Dioskuren als 
'A(p€trJQioi, offenbar Bilder, frei oder in einer Kapelle, am Beginn 
des Dromos standen, TiQog di tov Jq6f.iov ttJ dgxfj ^löoxovqoi ts 
sldiv 'A(fsxiqQioi (Paus. III 14, 7), und dass dieselben, die Meister 



und III* 2 die Amphoren sein können, weil diese unter dem Tisch stehn, wird 
es richtig als Tisch gedeutet sein, vgl. Abb. IX 4. 

(1) Vgl. tfoxo?, P 744 vom grossen, doch wohl unbehauenen Holz ; r 38 
von den behauenen Hölzern der Saaldecke. Joxcivm cd arähxsg tag latiirrai 
T« Xiva bei Hesych, von Welcker, Gr. Gott. II 421 vom Webstuhl verstanden, 
der in der That ähnlich, S. Blümner Techn. I 1, 38. Schon lange hat man 
die Bemerkung gemacht, dass das Sternzeichen der Zwillinge den fiöxava 
gleiche, Winckelmann G. d. K. I 1,8; Albert le culte de Castor et Pollux S. 96. 

(*) I 2 ist in zwei Punkten etwas abweichend, erstens durch wenn auch 
schwache Einwärtsneigung der senkrechten Pfosten, zweitens dadurch dass 
über dem oberen Querbalken in geringem Abstand noch ein dünnerer gleich- 
gerichteter Leisten liegt, der links, also wohl auch rechts, wo es durch den 
Arm von b verdeckt ist, in einen rundlichen Zapfen eingefügt ist. 

(3) Vgl. K. ßötticher Tektonik II 159. 



44 E. PETERSEN 

der gymnischen und der hippischen Agone, auch in oder bei dem 
Hippodrom in einem Tempel standen. Dieser lag im Phoibaion, 
und dieses &€Qcc7Tvr]g ov ttoqqw. . . . tovtov J* ov nokv Iloasidco- 
rog d(p€'<fTr]xfv isqov sTrixXr^aiv Faiaöxov nach Paus. III 20, 2. 
Der Gaiaochos aber war nach Xenophon Hell. VI 5, 30 im Hippo- 
drom. Damit dürfen wir vergleichen, dass im Olympischen Hippo- 
drom, wo die ' Ausgrabungen ' ja leider versagen mussten, nach 
Paus. V 15, 4 iv fih> t'Ö vnaid-Qo^ trjg Htps'ffsoyg xard fitffov nov 
/näXiara Jloaeidmvo; "^Ititiiov (und der Hera) Altäre standen, ngog 6i 
tfö xiovt JioaxovQwv ('). Können wir nun schon aus dem, was Pau- 
sanias VI 20, 7 über die Signalisierung der Um fahrten durch stei- 
genden Adler und fallenden Delphin sagt, erkennen, dass der römi- 
mische Circus vom griechischen Hippodrom manches entlehnt hat, 
so werden wir berechtigt sein, mit den doxceva in Tarent (und Sparta) 
zu vergleichen das von zwei Säulen getragene Epistyl mit runden 
Körpern darauf, welches die vollständigste Darstellung des Circus {-) 
gleich zunächst der Hippaphesis zeigt. Auch ausserhalb des Circus 
kennt man ferner solche von zwei (auch mehr) Stützen getragene 
Epistyle, auf denen oben Gefässe aufgestellt zu sein pflegen, und 
die man allgemein für heilig hält, so eines in Bottich ers Baum- 
cultus Fig. 36, Schreibers Atlas XI 14, aus einem pompejanischen 
Wandgemälde, mit zwei Vasen, ein andres mit drei und mehr Vasen 
in den bekannten Philosophenmosaiken von Sarsina und Pompeji 
Rom. Mitt. 97 S. 328 (3). 

Diese mit Vasen geschmückten Epistyle sind z. Th. gewiss 
sepulcral ; wie es auch für das Philosophenbild verstanden wurde, 
obgleich der Hegel nach nur eine Vase, bald dieser bald jener 

(>) Leider sagt Pausanias nichts genaueres Ober diese Säule. Wernicke, 
Jahrb. 94, 203 hatte sie links neben der Hippaphesis im freien Eaum fixiert. 
H. Schoene macht ebda 97, 151 dagegen geltend, dass Pausanias den Altar 
der Dioskuren zwar if vtkü&qo) aber doch i^ röiv i'nrtcov rft dcpeaei ansetzt. Er 
stand also, und mit ihm die Säule, jedenfalls an der Aphesis. 

(*) Ann. 1870 LM, wo S. 243 auf noch zwei Beispiele verwiesen wird, 
von denen aber nur Gerhard A. B. 120, 2 einigermaassen gleicht. 

(3) Beide mit dem heiligen Baum daneben oder dazwischen. Vielleicht 
darf erinnert werden an Darstellungen der Dioskuren mit einem Baum, zwi- 
schen ihnen. Vgl. Wide, Lak. Kulte 816 f. Das Pompejanische Mosaik (vgl. 
Diels, Arch. Anz. 98, 120) jetzt Mon. ant. Line. VUI Taf. XII, und Sp. 403 f. 
auch das Wandgemälde. 



DIOSKCREN IN TARENT 45 

Form, auf natürlich auch nur einem Pfeiler oder Säule als Grab- 
aufsatz steht ('). Es ist schon bei Phialen und Amphoren gesagt, 
dass die sepnlcrale und agonistische Bedeutung derselben in einan- 
der fliessen; die Agonen werden zu Gedächtniss des Heros gefeiert; 
er selbst war darin Sieger, gewann als Prototyp desselben die Preise, 
und Preise gleicher Form werden in seinem Namen Sterblichen 
ausgetheilt. In diesem Doppelsinn verstehen wir also auch die Am- 
phoren, wo sie, meist einzeln, einmal gepaart, auf einzelnen oder 
Doppelpfeilern neben den Dioskuren unserer Täfelchen stehen. Den 
Pfeiler sah man als ungeformtes Bild selbst von Göttern an, also doch 
wohl auch des Heros, z. B. wo ihm ein Helm aufgesetzt ist (-) ; für 
die Zwillinge gebührten sich folglich zwei Pfeiler, die in ältester 
Zeit natürlich aus Holz waren. Da die Tarentiner diese Form bei der 
Auswanderung als dcpi^Qv^iara mit sich nahmen, ist ihr hohes Alter 
genügend verbürgt. Die sepulcrale Bedeutung der döxara sodann 
wird uns noch durch eine grammatische Erklärung des Wortes be- 
zeugt. Im Etym. M. heisst es Joxava [rä^oi viv^g'] iv Aax€6ai- 
fiovia, TiaQu to dä^aüO^ai rodg Tvvdaqidag^ (pavraffiav s^ovia (') 
täffoiv dveojYfxsvaiv. Auch diese Erklärung wird uns durch die von 
unsern Täfelchen gewährte Anschauung verständlich (^) : nicht Gräber 

(') Vgl. speciell aus tarentinischem Gedankenkreise Watzinger de vasc. 
pict. iarent. S. 15 f. 

(2) Vgl. die Wandgemälde bei Heibig 159 ff.: Hera, 773 f.: Pallas; mit 
Waffen der Gestorbenen: Watzinger de vasc. pict. tarent. 17. 

(3) Es scheint mir klar, dass das überlieferte ixovaas nicht in e/ovreg 
wie bei Paton de cultu D. S. 31, sondern in s^ovra zu ändern ist, weil nicht 
von den xäcpoi sondern nur von den 66xava gesagt werden kann, dass sie den 
Anschein von Gräbern haben. Mir scheinen die eingeklammerten Worte ein 
schlechter Zusatz ; vgl. die nächste Anmerkune. Die Verschreibung t«? Tv»- J". 
zog i^ovan? nach sich. Schon Zoega orig. et us. ohelisc. 225, 1 besserte s^oytre. 

{*) Durch sie wird die Erklärung von Curtius, die sich an Bötticher Tekt. 
II 318, 66 a anlehnt . ' Thüre des heiligen Grabtempels ' beseitigt, die z. B. 
von Furtwängler 1170 Lessing 48, 2, Paton 31 gutgeheissen wird, obgleich 
sie selbst am Etymologicum keinen Anhalt hat, ausser in dem von mir beanstan- 
teten rücpoL riysg. Denn wenn die doxava nur die (p ceyt aaiu xücfojv ch'e<oy^e- 
v(üv hatten oder gewährten {naqi^^ovxu ?) so konnten sie unmöglich wirkliche 
Gräber sein, die ja auch nicht offen gestanden haben würden. Der Gedanken- 
gang des Erklärers, der natürlich wie Plutarch eine Vorstellung von den Soxuva 
hatte, war dieser: die doxay« gleichen einer offenen Thür, das Wort ist abzu- 
leiten von 6ixsod-(a (wie IloXvSixxrjg), die Thür welche die gestorbenen Diosku- 



46 E. PETERSKN 

(richtiger ein Grab) sondern eine Grabesöffnung dachte man, ge- 
wiss theils durch die absurde Etymologie, theils durch den sepul- 
cralen Charakter des Ganzen bestimmt. Dieser liegt aber eigentlich 
erst in dem Zusatz der Vasen oben darauf. 

Obgleich im Verhältniss zu den Dioskuren die öoxava in II 3 
so viel kleiner sind, kann an der Identität doch nicht gezweifelt 
werden, imd hier wird die Heiligkeit des Gestells ja auch durch 
die unzweideutige Spendegebärde von a nahegelegt. Etwas anders 
steht die Sache I 2 theils wegen der bemerkten Abweichungen in 
der Form des Gestells selbst, theils namentlich darum, weil hier 
die Amphoren nicht darauf sondern auf Pfeilern zur Seite stehen, 
und wieder anders III* 2, wo die Amphoren wohl auf dem Gestell 
stehen, aber dieses oben anders gegliedert scheint. Und doch ist 
die Spende von a hier so durchaus gleich wie in II 3 von b ; dazu 
die Heiligkeit des Gestells, wie es scheint, durch den Altar oder 
Tisch davor bestätigt, so dass hier eher üngenauigkeiten des Künst- 
lers vorliegen dürften (^). 

Werfen wir nun noch einen Blick auf das Relief des Arge- 
nidas, so kann das seltsame Bauwerk, von welchem die Schlange, 
als von ihrem eigentlichen Wohnsitz herkommt, durch sein Bal- 
kengefüge nicht umhin an die döxccva zu erinnern, obgleich die 
Querverbindung verschieden und das Ganze verdoppelt ist. Dazu 
kommt, dass die Bezeichnung des Stammheiligthums als Hvaxsiov 
eher nach Athen als nach Sparta weist. Trotz alledem sind die 
zwei Amphoren auf gemeinsamem Untersatz mit Altar davor, wie 
es III* 2 schien, und die absonderliche Form des Stammheilig- 
thums, von welchem jenes als ein äifiSqvfia durch die herüber- 
kommende Schlange bezeichnet wird, so schwerwiegende Ueberein- 
stimmungen, dass man die Abweichungen wohl auf Misverständ- 
nisse des Bildhauers zurückführen darf. 



ren aufnahm ist die Grabesthür. Also im Grunde setzt der Wortlaut der Erklä- 
rung so gut wie Plutarchs vielleicht ganz richtige Auslegung nur die vier 
Hölzer. Lessing theilt eine Erklärung v. Christs mit : die ^öxnva symboli- 
sierten Therapnai, nach Grammatikern = ata&fiol. Also ein archaischer Eebus 
in Holz! Auch Paton macht merkwürdige Dinge daraus. 

{*) Der Dioskur lehnt sich in I 2 und III* 2 an sein altes Holzidol, 
so wie man vom 4. Jhdt. ab gern den lebendig gedachten Gott an sein natür- 
lich archaisch gehaltenes Bild sich lehnen liess. 



DIOSKUREN IN TARENT 47 

In den Tarentiner Votiftafeln fehlt die Schlange, gewiss nicht 
durch Zufall; sie fehlt, so viel ich sehe, auch in den Grabesbildern 
der Tarentiner Vasen, nicht aber in den etruskischen Grabgemäl- 
den. Wollte man etwa diesen unheimlichen Zug nicht in die hellen 
heiteren Bilder der lebensfrohen ritterlichen Zwillinge einmischen ? 
Ein chronologischer Schluss ist jedenfalls daraus nicht zu ziehen. 

Eher aus dem ebenso constanten Fehlen der Kappen und Sterne. 
Diese später meist verbundenen Attribute werden bekanntlich erst 
seit dem dritten Jahrhundert allgemein gebräuchlich, und zwar die 
Sterne früher als die Kappen ('). Ein Tarentiner Stater, der nach 
Violas Angaben über den Bestand des Münzfundes, welchem er an- 
gehörte, von Evans horsem. S. 98 dem Ende des vierten Jahrhun- 
derts zugeschrieben wird, Taf. IV 10, zeigt die Zwillinge reitend, 
ähnlich unsern IIl^ 1, nur auf ruhigeren Rossen und mit Sternen 
über den Köpfen (ohne Kappen), während auf einem andern Stater 
desselben Fundes V 9 die Sterne noch fehlen. Auf unsern Thon- 
täfelchen wurden nur mitunter die Phialen Sternen gleich neben 
ihren Köpfen am Grunde sichtbar. Dadurch wird die Zeitschätzung 
Furtwänglers bestätigt, der (S. S. Einl. 27, 9) die Berliner Thonform 
(Typ. 39) dem vierten Jahrhundert zuschrieb, eine Schätzung, der 
man auch für die Gesammtheit unserer Votive beitreten wird, unter 
denen Typus 1, 31, 26, 35, 89, besonders aber 8 und 11 hervorra- 
gen, andre wie 27, 30, 38 unter das Mittelmaass herabsinken, so 
dass wir die gesammte Masse etwa dem dritten bis vierten Viertel 
des 4. Jahrhunderts zuschreiben dürfen. 

Es ist unvermeidlich hiernach einen vergleichenden Blick auf 
drei andere zeitgleiche Arten von Tarentiner Monumenten zu werfen, 
von denen Einzelnes schon verschiedentlich herangezogen wurde, 
nämlich die Münzen, die Terracotten aus dem Heiligthum des Dio- 



(}) Vgl. Furtwängler, Lex. 1171 Gegen Ende des 4. Jahrhunderts kennt 
Earipides (Hei. 140), die Dioskuren icatgots ofioiia&ifxe (vgl. 1495 und El. 970). 
Zur selben Zeit weiht Lysandros ihnen Sterne (Plut. 18), wie später Flami- 
ninus (Plut. 12) silberne Schilde, allerdings aanldag genannt, nicht giuiXag. 
Es wird aber doch verstattet sein, wie an den Rundschild in V .3, 4 VII 4, 
so auch an den wechselnden Gebrauch beider Worte für dieselbe Sache zu 
erinnern. Vgl. Benndorf, Jahreshefte I 8. Watzinger vasc. pict. S. 3, 2. Im 
Osten finde ich die Sterne zuerst auf Münzen Seleukos I. 



48 E. HKTERSEN 

njsos (und der Kora, fondo Giovinazzo) und die Vasen mit Grab- 
darstellungen. 

Von Münzen sind hier nicht die mit Dioskuren zu yergleichen, 
sondern die gewöhnlichsten Typen des Delphinreiters und der Ritters. 
Augenscheinlich ist jener mehr mythischen, dieser mehr historischen 
Gepräges, also trotz der scharfsinnigen Beweisführung Studniczkas (') 
jener der Sohn des Meergotts, dieser der Führer der spartanischen 
Auswanderung, jener der Repraesentant des zur See, dieser des zu 
Lande mächtigen Tarent. Was hier in Betracht kommt ist, dass 
diese Heroen durch ihre Darstellung und Ausstattung den Tynda- 



(1) Nach Studniczka, Kyrene S. 175 war der Delphinieiter ursprünglich 
Phalanthos und wurde erst später durch Verwechselung Taras. Ihm haben 
zugestimmt Düramler, Philol. 97, 19; Busolt Griech. Gesch. I* 408, 1; Pais, 
Storia della Sicilia I 216, 1, Usener Sintfluthsagen S. 158, widersprochen 
K. Element, Arion Wien 98 S. 56. Mir scheinen die Fäden, die Studniczka 
verknüpft, zu fein gesponnen. Phalanthos mag neuerer Forschung sich als mj'- 
thisches Wesen erweisen so gut wie Taras : den Alten war er historisch ; so 
gewiss schon Antiochos von Syrakus. Vgl. auch Paus. X 10 und 13, wo Taras 
beidemal neben dem ganz menschlichen Phalanthos als 6 tjgag bezeichnet wird. 
Onatas, der als Hauptzeuge für Phalanthos' mythische Natur aufgerufen wird, 
hatte den Kampf der Tarentiner und Peuketier dargestellt, in der Mitte die 
Leiche des gefallenen Opis, umstritten von Peuketiern auf der einen, von Ta- 
rentinern auf der andern Seite : Taras und Phalanthos, beide an oder über dem 
Todten stehend xal ov nÖQQO} rov ^aXciv&ov ^sXcplg. Jedenfalls ist ersterer 
vorangenannt ; stand er darum auch ein wenig vor, und war der Delphin dem 
andern ein wenig näher, so ist doch dessen Zugehörigkeit zu Ph. vielmehr 
als zu T. nur der localen Exegese, nicht Onatas selbst zu zuschreiben. Daran 
knüpft Pausanias die Legende von Phalanthos' Rettung durch den Delphin, 
als ob er die gleiche Geschichte von Taras nie gehört hätte. Ausser Aristote- 
les bezeugt sie ja aber Probus zu Georg. II 197. Freilich ist es da überlie- 
fert, dass nicht Taras sondern sein Sohn vom Delphin gerettet worden, wie 
Usener S. 159, 2 sagt, aber gleichnamig ? Der Sohn wird gar nicht genannt, 
und es wird gar nichts von ihm gesagt ; Anfang und Ende des Scholions 
klappen nicht zusammen ; durch eine Verschreibung, die eine Interpolation 
nach sich zog, ist Tarentus sein eigener Sohn geworden : Dicitur autem Ta- 
rentus, Neptuni filius, Lacedaemonia civitate ex Saturia, Minois Creten- 
sium regis filia, procreatus esse (codd. procreasse filium). Hunc proiectum 
naufragio facto delphinus in Italiam evexisse dicitur: cuius hodie quoque 
testimonium manet Nam in municipio Tarentinorum hominis efßgies in 
delphino sedens est. A Saturia matre (codd. uxore) eum locum Saturium 
appellasse fertur et postea ei loco ex suo nomine nomen Tarentum im- 
posuisse. So etwa muss es ursprünglich geheissen haben. 



DIOSRUREN IN TARENT 49 

riden ähnlich sind, nur dass Taras auch jünger, auf dem schönen 
Stater mit seinem Vater Poseidon zusammen sogar knabenhaft, Pha- 
lanthos auch älter, schon bärtig vorkommt ('). 

Von ihrer Ausstattung mit Attributen, die mythologisch zu 
verwerthen, wie üsener will (2), mir allerdings unthunlich scheint, 
geht ein grosser Theil auf die Thätigkeit der Tarentinischen Be- 
völkerung zu Lande und zu Wasser, in Handel und Gewerbe, wie 
das Fischstechen des Taras, die verschiedenen in seiner Hand ge- 
haltenen Seethiere, Traube und Aehre, Spinnrocken und Helm, wohl 
auch Vasen, Ruder und Akrostolion. 

Den Dioskuren vergleicht sich Phalanthos schon gleich als 
Reiter, mehr noch, wenn er sich als Anabaten mit dem kleinen 
Rundschild in denselben Schemata zeigt wie einer der Zwillinge ; 
dann auch als agonistischer Sieger. Als Fackelreiter erscheint er 
erst später (Evans Type VII M). Mannigfaltiger sind die Tarasdar- 
stellungen : auf seinem Delphin, auf welchem er anfangs in norma- 
ler Weise reitet, macht er dann Beinbewegungen, die ich schon 
R. M. 90 S. 217 als Nachahmung des Anabaten ansah. Thatsäch- 
lich sitzt er dann häufig auch seitwärts. Auch er zeigt sich ferner 
als agonistischer Sieger mit dem Palmzweig ( Type V D) und viel- 
leicht durch Dreifuss uad das häufigste, freilich auch mehrdeutige 
Attribut des Kantharos, namentlich wo es sich mit Schild oder 
Schild und Dreizack in der andern Hand verbindet, gar mit Palme 
oder Kranz, oder mit dem Ruder, wo man an Rudersport denken 
mag, wie er später denn gleich Phalanthos auch die Fackel trägt. 
Auch den Wurfspeer hat er mit den Dioskuren gemein, an Mannig- 
faltigkeit der Bewaffnung den Dioskuren überlegen. Ist dies andre 
Heroenpaar und namentlich Taras, seinem Namen nach der Haupt- 
vertreter der Seestadt, den Dioskuren an reicher Ausgestaltung 



(1) So Evans S. 14, der nur auch den Ritter, wenn unbärtig, für Taras 
halten möchte, und gelegentlich (Vm 10 S. 159, X 7 S. 195) für einen ein- 
zelnen Dioskuren, ohne Grund, so viel ich sehe. 

(2) Sintfl. S. 154 ff. Hier werden einige Attribute als agonistisch aner- 
kannt; aber kann man Kantharos nnd Spinnrocken in der Hand des Taras 
anders erklären als in derjenigen des Demos (Evans T. 17)? Oder soll dies 
Zeus sein, und derselbe dann etwa auch der Demos auf dem Markt von Sparta ? 
Würde nicht schon die Menge der Attribute eines Gottes an einem Orte be- 
fremdlich sein ? Wo gäbe es eine Analogie dafür ? 

4 



50 E. PETERSEN 

nicht so sehr künstlerischer Motive als der Attribute überlegen, 
so liegt das daran, dass die ritterlichen Zwillinge, wie am Ende 
auch der nach gemeinem Glauben von Sparta gekommene Phalan- 
thos nur einen kleinen Theil der Bevölkerung vertreten, jener da- 
gegen das Volk im Ganzen. 

Dass unter den Thonvotiven des fondo Giovinazzo, deren 
Haupttypus, der gelagerte Mann oder Jüngling allein oder mit 
Frau und Kind, von Wolters und Dümmler auf den Heros, von 
Lenormant, Evans, Furtwängler auf Dionysos, Köre oder Perse- 
phone und Jakchos bezogen wird, auch die Dioskuren gefunden 
seien, wird von Lenormant und namentlich von Evans behauptet. 
Beide wollen nämlich auch den einzelnen Keiter als Dioskuren an- 
erkennen, was völlig unzulässig ist, um so mehr als derselbe ebenso 
wie der gelagerte Heros, sowohl bärtig als unbärtig vorkommt (^). 
Lenormant a. a. 0. S. 164 (s. oben S. 3, 1) räumt ausdrücklich 
ein, dass die Reiter an jener Stelle nur vereinzelt vorkämen ; auch 
Evans a. a. 0. S. 13 sagt they occur as a rule in Single figures^ 
aber er erwähnt wenigstens ein Fragment, mit a youth on horse- 
back and part of the over-lapping anterior part of another horse 
(weiterhin S. 22, n. 33), so dass die Zwillingsreiter unverkennbar 
seien. Darauf ergeht er sich S. 14 ff. über die Beziehungen der 
Dioskuren zu den Unterirdischen, und greift in seinem trefflichen 
Aufsatz über die horsemen of Tarentum im Numismalic chro- 
nicle 89, 17 darauf zurück, wo er ungenau sagt in some cases we 
have identical figures of the Dioscuri. Es war doch nur ein Fall, 

(^) Wolters wies für seinen Typus 48 den Gedanken ab, eben wegen der 
bärtigen neben bartloser Darstellung. Lenormant nannte das deux pendants 
compUtant le couple, ein Unding, wie auch die Bärtigkeit eines Dioskuren in 
Werken dieser Zeit, für die der Kypseloskasten und die von Blinkenberg Rev. 
arch. 98 II 399, 403, 1 erläuterte protokorinthische Lekythos nicht maassge- 
bend sind. Man hat allerdings auch auf Münzen öfters einen einzelnen Dio- 
skuren erkennen wollen wie z. B, Italy {Catal. Brit. Mus.) S. 121 : Nuceria 
Alfaterna ; Centr. Greece S. 10 : Lokri opunt ; Sicily S. 235 : Tyndaris (vgl. 
Sallet, Z. f. N. 76, 27) ohne allen Grund. Etwas andres ist ein Dioskurenkopf 
zwischen zwei Sternen, Troas etc. S. 160: Lesbos, oder eine Amphora zwischen 
zwei Kappen: Peloponnesus S. 122. Der etruskische Spiegel Gerhard (Körte) 
E. Sp. V 76 selbst wenn richtig gedeutet, beweist nichts. Für das Eelief T in 
Athen. Mitth. 77, 393 wird man die dort getroffene Entscheidung für einen 
Dioskuren kaum gutheissen. 



DIOSKUREN IN TARENT 51 

und diesen dürfen wir zuversichtlich streichen: auch der einzelne 
Reiter, der ja hier allein bezeugt ist, pflegte in der Truppe quos 
Tarentinos uocabant equites (Liv. 35, 28 bei Evans, horsemen S. 21, 
36 angeführt, vgl. oben S. 32, 2) ausser dem eigenen Pferd noch ein 
Handpferd zu führen ; und auf das von Evans Taf. III 7 abgebildete 
Mönzbild mit einem solchen KficpiTiTtog passt jene Beschreibung 
(over-lapping) genau ('). Die Dioskurenbilder dagegen, wie horsemen 
Taf. V 9 f., auf welche Evans verweit, desgl. VIII 9, IX 5, lassen, 
ganz entsprechend unseren Typen 24 ff., von dem ersten Pferde (und 
Keiter) vor dem zweiten viel mehr vortreten. Ich hatte also Rom. 
Mitth. 90, 221 Recht zu sagen, dass die Fundstätten der Dioskuren 
und des Heros in Tarent getrennt seien. Aus diesem Terracotten- 
funde sind Proben in verschiedene öffentliche (London, Paris, Berlin 
u. s. w.) wie private Sammlungen zerstreut. Von einer ganzen An- 
zahl, die in den Besitz des Marchese Chigi-Zondadari in Siena 
gelangt waren, hat das Institut alsbald Abbildungen anfertigen las- 
sen, die erst jetzt auf Taf. I, II diesem Aufsatz beigegeben sind, 
obgleich fast alle unlängst von G. Pellegrini in Milanis Studi e 
Materiali I S. 152 abgebildet und beschrieben sind. Von den zwei 
weiterhin erwähnten Stücken II 1, 2 abgesehen, sind es ein Kopf 
des bärtigen (II 3), drei des jugendlichen Heros I 1 = P. 114 (?), 
2 = 125, 3 = 115. 

Des Heros, sage ich — denn allerdings glaube ich, dass Wol- 
ter' Deutung der Terracotten Giovinazzo auf den Heros, und nicht 
die andre auf Dionysos als die richtige bestätigt wird durch den 
Vergleich unserer Dioskurentafeln. Wolters betonte S. 316 mit Recht 
den Zusammenhang der verschiedenen von ihm erläuterten Typen 
und gründete eben auf den ganzen Kreis seine Erklärung {^). Unsere 
Dioskurentafeln bieten uns einen ähnlichen Kreis von Vorstellun- 
gen : gelten hier alle die verschiedenen Situationsbilder zweifellos 
den heroischen Zwillingen, so werden auch diejenigen des andern 
Kreises alle auf dasselbe Wesen, auf den einzelnen Heros zu be- 
ziehen sein, mag er nun jugendlich allein oder mit seinem Weibe, 



(') Ueber die ä{iq>innoi, vgl. unten den Aufsatz Wölfflins. 

(2) Die Einwendungen, welche von Evans S. 11 gegen diese Erklärung 
gemacht werden, sind nicht treffend. Pellegrini a. a. 0. S. 162, 2 neigt offenbar 
auch zu der hier angenommenen Auffassung. 



52 E. PETERSEN 

mag er bärtig, allein oder mit Weib und Kind erscheinen. Von 
den sechs Hauptgruppen der Dioskurenbilder haben vier ihre Ge- 
genstücke in jenem andern Kreise: zu A, den Dioskuren mit Waffen 
oder Turngeräth, stellt sich der Heros mit Helm und Schild, oder 
gepanzert und, wenn auch vereinzelt darum nicht minder beweisend, 
der Jüngling (W. 53) mit dem Granatapfel (') in der Kechten, dem 
Salbkrüglein am 1. Handgelenk und demselben gewundenen Stock 
wie im Dioskurentyp. 14 f.; stehend neben dem Koss erscheint der 
Heros wie die Dioskuren in Gruppe B. ; reitend gleich jenen (in 
Gruppe C) der Heros in den von Lenormant und Evans sogar für 
einen vereinzelten Dioskuren gehaltenen Figuren. Ja grade auch 
die Anabatenkunst stellte der Heros schon in den V 1-3 abge- 
bildeten Stücken und andern von Evans, Lenormant, Wolters be- 
schriebenen dar. Endlich gelagert zum Mahle auf der Kline, mit 
Trinkgefäss in der Hand, zeigt sich der Heros wie jene ; und auch 
das ßoss bekommt dabei seinen Theil vom Heros Monum. Taf. LV, 
wie bei den Dioskuren in Abb. X ; und ist beim Heros allerdings das 
Fehlen des Rosses das Gewöhnliche, so stellte wenigstens ein Typus 
(38) auch die Dioskuren gelagert ohne ihre Rosse dar. 

Ist nun das Wesen, das in diesen verschiedenen Situationen 
uns vorgestellt wird, immer dasselbe, wie die Dioskuren in den pa- 
rallelen Darstellungen, so kann es unmöglich Dionysos sein : es ist 
der Heros, nicht weiter individualisiert denn als Jüngling, Gatte 
Vater, in Krieg oder Friedenskleid. Dass diese Individualisierung 
so erheblich hinter derjenigen der Dioskuren zurückbleibt, das 
liegt an dem so viel persönlicheren Wesen, das den Zwilliugsheroen 
die Phantasie des Volkes, seiner Dichter und Künstler in Jahr- 
hunderten, schon vor dem Entstehen unserer Dioskurentäfelchen, 
verliehen hat. 

Doch die Terracotta mit dem bärtigen Kentauren, der auf sei- 
nem Rücken den gekränzten Heros, in den Händen Krater und 
Leyer trägt, welche ich Rö. Mitt. 97 S. 137 T. VII bekannt gemacht 
habe, sie soll nach Furtwängler {^) eine Bestätigung seiner Deutung 
des Heros als Dionysos liefern. In seiner tief eindringenden Be- 
handlung der Heroen, in der Einleitung zur Sammlung Saburoff 



(1) Dieser auf den Speisetischen der Dioskuren in Abb. IX nie fehlend 
(«) Neue Denkmäler alter Kunst, Münch. Sitz. Ber. 97 II 134, 1. 



DIOSKUREN IN TARENT 53 

S. 28, 1 hatte Furtwängler schon Fragmente derselben Darstellung 
oder einer Variante ('), in denen aber der Kentaurenkopf für den 
eines Silens gehalten wurde, in diesem Sinne geltend gemacht. Ist 
denn nun aber der Jüngling wegen des Kentauren (nicht Seilenos) 
wirklich Dionysos? 

Dass die Kentauren und Silene nur zwei local verschiedene 
bildliche Ausprägungen der vorher schon im Wort (Mythos) ausge- 
drückten Mischung von Boss- und dämonischer Menschnatur sind, 
das ist, ob auch bald so bald so gefasst, wohl allgemein aner- 
kannt (-). Aber in den berühmtesten Werken der besten Zeit verra- 
then die Kentauren, ob sie auch gleich Seilenen lüstern nach Wein 
und Weib sind, nichts von Verbindung mit Dionysos : wo und wie sind 
sie zu den bacchischen Wesen geworden, als welches sich auch der 
Kentaur der Tarentiner Terracotta zeigt, selbst wenn er nicht Bakchos 
selber trägt ? Es scheint dass eben italisch-griechische Kunst daran 
stark betheiligt war. Pholos, des Seilenos Sohn, der Herakles be- 
wirthete und das Weinfass hatte, war Stoif einer Epicharmischen 
Komoedie. Die Buccherostempel bei Micali StoriaXlX 1 und XX 13, 
schwerlich so ' willkürlich und beziehungslos ', wie Sauer in Keschers 
Lexicon II 1056 meint, zeigen uns den Kentaur friedlich bei Helden 
und Trank spendenden Frauen. Eine sf. Volcenter Vase in München 
(Jahn 957) lässt einen Satyr hinter zwei Kentauren her tanzen ; und 
ganz bacchantisch scheint der Kentaur, welcher ausgelassen seinen 
einen Menschenfuss in die Luft schwingt auf einer sfg. Vase der von 
Dümmler in Rom. Mitt. 88, 174 ff. behandelten Gattung, daselbst 
n. 8 ausMicali Ant. Mon. 39, wo es beachtenswerth ist, dass dieser 
Kentaur unter, und ein Flügeljüngling über einer Darstellung des 
Todtenbetts und der Leidtragenden sich findet. Nicht als etwas so 
Neues erscheint danach die unteritalische Vase Tischbein Hamil- 
ton I 42 = Müller- Wieseler D. a. K. II 589, wo Pan und Kentaur 



(1) Bei Lenormant S. 158, Heibig S. 189, Evans S. 12 f. (vielleicht auch 
Wolters n. 50 und 69 geben andre Stücke davon). Sicher eine Variante 
ist das von Pellegrini {Stud. e mat. I. S. 154) richtig bestimmte Fragment 
Chigi, wo dem Kentaur eine seltsame Kappe gegeben ist, welche an die hohen 
Mützen von Orgiasten und Kriegern unteritalischer Vasenbilder erinnert. Vgl. 
Dieterich, Pulcinella S. 159 ff. Das Chigische Stück auch auf unserer Tafel II 1 ; 
die Kappe des Kentauren ist wohl dieselbe die der Heros selbst trägt (I 2). 

(*) Vgl z. B. von Wilamowitz, Euripides' Herakles « zu V. 364. 



54 E. PETERSEN 

als Bacchanten hintereinanderher ziehn. Wir müssen uns aber auch 
des aus dem unteritalischen (eher als dem pontischen) Herakleia 
herstammenden Zeuxis und seiner Kentaurenfamilie erinnern, nicht 
blos weil hier die Kentauren ebenfalls in überraschend neuer Weise 
dargestellt waren, sondern weil von da die bacchischen Kentau- 
rinnen neben Kentauren der berühmten Pompejanischen Wandge- 
mälde (auch eines yatikanischen Keliefs) und Silberbecher (auch 
von Bernay) sich herleiten. 

Erkennen wir nun aber auch den Kentauren der Tarentiner 
Terracotte als einen der frühesten von bacchischem Charakter an, 
so ist damit weder die Bedeutung des Trägers noch die des von 
ihm Getragenen schon ganz erklärt, und namentlich der Getragene 
keineswegs als Dionysos erwiesen. Denn nicht mit Bakchos son- 
dern mit Heroen bringt die Sage die Kentauren in Verbindung : den 
Herakles bewirthet Pholos; den Sohn des Peleus erzieht Cheiron, 
den ein berühmtes Werk, kaum zwei Menschenalter jünger als unser 
Thonrelief, darstellte, wie er den Knaben Achilleus im Leyerspiel 
unterwies ('); ein dritter endlich, Nessos, dient als Ferge durch den 
Stinkfluss, Buenos der als ünterweltsfluss unschwer erkannt wird (2), 
wie die Kentauren dann ja ausgesprochenermassen im Vorhof der 
Unterwelt hausen bei Vergil. Sind in diesen Heroenbildern nicht 
alle Elemente jenes Thonreliefs gegeben ? der Heros, das Weinge- 
fäss, die Leyer und der tragende Kentaur? Und zugegeben nun, 
dass der Kentaur ein Diener des Bakchos ist, muss darum der von 
ihm Getragene grade Bakchos selbst sein ? Wohin würde denn Bak- 
chos sich tragen lassen ? Kann der Kentaur nicht den Heros zum 
Bakchos tragen nach den Gefilden der Seligen? Keiht sich nicht 
auch diese Herosgestalt an jene andern, die ja auch gelagert — 
meinetwegen auch auf Rind (?) Widder, Schwan, und gar Kameel! 
(nach Pellegrini a. 0. Abb. 117; wenn es nicht eher ein Esel ist, 
sofern das Abgebrochene ein Ohr ist, das in der faltigen Masse am 
Unterarm seiner Stelle wegen schwerlich zu erkennen igt. S. unsere 

(') Es war ein krasses Versehen, den capitolinischen Kentaurenkopf, ein 
Originalwerk pergaraenischer oder nahverwandter Kunst des ausgehenden 
3. Jhdts, für den Lehrer des Achill im Leyerspiel zu halten, statt ihn vor den 
Wagen des Bakchos gespannt, oder einen Bacchanten auf seinem Rücken tra- 
gend zn denken. Vgl. Heibig Führer P n. 598, Roschers Lex. II 1083. 

(«) Vgl. Gruppe in Bursians J. B. 99 III 213; Usener Sintfluthsagen S. 191. 



DIOSKUBEN IN TARENT 55 

Abbildung T. II 2) — auch mit der Amphora, auch mit der Leyer (') 
sich zeigten, wie gleichfalls die Dioskuren. Und bietet sich nicht die 
beste Parallele in einer andren Tarentiner Terracotte, bisher, so viel 
ich sehe ohne Gleichen in jenen Massen, in der gleichfalls Chigi- 
schen, von Pellegrini S. 155, Fig. 119 abgebildeten? Auf den ersten 
Blick glaubt man den Heros wieder als Anabaten zu sehn, abei- es 
ist ja nicht sein gewohntes Ross, auch nicht der Delphin des Pha- 
lanthos oder Taras, sondern ein Hippokamp, Können wir da umhin, 
uns des Meeresthiasos (2) der Sarkophage zu erinnern und seines be- 
rühmten Vorbildes der Geleitung Achills über den Okeanos oder zu 
den Inseln der Seligen von Skopas. 

Ungefähr auf denselben Punkt führt nun auch der Vergleich 
der unteritalischen Vasendarstellungen mit Heroa und Heroenkult (3), 
die, weil gleichfalls tarentinisch, hier auch mit einem Worte zu 
berühren sind. In Naisken, vorherrschend ionischer Bauweise (■*), 
sehen wir da Männer und Frauen einzeln oder zu mehreren, die 
Männer, welche wir allein zu vergleichen haben, in vielen Stücken 
den Dioskuren unserer Thontafeln und den Herosfiguren der andern 
Terracotten gleich (^). Auf den Einfluss attischer Vorbilder, dem 
Watzinger a. a. 0. mit eifrigem Bemühen nachspürt, dürfte es 
vor allem zurückzuführen sein, dass der Heros dieser Bilder nie 
liegend sondern, wo er nicht steht, nur sitzend dargestellt wird, 
obgleich, der Typus des Liegenden seit dem 6. Jhdt. im selben 
Tarent in den Thonvotiven gebräuchlich war und blieb. Stehend 

{') Heibig S. 198; Lenormant S. 158. 

(2) Neben dem bacchischen Thiasos ist auch der poseidonische als An- 
deutung der Heroisierung auf Sarkophagen anerkannt. Vgl. Ann. d. I. 1860 
S. 396 ; Michaelis ebda 75, 180 ; Fredrich, Sarkophagstadien S. 38 f. 

(3) Vgl. C. Watzinger, De vasculis pictis Tarentinis (lateinisch nur der 
Titel). Bonn. Dissert. 1899. 

(*) Watzinger der sich S. 13, 2 Mühe giebt, das Vorherrschen ionischer 
Architetktur in dorischer Umgebung zu erklären und gewiss richtig einen alten 
Einfluss ionischer Cultur voraussetzt, hatte von dem ionischen Tempel in Lokri 
und den darüber in Eöm. Mitt. 90 S. 184 und 226 f. gemachten Bemerkun- 
gen, wie es scheint, keine Kenntniss. 

(5) Mau vergleiche z. B. Gerhard Myst. Bild. III die beiden Jünglinge, 
die, abgesehen davon dass einer sitzt, einer steht, in unsere Gruppe A gehö- 
ren könnten. 



56 E. PETERSEN 

also oder sitzend zeigt sich Jüngling oder Mann mit Schild und 
Speer oder Schwert, stehend bei seinem Pferde oder darauf sitzend, 
auch im Himation mit dem Stabe; er spielt die Leyer oder lässt 
sich dieselbe reichen. Hält er die Palme, so ist natürlich an irgend- 
welche Agone zu denken, und wie die Stlengis in der Hand der Dio- 
skuren, so weist hier das Luterion, an welches der Heros lehnt (9 d), 
auf das Gymnasium und seine üebungen; endlich ist er Schale 
oder Kantharos schon haltend oder empfangend dargestellt ; desglei- 
chen Waifen oder Kranz, welche Darstellungen (wie Watzinger 
S. 30, 12 thut), als besondere 'Heroenmotive' hinzustellen, im Hin- 
blick auf die attischen Grabreliefs gerechtfertigt sein mag; zum 
Vergleich mit den Votiven für Dioskuren und Heros bieten sich 
diese nicht mehr als jene vorher genannten. 

Auch in diesen Darstellungen nun hat Patroni (*), und ihm fol- 
gend Watzinger, die Versetzung des Heros unter die Seligen, d. h. 
in den Thiasos des Bakchos, wohin den Heros der Kentaur zu tragen 
schien, zu erkennen geglaubt. Daran ist sicher etwas Wahres, und 
richtig dürfte auch der Gedanke Patronis sein, dass die mythischen 
Darstellungen auf apulischen Wasen ähnlich wie später auf Sarko- 
phagen in vorbildlichem Sinne oder als Spiegelung eigenen Schick- 
sals verstanden sein wollen {^). Aber der Beweis hätte mit mehr 
Kritik und Methode geführt werden müssen, wenn er schon als ge- 
nügend gelten sollte (^). Watzinger hat sich Patronis Gedanken 
angeeignet ohne ihre Begründung zu verbessern. Eine gewisse theils 
in der Sache, d. h. in den Vorstellungen vom Tode, theils in der 

Q) La ceramica antica neW Italia meridionale, Napoli 1807. 

(2) S. 171. Der Versuch freilich, solche sepulcrale Verwendung den Ita- 
lioten zu vindlcieren nimmt sich gegenüber Gjölbaschi nnd dem Mausoleum, 
um nur diese zwei zu nennen, eigenthüralich aus. 

(3) Patroni S. 1 64 findet die um das Heroon zum Todtencult Versammel- 
ten, wie begreiflich, im Diesseits zu denken nöthig; ganz entsprechende Ver- 
sammlungen ohne Heroon dagegen nimmt er als jenseitige. Die Beweiskraft 
des S. 57, 1 erwähnten Eros ist zweifelhaft: dass Stelen auch sepulcral sind 
weiss man, ob aber immer ? Ebenso ist es mit der Erderhöhung S. 169 als Sitz 
oder per colonnine S. 169 f., Fig. 116, und gar dem Luterion in F. 120, das 
doch sicher in sepulcrale oder meinetwegen jenseitige Darstellungen (inner- 
halb des Heroons) nur deshalb aufgenommen ist, weil zum Leben gehörig. 
Verlangt man nun es immer nur sepulcral zu verstehen, so stellt man die Sache 
auf dem Kopf. 



DIOSKÜREN IN TARENT 57 

Kunstart jener Vasenmalerei liegende Verschwommenheit wird aller- 
dings meist keine scharfe Bestimmungen zulassen. Hier genügt 
es zu sagen, dass der den Todten bei ihrem Heroon gewidmete 
Cultus unverkennbar bacchischen Charakter hat ; dass, wie die Ue- 
berlebenden als Bacchanten erscheinen, so auch die Gestorbenen es 
zeitlebens gewesen sein müssen ; dass zwar eine Unterscheidung 
zwischen menschlichen und dämonischen d. h. wenigstens männli- 
chen Bacchanten, wie Satyrn und Panen, existiert, aber nicht überall 
aufrechterhalten zu werden scheint, so dass wohl um das Heroon, 
wo doch ein Bild des Diesseits sich darstellt, nie, so viel ich weiss, 
dämonische Bacchanten unter den zum Todtencult Versammelten 
sich finden (^), aber sonst die Unterscheidung wenig strenge genom- 
men wird. Nicht nachgewiesen ist in diesen Vasenbildern der unter 
die dämonischen Bacchanten aufgenommene Todte oder Heros. In 
Watzingers Beispielen S. 31 fehlen, wo der Heros gewiss ist, wie 2: 
W. V. E G, 1 und etwa Ann. XII die Bacchanten ; wo diese vorhan- 
den, wie 2 : Bull. Nap. n. s. I 7 oder Millingen 24, sind wir nicht 
gezwungen den Jüngling für einen andern als für Bakchos selbst 
zu halten. Und dennoch wird Patronis Ansicht durch eine Reihe 
von Umständen empfohlen, das sind : der bacchische Charakter des 
Heroencultus ; die oft verschwindende Unterscheidung zwischen 
menschlichen und heroischen Bacchanten, ja vielleicht zwischen 
Bacchus selbst und seinem menschlichen oder schon heroischen 
Verehrer ; endlich die Häufigkeit dämonisch bacchischer Darstellun- 
gen gegenüber oder oberhalb der Heroonscene oder sonstwo an der- 
selben Vase. 

Sofern nicht modern interpoliert, könnte aber wohl die Vase 
bei Millingen II 49-51 zu besserem Beweise dessen dienen ; hier 
um so mehr hergehörig, weil sie zugleich die nahe Verwandschaft 
der Dioskurenbilder mit den Tarentiner Heroonsvasen besser als 
viele andre ins Licht stellt. Auf der einen T. LI ganz abgebil- 
deten Seite des Volutenkraters ist nämlich ein Heroon zu sehn, 
dessen Basis, die Trapeza (vgl. Watzinger S. 4, 8), mit Triglyphen 



(1) Etwas anderes ist, wenn bei einer Stele einmal allein ein Satyr steht, 
auch das jedoch kaum ohne Bedeutung, Patroni Fig. 74; ähnlich ist wenn 
Fig. 115 ein Eros an der Stele spendet, ein Vorläufer des Sarkophag-Todes- 
genius, und schwerlich ohne grösseres Vorbild. 



58 E. PETERSEN 

verziert ist, und das im Inneren nur ein Lorberreis enthält. Rechts 
daneben sitzt, an eine Stele gelehnt, eine Frau mit Spiegel, links 
steht, den Fuss auf einen Stein setzend, ein Jüngling, der einen 
grossen Palmzweig mit der Linken aufstützt. Auf der Kehrseite 
dieses Gefässes nun ist zu unterst ein schlafender Silen darge- 
stellt ('), zu Oberst Dionysos auf einer Kline, den Kantharos einem 
Satyrbuben zum Füllen hinhaltend. Zwischen diesen dämonischen 
Bacchanten der unteren und oberen Sphaere sind in der mittleren 
drei Jünglinge dargestellt, aber nicht die gewöhnlichen Mantelfi- 
guren sondern in der Mitte ein bekränzter Jüngling, nackt bis auf 
die von Gewand umwickelte Linke, die er in die Seite stemmt, 
indem er mit der Rechten einen Thyrsus aufstützt, von dem eine 
lange Binde herabhängt. Gegen ihn gekehrt steht links ein ganz ein- 
gehüllter Jüngling, rechts ein gleichfalls grösstentheils eingehüllter, 
der den einen Fuss hoch stellend mit der Linken einen Stab, in der 
Rechten hoch eine Stlengis hält. 

Bei diesen Jünglingen, die durch ihre ganze Erscheinung wie 
durch ihre Ausstattung mit Binde, Stab, Stlengis, Palme an unsere 
Dioskuren erinnern, und von denen einige, wenn auch nicht ganz 
unmittelbar in dämonische Bacchantenumgebang versetzt sind, dür- 
fen wir nun auch des obersten Heros, des Herakles und seiner Auf- 
nahme in der Thiasos gedenken. In älteren Darstellungen (^) wird 
er von Athena in den Olymp eingeführt und vor Zeus gebracht. Dass 
dem unter die Götter aufgenommenen schon in archaischen Dar- 
stellungen sich Dionysos besonders gerne gesellt (Furtw. 2220) ist 
gewiss nicht absichtslos und leicht zu verstehen. In jüngeren Dar- 
stellungen fährt Herakles dann auf dem von Athena oder Nike ge- 
lenkten Viergespann von der Pyra zum Himmel empor. Er der in 
den Aides hinabstieg, den Kerberos heraufzuholen galt in Attika 
dann auch als in Eleusis eingeweiht, wie aus ähnlichem Grunde 
wohl die Dioskuren, und attische Vasen stellen die Einführung des 
einen wie des andern dar, wobei Dionysos nun nicht als olympi- 
scher sondern als unterweltlicher zugegen ist. Der bacchische Thiasos 
ist es endlich, in welchem etwa vom Ende des vierten Jahrhunderts 



(i) Etwa im Schema der zwei im Lateran (Heibig, Führer I* n. 679 f.). 
(*) Alles Wesentliche findet sich bei Furtwängler in Roschers Lei. I 
2217, 2238, 2249. 



DIOSKUREN IN TARENT 59 

an Herakles der Seligkeit thielhaftig wird; davon geben zwei un- 
teritalische Vasen Zeugniss ('). Auf der einen ist der Typus der 
Himmelfahrt beibehalten, aber damit ist, bedeutsam und von Furt- 
wängler 2240 mit Recht hervorgehoben, unten im Vordergrunde 
und in ausgesprochener Beziehung dazu Bacchus mit Ariadne auf 
einer Kline dargestellt, die Götter ruhig, während ein Satyr links 
und eine Mänade rechts (wenn richtig ergänzt) über die vor ihren 
Augen geschehende Apotheose in Aufregung gerathen. Wie die 
Fortsetzung dieses Bildes erscheint das andre, wo mit Dionysos 
und Ariadne im Verein auch Herakles ruht, aber wie ein Hinzu- 
gekommener. Man sieht dass die Himmelfahrt ein zu den neuen 
Vorstellungen eigentlich nicht mehr passender Typus war. In die- 
sen zwei Bildern haben wir also Herakles, im vorhergehenden ge- 
wöhnliche Todte heroisiert, im Verein mit Bakchos (-). 

Obgleich also eine vollgiltige Beweisführung noch aussteht, 
darf man es doch wohl schon aussprechen, dass die Aufnahme des 
Abgeschiedenen in den bacchischen Thiasos, wie später in den Sarko- 
phagreliefs, so früher schon in den Tarentiner Vasenbildern dar- 
gestellt ist. Dass man dieselbe auch bei jenen Thonfiguren des 
fondo Giovinazzo zu verstehen hat, ist am deutlichsten in jenem 
vom Kentauren getragenen Jüngling ausgesprochen ; nicht undeutlich 

(!) Die erstere bei Millingen I 36, die andre bei Miliin I 37. 

(*) Doch wohl eher ein namenloser Seliger ist es, der bärtig neben dem 
unbärtigon Bakchos auf der Kline liegt {Mon. ined. d. I. VIII 51,2: Kuchen, 
Granaten, der Krater (hier glockenförmig) der ncaq, die sitzende Frau, das ist 
alles normal, aber durch das Kottabosspiel und ein Tamburin in der Hand 
der Frau ist die Scene belebter. Hauser (Neuatt. Rel. S. 198) möchte den Bär- 
tigen für Ikarios halten. Man vergleiche aber das Todtenmahl einer Terra- 
cottaform bei Furtwängler, S. S. XXX, Textvignette, das, links unvollsländig, 
ebenfalls zwei Männer auf der Kline zeigt, den unbärtigen rechts als Dionysos 
nicht charakterisiert, links statt der Paukenschlägerin eine Fötenbläserin. 
Aehnliche Individualisierungen giebt es in den Todtenmahlen auch sonst, theils 
durch Mehrzahl der Gelagerten theils durch andre Zusätze, wie z. B. den 
Mann im Kahn, die drei Schauspieler mit Masken (Ath. Mitth. 82 XIV), den 
einen Mann mit Maske (ebda 96, 360;, wo dagegen v. Fritze in den Gelagerten 
die Unterweltsgötter, in dem Maskenträger einen Functionär der Eleusinien 
sieht. Eine andre Art der Individualisierung giebt der attische Krater Arch, 
Anz. 90, 89, dessen Bild v. Fritze a. a. 0. zu einseitig auslegt. Auch auf die 
hier berührten Darstellungen findet Anwendung was Wolters (Ath. Mitth. 91 
402) von andern gleichfalls sepulcralen gesagt hat. 



60 E. PETERSEN 

aber auch in der dem Dionysos — man vergleiche eben die letzt- 
besprocheaen Vasenbilder — so ähnlichen Darstellung des gela- 
gerten Jünglings oder Mannes ; und dessen Weihung in das Heilig- 
thum des Dionysos (') werden wir so zu verstehen haben, dass die 
Angehörigen, die je nach Verhältniss den Jüngling oder Gatten und 
Vater, den Gewaffueten oder den im Bürgerkleide, den Reisigen 
oder den Fussgänger mit Stab und Salbfläschchen wählen mochten, 
damit den frommen Wunsch, wenn nicht gar die Thatsache der 
Vereinigung des Todten mit dem Gotte aussprechen wollten {^). 
Ebenso hat man ja anderswo durch die Todtenmahlreliefs unmittel- 
bar nur die Thatsache der Heroenehre des Verstorbenen aussprechen 
wollen oder durch Aufstellung derselben, wenn nicht von Standbil- 
dern, im Heiligthum die Verbindung der Todten mit der Gottheit, 
Asklepios, Isis, auch Dionysos und den Musen (3), Deutlicher noch 
wurde die vollzogene Gemeinschaft allerdings, wenn wie in jenen 
Vasenbildern im Bilde selbst der Heroisierte mit dem Gott ver- 
bunden wurde, so mit Asklepios und Hygieia, mit Herakles und 
den Musen, in etwas andrer Weise mit Dionysos in dem vielbe- 
sprochenen Pariser Relief, wo ein specieller Verehrer des Dionysos, 
als Heros an der Schlange kenntlich, nicht zum Gott kommt, sondern 
den Gott bei sich scheint aufnehmen zu sollen (^), wie ja auch 
Asklepios im angeführten Relief neben dem gelagerten Heros noch 
stehend gebildet war. Auch die grossen eleusinischen Mysteriengöt- 
tinnen sitzen in dem bedeutungsvollen Relief neben dem im Schema 
des Todtenmahls gelagerten Heros mit seinem Weibe, denen Osog und 
^sd beigeschrieben ist, womit nicht Pluton und Persephone gemeint 
sein können, weil in dem von Reichel und Heberdey wieder zusam- 
mengesetzten, ebenfalls eleusinischen Relief auch Pluton noch zu 
jenen zwei Paaren hinzukommt als in der Mitte thronende Haupt- 



(i) Dafür hat Furtwängler in Berl. Phil. W. S. 1885. S. 14. einem besseren 
Beweis beigebracht in einer Inschrift, die ich nicht gesehen habe. 

(«) Vgl. Deneken 2581 ; P. Gardner. Journ. h. stud. 84, 120. 

(3) Testament der Epikteta s. Inscr. ins. M. Aeg. fasc. III 330. Benn- 
dorf Niemann, Heroon S. 44; Hiller v. Gaertringen, Thera S. 170. 

("*) Trotz Hauser, Neuatt. Rel. S. 197 möchten die Ikariosreliefs mit jenem 
unter einen Hut gehen; auch da besucht der Gott seinen Verehrer, aber im 
Leben; man denkt an Theoxenien, und dass der Gott die Ehre die ihm hier 
erwiesen wird, dort dankend anerkennt. 



DIOSKUREN IN TARENT 61 

person ('), Freilich kann es nicht wohl irgend ein beliebigei- Todter 
sein ; aber vielleicht einer für alle, ein Paar für alle. Aus griechi- 
schen Vorbilde stammt es doch auch gewiss, dass in zwei etrus- 
kischen Gradgemälden, dell' Orco in Corneto Mon. ined. d. I. IX, 
XV und Golini II in Orvieto : Conestabile pillure murali VIII-XI 
den beim Bankett Versammelten Hades mit Persephone gewisser- 
raassen praesidieren. Der letzte Schritt war endlich den Heros dem 
Gott und zwar dem Bakchos selber anzugleichen, was bekanntlich in 
einer ganzen Reihe von Todtenmahlen geschehen ist (-) wenn man 
bei dem Polos nämlich lieber an Bakchos, wie er z. B. Mon, ined. 
d. I. VI, VII Taf. 37 und, gleichfalls als Cultbild, auf bacchischen 
Sarkophagen dargestellt ist, als an Sarapis denkt. 

Dioskuren, Phalanthos und Taras, endlich heroisierte Sterb- 
liche in den Tarentiner Terracotten und Vasenbildern zeigten also 
durchaus verwandte Erscheinung ; die erstgenannten allerdings auch 
deshalb weil im Ganzen derselben Zeit angehörig: höher hinauf 
gehn nur die Herosbilder. Sie beweisen uns auch, dass, so viele 
Vergleichungspunkte Etrurien und selbst Rom bieten mochten, hier 
im Norden doch verschiedene Strömungen zu unterscheiden sind : in 
Tarent sitzt die Frau neben dem liegenden Eros, in Etrurien liegt 
die Frau wie der Mann, so schon in dem prächtigen Caeretaner 
Sarkophag der Villa Giulia, Mon. ant. Line. VIII Taf. XIII, dem 
ersten einer langen Reihe ; und dass dies ionische Sitte und Kunst 
war, werden wir Savignoui, daselbst Sp. 521, 534 gern geauben. 

E. Petersen. 

(1) 'Ecprju. 83 T, 3, 1. Gegen die Gleichsetzung mit Pluto und Perse- 
phone sprach sich Furtwängler M. W. 561, 1 aus, bereits mit Berufung auf 
das andre Relief, das jetzt in der Festschrift für 0. Benndorf T. IV S. 111 
vorliegt. Doch versteht auch er wesensgleiche Götter. Rohde Psyche P 210, 
1 nennt es eine ' scheue Bezeichnung '. Vgl. den Altar "Hqwos in Olympia. 
In Attika nannte man schon im 5. Jhdt. den Heros auch ^eoV, so grade der 
in diesen Fragen competente Sophokles: Ol. 65 Kolonos, Ant. 834, El. 150 Niobe, 
Ant. 986 Oreithyia; Trach. 714 Cheiron; so Eupolis fr. 32 Kock Akademos. 

(*) Pick, a. a. 0. (S. 35, 1) möchte umgekehrt die Darstellung von einem 
chthonischen Gott auf beliebige Heroisierte übertragen glauben. Er befindet 
sich dabei in Uebereinstimmung mit Furtwängler, Münch. S. B. 97, 401 ff. 
Auf dem daselbst S. 403 abgebildeten Relief aber scheinen mir die den Göt- 
ternamen seltsamerweise beigegebenen Verwandtschaftsbezeichnungen eben die 
dahinter steckenden Todten zu verrathen. 



SICÜLT E GRECI IN LEONTINOI 



Tre sono le alture che dal lato di mezzogiorno chiudono il 
panorama di Lentini, formando degli spaziosi baluardi di roccie, 
coperti di vegetazione ed intersecati da profondi ed angusti val- 
lari, dove al riparo dei venti prosperano i boschetti di limoni ed 
aranci; a levante l'altura sulla cui testa spianata si adagia Car- 
lentini, al centro il Castellazzo ed il Tirone col rarapante setten- 
trionale digradante a scaglioni, e piü indietro verso mezzodi la 
dominante posizione di Roccia Sandola; ad ovest Ciricö. Sullo 
sfondo il pittoresco ed elevato monte Pancali, che nel nome tut- 
tora gi-eco ricorda la bellezza delle sue forme e della sua vege- 
tazione, ammirate dai Calcidesi della sottostante e non discosta 
Leontinoi. 

Chi per poco conosca le consuetudini dei Siculi in fatto di 
ubicazione dei loro abitati avviserä tosto, come non nel sito del- 
r attuale Lentini e della greca Leontinoi, distesa al pie' dei colli, 
ma suUe alture indicate si debbano cercare le reliquie di quelli 
indigeni che primi vennero a contatto coi coloni calcidesi. Se non 
che alture e cave hanno subito attraverso 25 secoli profonde, ra- 
dicali trasformazioni ; le roccie calcari di sedimento poco tenaci e 
resistent! di per se, intaccate nei fianchi dai lavori dell' uomo, agi- 
tate dalle convulsioni sismiche hanno subito franamenti enormi, 
sopratutto nei margini delle coUine, le quali dai Greci solo in 
parte erano state fortificate e coperte di fabbriche; e sopra di 
queste sorse la Lentini medioevale, coi suoi poderosi castelli, con- 
tesi un tempo fra Chiaramontani ed Aragonesi, ogni cosa messa 
a terra dal disastro dei 1693, depo il quäle risorse la borgata 
piü in basso, nel sito dell'attuale. Infinite grotte e grottoni di uso 
ed etä i piü svariati intaccano ed incidouo i fianchi scoscesi delle 
cave; cave di pietra greche (latomie), laure cristiane, spaziose 



H. ORSI, SICÜLI E GRECl IN LEONTINOl 68 

abitazioni bizantine e medioevali hanno menomato la consistenza 
e la resistenza di quelle roccie, rendendole piü e piü franose. 

Se cosi e, e si tenga il debito conto delle oifese recate sempre 
ed ovunque dall' uomo ai monumenti, non sorprende che nulla 
resti della Leontinoi calcidese e meno della sicula. Tanto piü che 
i Siculi non muravano, raa sole orme indelebili da essi lasciate 
sono le grotte a forno e le camere funebri aperte nelle roccie. E 
giä al Cavallari era veniito fatto di metter le mani sopra un 
piccolo gruppo di esse nella contrada Rocca Riiccia sotto Carlen- 
tini; ma altre, ne meno importanti, sono quelle da me esplorate 
a s. Aloe nel maggio del 1899, merce la squisita cortesia del 
proprietario sig. Benedetto Perrota. 

a). Necropoli Sicule. 

La Cava di s. Aloe (= s. Eligio) e una delle gole di breve 
percorso (circa 1 V? kilom.) che metton capo alla borgata, coi 
fianchi squarciati, coperti di fichi d' India e di lussureggianti 
agrumeti sul fondo, dove scorre un rigagnoletto povero d' acque ; il 
lato occidentale, sotto il raonte Ciricö, e formato, come tutto il 
resto, da banchi di calcare arenario friabile e franoso, con pen- 
denza assai ripida, in alcuni punti con piccole pareti a piombo, 
dove gli strati erano piü spessi e compatti. Qui venue aperta una 
piccola necropoli sicula, che comprende a stento un centinaio di 
camere, distribuite a gruppi di 6 a 10, parecchie delle quali 
spaccate e scivolate in basso. I padiglioni delle celle visibili da 
lungi, e la yicinanza immediata della cittä greca (siamo ad un 
kilom. dal centro del paese) esposero « ab antiquo » i sepolcri 
a yiolazioni radicali; ma i violatori cercavano metalli preziosi, 
almeno bronzo, ne curavano i poveri vasi, i quali rotti e calpe- 
stati con . rabbia vennero lasciati sovente sul sito e poi coperti di 
masse di terra da lente e secolari filtrazioni; e fu Ventura, che 
per tal modo andö salvo un materiale ceramico se non intrinse- 
camente certo scientificamente pregevole. 

lo ho esplorato 26 sepolcri, quanti cioe presentavano pioba- 
bilitä e speranza di successo; in molti la lastra di chiusa mono- 
lita rettangolare era abbattuta davanti la porta o neH'interno; 
parecchi avevano 1' ingresso ed il padiglione completamente ma- 



64 p. oRsi 

scherato da frane di terra. Quanto alle forme ci soccorrono gli 
schizzi planimetrici e di sezioni qui uniti. 

La gran maggioranza delle camerette e di forma quadra 
(rettangolare o trapezia), eccezionali le circolari a volta piatta 
(fig. 1 B) ; una sola circolare con volta a cupola e grande nicchia 




Fiff. 1. 



(fig. 1 C in sezione) sembra portarci al 2° periodo, ma era com- 
pletamente sterile, quindi senza elementi che valgano a confer- 
mare codesta cronologia. Del paro eccezionali due grandiose tombe, 
vere camere precedute da un profondo atrio o protiro ; in ambedue 
la parete di fondo era occupata da im alto banco o letto funebre 
(in una munito di capezzale e di bordatiira) per stendervi uno o 
due cadaveri (fig. 1 D) ; sepolcri di persone cospicue, disgraziata- 
mente trovati colmi di terra, senza verun oggetto. 



SICULl E GRECI IN LEONTINOI C5 

Ecco il resoconto dello scavo nei sepolcri piü ricchi, 
I. Cella quadra, senza tracce di ossa visibili ; di bronzo solo 
due robusti anelli di mezzane dimensioni. I iittili erano alquanto 
numerosi, ma tutti in framinenti ; si pote ricomporre la capedun- 
cola riprodotta ad Ya circa alla lig. 2, di creta rossastra con pel- 
licola bigia, che la avvicina ad un buccheio; v' erano poi gli 
avanzi di almeno due altri vasi eguali; uno dei qiiali decorato di 
qiiella tecnica a stralucido con impiego di resina, e con motivo a 
girandola, che io ho giä segnalato nelle necropoli di Cassibile, 
Pantalica (Gruppo Cavetta) e M. Finocchito ('). Frammenti di 



lig. 2. 

un boccale decorato cogli stessi raotivi e nella stessa tecnica del 
vaso precedente; sul fondo graffita la sigla X. Metä superiore di 
im askos quasi identico all' esemplare Pantalica-Cavetta (o. c, 
tav. XI, fig. 6), ed al corrispondente del Finocchito {Bull. Pal. 
Ital., XX, tav. V, 3), cioe con denti di lupo rossi sulle spalle. 
Ayanzi di due scodelloni affatto grezzi del noto tipo di M. Fi- 
nocchito. La tomba per quanto raisera e istruttiva; essa e una 
delle piü antiche del gruppo, poiche contiene elementi ceramici 
propri oltre che al 3°, alla fine del 2° periodo. 

II. Forma consimile. Conteneva due scheletri adagiati subito 
depo l'ingresso, col cranio a nord, e le gambe, non si pote ben 
dire, se distese o leggermente piegate. Attorno ai morti v' era una 
fuseruola tittile, tre perle di ambra, un coltellaccio in ferro come 

(0 Orsi, Pantalica e Cassibile, necrop. sicule del 2° per., pag. 45, 78 
e segg. 114. (In Monumenti antichi d. Lincei, vol. IX). 

5 



66 



qiiello del Pinocchito ('), ed ima spirale dello stesso metallo (fig. 3). 
Ricchissimo era il corredo dei vasi, parecchie dozzine, ma quasi 
tutti in pezzi. Qiiello che si pote ricuperare mediante restauri, o 
tenendo conto dei framraenti maggiori, e qiianto segne: a) Cera- 





Fig. 3. 

mica locale rustica: 3 scodelloni, uno con 4 anse rudimentali, o 
meglio bitorzoli, un secondo con labbio a cordoni ed ansa verti- 
cale, sul fondo la sigla A, nn terzo con ansa anulare obliqua. 
Bicchiere cilindrico rozzissimo. Piccolo guttus con 3 appendici 
(fig. 4, ad V« vero). b) Ceramica locale bigia, cioe con incami- 




ciatura bigio-plumbea : uno stamnos piccolo ; quattro boccaletti 
(oenochoai) a collo stretto o largo; i tre esemplari piü caratteri- 
stici, dati a metä nelle fig. 5, 6, 7, mostrano come la decorazione 
consistesse in baccellature, cordonature e lische, ottenute, quelle 
a stecco, queste a graffito. c) Ceramica locale con pittura geo- 
metrica su fondo chiaro. Tre anfore a corpo globare e collo corto^ 
una delle quali, a. cm. 24, con ricca decorazione a tremoli, e ri- 
prodotta a fig. 8. Altra simile e di pari altezza, quanto alla de- 



(i) Bull Fall Ital, XX, tav. V, 7. 



8ICULI E GRECI IN LEONTINOI 



67 



corazione, h quasi identica airesemplare leontinese da me edito 
in queste Jioem. Mitth., 1898, pag. 342, fig. 58; nell' interno del 




Fig 5. 




Fisr. 6. 



Fig. 7. 



collo essa porta grafRta la sigla X. Di gran lunga piü importante 
e la terza anforetta, a. cm. 20, data a fig. 9; la creta ne e de- 



68 p. ORSi 

purata, la pittiua rosso-sangiiigna ; i motivi, oche schematiche 
separate da swastiche e circoli, ci portano in pieno Dipylon, ed il 
vaso ha tutta 1' aria di essere articolo di importazione ; se non che, 
esaminato ripetute volte, e fattolo esaminare anche da altri, risulta 
che la pittura e matta, senza vernice, la quäl cosa secondo i 
nostri criteri starebbe a deporre per una fabbrica siciliana. Lo 
stamnos fig. 10, a. cm. 14, oltre che essere nuovo per la forma. 




Ficr. 8. 



presenta un motivo nuovo nella decorazione cioe una serie di punti 
e gocciole. La oenochoe fig. 11 a. cm. 20, con tenie e spezzata 
sul coUo; due altre a pittura perduta, di cui una e data a tig. 12. 
Aggiungansi due capeduncole, una monocroma come fig. 2, 1' altra 
identica a fig. 25 dal sep. 5°. V erano ancora 9 scodelloni della 
forma consueta e tutti monoansati ; in tre esemplari la decorazione 
Consta di semplici cordonature; in cinque la partizione del collo 
e a triglifi coi campi ora vuoti, ora occupati da tremoli o da 
Serie di angoletti (come tig. 20); il meandro corrimi-dietro ap- 



SICULI E GRECI IN LEONTINOI 



69 



pare per la prima volta nell' esemplare (diam. cm. 25) qui sotto 
riprodotto a fig. 13. d) Ceramica greca d' importaiione, ncono- 
scibile dal colore a veraicie: frammenti di dne diverse tazzine, e 
di kylikes protocorinzie geometriche, come Roem. Math., 1898, 
pag. 336, fig. 51. 

III. Simile per forma ai precedenti, conteneva tre scheletri, 
sul petto di uno dei qiiali un coltellaccio in ferro; attorno ad 




Fig. 9. 



essi diie fuseruole fittili, e neirinterno una massa di vasellame, 
in gran parte ridotto a pezzi. a) Cer. loc. bigia. Due boccali a 
coUo stretto, ed avanzi di un terzo. b) Cer. loc. a pitt. geom. 
Due boccali, dei quali uno a. cm. 17 col segoo | sul fondo, e di- 
segnato alla fig. 14. Avanzi di uno stamnos con serie di triglifi. 
Mezza dozzina di grandi anfore; la maggiore (a. cm. 27) e piü 
completa e data alla fig. 15; di due altre prive dei collo (a. cm. 14 
e 15) riproducono esattamente i particolari decorativi le figg. 16 



70 



P. ORSI 



e 17; infine in una quaita, assai incompleta e sui frammenti di 
una quinta appariscono i motivi nuovi dei « chevrous » o denti 




Fis. 10. 





Fig. II. 



Fig. 12. 



di lupo, trattati in modo diverso (figg. 18 e 19). Cinque gli sco- 
delloni interi, ed almeno altrettanti in frantumi ; la fig. 20 ripro- 



SICUU E GRECl IN LEONTINOI 



71 



duce il migliore tra essi (diam. mm. 285); gli altri ripetono nella 
decorazione motivi ovvii e noti. üna completa novitä e invece il 




Fipr 13. 




Fig. 14. 

bicchiere fig. 21, alto mm. 75; delle oche od uccelli acquatici a 
lunghe gambe sono dipinti all' esterno, e separat! da rombi, mentre 



72 



P. ORSI 



la metä del cavo interno e decorato di cordonature, il tutto io 
rosso matto ; le due anse biforate dovevano reggere un coperchietto, 
tenuto a posto mediante fili. La forma al tutto niiova nella fa- 
miglia geometrica sicula del 4° periodo, ma specialmente la de- 
corazione indicano im modo esplicito i modelli greci da cui il vaso 
deriva. 




Fig. 15. 



IV. Conteneva un solo scheletro accompagnato da im vasetto 
nero, un prokoos (?) a bocchiuo (forma simile a Purtwängler 
Berlin V. S. fig. 247), da una fibuletta in bronzo a piccola na- 
vicella piena (fig. 22), da una pinzetta {volsella) pure in bronzo, 
da un anello in bronzo e da uno in ferro. Conviene perö notare 
che lo scheletro non era a posto, ma sconvolto, che la fibula era 
in un angolo, che nella cella non si trovö un solo vaso o fram- 
mento di vaso geometrico, ma soltanto una mezza pignatta bizan- 
tina. E dunque chiaro che la tomba fu sgombrata per dar posto 
ad una seriore deposizione di qualche villico greco, se non anche, 



SICULI E GRF.CI IN LEONTINOI 73 

forse piü tardi, ad uno bizantino. La fibula e 1' unico avanzo della 
piü antica deposizione, e conviene egualmente bene al VII come 
all' VIII secolo (Finocchito, Fusco, Ciima). 

V. Conteneva due scheletri, due perle di ambra, un coltel- 
laccio di ferro in frantumi e numerosi vasi interi e rotti. a) Cer. 
loc. gressa: Tre piccoli boccali. Frammenti di una olletta cipol- 




Fiff IG. 



liforme ad anse acuminate, decorate di fregi a stecco e di circoli 
concentrici a stampo fig. 23; e una forma precipuamente se non 
assolutamente propria del 2° per. (Plemmirio, Thapsos, Cozzo Pan- 
tano ecc), piü rara nel 3" (M. Finocchito, Noto Vecchio), nella 
quäle e poi nuovo il particolare degli occhi di dado ; esaminando 
lo stato di estremo logoramento dei frammenti sarei tentato a cre- 
dere che essi sieno colä penetrati a caso trainati dall'acqua, esclu- 
dendo il loro sincronisrao col resto del vasellame, che per stile e 
tecnica costituisce un insieme tutto omogeneo. Ove non piaccia tale 



74 p. ORS[ 

intei-pretazione, i frammenti in parola rappresenterebbero uno dei 
tanti anelli di congiunzione fra il 2° e 3° periodo. b) Cer. loc. 
bigia: Rottami di una capeduncola come fig. 2, nel cui fondo 
sono tracciati i segni )))). c) Cer. loc. geometrica: Due scodel- 
loni interi ; il piü riccamente decorato (diam. cm. 28) vedesi nella 
fig. 24; altri sono in frammenti. Una capeduncola, riprodotta ad 




Fisr. 17. 



'/s alla fig. 25, e di creta finissima, decantata (importata ?!). 
Quattro sono i boccaletti; di fattm-a estremamente rozza qiiello 
dato alla fig. 26, alto cm. 10 V2, ü quäle per la foggia della 
bocca obliqua rammenta un po' gli esemplari ciprioti. Uno rozzo 
coa cordonature plastiche ripete, con piccolo divario, la decorazione 
deir esemplare fig. 5. Ma sono nuovamente in diibbio coi due che, 
ridotti a circa ^/s, veggonsi nelle figg. 27 e 28 ; in essi la creta 
ben polita si direbbe quasi creta figulina, ed il colore per quanto 
smorzato pare (?) conservi riflessi lucidi; se ogni dubbio in pro- 
posito fosse eliminato, dovremmo riconoscere in questi vasi due 
esemplari geometrici di importazione. Frammenti di parecchie an- 



SICULI E ORECI IN LEONTINOI 



75 



fore. d) Cer. geom. greca: Frammento di una grande tazza con 
triglifi all'orlo; il colore e a vernice. 




KT» "--^ 



Fig. 18. 



VI-XIV. Negativi. 

XV. Rettangolare, con capezzale al lato sud, esigue tracce di 
ossa umane sconvolte, e numerosi rottami fittili delle classi a, b, c, 




Fig. 19. 

di interi si ricnperarono uno scodellone pressoche identico a fig. 20, 
una oenochoe bigia a forti cordonature, ed una capeduncola pure 
bigia, identica a fig. 2. 



76 



Compiuto il rendiconto dello scavo, ho poco da aggiungere per 
definire il valore del gnippo sepolcrale di s. Aloe e della cera- 




Fis. 20. 



mica che esso contiene; ove si ponga inente alla circostanza che 
il mio 4** periodo siciilo e specialmente caratterizzato dalla pre- 
senza di vasi greci dello stile corinzio e nero (Licodia Eiibea), i 




Fiff. 21. 



quali mancano per intero nel 3° {M. Finocchito), se si aggiunge 
ancora che ad arabedue codesti strati e comime la ceramica imi- 
tante il geometrico greco, ma che gli esemplari del 4° sono di 
uno Stile piü libero (Calvario) che non quelli del d° (Schifazzo, 



SICULI E GRECI IN LEONTINOI 



77 



Finocchito), dove invece si contano a dozzine gli scodelloni acromi 
di fattura locale, ed i loro succedanei, arriviamo alla conclusione 

che la necropoli di s. Aloe, malgrado 
la ricchezza del suo vasellame geo- 
metrico non antra ancora nel 4<* per., 
ma sta a cavaliere fra il 8° ed il 4°. 
Non disconosco che circostanze locali 
peculiari debbono aver influito a con- 
ferire un carattere individuale a questa 
e qiiella necropoli; ed io ho giä rilevata la dilferenza che inter- 
cede in fatto di tinte di civiltä fra le necropoli costiere e le mon- 
tane del 2° per. ('); ora a Lentini noi ci troviamo a brevissima 




Fig. 22. 




Fig. 23. 



distanza dagli scali marittimi, e quando la nostra necropoli era 
in esercizio, i primi sbarchi di Greci, non con inlenti coloniali, 
raa commerciali si stavano giä effettiiando ; se presso Lentini sbar- 
cassero Calcidesi o Dori non cerco per ora, ma non v' e dubbio 
che il facile contatto coi primi Greci che toccavano la Sicilia de- 
terminö nella Lentini sicula un peculiare sviliippo della ceramica 
geometrica, la quäle qui appunto, anche per precedenti scoperte, 
ci si palesa di una ricchezza di forme e di decorazione tutta 
imica. E questa circostanza indurrebbe persino a sospettare, come 
altri ha giä fatto (*), che il centro di diffusione della ceramica 

(') Orsi, Pautalica e Cassibile, pag. 74, 88. 
(«) Petersen, Roem. Jllitth., 1899, pag. 173-174. 



78 



geometrica greca, che determinö lo sviluppo della siciila, poiche 
essa manca nei piü antichi sepolcri di Siracusa e di Megara, si 




ä^i«S!S^*^- 



Fisr. 24. 



abbia a ricercare in una colonia ionica. lo fo voti che presto si 
abbiano a trovare i sepolcri del sec. VIII in Catana, Naxos, Leon- 




Fig. 25. 



Fig. 26. 



tinoi, i quali indubbiameote risolverebbero la questione, ma pur 
troppo tutto fa credere che essi sieno irreperibili, perche o distrutti, 
per sempre celati sotto le lave di bronzo. 



SICULI E GRECI IN LEONTINOI 



79 



11 chmo prof. Petersen ('), sottoponendo ad una analisi cri- 
tica le raie scoperte, eleva qualche riserva suUa opportiinitä di 
distinguere il 3° da un 4" per. siciilo, i quali due, per lui, si do- 
vrebbero fondere in un solo dall' 8** al 5" sec. So che nel 3° e 4" 
periodo, oltre all'apparizione del geometrico in senso stretio, av- 
viene la presa di contatto fra Siculi e Sicelioti; ma appunto 
perche tali contatti, dappriraa deboli e limitati alle regioni co- 




Fig. 27. 



stiere, poi piü e piü intensi, penetrarono fin nel centro dell' isola, 
determinando via via una piü radicale trasformazione della col- 
tura indigena, non vedo perche non si abbia a maatenere la di- 
visione da me proposta, per quanto molteplici i nessi fra il 3° e 
4° per. Cosi resterebbero indici cronologici nel 2" per. i vasi mi- 
cenei, nel 3** i protocorinzi geometrici, nel 4° i corinzi e gli 
attici (2). 

(1) Ibidem, 1899, pag. 172-173. 

(2J II sig. Pottier nel suo veraraente prezioso catalogo ragionato dei 



80 V. OKSI 

Ed ora qualche breve osservazione siiUe novitä ceramiche di 
s. Aloe ; nella ceramica grezza abbiamo le sollte forme ovvie degli 
scodelloni; quella bigio-plumbea ben polita presenta delle taz- 
zine ad alto manico o capeduncole, eguali ad altre in precedenza 
trovate a Lentini e Pantalica ; e poi iina bella serie di fiaschi od 
oenochoai a coUo cordonato, che sembrano una specialitä del sito. 
Piü ricchezza vi ha nei vasi a pittura geometrica; svariatissima 
la Serie degli anforoni in due dei quali appaiouo (figg. 18 e 19), 



Fiff. 28. 



nuovi elementi, i denti di liipo, che del resto occorrono in cera- 
miche geometrico-cipriote di quel periodo « miceneo tardo e greco 
fenicio » (^), il quäle ha una quantitä di vasi intimamente af- 



Vases du Louvre I, pag. 290, 306, 368 e segg., facendo un « excursus n suUa 
civiltä e ceramica dei Siculi, ha pronunciato dei giudizi molto nuovi dal 
punto di vista etnografico, i quali non mi e dato qui di discatere; e, forse 
mancandogli la conoscenza « de visu » del materiale, non ha potuto evitare 
qualche errore (attribuite al periodo di Stentinello torabe a ^o^og; geome- 
trico del 4" per. emanazione della ceramica precedente, ed indipendente dalla 
Grecia; geometrico deirApulia piü antico di qoello di Sicilia), che va asso- 
lutamente rettificato. 

(') Myres, Catalogue of Cyprus Museum, tav. IV e V. — 0. Richter, 
Verhandlungen der Berl. Gesellschaft für Ethnographie, Anthropol. und 
Urgeschichte, 1899, pag. 57, fig. VIII, 12. 



SICCLl E GBECl IN LEONTtNOI 81 

fini per forma (anforoni) e decorazione ai nostri geometrici ; trian- 
goli propri anche al geometrico greco di varie regioni ('), ed al 
geometrico dell" Italia meridionale (-); uel 3" per. siculo invece si 
avevano sin qui dei denti di lupo non a colore ma tracciati a 
punta (3). 

Una gradita apparizione furono i due vasi coUe ochette sche- 
matiche; nel geometrico dei Siculi esse si eran vedute una sola 
volta in un boccale di M. Tabuto (''), invece abbondano nel geo- 
metrico greco non pm*e dell'Attica, ma anche della Beozia ecc. (^); 
e forme consimili di boccali, colla stessa decorazione di ochette 
sfilanti suUe spalle, si hanno anche in Etriiria nelle tombe a fossa 
dei c. d. per. protoetrusco, che il Montelius coUoca fra 1000 e 
000 (ö). Ma tale cronologia, come fu dimostrato dal Karo ("), va 
rettificata, ed anche secondo i miei calcoli fatti sugli orizzonti 
siciliani codesti vasi, qui, stanno meglio portati di un buon secolo 
■e raezzo piü in giü. L'intima connessione poi dell'anfora leonti- 
nese coi geometrici attici e confermata dalla presenza di cerchi a 
punto e di swastike, che occupano i vuoti. 

Dall'esame dei materiale di s. Aloe si vede chiaro che la 
necropoli cessö d'essere in attivitä, e scomparve 1' abitato ad essa 
Äoprastante, verso la fine dei sec. VIII od ai primordi dei VII ; e 
■questa una conferma ai dati tradizionali. Tucidide (VI, 3) asse- 
risce che i Calcidesi con Tucles verso il 728 « Asovrivovi xs no- 
Xsfirii Tovg 2ix€Xovg e^skäüavrsg olxi^ovüiv », mentre per Polieno 
{V, 5) gli indigeni si sarebbero acconciati coi neo-venuti. Non 
raette conto seguire la discussione fatta fra storici moderni sul 
valore e 1' attendibilitä di queste fonti ; certo e che, se i Siculi 
fossero rimasti in Leontinoi durante i secoli VII e VI, noi tro- 
veremmo le loro tombe con vasi protocorinzi, corinzi ed attici ; ma 



(") Jahrbuch, 1899, pag. 29, 40. — Conze, Zur Geschichte der Anfaenge, 
tav. II, 1. 

(*) Patroni, Ceramica antica delV Italia meridionale, figg. 4, 5, 8. 

(3) Bull. Pal. Ital, XXIII, tav. VI, 6, 23. 

{*) Ibidem, XXIV, pag. 171. = Roem. Mitth., 1899, pag. 341. 

(5) S. Wide, Jahrbuch, 1899, pag. 83. 

(*) Preclasiical Chronology in Greece and Italy (Journal of anthropol. 
Inititute of Great Britain and freland, 1897, tav. XXVI, pag. 264). 

C) Bull. Pal. Ital., 1898, pag. 148. 

6 



S2 V. OKSI 

poiche delle due iiltime categorie non uno solo fu raccolto nelle 
tombe di s. Aloe, devesi concludere che se non nel 728 pochi 
lustri appresso essi vennero tutti espulsi. 

b). Necropoli greche. 

Dopo un decennio, dacche io dirigeva i servizi archeologici 
nel sud-est dell' isola, parevami veigognoso di non aver tentato un 
solo scavo nella calcidese Leontinoi; ma vi si erano opposte dif- 
ficoltä varie e talvolta gravi, qiiali la opposizione dei proprietari. 
la intensitä delle colture richiedenti rilevantissimi indennizzi, ma 
piü di tutto la poca speranza di riuvenire gruppi sepolcrali intatti. 
Nondimeno volli, nella primavera del '99, tentare, se non altro, nn 
esame topografico delle necropoli per completare e rettificare le 
notizie del Coluraba, l'unico il quäle, sebbene non immune da 
errori, abbia scritto con molta competenza sulla topografia archeo- 
logica di Leontinoi {*). 

La vasta necropoli greca di questa cittä si stendeva a nord- 
ovest, nord e nord-est dell' abitato moderno e dell' antico, ed era 
divisa nei gruppi seguenti: 

A) Piccolo ma ricco sepolcreto nel Predio Pisano, a circa 
kilom. 1 \'i a nord-ovest del paese. Qui nel 1884 vennero sco- 
perte poche ma sontuose tombe, di grandiosa costruzione, spettanti 
al sec. VII- VI, il cui ricco contenuto fu insufficientemente de- 
scritto dal Cavallari nelle Nolisie 1884, pag. 252. Io tentai ogni 
mezzo, anche a prezzo di rilevanti sacrifici, per assicurare al Museo 
di Siracusa quella suppellettile ; ma la esorbitanza delle pretese 
da prima, poi la malafede di taluno, la freddezza patriottica in 
altri, fecero abortire tutti i miei sforzi {-), ed ora i bronzi calci- 

(') Sono da prendersi con molta circospezione parecchi dati del Caval- 
lari {Notizie, 1884, pag. 254) non meno che del Columba (Contributi alla 
storia delV elemento calcidico di occidente. Archeologia di Leontinoi. Nel- 
l'Archivio Storico Siciliano, 1891, pag. 51 e segg. dell'estr.); tutti e due 
hanno equivocato, prendendo per classiche reliquie di mura ed avanzi di 
fossate, esistenti sui colli Tirone e Castellaccio, che sono medioevali. Alle 
necropoli poi il Columba ha dedicato soltanto poche righe (o. c, pag. 65\ 

(*) Gli oggetti furono venduti nel 1894 dal prete Giuseppe Pisano 
all' antiquario sig. F. Virzi di Palermo, da cui passarono (1897) a Berlino. 
AI Pisano fu intentata Ute dal Ministero d-.-lla Pubbl. Istr. per vendita abu- 
siva di oggetti antichi. 



SICULI E GRECI IN LEONTINOI 83 

desi di Leontini sono proprietä del R. Museo di Berlino (^). Ma 
non tutto ciö che possedeva la famiglia Pisano passö a Berlino ; 
quindi non sarä inutile che io dia un catalogo sommario di ciö 
che si rinvenne, pur non insistendo nella illustrazione di quei ci- 
meli assunta dal dott. Winnefeld. 

AI momento della scoperta una parte, e non minima, degli 
oggetti preziosi andö dispersa e trafugata dagli operai, ai quali 11 
proprietario dovette contendere il meglio col revolver in pugno. II 
Cavallari ebbe tutto 1' agio di esaminare il materiale nel 1884, 
ma la sua descrizione e insufficiente, anzi egli omette qualche 
pezzo importante, tenuto forse celato dai pioprietari ; io rividi 
ogni cosa nel 1894, ma mi fu impedito di prendere schizzi e di- 
segni, e dovetti accontentarmi di rapidi appunti, coi quali, e col 
sussidio di due vecchie fotografie, rappresentanti 1' insieme degli 
oggetti poco dopo la scoperta, ho redatto il seguente catalogo {^) : 

Oro. 1-2. Robusto anello di oro liscio. Altro anello digitale 
con castone rettangolare alle cui estremita globuli (fig. 29 d). Pa- 
recchi consimili ma in arg. provengono da Megara Hyblaea (inediti). 

3. Frammento di tenia in sottil lamina decorata ad impres- 
sione dell' livtv^ SinXa^ ; era raolto lunga, ma gli aitri pezzi 
vennero rubati dai contadini scopritori; formava certamente un 

4. « Vasetto di oro purissimo della forma di un cilindro, in 
n cui un altro cilindro egualmente d' oro si compenetra e Io chiude 
« quasi ermeticamente » (Cavallari). Da me non visto e giä sparito 
all' epoca della mia visita. La necropoli di Megara Hyb. ha dato 
un certo numero di codesti tubetti d' argento a doppio bossolo, 
scorrevole; si trovavano di solito appesi al coUo delle donne e 
credo servissero per aromatari (inediti). 

Argento. 5 Grande anello elittico (fig. 29 b), asse circa mm. 115, 
da portare al polso o forse meglio appeso sul petto ; conserva an- 
cora il castone di un grande scarabeo, che andö perduto o trafu- 
gato al momento della scoperta. Simili di grandi dimensioni, con 

(1) Ne e destinata la illustrazione per opera del Winnefeld al 59° Win- 
kelmannsprogramm della Soc. Archeol. di Berlino, uscito durante la revi- 
sione del presente articolo, col titolo Archaisches Bronzebecken aus Leon- 
tinoi (Berlin, 1899). 

(*) Segno con [B] gli oggeiti del Museo Reale di Berlino. 



84 



P. ORSI 



scarabeo d'oro al Fusco in Siracusa {Notisie 1893, pag. 469), ed 
a Megara Hyb. (sep. 321, inedito) ('). 

6. Grande spirale di arg. a sei avvolgimenti, finiente a teste 
di serpe; serviva da armilla bracchiale {ipähov, e qui piü pro- 
piamente ocpig). Fig. 29 a [13]. 

7. Altra simile a tre avvolgimenti, formata da un cartoccio 
convesso-concavo fiancheggiato da due fili cilindrici; finisce pure 
a testa di serpe [BJ. , 




Fig. 29. 

8. Scodelletta o calotta di assai piccole dimensioni, formata 
di una sottil lamina, rotta e mancante di alcune parti, decorata 
a martello e punta di im fiore di loto ad otto petali acuminati, 
tra r uno e 1' altro dei quali una palmetta. A me parve fosse una 
piccola patera o g)iäXr] della nota categoria delle patere di Nim- 
roud, Cipro, Greta, Preneste ecc. e sarebbe la prima del genere 
rinvenuta in Sicilia e nella Magna Grecia ; ma, piü esattamente, essa 
e la metä inferiore di un aryballos, di cui a Berlino si riconobbe 
anche la bocca a disco [B] {-). 

Bromo. 9. Grande bacino o lebete in lamina di bronzo con 
orlo piatto ribattuto, del diametro massimo di cm. 54, alt. cm. 19, 
non tenendo conto del fondo, quasi per intero mancante. Conte- 
neva una quantitä di ossa cremate [B]. 



(') II Winnefeld (o. c, pag. 30) confonde, e non so corae, il disco boc- 
chino dell'arjballos, col grande anello. 

(2) Una pateretta in bronzo, con decorazione simile a foglie acurainate 
stiliaate, si rinvenne nella Bosnia, nella necropoli di Ossovo, assieme ad altro 
articolo greco del VII-VI sec, un bacile-lebete, identico a quelli del Fusco 
( Wissenschaftliche Mittheilungen aus Bosnien und der Hercegovina, VI Bd. 
(1899) pag. 40). 



SICULI E GRKCl IK LKONTINOI 85 

Analoghi lebeti-ossuari si ebbero in Sicilia da Megara Hyb., 
Siracusa (Fusco), Gela, Selinimte. 

10-13. Spettavaao alla decorazione periferica del bacino 4 
grosse e süperbe teste di ariete di dimensioni un po' diverse e 
grandi quanto un piigno di uomo, in bronzo fuso, ed a giudicare 
dal peso rilevante (Kg. 1,78) se non massiccie, di gran spessore ; 
variano tutte 1' una dall' altra nel profilo del muso, nello sviluppo 
delle corna, nella posizione delle orecchie, non che nei particolari 
indicati a punta (anelli delle corna. sopraciglia ecc), e tutte sono 
di un naturalismo meravigliosamente efficace. Esse fungevano di 
decorazione ed al tempo stesso di maniglie al grande lebete, al 
cui orlo erano saldate mediante una forte impiombatura, che si 
osserva ancora nel cavo del collo [B]. 

14. Ad altri minor vasi spettavano sei piccoli mezzi cilindri 
costolati ed un po' curvi (3 forati pel lungo, 3 no), evidentemente 
reggi-maniglie od appoggia mano (fig. 29 f). II Cavallari erronea- 
mente credette che fossero i piedi del lebete [B]. 

15. Leoncino di bronzo fuso lungo cm. 9, accovacciato in 
profilo coUa testa in prospetto e le gambe anteriori distese; ri- 
toechi a bulino nella giubba trattata a raggiera, nel muso etc; ha 
pareti raolto spesse ed il cavo inferiore h riempito di bronzo per 
saldarlo suU'orlo di qualche bacino od altro. Da notarsi che lo 
stesso Schema e la stessa composizione si osserva in terrecotte ar- 
caiche, come, a mo' d' esempio, nell' esemplare fuscano da me edito 
in Notizie 1896, pag. 472, il quäle, salvo la posa delle zampe 
anteriori e identico al bronzetto leontinese (Fig. 29 e) [B]. 

Porcellana. 16. Aryballos in mezza porcellana, diventata fa- 
rinosa, la cui invetriatura alla superficie e completamente perduta. 
Siracusa, Megara Hyb., Selinunte, Gela e tutte le necropoli ar- 
caiche dell' isola hanno dato, come la Grecia ('), di codesti arti- 
coli vascolari, di origine rodia. 

Alabastro. 17. üna mezza dozzina di alabastra. 

Greta. 18. Zuppiera o stamnos di stile corinzio, a. cm. 17, 
con fascia di animali, quadrupedi e volatili; forma ovvia nelle 
necropoli dell' est e del sud dell' isola. 



(1) Veggasi Pottier, Vases antiques du Louvre, I, pag. 150, che rias- 
same tutta la precedente letteratura. 



86 p. oRsi 

19. Statuetta in forma di scimmia seduta verticalmente suUe 
coscie; eguale da un sepolcro di Megara Hyb. (n. 436, inedito). 

II Cavallari ricorda ancora « molti frammenti di braccialetti 
d' argento di vario diametro » e poi « parte di uno scudo circo- 
lare di bronzo; e quindi una corazza di bronzo molto ossidata e 
rotta in pezzi «. Di tiitto ciö nel 1894 la famiglia Pisani nulla 
piü conservava, ma probabilmente il Cavallari non interpretö esat- 
tamente i rottami. 

II materiale che ho qui rapidamente descritto non proviene da 
un solo sepolcro ma da un gruppetto di sepolcri sincroni, ne e per- 
ciö grave iattura che sieno state confuse e mescolate le provenienze 
dalle diverse tombe. lo non ho voluto qui indugiarmi nella illu- 
strazione tecnica, stilistica e cronologica dei singoli pezzi e so- 
pratutto dei piü cospicui, compito che ormai spettava di diritto 
al Winnefeld. Farö solo brevi osservazioni per stabilire il posto 
cronologico che spetta al sepolcreto Pisani in rapporto alle altre 
necropoli leontinesi. 

II pezzo principe, lo comprende ognuno, e il lebete in bronzo 
colle teste di ariete (Fig. 30) ; il pensiero ricorre senza fatica a quel 
cratere descrittoci da Erodoto IV, 152 offerto dai Samii a Delfo ed 
ornato al labbro di teste di griffoni e retto da figure in ginocchio. 
Era un sontuoso donario di arte ionica, da cui si copiarono poi 
le teste di griffoni in bronzo, numerose ad Olimpia (^), e nume- 
rose ancora in bronzo, trasformate in leoni, ed in terra cotta nel- 
r Etruria (-), in una regione cioe che senti potenteraente 1' influenza 
ionica (3). 

L' apparizione di siffatti bronzi in Leontinoi, cittä calcidese, 
e piü che naturale; nö si dura fatica a riconoscere in essi un 
prodotto delle officine bronziere di Calci de, la quäle, monopoliz- 
zando le rieche miniere dell' Eubea, alimentava delle Industrie 
metalUche famose nell' antichitä (*), i cui articoli diffusi larga- 

(') Furtwängler, Olympia die Bronzen, (tav. 46-49, pag. 114-126). 

(*) Regulini Galassi etc. (Martha, U art 6trusque, 107; Röscher, Lexikon, 
I, pag. 1763). 

(') Savignoni, Bronzetto arcaico deWAcrop. di Atene e di una classe 
di tripodi di tipo greco-orientale, pag. 42-44, 98-101 (in Monumenti Antichi 
d. Lincei VIT); Petersen, Bronzen von Perugia in queste Hoem. Afitth.,lX, 
pag. 295 e seg. 

(*) Pottier, Vases antiquea du Louvre, I, pag. 552-553. 



SICULI E GREOI IN LEONTINOI 



87 




88 P. ORSI 

mente dovevano sopratutto trovar accoglienza nelle sue colonie, 
quäle era appnnto Leontinoi (^). Per ciö che spetta alla cronologia 
il nostro lebete sta a cavaliere dei secoli VII e VI, forse piut- 
tosto dentro la fine di quello che sul principio di questo, coi 
quali dati di massima convengono anche i pochi vasi raccolti. Tra 
le argenterie ed oreficerie di uso personale vi sono articoli fenici 
greci fenicizzanti ; sono in massima le stesse foggie riconosciute 
a Megara Hyb. ed a Siraciisa, le quali dimostrano la concorrenza 
che anche in codesti articoli si facevano nel VII e VI secolo 
Semiti ed EUeni. 

Certo e che la persona combusta e piamente raccolta nel 
lebete e quelle che vennero deposte nei ricchi circostanti sepolcri 
dovevano appartenere ad una delle piü ragguardevoli casate leon- 
tinesi sul finire del sec. VII o dei primi del VI, e vollere esser 
sepolte, distinte dalla massa del volgo in un loro terreno par- 
ticolare. 

In fatti per vedere se questo gruppo sepolcrale si collegasse 
colla necropoli B, di cui parlo subito, io feci eseguire nel terreno 
interposto, proprietä del sig. Michelangelo Aletta, delle accurate 
esplorazioni saltuarie durate nna intera settimana, senza rintrac- 
ciare verun sepolcro greco, ma soltanto una tomba romana super- 
ficiale, con un morto in nuda terra accompagnato da un vetro a 
fuso. Dunque fra il gruppo Pisano e la vera necropoli esiste una 
larga area archeologicaraente sterile. 

B. Necropoli in contrada la Macidalena presso la Corderia 
proprietä del barone Beneventano. Lungo il margine occidentale 
di questo fondo corre una larga « trazzera », o via campestre 
detta strada del Corso, che reputo sia un'arteria stradale antica 
(cfr. la strada oggi ancora denominata Dromo, che attraversa da 
nord a sud 1' antica Locri Epiz. nella sua parte bassa) contermi- 
nante la necropoli a ponente, mentre a settentrione si osservano 
ancora gli avanzi di un rozzo muro a gran pezzi, specie di ma- 
ceria terminale {ogog rrjg vsxQonöXeoig), analoga a quella che 

(') Non voglio diffondermi in raffronti giä fatti dal Winnefeld; raa noto 
cosi di passata, V intimo nesso fra le nostre teste di ariete e quelle a sbalzo 
di una lamina in bronzo ionica di Perugia {Roem. Mitth., IX, pag. 311). E 
la stretta analogia fra il leoncino fuso edito dal Savignoni [Bronzetto ar- 
caico etc fig. 19) ed il leontinese n. 15. 



SICULI E GRF.CI IN LEONTINOI 



89 



chindeva una buona parte della necropoli di Megara Hyb. (inedita). 
Che in questo terreno esistessero numerosi sepolcri si sapera giä 
per antica voce popolare e per rinvenimenti fatti in varie epoche. 
Nelle esplorazioni a salto che vi condussi trovai 12 sepolcri, fosse 
scavate nella roccia calcare superficiale, in direzione nord-sud, 
est-ovest alquanto irregolare, coperte iu origine dai consueti lastroni ; 

erano perö tutti frugati da tempo an- 
tico, ne vi reciiperai alcun oggetto. 
Da rottami di vasi raccolti nel sopras- 
suolo e nella terra sraossa arguisco che 
la necropoli era arcaica, cio6 anteriore 
al secolo V, e lo conferma l'unico vaso 
intatto, l'anforetta che qui propongo 
(corinzia?), decorata a fascie e gocciole 
brime e pavonazze alternate (fig. 31 
a Va <Jal vero). 

La necropoli della Maddalena si 
stendeva anche in direzione di levante 
verso lo stradale Lentini-Stazione, anzi 
fin presso e sotto le prime case del 
paese, all'iiscita del qiiale, aprendo una 
strada anni addietro, s' imbatterono i 
lavoranti in un centinaio di sepolcri 
(se ne vede ancora qualcuno) raa tutti 
negativi. Non di meno questa ampia 
necropoli era nettamente separata e distinta, per un intervallo di 
circa un buon kilom., dall'altra grande : 

C. Necropoli di Piscüello, delle Balate di Zaco, o di Ca- 
lacau^o. Circa kilom. 1 '/2 ad Oriente di Lentini, seguendo la 
« trazzera » che porta ad Agnone, e salendo il fianco di un'arida 
collina, si arriva alla localitä che porta i nomi suddetti; quivi 
per oltre a 200 metri veggonsi sul gretto roccioso della strada 
aperti numerosi sepolcri a fossa, i quali continuano anche nei 
campi limitrofi a destra e sinistra. Sono in tutto parecchie centi- 
naia di sepolcri, che mai furono oggetto di sistematiche esplora- 
zioni, ma esposti alla merce dei villani che sovente vi istituirono 
scavi clandestini, disperdendo e vendendo il materiale raccolto; 
da attendibili informazioni non risulta che codesto materiale fosse 




Fig. 31. 



90 H. ORSI 

abbondante e pregevole. Per la cronologia del gnippo conviene 
intanto tener conto dei seguenti rinvenimenti colä fatti in prece- 
denza : diie grandi crateri a f. r. di fabbrica italiota, con rappre- 
sentanze di toletta e di cpXvaxeg, conservati ora al Municipio di 
Lentini e giä da tempo editi (*); piccolo cratere della stessa fab- 
brica, rinvenuto nel 1897 e da me visto siü mercato antiquario 
di Catania; altri due vasi a f. r. tardi, sommariamente descritti 
in Notme 1879, pag. 82-83. Tutti codesti vasi non sono ante- 
riori al sec. IV. 

I miei scavi, eseguiti nel terreno del bar. Giovanni Corvino 
per la diirata di due settimane col generoso consenso del proprie- 
tario, mi portarono alla esplorazione di 134 sepolcri, la maggior 
parte dei quali chiusi ed intatti. Siccome essi presentano iina 
grande raonotonia di forma e di contenuto, risparmio a me ed al 
lettore la noia del diario dettagliato dello scavo, procedendo invece 
in modo riassuntivo. 

Ho detto che i sepolcri sono grandi fosse incise nella roccia, 
quasi tutte munite di controfossa superiore, suUe cui guancie pog- 
giavano le lastre di copertura; esse fosse hanno di solito dimen- 
sioni normali per comprendere un cadavere, qualche volta piü 
grandi sembrerebbero destinate a piü individui, sebbene non una 
sola volta qui, a diversitä di Megara e Siracusa, mi sia imbattuto 
in deposizioni plurime; l'orientazione delle fosse e dei cadaveri e 
resa evidente dallo specchietto che segue: 

Orientazione delle fosse E-0 n. 29 

» » » N-S " 65 

NO-SE " 11 

Orientazione degli scheletri cranio a S n. 51 

(quante volte fu possibile « ad E »15 

constatarla) « ad «5 

» a N »3 

» a NE »1 

a SEeSO » 10 

Deposizioni individuali tutte 

Combustioni in fosse 4 

» in cinerario l 

Benndorf, Griech. und Sicil. Vasenbilder, 40. 



SICULI E GRECI IN LEONTINOI 



Ol 



Per ciö che riflette la forma dei sepolcri aggiiingo ancora i 
particolari seguenti. Le coperture erano quasi sempre tre, ed in 
esse si constatö im fatto che io prima non avevo riconosciuto in 
nessuna necropoli siceliota ; voglio dire che esse erano calate, messe 
a posto e commesse con tanta esattezza, che non era possibile 
aprire un sepolcro, senza romperne ima; i fossori erano riusciti a 




Fis:. 32. 




tanta perfezione di lavoro, collocando a posto dapprima senza dif- 
iicolta le due lastre laterali e poi calando la centrale col mezzo di 

diie funi che scorrevano per quattro 
fori cilindrici, i quali vennero no- 
tati nella copertura di quasi tutti 
i sepolcri. Le fosse con cadav^eri 
arsi in situ erano di pochissima 
profonditä (tig. 33) ciö che giä io 
aveva in precedenza avvertito in 
parecchie altre necropoli della re- 
gione siracusana (Siracusa, Not. 
1898, pag. 478, 481 ; Netum, No- 
iisle 1897, pag. 80). In un solo caso le pareti della fossa apparvero 
diligentemente rivestite di stucco, ed in un altro le coperte erano 
rappresentate da tegole ; di cippi o stele soprastanti ai sepolcri 
nessuna traccia, causa la mancanza di un forte strato di humus. 
Due soli sepolcri dovevano ayere carattere monumentale, ed 
essere sormontati da edicole; degli avanzi delle fondazioni del 
primo presento planimetria e sezione (fig. 34); un'area rettango- 
lare di roccia spianata (m. 2,50 X 0,30) era circondata da una 
fossetta pure scavata nella roccia (cm. 30 X 40), dentro la quäle 
si trovarono pareechi cocci di vasi (notevoli le anse di un gran 



Fig. 33. 



92 



vaso a colonnette di stile nero) e pezzi di squadretti e cornici 

stuccate spettanti alla elevazione ed al coronamento dell' edifizio ; 

un fraramento di cantonale aveva 
la profilatura che qui si osserva 
(Fig. 35); se si vuol ammettere 
qui im sepolcro, allora convien pen- 
sare che il morto sia stato deposto 
in iina tomba coutigua ; ma poteva 
anche cssere iina grande ara sa- 
crificale (Brandopferaltar) per le 
cerimonie funebri. 

Di dimensioni alquanto piü 
grandi era un altro monumento, di 
cui pure do la planimetria e la se- 
zione (Fig. 36). 

Era, come vedesi, soltanto la 
fondazione, formata di grossi bloc- 
chi in calcare arenario piazzati 
sulla roccia spianata; monumenti 
consimili, per non uscire dalla Si- 
cilia, erano giä stati segnalati da 

me a Siracusa {Notüie 1897, pag. 480-81) ed a Hybla Heraea 

{Notisie 1899, pag. 414). 

Veniamo ora alla suppellettile funebre, non abbondante ne 

ricca, ma utile tuttavia a darci una buona orientazione sull'etä 




^^W^^^^^W¥f^M 




Fig. 34. 




della necropoli; dai pochi vasi prima d'ora rinvenuti, o sopra se- 
gnalati, risulterebbe che essa spetta al sec. IV; ma gli Ultimi 
scavi modificano sensibilmente ed amplificano tale cronologia. 



StCULI E QRECI IN LEONTINOI 



93 



Una buona parte degli scheletri erano nudi; nuUa di orna- 
raenti muliebri; in 2 sep. due strigili di bronzo a portata della 
mano destra, ed in altri due di fen-o ai piedi ed alla mano, 



f^jg4^^^vj^ii^^^|^|j^ 








W^^^^^W^!^W^W^^^^^- 



SE2 AB 



Fior, 36. 



aghi di bronzo su sei scheletri e sempre al cranio ed alle spalle ; 
in un sol caso un coltellaccio di ferro, ed in altra fossa alla 
mano una piccolissima cuspide di bronzo. 

In due sepolcri una lucerna aperta ed ombelicata, a pie' del 
morto, ed in altri due, due piccole sfingi fittili. Tutto il resto 
piccolo vasellame, nel quäle preponderano le lekythoi, distribuito 



94 p. OKSi 

alle spalle ed ai piedi, meno frequentemente alle mani. Ecco un 
quadretto statistico dei vasi raccolti, esclusi gli esemplari in 
frantumi : 

Skyphoi neri 14 
« a fascie brune su fondo chiaro 

(reminiscenze del corinzio) 2 

Kylikes n. a basso piede, senza gambo 3 

Piccole kylikes-skyphoi 3 

Scodelline nere 3 

Lekythoi, in totale 43 

[L. a fig. nere 5 

L. a palmette nere sul ventre 11 

L. n. a palm. n. sulle spalle 3 

L. n. con strali n. » " 14 

L. a fig. rosse . 8 

L. a fascie rosse 1 

L. a fondo bianco 1] 

Stamnoi a fascie brune 5 

Boccaletti (holpai) neri o grezzi 6 

» a bocchino (Furtwängler fig. 248) 2 

Patelle grezze 4 

Lucerne aperte ombelicate 2 

Alabastra di alabastro 5 

Totale 92 

Sono omessi parecchi piccoli vasi grezzi insignificanti. Da 
questo prospetto rilevasi anzitutto come la necropoli di Piscitello 
non contenga materiale ceramico corinzio, del quäle sono appena 
una reminiscenza due skyphoi a fascie brune su fondo chiaro; 
rilevasi ancora come in essa sia rappresentato il finire della pit- 
tura nera ed il principio di quella rossa, per modo che a quella 
parte da me scavata devesi ragionevolmente assegnare uno svi- 
luppo cronologico da fine VI e mezzo V sec. a. C. ; in tale torno 
di tempo si adagiano comodamente tutte le forme sopracitate, e 
sopratutto le lekythoi nella loro successione svariata di tipi e 
disegni. 



SICULI E GRECI IN LEONTINOI 



95 



Le 5 lekythoi a fig. n. sono tutte di stile pessimo, andante 
e negletto, con figure a « Silhouette » , che talvolta sono dei veri 





Fig 37. 



Fig. 38. 



sgorbi ; il corpo alliingato cilindrico e indizio che volgiamo al fine 
della pittura nera. I soggetti sono: Dionisio ed Arianna in qua- 
driga preceduti da un Sileno. Quadriga in corsa montata da auriga 
bianco-chitonato. Idem. Gara di due bighe. Eracle ed un Centauro 



96 i\ ORSi 

nel momento che precede la lotta alla cantina di Pholos, indicata 
da un pithos, e tiancheggiata da due tigure. 

Sulla cronologia delle piccole lekythoi a palmette nere sul 
ventre negli orizzonti sicelioti mi sono occupato a lungo in queste 
stesse Roem. Mittheil. 1898, pag. 321, nota 1, fissandola nella 
« seconda metä del sec. VI » . Di alquanto piü recenti, circa mezzo 
secolo, sono le lekjthoi nere a palmette ioniche sul dorso, in 
quanto preludiano alla pittura rossa, anzi sono di essa caratteri- 
stiche. Ma colle lekythoi a strali entriamo di niiovo nella seconda 
metä del VI sec. e primordi del V, avendocene dato Megara Hybl. 
alcune dozzine, talvolta associate alle ultime raanifestazioni della 
pittura corinzia. 

I vasi a f. r., all' infuori di quattro, sono tutti di minuscole 
dimensioni ma di stile hello un po' severo : il piü grande a. cm. 32 
porta una fig. muliehre vestita di chitone e mantello con patera 
e fiaccola (fig. 37); un secondo e in frantumi; il terzo presenta 
Artemide sacrificante all' ara (fig. 38); il quarto una danzatrice ; 
elegante la decorazione di uno con due fascie di palmette affron- 
tate ed ohlique (fig. 39). Sui piccoli : donna sacrificante, cerva o 
antilope, Nike alata, e doppia zona di palmette adagiate. Sem- 
plici frammenti di vasi rossi di grandi dimensioni si trovarono in 
3 altri sepolcri, che suhito descrivo. Tutto il resto della ceramica 
e dal punto di vista dell'arte inconcludente. 

Per r associazione dei vasi mi limito a produrre il diario di 
scavo di pochissimi sepolcri: 

Sep. 27. Ermeticamente chiuso; ai piedi dello scheletro cocci 
di una hydria (?) con residiio della figura di Hermes; trattasi 
dunque di rottura antica e rituale. 

Sep. 51. Fossa contenente uno scheletro col cranio a sud; 
alle spalle la lekythos con Eracle presse Pholos, ed una lucerna 
aperta ombelicata; la cronologia di codesti tipi di lucerna cosi 
numerosi in Sicilia (tipo Roem. Mitth. 1898, pag. 317, fig. 22), 
viene portata fin dentro la seconda metä del sec. VI, sebbene 
essi abbian durato per tutto il V. 

Sep. 53. Tossa stuccata contenente uno scheletro col cranio 
a sud ; la condizione distinta del morto oltre che dalla stuccatura, 
unica fin qui, risultava anche dalla abbondanza della suppellet- 
tile vascolare; eranvi in fatto 5 vasi ai piedi, 3 al cranio, 2 alle 



SICULI E GRECI IN LEONTINOI 97 

mani, e precisaraente ; uno stamnos a fondo chiaro e fascie blanche, 
la grande lekythos a f. r. sopradescritta, un' altra a f. n. con 
quadriga, tre lek. nere (sulle spalle in una palmetta, in 2 strali), 




Fig. 39. 



due skyphoi neri con strali al piede, kylix senza gambo, alaba- 
stron. il istruttiva 1' assooiazione di questo vasellame, che segna 
proprio il passaggio della pittura nera alla rossa, e colloca il se- 
polcro intomo a 500-480. 

Sep. 66. violato. Cocci di pelike e di lekythos a f. n. 

Sep. 88. Violato. Cocci di 2 crateri a f. r. 

Dal risultato dei miei scavi emerge che la necropoli di Pi- 
s?itello cominciö ad essere in attivitä nella seconda metä, direi 



98 p. ORsr, sicuLi e greci in leontinoi 

quasi in sul finire del sec. VI; perdurö nel V, ed alcuni vasi 
trovati in precedenza indicano che le deposizioni, sebbene meno 
frequenti, vi continuarono anche nel IV. In questo secolo e mezzo 
la cittä subisce vicende varie e strane ; dall' autonomia passa verso 
il 498 sotto Ippocrate di Gela, poi sotto i Dinomenidi di Sira- 
cusa, 6 cacciato Trasibulo ritorna libera, prosperando nella seconda 
metä del sec. V. Di tale benessere eloquentemente attestatoei 
dalle belle monete, qui non vediamo alciin riflesso per la ragione 
ovvia, che la necropoli di Piscitello era di cittadini poveri, di 
volgari borghesi, mentre 1' aristocrazia seppelliva altrove i siioi 
morti. 

Siracusa 12 dicembre 

Paolo Orsi. 



Dl DUE RILIEVI GLADIATORII 



I due marmi di cui prendo a trattare (tig. 1, fig. 2), non 
ostante che abbiano scultiire mediocremente condotte, si meritano 
con tutto ciö la nostra attenzione, si pel soggetto che vi e rappre- 
sentato, come per gli epigranimi che si leggono incisi in sulla loro 
cimasa o cornice. Avvertasi tuttavia che ia quanto agli epigrammi, 
questi ci erano giä noti; e vennero altresi pubblicati dal Kaibel, 
siccome diremo a suo luogo. Provenienti da Tralles nella Lidia, 
si fatti marmi furono acquistati in una casa tuica dei vecchi quar- 
tieii di Costantinopoli, ed oggi trovansi collocati nel Museo Im- 
periale Ottomano di quella cittä. Offrono ambidue la medesima 
composizione ('). 

Diremo innanzi tratto del primo (fig. 1), sul quäle e scolpito 
un gladiatore di robusta corporatura, nell' atto consueto di combat- 
tere. E che appartenga alla elasse de' Secutori, si rende a colpo 
d'occhio manifeste all' armatiira ond' e vestito. Ha il capo coperto 
deir elmetto con visiera munita di forami, il quäle e notabile per 
la grandezza della parte destinata a proteggere il collo del gla- 
diatore. II braccio destro ö difeso dalla manica, che poteva pro- 
lungarsi fin oltre il polso, e che consisteva in una rete di cor- 
reggiuoli cui a volte aggiungevansi sottili laminette di raetallo ; e 
nella mano stringe un pugnale. Col braccio sinistro sostiene il 
grande scudo oblungo e concavo, arma difensiva tiitta propria dei 



(*) Sono scolpiti in due lastre di marmo bianco, aventi il rovescio liscio, 
in guisa che potrebbesi supporre che fossero stati incastrati in una fabbrica. 
I profili, rozzamente intagliati, sono tra loro un po diflFerenti. L'altezza delle 
lastre, ambedue int€re nella parte superiore, h di cm, 63 incirca; la larghezza 
del lato inferiore di cm. 35 ; la grossezza di cm. 14. 



100 E. CAETAM LOVATELLI 

Secutori, sopra il quäle e delineata, a foggia di ornamento, una lo- 
sanga con le due diagonal! strette, nella loro intersezione, da im umbo 
in forma di borchia. 




Fisj. 1. 



Porta r ocrea o schiniera alla gamba sinistra, e la destra ha 
fasciata da quelle bende o funicelle che trovansi indistintamente ado- 
perate da tutti i gladiatori, a qualimque arma essi appartenessero ; 



DI DUE RILIEVI GLADIATORII 



101 



mentre intorno alla vita gli gira il balteo o cinturone che poteva 
essere di metallo o di cuoio, e da sotto il quäle esce il subligaculum 
corto grembiule i cui lembi passano per mezzo le gambe. 




Fisr. 2. 



Sul fondo della scena campeggiano sei corone, alludenti, senza 
dubbio, alle vittorie o alle pugne del nostro gladiatore, conforme 
l'uso che si aveva in Grecia di segaare in cosi fatta guisa o le 



102 E. CA.ETANI I.OVATELLI 

ime le altre. A conferma di che ci limiteremo ad accennare e 
un marmo proveniente da Efeso, ora nel Museo di Berlino (*), il 
quäle attorno all' imagine del defimto gladiatore ha rappresentate 
quattro corone, e i titoli sepolcrali de' due gladiatori Danao ed Eu- 
frate, ove il numero delle corone corrisponde esattamente a quello 
de' trionfi o dei combattimenti (-). 

Imperocche non si e potuto finora ben definire, se le corone 
che s' incontrano in sui marmi sepolcrali greci, riferibili ai gladia- 
tori, servissero per denotare il numero delle vittorie ovvero quello 
delle pugne, e quäl relazione precisamente passasse tra le vittorie e 
le corone, e finalmente se la Corona avesse potuto significare qual- 
che cosa piü della vittoria oppure fosse data anche a chi non avesse 
vinto (^). 

Sembrerebbe tuttavia che non tutte le vittorie fossero ricom- 
pensate da una corona, si bene soltanto quelle piü ciamorose e di 
maggior rilevanza. 

Due iscrizioni greche, 1' una di Taso, 1' altra di Mileto (^), 
nelle quali ai due numeri dei combattimenti si premettono le pa- 
role vi[xrj(Tag2 e <Tt€[^^av(oO€ig'], verrebbero ad attestare non solo 
che le vittorie e le corone si contavano separatamente, ma che il 
numero di queste ultime poteva essere a volte inferiore a quello 
delle vittorie. Conjunqu(VvSi sia e questa una difficoltä, che non 
siamo ancora in grzuiö «di §-pianare. 

Venendo ora alla palma, che vedesi distesa ai piedi del 
gladiatore nel basso della soena, essa e un ben noto simbolo di 
vittoria, ne accade qui ricordare come in molte epigrafi pertinenti 
a gladiatori il numero delle vittorie sia indicato appunto dalle 
palme conseguite, e come altresi in molti monumenti a loro rife- 
ribili si trovi rappresentata una palma. La quäle, giusto per es- 
sere una consueta ricompensa della vittoria, costituiva, per cosi dire, 
r insegna principale de' gladiatori, i quali vediamo talvolta ritratti 
con una palma nella mano ; tal altra la palma e associata ad una 
piü corone. 



(1) Meier, nelVArchäol. Zeitung, XL (1882), pp. 147-148, tav. VI, n. 3. 
(«) Revue Arch(^ol. III (1846-47), p. 8; ibid. VI (1849-50), p. 198. 
(*) Mau, nelle Rom. Mitth. 1890, p. 35. 
(*) C. I. Gr. nn. 2164, 2889. 



DI ÜUB RILIETI GLADIATORII 103 

Ma la maggior difficoltä che presenti il marmo di cui ra- 
gioniamo, consiste indubitatamente nelle sigle fS], sculte nell' in- 
terno di una delle corone e seguite dal niimero _\ ; cosa che, per 
quanto io mi sappia, riesce affatto nuova in mezzo alle molte 
rappresentanze gladiatorie. Del resto se pure mi fosse passato 
inosservato qualche altro consimile esempio, non ne verrebbe per 
ciö diminuita la raritä. 

In quanto a me, non saprei in vero se non che proporre una 
congettura, ed e che* quelle sigle possano ascondere il nome del 
proprietario del gladiatore, accompagnato dal numero della truppa 
compagnia di cui questi faceva parte, oppure - ciö che mi par- 
rebbe meno probabile per esser cosa di ben poco momento - della 
cella che occupava. Non abbiamo tuttavia nessun dato positivo 
che ci autorizzi a credere, ne che le famüiae gladiatoriae fos- 
sero divise in truppe o compagnie, ne che le celle de' gladiatori 
venissero contrassegnate da un numero d'ordine. 

Possiamo soltanto argomentare da un' epigrafe della Licia 
spettante a un reziario ('), che i gladiatori, certamente quelli di 
una medesima scuola o familia, alloggiavano insieme in celle tra 
loi"o vicine sebbene separate, essendoche in quella epigrafe i col- 
leghi del defunto reziario, che gl' innalzano il sepolcro, s' intitolano 
collettivamente awxeXXacioi [conceUarif\. 

A dirittura inammissibile sarebbe poi, almeno a parer mio, 
la supposizione che il numero quivi segnato esprima quello de' 
combattimenti, che in tal caso non saprei come spiegare il numero 
maggiore delle corone. 

Per ciö che concerne le sigle da me riferite al proprietario 
del gladiatore, la mia congettura potrebbe essere in certo modo 
avvalorata, tanto dalle lettere che in alcuni graffiti gladiatorii 
pompeiani si veggono aggiunte ai nomi dei combattenti, le quali 
secondo il dott. Mau (-) significherebbero per l'appunto i proprie- 
tari dei gladiatori, quanto dal titolo sepolcrale della farailia gla- 
diatoria di C. Salvio Capitone di Venosa (3), in cui parimente i 
gladiatori di condizione servile hanno ognuno associate al nome 



(*) Benndorf-Niemann, Reisen in Lykien und Karien, I, p, 41. 
(«) Rom. Mitth. 1890, p. 36. 
(3) C. I. L. IX, nn. 465, 466. 



104 E. CAETANI LOVATELLI 

alcune lettere al tutto analoghe a quelle de' predetti graffiti pom- 
peiani; laddove i gladiatori liberi sono enumerati senza altra ag- 
giunta. 

Ma valga ciö per una semplice congettura, la quäle io ho 
voluto proporre non per altro che per non lasciare affatto inten- 
tata la spiegazione di coteste enigmatiche sigle. 

In sulla cornice o cimasa del marmo, al di sopra della rap- 
presentauza, ö inciso Tepigramma, cosi concepito: 

/ / / / / / 1 11 B / K / u'P e A N O N C T A // 
,///// //MOIPANNeiKHCACMENn ///// 

/////// /^MOIPAKPATAIHHFAre//// 
////NKAINYNTYNBYCinPOKeiMAieCXATG/// 
BIOTOYXeiPCIN<I>ONIAICAMAPANTOY 

11 quäle epigramma, di concerto con l'altro che daremo in 
appresso, fu giä, siccome da principio accennammo, divulgato dal 
Kaibel (^), che lo corredö di supplementi e la cui lettura e resti- 
tuzione trascrivo qui sotto : 

^Ev xkeivoTg Ms'vtJcoq i'^avov (Jxa\_6ioig xarci fiytiqav 
vsixTqtJag pihv \_7xcivtag ' eXov(Ja\ dh fxoTqa xQuxairj 
rjyays [^/i' «g "Aidri\v, xal vvv rvfißvffi rrQoxeifiai' 
^üy(a t^eXog]^ ßiorov ;ff^o"t»' (foviaig UfxaqdvTov. 

E pertanto da avvertire, che il Kaibel nel restituire si l'uno 
eome 1' altro epigramma si servi di copie iniperfette ; ora dalla 
esatta e fedele lezione che qui pubblichiamo, il prof. Ignazio Guidi, 
avanti le lettere coq, crede di scorgere chiaramente le tracce delle 
lettere BIKT, onde ne verrebbe di conseguenza che Bixtmq anziehe 
MevTODQ fosse il vero nome del nostro gladiatore, perito, secondo 
ricavasi dall' epigramma, j)er le mani micidiali di Ämaranto. Pe- 
rocche cotesta ultima e sicura lezione non lascia luogo a dubitare 
che il nome del fortunato avversario Ämaranto non sia in genitivo. 

Eraci poi insino ad ora sconosciuta la parte forse piü im- 
portante di si fatti marmi, voglio dire i rilievi, i quali, grazie al 
cortese permesso accordato da S. E. Hamdy Bey, direttore del Museo 
Imperiale Ottomano di Costantioopoli, ed alla gentile mediazione del 

{}) Epigrammata Graeca, n. 290, 



DI DUE RII.IEVI GLADUTORII 105 

sig. dott. Huelsen, io ho la fortuna di poter per la prima divulgare 
in questo pregevole BiiUettino. Imperocche il piccolo schizzo che del 
secondo ha dato il Fellows ('), e a dirittura insufficiente. 



E passiamo ora appunto al secondo rilievo (flg. 2). Questo adun- 
que, ritraendo la medesiraa composizione deli'altro di cui ho teste 
ragionato, salvo qualche lievissimo cambiamento nelle parti accesso- 
rie, non porge in veritä materia a nuove considerazioni. II gladiatore 
espressovi veste medesimamente le artni del secutore. Nella destra 
stringe il pugnale o corta spada, mentre col braccio sinistro im- 
braccia il grande scudo oblungo, che tiene piü aderente alla per- 
sona, e questa e la sola differenza rilevante che distingua la perfetta 
simiglianza delle due figure. La palma distesa al suolo e qui rivolta 
nel senso opposto dell'altra. II numero delle corone e identico. 

Circa le enigmatiche sigle, che nel primo riliövo appariscono 
nell'interno di una delle corone, in questo per lo contrario sono 
impresse nella parte inferiore del grande scudo, della quäl cosa non 
saprei dayvero dar ragione. Non altrettanto dirö del numero di- 
verso B che accompagna le predette sigle, il quäle, ove si ammetta la 
mia congettura, potrebbe denotare un'altra truppa o compagnia dello 
stesso proprietario, cui sarebbe stato ascritto il gladiatore in discorso. 

E tinalmente notabile la singolare particolaritä di trovare il 
medesimo numero di corone in ambidue i marmi, la quäl circo- 
stanza mi fece a prima giunta nascere il sospetto che si trattasse 
di un solo e medesimo gladiatore. Se non che anche in questo 
caso r identitä del numero non sarebbe facile a risolvere, perocche 
in tutti i marmi e monumenti appartenenti a gladiatori che i loro 
vari e successivi combattimenti riproducono, questi sono sempre enu- 
merati in ordine progressivo. A si fatta difficoltä si aggiung srebbe 
ancor Valtra del numero diverso che vediamo associato al pre- 
supposto nome del proprietario, il quäl numero, mentre, secondo 
me, indicherebbe che il gladiatore era ascritto ad un'altra truppa 
compagnia dello stesso proprietario, escluderebbe poi per con- 
seguenza 1' identitä del personaggio. Ma intorno a eiö non intendo 

(') Discoveries in Lycia, p. 18. E da osservare 1' errore in cui egli e 
caduto, neir attribuire ambiJue i rilievi al terapo bizantino ovvero a quello 
delle Crociate (!). 



106 E. CAETANI LOVATELLl 

insistere piü del dovere; dirö piuttosto come il sig. dott. Hiielsen, 
la cui opinione non puö avere se non im grandissimo valore, da im 
epigramma di Nicea in Bitinia ('), in cui im gladiatore e chiamato 
devregog nccXoq, coiigetturi che le predette problematiche sigle pos- 
sano invece significare Ttcc{Xof\ SsvrsQog (l'una volta con cifra, l'al- 
tra con la sola prima lettera d'evrsQog^). Comunque si sia, e da 
sperare, che im qualche nuovo raonumento gladiatorio venga iin 
giorno o l'altro a gittare im po' di liice, ed a sciorre il presente 
difficile enigma. 

L' epigramma scolpito in sulla cornice del marmo, do qui ap- 
presso trascritto insieme con la sottostante lettm-a e restituzione del 
Kaibel, fatta tuttavia, come la precedente, su copie imperfette {^). 

11/ m III nYKTGYCACnOAAAKICGNC /// 
/// //TGMOYAABENOYAGIC • MOIPAA/// 

/// NGnGnpnTOFAPOY rnc • gy/// 

/// nAAAMAICINGMGNNGKYN 
GN0ATAcI>HNAI 

6 7ryx[^T^fLvJcra$ \jt~\o\_XX~\ccxig iv [Grudioig ' 

dXXd xo TTQiv ^vrjiog vCxrjv ccn^sfiov Xäßsv ovdsic, 

fioTqa 6' syixrjOsv xQarsQrj •] insTtqwvo ydq ovtwz. 

£[ 7f\aXd}xaiaiv i(i\_d^v vsxvv \_e'\vd-a xatfrjvai. 

II non aver niilla da aggiungere a quello che piü addietro 
accennai circa 1' altro epigramma, mi dispensa dal ragionarne ; del 
resto non potrei se non ripetere le cose giä, dette. 

In quanto all'etä di qnesti rilievi, essi non meno per la medio- 
critä dello stile che dell'esecuzione, non possono reputarsi anteriori 
allo scorcio del secondo secolo dell'era nostra, ovvero al principio 
del terzo ; ma per darne im piü giusto e adeguato giudizio, sarebbe 
d' uopo esaminare diligentemente gli originali, il che non mi e 
dato poter fare. Che poi si 1' uno e si l'altro facessero parte del 
comune sepolcro di due rinomati gladiatori della classe de' Secutori 
(ovvero di un solo, qualora si accetti la predetta ingegnosa con- 
gettura dell' Huelsen), parmi chiaramente risiiltare da tutto ciö 

(1) Kaibel, Epigrammata Graeca, n. 350 ; cf. Meier, De gladiatura ro- 
mana, p. 53, n. 3. 

(«) Op. cit., n. 291. 



Dl DUB RILIEVI GLADIATORII 



107 



che ho sin qui in succinto dichiarato. II quäl sepolcro, probabil- 
mente eretto dai colleghi, dovette forse nella sua integritä esibire 
una composizione assai piü estesa. A ogni modo tutte le cose da 
me piü sopra accennate fanno de' nostri due marmi un monumento 
cui, fra gli altri di iigual soggetto, deve assegnarsi un luogo se- 
gnalato e distinto. 




Fior. 3. 



Ed ora tinalmeate, dopo i due marmi teste divulgati, stimo 
non al tutto inopportune dare qui il disegno di un terzo (tig. 3), 
non perche questo abbia una evidente relazione coi due precedenti, 
ma perche in certo modo vi si collega e come rappresentanza gla- 
diatoria e come oggetto esistente nel medesimo Museo. Quantun- 
que assai corroso e malmenato per non so quali vicende, sarebbe 
mio desiderio occuparmene; ma non volendo io oggi dilungarmi 
piü oltre col presente mio ragionamento, rimetto il pubblicarlo ad 
altra occasione, se tuttavia il tempo e le circostanze me lo per- 
metteranno, imperocche pur troppo 

Vitae summa breois spem nos vetat inchoare longam. 



Ersilia Caetani Lovatelli. 



LITERATUR UEBER POMPEJI 



Pompeji vor der Zerstörung. Reconstructionen der Tempel und ihrer Um- 
gebung, entworfen und ausgeführt von C. Wkichakdt, Architekt. Das 
Werk enthält : Zwölf Foliotafeln nach Aquarellen in Lichtdruck. 
Ferner l.iO Textillustrationen in Zinco- und Autotypie, darstellend 
kleinere Reconüructionen, Grundrisse, Ruinen und Einzelfundstücke der 
Tempel, sowie Kopfleisten und Schlussvignelten. Cummissionsverlag von 
K. F. Köhler in Leipzig (1897). Gross Folio. 

Wer es unternimmt, antike Gebäude in Zeichnung zu restauriren. hat 
eine doppelte Aufgabe vor sich. Erstens, aus den Resten und aus Analogien 
die Form des nur in Trümmern vorliegenden Baues zu ermitteln. Zweitens, 
zu zeigen, wie das Gebäude in seiner alten, vollständigen Gestalt auf den 
Beschauer wirken musste, die Licht- und Schattenwirkungen, das Verhältniss 
zu der Umgebung vor Augen zu führen. Ersteres wird meistens besser durch 
geometrische Aufrisse und Durchschnitte, letzteres durch perspektivische An- 
sichten klar gemacht. Die Bedeutung dieses Buches liegt vorwiegend auf 
dem letzteren Gebiet. Und so erscheinen denn auch die Restaurationen fast 
ausschliesslich in perspektivischen Ansichten, die in vorzüglicher Weise eine 
lebendige Anschauung zu vermitteln geeignet sind. Wie sich das Forum trian- 
guläre mit dem dorischen Tempel von dem Pusse des hier steil aufragenden 
Stadthügels, ausnahm, von Westen und wieder von Südosten, wie auf der Fläche 
selbst der Tempel wirkte in dem mit Bäumen bepflanzten, von Portiken umge- 
benen Temenos, mit dem Blick auf die Ebene, das Meer, die Sorrentiner Berge 
und Capri, wie sich der Apollotempel ausnahm, eng umfasst vonhohen, zwei- 
stöckigen Säulenhallen, wenn man aus eben diesen Hallen, aus grösster Nähe 
zu ihm aufblickte, wie der Jupitertempel aus der zweistöckigen Säulenhalle 
ohne Zwischenboden vor dem Macellum, dies alles und noch so manches an- 
dere in trefflich ausgeführten, lebens- und wirkungsvollen Aquarellen vor 
Augen zu sehen, ist eine Gabe, für die wir dem Verfasser dankbar zu sein 
allen Grund haben. 

Die Hauptbedeutung des Buches liegt in dieser malerischen Vorführung 
der restaurirten Gebäude. Nicht als hätte es der Verfasser an eigener For- 
schung fehlen lassen ; es verdient hervorgehoben zu werden, dass das Buch 
durchaus auf eingehenden Studien an Ort und Stelle beruht. Aber die For- 
schung ist dilettantisch; die Umstände und Möglichkeiten werden nicht allseitig 



A. MAU, LITERATUR UEBER POMPEJI 109 

erwogen, sondern meistens irgend ein Argument aufgegriffen, das dem Ver- 
fasser grade eingeleuchtet hat, und auf Grund dessen die Frage entschieden, 
meist mit wenig Glück. Es wird dem vortrefflichen ausübenden Künstler 
schwer, sich zum Forscher umzugestalten. Zweitens bietet ja der vom Ver- 
fasser gewählte Gegenstand, die Tempel, der restaurirenden Forschung nur 
ein beschränktes Feld: mit Hülfe einiger Reste ist ein Tempel nach dem 
bekannten Schema bald aufgebaut. Und endlich, von dem was innerhalb dieses 
Schema's der Forschung doch noch zu tun bleibt, ist leider das Wichtigste 
gänzlich bei Seite gelassen worden. 

Es ist dies ein schwerer Mangel des Buches : der Verfasser hat sich — 
abgesehen von dem dorischen Tempel — nirgends die Aufgabe gestellt, die sti- 
listische Individualität des Gebäudes zu erfassen. Er sieht ein korinthisches 
Capitell, und erbaut einen korinthischen Tempel nach dem Muster etwa der 
am römischen Forum erhaltenen und anderer Tempel der Kaiserzeit. Und 
zwar mit möglichst reichem Detail; denn unverkennbar ist das Streben, in 
recht eflfectvoller Weise zu reconstruiren. Wenn ausser dem dorischen Tempel 
auch der Isistempel seinen besonderen Charakter zeigt, so verdankt er dies 
seiner besonders vollständigen Erhaltung. Nun aber gehören die beiden be- 
deutendsten der von Weichardt restaurirten Tempel (abgesehen von dem do- 
rischen) der spätoskischen Zeit (« Tuffperiode ») an. Den ganz eigenartigen 
Stilcharakter dieser Zeit — den vielleicht auch noch der kleine Tempel des 
Zeus Meilichios zeigte — zu erfassen und zur Anschauung zu bringen, ist 
kein Versuch gemacht. Und doch bieten teils die Eeste zahlreicher Bauten, 
teils die durchaus architektonischen Wanddecorationen derselben Zeit hin- 
längliche Mittel ihn kennen zu lernen, in seiner etwas nüchternen und trok- 
kenen Eleganz, seiner gewollten Einfachheit und Formeiiarmut. Und eine 
lohnende Aufgabe wäre es gewiss, die beiden sich in Pompeji begegnenden 
Culturcn in ihrer architektonischen Verkörperung mit Hervorhebung der cha- 
rakteristischen Unterschiede vorzuführen. 

Die Ansichten der restaurirten Tempel sind teils in Aquarell, teils in 
Federzeichnungen ausgeführt. Erstere sind weitaus die erfreulichsten. Ansichten 
in Federzeichnung, wie sie uns S. 39 und 45 vom Apollotempel, S. 63 und 
69 vom Jupitertempel geboten werden, sind dem Gegenstande weniger an- 
gemessen. Dass hier auch die dem Auge am fernsten liegenden Details, jeder 
Stein des Pflasters und jede Palmette der Sima, scharf und deutlich schwarz 
auf dem weissen Grunde erscheinen, das wäre doch nur dann berechtigt, 
wenn es darauf ankäme, eben diese Details zu zeigen, d. h. wenn dieselben 
beglaubigt wären. Wo aber alles dies auf freier Erfindung beruht, da ist doch 
eine skizzenhaft andeutende Behandlung das einzig Sachgemässe, etwa wie 
in meinem weiterhin zu erwähnenden Buche R. Koldewey die oben genannten 
Tempel und noch andere Gebäude dargestellt hat. 

Den Restaurationen sind stets Ansichten der Ruinen zur Seite gestellt. 
Der Text, bald mehr bald weniger ausführlich die Restaurationen begründend 
und auch sonst den Leser belehrend, ist in populärem Ton gehalten. Eine 
concise technische Fassung wäre denen die den Text lesen zweifellos lieber 
gewesen, und hätte auch wohl manchmal zu sorgfältigerer Untersuchung ge- 



110 A. MAU 

führt. Als Schlussvignetten der Kapitel erscheinen kleine Zeichnungen nach 
pompejanischen Wandbildern, die das Buch zieren aber freilich den Charakter 
der Originale sehr frei wiedergeben. 

Ehe wir die einzelnen Kapitel durchgehen, scheint es zweckmässig, gleich 
einen Punkt hervorzuheben, in dem der Verfasser durch eigene Forschung 
unsere Kenntniss wesentlich gefördert hat. 

Es handelt sich um die Südostecke des sogen. Forufti trianguläre. Jeder 
Kenner Pompeji's weiss, dass diese Ecke in der Bildung des Südrandes der 
Stadt einen wichtigen Abschnitt bildet. Von hierab westwärts ragt der Stadt- 
hägel steil und hoch über die Ebene auf, ostwärts liegt gleich die Gladia- 
torenkaserne viel niedriger, und senkt sich das Terrain weiter, bis es am 
Stabianerthor das Niveau der äusseren Ebene erreicht. Die Oberfläche der 
Stadtmauer vom Stabianer Thor bis an die Ecke des Forum trianguläre lag 
daher wesentlich niedriger als die Fläche dieses letzteren, und die das Forum 
trianguläre stützende Futtermauer musste über die Oberfläche der nach Osten 
verlaufenden Stadtmauer aufragen. Die Art wie diese beiden Befestigungen, 
die höhere und die niedrigere, zusammenstiessen, ist sehr glücklich von Wei- 
chardt aus noch vorhandenen Mauerresten nachgewiesen Die niedrigere 
Stadtmauer war mit ihren Westende der schmalen Südostseite des Forum 
trianguläre der Art vorgelegt, dass von diesem aus ihre Oberfläche wie eine 
Terrasse erschien, mit der hier der Stadtrand stufenartig gegen die Ebene 
abfiel. Es ist nun wohl unvermeidlich, anzunehmen, dass dieser ziemlich genau 
100 m lange Trakt der Stadtmauer, vom Stabianer Thor bis an diese Ecke, 
auch hier an seinem Westende irgendwie zugänglich war ; denn zwischen 
den beiden Endpunkten war er es offenbar nicht. Als Weg nun von der 
Höhe des Tempelbezirks hinab auf die Stadtmauer bietet sich, wie Weichardt 
richtig erkannt hat, die schmale Terrasse zwischen dem Ostportikus des Forum 
trianguläre und den westlichen Kammern der Gladiatorenkaserne; und dass 
sie wirklich diesem Zweck diente, dafür spricht ein Umstand, der in dem 
hier übermässig kurzen Text Weichardts nicht zur Sprache kommt, obgleich 
er, wie sein Plan zeigt, ihn wohl bemerkt hat. Zwischen der bekannten 
grossen, zu den Theatern hinabführenden Trep})e und dem Südende des Por- 
tikus ist der linke (nördliche) Pfosten einer Thür in der Portikusmauer, und 
dieser Thür entsprechend sind auf der Terrasse Mauerreste erhalten. Ohne 
Zweifel trugen diese Mauerreste eine kleine, aus dem Portikus zugängliche 
Platform, einen Treppenabsatz, von dem südwärts eine Treppe auf die Ter- 
ras-e hinabführte. Dann aber ergiebt sich ganz von selbst, dass von dem 
Südende der Terrasse, eine Treppe oder Rampe auf die Stadtmauer hinab- 
führte. Ob einige hier, an der Südwestecke der Gladiatorenkaserne, erhaltene 
Mauorreste von dieser Treppe herrühren, wie Weichardt vermutet, wird sich 
erst nach vollständiger Ausgrabung derselben feststellen lassen. Diese wurde 
auf meine Bitte von der Direction der Ausgrabungen in Angriff genommen ; 
doch stellte sich die Aufgabe grösser heraus als es den Anschein hatte, und 
musste die Vollendung auf eine gelegenere Zeit verschoben werden, die hofFenl- 
lich bald eintreten wird. Ich behalte mir vor, dann auf diese Frage zurück 
zu kommen. 



LITERATUR UEBER POMPEJI 111 

Wir wenden uns nun zur Betrachtung der einzelnen Kapitel. 

Kap. I, Allgemeines und geschichtliche Notizen. Bedauer- 
licher Weise ist hier Fiorelli's seltsamer Plan mit Angabe der nach seiner 
Meinung in der « Kaliisteinperiode » zerstreut in der Stadt liegenden ältesten 
Häuser als « hochinteressant » wiederholt; diese Verirrung sollte man doch 
der verdienten Vergessenheit überlassen. 

Die lange Anmerkung S. 14 über die Bauweisen verschiedener Zeiten 
wäre besser weggeblieben; dergleichen oberflächliche und ungenügende An- 
gaben stiften nur Verwirrung. Die Unterschiede der Perioden liegen viel mehr 
in der Bauweise als im Material, und wenn in der Kaiserzeit jemand mit 
Sarnokalkstein baute, so brachte er keineswegs « heillose Verwirrung in das 
von unseren Zeitgenossen mit viel Mühe und Scharfsinn aufgestellte System » . 
Vielmehr ist der Kalkstein das beliebteste Material im Incertum der letz- 
ten Zeit. 

Es ist ein Irrtum, wenn S. 15 gesagt wird, der Vesuvausbruch habe 
drei Tage und Nächte gedauert. Er begann am 24 Aug. Morgens und am 
25 vor Sonnenuntergang war wenigstens in Misenum alles zu Ende. In Pom- 
peji und Umgegend mochte der Aschenregen bis zum Abend dauern, so dass 
es am 25 garnicht recht Tag wurde, und der 26, an dessen Morgen die Leiche 
des älteren Plinius gefunden wurde, bezeichnet werden konnte als ab eo quem 
novissime viderat tertius. 

Kap. II, wie Pompeji in der Landschaft lag. Enthält die 
Erläuterung zweier schönen Ansichten des Forum trianguläre von unten mit 
Blick auf die Landschaft nach Westen und nach Osten. Ausserdem Angaben 
über die Höhenverhältnisse. Hier ist die Höhe der Verschüttungsschicht — 
7 bis 9 m — übertrieben: 7 m ist das äusserste Maximum. So lag denn auch 
die Ebene unterhalb Pompeji's nicht durchschnittlich 8 m tiefer als jetzt. 
Hier haben wir doch die Terraindurchschnitte Ruggiero's (Pompei e la re- 
gione sotterrata tav. II n. 1-3): sie ergeben 5, 5,80 und 6,20 m. 

Kap. III, kurze Polemik zur Südostecke des Forum trian- 
guläre. Wurde schon oben besprochen. 

Kap IV, der griechische Tempel und seine Umgebung. 
Was hier zu bemerken wäre, kann besser bei Besprechung des Buches von 
Puchstein und Koldewey (s. unten) gesagt werden. Die restaurirte Ansicht 
Taf. III ist die schönste des ganzen Buches. 

Kap. V, der Tempel des Apollo und sein Vorhof. Der 
Verfasser will Tempel und Vorhof in ihrer älteren, vorrömischen Gestalt 
zeigen. Da von dem ganzen Aufbau so gut wie nichts erhalten ist (die mo- 
dern aufgerichtete Säule ist nicht vollständig, also auch die Sänlenhöhe un- 
bekannt) so giebt die Restauration einen beliebigen korinthischen Tempel 
mit möglichst reichem Detail (vgl. oben S. 109). Es hätte wohl Erwähnung 
verdient, dass, wie die Portiken, so auch der Tempel selbst nach 63 im 
Stuckstil der letzten Zeit umgestaltet war; die Verstümmelung der Kapitelle 
lässt darüber keinen Zweifel. 

Aus der Entfernung der Regenrinne vom Stylobat des Portikus schliesst 
der Verfasser, dass das Dach weit vorsprang und den an den Säulen stehenden 



112 A. MAU 

Statuen Schutz gewährte. Gewiss mit Unrecht. Der Zwischenraum, oder eine 
Stufe, zwischen Stylobat und Rinne findet sich noch öfter, und zwar nur bei 
erweislich zweistöckigen Säulenhallen. So in der Casa del Centenario und im 
Gebäude devs Enmachia. Am Forum fehlt die Rinne, aber die Stufe ist vorhan- 
den, Aas grösserer Höhe fiel eben das Wasser weiter vom Säulenfuss entfernt ; 
aus der Entfernng der Rinne auf ein in der antiken Steinarchitektur unerhör- 
tes Motiv zu schliessen, liegt keine Berechtigung vor. — Unrichtig sind ferner 
die durch eine Brüstung verbundenen Basen, auf die Weichardt die Säulen 
des oberen Portikus stellt: dass sie unmittelbar auf dem Gesims standen, 
ohne Vermittelung von Basen, beweist die auf einem der Gesimsblöcke erhaltene 
runde Standspur. 

Die Statuen hätten wohl etwas kürzer erledigt werden können. Dass 
die im Museum zu Neapel aufgestellte weibliche Herme nicht hier gefunden 
ist, dass ferner der ihr frühei aufgesetzte Kopf nicht zugehörig ist, hat 
G. Patroni entdeckt. Eine von ihm auf meine Bitte freundlichst eingesandte 
Notiz folgt gleich nach diesem Literaturbericht (S. 131). Die einst dem 
Hermes gegenüberstehende Herme ist, wie es scheint, nicht gefunden worden ; 
in den Ausgrabungsberichten finde ich sie nicht erwähnt, und auch Romanelli 
in der gleich nach der Ausgrabung erschienenen zweiten Ausgabe seines 
Viaggio a Pompei, 1817, weiss nichts von ihr. Sie erscheint bei Mazois 
(IV 18), der vermutlich durch die von ihm im Museum gesehene Herme irre 
geführt war, ein übrigens sehr begreiflicher Irrtum. 

Auf das Lavafundament rechts neben der Treppe des Tempels stellt 
der Verfasser, einen Opfertisch. An sich ist dies möglich, aber die vorhandenen 
Standspuren werden durch diese Annahme nicht erklärt. 

Kap. VI, über antike und moderne Ausgrabungen in Pom- 
peji. Dies Kapitel ist einigermassen verunglückt. Von der Art, wie in Pom- 
peji nach der Verschüttung die Häuser durchsucht und geplündert wurden, 
hat der Verfasser keine deutliche Vorstellung. Und doch ist dieselbe sehr 
wohl kenntlich. Man machte an irgend einer durch über die Verschdttungs- 
masse aufragende Reste kenntlichen Stelle eine Grube. Seitwärts von dieser 
Hess man dann die starke, ein ziemlich solides Dach bildende Aschenschicht 
stehen und bahnte unter ihr Stollen in der leicht fortzuräumenden Lapilli- 
masse. Stiess man auf eine Wand, so durchbrach man sie, und die so entstan- 
denen Löcher sind noch jetzt die deutlichsten Zeugen der antiken Ausgra- 
bungen. Lehrreich sind hierfür die Ausgrabungen in Boscoreale: von der 
bekannten Villa rustica aus hat De Prisco durch lange Stollen unter der 
Asche ringsum das Terrain durchforscht ; die Lapilli sind sehr leicht fortzu- 
räumen, stehen aber doch fest genug um nicht durch seitliches Zusammen- 
stürzen den Stollen ungangbar zu machen. 

Weiter belehrt uns der Verfasser, dass für die Ausgrabung z. B. einer 
Statue auf dem Forum die Versenkung eines viereckigen kastenartigen Holz- 
gestelles zur Aussteifung des Schachtes zweckmässig gewesen wäre. Ich 
zweifle nicht, dass die antiken Ausgräber in viel kunstloserer Weise vorgin- 
gen: man wird einfach ein Loch gegraben haben, ohne viel Böschung — die 
Beschaffenheit der Verschüttungsmasse gestattet dies, wie wiederum in Bo- 



LITERATUR UKBER POMPEJt 113 

scoreale zu sehen — mit einer Eampe an einer Seite zum Fortschaffen des 
Schuttes und der gefundenen Gegenstände. Man grub ohne Zweifel mehr nach 
Materialien als nach Kunstwerken, 

Weiter folgen Betrachtungen über die Art, wie durch das Erdbeben 
die Gebäudeteile und Statuen gefallen sein können. Hierbei ist dem Verfasser 
ein fundamentales Factum unbekannt geblieben, dass nämlich der erste stär- 
kere Erdstoss erst eintrat nach Beendigung des Fallens der Lapilli, als alles 
schon 2-3 m tief verschüttet war. Ich habe dies, sowie auch dass die Ge- 
bäude nach Südost fielen, zuerst hervorgehoben Mitth. III, 1888, S. 121 ; 
spätere Beobachtungen haben es lediglich bestätigt. 

Ueber moderne Ausgrabungen giebt der Verfasser nichts neues. 

Kap. VII, der Tempel des Jupiter und seine Umgebung. 
Hier wird zunächst über das Forum und seine Säulenhallen gehandelt, we- 
sentlich im Anschluss an meine Darstellung Mitth. VI, 1891 S. 168, aber 
nicht ohne einige Irrtümer. Nach Weichardt (S. 66) bilden an den Forums- 
portiken die Balkenlöcher des Zwischenbodens keinen Beweis für ein Ober- 
geschoss; «denn wir treffen z. B. an den Hallen des Forum trianguläre 
Balkenlagen an, auf denen direct der Dachsparren auflag ». Dies ist ganz 
unrichtig. In den Gebälkstücken des Forum trianguläre, in der Vorhalle und 
drinnen, sind gleich über dem Epistyl gewisse kleine Löcher vorhanden, die 
wahrscheinlich zur Befestigung einer Felderdecke dienten. Mit den dichtge- 
reihten grossen Balkenlöchern des Zwischenbodens, wie wir sie am Forum 
und am Apollotempel finden, haben sie nicht die entfernteste Aehnlichkeit, 
können also auch nicht die Beweiskraft derselben in Frage stellen. Diese 
Balkenlöcher können gar nichts anderes bedeuten, als einen Zwischenboden, 
beweisen also zweifellos die Zweistöokigkeit der Säulenhalle, die sich übri- 
gens in beiden Fällen auch aus anderen Umständen ergiebt. Fast nimmt es 
Wunder, dass ein kunstsinniger Architekt wie Weichardt nicht gesehen hat, 
wie auch die niedrigen, dem Geschmack der Tuffperiode sonst gar nicht 
entsprechenden Proportionen der älteren Forumssäulen sich nur dadurch 
erklären, dass sie eine obere Halle trugen. 

Der Travertinplattenbelag des Forums ist nur neben dem Jupitertempel 
und am Südende einigermassen vollständig erhalten, im übrigen nur geringe 
Strecken und hie und da einzelne Platten. Die einfachste Annahme ist, dass 
das Fehlende durch mehr oder weniger antike Ausgrabungen entfernt worden 
ist. Nach Weichardt ist dies nicht wahrscheinlich. Aber warum denn nicht? 
Es ist doch bekannt genug, dass Pompeji überall, wo grosse Steine zu 
holen waren, als Steinbruch diente. Nach Weichardt wäre ein älterer Platten- 
belag « während des Umbaues der Forurashallen » (d. h. doch wohl wäh- 
rend des Baues der Travertinportiken) « entfernt worden, da er durch das 
Herbeischaffen der neuen Bauteile zerstört worden wäre ». Dann wäre in der 
letzten Zeit die Neupflasterung begonnen, aber nicht fertig geworden, und 
für sie hätten die einzelnen Platten als Kichtschnur dienen sollen. Ein Blick 
auf die Verteilung der vorhandenen Platten genügt, um die gänzliche Unhalt- 
barkeit dieser Hypothese zu beweisen. Und ferner ist doch der Umbau der 
Säulenhallen nie fertig geworden: sollte also während desselben das Forum 

8 



114 A. MAU 

ungepflastert bleiben, so wäre es bis znletzt ungepflastert geblieben. Statt 
dessen ist das Pflaster grade links vom Tempel erhalten, wo ganz sicher der 
Neubau im Jahre 63 gänzlich unvollendet zusammenbrach. Natürlich hängt 
die Travertinpflasterung mit dem Bau des Travertinportikus zusammen ; man 
beendigte zuerst die Pflasterung, weil sie eben schneller erledigt werden 
konnte und vermutlich dringendes Bedürfniss war: vielleicht war der Platz 
vorher ungepflastert; es empfahl sich, lieber etwaige Beschädigungen später 
auszubessern, als die Pflasterung bis zur Beendigung des Portikusbaues zu 
entbehren. Das ist doch alles unendlich einfach. 

Zu der Restauration der Säulenhalle vor dem Macellura, S. 63 und 67, 
ist zu bemerken, dass die Säulen der oberen Ordnung auf durch eine Brüstung 
verbundenen Postamenten standen. Dies ergiebt sich aus den Standspuren 
auf dem Gesimsblock S. 65 Fig. 79: die quadratische Grundfläche der oberen 
Basis ist grösser als die der unteren, was nur durch obige Annahme erklärt 
wird. Dadurch wird auch dieser Portikus etwas erhöht, was sehr erwünscht 
ist, da er doch wahrscheinlich dem hier das Forum abschliessenden Bogen 
an Höhe gleich war, wie ich in meiner Kestauration, Pompeii, its life and 
art S. 49, angenommen habe. 

Nun also zu dem Tempel. « Man rauss annehmen, dass der Tempel nach 
« d. J. 63 ebenso wieder aufgebaut, wenn auch nicht ganz vollendet wurde, 
« wie er früher war, also nicht, wie die Forumshallen, in einer verbesserten 
« Technik des Kaiserreichs »; d. h., wie weiterhin klar wird, er wurde nicht 
aus Marmor, sondern aus Tuflf und Mauerwerk mit Stuckverkleidung aufge- 
baut. Weshalb man dies annehmen « muss », wird nicht gesagt. An Mauerwerk 
und Säulen gehört alles erhaltene dem urprünglichen Bau an; von der Stuck- 
bekleidung ist der Sockel der Cella aus der Zeit des dritt'^n, alles andere wahr- 
scheinlich aus der Zeit des zweiten Stils. Die Cella diente als Steinmetzwerk- 
stätte, zu welchem Zweck sie ganz oder teilweise mit einem provisorischen Dach 
versehen sein konnte. Der Cultus war anderswo untergebracht. Alles führt darauf, 
dass seit 63 der Tempel in Trümmern lag. "Warum « muss » er denn nun, 
wiederaufgebaut gewesen sein? Es ist doch ganz unglaublich, dass man, nachdem 
der Bau stand, statt nun auch Wände und Fussboden der Cella fertig zu 
machen, diese erst als Steinmetzwerkstatt benutzt haben sollte. Ich kann es 
nicht unternehmen, die Frage nach Ursprung und Geschichte des Tempels 
hier von neuem zu behandeln; sie ist mit meinem Aufsatz Mitth. XI, 1896, 
S. 141 noch nicht abgeschlossen. Weichardt will also den Tempel als Stuckbau 
aus der Zeit nach 63 restauriren; aber von dem Stuckstil dieser Zeit, wie 
ihn der Isistempel zeigt, ist in seiner Restauration keine Spur ; alle Formen 
sind die allbekannten des Marmorbaues : es zeigt sich hier wieder das gänz- 
liche Fehlen stilistischer Individualisirung. 

Für die Annahme eines Hypaethron mag Weichardt die Verantwortung 
überlassen bleiben; neues bringt er zu dieser Frage nicht bei. 

Kap. VIII, Polemik über den sog. Triumphbogen des 
Nero und das Relief im Hause des L. Caecilius Jucundus. Die 
beiden Reconstructionen des Bogens östlich vom Jupitertempel S. 63 und 78 
Fig. 93 stimmen nicht ganz überein : nur die letztere — Ansicht der Nord- 



LITERATUR L'EBER POMPEJI 115 

Seite — berücksichtigt alle erhaltenen Reste und Spuren. Freilich aber nicht 
mit genügender Genauigkeit. Die Halbsäulen waren nach deutlichen Spuren 
höher. Auch sind die Fragmente der S. 79 Fig. 95 wiedergegebenen Mazois'schen 
Zeichnung nicht richtig benutzt Was Weichardt S. 80 « Pilasterglied » 
nennt, ist nämlich ein Gesims. In der Tat giebt W. den Eckpilaster in ganz 
unmöglicher Weise ohne Kapitell, und lässt ihn ein Gesims (freilich nicht 
der von Mazois bezeugten Form) ohne Fries und Epistyl tragen, obgleich 
Mazois auch ein Friesfragment bietet. Gänzlich unantik ist die Rustica des 
oberen Teiles, und auch sonst würde wohl ein vergleichendes Studium anderer 
Triumphbögen zu abweichenden Resultaten führen. Der Bogen muss noch 
einmal besonders behandelt werden. 

Weiter unternimmt es der Verfasser, zu erweisen, dass das bekannte 
Relief im Hause des L. Caecilius Jucundus nicht, wie allgemein angenommen, 
die Nordseite des Forums darstellt, sondern « dass die ganze Darstellung 
« nicht einen bestimmten Tempel aus Pompeji bringt, sondern ein Zusam- 
u menwürfeln von mehreren, also eine freie Composition in Anlehnung an 
« bekannte Eindrücke. Ferner muss hier behauptet werden, dass das frag- 
« liehe Relief dem Tempel der Fortuna Augusta ähnlicher ist, als dem 
u Jupitertempel » . 

Die bisherige Auffassung steht aber auf ausserordentlich festen Füssen. 
Es genügt auf folgende Punkte aufmerksam zu machen : 1, der Bogen liegt 
in gleicher Linie mit der Terapelfront. 2, er ist mit dem Tempel auf dem 
Relief wie auf dem Forum durch ein kurzes Mauerstück verbunden. 3, die 
Treppenwangen mit den Reiterstatuen liegen nicht in gleicher Flucht mit 
den Seitenfassaden des Tempels (wie beim Fortunatempel), sondern weiter 
auswärts, wie beim Jupitertempel. 4, der Altar liegt auf einer hohen und 
breiten Platform, zwischen schmalen Treppen, wie vor dem Jupitertempel; 
dagegen vor dem Fortunatempel auf einer niedrigen und schmalen Platform 
zwischen breiten Treppen. Dieser vollständig zwingenden Uebereinstimmung 
gegenüber bemerkt Weichardt nur : " Eines aber ist wohl selbst einem Kinde 
u nicht möglich : einen Tempel von sechs Säulen als viersäuligen aufzufassen 
« und ausserdem noch unter die Säulen viereckige Postamente zu setzen, wie 
u sie nur bei Profananlagen, nie aber bei Tempeln vorkommen ». Was soll 
uns eine solche Behauptung gegenüber der Tatsache, dass das bekannte Relief 
im Conservatorenpalast (Mon. d. Inst. V 36) den zweifellos sechssäuligen 
Jupitertempel des römischen Capitols viersäulig zeigt, in ganz anders monu- 
mentaler Darstellung? Und wie frei auch sonst römische Reliefs Gebäude 
darstellen, ist doch bekannt genug; in unserem Falle kommt noch hinzu, 
dass vermutlich das Relief entstand, während der Tempel in Trümmern lag. 
Aus den Postamenten müsste ja Weichardt schliessen, dass überhaupt kein 
Tempel dargestellt sei ; er vergisst die Tempelfassaden auf den Wänden des 
Hausflurs der Casa del Fauno, deren Säulen auf Postamenten stehen. 

Uebrigens ist, wie mir aus persönlicher Mitteilung bekannt, diese Auf- 
fassung Weichardts nur das Rudiment einer älteren, in dem Buche nicht 
ausgesprochenen, dass nämlich das Relief den Fortunatempel und den Bogen 
der Mercurstrasse darstelle. Es ist nötig, dies zu wissen, weil nur so begreif- 



116 A. MAU 

lieh wird, weshalb für diesen Bogen, nicht für den links vom Jupitertempel, 
die Motive des Reliefs verwertet sind. 

Kap. IX, der Tempel der Fortuna Augusta und seine Um- 
gebung. Ueber diesen Tempel habe ich Mitth. XI, 1896, S. 269 ausführlich 
gehandelt. Weichardt hat diesen Aufsatz nicht mehr benutzen können, und 
seine Darstellung ist durch denselben in einigen Punkten überholt. Recht hat 
er mir gegenüber darin, dass er (übereinstimmend mit Gell) das mittlere Inter- 
columnium der Front etwas breiter annimmt, als die beiden anderen ; die 
Plätze der Säulen sind kenntlich. Lohnend wäre grade in diesem Falle auch 
eine Reconstruction der Inneren der Cella gewesen ; dass für eine solche hin- 
längliche Elemente vorhanden sind, habe ich a. 0. gezeigt, wo sie auch in 
geometrischen Durchschnitten versucht ist. 

Die lange Erörterung über die Reiterstatue vom Bogen der Mercurstrasse 
hätte der Verfasser lieber unterdrücken sollen. Seine Annahme, dass sie Clau- 
dius darstelle, wird wohl am besten widerlegt durch den Vergleich mit dem 
auf S. 93 wiedergegebenen wirklichen Claudiuskopf. Dass die Statue weder 
Caligula noch Nero gleicht, habe ich schon Mitth. XI, 1896, S. 155 bemerkt; 
es war aber ja auch nicht notwendig ein Kaiser, sondern vielleicht ein Prinz 
der kaiserlichen Familie. 

Kap. X, der Tempel des Vespasian. Ueber diesen Tempel habe 
ich auf S. 133 in einem besonderen Aufsatze gehandelt und gezeigt, dass 
Weichardt's Restauration verfehlt ist. Im Einzelnen bemerke ich noch, dass 
nach fester Regel die Decke der Vorhalle gleich über dem Epistyl lag, wel- 
ches vermutlich hier etwas höher war, als auf der Aussenseite. Bei Wei- 
chardt erscheint hier noch ein breiter Fries. 

Sehr mit Unrecht ist der Eingangsportikus des Hofes zweistöckig 
restaurirt. Da kein Aufgang vorhanden ist, könnte man nur allenfalls an eine 
doppelte Säulenstellung ohne Zwischenboden denken. Aber auch diese ist 
unmöglich: ihr Zweck könnte ja nur ein decorativer sein, und es ist kein 
Standpunkt, kein vom Volke frequentirter Ort vorhanden, auf den diese deco- 
rative Wirkung berechnet gewesen wäre. Dagegen war offenbar die Umtas- 
sungsmauer des Hofes zweistöckig, d. h. sie zerfiel, entsprechend der übli- 
chen Teilung der gemalten Wände, in einen unteren und oberen Wandteil, 
von denen jener auch darch plastische Stuckarbeit, dieser nur durch Malerei 
decorirt werden sollte. Weichardt unterdrückt den oberen Teil, indem er die 
Mauer mit dem über den Pilastern hinlaufenden Gebälk abschliessen lässt, 
während doch seine Photographie Fig. 126 zeigt, dass sie noch höher aufragte. 
Sie war zur Zeit der Verschüttung noch ohne Decoration ; diese wäre wohl 
unter den Händen eines antiken Decorateurs beträchtlich anders ausgefallen, 
als bei Weichardt. 

Kap. XI, der Tempel der Isis und sein Vorhof. Die Restau- 
ration des ungewöhnlich vollständig erhaltenen Tempels selbst ist im Uebri- 
gen richtig, aber durch ein seltsames Motiv bereichert, indem die Cella nicht 
unter demselben Dach mit der Vorhalle liegt, sondern sich als viereckiger 
Kasten über sie erhebt. Der Verfasser sagt S. 110, dass einige Spuren antiker 
Aufmauerung über dem Hauptgesims an der Nordseite diese Vermutung nahe 



LITERATUR UBBER POMPEJI 117 

\fgen. Ich habe dort nur moderne Aufmanerung constatiren können. In BetrcflF 
des Portikus ist zu bedauern, dass sich Weichardt so wenig in die Decorations- 
weise, den Stuckstil, der letzten pompejanischen Zeit eingelebt hat, dass er es 
ermöglicht, ihm ein regelrechtes dorisches Gebälk mit Triglyphenfries zu geben. 
Es ist wohl kaum zu bezweifeln, dass das Laubgewinde, wie wir es am Tempel 
und auf den Portikuswänden (Weichardt Fig. 132) finden, auch auf dem zwi- 
schen beiden liegenden Portikusgebälk angebracht war; grade für diese Stelle 
war es ein beliebtes Motiv: vgl. Mitth. XI, 1896, S. 31. 

Zum Text bemerke ich noch Folgendes, Die Annahme, dass die seitlichen 
Nischen der Fassade so wie die kleine Seitentreppe erst beim Wiederaufbau 
angebracht worden seien (S. 108), ist unbegründet. Allem Anschein nach 
wurde der Tempel ganz in der alten Form wieder aufgebaut. — Der unter- 
irdische Raum des « Purgatorium » (S. 111) ist jetzt zugänglich und ist 
zweifellos ein Wasserbehälter; im Giebelfeld ist die Anbetung des heiligen 
Wassers dargestellt. 

Kap. XII, der Tempel der drei Götter. In ganz unbegreiflicher 
Weise ist hier die Restauration verfehlt. Von den Säulen der Vorhalle ist 
nichts erhalten ; ihre Anordnung auf dem ziemlich vollständig erhaltenen 
Stylobat ist doch eigentlich ganz selbstverständlich: vier Frontsäulen und 
noch eine hinter jeder Ecksäule. Und genau an diesen Stellen des Stylobats 
finden wir sechs je aus zwei länglichen Steinen gebildete Quadrate, zwischen 
denen je ein durch die ganze Breite des Stylobats durchgehender Stein liegt. 
Also bezeichnen natürlich jene Quadrate die Plätze der Säulen ; wie kann 
man noch nach einer anderen Lösung suchen ? Und doch hat dies Weichardt 
nicht befriedigt. Er stellt an die Vorderecken je einen massiven Pfeiler; im 
übrigen aber stellt er die Säulen nicht auf jene Quadrate, sondern auf die 
zwischen ihnen liegenden einzelnen Steine. So stehen denn in seiner Zeich- 
nung in der Front, zwischen den Pfeilern, auf 4,60 m, drei, zwischen den 
Pfeilern und der Cella jederseits, auf 2,90 m, zwei Säulen, lieber die Un- 
möglichkeit dieser Lösung ist jedes Wort überflüssig. In Betreff der beiden 
Pfeiler heisst es S. 121 : « Ein Pilaster » (soll heissen Pfeiler) « ist wegen 
« der reichen, kunstvollen Ausführung des zurückgebliebenen, mit dem Kopf 
« eines Gottes geschmückten Kapitals das wahrscheinlichere ; denn an der 
« dunkeln Cellaecke allein wird man schwerlich ein so reiches Kapital ver- 
« wendet haben n. Was soll das heissen? Natürlich stand das Eckkapitell der 
Cella nicht allein, sondern ihm entsprachen Säulenkapitelle, Uebrigens sind 
im Test die beiden erhaltenen Kapitelle verwechselt: das mit dem Kopf ist 
das kleinere und gehört zweifellos auf den Thürpfosten, wo auch Weichardt 
Fig. 157 II es angebracht hat. 

Weichardt nennt sein Buch: « Pompeji vor der Zerstörung », und stellt in 
Aussicht, dass er später einmal auch die Restauration der sonstigen öffentlichen 
Gebäude und der Privathäuser unternehmen wird. Für diesmal hat er da Halt 
gemacht, wo die eigentlichen Schwierigkeiten, die Aufgaben zweifelhafter Lö- 
sung erst beginnen. Sollte er zur Ausführung seines Vorhabens kommen, so wird 
er hoffentlich dabei recht viel Vorsicht nnd Umsicht beweisen ; dann können 
wir von ihm eine wertvolle Bereicherung der Pompejiliteratur hoffen. 



118 A. MAU 

A. Pasqui, La villa pompeiana della Pisanella presso Boscoreale. In : Monum. 
antichi pubblicati per cara della R. Accademia dei Lincei. Vol. VII, 1897. 

Ueber die Villa rustica von Boscoreale ist in diesen Mittheilungen 
IX, 1894, S. 349 flF. und XI, 1896, S. 130 ff. in aller Kürze berichtet worden. 
Der sehr genaue und sorgfaltige Bericht Pasqui's ist viel ausführlicher und 
giebt manches was dort fehlt. Vor allen die Angaben über die gefundenen 
Gegenstände, aus denen erhellt, dass in wahrhaft überraschendem Contrast 
zu dem ausgeplünderten Pompeji hier der ganze Hausrat an seinem Platze 
gefunden wurde. In den Portiken des Hofes vier Schränke und drei Kisten, 
teils mit Gefässen und Geräten, teils leer, vielleicht also einst vergängliche 
Dinge, wie Kleider, enthaltend. Mehrfach vollständig eingerichtete Schlaf- 
zimmer. So über dem NWporticus des Hofes ein Zimmer mit Bett, zwei Can- 
delabern mit Lampen, einem als Kohlenbecken benutzten Boden einer Am- 
phora und einem Kasten, der Gold- und Silbermünzen, geschnittene Steine 
und Glaspasten enthielt. Auch die Sklavenkammern q t u in dem Plan Mitth. 
XI Tf. III hatten ihre vollständige Einrichtung mit Betten und allerlei 
kleinem Gerät, und im Torcularium war der Raum zwischen den beiden 
Keltern als Schlafzimmer eingerichtet. Ebenda standen die Amphoren zur 
Aufnahme vorjährigen Weines bereit. In der Küche standen auf dem Heerd 
ein Rost und zwei Dreifüsse. Dagegen waren die für den Gebrauch der 
Herrschaft bestimmten Räume des Oberstockes (Mitth. XI S. 138) unbewohnt 
und dienten als Niederlage für Amphoren und Baumaterial. Auch sonst fand 
sich Baumaterial (z. B. Thüren), welches nicht diesem sondern nur einem in 
der Nähe vorauszusetzenden Gebäude angehören konnte. Ob diese Angaben in 
allen Einzelheiten genau sind, muss dahin gestellt bleiben. Sie beruhen nicht 
auf Autopsie des Verfassers, der bei der Ausgrabung nicht zugegen war, son- 
dern auf ihm gemachten Angaben Herrn De Prisco's und wohl auch der bei 
der Ausgrabung beschäftigten Arbeiter. Dass hierbei Irrtümer unterlaufen 
können, ist selbstverständlich : in Betreff des Fundes einiger Silbersachen hat 
A. H^ron de Villefosse auf S. 23 der gleich zu besprechenden Schrift einen, 
wie es scheint, wohlbegründeten Widerspruch erhoben. Dasselbe gilt von den 
Spuren des Obergeschosses; auch hier spricht Pasqui nicht als Augenzeuge, 
sondern auf Grund der ihm gemachten Mitteilungen. Es darf aber angenommen 
werden, dass viele und bedeutende Irrtümer nicht vorgekommen sind. Mit 
besonderem Lobe ist hervorzuheben, dass Herr De Prisco keineswegs nur nach 
Wertobjecten gegraben, sondern das ganze Gebäude in jeder Beziehung genau 
und mit eingehendstem Verständniss studirt hat. Auf seinen, von Pasqui 
sorgfältig und mit grosser Klarheit redigirten Aufzeichnungen beruht zum 
grossen Teil der Wert dieser Publication. 

In Betreff des Gebäudes selbst wird mein Bericht in einigen Punkten 
ergänzt. So erfahren wir, dass die Cisternc des Hofes durch unterirdische 
Leitungen auch das Wasser erhielt, welches in den Raum mit den Dolien 
fiel, und das welches von einem Teil der Nordwestseite des Hauses nach 
aussen abfloss. Ueber den Räumen der Nordwestseite war ein niedriger Bo- 
denraum, in dem über Küche und Praefurnium viele Amphoren gefunden 



LITERATUR UKBER POMPEJI 119 

wurden, die hier ofiFenbar dem Rauch ausgesetzt waren, Ueber die Nordecke 
des Hauses erhalten wir Aufklärung aus den Berichten über frühere Ausgra- 
bungen : hier war ein Stall and ein von der Küche durch eine Holzwand auf 
gemauerter Unterlage getrennter Raum; die Holzwand hatte ich Mitth. IX 
S. 350 für einen Schrank oder dergleichen gehalten. Aufgeklärt wird ferner 
die Bedeutung der beiden Gruben in der Küche und in dem nördlich an die 
Weinkeller anstossenden Raum : sie dienten zur Befestigung des Ständers für 
den Pressbaum. Auch die Grube gleichen Zweckes bei der Oelpresse (I auf 
dem Plan Mitth. XI Tf. III) ist richtig erkannt worden, und die grössere 
Grube ebenda (a. 0. U) wird wohl mit Recht als lacus bezeichnet. 

Den Raum über dem Trapetum (a. 0. x) will Pasqui nicht als Wasser- 
bassin gelten lassen und meint, es sei eine bedeckte Terrasse gewesen. Hier 
kann ich ihm nicht beistimmen. Ein auf drei Seiten von Mauern, auf der 
vierten von einer hohen Brüstung eingeschlossener Raum, mit dem für Wasser- 
behälter üblichen Bewurf, gänzlich ohne Zugang, was soll denn das sonst 
gewesen sein ? Pasqui wendet ein, bei Reconstruction des Daches ergebe sich 
keine Neigung und also kein Abfluss nach dieser Seite. Aber konnten nicht 
die Räume 9.. 0. q r s t u ein zur Hälfte nach dieser Seite geneigtes Sat- 
teldach haben ? Konnten sie nicht, wie ich a. 0. S. 138 annahm, unter einer 
Terrasse liegen, der man leicht eine Neigung nach dieser Seite geben konnte? 
Ferner meint Pasqui, man müsste ein Abflussvorrichtung sehen. Gewiss wäre 
dies erwünscht, aber unmöglich ist es doch nicht, dass sie mit dem Fussboden 
verschwunden ist. Dass man hier Reste von Pferdegeschirr fand, ist freilich 
für ein Wasserbassin nicht in der Ordnung, genügt aber doch nicht, um den 
so deutlichen Charakter des Raumes in Frage zu stellen. 

Es ist Schade, dass diese ausführliche Beschreibung nun doch nicht 
die ganze Villa umfasst. Die Westecke ist erst später vollständig ausgegra- 
ben worden. Hierüber berichtet Sogliano Not. d. sc. 1899 S. 14 ff. Es stellte 
sich heraus dass man durch die Kammer h (Mitth. XI Tf. III) in ein grosses 
Triclinium, durch den Gang / in die Bäckerei gelangte, endlich dass eine 
Thür in der Rückwand des Apodyteriums k in den Abtritt führt. Das Einzelne 
braucht hier nicht wiederholt zu werden ; erwähnt sei nur, dass, wie mir an 
Ort und Stelle versichert wurde, das Hufeisen der drei Lecti nicht mit dem 
Rücken an der Schmalwand, sondern an dem nordöstlichen (inneren Ende) 
der südöstlichen Langwand stand. 

Ich muss die Besprechung dieser Publikation mit einer persönlichen 
Bemerkung schliessen. In der Weinkelter sind, wie auch in mehreren Sta- 
bianer Villen, die Löcher für die stipites der Winde nicht gleich gross, son- 
dern das eine, grössere, quadratisch, das andere länglich. Sowohl die hercu- 
lanensischen Akademiker (La Vega?) als auch Pasqui bringen dies in Zusam- 
menhang mit der Notwendigkeit, die Welle herausnehmen zu können. Jene 
nehmen an, der eine stipes habe zu diesem Zweck einen Einschnitt gehabt 
und habe, um durch diesen nicht zu sehr geschwächt zu werden, stärker sein 
müssen. Pasqui (der diese Erklärung nicht erwähnt) meint, er sei in seiner 
Oeffnung beweglich, und, wenn er nicht bewegt werden sollte, durch einen 
Keil befestigt gewesen. Ich sehe nicht recht, welchen Vorzug die letztere 



120 A. MAU 

Erklärung vor der ersteren hat. Nun sagt Pasqui S. 470 Anm. 1, er habe 
mir, auf meinen Wunsch, diese seine Ansicht mitgeteilt, und ich habe in 
meinem Bericht davon Gebrauch gemacht. Da Pasqui's Name in meinem Be- 
richt nicht vorkommt, so werde ich hier eines Plagiats beschuldigt. Nun ist 
aber in meinem Bericht von obiger Ansicht Pasqui's mit keinem Worte die 
Eede, sondern nur von der der Akademiker. Eine Berichtigung in den Monum. 
ant., die ich verlangt hatte, hat mir Herr Pasqui brieflich in Aussicht ge- 
stellt; da dieselbe aber nicht erfolgt ist, so sehe ich mich genötigt, selbst 
den Sachverhalt klar zu stellen. 

A. SoGLiANO, La casa dei Vettii in Pompei, in: Monument! antichi pubbli- 
cati per cura della R. Accademia dei Lincei vol. VIII, 1898. 

Das von mir Mitth. XI, 1896, S. l beschriebene Haus erscheint hier 
mit reicher Illustration: 68 Zinkclichds, drei Lichtdruck- und einer Farben- 
drucktafel. Die Lichtdrucktafeln geben eine Ansicht des Gartens und zwei 
Gemälde (Ixion, Pentheus), die Farbendrucktafel vier der kleinen Bilder auf 
schwarzem Grunde: Agamemnon, Apollo, und zwei Gruppen blumenpflückender 
Psychen. Diese Bilder in Farben wiederzugeben, ist sehr schwer und hier 
gründlich misslungen. Es ist dringend wünschenswert, dass recht bald, bevor 
der Zustand der Bilder sich verschlechtert, eine Publication durch Dreifarben- 
druck nach den Originalen versucht wird. 

Der Text beschränkt sich meist auf einen genauen und zuverlässigen 
Bericht über das Tatsächliche. Deutungen der schwierigeren Bilder werden 
nicht versucht, auch einige der von mir aufgestellten mit Stillschweigen über- 
gangen. In dem Ixionbilde findet der Verfasser die Version der Sage, nach 
der Ixion auf dem Rade durch das Weltall getrieben werden soll. Meine 
Annahme (a. 0. S. 51) dass die Strafe im Hades vollzogen wird, glaubt er 
zu widerlegen durch die Gegenwart der Hera. Diese war doch auch mir nicht 
entgangen, ich hielt aber und halte noch für zulässig, dass der Künstler die 
im Olymp thronende Hera und die Handlung in der Unterwelt in seinem 
Bilde zusammenrückte. Hat er sich doch alle denkbare Mühe gegeben, zu 
zeigen, dass die beiden Gruppen räumlich getrennt zu denken sind: Hera 
blickt nicht auf das, was links unten vorgeht ; sie wird durch Iris, die Botin, 
davon benachrichtigt; durch Hermes, den Boten, ist der Befehl zum Straf- 
vollzug überbracht worden. Und wenn die verhüllte Figur keine Psyche ist, 
80 muss man, um sie zu erklären, zu sehr unwahrscheinlichen Hypothesen 
greifen. Die Vorstellung der Strafe im Hades ist die durchaus vorherrschende; 
eine sichere bildliche Darstellung der anderen Version giebt es nicht. 

Von dem unglücklichen Versuch, die Araoren aus Oelfabrikanten zu 
Aerzten zu machen, ist an anderer Stelle (138) die Rede. — Zu den von 
mir beschriebenen Bildern des Hauptsaales kommt eines hinzu: Hermaphrodit 
nnd Silen, abgebildet S. 333, besprochen S. 344. 

Eine Reconstruction des Hauses ist nicht versucht worden. Auf S. 388 S. 
wird gesagt, was über den Oberstock zu ermitteln ist, wesentlich in Ueber- 
einstimmung mit mir a. 0. S. 6 ff. Dagegen lehnt der Verfasser es ab, sich 
in Vermutungen über die Bedachung einzulassen, deutet auch an, dass er 



LITERATUR UKBER POMPEJI 121 

(lies für unvorsichtig halten würde. Ich glaube a. 0. gezeigt zu haben, dass 
grade hier nur über wenige Punkte ernstliche Zweifel bleiben. Die Recon- 
struction der Privathäuser ist zur Zeit die wichtigste und dringendste Forde- 
rung der Porapejiforschung. Die Aufgabe ist schwieriger und noch weit we- 
niger gefördert, als in Betreff der öffentlichen Gebäude ; es wäre dringend zu 
wünschen, dass die Direction der Ausgrabungen sich ihr doch nicht ganz ent- 
ziehen möchte. Wenn nicht in jedem Falle alles einzelne zweifellos ist, so darf 
dies nicht abschrecken: ein Fall ergänzt den andern. 

Pierre Gusman, Pomp^i, la ville, les moeurs, les arts Priface de M. Max. 
CoUignon. Ouvrage orn4 de 600 dessins dans le texte et de 32 aqua- 
relies de Vauteur. Paris, Soci^t^ fran^aise d'äditions d'art. L.-Henry 
May (1899). , 

Ein junger Maler kommt auf Studienreisen nach Pompeji, copirt Gemälde 
und zeichnet was ihm sonst interessant scheint. Seine Phantasie belebt ihm die 
todte Stadt ; die Eindrücke sind so mächtig, dass es ihn drängt, sie in einem 
von ihm selbst illusirirten Buche über Pompeji niederzulegen. Antiquarische 
Studien lagen ihm bisher fern; er eignet sich aber in kurzer Zeit die nach 
seiner Meinung genügenden Kenntnisse an und in drei Jahren ist das hier 
vorliegende Buch fertig, 474 Seiten, gross gedruckt, in Grossquart. Diese 
Entstehungsgeschichte erklärt manche Eigentümlichkeiten des stattlichen und 
schön ausgestatteten Werkes. 

Bei dem Buche eines Malers wendet sich die Aufmerksamkeit zuerst 
der Illustration zu. Es ist das am reichsten illustrirte zusammenfassende 
Buch über Pompeji. Sehr günstig wirkt der einheitliche künstlerische Cha- 
rakter: alle 600 Teitillustrationen sind nach Federzeichnungen des Verfas- 
sers hergestellt ; dazu auf zwölf Tafeln Dreifarbendrucke nach seinen Aqua- 
rellen, teils Copien von Gemälden, teils Ansichten aus Pompeji. Wohl jeder 
Verfasser eines Buches über Pompeji würde sich glücklich schätzen, über 
ein so reiches Illustrationsmaterial zu verfügen. Aber freilich hat dieser 
einheitliche Charakter auch seine Nachteile. Eine Technik ist eben nicht für 
alle Objekte gleichmässig geeignet. Weitaus der erfreulichste Teil der Illu- 
stration sind die Ansichten der Gebäude. Hier hat die Zeichnung den Vorteil, 
dass sie manchmal einen der Photographie unzugänglichen Standpunkt an- 
nehmen und dass sie Einzelheiten zeigen kann, die in der Photographie und 
mehr noch in der Reproduction derselben undeutlich werden. Diese Zeich- 
nungen sind durchweg vortrefflich, wertvoll auch dadurch dass sie manches 
bieten, was sonst nicht zu finden ist. Die besten Ansichten sind die aus 
grosser Kähe genommenen; entfernteres gelingt weniger. 

Der Verfasser möchte auch den Reiz der pompejanischen Landschaft 
dem Leser vermitteln. Dies ist weniger gelungen. Einige Einzelansichten 
CS. 6. 7. 180) sind sehr hübsch, aber wenig charakteristisch. Die pompeja- 
nische Landschaft ist eine Landschaft eminent grossen Stils; ihre Wirkung 
beruht auf dem Blick in die Ferne ; sie entsteht, indem hier vier grosse 
Massen zusammentreten : der dunkelfarbige' sanft ansteigende Vesuv, die ganz 
horizontale reich bebaute grüne Ebene, die schroft aufragenden Kalkgebirge 



122 A, MAU 

der sorrentiner Halbinsel, deren rötliches Gestein aus dankler Waldung her- 
vorleuchtet, und das weite blaue Meer. Das aber sind Wirkungen die ohne 
Luftperspektive nicht wiederzugeben sind, nnd die Federzeichnung ist hier 
wohl die ungeeignetste Technik. 

Die zahlreichen Abbildungen von Geräten wären wohl meistens nach 
Photographien besser ausgefallen, indess um des einheitlichen Charakters 
willen nehmen wir sie gern wie sie sind. Ungenügend aber sind, mit wenig 
Ausnahmen, die Wiedergaben von Skulpturen und Gemälden; wer hier die 
Hülfe der Photographie verschmäht, fordert Ansprüche heraus, denen der 
Verfasser nicht genügt. Es macht einen peinlichen Eindruck, hier den Dory- 
phoros, die archaische Artemis, das Opfer der Iphigenie, das Porträt des 
pompejanischen Ehepaares, den Amorenfries aus dem Hause der Vettier, die 
Schmücknng der Braut aus Herculaneum, in mühsamen und doch unbefrie- 
digenden Zeichnungen zu finden, da es doch so leicht ist, alles dies in vor- 
züglicher Weise nach Photographien zu geben. Gewiss giebt es manche Bilder, 
für die die Photographie nicht ausreicht; für eine gute Zeichnung z. B. des 
vorzüglichen Bildes der Ankunft lo's in Äegypten würden wir sehr dankbar 
sein ; aber grade hier giebt der A'erfasser nur eine dürftige Skizze mit ganz 
modernen Gesichtern. Dennoch aber ist es ihm gelungen, den von ihm lebhaft 
empfundenen Unterschied der Gemälde dritten und vierten Stils auch in seinen 
Zeichnungen deutlich zum Ausdruck zu bringen. Die Auswahl ist nicht 
durchweg glücklich. Manches, namentlich unter den sogen. Porträts, hätten 
wir dem Verfasser gern geschenkt, wenn er uns dafür wenigstens eines der 
Iliasbilder ans Casa del poeta und, da er doch auch sonst Herculaneum mit 
berücksichtigt, eines der grossen Bilder aus der dortigen « Basilika » gegeben 
hätte. 

Unter den farbigen Abbildungen befriedigen am meisten die vier Wand- 
decorationen je eines der vier Stile (Taf. IX. X. XI). Sie geben, unter Ver- 
zicht auf Details, den Gesammteindruck gut wieder. Dasselbe gilt von dem 
Mosaikbrunnen Taf. XII und von den beiden Ansichten der Casa della Caccia 
und Casa del poeta Taf. IV ; schade dass in letzterer der schwarzweisse Mo- 
saikboden durch eine dunkle Farbe ersetzt ist. Demnächst die nach Copien 
in Grösse der Originale stark verkleinerten sogenannten Porträts (Tafel VI. 
VII. VIII) ; mir scheinen die Farben nicht ganz gttroiFen, indess darüber ist 
schwer streiten, und im Uebrigen sind die Copien oflFenbar genau. Weit ge- 
ringer ist die Copie des Dirkebildes aus dem Hause der Vettier (Taf. VIII), 
ganz ungenügend die beiden Stücke des Amorenfrieses ebendort (Taf. V) und 
das Theatermosaik Taf. XH. Unglücklich sind auch die beiden Ansichten des 
Stabianer Thors und der Stabianer Strasse (Taf. II) mit dem übermässigen 
Eotgelb. 

In BetrefiF des Textes sagt M. CoUignon in der Vorrede, es sei dies icn 
livre de bovine foi, der Verfasser sei nicht Gelehrter und wolle es auch nicht 
scheinen, sondern ein Künstler, der bei der Gelehrsamkeit sucht was er braucht, 
das Buch enthalte keine archaeologischen Dissertationen, sondern viele per- 
sönliche Eindrücke, die manchmal wertvoll seien. Durch solche Erklärungen 
kann sich aber doch die Kritik nicht entwaffnen lassen. Ein Buch, das auf 460 



LITERATUR UEBER POMPEJI 123 

grossen Quartseiten alles auf Pompeji bezügliche behandelt : Lage, Geschichte, 
Verschüttung, Ausgrabung, Gräber, Tempel, öffentliche Gebäude, Privathäuser 
und Geräte, Architektur, Malerei, Skulptur, Kleinkunst: ein solches Buch 
erhebt den Anspruch, den Leser über alles nötige zu belehren, ein Handbuch 
für Pompeji zu sein und ist als solches zu beurteilen. Also obige "Worte 
CoUignon's bedürfen sehr der Interpretation. Bonne foi heist^t gänzliche Kri- 
tiklosigkeit. Der Verfasser ist nicht ein Wissender, sondern ein Lernender, 
dem es beim Lernen an jeder Spur einer vernünftigen Anleitung gefehlt hat. 
Es ist ja denkbar, dass jemand ein Buch über Pompeji schreibt, ohne über 
die einzelnen Fragen urteilen zu können; seine Leistung beruht dann auf der 
Darstellungskunst und etwaigen persönlichen Eindrücken. Aber doch nur un- 
ter der Bedingung, dass er sich von Sachkundigen sagen lässt, in welchen Bü- 
chern gute Informationen zu finden sind, und diese Bücher seiner Darstellung 
zu Grunde legt. Es ist auch wohl keine Anmaassung, wenn ich sage, dass die 
einzig denkbare Grundlage zu finden war in dem von mir beHrbeiteten Over- 
beck'schen Buche und den nach demselben (1884) in diesen Mittheilungen er- 
schienenen Aufsätzen. Aber von Benutzung grade dieser Quellen finde ich in 
dem Buche keine Spur ; es scheint, dass dem Verfasser die deutsche Sprache 
Schwierigkeit macht. So werden denn durchweg ganz veraltete Ansichten vor- 
getragen, z. B. in Betreff der Forurasportiken, der Basilika. Dass in einem 1899 
gedruckten Buche die oskische Inschrift der Porta Nolana mit Isidi conse- 
cravit übersetzt und eine der bekannten oskischen Wegweiserinschriften als 
Anzeige einer Herberge erklärt wird (S. 251) ist gradezu unglaublich. Die 
Wandinschriften werden auf Grund Garrucci's behandelt, unter vollständiger 
Ignorirung des Corpus Inscriptionum. Selbst das allbekannte Märchen von der 
auf ihrem Posten gestorbenen Schildwache wird uns nicht erspart; ja der Ver- 
fasser ermöglicht es, Schädel und Helm dieser Ausgeburt der Custodenphan- 
tasie abzubilden. Im Museum ist von einem Helm mit zugehörigem Schädel 
nichts bekannt. Auch die Herkunft des vermeintlichen Schlüssels des Diomedes 
ist in keiner Weise verbürgt. 

Dass das Buch keine archaeologischen Dissertationen enthält, ist ja 
gewissermaassen wahr; wohl aber ist der weitaus grösste Teil desselben 
angefüllt mit kritiklosen Excerpten aus mehr oder weniger archaeologischen 
Büchern. Eigene tatsächliche Beobachtungen des Verfassers haben wenig Wert, 
weil ohne genügende Vorstudien gemacht; mehrfach sind auch die Angaben 
unrichtig. Wo der Verfasser eigene Ansichten ausspricht, beruhen dieselbe auf 
ungenügender Sachkenntniss. Die persönlichen Eindrücke bestehen in einigen 
recht hübschen landschaftlichen Schilderungen und in manchen Beobach- 
tungen des Verfassers über die Malereien. Diese sind, als Eindrücke eines 
fein empfindenden Künstlers, interessant und wertvoll ; sie sind eigentlich 
das einzig wertvolle an dem ganzen Text, 

Wer also das Buch in die Hand nimmt, um sich über Pompeji unter- 
richten zu lassen, der kommt durchaus an den Unrechten. Hätte doch der 
Verfasser die Herstellung des Textes einem Archaeologen überlassen und 
seine eigenen Eindrücke etwa in einer Einleitung und einem oder einigen 
Excursen niedergelegt ! Wäre dann noch eine Anzahl der Illustrationen durch 



124 A. MAU 

Reproductionen nach Photographien ersetzt worden — einige gute Lichtdruck- 
tafeln würden das Buch zieren — so hätte das Resultat ein recht erfreuliches 
werden können. 

Der niedrige Preis beweist, dass der Verfasser in höchst uneigennütziger 
Weise die grosse Illustrationsarbeit zur Verfügung gestellt hat ; seine auf- 
richtige Begeisterung für den Gegenstand berührt durchaus sympathisch. Aber 
ein Membre de V Institut sollte mit seinen Vorreden und Empfehlungen vor- 
sichtiger sein ; fort bien documentS ist der Verfasser doch wirklich nicht. 

Alle oder auch nur die wichtigsten Irrtümer zu notiren und zu berich- 
tigen ist unmöglich. Nur einiges wenige sei hier hervorgehoben. 

Nach S. 24 soll man Spuren finden, dass bei antiken Ausgrabungen 
Gemälde aus den Wänden genommen seien, und auf S. 336 wird eben dies 
in Betreff eines Bildes im Hause der Vettier vermutet. Aber letzteres Bild 
ist vorhanden, nur verblichen, und auch sonst giebt es von einem solchen 
Vorgang nirgends eine Spur. Die vom Verfasser beobachteten leeren Stellen 
mit Eisenkrampen sind die Plätze von Holztafeln: oben 99 S. 119 ff. Mit solchen 
Krampen im Hause der Vettier hat es eine ganz andere Bewandtniss: s. 
Mitth. XI, 1896, S. 17 n. 34 und S. 63. — Die Gottheiten des sogen. Aescn- 
laptempels sollen Heilgötter sein — Jupiter Serapis und Minerva medica — 
und es sollen da zahlreiche thönerne ex voto gefunden sein. Letzteres finde 
ich nur bei Dyer; die Akten {P. a. h. I, 1 S. 194 f. I, 2 S. 70 f.) und die 
älteren Beschreiber wissen nichts davon; es ist gänzlich unglaubwürdig. 

Richtig hat der Verfasser in der hinter der Basilika in diesen letzten 
Jahren ausgegrabenen Ruine den Tempel der Venus Pompeiana erkannt. Die 
Baugeschichte desselben ist ihm freilich nicht klar geworden. Sehr mit Un- 
recht macht er aber diese Venus zu einer Liebesgöttin : wir wissen doch ganz 
genau, dass sie grade dies nicht war, sondern eine Gottheit des Glückes und 
des Gedeihens. Den bekannten, ziemlich zahlreich erhaltenen Typus nennt er 
V^nus Celeste und stellt ihn in Gegensatz zur Pompeiana. 

Beim Isistempel folgt der Verfasser einer guten Quelle (Lafaye, Eist, 
des cuUes d'Alexandrie); falsch aber ist die Angabe über die Seitentreppe: 
diese führt nicht in ein Souterrain sondern einfach in die Cella. S. 96 wird 
das aegyptische Sacellum der Villa der Julia Felix (Helbig 79) als das In- 
nere des « Purgatorium » abgebildet. Dass dieses ein Wasserbehälter ist, hätte 
der Verfasser 1898 wohl sehen können. 

Das Frauenbad der Stabianer Thermen soll kein Frauen- sondern ein 
Annenbad sein, weil nach Meinung des Verfassers in dem sittenlosen Pom- 
peji Männer und Frauen zusammen gebadet haben müssen. Das entscheidende 
Argument der geringeren Höhe der Nischen im Frauenbade ist ihm unbe- 
kannt. In de Forumsthermen wird die gleiche Frage nicht berührt. — In 
Betreff der Wasserleitungen sind dem Verfasser die Ausführungen Murano's 
(s. Mitth. X, 1895, S. 216) unbekannt, ebenso was ich ebenda S. 49 über 
das Alter der Wasserleitung ausgeführt habe ; er begnügt sich mit einem 
Citat aus Mazois. Es ist nicht richtig, dass auf pompejanischen Leitungs- 
röhren der Stempel ex o/jicina Claudi vorkommt: dies ist ein römischer 
Stempel, in Pompeji findet sich weder dieser noch irgend ein anderer. 



LITERATUR UEBER POMPEJI 125 

Besser als die öfiFentlichen Gebäude sind Cap. V die Privathäuser be- 
handelt; hier erscheinen auch eine Anzahl Grundrisse. An Fehlern und Un- 
genauigkeiten fehlt es freilich auch hier nicht. Dass Holzpfeiler auf den Ecken 
des Impluvium die Dachbalken des Atriums gestützt hätten (S. 298), ist 
meines Wissens nirgends nachweisbar, ebensowenig dass tuscanische Atrien 
nachträglich in viersäulige verwandelt wären. 

Das letzte und grösste Capitel (VI) ist den Künsten gewidmet. Das über 
Architektur und Skulptur gesagte ist unselbständig und ohne Interesse. In 
Betreff der Malerei ist zunächst hervorzuheben, dass der Verfasser die vier 
Stile der Wanddecorationen richtig erfasst und in Wort und Zeichnung gut 
charakterisirt hat. Nicht einverstanden bin ich, wenn er innerhalb des dritten 
Stiles eine aegyptische Varietät unterscheidet: der ganze dritte Stil enthält 
aegyptische Elemente (meist freilich in vollständiger hellenistischer Umar- 
beitung), einige wenige Wände rein aegyptisches ; aber diese Wände haben 
im Uebrigen keinen besonderen, sie von den übrigen unterscheidenden Cha- 
rakter. Die Schönheit und Feinheit des dritten Stiles ist dem Verfasser leb- 
haft zum Bewusstsein gekommen. Der Abschnitt über die Technik der Malerei 
sollte lieber fehlen; über diese viel erörterte Frage auf Grund ganz unge- 
nügender Literaturkenntniss und ganz oberflächlicher Kenntniss des Tatbe- 
standes zu orakeln, ist doch wirklich nicht statthaft. Da wird uns mitgeteilt, 
dass Chevreul und Berger Wachs in pompejanischen Malereien gefunden 
haben, aber ganz verschwiegen, wie sehr bestritten diese Resultate sind. Auf 
S. 378 heisst es, dass die bekannten Einputzfugen um die Bilder nicht 
Freskotechnik beweisen, vielmehr daher rühren, dass die Bilder im Atelier 
gemalt und dann eingesetzt wurden. Ich glaube nicht, dass der Verfasser die 
sehr wenigen Fälle kennt, wo fertige (nicht im Atelier gefertigte sondern 
aus anderen Wänden ausgeschnittene) Bilder eingesetzt sind. Es unterliegt 
nicht dem mindesten Zweifel, dass fast ausnahmslos diese Fugen darauf be- 
ruhen, dass frischer Stuck eingeputzt und auf diesem das Bild ausgeführt 
ist; sie beweisen also für Freskotechnik : s. Donner-v.Richter bei Heibig 
S. LIX ff., wo S. LXVIII ff. auch über die angeblichen Eisenklammem ge- 
handelt ist; vgl. hierüber oben 99 S. 124. Dieser Abschnitt ist also gänzlich 
wertlos. Gern wird man dagegen lesen, was in den folgenden Abschnitten über 
Malweise, Stil und Sujets der Gemälde gesagt wird; wenn man auch nicht 
immer mit dem Verfasser übereinstimmen kann, so ist doch grade hier das 
Urteil des Künstlers von Interesse. Schade dass er die grossen Iliasbilder der 
Casa del poeta mit Schweigen übergeht, die ja mit dem richtig gewürdigten 
Opfer der Iphigenie nichts gemein haben. In dem Abschnitt S. 408 ff. über 
die Porträts folgt der Verfasser dem seltsamen Einfall H. P. F. Marriott's, 
nach dem die so zahlreichen idealen Genreköpfe durchweg Porträts sind. 
S. hierüber Mitth. X, 1895, S. 223. 

A. Heron de Villefosse, Le trSsor de Boscoreale. Fondation Piot, Monu- 
ments et M^moires, tome V, Paris 1899. 

Musterhafte und prachtvolle Publication des berühmten Silberschatzes ; 
dreissig vorzügliche Tafeln in Heliogravüre und einige Textillustrationen. 



126 A. MAU 

Der Text gieht eine kurze Beschreibung der Villa, eingehenden Bericht über 
die AufBndung des Schatzes und seine Schicksale und eine vorzüglich genaue 
Beschreibung der einzelnen Stücke, sehr verständigerweise ohne kunstge- 
schichtliche Erörterungen, die für einen zweiten Teil vorbehalten sind. Für die 
Beschreibung der Villa sind mein und Pasqui's Bericht benutzt, sie beruht aber 
auch auf Autopsie und eigenen Erkundigungen, und hat ihren selbständigen 
Wert. Besonders eingehend ist natürlich alles behandelt, was mit dem Sil- 
berschatz zusammenhängt. In dem mehrfach in die Gefässe eingeritzten Namen 
Maxima erkennt der Verfasser, nicht ohne Wahrscheinlichkeit, die Besitzerin 
der Villa. Sehr mit Recht lehnt er es ab, in dem auf S. 46 (bei Pasqui 
S. 415-418) abgebildeten Kopfe eine historische Person, Antonia oder Agrip- 
pina, zu vermuten. 

Die griechischen Tempel in Unter italien und Sicilien. Von R. Koldewey 
und 0. PucHSTEiN. Bd. I Text. Bd. II Tafeln. Berlin 1899. 

Auf Tafel 5 und S. 45 ff. des Textes wird der dorische Tempel des 
Forum trianguläre behandelt. Text und Plan — letzterer mit Wiedergabe jedes 
einzelnen Steines — bieten die genaueste, alles Frühere weit übertreffende 
Darstellung dessen, was von dem merkwürdigen alten Tempel noch zu Tage 
liegt. Leider konnten die Verfasser einen Teil des Tatbestandes nicht auf 
Grund eigener Anschauung bearbeiten, alles das nämlich, was durch die 
Ausgrabungen des Jahres 1889 erforscht und dann wieder zugeschüttet wurde. 
Die Resultate dieser Ausgrabungen sind auf Grund der vorliegenden Berichte 
(s. über diese Mitth. VI, 1891, S. 258) genau wiedergegeben. Leider aber 
bringen die Verfasser diesen Berichten eine ungerechtfertigte Skepsis entgegen. 
So erscheinen in ihrer Darstellung Dinge als zweifhaft, die vielmehr als 
feststehende Tatsachen gelten müssen, wenn sie auch auffallend und von dem 
Gewöhnlichen abweichend sind. Es wäre ja gewiss wünschenswert, dass die 
damaligen Ausgrabungen vollständiger gewesen und dass ein Quaderplan ge- 
macht worden wäre, aber die Hauptsachen stehen doch auch so fest. 

Die Verfasser wollen nicht recht glauben, dass der Tempel ursprünglich 
so kurz gewesen sei. Sie vermuten eine Verkürzung hinten, entweder antik 
oder modern, neigen aber offenbar mehr zu letzterer Annahme. Von den 
Stufen der Rückseite sei nichts antik, auch rechts keine Spur einer Ecke, 
Stereobat und Stylobat fehlen, das Eingreifen der Schola an der linken hin- 
teren Ecke in die Stufenlinie sei kein Beweis « da auch die Treppe an der 
Ostfront in die Stufen einschneidet » (dies verstehe ich nicht), und es sei ganz 
unsicher, ob die Höhlung an der Rückseite der Schola der Eindruck der Ecke 
der zweituntersten Stufe sei. 

Dem gegenüber ist zu bemerken , dass, als in früher Kaiserzeit die in die 
Stufenlinie eingreifende Schola gebaut wurde, doch offenbar eben dort die 
Stufen nicht vorhanden waren. Und wenn grade da wo die Ecke der einen 
Stufe sein müsste, sich eineEinhöhlung in dem Mauerwerk der Schola findet, so 
weiss ich nicht wie daran zweifeln, dass die Einhöhlung eben durch Anmaue- 
rung an diese Ecke entstand. Und wenn die Stufen jetzt fehlen, so ist doch 
ihr Fundament, mit zweifellosem Abschluss nach hinten, vorhanden. Ich habe 



LITERATUR UKBER POMPEJf 127 

dies, da mir Puchsteins Zweifel bekannt waren, schon vor Jahren durch 
Nachgrabung am Fusse der modernen Stufen feststellen lassen. Und schliesslich 
kennen wir doch durch die Ausgrabungen von 1889 den Grundriss der Cella : 
ihre Rückwand war von dem jetzigen hinteren ßande des Unterbaues genau 
so weit entfernt, wie ihre Vorderwand, einschliesslich der an den Ecken 
vorspringenden Anten, von dem zweifellos alten Vorderrande. 

Aber freilich auch von dem 1889 festgestellten Grundriss der Cella sind 
die Verfasser nicht recht überzeugt. Die Anten sind nach ihnen nicht wahr- 
scheinlich: die Fundamente sind ungleich gross, und zu einer Antenfront 
würden notwendig Säulen, dazu ein Fundament gehören und auf dem Funda- 
ment könnten sich Anten nicht besonders abheben. So vermuten sie, es handle 
sich um eine lüdorliche Eckbildung. Ferner sei die Cella zu kurz, und bei- 
spiellos der fast die Hälfte der ganzen Cella einnehmende Pronaos. « Um der- 
artige Abweichungen von der Regel als Thatsachen hinzunehmen, bedürfte es 
einer abermaligen Ausgrabung mit detaillirter, sach- und zeitgemässer Dar- 
stellung der Resultate ». Auch seien die Berichte nicht übereinstimmend. 

Letzterer Punkt ist nicht wesentlich und kann nicht die Glaubwürdigkeit 
derjenigen Tatsachen erschüttern, in denen beide Berichte übereinstimmen. 
Sogliano berichtet auf Grund vollständigerer Ausgrabung ; v. Duhn nennt 
bisweilen den Tuff « Lava ". Es steht vollkommen fest, dass die von v. Duhn 
und Sogliano verzeichneten Fundamente da sind (auch ich habe sie gesehen), 
und keine anderen. Unwahrscheinlichkeiten können dem gegenüber nicht in 
Betracht kommen. Die im Fundament ungleichen Anten waren natürlich über 
der Erde gleich. 

Mit Recht werden für die Front sieben Säulen angenommen. So ent- 
sprachen zwei den eben erwähnten Anten und zugleich, mit ihren Axen, den 
Kanten der Treppe. Den die 5,25 breite Treppe hinaufsteigenden boten zwei 
Intercolumnien von je 1,45 genügenden Zutritt unter das Pteron. Nehmen 
wir dagegen sechs Säulen an, so trat man nur durch ein Intercolumnium von 
1,93 ein; denn das noch der Treppe entsprechende Stück der nächsten In- 
tercolumnien, je 0,37, kam für den A''erkehr kaum in Betracht. Diese Erwä- 
gungen sind wohl kaum weniger zwingend, als wenn die Säulen erhalten 
wären. Uebrigens war die Restauration mit sieben Säulen schon vor Wei- 
chardt in meinem « Führer durch Pompeji » gegeben, auf Grund einer Skizze 
eines österreichischen Architekten, Herrn Fabiani, der diese seine zweifellos 
richtige Ansicht auch publiciren wollte, es aber meines Wissens nicht getan 
hat. Wo Fiorelli, den Weichardt citirt, sich in diesem Sinne geäussert hat, 
ist mir unbekannt. _ 

Die Verfasser erörtern endlich auch die Frage, wann der Tempel zer- 
stört und ob nach der Zerstörung hier ein kleines Heiligtum erbaut worden 
sei. Sie entscheiden sich, nach mancherlei Bedenken, für Zerstörung im 
Jahre 63 und halten für wahrscheinlich, dass die vermeintlichen Reste eines 
Wiederherstellungsbaues modern sind. In ersterer Beziehung haben sie viel- 
leicht Recht. Ich hatte früher (Overbeck* S. 86) die Zerstörung in republika- 
nische Zeit gesetzt, habe aber schon Mitth. VI, 1891, S. 263 die vermeintliche 
Tatsache, auf die sich dies Urteil gründete, berichtigt. So bleibt das Erdbeben 



128 A. MAU 

des Jahres 63 als die einzig wahrscheinliche Ursache der Zerstörung. Auffal- 
lend ist freilich die ausserordentlich starke Abnutzung des Fussbodens in dem 
nach der Zerstörung gebauten kleinen Heiligtum. 

An letzteres glauben nun freilich die Verfasser nicht. Man müsste, sa- 
gen sie, wegen der Fussbodenreste annehmen, die Reparatur habe sich auch 
über das Pteron erstreckt, dies aber sei bei dem zerstörten Zustande der Ein- 
fassung nicht möglich. Sie nehmen also an, dass der Fussboden im Wieder- 
herstellungsbau und der des Pteron zusammengehören und die Datirung des 
einen sich auch auf den anderen erstrecken müsse. Hierzu liegt aber kei- 
nerlei Nötigung vor. Die Verfasser sagen (S. 47), zwischen beiden sei ein 
Unterschied nicht zu erkennen. Aber das ist kein Beweis. Ein Signinum kann 
dem anderen sehr ähnlich und doch nicht gleichzeitig sein, und hier ist noch 
durch den Zustand des fast ganz in seine Bestandteile aufgelösten Pteron- 
fussbodens die Vergleichung unmöglich gemacht. Und eben diese weiter fort- 
geschrittene Zerstörung lässt eher auf höheres Alter schliessen. Der Fussbo- 
den des Pteron gehört zweifellos dem alten Tempel an ; es war auch vor den 
Ausgrabungen von 1889 vollkommen deutlich, dass er nur bis an die alte 
Cellamauer reichte. Davon aber ist die Frage nach der Entstehung des Fuss- 
bodens in der Cella unabhängig. Ihn für modern zu erklären, ist ganz unmög- 
lich, Soll also der Wiederherstellungsbau für modern gelten, so muss geleug- 
net werden, dass der Fussboden in seine Westecke hineingearbeitet ist und 
sie voraussetzt. Und dazu habe ich mich nach oft wiederholter Prüfung nicht 
entschliessen können. Zweifellos ist ferner der Fussboden an die bekannte 
runde Tuffbasis hinangearbeitet, also gemacht nachdem sie an diesen Platz 
gestellt war. Nun sind aber doch auch die Verfasser geneigt anzunehmen, 
dass diese Basis eine Säulentrommel des alten Baues ist. Und wirklich nur 
so erklärt sich ihre sonst ganz un- rhörte Form. Und wollte man dennoch die 
Basis dem alten Tempel zuschreiben, und annehmen, — da sie ja seitwärts 
der Axe steht — es hätten in diesem zwei Götterbilder auf zwei solchen 
Basen gestanden, so wäre auch noch geltend zu machen, dass dann die Götter- 
bilder näher der Vorder- als der Rückwand der alten Cella gestanden hätten. 
Ist aber die Basis erst nach Zerstörung des alten Baues an diesen Platz ge- 
kommen, so setzt auch der Fussboden die Zerstörung voraus und ist bewei- 
send für einen Wiederherstellungsbau. Ich kann mich diesem Zeugniss nicht 
entziehen, wenn ich auch die Schwierigkeit eines Baues ohne Fundamente 
vollkommen anerkenne. Es muss eben eine ganz provisorische Hütte gewe- 
sen sein. 

Pompeii, its life and art. Ry August Mau. Translated into English by 
Francis W. Kelsey. With numerous illustrations from original draw- 
ings and photographs. New York, The Macmillan Company 1899. 8. 

Nicht für Fachmänner, sondern für Gebildete weiterer Kreise wird hier 
der Stand der pompejanischen Forschung ira Jahre 1899 vorgelegt, auf Grund 
namentlich der Arbeiten der letzten 25 Jahre. Nur für wenige Punkte steht 
die ausführliche Begründung noch aus und soll so bald wie möglich in diesen 
Mittheilungen gegeben werden ; so für Baugeschichte und Reconstruction des 



LITERATUR UEBER l'OMI'EJf 129 

Macellum und die aus ersterer sich ergebende Vermutung Ober die Statuen 
der Kaiserkapelle ; auch für das auf S. 267 f. über cenaculum gesagte. Ein 
Fortschritt gegen frühere Darstellungen ist namentlich darin gesucht, dass, wo 
es möglich war, d. h. nur da, wo sich genügende Anhaltspunkte fanden, Re- 
constructionen der Gebäude gegeben sind. Diese sind zum grossen Teil in 
diesen Mittheilungen begründet worden; sie beruhen alle auf eingehenden eige- 
nen, den Tatbestand sorgfältig berücksichtigenden Studien. Rcconstructionen 
älterer Werke erwiesen sich nicht als brauchbar und sind ganz vermieden 
worden. Den Aufbau der Privathäuser hoffe ich früher oder später in aus- 
führlicher Darlegung zu begründen. — Illustration und Ausstattung sind von 
der Verlagsfirma in glänzender Weise besorgt worden. Die Uebersetzung, von 
einem gründlichen Kenner Pompeji's, ist tadellos. 
A. Mau, Der Fundort des Neapeler Doryphoros. In : Strena Helbigiana, sexa- 

genario obtulerunt amici a. d. IUI non. Febr. 1899. Lipsiae 1900. 

In diesem kleinen Beitrag zu der dem hochverdienten Gelehrten und 
früheren Sekretär unseres Instituts dargebrachten, viele wertvollere Beiträge 
enthaltenden Sammelschrift habe ich die Lösung einer Frage gegeben, die 
schwieriger schien, als sie war. Der scheinbare Widerspruch, daas der Do- 
ryphoros nach den Ausgrabungsberichten in der « Curia Isiaca » gefunden 
ist, doch aber sein Plinthus nicht in die Vertiefung der dort stehenden Basis 
passt, löst sich durch genauere Beachtung des in den Berichten gesagten 
einfach so, dass er nicht auf der Basis, sondern zu ebener Erde am Fusse 
einer Säule stand. Die einst auf der Basis stehende Statue ist nicht gefunden 
worden. 

O. E. Schmidt, Ciceros Villen. In : Neue Jahrbücher für Philologie und Pae- 
dagogik, Jahrg. II, 1890, Band. I. 

Abschnitt VII behandelt des Pompeianum. Der Verfasser hält es für 
wahrscheinlich, dass die wieder verschüttete sogen. Villa des Cicero diesen 
Namen mit Recht führt. Cicero sagt Acad. II 80, er könne von Bauli aus sein 
Pompeianum nicht sehen, wegen der zu grossen Entfernung, obgleich nichts 
dazwischen liege. Dies passt auf die drei vor dem Herculaner Thor liegenden 
Villen. Von diesen schliesst aber der Verfasser die oberhalb der Strasse gele- 
gene {Gasa delle colonne di musaico) aus, weil er aus Ad Attic. XVI 7, 8 
{haec scripsi navigans cum Pompeianum accederem) schliesst, dass Cicero's 
Villa eine Bootstation hatte, dieser aber die unmittelbare Verbindung mit 
dem Meere durch die links der Strasse liegenden Grundstücke gehindert werde. 
So bleiben also die- sogen. Villa des Cicero und die sogen. Villa des Dio- 
medes, von denen der Verfasser erstere vorzieht, weil sie höher liegt und 
leichter von Bauli aus sichtbar sein konnte. 

Die Stelle der Academica machte schon Romanelli ( Viaggio a Pompei, 
2. ed. 1817 S. 11) in demselben Sinne geltend. Sie passt auf einen grossen 
Teil des sich gegen den Vesuv hinziehenden Hügelrückens, namentlich auf 
seinen Westabhang, wo ohne Zweifel manche Villen lagen, deren Grundstücke 
sich ohne Schwierigkeit bis. an die Küste zwischen Pompeji und Torre Annun- 
ziata erstrecken konnten. Auch ist es doch wohl gewagt, aus jener Briefstelle 

9 



ISO A. MAU, LITERATUR UEBER POMPEJI 

auf eine Bootstation der Villa zu schliessen. Und schliesslich wissen wir 
doch gar nicht, wie weit nach Nordwesten sich das Gebiet von Pompeji er- 
streckte ; es ist durchaus nicht unglaublich, dass es die steile Küste nord- 
westlich von Torre Annunziata einschloss. Auf diese passen Cicero's Worte 
viel besser; denn streng genommen liegt doch eben diese Hfthe zwischen 
dem Strande von Bauli und den Villen an der Gräberstrasse. Und wenn auch 
vielleicht Cicero sich dies nicht so genau klar gemacht hat, so bleibt doch 
für die sogen. Villa Cicero's nur die ganz allgemeine Möglichkeit. Denn aller- 
dings auf Overbeck's Bedenken, dass die Lage an der Strasse mit der von 
Cicero gerühmten Ruhe streite, ist kein Gewicht zu legen. Dasselbe gilt 
natürlich für die Vermutung des Verfassers, dass die sogen. Villa des Dio- 
medes die Villa des Marius sei. 

A. Mau. 



LA PßETESA MAIA 

ERMA DEL MÜSEO NAZIONALE DI NAPOLI. 



lo non SO come 1' erma femminile conservata nel Museo Nazio- 
zale di Napoli col n. d' invent. 6393 sia stata creduta proveniente 
da Pompei, e in base a questa supposizione si sia pensato che fa- 
cesse pendant all' Hermes del tempio di Apollo e che rappresen- 
tasse Maia. Certo questo battesirao ha avuto X immeritato onore 
della stampa senza essere preceduto dal piü piccolo controllo. 

Bastava consultare gl' inventari del Museo, che tutti portano 
la provenienza farnesiana, equivalente a quella di Roma. Cosi 1' in- 
ventario attuale, cosi quello del principe di Sangiorgio iniziato 
nel 1848, cosi quello dell'Arditi cominciato nel 1821. 

Suir erma femminile era stata riportata in tempi moderni 
(come qualunque arcbeologo esperto avrebbe riconosciuto a prima 
vista, cfr. Purtwängler, Meisterwerke, pag. 371, nota 1, n. 8) una 
testa maschile del noto tipo dell'Apollo di Kassel. Ma le indagini da 
me fatte ci insegnano quando e dove e da chi fu eseguito il restauro. 

Nell'Archivio del Museo di Napoli si conservano le note di 
sculture consegnate allo scultore Carlo Albacini dalla Casa Farnese 
in Roma, per restaurarle e spedirle in Napoli. 

Dalla I^ota delle scolture delli Orti detti Farnesiani stralcio 
la seguente notizia: 

« In Gennaro 1789 si e riceuto da Carlo Albacini dodici teste 
« le quali erano dentro ä Nicchie in un Camerone detto della Piog- 
«t gia .... la duodeeima posta sopra un termine di donna che era 
« nella stanza detta del Toro, e spedito a Napoli . . . nell 1797 «. 

E nella Nota delle scolture che esistevano nell Capannone 
dove vi era ü Toro, si legge: 

« In Gennaro 1790 riceuto un Termine dove vi fu messa una 
« testa antica che esisteva alli Orti Farnesiani doppo ristaorata spe- 
« dita in Napoli nell 1791 »i. 



132 G. PATRONI, LA PRETESA MAIA ERMA DEL MUSEO ECC. 

La Vera data della spedizione e il 1791, mutato in 1797 per 
errore di scrittura. Ciö risulta dall' Inventario generale del Nuovo 
Museo e Fabbrica della porcellana di Napoli, del 1796, tratto da 
un manoscritto della biblioteca comunale di Palermo (4 Q 9. D 49) 
e pubblicato nei Documenti inediti per servire alla storia dei 
Musei d' Italia, vol. I, pag. 193: 

«221. Statua di una Cariatide a termine, alta con sua pianta 
« pal. 8 1^ e di eccellente scultura per 1' elegante partito di sue 
« pieghe, e del suo panneggiamento; fu ristaurata in Koma, con 
« essersi attaccata sulla riferita statua una testa antica degli Orti 
« farnesiani, con essersi fatta una porzione di braccio e mano destra, 
« varj tasselli nel panneggio, e porzione del termine della parte 
« inferiore; ed esiste nella Fabbr. di porc. di Napoli ». 

La corrispondenza di tutti i restauri qui indicati e delle 
dimensioni, toglie ogni dubbio sulla identificazione. 

II tempio di Apollo in Pompei fu scavato nel 1816-17; non 
e quindi permessa neppure 1' assurda ipotesi che la pretesa' Mala 
fosse stata trasportata a Roma per restaurarsi, e poi di nuovo a 
Napoli ; poiche d' altra parte la testa e dimostrato che proviene dal 
Palatino, e 1' erma, se non e noto in quäl parte di Roma fosse stata 
rinvenuta, figurava in gennaio 1790, e chi sa da quanto tempo, 
aceanto al Toro Farnese. 

Poco dopo la mia aggregazione all' üfficio direttivo del Museo 
di Napoli, feci togliere lo sconcio restauro, e la testa, che e una 
replica abbastanza buona del tipo dell'Apollo di Kassel, e ora 
esposta separatamente nel portico dei capolavori. 

L'erma e adunque senza dubbio di Roma e non di Pompei; 
in ogni modo, con assoluta certezza, non appartenne mai al tempio 
di Apollo. Quanto a riconoscervi Mala, madre di Hermes, viene 
meno ogni fondamento topografico e cronologico. 

Napoli, dal Museo nazionale, febbraio 1900. 

G. Patroni. 



DER TEMPEL DES VESPASIAN IN POMPEJI 



Eine Reconstruction des wahrscheinlich dem Vespasian oder 
seinem Genius geweihten (') kleinen Tempels an der Ostseite des 




Forums von Pompeji versuchte seiner Zeit Mazois. Seine Tafeln 
(IV 12-14), begleitet von einem wertlosen Text von Barre, geben 

(1) Mau, Osservazioni sul creduto tempio del Genio di Augusto, in 
Atti d. Acc. di Napoli XVI, 1892. 



134 A. MAU 

Grundriss, Kiiinenansicht, Längen- und Querschnitt sowie Aufriss 
der Fassade des restaurirten Tempels, endlich einige Details, von 
denen aber Mazois für die ßeconstruction keinen Gebrauch ge- 
macht hat. Neuerdings versuchte sich an derselben Aufgabe Wei- 
chardt, Pompeji vor der Zerstörung (Leipzig 1897) S. 95 ff. — 
Er giebt keine Durchschnitte und Aufrisse, sondern zwei perspecti- 
vische Ansichten des restaurirten Tempels, eine von vorn, die an- 
dere von der linken Seite, dazu einen ziemlich ausführlichen Text. 
Seine Restauration unterscheidet sich von der Mazois' im Wesent- 
lichen nur dadurch, dass er das Podium vor dem Tempel mit einer 
Brüstung versieht, auf die weiterhin zurückzukommen sein wird. 
In den Verhältnissen stimmen sie ziemlich überein ; bei beiden fällt 
auf die grosse Höhe und der starke Säulendurchmesser (etwa 0,50) 
bei der geringen Ausdehnung (kaum 5 m.) der Fassade. An einem 
so kleinen Bau möchte man eher ganz leichte und zierliche Formen 
erwarten. Besonders gefällig ist der Anblick nicht, auch nicht eben 
überzeugend. 

Erhalten ist am Tempel selbst ausser dem Mauerkern ein 
Teil der Marmorbekleidung an der linken Seite des Podiums, fer- 
ner an der Fassade ein niedriger sockelartiger Marmorstreifen von 
der linken Ecke bis an die Thür, endlich der unterste Teil des 
linken Thürpfostens. Im Hofe liegen zwei Gesimsfragmente ver- 
schiedenen Profils: ein grösseres, hoch 0,38 mit reichem Detail, 
und ein kleineres einfacheres, hoch 0,32 ; ferner ein Best eines 0,44 
hohen dreigurtigen Architravs und ein Säulenfragment von 0,51 
Durchmesser, mit ionischer Cannelirung. 

Diese Reste nun betrachtet Weichardt als zum Tempel gehörig 
und verwertet sie in seiner Restauration. Ob mit Recht, mag dahin 
gestellt bleiben. Dass sie jetzt, nachdem der Tempel lange Zeit 
als Magazin gedient hat, dort liegen, ist kein Beweis. Mazois 
zeigt im Vordergrunde seiner Ansicht Tafel 12 einige damals im 
Tempelhofe vorhandene Reste, aber diese sind nicht darunter. Das 
0,38 hohe Gesims und der Architrav können dem Tempel ange- 
hört haben. 

Den Säulendurchmesser von 0,51 glaubt nun freilich Wei- 
chardt noch anderweitig bestätigt zu finden. Vor die Front der 
Cella springt an jeder Ecke ein Pilaster vor, und am Fusse des 
Pilasters links ist der schon erwähnte sockelartige Ma,rmorstreif 



DER TEMPEL DES VESPASIAN IN POMPEJI 135 

erhalten. Er giebt uns, nach links um 0,15 vor die Seiteawand 
vorspringend, die Stärke des Pilasters, einschliesslich seiner Mar- 
morbekleidung, ganz unten am Sockel ; seine Oberfläche, mit einem 
kleinen Profil etwas zurückweichend, ist 0,52 breit. Weichardt 
schliesst daraus, der Pilaster sei 0,51 breit und also dies auch 
der Durchmesser der Säulen gewesen. Aber dies ist doch erst die 
Breite der den Plinthus des Pilasters vertretenden Platte; den 
Schaft können wir kaum für breiter als etwa 0,40 halten. Dies 
müsste also auch ungefähr der Durchmesser der Säulen sein. 

Freilich aber scheint sich der Durchmesser von 0,51 auf an- 
derem Wege zu ergeben. Die Mauern der Cella sind oder waren 
zu Mazois' Zeit reichlich 5 m. hoch erhalten, ohne Spur der Decke 
im Inneren oder der Befestigung des Incrustationsepistyls draus- 
sen. Die Säulen mussten also mindestens 5 m. hoch und, da eine 
Höhe von mehr als zehn Durchmessern unwahrscheinlich ist, min- 
destens 0,50 stark sein. Danach scheint also die Mazois- Weichardt- 
sche Reconstruction unvermeidlich. 

Und doch ist dieselbe ungemein unwahrscheinlich. Schon 
erwähnt wurden die schweren und massigen Verhältnisse, der 
übermässig monumentale Charakter des sich so ergebenden Baues, 
so gar nicht passend für den kleinen Tempel : auf eine Front von 
5 m. vier grosse Säulen von 0,50 Durchmesser. Sodann führt alles 
darauf, dass nicht alle drei Intercolumnien gleich, sondern das 
mittlere beträchtlich weiter war. Vor allem die Darstellung des 
Altarreliefs. Denn dass dieses das Opfer zur Einweihung eben dieses 
Tempels darstellt, dass der im Hintergrunde sichtbare viersäulige 
Tempel eben dieser ist, wird doch kaum jemand bezweifeln. Dieser 
aber zeigt deutlich das stark erweiterte Mitteljoch. Und wir dürfen 
gleich hinzufügen, er erscheint hier keineswegs als schwerer Mo- 
numentalbau, sondern zeigt die bei so kleinen Dimensionen allein 
wahrscheinlichen leichten und zierlichen Verhältnisse. Nun werden 
ja zwar auf Reliefs die Gebäude häufig sehr ungenau wiederge- 
geben. Aber grade hier, vor dem Gebäude selbst, wo gar kein 
Grund war, von der Wirklichkeit abzuweichen, ist doch die bild- 
liche Darstellung ein schwerwiegendes Zeugniss. Und bei der ge- 
ringen Entfernung der Säulen von der Front der Cella ist auch 
an sich Entsprechung mit den Thürpfosten sehr wahrscheinlich; 
fand diese nicht statt, so konnte aus dem Hofe wohl wer grade 



136 A. MAU 

vor der Mitte stand durch ein Intercolumnium von 1,0 in die Cella 
und auf das Cultbild blicken; für die auch nur wenig seitwärts 
stehenden war der Blick gesperrt. Nun ist aber bei einem Säu- 
lendurchmesser von mindestens 0,50 Erweiterung des Mitteljoches 
kaum möglich, weil dann die beiden Säulen jederseits allzu nahe 
an einander rücken ; bei einem der Thürweite entsprechenden Mit- 
telintercolumnium werden die Seitenintercolumnien kleiner als der 
Säulendurchmesser. So haben denn sowohl Mazois wie Weichardt, 
gewiss ungern, auf dies sonst so nahe liegende Motiv verzichtet. 
Gewiss mit Unrecht; vielmehr muss, da dies Motiv als fast ganz 
gesichert gelten darf, der Säulendurchmesser ein geringerer ge- 
wesen sein. 

Die nun einmal gegebene grosse Höhe mit einem verhältniss- 
mässig kleinen Säulendurchmesser zu vereinigen, giebt es nur einen 
Weg, nämlich die Annahme, dass die Säulen nicht unmittelbar 
auf dem Stylobat, sondern auf Postamenten standen ; so vermindert 
sich ihre Höhe und damit ihr Durchmesser beträchtlich. Dies 
Motiv finden wir in Pompeji noch in den Eingängen der beiden 
grossen Räume neben der Kaiserkapelle des Macellum, ferner in den 
auf den Wänden des Hausflurs der Casa del Fauno angebrachten 
Tempelfassaden; es ist auch anzunehmen für die obere Ordnung 
des Portikus vor dem Macellum. Sein Zweck izt eben dieser, einen 
im Verhältniss zur Höhe geringen Säulendurchmesser zu ermö- 
glichen. Es steht wohl nichts im Wege es auch hier anzunehmen. 
Alsdann können wir die Säulenhöhe auf etwa 4,0, den Durchmesser 
auf etwa 0,40 reduciren, wie er sich auch füi- den Pilaster ergab, 
und das nahe Zusammenrücken der Säulen jederseits der Mitte 
stösst auf keine ernstliche Schwierigkeit. 

Dazu kommt nun, dass wir zu eben dieser Annahme noch 
auf einem ganz anderen Wege geführt werden. 

Mazois giebt auf Tafel 15 als zum Tempel gehörig eine, mit 
Laubgewinde reich sculpirte Platte, die auch in seiner Ruinenan- 
sicht Taf. 12 im Portikus des Tempelhofes liegt. Am Ort ist sie 
nicht mehr vorhanden; es ist das Verdienst Weichardt's, sie im 
Hofe der Neapeler Museums wiedergefunden zu haben. Sie ist 1,62 
lang, 0,54 hoch, auf beiden Seiten gleich sculpirt und durchaus 
geeignet, als Füllung zwischen zwei Pfeilerchen oder Postamenten 
in einer Brüstung angebracht zu werden. So verwendet sie denn 



DER TEMPEL DES VESPASIAN I^ POMPEJI 137 

Weichardt für die Brüstung mit der er das Podium vor der Cella 
vorn und auf den Seiten bis zu den Treppen versieht. In der Tat 
ist es sehr wahrscheinlich, dass dies ihr Platz war. Es ist viel- 
leicht zu viel gesagt, wenn Weichardt meint, das Podium sei ohne 
Brüstung kaum zu denken; aber sehr erwünscht war sie gewiss. 
Wenn ferner Mazois, der bei der Ausgrabung zugegen war, das 
Stück für zugehörig hielt, so ist dies zweifellos ein sehr gewich- 
tiges Zeugniss. Und endlich : aus der Nähe des Tempels müsste es 
doch jedenfalls stammen ; aber weit und breit, in der ganzen Umge- 
bung des Forums, findet sich keine andere Verwendung. Eine solche 
Brüstung befand sich zwischen den oberen Säulen des Portikus vor 
dem Macellum, vielleicht auch vor dem Larenheiligtum und vor 
eben diesem Tempel ; aber dafür ist unser Stück viel zu klein. 

Ganz unmöglich aber ist die Art, wie Weichardt diese Brü- 
stung anbringt und gestaltet. Vier solche Stücke von 1,62 füllen 
nach ihm die Vorderseite so weit, dass noch für fünf kleine Po- 
stamente Platz bleibt. Da nun aber die Vorderseite 7,20 lang ist, so 
konnten die Postamente nur 0,14 breit sein, was doch wohl etwas sehr 
wenig ist bei dem schweren und vollen Ornamentmotiv der Platte. 
Und hätte es nicht näher gelegen, die Brüstung, den Interco- 
lumnien entsprechend, in fünf Teile zu teilen? Vor allem aber ist 
der Platz, den Weichardt der Brüstung anweist, schon anderweitig 
besetzt. Da stehen ja die Säulen. In Weichardt's Grundriss S. 96 
fehlt die Brüstung; in den perspectivischen Ansichten Fig. 122 
und Tafel treten die Säulen etwas vom Rande zurück und verläuft 
die Brüstung unmittelbar vor ihrem Fusse. Das ist aber doch ganz 
unmöglich ; nicht nur wird die Fläche vor der Cella in unge- 
bührlicher Weise verengt, sondern es ist auch unzulässig, dass die 
Säulen einer Fassade mit ihrem unteren Teil hinter einer Brü- 
stung verschwinden; Säulen mit einer Brüstung unmittelbar an 
ihrem Fusse sind ein ganz undenkbares Motiv. Sollte hier eine 
Brüstung sein, so gab es nur eine mögliche Lösung : man musste 
die Säulen auf Postamente stellen und diese durch die Brüstung 
verbinden. Und so sind wir denn auch von dieser Seite wieder bei 
dem Motiv angelangt, das sich uns schon aus der grossen Höhe 
im Verhältniss zur Fassadenbreite ergab. 

Nehmen wir nun an, dass die Säulen auf etwa 1 m. hohen 
Postamenten standen und jene Platte der sie verbindenden Brü- 



188 A. MAU, DER TEMPEL DES YESPASIAN IN POMPEJI 

stung angehörte, so ergeben sich zunächst aus dem nun viel ge- 
ringeren, auch dem Pilaster entsprechenden Säulen durchmesser, 
etwa 0,40, die an sich wahrscheinlichen leichten und zierlichen 
Verhältnisse. Weiter aber erweist sich nun die durch das Relief 
bezeugte und an sich wahrscheinliche Erweiterung des Mitteljoches 
nicht nur als möglich, sondern als notwendig. Denn bei gleichen 
Intercolumnien ist jedes derselben zu klein für die Platte, um 
deren Unterbringung es sich hier handelt, während sie in ein 
erweitertes, ungefähr der Thür entsprechendes Mittelintercolumnium 
trefflich hineinpasst. Beistehende Reconstruction zeigt, denke ich, 
hinlänglich, dass die so sich ergebende Gestalt des Tempels ge- 
fälliger und überzeugender ist, als die Restaurationen von Mazois 
und Weichardt. Gegen sie könnte nur vielleicht geltend gemacht 
werden, dass das Ornament der Mittelplatte nicht in ganz analoger 
Weise auf den vier kleinen Platten zwischen den Postamenten 
rechts und links entwickelt werden konnte. Diese müssen also 
etwas anders behandelt gewesen sein; sie konnten etwa eine Ro- 
sette enthalten. Keinenfalls kann eine so geringe Schwierigkeit 
gegenüber den oben entwickelten, fast zwingenden Erwägungen 
irgend welches Gewicht haben. 

A. Mau. 



AMOREN ALS OELFABRIKANTEN. 

Eine Abteilung des bekannten Amorenfrieses im Hause der 
Vettier in Pompeji ist von mir (Mitth. XI, 1896, S. 75) und 
Sogliano {Mon. ant. d. Lincei VIII, S. 352 ff.) verschieden erklärt 
worden. Ich fand in ihr Fabrikation und Verkauf des Oeles dar- 
gestellt, Sogliano meint, dass die Amoren hier vielmehr als Aerzte 
erscheinen, die freilich das für ihre Zwecke erforderliche Oel selbst 
fabriciren. Ich würde schwerlich auf die Frage zurückkommen, 
wenn ich nicht a. 0. eine, uni zwar die entscheidende Figur falsch 
erklärt und dadurch versäumt hätte, der irrtümlichen Auffassung 
Sogliano's vorzubeugen. 

Diejenigen Figuren und Gruppen, die die Fabrikation des 
Oeles darstellen, geben natürlich keine unwidersprechliche Ent- 



AMORKN ALS OEI.FABRIKANTEN 189 

Scheidung. Höchst unwahrscheinlich aber ist es doch, dass die 
Aerzte das ihnen nötige Oel vom Pressen der Oliven an selbst 
bereiten sollen, und zwar in demselben Raum, wo sie Kranke 
empfangen, und dass in einem Bilde, dessen Gegenstand die Tä- 
tigkeit der Aerzte ist, mehr als die Hälfte des Raumes und der 
Figuren dieser nebensächlichen Beschäftigung gewidmet sein soll. 
Ich unterlasse es, dies weiter auszuführen ; dass hier die Fabri- 
kation des Oeles dargestellt ist, darüber ist ja keine Meinungs- 




verschiedenheit. Diese beginnt erst da, wo ich den Verkauf des 
Oeles, Sogliano die Verabreichung der Medicinalien erkennt. 

Von rechts beginnend sehen wir da zuerst einen vierfüssigen 
offenen Kasten, aus dem ein dahinter stehender Amor so eben 
eine bauchige Flasche entnommen hat. Auf dem Kasten liegt eine 
grosse Wage, zu gross für eine Medicinalwage, und eine grosse 
Papyrusrolle, in der Sogliano eine Receptsammlung erkennt. Es 
kann aber auch eine Anweisung zur Bereitung parfümirter Oele 
sein, oder Rechnungen, oder sonst etwas uns unbekanntes. 

Dann folgt ein hoher Schrank, mit offenstehenden Flügel- 
thüren. Man erkennt mehrere Abteilungen, in denen Flaschen und 
Gefässe stehen, in der obersten eine Statuette, nach Sogliano an 
einen Dreifuss gestützt in der Haltung des Apollino. Letzteres ist 



140 A. MAU 

nicht genau: die Figur legt nicht den Arm auf den Kopf, son- 
dern erhebt die r. Hand in die Höhe des Ohres. Es ist also viel 
eher das Motiv der ein Gewand über die Schulter heraufziehenden 
Aphrodite des Alkamenes. Dass die Stütze grade ein üreifuss 
sei, kann bei den kleinen Dimensionen und der nur andeutenden 
Malweise nicht behauptet werden. Hier also Apollo als Heilgott 
zu erkennen ist nicht tunlich, und es steht nichts der Annahme 
im Wege, dass die Flaschen in dem Schranke parfümirte Oele 
enthalten. 

Entscheidend war wohl für Sogliano's Auffassung die aus di-ei 
Figuren bestehende letzte Gruppe links. Eine Psyche, offenbar eine 
Dame, sitzt auf einem Sessel ohne Lehne ; hinter ihr steht in steifer 
Haltung ihre Dienerin, den Fächer auf der Schulter. Ihr gegenüber 
steht ein nackter Amor, der unter dem 1. Arm ein Gefäss hält, 
aus dem er mit der Rechten, mittels eines Löffels, eine Flüssigkeit 
entnommen hat. Ich erkannte in ihm den Oelverkäufer, Sogliano 
den eine Medicin darreichenden Arzt. 

Vollständige Nacktheit grade des Arztes ist einigermassen 
auffallend, da doch sonst in diesen Bildern Bekleidung nicht aus- 
geschlossen ist. Die entscheidende Figur aber ist die sitzende ver- 
meintliche Patientin. Nach Sogliano sitzt sie in schmerzlicher 
Haltung, auf einen Stock gestützt. Letzteres nahm auch ich an. 
Nun ist es zunächst gradezu unglaublich erstens dass eine an 
schmerzhafter Krankheit leidende Dame des Ranges wie die hier 
dargestellte zum Arzt geht, statt ihn rufen zu lassen, zweitens 
dass dieser sie auf einen lehnelosen Sessel setzt und als Stütze 
ihr nur einen Stock zu bieten hat. Vor "allem aber beruht grade 
dies letztere Motiv auf Irrtum. Bei der ganzen Haltung des Ober- 
körpers müsste der Stock auf der rechten, dem Zuschauer zuge- 
wandten. Seite der Schenkel stehen ; hier aber ist bei vollkommener 
Erhaltung ganz sicher, dass er nicht vorhanden ist. Ferner geht 
aus der Haltung des mit gesenktem Ellbogen dicht am Körper 
anliegenden rechten Oberarmes, so wie auch aus seiner deutlich 
ausgedrückten Muskulatur zweifellos hervor, dass die Hand mit der 
Fläche nach oben gehalten ist. Und trotz der nur andeutenden 
Ausführung ist dies auch an der Hand selbst hinlänglich deutlich. 
Damit ergiebt sich ein ganz anderes Motiv: die rechte Hand 
stützt den gehobenen linken Unterarm, auf den sich die Nase 



AMOREN ALS OELFABRIKANTEN 141 

senkt: Also die Dame ist gekommen, um einen Parfüm zu kaufen. 
Sie prüft den Geruch, indem sie einen Tropfen auf ihr linkes 
Handgelenk reibt. An Anstrengungen wenig gewöhnt verteilt sie 
die Mühe des Hebens auf beide Arme, indem sie den linken 
Unterarm mit der rechten Hand stützt. 

Die Deutung auf Aerzte ist mit dieser doch wohl zweifel- 
losen Erklärung vollständig ausgeschlossen. Die kleine Gruppe, 
so verstanden, ist wohl das reizendste Genrebild in diesem gan- 
zen Cyclus ('). 

Von E. Petersen werde ich darauf aufmerksam geinacht, dass 
meine Auffssung bestätigt wird durch die entsprechende Gruppe 
des aehnlichen Amorenfrieses im Hause VII 7, 5 (Sogliano 401), 
publicirt von Trendelenburg Arch. Zeit. 1874 Taf. 3, 2^ aber 
S. 46 nicht richtig erklärt. Es sind dieselben Figuren : Verkäufer, 
Käuferin und Dienerin, letztere in der gleichen Haltung mit dem 
Fächer, der in der Abbildung irrtümlich zu Flügeln geworden ist. 
Aber der Verkäufer ist hier eben beschäftigt, der sitzenden Käu- 
ferin den Parfüm auf den vorgestreckten rechten, vom linken un- 
terstützten Unterarm zu streichen. Es ist also ein früherer Moment 
dargestellt als in unserem Bilde. Die Figuren sind noch jetzt 
einigermassen kenntlich, Einzelheiten aber nicht zu unterscheiden. 
Petersen bemerkt mit Recht, dass solche Variationen auch deshalb 
wichtig sind, weil sie die Selbständigkeit der Maler gegenüber 
ihrer Vorlage beweisen. 

A. Mau. 



(1) Uebrigens war das ganz entsprechende Bild eines ähnlichen Amoren- 
frieses, von dem sogleich die Rede sein wird, fragend schon von Schreiber auf 
aerztliche Praxis bezogen, indem er der in seinem Kulturhistor. Bilder-Atlas 
LXXn 7 wiederholten Scene die Unterschrift gab: Amoren in der Apotheke (?). 



VARIA 



I. Die Marathonische Bronzegruppe des Pheidias. 

Von der grossen Bronzegruppe, welche die Athener aus dem Ma- 
rathonischen Zehnten nach Delphi weihten, ist bei den Ausgrabun- 
gen der Franzosen auch nicht ein Stein (*) vom ßud^Qov — andres 
als dieses konnte man zu finden natürlich sich nicht versprechen — 
gefunden. Wir bleiben also vornehmlich auf Pausanias (^) angewie- 
sen, und was ich über dies viel besprochene Werk zu sagen habe, 
sei mir erlaubt als thatsächlich zu erzählen, obgleich es Hypothese 
ist, die thatsächlichen Stützen der Hypothese aber in Anmerkungen 
beizubringen. 

Das Werk des Pheidias {^) bestand aus einer dreifigurigen 

(1) Vgl. Homolle im Bull. corr. hell. 97, 398. 

(*) Pausanias X, 10 sagt Tw ßdS-Qu) di tm vno toV innoy rov Sovqhov 
[tJjJ], i/rLygafiixa fxiy iarit/ ctno dsxätt]? tov MagaS^iovlov SQyov XE&fjvui tag 
dxövag' (A) etal (nicht »Jarer!) 6e ^A(^r]yä je xal 'AnoXktoP xal dvrJQ XiHv otqu- 
xr]yi]aävT(av MiXttccöt]? • (B) ix de rdif rjoojtau xaXov/nsyoji^ '£^e/.9ei;'? re xai 
KexQotp x(d TlavÖKüv, ovtoi /hei' &i] xcd yistog re xul 'Avtioxog o ex MTJ'fag . . _ 
(C) ETI <fe AtyEvg xs xal nai&iov xdiv QrjaEMg ^Axäfxag, ovxoi fiiv xai (pvAaTg 
'A9ijyT](tiy oföfiata xnid fxäyxEVfxa Etfoaca' x6 ix Ae'Aqxar ' 6 ds MsXciv^ov KöÖQog 
x(d Otjasvg xai ^vXsvg (besser 4'ikaiog) eti (?), ovzoi de ovxhi xiuv inoivvfKDV 
elai • xovg fiSf dtj xuTEiXEy/iEvovg 'Psidiag Enoirjas xal dXtji^eT X6yu> dexätt) xal 
ovtoi xijg f^ä^rjg Eiaiv. 'Avxlyovov öe xal xoi' naida Jrj/irjzqiov xal JlroXEfiaiov 
xoy Aiyvntiov xqövw vaxegoy dniareiXay ig JeX(povg. . . Frazers ( Commentary) 
Annahme, dass zu Pausanias' Zeit die Statuen schon verschwunden gewesen 
wären, hat an dessen Worten keinen Anhalt; denn nicht von den Inschriften 
sondern von den eixöfeg gilt sein Eiaiy u. s. w. 

(3) Dem Pheidias hat Furtwängler M. W. S. 55 die Gruppe abgespro- 
chen. Die Gründe, die gegen das Zeugniss des Pausanias geltend gemacht 
werden, sind (vgl. Robert, Marathonschlacht 5, 4) ebenso schwach wie das 
Zeugniss stark. Dasselbe ist in der That aussergewöhnlich genau, indem es, 



I 

VARIA. I, UIK MAKATHONISCHK BRONZEGRUPHK DES PHEIDIAS 143 

Mittel gruppe: Miltiades zwischen Athena und Apollon('); daran 
schlössen jederseits fünf Heroen an, sieben von den Eponymen, drei 
andere. Athena, deren Land und Heiligthümer durch Miltiades, 
den Führer und Vertreter ihres Volkes befreit worden war, kränzte 
den Sieger in Delphi, in Gegenwart ApoUons, des Gottes, dem 
das Werk von den Athenern geweiht worden war; die Kränzende 
stand rechts, der Delphische Gott als Zeuge links (2), Miltiades 
in der Mitte (3). 



mit Beziehung auf das Epigramm an dem ßä&gov, Ort Zeit und Anlass der 
Stiftung, Stoff und Meister des Werkes angiebt, Figur für Figur benennt und 
endlich nachträgliche Zufügungen vom ursprünglichen Bestände unterschei- 
det. Der Hauptgrund, das Werk dem Pheidias abzusprechen ist, dass dieser 
noch zu jung gewesen sei zu der Zeit da das Werk als Zehnter habe ausge- 
führt sein müssen. In der angezogenen Schrift von Ziemann, de anathematis 
graecis ist aber nirgends erwiesen, dass die Zehnten den Göttern alsbald ent- 
richtet wurden. Es ist das sogar für den Marathonischen bei dem baldigen 
Fall des Miltiades durchaus unwahrscheinlich ; erst in der Zeit da Kimon auf 
der Höhe war, ist diese Form der Gruppe m. E. denkbar. 

(1) Die dreifigurigen Gruppen sind bekanntlich viel älter als Pheidias, 
und sehr verschieden nach dem Grade der Bewegung und der künstlichen 
Verflechtung der Figuren, auch noch diejenigen die dem Pheidias zuzuschrei- 
ben sind. Vgl. Rom. Mitth. 92, 71 und 99, 154. Zu den feierlicher, ruhiger ge- 
haltenen, die Puchstein, Jahrb. 90, 112 ff. allein als Pheidiasisch gelten lassen 
will, zählte derselbe gewiss mit Recht auch die Miltidiadesgruppe und andre, 
wie die der Nemesisbasis, die mit einer andern Figur als Helene — könnte 
es noch wenigstens Nemesis selbst sein! — in der Mitte, trotz Pallat 
(Jahrb. 97, 1) und Rossbach (Roschers Lex. III 152) schwer annehmbar scheint. 

(*) Stand das Marathonische Anathem, wie Bulle und Wiegand im Bull, 
corr. hell. 98, 333, zu erweisen suchen, und Homolle selbst ebda 572 ff., ent- 
gegen seiner früheren Ansetzung, ebda 97, 397 ff., anzunehmen geneigt ist, 
nördlich vom Wege, so würde diese Stellung der Götter sehr gut der jedem 
Besucher jenes Ortes unmittelbar im Gefühl liegenden Orientierung Athens 
gegen Delphi entsprechen. 

(3) Miltiades, der einzige Sterbliche, die einzige das eqyop MaQ«9^Mviov 
darstellende Figur, gehört selbstverständlich in die Mitte ; und ebenso selbst- 
verständlich ist er in der classischen Form der Ehrung gekränzt worden. Athena, 
die ihn, natürlich mit der Rechten, kränzt, muss deshalb rechts gestanden ha- 
ben; und wie Pausanias rechts bei ihr beginnt, um vor dem Sterblichen dann 
erst den ihr gegenüberstehenden Gott zu nennen, so nennt er, danach zu den 
Figuren an den Seiten übergehend, auch erst die Heroen des rechten Flügels. 
Der Dreitheilung der Gruppe, die in Anm. 2 S. 142 durch ABC markiert ist, 



144 K. PETERSEN 

Es reihten sich an Athena all ihre speciellen Schützlinge und 
Hausgenossen Erechtheus und Kekrops, ferner Pandion, Leos und 
Antiochos ; an Apollon das Geschlecht des Theseus in drei Gene- 
rationen: zunächst Aigeus, dann dessen Enkel Akamas, weiterhin 
zwischen Kodros und Philaios (mit Curtius, Akad. Abh. II 366) 
noch Theseus, wie es die in eine Reihe gestellten Namen, deren 
officielle Folge die Ziffern (eingeklammert die fehlenden) anzeigen, 
noch besser verdeutlichen werden. Miltiades, Strateg der Oineis, 
vertritt diese Phyle, Philaios, der zum Athener gewordene Sohn 
des Aias die Aiantis und, wo diese bei Marathon gestanden hatte 
nämlich auf dem rechten xsQag, da stand auch das Bild des Phi- 
laios in der Gruppe. Kodros, aus dem Poseidonischen Geschlecht 
der Neliden, vertritt die Hippothontis, Theseus repraesentiert ganz 
Athen. Die Zahlen lassen sogleich erkennen, das die gewählte Anord- 
nung eine Verquickung der officiellen Pylenreihe mit einer poe- 
tisch künstlerischen ist. Dabei ist zugleich die engere Verbindung 
einzelner Figuren, wenn Pausanias sie durch ti xaC angedeutet 
haben sollte, durch Klammern ausgedrückt: 

(9) (8) 5 2 (6) 1 7 3 4 10 

Phi. The. Ko. Ak. Ai. ] Ap. Mi. Ath. \ Er^Ke. Pa. Le. An. 

Später liessen die Athener noch die Standbilder des Anti- 
gonos und Demetrios und Ptolemaios dazustellen, vermuthlich auf 
eine Erweiterung des ßd^qov ('). 



passt sich der rhetorische Bau seines Satzes an, und auch die Gleichheit 
der beiden Flügel spiegelt sich im Satzbau: 

B : . . röiv rjQiätav xuX. 'Eq. r. x. K. x. 11. ovtoi fiey tfij x. A. r. x. A. 

C : . . ixt Sh ''A. r. x. A. . . . ovroi . . 6 6e. K. x. 0. x. #. 

(*) Es war eine die Kritik discreditierende Methode, die aus zwei will- 
kürlichen Voraussetzungen, deren eine direkt, die andre indirekt Pausanias 
widersprach, auch an sich Unhaltbares folgerte, um darauf schliesslich eine 
nichtige Conjektur zu bauen. Von jenen Voraussetzungen war die eine die, 
dass alle Statuen auf dem ursprünglichen Bathron gestanden hätten (Sauer Anf. 
d. stat. Gruppe 18, Loewy, sopra il donario maratonio degli Ateniesi a Delfo 
in Studi ital. di ßlol. dass. V 34; die andre (Curtius, Weihgeschenke Ges. 
Abh. II 365 ; Sauer, Loewy) die, dass von den zehn Eponymen nicht drei, näm- 
lich Oineus, Hippothon, Aias hätten fehlen, bez. durch andre ersetzt sein 
können ; wobei man zuerst (Curtius, Sauer) gar nicht gewahr wurde, dann 



VARIA. I, DIE MARATHOMSCHE BRONZEGRUPPE DES PHKIDIAS 145 

Von dem Apollon dieser Reihe ist eine Copie in der Statue 
des Thermenmuseums erhalten (*), von der Athena eine Umarbei- 
tung in der Lemnia. Beide stehn hier auf S. 148 f., leider nicht 
ganz gleichmässig verkleinert. 

Der Apoll wird als ein Werk etwa aus der vierten Dekade 
des fünften Jahrhunderts erkannt an seinem Stil, besonders dem 
der Haare; einen dem Polygnot nahestehenden Künstler verräth 
die Grossartigkeit der Formen und die vornehme Ruhe der Hal- 
tung, merkwürdig übereinstimmend mit dem berühmten Krater 
von Orvieto (-), dem besten Repraesentanten Polygnoti sehen Stils ; 



(Loewy) mit nichtigem Einwand abzuthun meinte was schon Göttling sah, 
dass Tansanias ausdrücklick bemerkt, von den Heroen sei nur ein Theil dar- 
gestellt, im ganzen sieben ; statt der übrigen drei andre, (nämlich Philaios (?) 
Kodros und Miltiades selbst ausser Theseus), durch die vertreten zu sein gewiss 
keine der Phylen übelnahm ; worüber absprechen zu wollen, gegen antikes 
Zeugniss, mir unmöglich scheint. Aus jenen falschen Vorraussetzungen ge- 
winnt man dann, statt der zwanglos sich an den centralen Miltiades anrei- 
henden zwei Götter und 2X5 Heroen, sechzehn (Loewy), oder gar neunzehn 
Figuren (Sauer). Wahrhaft erstaunlich ist es weiter zu sehn, wie man Mil- 
tiades Centralstellung und auch die Kränzung als nicht überliefert verwirft 
und es eine disposizione ottima findet, wenn die beiden Götter in der Mitte 
der Sechzehn gestanden hätten, Miltiades, der duriQ, bei den Heroen, sieben 
der Eponymen an der einen, drei an der andern Seite, und diese unglaub- 
liche Composition noch dadurch verschlechtert, dass man hinterher die 
Kränzung doch beibehält und einen der Götter sich mit dem Kranze seit- 
wärts zu Miltiades wenden lässt. Und dies Gebäu wird gekrönt mit der über- 
raschenden Conjektur, dass Antigonos, Demetrius und Ptolemaios niemand 
anders gewesen wären als die drei fehlenden Eponymen, nur ^etsniysyQnfx- 
[isvot. Also jetzt nehmen die drei Phylen, die vorher nicht einmal durch Phi- 
laios u. s. w. vertreten zu sein sich begnügten, sogar an der Beseitigung ihrer 
Heroen keinen Anstoss; und die rasierten Fürsten nicht an ihren seltsamen, 
theilweise (wie Aias) gewiss vollbärtigen Porträts. Freilich, wenn Pausanias 
von der Maskerade nichts merkte, brauchten die andern sie ja auch nicht zu 
gewahren. 

(1) Vgl. Rom. Mitth. 91 S, 377 f. Taf X XL Photographien von Ander- 
son. Helbigs Einwände (Führer II n. 1069) erledigen sich leicht, namentlich 
durch die von ihm übersehene Replik s. Anm. 10 ; so namentlich die Leugnung 
des Bogens in der Linken, dessen Spur Heibig nicht ordentlich angesehn zu 
haben scheint: das Ende ist grade so wie an Apolls Bogen auf dem Krater 
Anm. 2. Auch sein technischer Einwand ist hinfällig: sowohl bei der Athena 
Giustiniani wie bei dem Meleager des Vaticans war die Lanze ganz aus Marmor. 

(*) Der Orvietaner Krater Mon. ined. d. I. XI 38 f. als Polygnotisch, 

10 



146 E. PETERSEN 

Pheidias ferner wurde erkannt an der üebereinstimmung mit 
dem Zeus von Olympia in den Nackenlocken, dem Schädelumriss 
(in der Seitenansicht) und in dem wunderbar gnädig freundlichen 
Gesichtsausdruck, der, ohnegleichen, die beste Veranschaulichung 
dessen ist was die Alten im Antlitz des Zeus sahen, Apollo giebt 
sich zu erkennen durch den Bogen den die Rechte hielt und den 
Lorbeer den die Linke aufstützte (^) ; und dass er endlich als Zeuge 
eines Vorgangs dasteht, offenbart uns die starke Seitenwendung des 
Kopfes (2) und eben der Ausdruck seines Gesichts. 

Eine ganz entsprechende Wendung, nur nach der entgegenge- 
setzten Seite, ihrer rechten, macht Athena {^). zu ihrem Schütz- 
ling hin, der wohl um eines Kopfes Höhe kleiner sein konnte als 
die Götter und doch ungefähr noch lebensgross (^). Auch sie hat 
in der äusseren Hand ihre Waffe, die aufgestützte Lanze, wie Apoll 
den Lorbeer: wie der Bogen in der Rechten, so ist die Lanze in 
der Linken, ausser Gebrauch; und friedlich zeigt sich die Göttin 
auch durch die schräg gelegte Aigis und das unbewehrte Haupt. 



und zwar mehr als andre, jetzt wohl allgemein anerkannt. Man vergleiche 
namentlich auf 38 die drei Figuren links, speciell auch wegen der Nacken- 
locken. 

(1) Dafür ist von grosser Wichtigkeit die Wiener Bronzestatuette, bei 
K. V. Schneider, Album Taf. XXVII mit S. 11, die meine frühere Meinung: 
Apollo habe die Hand auf Miltiades Schulter gelegt, trefflich corrigiert; denn 
der Gott hielt hier den Lorbeer mit der Linken aufgestützt wie er ihn so oft 
hält, wo er als Zuschauer zugegen ist, am correktesten natürlich in Delphi 
selbst. Seine hängende Rechte hielt also nicht, wie Heibig (s. Anm., S. 145) 
meinte, den Zweig sondern den Bogen, wie v. Schneider nach der Handhaltung 
wahrscheinlich findet, ich an einer Spur am Marmor erkannte. Derselbe v. 
Schneider stimmt auch der Zurückführung auf Pheidias zu. 

(*) Für diese vergleiche man z. B. die Mittelfiguren der beiden Giebel 
des Zeustempels in Olympia. 

(3) Die ' Lemnia ' zu acceptieren sträubte ich mich lange, theils weil 
mir der Kopf zu klein erschien, — darin stimmt jetzt der Apollo überein — 
noch mehr wegen der für ein Einzelbild, wie mir schien, schwer begreiflichen 
Kopfwendung. Gegen die zuletzt von Studniczka abgewogenen Gründe (Arch. 
Anz. 99, 134) war indessen nicht wohl aufzukommen, und meine Hauptbe- 
denken sind durch obige Combination vollends geschwunden. 

(*) Miltiades mochte 1. 75 hoch sein. Die Maasse der Götter stimmen 
so genau wie man verlangen kann: m. 1,97 misst Athena über der Plinthe, 
Apollo etwas mehr (bekanntlich mit einer Ergänzung der Unterbeine) die 
Gesichtshöhe beträgt bei beiden 180 cm., die Augenweite 110. 



VARIA. I, DIE MARATHONISCHK BRONZEGRUPHE DES PHEIDIAS 147 

Statt des Helmes trägt sie die Siegesbinde, wie sie auch selber den 
Helden kränzt mit dem Zweige, den sie, wie man denken mag, von 
ApoUons Lorbeer brach. 

Aber die Lemnia ist nicht selbst die Athena der delpKischen 
Gruppe: von andrem zu schweigen, ist die Bildung ihres Haares 
zwar in grader Linie abstammend von derjenigen am Apollon, aber, 
auch wenn wir die rasche Entwickelung eines grossen Meisters in 
Rechnung bringen, werden wir kaum weniger als ein bis zwei De- 
cennien zwischen einem und dem andern Werk verflossen denken (^). 

Als um das Jahr 450 attische Kleruchen unter Perikles nach 
Lemnos auszogen und sich dort ansiedelten, oder vielleicht als sie 
dort schon glücklich Fuss gefasst hatten, da weihten sie auf die 
heimathliche Akropolis ein Bild Athenas, das von ihrer neuen Hei- 
math Lemnia genannt wurde und von ihrer einzigen Schönheit einen 
andern Namen bekam, den uns die Ueberlieferung vorenthalten hat. 

Nun war dieselbe Insel Lemnos rund ein halbes Saeculum 
früher von Miltiades, dem nachmaligen Sieger von Marathon erobert 
und mit attischen Ansiedlern besetzt worden {^). Zur Erinnerung 
dessen Hessen die neuen Lemnier ihrem für die Akropolis bestimm- 
ten Athenabilde eben die Gestalt geben, in welcher sie in Delphi 
Miltiades kränzend dem Apollo gegenüber und von den attischen 
Landesheroen umgeben stand. Es war aber nicht die Art der noch 
blühenden, geschweige denn der in gewaltigstem Aufschwung be- 
griifenen griechischen Kunst, sich archaeologisch genau zu wieder- 
holen: die Lemnia des Pheidias war bis auf den Kranz dieselbe 
wie die delphische, aber sie verleugnete nicht die Fortschritte die 
der Meister in der Zwischenzeit gemacht hatte ; ja um Kimons und 
seines Vaters willen, den der Knabe einst jubelnd als heimkeh- 
renden Sieger begrüsst haben mochte, bot er sein bestes Können 
auf, sie mit Schönheit zu schmücken. Stand die delphische Athena 
neben dem Marathonssieger, so erhielt die Lemnia ihren Platz 

(1) Die nahe Verwandtschaft der Lemnia mit dem Apollon ist namentlich 
von Furtwängler anerkannt; von demselben aber auch die fortgeschrittene 
Haarbehandlung an der ersteren trefflich gewürdigt, M. W. 77, vgl. 23. 

(2) Herodot. VI 140 Vgl. Busolt Gr. Gesch. IP 531 über die Eroberung 
des Miltiades ; III 414 über die Kleruchie unter Perikles. Die von ihm unge- 
fähr zur selben Zeit bemerkte Herabminderung des Tributs um die Hälfte war 
vielleicht der Hauptgrund der Stiftung. 



148 



E. PETERSEN 



neben der grossen elieroen (') Athena, dem ugiartTov, wie Pausa- 
nias mit gewiss nicht selbst gemachter Wendung sagt cnd Mrjdwv 




Fig. 1. 



(1) Die Grosse Athena hin ich immer noch geneigt mit Lange und Purt- 
wängler MW. 51 ff. verkleinert copiert zu sehen in dem Torso Medici und den 
so glücklich von P. Herrmann (Jahreshefte 99 II 155 ff.) nachgewiesenen 
zwei Statuen in Sevilla, einer sogar mit ihrem Kopf. Ich halte also den Torso 
Medici, den ich übrigens nur in Gips kenne, nicht für original, vor allem 
nicht wegen des bei Copien von Gewandfiguren auch sonst öfter beobachteten 



VAKIA. I, DIE MARATHONISCHK BRONZEGRUHPE DES PHEIDIAS 



149 



Twv sg MaQaihmva aTToßdvTMv; neben der vollgerüsteten Burg- 
hüterin, sie eine schon nach dem Kampfe feiernde, die um das 




Fig. 2. 



einseitigen Bemühens um die Faltentiefen, hinter denen schliesslich die Kör- 
perform fehlt, wie hier von der linken Hüfte abwärts ; ich glaube ferner ihn 
wie die andern Copien nicht nach Marmor sondern nach Erz gearbeitet. Die 
Verkleinerung auf etwa die halbe Originalgrösse ist, denke ich, so wenig un- 
erhört wie in anderen Verhältnissen. Furtwänglers neuere Hypothese über den 
Torso Medici, Intermezzi S. 17 und Münch. Sitz.-Ber. 98, 367 scheint nirgends 



150 E. PETERSEN 

Haupt die Binde, um die Brust die schräge Aigis trägt, ohne Schild 
und die Lanze in der Linken. Statt der Kranzes aber, mit wel- 
chem die Delphierin Miltiades schmückte, hielt die Lemnia den 
Helm (^), der so abgenommen, als ein weiteres Symbol beendeten 
Kampfes verstanden werden kann, aber wie ihn die Göttin sinnend 
betrachtet, auch noch anders verstanden werden will. Nothwendig 
müssen unsere Gedanken eben dadurch nach Lemnos zurückgelenkt 
werden, wo die Stifter des Bildes eine neue Heimath gefunden hatten 
in der ältesten des kunstfertigen Schmiedegotts. Diesen waren sie 
ja in ihrer attischen Heimath mit Athena zusammen zu feiern von 
altersher gewohnt gewesen, beide Lehrer aller Kunstfertigkeit, und 
doch Athena, wie es scheint, von Hephaistos mit ihren Waffen aus- 
gestattet. Auf einem römischen Sarkophag schreiten beide auf Pe- 
leus und Thetis zu, dem Paare ihre Gaben bringend: Hephaistos 
Schild und Schwert, Athena den Helm den sie ähnlich wie die 
Lemnia in der Rechten hält. In einem attischen Relief (^') das nur 
ein bis zwei Generationen jünger als die Lemnia, reicht Hephaistos 
der Athena den Helm, und als ein Geschenk von ihm, einen Gruss 
aus Lemnos sollen wir auch den Helm in der Hand der Lemnia 
verstehen. So ist doch auch in der vereinzelten Lemnia noch ein 
Nachklang zu vernehmen von der Verbindung, in der die Göttin 
ursprünglich mit andern Figuren, nämlich mit Miltiades und Apol- 
lon, gestanden hatte. 

Auch ApoUon stand auf der Akropolis von Pheidias Hand als 
Einzelfigur von Erz. Dass auch er als solche aus der Delphischen 
Gruppe wiederholt worden sei, das könnte man aus dem Beinamen 



Billigung zn finden. — Das «p,«« ;f «AxotJj/ verbindet Pausanias zunächet nicht- 
örtlich sondern begrifflich (als dexärt]) mit der Athena. Seinen genauen Platz 
giebt nur Herodot V 77 an. 

(1) Den Helm haben die von Furtwängler (Ant. Gem. 38, 34 ff. und 39, 32) 
gesammelten und abgebildeten Steine so vor der Brust der Göttin, dass man 
nicht wohl anders denken kann als dass sie ihn auf der Rechten vor sich hielt. 

(«) Das Relief ist von Furtwängler, Münch. Sitz.-Ber. 97 I 289 abgebil- 
det und sogleich richtig bezogen. Mit gleichem Rechte konnte es Reisch in 
seiner schönen Studie, Athena Hephaistia (Jahreshefte I 79) für seine Tempel- 
bilder des Hephaisteions verwerthen. Wohl konnte er mit einem gewissen 
Rechte sagen, dass ' die Lemnia, soviel wir wissen eine Einzelfigur ' war, aber 
die Verbindungsfäden zwischen ihr und der Hephaisteia lagen doch schon 
damals vor Augen ; und dass sie von Ursprung her nicht Einzelfigur war, hoffe 
ich wahrscheinlich gemacht zu habeu. 



VARIA. I, DIE MAKATHOMSCHK BRONZEORUPPE DES PHEIDIAS 151 

Parnopios errathen wollen ('). Nach Pausanias I 24, 8 nannte man 
ihn so, weil er den Athenern verkündet hätte, er würde ihnen die 
Heuschrecken die ihr Land schädigten vertreiben. Also ein Orakel, 
dessen Räthselsprache es wohl anstehen würde, ungezählte Kriegs- 
scharen als Heuschreckenschwarm zu bezeichnen, wie es den Athe- 
nern nach Aristophanes Ach. 150 sogar geläufig gewesen wäre. Mit 
geringer Veränderung könnte das Wort, das der Theoros die Athe- 
ner beim Anblick der Skythenschwärme ausrufen lässt 

im Basisepigramm des Parnopios der Gott von den vorausgesehenen 
Mederschaaren gesagt haben. Zu Aristophanes Zeiten noch richtig 
bezogen, wäre es später von wirklichen Heuschrecken verstanden 
worden. 



(3) Gehörten wirklich, wie ich früher (R. M. 91, 378 annahm, Kopf und 
Körper des Capitolinischen Apoll (Heibig. Führer I* n. 516; Arndt-Amelung, 
Einzelverk. 11 n. 459) zusammen, so hätte ein dem Apollo der Delphischen 
Gruppe so ähnlicher Zwillingsbruder alles Anrecht, für eine Wiederholung 
jenes gehalten zu werden, und die Vermutung über den Namen des Parnopios 
fände daran eine starke Stütze. Aber nach erneuter Untersuchung, namentlich 
des Kopfes jener Statue und seiner Verbindung mit dem Rumpf kann ich, in 
wesentlicher Uebereinstimmung mit Amelung a. a. 0. IV S. 60 versichern, 
dass der Rumpf zwar einen Apollo derselben Zeit darstellt, und dass derselbe 
mit dem Typus d's Casseler Apollo kaum grössere Uebereinstimmung zeigt 
als mit dem der Thermen, dass aber die Zugehörigkeit des Kopfes, auf die es 
vor allem ankommt, nicht zu erweisen, vielmehr nicht wahrscheinlich ist; 
weil von den Nackenlocken des Kopfes keine sichere antike Spur an dem 
Rumpf zu erkennen ist, wie es der Fall sein müsste, namentlich wenn dieser 
Apoll ein Gegenbild des andern wäre; und weil die allein antiken je zwei 
Lockenenden an jeder Schulter auch mit andrer Haaranordnung sich vertragen. 
Dieselben sind, wie Herrmann a. a. 0. richtig sah, verschoben, aber die da- 
durch erwiesene Kopfwendung hatte auch der Kopf. Nicht sie also, wohl aber 
der von Amelung constatierte neue Ursprung der Nackenlocken, erweist dass 
der Kopf nicht zugehörte. Mit dem Omphalos-ApoU oder dem capitolinischen 
Wagenlenker hat dieser sicher nichts zu thun. Richtig bemerkte Amelung, 
er sei vom Thermen-Apoll nicht zn trennen: mehr als das: es ist eine zweite 
Copie, nur fast unkenntlich geworden durch Abarbeitung und Glättung des gan- 
zen Gesichts, durch nichtswürdige Aufbohrung der gebrochenen Stirnlocken, 
deren Anfönge zunächst der Binde (die als gedrehte Schnur charakterisiert 
ist) noch kenntlich sind; das Schläfenhaar vor dem 1. Ohr und die Nacken- 
locken geben den Beweis der gleichen Abstammung mit dem Thermenapoll. 



152 E. PETERSEN 

II. Die Kingergruppe der Tiibuna. 

Die Ringergruppe der Tribüne bietet nach allen Seiten unge- 
löste Probleme: Uebereinstimmung herrscht weder über die Zuge- 
hörigkeit einzelner Körpertheile und namentlich der Köpfe, noch 
über das Verständniss des dargestellten Ringerschemas und die 
Absichten, welche in diesem Augenblick die beiden Kämpfer er- 
füllen und jede Bewegung des einen wie des andern leiten, noch 
endlich über die Zeit und Schule, welche das Original dieser Gruppe 
hervorgebracht hat. Da ich Jahr für Jahr die Florentiner Gruppe 
zu betrachten Gelegenheit, wie auch über die oifenen Fragen eine 
Antwort zu suchen die Pflicht habe, und die gefundene wiederholt 
zu prüfen nicht unterliess, darf ich mir wohl erlauben meine 
Ansichten vorzutragen, ohne auf abweichende Anderer weitläufig 
einzugehen ('). 

Von den Köpfen halte ich keinen für zugehörig, den des Un- 
teren (B) füi- alt, den andern (A) nicht blos für modern gereinigt 
und überarbeitet wie Amelung, sondern für überhaupt modern, 
und nach jenem copiert {-). Sie kommen für das Verständniss des 
Ganzen also nicht in Betracht; es würden uns aber auch die 
echten, wenn sie erhalten wären, darüber wahrscheinlich nicht 
viel Aufklärung geben : die Gliedmassen : Arme und Beine sind 
es, die mit einander ringen und in ihrer Bewegung verstanden 
sein wollen. Ernstliche Zweifel können über die Art wie sie zu 
ergänzen sind nur bei dem r. Arm und Hand des Oberen und beim 
1. ünterbein und Fuss des Unteren obwalten, da für alle übrigen 
Theile im Wesentlichen nur eine einzige Möglichkeit vorhanden 
ist. Das Verständniss eines complicierten Ringerschemas, wie es 
das vorliegende ist, kann sich nur dem erschliessen, der sich die 
ganz Bewegungsreihe klar macht, die zu demselben geführt hat. 

(') Vgl. Friederichs- Wolters, Berliner Abgüsse n. 1426; Amelung, Führer 
durch die Antiken in Florenz n. 66 und Arch. Jahrbuch 94, 192, gegen B. Graef 
ebda S. 119 flf. 

(*) Das lässt sich in den einzelnen Locken nachweisen; die moderne 
Hand verräth sich namentlich darin, dass Anfang und Ende der Locken oft 
undeutlich ist, ja mehr als eine Locke in völlig unklarer uud unmöglicher 
Weise in eine andere übergeht. 



VARIA. I[, DIE RINGERGRUPPE DER TRIBUNA 153 

Also erzähle ich diesen Verlauf, wie ich ihn erkannt zu haben 
glaube. 

Die Kinger standen einander gegenüber, wie wir es am 
besten in Vasenbildern sehen, mit stark vorgeneigtem Oberkörper, 
ihren Rumpf möglichst dem Griff des Gegners fernzuhalten be- 
dacht, aber die Arme zum Zugreifen bereit, rechter gegenüber dem 
linken, linker gegenüber dem rechten. Da gelang es dem Oberen, 
A, mit seiner Linken das r. Handgelenk von B zu packen, natür- 
lich fester als in der modernen Ergänzung; und wahrscheinlich 
fasste auch die Rechte, der Linken alsbald, wie natürlich, zuhilfe 
kommend, dieselbe Hand, wodurch zugleich die Composition an 
äusserer Geschlossenheit wie an innerer Wahrheit gewinnt, man 
mag den ümriss betrachten von welcher Seite man will. Mittels 
des axQ€(f€iv^ das jeder vom Knabenspiele her kennt, d. h. durch 
Drehen des gestreckten Armes seines Gegners, gelang es ihm, 
diesen vorüberzubeugen, so dass dessen 1. Schulter tief und seit- 
wärts vor him lag (*). Diesen Vortheil wahrnehmend, warf sich 
A, immer noch den umgedrehten rechten Arm des andern mit 
beiden Händen haltend, auf den Rücken des Gebeugten, nun mit 
der Wucht des ganzen Körpers und vornehmlich mit dem Druck 
der 1. Schulter den Gegner niederzwingend, dessen wie ausgerenkte 
r. Schulter das Manöver des Oberen am deutlichsten erkennen 

Q) Soweit ist die Gruppe durchaus richtig verstanden von Wolters, Berl. 
Abgüsse n. 1426; nur dass er die Rechte des Oberen noch unbetheiligt denkt 
und den Oberen schon als Sieger bezeichnet; der er freilich nach seiner 
Meinung ganz erst dann sein wird, ' wenn es ihm gelingt mit seiner Rechten 
den rechten Arm des Gegners festzuhalten, und mit der dann frei gewor- 
denen linken die andere Hand desselben zu ergreifen '. Das Zweite ist richtig; 
das Erste nicht schon gethan zu haben könnte ihn ja nichts entschuldigen. 
Die Bewegung der Beine lässt W. ausser acht, und verkennt deshalb die 
Möglichkeit der Peripetie. Wesentlich anders als W. denkt Amelung, der 
allerdings auch die Beine beachtet, aber ihre Bewegung in mir unbegreif- 
licher Weise deutet : * Ein Athlet hat im Ringen einen andern von rück- 
wärts erfasst und zu Fall gebracht, indem er das linke Bein um das ent- 
sprechende seines Gegners geschlungen ' (das Gegentheil ist dargestellt !) ' und 
dasselbe nach hinten gezogen hat '. Auch er nennt den Oberen Sieger und 
sieht als zum vollen Siege fehlend nur das Fassen der Linken mit der eigenen 
Linken an. Droht dem Oberen währenddes keinerlei Gefahr, so konnte das 
unmöglich mislingen, und auf diese Weise fehlt die Berechtigung von einem 
' spannenden Moment ' zu sprechen. 



154 E. PETERSEN 

lässt. Aber im Fallen gelang es dem Unteren, mit seinem 1. 
Bein das 1. des Oberen zu umfassen. Ob er dabei auch wie man 
es jetzt sieht, den Fuss über dass 1. Fussgelenk des Gegners 
gelegt habe ist, wie ich glaube, aus den sicher antiken Resten 
nicht mit Gewissheit zu entnehmen ; denn dass Alter der beiden 
1. Unterschenkel ist mir verdächtig (^). So wie so aber ist die 
Absicht jener Bewegung zweifellos; es ist der Anfang einer Ge- 
genbewegung, die den Unteren zum Sieger machen kann, wenn sie 
gelingt. 

Was der untere beabsichtiget ist ähnlich dem was, als ge- 
lungenes Ringerstückchen, schon Euphronios zweimal auf dersel- 
ben Schale zur Darstellung gereizt hat, und was dann auch etrus- 
kische Maler bei den agonistischen Darstellungen ihrer Grabgemälde 
mehr als einmal wiederzugeben versucht haben (^). Auch dort, 
besonders, Hartwig XV 2 war, man sieht nicht auf welche Weise, 
der eine Ringer dem andern auf den Rücken gekommen; da er- 
.sieht der untere seinen Vortheil, indem er den einen Arm des 
Gegners so über seine Schulter zieht, dass er jenen über seinen 
stark gekrümmten Rücken herüber sich überschlagen lässt. 

Der Florentiner Ringer hat die Fü&se ähnlich gestellt wie der 
Untere — bald nun Obere — des Vasenbildes, den linken mit erho- 
benem Knie, den rechten mit auf den Boden gepresstem Knie; 

(1) Für modern erklärte sie G. Wolff Arch. Zeit. 64, 206; für alt hält 
sie Amelung, wie Meyer zu Winckelmann, G. d. k. IX 3, 19, und zunächst 
wird das jeder thun wegen der Zwischenstücke. 

(«) S. Hartwig, Meisterschalen T. XV. 2 und XVI : volcenter Schale = 
Klein, Lieblingsinschr. S. 56. Dazu vergleicht Hartwig S. 138 I eine Schale 
des British Museum (abgebildet) und die etruskischen Wandgemälde: Mon. 
ined. d. I. V. 15 und 33 = Inghirami, Museo Chiusino 102; und ein drittes 
hierselbst 126. Von diesen etruskischen geben das erste und dritte die Situa- 
tion rein äusserlich einigermassen richtig wieder; das zweite verkehrt sie. 
Aber auch Hartwig hat S. 137 nicht richtig verstanden, wenn er das Bild XV 
2 also beschreibt : der eine Gegner hat den andren durch einen mächtigen 
Druck auf das Kreuz (woran in aller Welt soll man das sehen ?) der sicheren 
Stellung der Füsse beraubt, und wirft ihn in kraftvollem Schwünge von hinten 
über die Schulter. Doch er selbst von der Schwere des fallenden Körpers 
vorwärts gerissen, ist ins Knie gesunken (minime ! denn er kniet ja grade 
auf dem andern Bein). Es durften auch nicht, weil grundverschieden, die 
Theseionsmetope Älon. ined. d. I. X 44, 2 und Herakles mit Eber und andern 
Thieren verglichen werden. 



VARIA. 11, DIE RINGERGRUPPE DER TRIBUNA 155 

aber er ist viel mehr zusammengepresst, und nicht über seinen 
Kopf hinüber kann er seinen Gegner werfen, da er nicht einen 
Arm von ihm erwischt hat. Das eingeklemmte 1, Bein des Ge- 
gners wird ihm aber vielleicht ermöglichen, den auf ihm, und 
zwar noch mit ungünstiger Seitenlage Liegenden durch einen 
plötzlichen Ruck und Hebung seines Kreuzes (^) über seine linke 
Seite herum und auf den Rücken zu werfen, dahin wo sein Ant- 
litz, gewiss mit dem Ausdruck grösster Spannung, gerichtet war, 
eine negntitsia im eigentlichsten Sinne des Wortes. Wird sie 
erfolgreich sein, wird sie es nicht? Diese spannende Frage drückt 
den echt griechischen Reiz dieser Composition aus. 

Bei dem Vorzug, den gerade für athletische Darstellungen 
die Bronze in der Griechischen Kunst hatte, werden wir mit an- 
dern Archaeologen auch das Original dieser Gruppe in Erz den- 
ken dürfen, wofür weiterhin noch ein besonderer Grund geltend 
gemacht werden soll. Den Meister errathen zu wollen ist jetzt 
wohl noch verfrüht; es wäre schon etwas, wenn es gelänge, die 
Zeit dieses Werkes etwas enger zu umgränzen, als die bisherigen 
Schätzungen vermocht haben, da z. B. Graef mit der Datierung 
zu Skopas hinaufgehen wollte; Overbeck und Colliguon in die 
erste Hälfte des dritten Jahrhunderts, die Frühzeit pergamenischer 
Kunst hinabsteigen; womit auch Amelung übereinstimmt, indem 
er speciell betont, dass das Werk Neuerungen Lysipps zur Vor- 
aussetzung habe; nicht diejenigen die in dem berühmten antiken 
Kunsturtheil beim Plinius hervorgehoben sind, aber andre, die von 
Loewy einleuchtend an einer Reihe von Einzelfiguren entwickelt 
worden sind, und deren Quintessenz bezeichnet werden kann als 
der Ausbau der dritten Dimension, d. h. die plastische Darstel- 
lung der in die Tiefenrichtung nach rückwärts, und besonders na- 
türlich vorwärts gegen den Beschauer gehenden Bewegungen (2). 

{}) ' Wir sehen, wie der unten liegende Ringer aufzustehen strebt, wie 
seine Rückenmuskeln, die Muskeln der Schenkel zu diesem Zwecke gewaltig 
schwellen '. Meyer a. a. 0. 

(*) Lysipp u. seine Stellung in der griechischen Plastik. Hamburg 91. 
Ich darf hier meinem Ergänzungsvorschlag betreffs des Belvederischen Torso 
in der Festschrift für Otto Benndorf S. 137 eine Bemerkung zufügen, die ich 
in einer Sitzung des Instituts (22 XII 99) gemacht habe, dass die Zurück- 
führung jener Heraklesstatue auf ein Lysippisches Ogiginal gerade auch 



156 E. PETERSEN 

Indessen würde selbst die Beobachtung des Antheils, welchen die 
Florentiner ßingergruppe an jenen Neuerungen zeigt, uns nicht 
verbieten, dieselbe noch ins dritte Viertel des 4. Jahrhunderts 
hinaufzudatieren. Denn von specifisch Lysippischen Proportionen 
wird man an ihr schwerlich etwas entdecken, und das complicierte 
Schema, das ungesucht in der Palaestra sich dem Auge des Künst- 
lers darbot, hat in zeichnender Kunst, Malerei und Relief, ja 
lang vorher seines Gleichen gehabt; ja wer es genau ansieht, dem 
wird es nicht entgehen, dass, ob auch die Gruppe von allen Seiten 
gleich ausgeführt gewesen zu sein scheint, sie doch auf die zwei 
Seitenansichten eigentlich berechnet ist, und dass der in diesen 
augenfällige pyramidale Aufbau der Gruppe namentlich bei der 
oben gemachten Correctur des rechten Armes am Oberen noch 
eine bedeutende Macht alter Compositionsprincipien verräth. Ein 
Blick auf die zwei in Collignons Histoire II, 592 f, einander 
gegenübergestellten Abbildungen der Ringer und des Barberini- 
schen Fauns lässt zwei recht verschiedene Stilarten erkennen. 

Zum Glück kommt, da die Köpfe der Ringer fehlen, und die 
erhaltenen Theile der Körper stark überarbeitet sind, folglich 
eine stilistische Beurtheilung misslich ist, ein anderes Mittel zu 
ihrer Zeitbestimmung zuhilfe: Auf dem Friese des im J. 334 v. 
C. errichteten Lysikratesmonuments ist ausser einer ganzen An- 
zahl anderer berühmter Werke, die in mehr oder weniger freier 
Weise benutzt worden sind, auch unsere Ringergruppe im Ge- 
gensinn zur Gruppe eines Satyrs der einen Tyrrhener bändigt 
umgearbeitet worden (^). Ich meine die erste geschlossene Gruppe 
rechts vom Dionysos, die einer gelösten folgt. Die Abweichungen 
sieht jeder sogleich : sie entspringen z. T, aus der grösseren Un- 
gleichheit der Kämpfer, z. T. aus Reliefgesetzen jener Zeit: hier 
am Fries, dem Diener des Gottes gegenüber, giebt es natürlich 



an der gedachten Lysippischen Neuerung nicht geringen Anhalt findet. Man 
vergleiche die von mir vorgeschlagene Haltung der Arme des Torso mit jener 
des Schabers; vergleiche sie auch mit den von Loewy S. 11 zusammenge- 
stellten Beispielen* denen man von Reliefs den Jüngling der Grabstele vom 
Ilissos (Springer-Michaelis 297, Bulle, d. schöne M. 143) von Statuen den 
Ares Ludovisi zugesellen darf. 

(») Vgl. Stuart, Ant. I 4, 10 ff. Overbeck, Gr. PI. 11* 111, Springer- 
Michaelis, Handbuch Fig. 321. 



VARIA. II, DIE RINGERGRUPPE DER TRIBUNA 157 

keine negmäTeia ; anderes wie die naturwidrige Kopfwendung des 
Unterliegenden uud die dadurch bedingte gleichfalls sonst dem 
ganzen <txW^ widersprechende Senkung auch der r. Schulter geht 
aus damaligem Reliefstil hervor, der abgewandte Köpfe noch mei- 
det. Die Hauptsache ist, dass auch der Satyr seines Gegners Arm 
gepackt hat und dreht, mit beiden Händen, wie es auch für die 
Florentiner angenommen wurde, so dass die Schulter fast sich 
ausrenkt, der Tyrrhener vorüber zu Boden gedrückt wird und der 
Satyr, der so hinter ihm ist, freier in seiner Bewegung als der 
Ringer, jenen mit auf den Rücken gestemmtem Knie vollends zu 
Boden drückt. Trotz der etwas aufrechteren Stellung des Satyrs 
ist der pyramidale Aufbau der Gruppe indessen fast derselbe ge- 
blieben. 

Wäre dieses die einzige üebereinstimmung die auf dem Priese 
des Lysikratesmonuments mit Rundwerken zu finden wäre, so könnte, 
zumal dieselbe keine absolute ist, immerhin ein Zweifel berechtigt 
scheinen, ob nicht ein Zufall obwalte. Aber hat man nicht längst 
den Dionysos aus dem Ostgiebel des Parthenon hergeleitet? Ist 
nicht der Satyr, der gleich neben ihm links sitzt, das Spie- 
gelbild des auf der Schwelle wartenden Bräutigams in der Aldo- 
brandinischen Hochzeit? Ist nicht der Satyr rechts neben Dio- 
nysos der ziemlich unveränderte Ares Ludovisi ? Und der Satyr 
gleich zunächst rechts neben dem vorigen, verräth er sich nicht 
als leichte Umänderung des einschenkenden Satyrs, den man auf 
Praxiteles zurückführt, eben dadurch dass das Motiv des Einschen- 
kens ohne Sinn beibehalten ist hier, wo er nicht schenkt, sondern wie 
sein Gegenstück, aus dem Krater zu schöpfen kommt. Der mit auf 
den Rücken gebundenen Händen auf dem Boden Kniende, in der 
zweiten gelösten Gruppe links findet sich genau so im Theseions- 
ostfries (Overbeck Gesch. I 462, 3 Sauer, Theseion III 3); derselbe 
und der am Boden Sitzende der dritten Gruppe rechts, beide we- 
nig verändert, aber im Gegensinn, als Theseus und Perithos in 
einem Vasenbild des 4. Jhdts. Aich. Z. 44 XV. Der eilende vierte 
rechts ist später häufig zu finden, zuerst im Parthenonswestgiebel 
als Hermes (Kunst d. Pheid. S. 168). Die Vergleiche Hessen sich 
noch mehren: die angeführten Uebereinstimmungen, die hier, wo 
es sich um Werke der noch blühenden griechischen Kunst han- 
delt, natürlich nicht von derselben Art wie in der neuattischen 



158 E. PETERSEN 

sind, genügen zum Beweis dass jene anmuthige Schilderung des 
Tyrrhenerabenteuers nichts weniger als original ist. Nur auf eines 
sei noch hingewiesen, das ist die deutliche Rückwirkung, wel- 
che die obenerwähnte Lysippische Neuerung bereits auf die Re- 
lief bildung mancher Figuren des Frieses ausübt; ich erkenne sie 
z. B., um nur eins anzuführen, in der dritten Figur links, die so 
völlig ins Profil gestellt ist, wie eine von der Seite angesehene 
Statue, und zwar eine in dem eben besprochenen Lysippischen 
Geiste geschaffene. 

Ist also die Ringergruppe dem Künstler des Lysikratesdenk- 
mals bekannt gewesen, so ist sie etwa um die Mitte des vierten 
Jahrhunderts geschaffen, wohin ja auch Graef sie setzen wollte, 
er von anderen, z. T. haltlosen, Voraussetzungen ausgehend, sehr 
wesentlich aber doch auch auf die Behandlung der Körperformeu 
sich gründend. 

Schiesslich (^) muss hier aber auch noch auf ein anderes 
Werk hingewiesen werden, das die Ringergruppe m. E. mit Be- 
stimmtheit voraussetzt aber obigen Zeitansatz nicht eigentlich be- 
stätigt, insofern als es selber nicht genau zu datieren ist, ihm aber 
jedenfalls nicht widerspricht. Es ist die eigenthümliche Gruppe 
zweier Ringer, von der bis jetzt fünf antike Bronzecopien bekannt 
geworden sind, zwei in Aegypten gefunden, eine in Antakijh (An- 
tiochia, eine in Südrussland, eine unbekannter Herkunft (^). Von 
ihnen hat eine die Bewegung der Hände bei der stehenden Figur 
vertauscht. Das Richtige ist durch Uebereinstimmung der andern 

Q) Diesen Vergleich habe ich in jener Institussitzung noch nicht an- 
gestellt, obleich ich z. B. die Londoner Bronze längst zu den Florentinern 
notiert hatte. 

(«) 1. in Florenz, unbekannter Herkunft, Gull, di Fir. Taf. 123; 2. in Pe- 
tersburg aus Südrussland, Stephani CR. 1867, Taf. I; 3. aus Antakieh im Otto- 
raanischen Museum in Stambul, Jahrb. 98 Taf. 11, S. 177 ff. Bev. arch. 99, 
T. XVIII ; 4. aus Aegypten im British Museum, Catalogue, Bromes n. 853 
Taf. XXVII; 5. aus Aegypten im Louvre Longperier, catal. d. br. 361, Reinach, 
Rupert. 234, 2. Vgl. Joubin, Rev. Arch. 99, 207; Schreiber, Verhandl. 45 
Philol. Vers. S. 37, 3. Wolff schlug a. a. 0. vor, die r. Hand des Florentiner 
Siegers an den Kopf des Unterliegenden gelegt zu ergänzen. Es ist völlig 
unverständlich, wie ein Bildhauer einen so unmöglichen Vorschlag machen 
konnte, und seltsam zu sehen, dass das von ihm Vorgeschlagene an dieser 
andern Gruppe unter andern Verhältnissen thatsächlich vorliegt. 



TARIA. ir, DIE RINGERGRUPPE DER TRIBUNA 159 

verbürgt. Der Sieger ganz aufrecht, hat scheinbar ohne Mühe mit 
seiner Linken die Rechte des Gegners gepackt und dreht seinen 
Arm ; von hinten über ihn tretend, drückt er den dm*ch die Arm- 
drehung Niedergezwungenen mit der ihm auf den Kopf gelegten 
Hand noch tiefer ; doch findet der üeberwältigte am 1. Arm noch 
eine Stütze, und mit dem 1. Bein umfasst er das linke des Geg- 
ners. Durch diesen hier völlig bedeutungslos gewordenen Zug wird 
zu absoluter Gewissheit, dass die durch diese fünf Copien uns 
veranschaulichte zweite Ringergruppe von jener ersten abgeleitet 
ist, wie das schon Stephani und Joubin a. a. 0. andeuteten. 

Wie in der Florentiner kniet der Untere auf dem r. Knie, 
hat das 1. freier, stützt sich auf den 1. Arm, während ihm der 
rechte rückwärts nach oben gedreht wird. Dass er minder nieder- 
gedrückt ist und doch weniger, vielmehr gar keinen Widerstand 
leistet, dass damit diese Gruppe eben die Spannung der Kräfte, 
die Furcht und Hoffnung einer nsQinsxeia eingebüsst hat, das 
scheint die Folge davon, dass hier nicht zwei ebenbürtige Gegner 
dargestellt sein sollten sondern ein Gott der Palaestra (Hermes) 
in 3, ein Heros (Herakles) in 5, gegen den es natürlich keinen 
Kampf giebt. Das Original dieser zweiten Gruppe gehörte, aus 
dem Fundort der Copien zu schliessen, wahrscheinlich dem Orient 
an, vielleicht Alexandrien, wohin Schreiber a. a. 0. sie verweisen 
möchte, allerdings z, T. auf den Maskenschmuck an der Basis von 
4 sich stützend, dessen Zugehörigkeit Joubin S. 208 f. in Abrede 
stellt. Letzterer schätzt auch die aus Antiochia stammende Copie 
sehr viel geringer als Förster, zu gering nach meiner freilich nur 
auf die Photographie sich gründenden Beurtheilung des Kopfes der 
Hauptfigur; aber auch wenn diese Copie richtig in die Kaiserzeit 
gesetzt wäre, so möchte das Original wegen so vieler Wieder- 
holungen doch leicht dem zweiten oder dritten Jahrhundert v. C. 
zuzuschreiben sein (*). Wie alle die genannten Copien wird auch 

{}) Gegen die obige Zeitbestimmung überhaupt, und ihre Begründung mit 
dem Vergleich des Lysikratesmonuments wurde, in der Sitzung von E. Loewy 
zweierlei eingewendet : erstens dass eine so komplicierte Gruppe in so früher 
Zeit ohne Analogie sei; zweitens dass für Gruppenbildung und Composition 
nicht die Rundplastik sondern die zeichnende Kunst (Malerei und Relief) die 
Führung hätten. Letzteres ist gewiss allgemein anerkannte Thatsache; aber 
wer wird es so einseitig verstehen, als ob niemals das Umgekehrte stattge- 



160 E. PETERSEN 

ihr Original von, Erz gewesen sein, und das wäre der früher ver- 
heissene weitere Grund, auch die Florentiner Kinger nach Erz 
copiert zu denken. 

III. Zeus oder Alexander mit dem Blitz. 

Ein Estratto della Flegrea del 20 marzo, den ich der Güte 
des Verfassers, Gius. de Lorenzo, verdanke, enthält, unter dem 
Titel Una probabile copia pompeiana del ritratlo di Alessan- 
dro Magno, dipinlo di Apelle, eine neue Erklärung des Wand- 
gemäldes im Hause der Vettier, welches Sogliano in den Monu- 
menti antichi {Line.) VIII Sp. 261 herausgegeben und besprochen, 
vorher A. Mau in diesen Mittheilungen 96 S. 23 (hier S. 161) ab- 
gebildet und beschrieben hatte. Beide hatten den auf reichem Throne 
Sitzenden, dessen Unterkörper vom Purpur umhüllt ist, und dessen 
Linke, im Schoosse ruhend, einen grossen Blitz hält, während die 
Rechte hoch ein senkrecht gestelltes Scepter fasst, trotz seiner 
Unbärtigkeit für Zeus gehalten : der neue Interpret findet es durch 
Overbecks Ausführungen in der Kunstmj^thologie II 194 fl". nicht 
erwiesen, che sia esistita nell'arte greca e nelle sue derivate una 
rappresentasione di Zeus imberbe e giovenile (0- Er vermuthet 
hier also eine Reminiscenz oder eine Copie des Alexandres mit 
dem Blitze von Apelles, die in der alexandrinischen Kunst Pom- 
pejis neben der berühmten Alexanderschlacht der casa del Fauno 



funden hätte, d. h. die zeichnende Kunst nie durch plastische Gruppen zur 
Nachbildung angeregt worden sei? Hat nicht der Myronische Marsyas sol- 
che Anregung reichlich gegeben? Ist nicht das oben S. 150 erwähnte Relief 
mit Hephaistos und Atliena ein andres Beispiel ? Auch ist ja auf Ringer- 
gruppen — und andres wäre leicht dazuzustellen — hingewiesen, mit denen 
Euphronios etwa ein Jahrhundert dem Schöpfer unserer Gruppe vorangegangen 
war? Dies auch gegen den ersten Einwand, dem ja auch Kephisodots d. J. 
nicht so viel jüngeres symplegma nobile, das so oft in andrem Sinne mit 
unseren Ringern in Verbindung gebracht wurde, entgegengehalten werden darf. 
{}) Jedenfalls eine unrichtige und unüberlegte Aeusserung. Vom Vel- 
chanos abgesehen, sind als aussergriechische der Tinia (Wernicke A.D. IV 
10, und luppiter Anxur ebda IX 12); von griechischen der Hellanios (ebda 
IX 30) ja doch unverdächtig, menschliche Herrscher darzustellen. Zeus jugend- 
lich — vom Knaben ganz abgesehn — in mythischer Beziehung kommt noch 
weiterhin zur Sprache. 



VARIA. III, ZKUS ODER ALKXANDER MIT DEM BLITZ 161 

nichts Erstaunliches habe ('). Zur Gewissheit werde diese Ver- 
muthung durch die Aehnlichkeit, die der Kopf des Thronenden in 
den Formen, im Haare und Yor allem in der Wendung des Kopfes 
nach seiner linken Seite mit begeistertem Aufblick mit den Dar- 
stellungen Alexanders des Grossen habe. 





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Fig. 3. 

Nun wissen wir aber doch heute zwischen den idealisierenden 
Bildern Alexanders und zwischen den phantasiefreieren zu unter- 
scheiden. Mit den letzteren, also vor allem mit der Pariser Herme, 
hat der Kopf unseres Thronenden keinerlei Aehnlichkeit, sondern 
nur mit den andern. Was er mit diesen gemein hat, das über der 
Stirn aufsteigende, nach den Seiten niederwallende Haar, die Sei- 
tenwendung und Hebung des Kopfes, der schwärmerische Autblick 
des gross geöffneten Auges, der in lebhaftem Athmen geöffnete 

(0 Es braucht kaum darauf aufmerksam gemacht zu werden, etwas wie 
ganz Verschiedenes das Alexandermosaik im hellenistischen Hause des 
Fauns und der Keraunophoros Alexander im vierten Stil sein würde, wo es 
nirgend eine Reminiscenz an diese grosse historische Persönlichkeit giebt. 

11 



162 E. PETERSEN 

Mund, das sind keineswegs Alexander dem Grossen allein eignende, 
gewiss auch nicht für ihn erfundene Charakterzüge: denn mehr 
oder weniger vereint und je nach Umständen modificiert, bilden 
sie seit Skopas die Elemente der Darstellung schwärmerischer 
oder thatendurstiger Jugend, männlicher nicht blos sondern auch 
weiblicher. Dass vor allem auch der jugendliche Zeus, wenn anders 
diesen darzustellen ein Anlass war, mit diesen Zügen ausgestattet 
werden konnte beweist am besten der bekannte Colossalkopf des 
Juppiter, der, im Tempel am pompejanischen Forum gefunden, auf 
dem Titelbilde zu Maus Führer abgebildet, selbst dem bärtigen 
Zeus noch die jugendliche Ekstase belässt. 

Doch ehe wir die Möglichkeit eines jugendlichen Zeus erwä- 
gen, bleiben wir noch einen Augenblick beim Alexander des Apelles. 
War es überhaupt verstattet sich denselben thronend zu denken? 
Ist es etwa dasselbe, Alexander mit einem Blitz in der Hand 
zu malen und ihn Zeus gleich thronend darzustellen? Sollte ein 
Grieche von soviel Selbstgefühl, wie Apelles besessen zu haben 
scheint, sich soweit erniedrigt haben, den Makedonenkönig völlig 
Zeus gleich darzustellen ? Doch, eine Antwort auf diese Frage mag 
wenig sicher erscheinen. Also fragen wir: sollte dem Alexander, 
dessen Anforderungen an die Künstler uns ja von Lysippos her 
ein wenig bekannt sind. Gefallen daran gefunden haben, sich doch 
immerhin in jener lässlichen Kühe des Thronenden darstellen zu 
lassen ? Nöthigt uns nicht der von Plutarch de Is. et Osir. (Overb. 
S. Q. 1481) dem Lysippos in den Mund gelegte tadelnde Ver- 
gleich zwischen dem eigenen und dem Apelleischen Alexander zu 
der Vorstellung, dass beide im Ganzen ähnlich dargestellt gewesen 
seien, nur jener mit der Lanze, dieser mit dem Blitze in der Hand 
sl AvGimrog nXaGxrjq ^AnsXXtjV ifiäfiipazo röv ^(oyqaifov, ori ttjv 
liXe^av^Qov yqäifüiv slxova xsqavvov ivsxsCqidsv, avrog J^ XoyxV^ ^ 
Ausdrücklich ist freilich weder in diesem noch einem andern Zeug- 
niss (^) gesagt, dass der Lysippische Alexander stehend dargestellt 

(1) Auch durchaus nicht in den von 0. Wulff, Alexander mit der Lanze, 
Berlin 98, S. 14 und 73, A. 11 angeführten Worten Plutarchs de Alex. m. 
fort, et virt. II 3, wo zum zweiten Male, wie sch5n II 2, die beiden Alexan- 
derbilder einander gegenübergestellt werden ri de toV xeqavvofföqov, xi 6k 
x6v inl rijs al^fiijg ngoaayoQevof^eyoy ; Denn nicht 'einen bemerkenswerthen 
Hinweis auf das Hauptmotiv der aufgestützten Lanze ', nicht die Stütze des 



VARIA. III, 7EVS ODER ALEXANDER MIT DKM BLITZ 163 

war, und vielleicht könnte man meinen dass, was über das Empor- 
blicken und die Halswendung gesagt wird, bei dem 0"//^^«« jenes, 
Thronenden genügend zur Geltung komme. Aber der Alexander 
dem €rtiyqcc(ft rig ovx ccTiiihävoaq. 

avdaüovvxi J" e'oixsv o ;f«Ax*o$ eig Jia XevffffcDV 
yav vn efioü Ttd-sfim, Zsv, ab d' ^OXvfiTibv «/«, 

der musste stehen, seine Lanze in der Hand haltend. So hat mau 
auch wohl allgemein gedacht ; so jedenfalls Overbeck, Gesch. d. gr. 
Plastik II'* 148, Collignon, Hist. de la sc. gr. II 436, Furtwängler, 
M. W. 597, 3, Winter, Arch. Anzeiger 95, 162, 0. Wulff a. a. 0., 
die meistens bald diese bald jene Marmor- oder Bronzestatue als 
Nachbildung des berühmten Meisterwerks ausgeben. Eine gewisse 
Abhängigkeit aller dieser Figuren von Lysipp mag man gern zu- 
geben, dass aber irgend eine von ihnen wirklich als direkte Nach- 
bildung erwiesen sei, kann man nicht sagen, auch nicht die Neli- 
doffsche Bronze, für welche Wulff eingetreten ist. Statt ihrer hat 
Schreiber auf der Bremer Philologenversammlung (s. Verhandlungen 
d. 45. Versamml. S. 36, 2) einige alexandrinische als die richtigen 
Abbilder nachzuweisen verheissen, was abzuwarten bleibt. Jeden- 
falls aber haben wir uns Lysipps Alexander stehend zu denken, 
auf die Lanze gestützt; und der Apelleische wird, das entnehmen 
wir eben jener Gegenüberstellung, den Blitz auch nicht ruhend im 
Schooss in der Linken, sondern als Waffe in der Kechten gehalten 
haben ebenso wie der Eros xsQawotfÖQog, das Schildzeichen des 
Alkibindes. Nur dann konnte man ihn passend, und wahrschein- 
lich im Gegensatz zum Lysippischen SoqvtfoQog (s. vorige Seite), 
xbv xsQavvocpoQov nennen, wie es Plutarch a. a. 0. 2, 3 imd 4 
nicht weniger als dreimal gethan hat. Zeus, dessen uralt gehei- 
ligtes und ureigenes Attribut der Blitz ist, mag diesen halten wie 
er will, also auch ruhend im Schoosse: wer dem Alexander zum 
ersten Male, wie Apelles, den Blitz in die Hand gab, der durfte 
ihm den Strahl, nach meinem Empfinden, nicht als ruhende son- 



Stehenden sondern den Grund der Benennung giebt die Praeposition inl bei 
TiQoaayoQsvöfispov an ; und gewiss nicht o inl rijg aix,uijs, wie Wulff meint, 
war der Beiname, sondern wahrscheinlich das in der Kunstgeschichte schon 
sonst bekannte doQV(p6Qos, vgl. weiterhin. 



164 E. PETERSEN 

dem nur als wurfbereite Waffe verleihn. Diesem Empfinden wird 
das Gemmenbild des Neisos Jahrb. 88 III Taf. 11, 26 gerecht, 
dessen nackten unbärtigen Mann mit Schwert in der Hand des 
von der Aegis umwickelten 1. Armes und dem Blitz in gehobener 
Kechter, Furtwängler daselbst 89 S. 69 nach King für das Bild 
eines Diadochen hält (*), das dem Apelleischen Alexander so etwa 
nachgebildet sein würde, wie jene Bronzen dem Lysippischen. 
Konnte Furtwängler a. a. 0. zugunsten jenes geschnittenen Steines 
und seiner Abhängigkeit von Apelles mit Recht die Art wie der 
Blitz gehalten wird, geltend machen, so nämlich dass von ihm 
ebenso wie vom Alexander des Apelles gesagt werden könnte digiti 
eminere videntur et fulmen extra tabulan esse, so fällt eben dieses 
Kunsturtheil vernichtend für den vermeintlichen pompeianischen 
Alexander aus, von dessen im Arme liegenden Blitz und nament- 
lich einwärts gekehrten Fingern jenes Wort nie hätte gesagt wer- 
den können. 

Dies alles hätte ich indessen kaum der Mühe werth gehalten 
zu sagen, wenn über das pompejanische Bild und die Reihe, der 
es angehört, nicht noch eine andere Bemerkung zu machen wäre. 
Von den vier Mittelbildern am untern Theil der Wände sind nur 
zwei: Kyparissos und Ringkampf von Pan und Eros erhalten; wel- 
che ohne die zwei andern, die fehlen, kaum eine Vermuthung über 
den ideellen Zusammenhang gestatten. Anders steht es mit den 
Mittelbildern der oberen Wände: An der Eingangswand Leda mit 
dem Schwan, eine Composition die dem capitolinischen Typus (-) 
nahesteht ; gegenüber Danae ; an der dazwischen liegenden Wand, 
zur Rechten Danaes, zur Linken Ledas, der Thronende mit dem 
Blitz. Dass dieser schon deshalb gewiss Zeus sein müsse, ist nur 
dem neuen Interpreten nicht klar gewesen (^). Allerdings ist die 



(') Auch Wernicke Ant. Denkm. IV 9. Vgl. jetzt auch Furtwängler Ant. 
Gemnien XXXII 11, für Furtwängler nunmehr Alexander selbst. 

(<) Overbeck, K. M. II 491 ff. Bloch in Roschers Lexikon IL 1926; von 
Winter (Ath. Mitt. 94, 160) dem Timotheos zugeschrieben. 

(3) Derselbe fertigt S. 8 diesen ersten und stärksten Gegengrund gegen 
sein ipotesi in folgenden Worten ab, die weder seiner Aufrichtigkeit noch 
seinem Verstände Ehre machen: nt* . . . ha molto valore il fatto che gli 
affreschi sulle altre Ire parti della stessa stanza — Ciparisso, Bacco, Amore 
e Pane, Leda col Cigno — sono di oggetto mitologico, perche come s' e 



VARIA. III, ZEUS ODER ALEXANDER MIT DEM BLITZ 165 

Danae von Sogliano Sp. 261 wegen partieller Zerstörung unbe- 
nannt gelassen; aber Mau S. 21, 42 hatte sie sicher erkannt und 
S. 24 den offenbaren Zusammenhang der drei Bilder hervorge- 
hoben; hatte auch nicht gezweifelt, dass das vierte Bild diesem 
selben Zusammenhang angehören müsse. Auch hier hatte Mau 
deshalb eine Geliebte des Zeus vermuthet. Hören wir, wie er 
diese, dem Zeus selber grade gegenüber befindliche Figur be- 
schreibt: Eine auf dem Erdboden liegende weibliche Gestalt, die 
Füsse links, das 1. Bein ausgestreckt, das rechte mit aufgesetztem 
Fusse gebogen. Der Unterkörper ist eingehüllt in rothes Gewand 
mit blauem Rand, der Oberkörper nackt. Auf den 1. senkrecht 
aufgesetzten Arm sich stützend, erhebt sie mit der Rechten eine 
Schale etwa bis zur Höhe der Stirn: ihr Kopf fehlt. So weit die 
Beschreibung. Nun ist die Zahl der Zeusgeliebten ja nicht klein, 
aber diejenigen welche überhaupt die alten Künstler beschäftigt ha- 
ben, ausser den zwei schon genannten : lo, Alkmene, Antiope, 
Europe, sie alle sind in andrer und leicht kenntlicher Weise aus- 
geprägt. Moderne mythologische Reflexion möchte sich vielleicht 
eine Semele so wie jene Liegende dargestellt gefallen lassen: einem 
antiken Beschauer wäre sie schwerlich kenntlich gewesen. Fragen 
wir dagegen erstens, wer denn noch ausser einer Geliebten des 
Zeus hier am Platze sein könnte, und zweitens für welches my- 
thische Wesen jener Typus am ersten zu halten ist so lautet auf 
beide Fragen die Antwort gleich: die Mutter des Zeus, G a i a-R h e a, 
nach späterer Gleichung. Für Gaia genügt es, auf die vielen Dar- 
stellungen der liegenden Erdgöttin auf Sarkophagen und Münzen 
zu verweisen, wo sie allein oder mit den Knaben, eine mit vieren, 
oder vervierfacht mit je einem knabenhaften Vertreter der Jahres- 
zeit erscheint ('). Die Schale in der erhobenen Rechten vermag ich 
zwar für Gaia nicht nachzuweisen (-), aber als geraeingiltiger Aus- 



detto, Alessandro giä in vita, e piü ancora dopo morte fü considerato e 
venerato come dio. Unaufrichtig ist es hier, die Bilderkreise durcheinander 
zu wirren, und nur von soggetto mitologico im allgemeinen zu reden, statt 
von Zeusmyihen; unverständig, von Alexanders Apotheose zu reden, als könne 
diese den Sohn Philipps in die Gesellschaft von Leda und Danae bri)igen. 

(1) Vgl. Kuhnert in Roschers Lex. I. 1574. 

(*) An dem sitzenden Bild der Terra Mater (Inschr.) im Bull. com. 
72 T. III ist die Rechte mit der Schale ergänzt, aber wohl richtig. 



166 K. PETERSEN 

druck des Anspruchs an zu spendenden Trank genommen, würde ' 
das Bild, wie mir scheint, gar wohl ein Werk der athenischen 
Akropolis illustrieren : ^'Eüti de xal FT^g äyccXfia IxstsvovOrjg vüai 
Ol Tov Jia u. s. w. bei Paus. I 24, 3. Allerdings hat Furtwängler 
von dieser Gaia uns eine ganz andre Vorstellung zu vermitteln 
versucht durch Erklärung eines attischen Siegels, die zu dem Glän- 
zendsten gehört, was in den Meisterwerken (S. 257) überhaupt 
geboten wird; aber ich kann beides nicht glauben, weder dass ein 
so singuläres und alterthümliches, gelehrte Erklärung heischendes 
Werk zu der späten Inschrift (C. /. Ä. III 166), die dort noch 
heut auf dem Felsboden gelesen wird, gehört habe, noch dass es 
von Pausanias so keines weiteren Wortes gewürdigt sein sollte. 
Eine Gaia, die statt des gewohnten im Arme gehaltenen Füll- 
hornes mit dem Fruchtsegen vielmehr die leere Schale emporhielt, 
wie Götter, Heroen und Sterbliche sie dem Trankspender hinzu- 
halten pflegen, die bedurfte keiner weiteren Erklärung ('). 

Aber mag das ungewiss sein : die Mutter des Zeus, halb 
nackt wie Gaia am Boden liegend und flehend, eine Hand erhe- 
bend, die ist ja allbekannt von der albanischen Ära des capito- 
linischen Museums {-) ; denn es ist nicht möglich, die Figur anders 
als nach Hesiods Theog. 467 ff. zu erklären. Freilich scheinen 
Khea, die ihre Eltern Gaia und üranos um Rettung für den Sohn, 
deU' sie gebären soll, anfleht und Gaia, die Zeus um Regen anfleht, 
etwas verschiedenes zu sein; aber da Gaia und Rhea thatsächlich 
verschmolzen worden sind (^), so wird man die Verschmelzung auch 
in dem vierten Bilde des Bildercyklus im Vettierhause annehmen 
dürfen; und am Ende ist es, von dem nicht über den Kopf gezo- 
genen Himation abgesehen, nur die Patera, welche diese Rhea von 
jener andern unterscheidet. 

Gemeinsam beiden ist aber ihre Beziehung zu Zeus, genauer, 
dass sie den Ausgang einer Vierbilderreihe, gewissermassen einer 

(') Vgl. im grossen Relief von der Ära Pacis, die gelagerte Tellus 
zwischen den lovis aurae,den Repraesentantinnen der aquae salubres; vgl. die- 
selbe am Panzer der Augustusstatue unten, und oben in der Höhe die schwe- 
bende Trägerin des Morgenroths, die den Morgenthau aus der Kanne giesst. 

(2j Vgl. Mus. Capit. IV Taf. 7; Müller-Wieseler D. a.' K. II n. 803; 
Braun, Vorschule, Taf. 2 ; Overbeck, K. M, Taf. UI 23 S. 325. 

(') Vgl. Preller-Robert, Griech. Myth. I 638 und 647, 3. 



VARIA. III, ZEUS ODER ALEXANDER MIT DEM BLITZ 167 

Zeustetralogie bilden: An der Ära, die man umgehen muss, in 
gleichmässiger Aufeinanderfolge: die Mutter in Aengsten vor der 
Geburt; mit dem Stein vor Kronos; des Kindea-Pflege ; endlich der 
Weltherrscher umgeben von den andern Göttern. In dem Oecus, 
von einem Punkte aus mit leichter, beliebiger Wendung des Kopfes 
zu sehen, gegensätzlich geordnet: die Mutter; ihr gegenüber schon 
im Vollbesitz der Herrschaft aber noch jugendlich der Sohn; und 
wieder gegenüber seiner wunderbaren Verbindung mit der Mutter 
Helenas und der Dioskuren die ebenso wunderbare mit der Mutter 
des Perseus. Ist die Bilder-Reihe der Ära mehr im religiösen Ernst 
des Cultus gestimmt, so die des Oecus im heiteren Ton pompeja- 
nischer Zimmerdecoration. Jetzt dürfte auch die jugendliche Dar- 
stellung des Zeus das Befremdliche verlieren: der Mutter gegen- 
übergestellt, ist es nicht der Vater Zeus, den wir denken sollen 
sondern der Sohn; Und auch den Liebhaber der Leda und der 
Danae hat, wer diese Zusammenstellung ersann, offenbar als den 
noch jugendlichen Gott gedacht wissen wollen. Meistens allerdings 
haben die Darsteller von Zeus' Liebesabenteuern nicht so fein em- 
pfunden ; aber einige Beispiele giebt es immerhin, die von den Er- 
klärern auch ebenso verstanden sind (^). So schaut Zeus unbärtig der 
Entführung Europes durch den Stier zu, und naht auch lo un- 
bärtig; das am meisten hierhergehörige Beispiel hat mir Mau in 
Erinnerung gebracht. In seinem Pompejanischen Bericht Bull. 85, 
162 beschreibt er ein Wandbild, dessen Zeichnung S. 168 vorliegt: 
Zeus und Danae sitzen hier auf derselben Bank, beide, offenbar 
nicht zusammen componiert, nach links. Danae ist völlig nackt bis 
auf die Busenbinde und ein Himation, das nur ihr r. Bein umhüllt, 
sonst, mit beiden Händen hochgehalten, den Regen des Goldes 
auffangen soll, der Blüthen gleich von oben herabrieselt. Neben 



(1) In der Sitzung, in welcher diese Erklärung vorgetragen wurde, brachte 
Mau noch zwei Beispiele eines bartlosen Zeus bei, nämlich das im Text 
benutzte und Heibig 7 Wernicke, A. D. VI 2, wo er für den Juppiter die 
Bartlosigkeit constatiert habe. Er wollte diese so erklären, dass da in helle- 
nistischer Zeit die Könige sich rasiert hätten, man diese Sitte auch auf den 
König der Götter übertragen hätte : eine Erklärung die sich hören Hesse, 
wenn die Bartlosigkeit des Zeus in hellenistischer Zeit eben so allgemein 
wäre wie die der Könige ; und desgleichen, da doch nicht allein die Könige 
sich rasieren Hessen, auch die Bartlosigkeit aller übrigen älteren Götter. 



168 



K. PETERSEN 



ihr also sitzt Zeus, dem hier besprochenen des Vettierhauses im 
Ganzen gleich, nur dass die Linke, ohne Blitz, halberhoben nach 
links ist, und dass sein Blick, der Kopfwendung entgegen, statt auf 
Danae oder den Regen vielmehr auf den Beschauer sich richtet. Es 
ist eben ein viel Geringerer, der hier gemalt hat, aber gemalt nach 




Fig. 4. 



demselben Vorbild ('), einer Darstellung des in Jugendschönheit 
strahlenden, mit dem Purpur bekleideten, gekränzten und von 
Schöpfungstrieb durchglühten Götterkönigs. 

Irre ich nicht, so ist es alexandrinische Dichtung und Kunst, 
welche, weiterführend was Euripides begonnen, solche Modelung 
auch fest gewordener Göttergeschichten vorgenommen, und, un- 
beirrt durch litterarische oder bildliche Tradition, vielmehr sogar 

(^) Danae sitzt zur Linken des Zeus auch im Vettierhaus. 



VARIA. IV, ZUM AUGUSTUS-BOGEN VON RIMINI 169 

in bewusstem Neuenmgsstreben, frei nach eigenem Empfinden und 
menschlichem Vorbilde Thun und Erlebniss der Götter gestaltet 
hat {'). 

IV. Zum Augustus-Bogen von Rimini. 

Der Bogen, welcher im J. 27 v. C. dem Augustus von Roms 
Senat und Volk geweiht wurde, zum Danke für die Pflasterung 
der via Flaminia von Rom bis Ariminum, ist einer der ältesten 
unter den erhaltenen Bögen, von grosser Einfachheit des archi- 
tektonischen, wie des bildlichen Schmuckes. Ersterer besteht nur 
in einem jeder der beiden Fronten ohne organische Verbindung 
vorgelegten Giebel, der von zwei Säulen getragen wird ; letzterer — 
von dem einst oben darauf gestellten Statuen abgesehen — in den 
Stierköpfen der Gewölbeschlusssteine und jederseits zwei Rund- 
bildern in den Zwickeln, da wo später höher die Victorien, tiefer 
die Knaben-Jahreszeiten zu stehen pflegen. 

Von den Rundbildern am Constantinsbogen sind jene des Ro- 
gens von Rimini schon durch den Rahmen verschieden, denn wäh- 
rend die so viel grösseren Trajanischen, welche ganze Figuren und 
sogar Hintergründe enthalten, von vortretendem plattem Leisten, 
mit Ablauf nach innen gegen das Reliefbild, eingefasst sind, ha- 
ben die andern die Form von Clipei mit Köpfen, nur nicht von 
Menschen sondern von Göttern. Diese sind ausser durch ihre per- 
sönlichen Züge auch durch Attribute kenntlich, welche auf dem 
Rahmen ungefähr an eben den Stellen angebracht sind, wo sie bei 
den in ganzer Figur dargestellten Göttern ihren Platz in den Hän- 
den oder sonst haben würden. Allgemein erkennt man (2) 1. Jup- 
piter an der dem Otricolikopfe ähnlichen Bildung und dem Blitze, 
welcher unten auf dem Rahmen so dargestellt ist, als ob ihn der 
Gott wie S. 161 in der Linken im Schosse hielte; 2. Neptunus an 
Dreizack und Fisch; jener ist, wie von der Rechten gehalten, höher 
links, dieser, wie auf der Linken liegend, tiefer rechts sichtbar; 

(}) Ueber die Europavase s. Jahn, Entf. d. Eur. S. 4; die lovase Mil- 
lingen, vases Coghill 46; MOller-Wieseler-Wernicke, A. D. VII 12; Reinach, 
R6p. Vas. II, 16; über beide Overbeck, K.M. II 199. 

(*) Vgl. Brighenti, lllustrazione deWarco di Augu&to Arim. 1825, p. 69; 
Tonini, Storla di Rimini I 173; Rossini, archi trionfali Taf. 12 f. Dessau 
im C. I. L. XI 365; Graef iu Baumeisters Denkmälern III 1876. 



170 E. PETERSEN 

8. Mars imbärtig, mit Helm, von welchem indessen nur das Visier 
über der Stirn im Rahmen Platz hat ; ferner ist da der Panzer unter 
dem Hals auf dem Rahmen, und auf demselben 1. (d. h. zur Rech- 
ten des Gottes) das Parazonium, rechts ein kleiner Dolch ('), so 
dass Minerva gänzlich ausgeschlossen ist, und ebenso auch Roma; 
4. wie man glaubt, Venus, die man an der Taube erkennen will, 
welche unten am Rahmen, mit umgewandtem Kopfe nach links 
hin steht, während zur Linken der Figur, höher ein undeutlicher 
Gegenstand gesehen wurde. Die Verkennung dieses Attributs und 
Verwechselung der Plätze hat nun aber den Thatbestand und das 
einfache Verständnis der Götterauswahl verdunkelt. 

Brighenti gab Juppiter und Mars als auf der Landseite d. h. 
nach Rom blickend, Neptun und Venus als an der Seeseite befind- 
lich an. Tonini fasste, wohl durch auffällige Trennung von Mars 
und Venus bewogen, diese beiden und wieder Juppiter und Neptun 
zusammen, allerdings nur in einfacher Herzählung Giove, Nettuno, 
Vener e e Marie, die vielleicht gar nicht so zu verstehen ist. Aber 
die Sache ist weder so wie jener noch wie dieser sagt : nach Rom 
schauen Juppiter zur Linken (des Beschauers) und ' Venus ' zur 
Rechten; aufs Meer Neptun zur Linken und Mars zur Rechten, 
das ist bei Rossini völlig klar, und doch setzt Graef a. a. 0. wie- 
derum ganz so wie Brighenti: nördlich Neptun und Venus, süd- 
lich Juppiter und Mars an. Mars, den man dieses Platzes, nach 
aussen, wegen und wegen der Waffen, namentlich des Dolches nicht 
für Roma halten kann, bleibt ; aber Venus muss weichen : Der ju- 
gendliche gelockte Kopf kann so gut Apollo wie Venus sein, der 
Vogel ein Rabe so gut wie eine Taube, aber das für undeutlich 
erklärte Attribut ist am Original wie auch in Photographie Mo- 
scioni 4532 noch deutlich kenntlich als Leyer oder Kithara, am 
richtigen Platze, wie von der Linken des Gottes gerührt. An dem 
von Rom dem Augustus geweihten Bogen sind also die vier Götter 
aus leicht verständlichem Grunde gewählt: Juppiter der höchste 
Gott des Capitols und Apollo, der Schutzgott des Augustus an 
der Rom zugekehrten Seite; nach dem Meere zu Neptun und 



{}) Also wie bei dem römischen Krieger, bei dem allerdings mitunter 
die beiden WaflFen den Platz tauschen. Vgl. A. Müller, das Gingulum militiae, 
Ploen 1877 Tafel. Roma heisst der Kopf bei Baedeker. 



TARIA. IV, ZUM AUGUSTUS-BOGEN VON RIMINI 171 

Mars, der auch in Rom, nördlich wie südlich, vor dem Thore 
ein Heiligthum hatte, und hier wie dort auf Wache stand, in 
Ariminum in voller Rüstung, dr aussen allerdings nur in Bezug 
auf Rom, nicht auf Ariminum ('). 

V. Der Sarkophag eines Arztes (^). 

J. W. Clark, Bibliothekar von Cambridge, fragte vor zwei 
Jahren wegen des Verbleibs von einem bei Mazois (3) abgebildeten 




Fig. 5. 



(») Vgl. Preller-Jordan Köm. Mythologie. I 354. 

(*) Der ' Sarkophag eines Arztes ', welcher Revue arch4ol. 1858 S. 49 ff. 
und danach Arch. Zeit. 1858 S. 54 beschrieben wird, ist, wie aus der Beschrei- 
bung leicht zu erkennen ist, ein christlicher, der Dargestellte kein Arzt. 
Abgebildet ist er in Garrucci, Storia VI 321, 3. 

(3) Le palais de Scaurus pl. VIII, danach D. S. Dictionn. d. ant. 
Fig. 524 und Schreiber, Atlas XCI 8. 



172 E. PETERSEN 

Relief an, das ihn wegen eines, wie er nicht unrichtig meinte, da- 
rauf dargestellten antiken Bücherschranks interessierte. In [Matz-] 
Duhns Beschreibung 3127* war das Stück bald in Villa Haig, auf 
Monti Parioli, jetzt Herrn Balestra gehörig, gefunden; Mr. Clark 
suchte es dann selber auf; der jetzige Besitzer gab gern die Erlaub- 
niss zur Photographie, und wenige Worte genügen, die danach an- 
gefertigte Abbildung zu erläutern. 

Der Sarkophag ist vorn, wie so viele spätheidnische und früh- 
christliche, beiderseits der Mitte mit gewundenen Cannelüren ge- 
füllt: nur ein Mittelfeld, von zwei glatten Streifen seitlich einge- 
rahmt, bleibt für das Bild des Bestatteten. 

Ein rasierter Mann mit schon gefurchtem Antlitz sitzt auf 
einem Lehnstuhl nach rechts, über dem üntergewand nicht mit 
der Toga sondern mit griechischem Mantel angethan ('). Mit beiden 
Händen hält er, eifrig lesend, ein theilweise aufgerolltes Volumen 
so, dass die Schriftcolumnen senkrecht auf einer Langseite des geroll- 
ten Blattes stehend zu denken sind. Vor ihm, weiter zurück, steht 
ein Schrank, dessen geöffnete Thüren innen zwei Borte sehen lassen. 

Die unterste Abtheilung ist leer ; auf dem unteren Bort steht 
eine flache Schüssel; auf dem oberen liegen acht rundliche Ge- 
genstände, ' Brote oder Früchte ' sagen Matz-Duhn. Nein, die 
runden Körper treten merklich über den Hand des Bortes vor, 
müssen also cylindrisch sein: es sind Rollen, an denen auch die 
innere Höhlung an geringer Eintiefung des Mittelpunktes kenntlich 
scheint. Ja, da im Schrank vier Rollen unten, darüber drei je 
zwischen jenen liegen, darüber nur eine links, so dass der Zwi- 
schenraum rechts leer ist, so darf man, ja muss man denken, dass 
hier eben als neunte die Rolle lag, die der Mann aus dem Schranke, 
genommen hat, so wie der Dichter des Lateranischen Reliefs (*) 

(') Ich kann nicht umhin, darauf aufmerksam zu machen, dass unser 
Sitzender den einen Fuss ebenso stark vorstreckt und den einen Arm ebenso 
ins Himation stützt wie die Bronzestatue des S. Peter im Vatican und das mit 
ihm verglichene zu einem Petrus gemachte Sitzbild in den vatikanischen 
Grotten, bei Grisar in der Civ. cattol. 98, 461. Es dürfte darin eine weitere 
Bestätigung der frühen Zeitbestimmung jener Bronzestatue liegen, die Grisar 
auf gute Gründe und sorgfaltige Untersuchung der Statue, an welcher ich 
selber habe theil nehmen dürfen, aufbaut. Vgl. auch Graeven, Efenbein werke 1 . 
(2) Petersen, vom alten Rom * S. 134. Vgl. Schreiber, Hellenist. Reliefs 
Taf. 84; ebda 46 ff. wurde die Maske aus dem kleinen hausförmigen Kas- 
ten genommen ; Mus. Borb. II, 56. 



VARIA. V, DKR SARKOPHAG EINES ARZTES 173 

aus dem gleichermaassen geöffneten Schrein weiter vorn die Rollen 
zu den vor ihm stehenden Masken nahm. Ein Schrank sehr ähnlich 
dem unseres Lesenden, steht in dem Amorenbilde das von einigen 
als Apotheke verstanden wurde, anders von Mau oben S. 139. 

Aber dass unser Mann nicht als Dichter oder auch nur als 
Freund der Dichtung vorgestellt werden soll, wie andre in Sarko- 
phagdarstellungen einer Muse gegenüber sitzende Männer (') das 
ist gewiss. Denn nicht eine Muse erscheint ihm gegenüber, son- 
dern auf dem Rollenschrank steht aufgeklappt etwas was Matz- 
Duhn schlankweg ein Buch nennen. Ein Buch neben den Rollen 
wäre wohl etwas befremdlich. Jede der beiden auseinanderge- 
klappten Hälften hat ja auch einen Rahmen ganz so wie ihn aller- 
dings auch Schreibtafeln in Abbildungen und in AVirklichkeit auf- 
weisen (s. Schreibers kult. bist. Atlas Taf. XCI). Innerhalb dessen 
stecken, wenn auch durch Verwitterung etwas undeutlich, doch völlig 
sicher links mindestens zwei, rechts drei Gegenstände. Kurz, es ist 
ein aufgeklapptes Besteck mit Instrumenten, wie sie grade auf grie- 
chisch-römischen Grab- und Votivsteinen den Arzt charakterisi- 
ren (2). Ein aus dem Peloponnes in den Palazzo Grimani gekomme- 
ner stellte rechts den heroisierten Arzt vor, hinter seinem Altar 
auf einem Stuhle (nicht Throne) sitzend, wie er auch für Askle- 
pios üblich ist, in der Linken die Rolle, mit der Rechten den zur 



(i) Z. B. Matz-Duhn II 2610, 2616; vgl. auch 3279 Haupt- und Sei- 
tenbilder. 

(*) Von 0. Jahn wurden in den Sitzungsberichten der K. Sachs. Ges. 
d. Wiss. 1861 S. 330, unter den Darstellungen, welche sich auf antikes Hand- 
werk und Handelsverkehr beziehen ' zusammengestellt 1 und 2 der nachfolgend 
aufgezählten Monumente, die Bestecke allein abgebildet auf seiner Taf. IX 10 
und 11. Wiederholt sind 1-3, dazu 4 in Daremberg u. Saglio, Dictionn. d. ant. 
I 2 S. 1109 und 1114; dieselben S. 39, 15, 17 der unten citierten Schrift von 
Lambros: 1, Grabstein Grimani, jetzt in Berlin, bei Paciaudi, animadversiones 
ph.ilologicae X S. 92, besser, mit Angabe der Ergänzungen, Beschr. d. ant. 
Skulpt. Berlin 804, ohne Inschrift; 2, bei Palestrina gefunden, abgebildet 
Mnseo capitolino IV zu S. 24 daher bei D. u. S. und in Schreibers Atlas 
LXXII 11 (ebenda 10 = 3) irrig als im Capitolinischen Museum angegeben, 
während es noch in Palestrina sich befindet ; 3, in Athen im Asklepioshei- 
ligthum gefunden, s. Bulletin, de corr. hell. I, Taf. IX, Arch. Zeit. 1877 S. 166, 
86; 4, ein Stein im Lateran, stellt gewiss auch chirurgische Instrumente dar, 
aber nicht in einem Besteck. 



174 E. PETERSEN 

Adoration an den Altar Getretenen (seinem Weibe und Sohne?) 
Gewährung winkend. Hinter diesen der Baum mit der Schlange und 
der Diener mit dem Ross, oben das aufgeklappte Besteck mit 
drei Messern bez. Zangen oder Scheren in jeder Tafel. Ausdrücklich 
dem medico amico ist der Grabstein von Palestrina gewidmet, an 
dem über der Inschrift nur das aufgeklappte Besteck mit vier 
Instrumenten an jeder Hälfte zwischen zwei Rollen in Relief gebil- 
det ist. Konnte schon diesen Darstellungen gegenüber ein Zweifel 
an ihrer Bedeutung, wie ihn Jahn äusserte, kaum gerechtfertigt 
erscheinen, so wurde solcher vollends beseitigt durch den im Askle- 
piosbezirk am Südhang der athenischen Brag gefundenen Votiv- 
stein, wo zu beiden Seiten des ganz ähnlich dargestellten Bestecks 
je ein Schröpfkopf dargestellt ist, so wie dies Instrument häufig aus 
dem Alterthum auf uns gekommen ist('). 

In dem Besteck unseres römischen Steines, das wir aus dem 
untersten Fach des Schrankes herausgenommen denken dürfen, ist 
nun jedenfalls auf der rechten Tafel ein langstiliges Messer kenntlich 
von derselben Form, die Lambros in der S. 173 Anm. 2 citierten 
Schrift auf S. 41 abbildet, und die in Italien schon seit der ersten 
Eisenzeit bekannt gewesen ist. Die übrigen Instrumente haben eben- 
falls mit solchen der drei andern Bestecke so viel Aehnlichkeit, 
dass der ärztliche Beruf dessen, der in dem römischen Sarkophage 
ruhte, damit ausser Zweifel ist; und ganz besonders ist darauf auf- 
merksam zu machen, dass die mit den Bestecken nachgebildeten, 
wie die im Ditionnaire abgebildeten Instrumente so häufig an 
beiden Enden Schneiden oder andres Werkzeug haben. 

Als Grieche, wie so viele Aerzte waren, die sich in Italien 
niederliessen (2), zeigt der an unserem Sarkophag dargestellte 
Mann sich aber nicht allein durch seine schon bemerkbar ge- 
machte Tracht, sondern auch durch die distichische Inschrift, wel- 
che am oberen Rande des Sarges entlangläuft, vom linken Ende 
bis über dem Kopf des Mannes, wo das erste Distichon endet; 
worauf noch ein Hexameter auf dem linken und der Pentameter 



(1) Vgl. Konst. Lambros, Festschrift Ernst Curtius gewidmet, tisqI 
aixvuji/ xfd aLxvciaeaig nuQa xo7g aQ/ftiois, Athen 1895. 

(2) Friedläiider, Sittengesch. I* 320. 



VARIA. V, DER SARKOPHAG EINES ARZTES 175 

auf dem rechten Kahmen folgt. Aber diesen zwei Distichen, wie 
sie von Marini bei Visconti richtig (') wiedergegeben worden sind 

B ei (ff iTtitoXfitjaei ris tovtw avifianrefiEv uX'Aoy, 

Stjaeif TM (fiaxM tqI? ovo /eiXiddag ' 
röaans xnl nd^xta Xfirafi^ijaeiat, (IXXii x«i ((vxrjg 
teiaoi KTna&aUrjg ßkicipiräcpov xöXaaiy 

ihnen fehlt der Anfang, der augenscheinlich auf dem Deckel des 
Sarkophags gestanden haben muss. In der Villa Balestra ist der 
Deckel nicht; in Porto habe ich ihn ebenso wie in Ostia ver- 
gebens gesucht. 

Vielleicht ist aber die Inschrift erhalten, wenn auch nur in 
einer schlechten Copie, die Kaibel a. a. 0. 942 also corrigiert, nur 
dass ich einen beliebigen Namen eingesetzt habe, in welchem das 
€ aber auch der zweite Buchstabe gewesen sein könnte. 

A E[vvofio]s sttjttjQ ö nttraofpog \ iv&ti6e xsl/jui 

ov^i &c(fwy * j &ytjaxsif ftrj Xeye Tovg dya&ovc. 

Im Jahre 1824/5 in Ostia gefunden, ist sie von Melchiorri 
schlecht abgeschrieben, in drei Zeilen gebrochen, vielleicht nur 
wegen der Breite seines Papiers. Auf dem Leisten eines Sarkophag- 
deckels könnte das Distichon leicht in einer Reihe stehen ; aber wir 
erfahren nicht, von welcher Beschaffenheit der Stein war, der jene 
Inschrift trug. So bleibt das folgende Vermuthung, welche die 
Wiederauffindung des Steines, die mir nicht gelungen ist, vielleicht 
einmal widerlegen oder erhärten miag. Ist *A in Ostia gefunden, 
so glaubt man B wegen V. 3, d. h. wegen der an Portus zu zahlen- 
den Busse (^) hier gefunden. 

Dieser Schluss ist wohl nicht ganz zwingend, da wenigstens 
in Kleinasien, von wo man eben wegen der Strafandrohung den 
Arzt entstammt glauben möchte, die Busse öfters an einen benach- 
barten Ort zu zahlen ist {^). Aber auch wenn man ihn gelten lässt, 
bleibt die Zusammengehörigkeit von A und B möglich. 

(') Ausser #oprw und v. 2. /tA., v. 3 (ifxa. Uhdens von Kaibel benutzte 
Abschrift hat mehr Fehler. Auch v. Duhn giebt falschlich v. 3 tocca (das 
schluss- c steht neben dem Rande), und v. 4 koncin. 

(*) Um dessen willen hat Kaibel die Inschrift dem 4, Jhdt. n. C. zuge- 
schrieben, da nach Dessau im G. I. L. XIV S. 6 vor jener Zeit Portus nicht 
als selbständige Gemeine erscheine, sondern nur mit Ostia, verbunden. Das 
wird durch das rasierte Gesicht des Arztes bestätigt. 

(3) Vgl. G. Hirschfeld, über die griech. Grabschr. welche Geldstrafen 
androhen, Königsb. Studien I 103 u. 128 f. 



176 E. PETERSEN, VARIA. V, DER SARKOPHAG EINES ARZTES 

Dass A ohne Scbluss sei, kann man freilich nicht eben so 
behaupten, wie dass B der Anfang fehlt; was aber beide Stücke 
zusammenbindet ist, dass B der Sarg eines im Bilde studierend 
dargestellten Arztes ist ; dass A die Grabschrift eines allem Anschein 
nach bestatteten, nicht verbrannten Arztes ist, der sich Tcävffocpog 
nennt; dass der Arzt in A wie in B ein Grieche ist; dass die 
Grabinschrift von A und von B in gleichem Versmaass abgefasst 
sind und, so viel sich jetzt sagen lässt, in gleicher Schrift. 

Freilich ist eine kleine Incongruenz zwischen A und B vor- 
handen, indem dort der Artz in erster Person selber redend er- 
scheint, hier in dritter Person, wo doch mit ifioi statt rovcrp zu- 
gleich der metrische Fehler behoben wäre (0- Endlich wissen wir 
ja dass wenigstens reichlich ein Jahrhundert früher, zu Gl. Galens 
Zeiten, jeder der beiden Orte, sowohl Portus wie Ostia (2), nicht 
blos einen sondern verschiedene Aerzte hatte, da jener betont, dass 
gewisse besondere Fälle ihm bekannt geworden wären, auch wenn 
sie in Ostia oder in Portus vorgekommen wären, xard tor Xifisva 
xal rrjv nXriaCov avrov noXiv ^V 'OctCkv ovofJLccCovüiv, diu to 
tovq €V sxHvoig toTg y^iaqCoig, ov<Ji xal avcoTg TtoXvavd-Qoanoig, 
laxQSVOvtag arravTag slvai (fCXovg (^). 

Vielleicht fragt nun einer noch, wozu die Schale im Schranke 
des Chirurgen gedient haben möge. Man kann wohl an mehreres 
denken, z. B. an ein Gefäss zum Aufnehmen des Blutes oder zum 
Reinigen der Instrumente; vielleicht auch daran, dass der Arzt 
seine Honorare hineingelegt habe. Dabei mag erwähnt sein, dass 
in Notisie 1898 S. 130 eine scodella, also ein Gefäss von ähnli- 
cher Form wie jenes im Schrank stehende, 18 cm. weit, 7 hoch, 
gefunden ist mit dem eingeritzten Worte medici. 

E. Petersen. 



{}) Ich finde in Kaibels Epigr. graeca nur 274 analog, wo V 4 pro /niy 
debebat ^ue esse. Aber in unserem Fall könnte B ein Zusatz der Angehörigen 
sein, wie sie nicht selten sind, z. B. Kaibel 529, 588. Oder sollte in A xsTfjai 
verlesen sein für xutai, da die dritte Person unbedingt angemessener und, 
wie im Kallimacheischen Vorbild, Epigr. VII, Anth. Pal. VII 451, so auch 
in einer andern Nachahmung, Kaibel 559 gebraucht ist? 

(8) Galen Br. 18 K S. 3. Friedländer Sittengesch. I* 325. 

(3) Die Worte ovat — nokvay&Qwnoig habe ich von hinter tplXovg, wo 
sie gedruckt sind, zurückgezogen. 



DIE DIOSKÜßEN IN THERAPNAE 



Von einem Bildnisse der Dioskuren miiss Granius Licinianus 
pg. 5 B 8. der Bonner Ausgabe gesprochen haben, da die Lesung 
' Castoris et Poilucis simulacra' so gut wie sicher steht. Diese 
Erwähnung kann freilich nur in einem der zahlreichen Excurse des 
Annalisten gestanden haben, und wir sehen auch deutlich, dass sie 
an die Neuorganisation der römischen Reiterei under Tarquinius 
Superbus angeknüpft war. Diese Aenderung bestimmt Granius dahin: 
ut priores equites bims equos in proelium ducerent, d. h. der 
König errichtete nicht nur, was allgemein bekannt, aber von Gra- 
nius nicht erwähnt ist, zu den Eamnes, Tities, Luceres Doppel- 
schwadronen unter dem Namen der R. T. L. secundi oder poste- 
riores, sondern die Ramnes, Tities, Luceres hatten mit einem 
zweiten Pferde auszurücken. Bei dem damals auftauchenden Inte- 
resse für Alterthümer {curiosiias: Herm. Peter. Geschichtl. Litte- 
ratur über die röm. Kaiserzeit. T. 108 flf. 146 if.) hatte der Autor 
seinen Lesern wo möglich zu erklären, woher diese Sitte stamme ; 
und wie man denn das Meiste aus Griechenland herleitete, so hat 
auch Granius eine solche Erklärung vorgelegt, wenn er schon 
an ihrer Richtigkeit zweifelt. Sie steckt in der üeberlieferung : 

EACON DINE DE • INE • V T • iSINITALIAMVE 

• • • E = eä consuetudinB Laeedaemone cultu Castoris in Italiam 
venisse {venire glaubten die Bonnönser lesen zu dürfen). Castor war 
ja in dem Grade die Hauptperson, dass man Casiores für Castor 
et Pollux gebrauchte. Natürlich bekommt aber die ganze Her- 
beiziehung des Castor nur einen Sinn, wenn diesem zwei Pferde 
zugesprochen werden. Und den Plural, wenn auch nicht das Zahl- 
wort, haben wir noch erhalten, da ELSOS nur auf celsos, nämlich 
equos, ergänzt werden kann, worunter sich aufbäumende Pferde zu 
verstehen sind. Das verbum proprium, welches dem sie bändigenden 

12 



178 ED. WÖLFFLIN 

Castor dann gebührt, ist coniinere, gleichfalls noch zur Hälfte er- 
halten (CONii •£••), und da DICHT in dient aufgelöst werden 
rauss, so knüpfte an den oben mitgetheilten Accusativ cum infin. ein 
Relativsatz an, welcher mit Ergänzung der fehlenden Buchstaben 
etwa lautete: {quem duos) celsos dicimt continere. Das Subject 
bleibt unbestimmt. 

Fragt man weiter, wo eine solche Castorstatue mit zwei Pfer- 
den existieren sollte, auf welche man sich zur Erklärung der Ein- 
richtung des Tarquinius berief, so muss man sie natürlich in Sparta 
suchen, wohin die Schwester Helena mit Menelaos weisen. Den 
Namen dieses Heiligthumes hatte Granius genannt; er steckt in den 
den Worten ' Castoris ei Pollucis simiilacra ' vorangehenden Silben 
AMEN IS, worin Heerwagen Amyelis zu finden glaubte. Unmöglich, 
da dort wohl Apollo, nicht aber das Dioskurenpaar verehrt wurde. 
Dagegen ist dieser Cultus bekannt für Therapnae in Sparta. Pli- 
nius nat. hisL 4, 16 giebt die gute handschriftliche üeberliefe- 
rung Theramne; bei Pomponius Mela 2, 41 ist auch Therampnae 
und Therampne überliefert, so dass Detlefsen keinen genügenden 
Grund hatte, nach einer Coniectur von ürlichs Therapne zu emen- 
dieren; aber auch die Form des Granius Theramenae ist kaum 
zu beanstanden. Nun lautet der ganze Satz: Theramenis (oder 
Therampnis) Castoris et Pollucis simulacra sirios equos habent 
nullos, und ich dachte daher zuerst an ' sinistros ', bis ich fand, 
dass Heerwagen das Wort richtiger = asiqaiovg (Handpferde) er- 
klärt hatte. Somit muss diese Periode, welche eine Einwendung 
enthält, mit einer adversativen Partikel, etwa verum, einem Lieb- 
lingsworte des Autors, eingeleitet gewesen sein. 

Die Kichtigkeit unserer Herstellung bestätigen auch die folgen- 
den Worte: . . . iqviamiVS SANI ADMONVISSE = anliqui illius 

fani admonuisse. Die vorausgehenden Buchstabenreste eAcISi 

sind zwar an sich zweifelhaft, doch führt die Vergleichung von 
Quintil. 9, 4, 15 illud notasse satis habeo (während die correcten 
Autoren und noch Sueton das Praesens Infin. gebrauchen) auf: satis 
habeo antiqui illius fani admonuisse, und mit dem Verbum admo- 
nere (beiläufig an etwas erinnern) hat ja Granius selbst den Cha- 
racter des Excurses anerkannt. 

Es bleibt noch die Frage zu beantworten, wie Granius im 26. 
Buche auf die Reorganisation der Reiterei unter Tarquinius ge- 



DIE DJOSKL'REN IN THERAI'NAE 17^ 

kommen sei; natüi-licli auch diess wieder nm* episodisch, da Buch 
28 über die Jahre 163 und 162 vor Chr. handelte. Granius ver- 
weist an unserer Stelle bezüglich eines ähnlichen militärischen 
Excurses auf ein früheres Buch: de ordinihus et nominibus et mi- 
meris .... müitiim . . in superioribus libris dixi ; verum de equi- 
tibus non omittam. Nun hat Livius, welchen Granius in der Haupt- 
sache excerpiert, jedenfalls fleissig gelesen hat, seine berühmte 
Auseinandersetzung über die Manipularstellung, die ordines etc. an 
den Latinerkrieg des Jahres 340 vor Chr. und den durch die Auf- 
opferung des Decius Mus errungenen Sieg am Vesuv angeschlossen ; 
die Schlacht, an welche Granius seine Notiz über die Reiter an- 
zuhängen für gut fand, scheint die Schlacht bei Pydna gewesen zu 
sein (168), welche nach der Disposition gut für das 26. Buch passt. 
und als das Ende der Phalangitentaktik einen Einschnitt in der 
alten Kriegsgeschichte bezeichnet. Dass in derselben Castor und 
PoUux den Römern zu Hülfe kamen, haben Autoren wie Florus 
1, 28 überliefert, und so könnte denn Granius durch seine Quellen 
an die Dioskuren erinnert worden sein ; allein diese Annahme ist 
nicht nöthig und es genügt, wenn Granius an die Besiegung des Per- 
seus einige Bemerkungen über die Tapferkeit und das Kriegswesen 
der Römer, besonders über die Reiterei anknüpfte. 

Zuletzt folgt bei Granius eine unklare Angabe: scio quod 
{cod. quos) Spartiatae . . . ävCTcnovg (?) ßagebant (?), welche wir nur 
darum noch erwähnen, weil das Subject des Nebensatzes bestätigt 
dass wir ein gutes Recht hatten an Therapnae in Sparta zu denken. 
Vgl. Mich. Flemisch, Arch. f. lat. Lexikogr. XI 266. 

München. 

Ed. Wölfplin. 



SITZUNGEN UND ERNENNUNGEN 



12. Januar: Hüelsen: neue Untersuchungen über den Tempel der 
Vesta im Anschluss an Dressel. — Graeven : die Geburt des 
Apollon auf einer Knochenpyxis. {Fondation Piot VI, 2). — 
Petersen: moderne Kaisergemmen (Mittb. 99, 244). — 

26. Januar : Mau : Bemerkungen zu einem t)ompeianischen Wand- 
gemälde (oben S. 139). Dazu Huelsen. — Petersen : die 
Ringer der Tribuna. Dazu Loewy (Oben S. 152). 
9. Februar: Krueger: die Gigantensäulen. Dazu Petersen und 
Loewy. — Petersen legt Koldewey u. Püchstein: Die 
Griechischen Tempel in Unteritalien und Sicilien vor. — Soti- 
RiADis: über den von ihm ausgegrabenen Tempel von Ther- 
mos. — 

23. Februar: Sotiriadis über die Metopen des Tempels von Ther- 
mos. — Hüelsen: Der Lapis niger auf dem Comitium ver- 
muthlich durch Maxentius erneuert (Arch. Anz. 1900 5. 3 
vgl. Das humanistische Gymnasium 1900 Hft. 2). Dazu Pe- 
tersen. — 
9. März: Maass: Form uod Bedeutung des Namens Septizonium 
(Septizodium). Dazu Hüelsen und Petersen. — Petersen : 
über den Sarkophag eines Arztes. (Oben S. 171). — 

23. März : Maü : der Tempel des Vespasian in Pompeji (Oben S. 133) 
Dazu V. SiCKEL, Hüelsen, Petersen. — Sotiriadis : die Kad- 
meia in Sage, Dichtung und Geschichte. — 
6. April: Hüelsen: die Basilica Aemilia und der Tempel des 
Janus. — Petersen : die Medaillons am Augustusbogen von 
Kimini (oben S. 169). — Derselbe über einen Bildercyklus 
im Haus der Vettier (oben S. 160). — 

20. April : Petersen : Tarontiner Thonvotivreliefs der Dioskuren 
(deutsch, oben S. 3.). — Lümbroso, die Erschaffung der Musen 
(italienisch). — Amelüng : eine weibliche Statue des 5. Jahr- 
hunderts V. C. (italienisch; wird im nächsten Hefte erscheinen). 



Ernannt wurden zu Ehrenmitgliedern die Herren Hein- 
rich Lehmann - Halle a. S.. A. von Swenigorodskoi - z. Z. Meran; 
zu ordentlichen Mitgliedern die Herren Johannes Ficker - 
Strassbnrg i. E.; Hugo Graf Walderdorff - Regensburg; zu cor- 
respondierenden Mitgliedern die Herren march. N. Per- 
sichetti - Aquila; Karl Fredrich- Berlin; Chr. Blinkenberg - 
Kopenhagen; Otto Rübensohn - Berlin; Marques de Montsa- 
LUD - Madrid; Wilhelm Wilberg - Athen; Navpliotis - Faros; 
D. BiKELAS - Athen ; Teopotos - Volo. 



WEIBLICHE GEWANDSTATUE 
DES FÜENFTEN JAHRHUNDERTS. 

(Taf. m, IV). 



Im letzten Winter führte mich der Zufall in die Werkstatt 
eines römischen Kunsthändlers, in der die umstehend abgebildete 
Statue (Fig. 1 u. 2) meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Die Figur 
lag auf dem Rücken am Boden : sie war oberhalb der Kniee 
mitten durchgebrochen, und die beiden Teile sollten zunächst zu- 
sammengefügt, sowie die Plinthe Torne ergänzt werden, damit die 
Figur aufrecht stehen könnte. 

Schon in dieser Lage gab sie sich als eine Replik des sehr 
interessanten Typus einer weiblichen Gewandtigur zu erkennen, 
von dem das Capitolinische Museum zwei Exemplare besitzt, die 
von Heibig in seinem « Führer » unter no. 418 und 420 kurz be- 
sprochen sind, und denen Petersen bei seinen Führungen durch die 
römischen Museen stets eine besondere Darlegung widmet (Cla- 
rac 976, 2531 u. 2532). 

Ein weiteres Exemplar steht im Hof des Palazzo Giustiniani (') 
(Matz-Duhn Antike Bildw. in Rom no. 1448; Clarac 506 A 1092 C), 
und zwei befinden sich im Louvre (a : Fröhner Notice de la sculpt. 
ant. no. 383; Clarac 335, 1035; aus Villa Borghese. b: Fröhner 
a. a. 0. no. 384; S. Reinach Repertoire de la statuaire p. 672 
no. 2). Die neue Replik — die sechste demnach — erregte mein 
besonderes Interesse dadurch, dass sie den Kopf ungebrochen 
trägt e). 

(1) Aach die beiden capitolinischen Exemplare stammen aus dem Besitz 
der Giustiniani. 

(*) Ergänzt sind an ihr: die Nase, die vordersten Teile des Mantels 
neben den Wangen, der 1. Fuss, soweit er sichtbar ist, der grosse und zweite 
Zehen des r. Fusses, der vordere Teil der Plinthe. Die Vorderseite ist stark 
bestossen. Die 1. Hand fehlt; ebenso ein Teil des Mantelzipfels hinter dem 
1. Arm und die Ecke der Plinthe darunter. H. 1,97 m. Feinkörniger weisser, 
w^ohl pentelischer Marmor. Nach Aussage des Kunsthändlers wäre die Figur 
in Aquino gefanden worden. 

13 



182 W. AMELUNG 

Dargestellt ist eine Frau, aufrecht stehend mit 1. Standbein ; 
der r. Fuss leicht zur Seite gesetzt ; bekleidet mit dem ionischen 




Fig. 1. 



Chiton, von dem aber nur der Rand über den Füssen sichtbar wird, 
denn die ganze übrige Figur ist von einem weiten Himation um- 



WEIBLICHE GEWANDSTATÜE DES FUENFTEN JAHRHUNDERTS 183 

hüllt, das mit seiner einen Seite auf der 1. Schulter und dem 1. 
Arm ruht, dann um den Rücken und über den Kopf gelegt, weiter 




Fiff. 2. 



um die Vorderseite der Gestalt herumgenommen und endlich mit 
der andern Seite wieder über die 1. Schulter und den 1. Arm, die 



184 "W. AMELUNG 

schon bedeckt sind, zurückgeworfen ist. Der r. Arm ist ganz vom 
Himation bedeckt ; er ist dicht an den Körper gelegt ; der Oberarm 
geht gerade abwärts, der Unterarm ist erhoben, so dass die Hand 
vor der r. Brust liegt ; sie ist mit dem kleinen Finger nach aussen 
gehalten, die Handfläche also schräg nach unten geöffnet; die Finger 
ruhen leicht gebogen in den Falten. Die Linke ragte aus dem 
Himation hervor; sie hat sich bei keiner der Wiederholungen er- 
halten ; auch ist keine Spur eines Attributes (Ansatz oder Stütze) 
zu finden. An den Füssen einfache Sandalen. 

Der Kopf ist ungebrochen erhalten ; aber aus dem Himation 
blickt ein blödes römisches Antlitz mit einer Frisur, wie sie Lu- 
cilla, die Gemahlin des Lucius Verus, getragen hat. Möglich, dass 
man in den Zügen ein Porträt dieser Person selbst erkennen darf. 
Die Arbeit an dem Gesicht ist ganz besonders schlecht; d. h. an 
den äusserst einfachen Formen des Körpers, der nur zu copieren 
war, konnte das geringe Können des Verfertigers nicht so viel ver- 
derben wie an dem complicierteren Teil, den er selbst zu schaffen 
hatte. 

So unerfreulich dadurch auch der Eindruck der Werkes ge- 
worden ist, so beweist doch die Thatsache, dass eine römische 
Dame des zweiten Jahrhunderts n. Chr. sich in diesem Typus, der 
dem Geschmack ihrer Zeit unmöglich sehr reizend erscheinen konnte, 
porträtieren liess, dass das Original in Rom eines hohen Ansehens 
wert erachtet wurde, sei es, dass es das Werk eines berühmten 
Künstlers war, oder dass es als Cultstatue in einem der Haupt- 
heiligtümer der Stadt aufgestellt war. Denn dass wir in den sechs 
genannten Repliken Copieen eines griechischen Originales des fünf- 
ten Jahrhunderts vor uns haben, braucht nicht erst hervorgehoben 
zu werden. 

Als ich die Statue zum zweiten Male sah, war sie aufgestellt, 
und nun bemerkte ich zu meiner Freude, wie leicht sich ihr Ver- 
fertiger seine Arbeit gemacht hatte. Nur das Gesicht mit dem sicht- 
baren Teil der Frisur war romanisiert worden, während alles üeb- 
rige, d. h. der vom Himation bedeckte Schädel mit seinem langen, 
gerade abstehenden Haarschopf augenscheinlich einfach copiert war ; 
und diese Annahme wurde zur Gewissheit, da es mir alsbald ge- 
lang, einen in mehreren Exemplaren erhaltenen Kopftypus zu be- 
stimmen, der eben in diesen Teilen vollkommen mit dem Kopf 



WEIBLICHE GEWANDSTATUE DES FUENFTEN JAHRHUNDERTS 185 

der neu-entdeckten Statue übereinstimmt, während Gesicht und 
Frisur nicht, wie dort, römisch, sondern griechisch sind, und zwar 
in einem Stil gehalten, der auf dieselbe Entstehungszeit schliessen 
lässt, die bisher allgemein für den Typus der Figur angenommen 
worden ist. 

Dieser Kopftypus ist am besten vertreten durch die sog. Aspa- 
sia in Berlin (Beschreibung d. ant. Skulpt. no. 605). Wiederholungen 
befinden sich: im Louvre (Salle grecque no. 848; Glarac 1082, 393; 
Photographie Giraudon no. 1249), im Pal. Ducale in Venedig 
(Dütschke Ant. Bildw. in Oberitalien V no. 71 ('); Fotografia Ali- 
nari no. 12909; ganz überarbeitet), im Museo nazionale romano 
(Petersen Rom. Mitth. 1893 p. 95; Mon. ant. pubbl. dalVacc. dei 
Lincei 1895 p. 80 f.; nur der Oberteil des Kopfes erhalten; geringe 
Arbeit; gefunden auf dem Palatin, jetzt in einem Magazin des ge- 
nannten Museums (2), dessen Direction mir gütigst gestattete, Photo- 
graphien von dem Stück zu nehmen, die beim Rom. Institut er- 
hältlich sind), ferner eine im Gabinetto Archeologico dell' Univer- 
sitä zu Pavia, die mir dm'ch die Freundlichkeit Mariani's bekannt 
geworden ist und sich durch ihre gute Erhaltung und Arbeit aus- 
zeichnet (3). Von einer sechsten, die sich zu Gortyna auf Kreta 
gefunden hat, macht mir Savignoni gütigst Mitteilung. Sie befindet 
sich jetzt im Museum von Candia. Es fehlen Nase, Teil der Lippen, 
Kinn und Teile des Himation. Die Arbeit ist nicht hervorragend 



(') Der ebendort angeführte Kopf no. 509 in Catajo ist keine Wiederho- 
lung; vgl. Arndt-Amelung Einzelaufnahmen no. 36. 37. lieber den von D. eben- 
falls als Wiederholung citierten Kopf in Catajo no. 433 fehlen mir Notizen. 

(*) Heibig beschreibt in seinem « Führer ■» einen andern Kopf unter 
no. 1029, als ob er diese Replik der « Aspasia » wäre. Thatsächlich hat jener 
Kopf gar nichts mit dem fraglichen Typus zu thun, und stammt nach der 
Guida del Afuseo (sec. ed. p. 21 f. no. 16) zumal aus den Depositi del Kirche- 
riano. Trotzdem ist die Verwechselung Helbigs auch in den Text jener Guida 
übergegangen. 

(3) M. teilt mir darüber Folgendes mit : « La testa della c. d. Aspasia 
BernouUi, che si trova nel Gab. arch. deW Univ. di P., i in marmo greco 
di grano grosso ; non c'i nessun documento sulla sua provenienza. lo la tro- 
vai gettata in un cantone e la feci ripulire e mettere sopra un piedistallo. 
il identica agli altri esemplari conosciuti; sembra di buon lavoro, forse 
greco. E danneggiata soltanto nel naso e nel mento, un po^ piü verso destra 
che verso sinistra, tanto che della narice sinistra e conservato un pezzetto. 



186 W, AMELUNG 

und besonders in den Augen nicht sehr stilgetreu. Savignoni wird 
das Stück in einem Bericht über seine Reisen auf Kreta publicieren. 

Die Zugehörigkeit dieses Kopftypus hätte schon an dem Exem- 
plar der Figur im Pal. Giustiniani nachgewiesen werden können, 
wenn es bei dem desperaten Erhaltungszustand jener Replik mög- 
lich gewesen wäre, sicher zu bestimmen, welche Teile antik, welche 
modern seien. Jetzt kann man mit Hülfe der besser erhaltenen 
Copie bestimmen, dass Matz-Duhn recht haben, wenn sie — abge- 
sehen von Kleinigkeiten — an dem Kopf nur die Gesichtsmaske 
für modern halten. 

Es musste mir daran liegen, die thatsächliche Probe der Zu- 
gehörigkeit durch das Zusammenfügen zweier Gypsabgüsse machen 
zu können. Durch die Liebenswürdigkeit des derzeitigen Besitzers 
wurde mir ein Abguss der ganzen, neu-entdeckten Figur zur Ver- 
fügung gestellt und durch die Vermittelung der Direction der Ber- 
liner Museen, der ich dadurch zu besonderem Danke verpflichtet 
bin, wurde das Berliner Exemplar der Kopfes geformt ('). 

Nachdem der Kopf der Statue abgenommen war, gelang die 
Vereinigung des Torso und des Berliner Kopfes in der That voll- 
kommen und so überzeugend, dass jedem Zweifel nunmehr der Boden 
entzogen ist. Abbildungen der auf diese Weise wieder gewonnenen 
Statue geben unsere Tafeln III u. IV. Mit ihr haben wir uns nun 
zu beschäftigen. 

Die Figur ist eine vollendete Darstellung weiblicher Ehrwür- 
digkeit und Züchtigkeit. Niemals wieder sind diese matronalen Ei- 
genschaften in so Ehrfurcht gebietender und doch so schlichter 
Weise zur Erscheinung gebracht worden. Alles vereinigt sich, 
diesem Charakter mit monumentaler Einheitlichkeit Gestalt zu 
verleihen: der einfache ruhige Stand, die geschlossene Haltung 
der Arme, die tiefe Verhüllung, die den Körper mit glatten Flächen 
und einem einfachen System weniger gerader oder leicht geschwun- 
gener Falten umgiebt, die die Hauptpunkte des Körpers mit einan- 
der verbinden, sodass die Form der Gestalt unter der Umhüllung 
nicht verloren geht, das ernste stille Antlitz mit dem strengen 
Ausdruck, der nur durch die leichte Wendung und Neigung etwas 

(') Die Figur ist seither in den Besitz des Berliner Museum über- 
gegangen. 



WEIBLICHE GEWANDSTATUE DES FUENFTEN JAHRHUNDERTS 187 

gemildert wird, umrahmt von den vollen, gleichmässig geschei- 
telten Haarsträhnen imd den wenig bewegten Falten des Himation. 
Es liegt eine tiefe Kühe imd Stille über die ganze Erscheinung 
gebreitet, herber Ernst und schlichte Schmucklosigkeit, die sich 
im Ausdruck der Bewegungen und des Antlitzes ebenso wie in 
der Einfachheit der künstlerischen Mittel kundgeben. 

Hat die Figur eine sterbliche oder eine göttliche Matrone dar- 
gestellt ? — Die entscheidende Antwort auf diese Frage würde uns 
die linke Hand durch ihre Haltung oder ihr Attribut geben können. 
Sie hat aber, wie schon hervorgehoben wurde, bei keiner der Wie- 
derholungen eine Spur hinterlassen. Da indess einerseits die That- 
sache, dass eine Römerin später Zeit sich in dem Typus der Figur 
hat porträtieren lassen, dafür spricht, dass das Original nicht nur 
durch einen berühmten Künstlernamen, sondern auch als Darstellung 
einer Göttin berühmt war, da wir ferner in der Zeit, in der das 
Original geschaffen wurde, kaum eine monumentale Bildnissstatue 
einer Matrone voraussetzen können, so hat die Annahme, dass 
die Statue die göttliche Matrone Demeter darstelle — nur sie 
kann in Frage kommen — , sicher viel Wahrscheinlichkeit für sich. 
Wir hätten dann in der Rechten den Strauss von Aehren und 
Mohn zu ergänzen. Thatsächlich ist ja Demeter auch in späterer 
Zeit oft durch besonders tiefe Verhüllung ausgezeichnet worden. 

Wenn wir trotzdem zunächst zweifeln konnten, ob nicht eine 
Sterbliche dargestellt sei, so ist auch das charakteristisch für un- 
sere Figur. Sie hat in ihrem Wesen entschieden etwas Privates, 
etwas Häuslich-Schlichtes, nicht jenes Repräsentative, das zu dem 
Wesen des Cultbildes gehört. Stellte das Original also Demeter 
dar, so wird es ein Weihgeschenk gewesen sein, das in einem 
Heiligtum der Göttin neben dem Cultbild seinen Platz fand. 

Nehmen wir aber dies an, so wird die Frage nach der Bedeu- 
tung der Figur, die aufzuwerfen und zu ergründen trotzdem nicht 
müssig ist, im Grunde gleichgültig. Denn ob Sterbliche, ob De- 
meter, das künstlerische Problem war dann das gleiche; es han- 
delte sich in beiden Fällen für den Künstler nur um die charakter- 
vollste Darstellung einer ehrwürdigen Matrone, und dass er , auch 
angenommen er habe eine Sterbliche wiedergeben wollen, kein Por- 
trät, sondern eben nur das Idealbild einer Matrone schaffen wollte, 
lehren deutlich genug die durchaus idealen Züge des Gesichtes. 



188 W. AMELUNG 

Ich habe yorbin yon der Zeit des Künstlers gesprochen, als 
könne über sie kein Zweifel sein. Thatsächlich wird heute keine 
Uneinigkeit mehr darüber herrschen, dass die Entstehung des Ori- 
ginales im zweiten Viertel des fünften vorchristlichen Jahrhunderts 
auzunehmen ist, d. h. in der Zeit zwischen den Perserkiiegen und 
dem Auftreten des Pheidias. In die gleiche Zeit wurden bisher 
unabhängig Kopf und Körper datiert (') . 

Der Kopf ist oft in Zusammenhang mit der Hestia Giustiniani 
gesetzt worden (s. zuletzt Furtwängler Meisterwerke p. 11 5) (2); 
sicher mit Recht, und man wird nun mit Freuden erkennen, dass 
auch der Körper der neugewonnenen Statue in seiner harten, flächen- 
haften und kantigen Behandlung sich vortrefflich an die Hestia 
anreiht. Neben beiden ist als ebenbürtige Verwandte die Peplos- 
Figur im Museo Buoncompagni zu nennen, deren Kopftypus Ma- 
riani durch einen dem unsern ähnlichen Fund bestimmen konnte (^). 
Noch eine ganze Reihe verwandter Werke sind von Mariani a. a. 0. 
und von Arndt im Text zur Glyptotheque Ny-Carlsberg p. 10 u. 
99 ff. aufgezählt worden (vgl. auch Furtwängler Intermezzi p. 12 
Anm,). 



(1) Ich glaube im Sinne ihres letzten Verteidigers zu handeln, wenn ich 
auf die Deutung des Berliner Kopfes als Porträt der Aspasia nicht weiter 
eingehe. 

(*) Von dieser Figur kann ich eine bisher unbekannte Wiederholung 
nachweisen. Sie steht im Cortile di Leone X. im zweiten Stock, der Engelsburg 
(siehe Borgatti Castel Sant'Angelo p. 188 T. 27 Fig. 47 no. 53 u. T. 34). 

(3) Bullettino comunale 1897 p. 169 ff. Als Fig. 9 bildet dort M. eine 
Replik des Kopfes auf einer römischen Alabasterbüste ab, die nach Helbig's 
Angabe ehemals in der Sammlung Steinhäuser gewesen ist. M. weiss den heuti- 
gen Standort der Büste nicht anzugeben (ebenso Arndt Glyptotheque Ny-Carls- 
berg p. 49). Thatsächlich aber ist sie heute im Besitz des Principe Torlonia, 
nur sind Kopf und Büste getrennt worden. Letztere trägt jetzt einen römischen 
Porträtkopf (Plautilla): I monum. del M. Tori. ripr. in fototipia T. CII n. 405 ; 
der Kopf aber ist eben die bekannte auch von M. reproducierte Replik des 
Museo Torlonia no. 486, die man nur auf eine moderne Hermenbüste gesetzt 
hat. Wird also dadurch die Reihe der Repliken um eine verringert, so kann 
ich eine allerdings schlechte und stark ergänzte hinzufügen, die im British 
Museum in dem verschlossenen Raum beim Graeco-roman basement room 
steht. Eine Replik des Typus ist im Grunde auch, trotzdem eine Stephane 
hinzugefügt und das Gewand über den Kopf gelegt ist, Museo Chiaramoiiti 
no. 530. 



WEIBLICHE GEWANDSTATUB DES FUENFTEN JAHRHUNDERTS 189 

Dass alle diese Zuteilungen darin das Richtige treffen, dass die 
genannten Werke aus einer Zeit und localen Schule stammen, scheint 
mir sicher ; ebenso zweifellos aber ist mir, dass hinter dieser Gruppe 
nicht nur ein bedeutender Künstler steht, sondern eine ganze Ge- 
neration; so individuell verschieden sind die einzelnen Köpfe von 
einander, von denen sich nur der unserer Statue und dem der Hestia 
so ähnlich sehen, dass ich geneigt wäre, sie für Werke eines 
Künstlers zu halten. 

Wo war diese Künstler-Generation zu Hause ? 

Solange man von ihren Werken nur Peplos-Figuren kannte, 
hat man sie gerne mit den Skulpturen des Zeus-Tempels in Olym- 
pia zusammengestellt (*). Man fand in beiden die gleiche flächige 
Manier, in den Köpfen analoge Proportionen und den gleichen Aus- 
druck. 

Für diese Frage scheint mir die neue Statue von entschei- 
dender Bedeutung. Es wäre einem der Künstler jener Giebel- 
Skulpturen unmöglich gewesen, jemals eine so mathematisch genau 
umschriebene Figur zu schaffen, an der bei der Ordnung des Ge- 
wandes und der Verteilung der Motive die wenigen künstlerischen 
Mittel mit so studierter Berechnung angewendet sind. Jene waren 
Illusionisten, die ihre Motive ohne grosse Ueberlegung aus der 
Natur griffen und die Gewänder regellos warfen, wie es der Zufall 
gab, und die eben dadurch — allen Unfertigkeiten, ja Unmög- 
lichkeiten und Unschönheiten zum Trotz — jenen packenden Schein 
unmittelbaren Lebens erwecken ; der Künstler der neuen Statue ist 
Formalist im strengsten Sinne, und das sind all die Künstler der 
mit seinem so nah verwandten Werke gewesen. 

Hier und in Olympia stehen sich zwei fundamental verschie- 
dene Charaktere gegenüber; das Gemeinsame liegt allein darin, 
dass sich in beiden jenes gewaltige Aufblühen künstlerischer Ge- 
nialität zur Zeit des Perikles vorbereitet : hier durch die entsagungs- 
volle, strenge Schulung, dort durch das kühne Erproben monumen- 
taler Verhältnisse und Wirkungen in einer feierlich gemessenen und 
einer stürmisch erregten Composition. In beiden bricht mit voller 



(') So noch zuletzt im Anschluss an Furtwängler Mariani a. a. 0. p. 995 
und Arndt im Text zu Bruckmanns Denkm. griech. u. röm. Skulpt. N. F. 
T. 502 r. (Athena im Thermen-Museum). 



190 W. AMELUNG 

Stärke im Gegensatz zu der weiblich zierlichen, äusserlich und in 
Kleinigkeiten praetentiösen Kunst des sechsten Jahrhunderts jenes 
neue männlich ernste, nur auf die Hauptsachen in monumentaler 
Einfachheit bedachte Streben hervor, das sich wohl schon in einigen 
Werken, wie dem Grigantengiebel von der Akropolis, vor den Per- 
serkriegen ankündigt, aber zu vollem Selbstbewusstsein doch erst 
durch die Gefahren jenes Sturmes aufgerüttelt wurde. 

Ebenso scheint es mir notwendig, Purtwänglers Gedanken 
abzuweisen, der (Meisterwerke p. 115 u. 737) die « Aspasia » und 
« Hestia » mit einer Gruppe anderer Werke dem Kaiamis zuschreibt, 
doch wesentlich aus dem Grunde, weil nach seiner Meinung auch 
der Wagenlenker im Conservatoren-Palast und der sog. Omphalos- 
ApoUon in die Reihe jener Werke gehören. 

Die Rückführung dieses Apollon auf Kaiamis würde erst dann 
zwingend sein, wenn wir für diese Epoche monumentale und litte- 
rarische Ueberlieferung durchweg in Einklang setzen könnten, so- 
dass jeder erhaltene Apollontypus mit dem Namen eines der be- 
rühmten Meister zu belegen wäre, von denen uns die Herstellung 
einer Apollonfigur überliefert ist, wie dies von Furtwängler (Meister- 
werke a. versch. 0.) thatsächlich versucht worden ist. Es ist un- 
möglich, hier auf alle Fragen einzugehen, die sich an diesen Ver- 
such anknüpfen. Ginge aber jener Apollon wirklich auf ein Werk 
des Kaiamis zurück, so wäre damit für uns noch nichts gewonnen, 
denn die Verwandtschaft seines Kopfes mit den weiblichen Köpfen 
unserer Gruppe (und vollends mit dem des Wagenlenkers) geht 
meines Erachtens über allgemeine Aehnlichkeit nicht hinaus. Der 
Vergleich ist uns dadiurch besonders erleichtert, weil es kaum einen 
anderen Kopft}^pus des 5. Jahrhunderts giebt, der so stark indivi- 
duell gebildet ist, besonders in den verhältnismässig kleinen drei- 
eckigen Augen und dem Munde mit seiner lebhaft modellierten 
Umgebung, und weil jene anderen Köpfe von all diesen indivi- 
duellen Zügen nicht die geringste Spur erkennen lassen. 

Vor allen Dingen aber haben eben jene weiblichen Figuren — 
auch für diesen Punkt hat die neue Statue besondere Bedeutung — 
nichts von den beiden hervorstechenden Eigenschaften kalamidei- 
scher Gestalten, der XfTrt6Ti]g xal xa^tg — F. selbst übersetzt 
diese Begriffe in den Intermezzi p. 13 ganz richtig mit: « Ele- 
ganz und Feinheit, zarter Sinn für strenge Anmut » — , und so 



WEIBLICHE GEWANDSTATUE DES FUENFTEN JAHRHUNDERTS 191 

verführerisch es wäre, in der neuen Figur nach Lucian Imag. 6 
die Sosandra jenes Künstlers zu erkennen, so entschieden wider- 
spricht dem die andere bekannte Stelle desselben Schriftstellers 
{Dial. meretr. TII 2), aus der wir entnehmen können, dass die Füsse 
der Sosandra bis über den Knöchel sichtbar waren und sich durch 
besonders zierliche Stellung und Formen auszeichneten. 

Die Mariani'sche Statue ist von Arndt (a. a. 0.) unleugbar 
mit Recht in vorbildliche Beziehung zu den weiblichen Bronze- 
statuetten jener Epoche gertickt worden, die als Spiegelstützen ver- 
wendet wurden ('). Ist es nun ein Zufall, dass wir eines der eigen- 
artigsten Motive unserer Statue, die Verhüllung des gebeugten, am 
Körper anliegenden Armes, ebenfalls an einigen jener Statuetten 
wiederfinden ? {^). Bedeutsamer ist, dass es in jener Epoche, soviel 
mir bekannt ist, an keinem anderen Werke nachzuweisen ist. 
Während es sich ferner bei der Statue durch die Manteltracht un- 
auffällig ergiebt, wirkt es bei den Statuetten eigentümlich gesucht, 
weil der Arm unter dem Apoptygma des Peplos verborgen wird; 
das scheint doch auf die absichtliche Nachahmung eines beliebten 
Vorbildes hinzudeuten. 

Als Fundort der meisten jener Spiegelstützen wird Korinth 
angegeben, und wenn derartige Provenienzangaben, die wohl mei- 
stens von Zwischenhändlern stammen, auch nicht in jedem einzel- 
nen Fall Vertrauen verdienen — thatsächlich sind ja solche Spie- 
gelstützen auch in Olympia und Athen in grösserer Menge gefunden 
worden — , so setzen sie doch voraus, dass an jenem Ort wirklich 
besonders viel solcher Fundstücke zu Tage gekommen sind, und 
gestatten demnach den Schluss, dass sich dort ein Centrum der 
Fabrication befunden haben muss. Damit ist aber auch der wei- 
tere Schluss für unsere Statuengruppe gegeben, dass sie einer 
Kunstschule ihr Dasein verdankt, die ihren Sitz in Korinth selbst 
oder doch in leicht erreichbarer Nähe von dort hatte, denn nur 



(1) Eine von ihnen (Duraont-Chaplain Ciram. de la Grice propre II 
pl. 35) stimmt auch in der Frisur mit dem Kopf der Mariani'schen Statue 
überein. 

(2) Dumont-Chaplain Ceramiques de la Or^ce propre II pl. 35 = S. Rei- 
nach Rupert, de la stat. II p. 329 no. 2; Rayet, Monuments de Vart ant. I 
no. 32 = S. Reinach a. a. 0. no. 7. 



192 W. AMELUNG 

SO kann sich der intime Einfluss ihrer Werke auf die korinthi- 
schen Handwerker erklären. 

Korinth selbst hat in jenen Zeiten keine bedeutenden Künst- 
ler gehabt ('). Aber in grösster Nähe, in Sikyon, blühte die Schule 
des Kanachos und seines Bruders Aristokles. Diese beiden selbst 
sind jedoch ausgeschlossen, weil ihre Thätigkeit vielmehr in das erste 
Viertel des 5. Jahrhunderts fällt, und ihre Schüler sind für uns 
nur Namen, sodass die Herleitung der fraglichen Werke aus dieser 
Schule durch keinen thatsächlichen Anhalt gestützt werden kann. 

Furtwängler nimmt vermutungsweise die Entstehung des Typus 
der Peplos-Figur in der argivischen Schule des Hagelaidas an, der 
vielleicht selbst das Urbild schuf (Meisterwerke p. 37 f. Vgl. den- 
selben jetzt in Sitzungsberichte der Münch. Akademie 1899 Bd. II 
Heft IV p. 571 ff. T. I-II). Aber es kann auch dies vorläufig nur eben 
Vermutung bleiben. Zudem schreibt ja, wie schon erwähnt, F. die 
Hestia, von der die neue Statue nicht zu trennen ist, dem Kaiamis 
zu, d. h. einem Künstler, der von Hagelaidas wohl beeinflusst sein 
konnte, aber nicht zu seiner Schule gehörte (-). 

Thatsächlich scheint auch jener Typus der Peplos-Figur weit 
über die Grenzen der argivischen Schule hinaus Nachahmung gefun- 
den zu haben (vgl. Furtwängler a. a. 0. u. p. 682; auch Intermezzi p. 12 
Anm.) ; aber die Zeugen hierfür sind doch fast nur Erzeugnisse der 
Kleinkunst (Terracotten und einzelne Bronzen), und nirgend ist der 
Anschluss so deutlich zu erkennen, wie bei den Spiegelstützen aus 
Korinth. Auch wird ein Jeder von vornherein geneigt sein, die Ent- 
stehung dieser ganzen Reihe von Werken in einer vor Allem auf 
strenge einfache formalistische Durchbildung bedachten Schule an- 
zunehmen, d. h. in einem der peloponnesischen Kunstcentren. 

Oder in Aegina ? Nach den einzigen sicheren Werken der aegi- 
netischen Schule, den Giebelgruppen, dürfen wir uns sicher nicht 
eine allzu einseitige Vorstellung von ihrer Eigenart machen, und 
deshalb nicht von vornherein den Gedanken abweisen, dass einer 
ihrer Künstler auch Gestalten gearbeitet habe, deren Bewegungen 



(') lieber Diyllos, Amyklaios und Chionis s. Brunn Gesch. der gr. K.* I 
p. 81. 

(2) Zu dem kurzgeschnittenen Haar der Hestia vgl. Furtwängler am 
letztgenannten Orte p. 583 f. 



WEIBLICHK OEWANDSTATUB DES FUENFTEN JAHRHUNDERTS 193 

80 auf das einfachste Maass beschränkt sind. Auch liegt Aegina 
nahe genug zu Korinth. 

Ja, eine Corabination scheint uns wenigstens dafür einen 
sicheren Fingerzeig zu geben, dass der Gewandstil jener Statuen 
dem vorzüglichsten aeginetischen Meister jener Zeit vertraut war, 
dem Onatas. 

Dieser hat eine Hermes-Statue, gemeinsam mit einem Kalli- 
teles, für Olympia gearbeitet ; der Gott trug einen Widder unterm 
Arm (Paus. V. 27, 8). Nachbildungen dieses Typus sind uns in ta- 
nagraeischen Terracotten erhalten (Koscher Mythol. Lei. I Sp. 2395 
u. 2481), allerdings keine Repliken, denn keine stimmt mit der 
Beschreibung der Statue des Onatas genau überein. In deutlichem 
typischen Zusammenhang mit diesen Figuren steht nun eine uns 
erhaltene Copie einer Hermes-Statue im Vatican (Heibig Führer 
d. d. Samml. kl. Alt. in Rom I p. 217 no. 339). Auch ihr Origi- 
nal kann auf keinen Fall das Werk des Onatas selbst gewesen 
sein — ihr fehlt der Chiton und der Widder — , aber ihr Künst- 
ler muss es auf jeden Fall gekannt haben und muss ein Zeitge- 
nosse jenes Meisters gewesen sein. Nun stimmt die Art, wie die 
Chlamys in grossen Flächen und wenigen derben Falten den Körper 
überdeckt, ganz auffallend mit der Art überein, wie der Mantel 
bei unserer Figur und das Apoptygma bei der Hestia und der 
Mariani'schen Statue gearbeitet ist, so auffallend, dass mir in dem 
Hermes sicher ein Werk derselben Schule vorzuliegen scheint. Immer- 
hin aber bleibt der Zusammenhang mit Onatas doch sehr unsicher, 
und so kehren wir von dieser Umschau nach dem Vaterlande der 
Künstler, denen wir jene Verkörperungen strenger weiblicher AlScog 
verdanken, mit dem Ergebnis, dass uns die Lösung dieses Rätsels 
mit dem bisher gewonnenen Materiale noch unmöglich ist, zu un- 
serer Statue zurück. 

Für sie ist noch eine Frage zu beantworten. In welchem Stoffe 
war das Original gearbeitet: in Marmor oder Bronze? Die draht- 
artige Stilisierung der Haare und das Harte und Kantige der Formen 
wären nicht unbedingt für Bronze entscheidend, zieht man die Epoche 
des Künstlers in Betracht. Ja, die absolute Geschlossenheit der 
Composition wird Manchem entscheidend für die Ausführung in 
Marmor scheinen, und ich wüsste diesem guten Grunde nichts 
entgegenzusetzen, als mein subjectives Empfinden, das — ich muss 



194 W. AMELUNG 

es gestehen — geradezu danach verlangt, diese Figur in dem ern- 
steren, nüchterneren Stoffe der Bronze zu denken. 

Es dürfte das erste Mal gewesen sein, dass ein griechischer 
Künstler unternommen hat, an einer Rundfigur das schwierige Pro- 
blem zu lösen, eine menschliche Gestalt trotz vollständiger Ver- 
hüllung plastisch verständlich darzustellen; und die Lösung, die 
hier in aller Einfachheit gegeben ist: unter der Umhüllung die 
wenigen, für die Haltung charakteristischen Hauptpunkte des Kör- 
pers vorragen zu lassen, sodass die hauptsächlichen Faltenzüge sich 
zwischen ihnen ausspannen, — diese Lösung ist vorbildlich geblie- 
ben bis tief in das vierte Jahrhundert hinein. Man kann sagen, 
dass das Neue in der Lösung derartiger Aufgaben zur Zeit des 
Pheidias und dann des Praxiteles nur eben darin bestand, dass mau 
zwischen dem von unserm Künstler festgelegten Gerüst der Haupt- 
linien eine immer reichere, mannigfaltigere Fülle kleinerer Falten- 
motive ausstreute, die man mit bewundernswerter Kunst den grossen 
bestimmenden Zügen unterzuordnen verstand. 

Als besonders nah verwandte Beispiele mögen gelten : aus der 
Zeit des Pheidias der eine Karyatiden-Typus der Villa Albani 
(s. in diesen Mittheil. 1894 p. 137; Clarac 442, 808); aus der Zeit 
der Nike-Balustrade eine Statuette in der Münchener Glyptothek 
(Brunn Beschreibung no. 227 = Clarac 498 B 980 A; Replik in der 
Coli. Jacobsen ed. Arndt t. 65) ; dann aus dem 4. Jahrhundert eine 
Statue in Neapel (Clarac 498 C 973 A = Arndt-Amelung Einzel- 
Aufnahmen no. 496) und speciell aus der Werkstatt des Praxiteles 
die mittlere Muse einer der drei Reliefplatten aus Mantinea {Bul- 
letin de corr. hell. 1888 PI. III; Amelung Die Basis des Pr. aus 
Mant. Tafel no. II p. 26 ff.) mit ihren Verwandten, den Hercula- 
nenserinnen und der sog. Polyhymnia im Musensaal des Vatican 
(s. Amelung a. a. 0.). 

Als specielle praxitelische Eigenart hat der Verf. a. a. 0. nach- 
gewiesen: das Gewand durch besonders überlegte, das bewusste 
Studium am Modell verrathende Motive immer enger um den Körper 
zu ziehen und dadurch zu erreichen, dass sich in den hauptsäch- 
lichen Faltenzügen immer deutlicher die Hauptlinien des Körpers 
darstellen, sodass in diesen Werken das alte Problem thatsäch- 
lich am vollkommensten gelöst ist ; dafür, dass die Absichtlichkeit 
der verwendeten Mittel uns den Genuss nicht aufdringlich störe, 
sorgt der unendlich feine künstleris-3he Takt ihres Meisters. 



WEIBLICHE GEWANDSTATUE DES FUENFTEN JAHRHUNDERTS 



195 



Die hellenistische Zeit hat diese Art der Darstellnog vollständig 
aufgegeben. Sehr charakteristisch dafür ist eine Statue des Louvre, 




Fig. 3. 



die nach ihrer Verwandtschaft mit den weiblichen Figuren des per- 
gamenischen Telephos-Frieses und der Queder am oberen Saume des 



196 W. AMELUNG 

Chiton sicher auf ein Original des 2. vorchristlichen Jahrhunderts 
zumckgeht (Salle de la Pallas de Velletri 518; Fröhner, Sculpt. 
anU p. 356 no. 382; Clarac 295, 1018; Fig. 3 nach Phot. Girau- 
don 1136) ('). Hier ist keine Spur mehr von jenen mit feinster 
Berechnung geordneten, den Körperformen sich anschmiegenden 
Faltenzügen ; der Körper verschwindet weit mehr unter der Fülle 
des Stoffes und die Fläche des fest über den Chiton gezogenen Hi- 
mation ist belebt durch einige gradlinige, straffe Falten und das 
Durchschimmern der starken Falten des Untergewandes. An Stelle 
des plastischen Prinzips ist das malerische getreten. 

Sehr bezeichnend für diese Entwickelung ist die Vergleichung 
von einigen Relieffiguren mit der Ansicht des 1. Profils unserer 
Statue. Die einen stammen vom Parthenonfriese (Michaelis Parthenon 
T. 12, II 4; 14, VIII 57, 60, 61, IX 63; nach Photographie bis 
auf die letzte bei J. Lange Darstellung des Menschen p. 137 f. 
Fig. 39 u. 40); hier sind Mädchen und ein Knabe in derselben 
Tracht und von derselben Seite dargestellt, und abermals bemerken 
wir, da SS die Anlage der Falten in den Hauptzügen noch vollstän- 
dig mit der an unserer Statue übereinstimmt ; nur ist die Fülle der 
kleineren Zwischen-Motive sehr viel grösser, der Eindruck des Ge- 
wandes sehr viel stofflicher geworden. Noch wesentlich auf dersel- 
ben Stufe stehen zwei griechische Grabreliefs aus der Zeit um 400 
(Conze Gr. Grabr. T. CLIV no. 817 u. T. CLXXIII no. 888). 
Einen sprechenden Gegensatz dazu bildet die eine Nikefigur jener 
athenischen Dreifussbasis, die Benndorf kürzlich mit voi-treffiichen 
Reproductionen neu publiciert hat (Jahreshefte des österr. arch. 
Inst. II T. VI): auch hier wieder statt des wohlgeordneten Systems 
schön geschwungener Falten einige gerade, straffe Züge und dazwi- 
schen eine Fülle zierlicher kleiner Motive. Diese Figur verräth 
uns zudem, dass jener Umschlag im künstlerischen "Wollen sich 
schon am Ende des 4. Jahrhunderts, also bald nach dem Tode 
des Praxiteles vollzogen hat. Benndorf versucht zwar die ganze 
Basis noch dem Praxiteles zuzuschreiben ; aber seine ganze Com- 
bination ruht auf thönernen Füssen; und, wenn ihm auch ohne 



{}) Erg. Hinterkopf, Nasenspitze, Hals, beide Hände mit Teilen der Ge- 
wandung, die grosse Falte unten i. d. Mitte, Teile der r. Zehen, Rand der Basis. 
Das Kopffragment stammt von einer schlechten Replik der knidischen Venus. 



WEIBLICHE GEWANDSTATUE DES FUENFTEN JAHRHUNDERTS 197 

Weiteres zuzugeben ist, dass im praxitelischen Kreise ähnliche 
Motive beliebt waren, wie wir sie an den Figuren der Basis 
sehen, so ist doch gerade die Art, wie diese Motive dort im Ein- 
zelnen ausgeführt sind, von der praxitelischen ganz verschieden. 
Ich hoffe, an anderem Ort auf diese Frage noch näher eingehen 
zu können, wie es die singulare Schönheit des Monuments und die 
Autorität Benndorfs verdienen, aber im Grunde genügt ja schon das 
oben von der einen Figur Gesagte, um meine Ablehnung der Rück- 
führung auf Praxiteles verständlich zu machen. 

Unleugbar: die grössere Natürlichkeit haben jene späteren, 
hellenistischen Werke voraus; bei ihnen fehlt jeder Anflug von 
Absichtlichkeit. Aber andererseits erreichen sie niemals jenen im- 
ponierenden Charakter ernster Monumentalität, sie werden niemals 
jene Ehrfurcht gebietende Vorstellung einer höheren Existenz er- 
wecken können, in der alle geistigen und körperlichen Phänomene 
in geläuterter Klarheit zu so viel intensiverer Wirkung kommen, 
als dies in unserer zerstreuten Welt möglich ist. Beide Richtungen 
dienen gleichberechtigten Bedürfnissen menschlichen Geniessens, die 
in den verschiedenen, durch die Umgestaltung der Lebensbedigun- 
gen veränderten, psychischen Zuständen der Menschen ihre Wurzeln 
haben. 

In beiden Richtungen aber ist die sichere Erkenntnis der Grund- 
sätze lebendig, auf denen jede wahrhaft künstlerische Gestaltung 
in der bildenden Kunst beruht, und die weder das decorative Genie 
der Semiten, noch der feierliche Ernst der Aegjpter gefunden haben, 
nach denen die Griechen in all den Jahrhunderten, die dem 5. 
vorausgehen, tastend suchen, und für deren festes Erfassen eben die 
neugewonnene Statue eines der bedeutsamsten Zeugnisse liefert. 

W. Amelung. 



14 



BEMERKÜNGEX ZUR SORRENTINER BASIS (•). 



Es ist Hülsens Verdienst, nachgewiesen zu haben, dass die 
Reliefdarstellungen auf der Sorrentiner Basis in deutlichem Bezüge 
zu den Hauptculten des Palatin in der Kaiserzeit stehen (Rom. 
Mitth. 1894 p. 238 ff.). Auf einer der vier Seiten sehen wir Ar- 
temis, Apollon, Leto und eine weibliche Figur am Boden ; da der 
Bezug auf den Palatin gesichert ist, so ergiebt sich ohne Weiteres 
der Schluss, dass hier die drei Cultgottheiten des augusteischen 
Apollontempel dargestellt sind ; das Weib am Boden, das sich mit 
seinem linken Arm auf ein Gefäss stützt, von dem nur noch der 
Fuss und der ümriss des Körpers zu erkennen ist, wird augen- 
scheinlich richtig als Sibylle gedeutet, deren Bücher in der Basis 
der Apollon-Statue eingemauert waren (2). 

In dem Tempel standen als Cultbilder drei griechische Meister- 
werke: der Apollon des Skopas, die Artemis des Timo- 
theos, und die Leto des jüngeren Kephisodot (Plin. n. h. 
XXXVI 24 ff.). 

« Giebt uns die Sorrentiner Basis authentische Nachbildungen 
dieser drei Werke? » fragt Hülsen. Die Antwort scheint selbst- 
verständlich: Ja, denn nur so konnte er seine Absicht erreichen, 
dass der Beschauer verstand, worauf er hindeuten wollte. Auch ist 
von vornherein gar nicht einzusehen, weshalb der Künstler der 
Basis anders hätte verfahren sollen, da es ihm geboten erscheinen 
musste, jene Werke zu reproducieren, die zudem so hervorragend 
und berühmt waren, wie er sie sich nur wünschen konnte. 

Betrachten wir die einzelnen Gestalten. 



(1) Siehe Rom. Mitth. 1889 T. X. Ich habe die Reliefs an Ort und 
Stelle untersucht. Vgl. den Schluss d. Aufsatzes S. 210. 

(2) Petersen bei H. a. a. 0. p. 240. 



W. AMELUNG, BEMERKUNGEN ZUR SORRENTINER BASIS 199 

Die Artemis (') fügt sich in der That vortrefflich in das 
Bild, das wir in letzter Zeit von der Eigenart dieses Künstlers 
haben gewinnen können (Winter Athen. Mitth. 1894 p. 157 T. VI; 
Amelung Basis des Praxiteles aus Mantinea p. 70 f.; vgl. ferner 
von dems. Führer d. d. Antiken in Florenz p. 54). 

Augenscheinlich schmiegte sich das Gewand ebenso duftig 
wie bei seinen andern Werken an den graziösen schlanken Körper ; 
die kreuzweis überspannte Brust können wir uns nach der einen 
Amazone aus dem Ostgiebel in Epidauros (Ephem, arch, 1884 
T. III. 1) vergegenwärtigen. Die Gewandung — Peplos mit langem 
Apoptygma — findet sich an zwei zeitgenössischen Werken wie- 
der, der Artemis Colonna und der Dresdener des Praxiteles. Das 
Stellungsmotiv — Kreuzung der Beine — bildet eine ummittel- 
bare Vorstufe zu dem entwickelteren, wie wir es z. B. bei dem Satyr 
mit der Querflöte finden, einer Figur aus dem Beginn der helle- 
nistischen Zeit; dadurch, dass die Figur dort ganz auf dem 1. 
Ellenbogen lehnt, wird die Stellung sehr viel lässiger, während 
die der Artemis etwas ungemein Frisches und Leichtes dadurch 
behält, dass die Figur ganz gerade auf dem Standbein ruht und 
die 1. Hand, die die hohe, dünne Fackel gefasst hat, kaum da- 
ran beteiligt ist, den Körper aufrecht zu erhalten. Aehnliche Figu- 
ren auf Beliefs des 4. Jahrhunderts s. Rom. Mitth. 1893 T. II, III; 
1894 p. 66; Berlin, Beschreibung d. Sk. no. 685. 

Ebensowenig ist ein Zweifel daran berechtigt, dass die Figur 
der Leto(2) in Bezug auf Zeit und Stil von einem der Söhne des 
Praxiteles stammen könne ; mehr können wir hier nicht nachweisen 
wollen, da wir keine andere Nachbildung einer Statue des jung. 
Kephisoiot kennen. Bedeutsam ist die Schmalheit der Brust im 
Verhältnis zu den Hüften. Die Tracht ist sehr einfach: ein ioni- 
scher Chiton ist tief gegürtet, so dass der Bausch ringsum bis 
über die Hüften herabfällt; ein Himation bedeckt Kopf und Schul- 

(*) Sie muss ein Diadem getragen haben (dreieckige Erhöhung über dem 
Scheitel). Der Köcher wird über der r. Schulter sichtbar. An den Füssen sind 
Sandalen deutlich zu erkennen. Die r. Hand ist mit der inneren Fläche nach oben 
aufgestützt. Dass die Fackel zwei Aufsätze hat, ist schon von H. a. a. 0. 
\). 240 Anm. 1 hervorgehoben worden. 

(*) Sie muss in dem 1. Arm etwas gehalten haben, was sie gegen die 
Brust gedrückt hat, da dort die Faltenzüge unterbrochen sind. 



200 W. AMELUNG 

tern und hängt im Rücken bis zu den Knieen herab. Zu der Tracht 
des Chiton ist die Aphrodite-Statue des Louvre zu vergleichen, die 
nach ihrer Basis-Inschrift auf ein Werk des Praxiteles zurückgeht 
(Furtwängler, Meisterwerke p. 552 Fig. 104) (■), und die stehende 
weibliche Gestalt einer Säulentrommel vom ephesischen Artemis- 
Tempel {Guide io the departm. of gr, and rom. ant. in the BriU 
M. 1899 p. 70 no. 1212-13; Fig. 1 nach Fhot. Mansell 1857) (2). 




Fig. 1. 

Statuarische Copieen der beiden weiblichen Figuren sind bisher 
nicht nachgewiesen worden; wohl ist aber eine von der des Apol- 
lo n (3), oder wenigstens ein Fragment einer solchen bekannt (Un- 

{}) Wie dort zwischen den Schenkeln der Leto eine Partie von senk- 
rechten Falten. 

(*) Dieses auch in manch anderer Beziehung für die Geschichte der 
Gewandbehandlung im 4. Jahrhundert äusserst wichtige Relief ist bisher ganz 
unbeachtet geblieben. So ist es entscheidend für die Datierung des eigenar- 
tigen Gewandstils, den Furtwängler in Griech. Originalstatuen in Venedig 
p. 306 behandelt hat. 

(3) Er hat keine Kreuzbänder vor der Brust, wie in der ersten Publica- 
tion Köm. Mitth. 1889 p. 308 versichert wird. Ein kleiner Ansatz der r. Hand 
hat sich erhalten. Diese war also gesenkt und hielt das Plektron, nicht die 
Schale, die eine grössere Spur hätte hinterlassen müssen. 



BEMERKUNGEN ZUR SORRENTINER BASIS 



201 



terteil vom Gürtel abwärts; colossal; zu einer Ceres ergänzt; im 
Pal. Corsini Limg'Arno zu Florenz ; publiciert von mir bei Arndt- 




Pier. 2. 



Amelung Einzel-Aufnahmen no. 334 ; unsere Fig. 2 ist nach^einer 
neuen Aufnahme hergestellt, die wir dei gütigen Erlaubnis des 
Principe Corsini und der liebenswürdigen Vermittelung des Herrn 
Dr. Karo verdanken ; sie, wie eine andere mehr von der r. Seite 



202 W. AMELUNG 

aus genommen, ist von dem röm. Institute zu beziehen). Von die- 
sem Fragment können wir mit Bestimmtheit sagen, dass es, nach 
den Einzelheiten der Gewandbehandlung zu m-teilen, trotz der ein- 
fachen monumentalen Anlage im Ganzen sicher auf ein Original aus 
dem 4. Jahrhundert, und zwar aus dessen erster Hälfte zurückgeht. 
Man beachte die mannigfache Belebung des unteren Teiles des 
Apoptygma, die durch die raffinierte Art der Gürtung ermöglicht 
ist (^), und die an verschiedenen Stellen bemerkbaren « Augen " 
in dem Verlauf der Falten. Sicher sind diese charakteristischen 
Mittel des Gewandstils, wie er sich im 4. Jahrhundert entwickelt, 
■hier bescheiden verwendet im Vergleich zu Figuren des praxite- 
lischen Kreises, aber daran, dass wir es mit dem Werk eines 
Zeitgenossen jenes Kreises zu thun haben, kann kein Zweifel sein. 

Also wäre hier in der That der erste sichere Nachweis eines 
Gewandstückes des S k o p a s gelungen, denn e r war ja der Meister 
jenes Apollon. Der Schluss scheint einfach, doch hat ihm Hülsen 
a. a. 0. widersprochen und ich bin ihm (Einzel-Aufnahmen a. a. 0.) 
nachgefolgt; eine erneute Prüfung seiner Gegengründe hat mich 
indes dazu geführt, diesen Widerspruch für unberechtigt zu halten. 

H. geht von der Schilderung aus, die Properz III 31, 5 ff. 
von dem palatinischen ApoUon-Tempel und seinem Vorhof entwirft. 
Draussen und drinnen sieht er eine Apollonstatue ; von der ersteren 
sagt er: 

hie equidem Phoebo visus mihi imlcrior ipso 
marmoreus tacita Carmen hiare lyra ; 

von der andern : 

deiade inier matrem deus ipse interque sororem 
Pythius in longa carmina veste sonal ; 

das ist also der Apollon des Skopas. 

H. umschreibt diese Verse so : «im Vorhofe der ruhige Apollo 
mit der schweigenden Kithara, hinter dessen Lippen das Lied noch 
schlummert; in der Cella der singende im langen Kitharödenge- 



(1) Diese ähnlich an dem stilistisch ganz verschiedenen und auf ein 
älteres Original zurückgehenden Apollon in Berlin (Beschreibung d a. Sk. 
no. 50). 



BEMERKUNGEN ZUR SORRENTINER BASIS ' 203 

wände » ; und er meint, der Künstler der Sorrentiner Basis habe 
statt des singenden, also lebhaft bewegten ApoUon im Tempel den 
ruhig stehenden im Vorhof wiedergegeben, da ihm dieser besser 
in seine Composition gepasst habe; aber seine Umschreibung der 
Worte des Properz construiert einen Gegensatz beider Schilde- 
rungen, der thatsächlich in den Ausdrücken des Dichters nicht 
liegt, ja der im Grunde nur auf einer falschen Uebersetzung des 
Wortes hiare beruht. Seine Bedeutungen (vgl. Forcellini) sind 
intrans. klaffen, trans. klaffen lassen oder klaffend von sich geben. 
In diesem Sinne gebraucht es Valerius Flaccus VI 704 ff.: 

Perque levem et multo maeulaiam murice tigri7i 
Concita cuspis abit: subito s ex ore cruores 
Saucia tigris hiat vitamque effundit herilem. 

Es steht parallel mit effundit und Forcellini umschreibt es mit 
'^ ex ore aperto evomit » . 
Ebenso Persius V 3 f.: 

Fabula seu moesio ponatur hianda tragoedo 
Vulnera seu Parthi ducentis ab inguine ferrum^ 

wo es F. mit « magno ore pronuncianda » wiedergiebt. 

Nicht anders kann die Bedeutung bei Properz sein: jener mar- 
morne Apoll giebt das Lied von sich, d. h. er singt (Forcellini: 
ore aperto in speciem canentis) ; das Lied schlummert nicht mehr 
hinter seinen Lippen, wie H. verstanden wissen wollte. 

Weiter : er singt, während die Leyer schweigt ; das lässt dar- 
auf schliessen, dass die Leyer vorhanden war, aber dass der Gott 
sie nicht, wie man hätte erwarten sollen, zur Begleitung seines 
Liedes benutzte. Er wird sie also nicht im Arm gehalten haben, 
bereit, ihre Saiten mit dem Plektron zu rühren, sondern sie wird 
neben ihm auf einem Stamm oder Felsen geruht haben. 

Kann man den Worten des Properz noch mehr über das 
Aussehen der Statue entnehmen ? Mir scheint, dass der Ausdruck 

Phoebo VISUS mihi pulcrior ipso 

eher auf eine nackte oder doch nur halb bekleidete Gestalt schliessen 
lässt. 



204 W. AMEIUNG 

Wer aber meine Schlüsse in Bezug auf die Stellung der Leyer 
und die Bekleidung nicht gelten lassen will, dem sagt Properz 
nichts anderes als : der Gott singt und hat eine Leyer bei sich. 

Und was sagt er von der Statue im Tempel ? Der Gott trägt 
das lange Kitharöden-Gewand und « carmina sonat » . Da er jenes 
Gewand trägt, so muss er auch die Leyer gehalten haben, denn 
ohne deren Begleitung sang kein Kitharöde. 

Sehen wir also von der bestimmten Angabe der Bekleidung 
ab, so würde Properz im Grunde von diesem Apoll ganz dasselbe 
sagen, wie von dem andern, wenn wir uns bei dessen Schilderung 
nur an das halten, wogegen kein Widerspruch erhoben werden 
kann; denn auch dieser Apollon singt und hat eine Leyer bei sich. 

Doch können wir mit den Worten des Properz vielleicht noch 
einen Schritt weiter gelangen. Gegenüber dem bestimmten n. Car- 
men hiare visus = er schien ein L i e d zu singen » hat der Aus- 
druck n carmina sonat » durch den Plural etwas Allgemeines ; 
wir können übersetzen: zwischen Mutter und Schwester smgt er 
seine Lieder. Es scheint mir demnach darin nicht zu liegen, dass 
der Gott im Moment singend dargestellt war, sondern vielmehr 
der dauernde Charakter der Darstellung als Kitharöde angedeutet zu 
sein. Und so würden wir im Grunde zu dem umgekehrten Kesultat 
wie H. kommen; wenigstens können wir das mit Sicherheit behaup- 
ten, dass der Apollon draussen zweifellos mit geöffnetem Munde 
sang, während wir dasselbe von dem drinnen nicht behaupten können. 

Und wie steht es nun mit dem Kelief der Sorrentiner Basis ? 
Was Properz von der Statue im Tempel sagt, das finden wir auch 
hier wieder; was er von der im Vorhof sagt, stimmt in keinem 
Zuge genauer mit der Figur des Reliefs überein; ja, sobald man 
meine weiteren Folgerungen annimmt, muss man zugestehen, dass 
auf dem Relief die Statue des Vorhofs jedenfalls nicht wiederge- 
geben sein kann. Aber sehen wir auch davon ganz ab, so ist doch 
der Schluss, dass auf dem Relief das Werk des Skopas wiederge- 
geben sei, von vornherein so wahrscheinlich, dass man ihn nur fallen 
lassen müsste, falls Properz ihm entschieden widerspräche, und 
das ist nicht der Fall. 

Also dürfen wir, wie ich meine, mit Sicherheit behaupten : jenes 
florentin er Fragment ist die erste auth entische Copie nach 
einem Werk des Skopas. 



BEMERKUNGEN ZUR SORRENTINER BASIS 205 

Eine von der meinen abweichende Auffassung des ersten von 
den beiden Properz-Citaten teilt mir mein Freund Dieterich mit, 
und ich gebe sie hier mit seiner Erlaubnis wieder, trotzdem ich 
bekenne, mich nicht zu ihr bekehren zu können. Er fasst tacita 
lyra nicht als ablativus absolutus, sondern als ablativus instru- 
menti, und versteht die Stelle so : der Apollon sei so natürlich ge- 
bildet gewesen, dass es geschienen habe, als müsse die Leyer. die 
doch schwieg (weil sie aus Marmor war), ein Lied erklingen lassen 
(als klaffe ein Lied in der Leyer). Nimmt man diese Auffassung 
an, so ergiebt sich, dass der Apollon im Act des Spielens darge- 
stellt sein musste, denn nur so hätte sich jene Illusion bilden 
können. Dann aber ist es ganz ausgeschlossen, dass dieser Apollon 
das Vorbild der Relief-Figur war. 

Auch auf einer andern Seite der Basis ist ein berühmtes Cult- 
bild ßom's wiedergegeben, bisher aber noch nicht erkannt worden : 
das Bild des Mars Ultor aus dem Haupttempel des Augustus- 
Foram ; hier steht er vor der Front der Domus Augustana (ßöm. 
Mitth. 1889 T. X e). Denn er ist jener Krieger mit der erhobenen 
Rechten, die den Speer hielt, von dem sich nur oben am vorspring- 
enden Rande ein Rest erhalten hat. Der Typus des Mars Ultor, 
dessen Kenntnis wir Furtwängler verdanken (Coli. Somzee p. 60 ff. 
Vgl. Gsell, Revue archiologique 1899 I p. 37 ff. PL II), ist leicht 
zu erkennen an der Haltung, Stellung und dem Wurf des Mantels. 
Er ist auch hier unverkennbar. Um vollends jeden Zweifel an der 
Bedeutung der Figur zu zerstreuen, dient die sichere Erkenntnis, 
dass der Knabe neben ihm, der so eng mit ihm gruppiert ist, Amor 
ist; die Spitze seines 1. Flügels wird neben dem r. Bein des Mars — 
sie sieht auf der Zeichnung wie ein Gewandzipfel aus — , ein Teil 
seines r. Flügels über seiner r. Schulter sichtbar ('). 

Ehe wir zu der Figur des Mars zurückkehren, will ich noch 
bemerken, dass bei der sitzenden Figur links das Gewand auf dem 
ganz erhaltenen 1. Oberschenkel deutlich bis dicht an das Knie 
erkennbar ist und dass es nach seiner Lage jedenfalls ein Mantel 
gewesen sein muss. üeber die Haltung der Beine kann die Abbil- 
dung täuschen: der 1. Fuss ist ziurückgezogen, der r. vorgesetzt. 

{}) Er hat kurze Locken. Die Motive der Arme sind unverständlich. 



206 W. AMELUNG 

In dem Füllhorn oben in der Mitte ein spitzer Kuchen (auf der 
Abb. nicht vorhanden). Nach dem Wenigen, was erhalten ist, scheint 
es mir sicher, dass hier der Genius Augusti dargestellt war. Links 
von ihm wird eine Figur der Venus nicht gefehlt haben, sodass 
thatsächlich alle Schutzgötter des kaiserlichen Hauses versammelt 
waren. Die Blätter des Kranzes sind aller Wahrscheinlichkeit nach 
Eichenblätter. Darunter an der halbgeöffneten Thür noch ein un- 
deutlicher Rest. 

An dem Mars sind tolgende Einzelheiten zu bemerken: Das 
Kinn war bärtig, wie man aus dem Ansatz von Kinn und Kehle 
schliessen kann. Der Helm hat augenscheinlich die runde attische 
Form gehabt. An dem Panzer sieht man Spuren des Cingulum. 
Von den verzierten Klappen unter dem Panzer ist nur noch eine 
unter der r. Hüfte kenntlich. Die Füsse nackend. Von dem Schild, 
der sicher vorhanden war, hat sich keine Spur erhalten. 

Ich gebe hier noch einmal eine vollständige Aufzählung aller 
Repliken dieses Typus, da einerseits aus den Sammlungen Furt- 
wänglers und S. Reinachs [Bronses ßg. de la Gaule rom. no. 35 ff.) 
einige Exemplare, die nicht genau mit dem Originaltypus über- 
einstimmen, gestrichen, andererseits andere bisher übersehene zuge- 
fügt werden müssen. 

I. Statuen: 1. Capüol; Heibig Führer p. 265 no. 411. 
Wie H. ausspricht und ich nach eigener genauer Untersuchung 
mittels Leiter bezeugen kann, sind Hauser's Zweifel an der Zu- 
sammengehörigkeit von Kopf und Statue (bei F. a. a. 0. p. 61 Anm.) 
vollkommen unberechtigt. 

2. 3. Neapel; Clarac 957, 2463; S. Reinach Repertoire de 
la stat. II p. 575, 3; v. Rohden Bonner Studien p. 8 f. T. II 1 
(vgl. Benndorf-Schöue Lateran p. 125). 

4, Ehemals in Villa Borghese; Sculture del Pal. della 
V. B. detta Pinciana T Stanza III no. 11, Text p. 57; Winckel- 
mann (Donaueschingen) IV p. 110, 428, VI 59. 

Zweifelhaft: S. Reinach Rei). II p. 577, 2 und 587, 6 (Frag- 
ment). 

IL Statuetten: A.Marmor: 1. Capital; Clarac 839, 2108; 
Nuova descrisione del M. cap. p. 340 no. 12. 



BEMERKUNGEN ZUR SORRENTiNER BASIS 207 

2. Treppenflur im Pal. Colonna (Aufgang zur Gallerie). 
Fragment; eingemauert. 

3. München. Residenz; im sog. Antiquarium. Stark und 
schlecht ergänzt. 

B. Bron-ze: 1. Paris: S. Keinach Eep. II p. 189, 5. 

2. Bussy (Schweiz); a. a. 0. 6. 

3. Mathay; a. a. 0. 8. 

4. Wien; a. a. 0. p. 190, 2. 

5. Sofia; a. a. 0. 9. 

6. Paris? a. a. 0. p. 793, 3. 

7. Brüssel; a. a. 0. 4. 

8. 9. Mainz; a. a. 0. 5, G. 

C. T e r r a c 1 1 a ; V. Kohden Terrae, von Pompei T. xkxviii 
3, p. 50. 

III. Reliefs: 1. Sorrent; s. oben. 

2. Algier; gefunden in Carthago; Doublet Musee d' Alger 
PL XI 5 p. 84; Gsell a. a. 0. 

3. Kreuznach; auf einem Viergötter-Altar ; Bonner Jahr- 
buch XLVII (18(39) T. XIV 1 a p. 80. 

IV. Gemmen u. Münzen; s. Furtwängler Coli. Soms^e 
a. a. 0. 

Trotzdem es zweifellos ist, dass diese Kepliken alle den glei- 
chen Typus repräsentieren, finden sich bei ihnen manche Abweich- 
ungen im Einzelnen, die es erschweren sich das Bild des Originals 
in allen Teilen zu vergegenwärtigen. So ist die Wendung des 
Kopfes und die Form des Helmes nicht überall gleich, und der 
Mantel ist einige Male nicht von vorne nach hinten über den r. 
Oberarm geworfen, sondern umgekehrt. Natürlich ist ferner, dass 
bei den kleineren Repliken die Ornamente des Panzers häufig ganz 
unterdrückt sind ; aber auch an den grösseren sind sie nicht über- 
all gleich, ebenso wie die Form des unteren Panzer-Kandes und 
die Verzierungen der doppelten oder dreifachen Reihe von Klappen. 

Immerhin lassen sich folgende sichere Züge feststellen, die sich 
bei der Mehrzahl der Wiederholungen finden : Der Gott stand mit 
r. Standbein, den 1. Fuss leicht zur Seite gesetzt, aufrecht da. Der 



208 W. AMELUNG 

bärtige Kopf, bedeckt von einem Helm korinthiscber Form mit hohem 
Busch — getragen von einer Sphinx, r. und 1. je ein Pegasus — war 
leicht zur 1. Schulter gewendet. Der 1. Arm war gesenkt, der r. erho- 
ben; die 1. Hand hielt den auf dem Boden stehenden, mit einem 
Eichenkranz verzierten Schild (so wenigstens auf dem Relief in Al- 
gier), die R. den Speer. Ein langer Mantel hing mit einem Zipfel 
vorne über den 1. Unterarm zwischen Schild und Oberschenkel herab, 
war dann um den Rücken herumgenommen und mit dem andern Zipfel 
nach rückwärts über den r. Oberarm geworfen. Von dem Untergewand 
aus feinem Zeuge wurden nur die kurzen Aermel (mit Schlitz) und der 
untere Teil, der die Oberschenkel bedeckte, sichtbar. Darüber der 
Panzer, dessen Achselklappen wohl mit Blitzen verziert waren; vor 
der Brust das einfache Gorgoneion und darunter auf den Ranken 
einer Palmette stehend zwei wappenartig einer Staude zugekehrte 
Löwengreife mit umblickenden Köpfen. Zwischen dem der Wei- 
chenlinie folgenden Rande und den Klappen folgt dann bei 1 1 
u. II A 1 noch ein eng anliegender, schmaler Streifen, der bei I, 
mit Ranken verziert ist; ich kann diese Eigentümlichkeit, die 
dazu dient, den Eindruck der Schlankheit zu heben, nur an zwei 
anderen Typen nachweisen: 

1. a. Sog. Germanicus im Lateran; B.-Sch. p. 324 no. 204; 
Clarac 936 E, 2362 A. 

b. Sog. Tiberius in Turin ; Dütschke Ant. Bildw. in Ober- 
italien IV p. 2 no. 2 ; Gl. 924, 2354 A (nicht ganz genau). 
Vgl. über Beide v. Rohden Bonner Studien p. 10. 

2. Sog. Caligula in Neapel;, Clarac 933, 2375. 

An den Klappen — meistens 3 Reihen — bemerkt man bär- 
tige und unbärtige Masken, die z. Th. in Palmetten übergehen, 
Löwenköpfe von vorn gesehen und je zwei Widder- und Elephanten- 
köpfe im Profil gesehen und Palmetten. An den Beinen hatte die 
Statue reichverzierte Beinschienen; die Füsse waren bloss. 

Die mannigfachen Abweichungen der Repliken beweisen, dass 
es Verfertigern und Bestellern weniger auf die Einzelheiten der 
Erscheinung, als auf die Bedeutung des Originales ankam ; sie 
war in der That für einen Römer gross genug, denn in diesem 
Typus wurde Mars Ultor, der Schirmer des Reiches, in seinem 
glänzenden Tempel auf dem Forum des Augustus verehrt. Diese 
Thatsache wird gesichert durch die Beischriften der Gemmen und 



BEMERKUNGEN ZUR SOHRENTINBR BASIS 209 

Münzen (') und durch das Relief in Algier in Zusammenhang mit 
den Versen des Ovid Trist. II 295 f. (-). 

War jenes Cultbild ein Werk römischer oder griechischer Er- 
findung ? Diese Frage ist angesichts der häufigen Aufstellung grie- 
chischer Meisterwerke in römischen Tempeln, besonders seitens des 
Augustus, wohl berechtigt; sie ist es hier desto mehr, weil ein 
Zug, die Tracht des Mantels, römischer Sitte widerspricht, während 
sie sich an griechischen Bildwerken häufig findet (z. B. Votivrelief 
im Louvre in der Salle grecque no. 742, Clarac 151, 266; Statue 
eines Jägers, Heibig Führer no. 129; vgl. Pauly-Wissowa Real- 
Encyclopädie III 2 Sp. 2338 Z. 57 if.). Es ist eine besondere Art, 
die Chlaina umzulegen ; wie das römische Paludamentum getragen 
wurde, sehen wir auf römischen Reliefs, z. B. an der Panzerfigur 
des Reliefs in Ravenna (Bernoulli Rom. Ikonogr. II 1 T. VI), die 
im Uebrigen unserem Typus recht verwandt ist. 

Andere Charakteristiska der Figur finden wenigstens ihre näch- 
sten Parallelen an griechischen Werken. Auf die Verwandtschaft 
des Kopftypus mit dem des Zeus von Otricoli hat Heibig a. a. 0. 
hingewiesen. Zu der bescheidenen Ornamentik und speciell den wap- 
penartig gestellten Löwengreifen vgl. Pernice Griech. Pferdegeschirr 
(56. Berl. Winckelmannsprogr.) p. 6 und die beiden First-Akrote- 
rien des Alexander-Sarkophages (Hamdy Bey et Th. Reinach Une 
necropole royale ä Sidoti PI. XXXV p. 276 f.), zu der Art, wie 
die Masken auf den Klappen in Palmetten übergehen, die Köpfe 
auf dem First und am Dachrande desselben Sarkophages (ebenda 
p. 275), zu der Darstellung des Untergewandes den Prokies auf dem 
athenischen Grabrelief (Kavvadias no. 757 ; Conze Gr. Grabrel. 
T. CXLI). All diese Parallelen stammen aus dem 4. Jahrh. v. Chr. 

In dieses hat denn auch Heibig a. a. 0. die Erfindung des 
Typus verwiesen und die Möglichkeit angedeutet, dass eine Co- 
lossal-Statue des Ares auf der Burg von Halikarnass, die man dem 

(') Furtwängler Coli. Somz4e a. a. 0. 

(*) Gsell a. a. 0. Aus den vorhergehenden Versen: 

Pallade conspecta, natum de crimine virgo 
Sustulerit quare, quaeret, Erichthcnium 

geht hervor, dass in einem Tempel Roms eine Statue, wie die in Berlin 
Beschr. no. 72 (gefunden in Frascati), aufgestellt war. 



210 W. AMELUNG, BEMERKUNGEN ZUR SORRENTI.NER BASIS 

Leochares oder Timotheos zuschrieb, das ursprüngliche Original ge- 
wesen sei; da Vitruv (II 8, 11) sagt, die Figur sei ein Akrolith 
gewesen, dürfen wir voraussetzen, dass der Gott in voller Rüstung 
dargestellt war. Von dieser könnte der Künstler, der für Augustus 
die Tempelstatue des Mars Ultor und damit das Vorbild für alle 
oben aufgezählten Repliken geschaffen hat, sehr wohl den Typus 
entlehnt haben. Während aber hierdurch eben nur eine Möglich- 
keit festgestellt werden kann, scheint mir das Eine wenigstens sich 
als sicher zu ergeben, dass das Vorbild jenes Künstlers in der 
That ein Werk aus der Zeit des Akrolith von Halikarnass gewesen 
sein muss. 

Ich will diese Bemerkungen nicht schliessen, ohne den Wunsch 
auszusprechen, dass die bisher noch getrennten Theile des interes- 
santen Monumentes, das zu diesen Zeilen Anlass gegeben hat, 
möglichst bald vereinigt und an einem Ort aufgestellt werden mö- 
gen, wo ein genaues Studium und die Herstellung von Abbildun- 
gen, die dem Wert der Reliefs entsprechen, ermöglicht wäre. 

W. Amelung. 



ZWEI ÜNEDIERTE TERRAKOTTEN 

des Herrn Dr. Alphons Stuehel. 



Im Besitze des Herrn Dr. Alphons Stübel zn Dresden befindet 
sich eine Sammlung von Produkten antiker Kleinkunst, unter denen 
mir besonders zwei Erzeugnisse griechischer Thonindustrie auffielen. 
Beide, obwohl bekannten Typenreihen angehörig, zeigten bemerkens- 
werte Eigentümlichkeiten, die sie einer Veröffentlichung wert er- 
scheinen Hessen. Nicht nur dass der Besitzer eine solche bereit- 
willig gestattete und mir das Studium der Originale freundlich 
erlaubte, sondern er steuerte auch die diesen Zeilen beigegebenen 
Photographieen zu : eine Liberalität, für die meinen Dank zu wie- 
derholen ich mir nicht versagen kann. 

Das archaische Frauenköpfchen, Fig. 1 und 2 abge- 
bildet, war im Jahre 1885 im Kunsthandel zu Syrakus, und stammte 
nach Angabe des Verkäufers aus Palazzolo, dem alten Akrai. Es liegt 
kein Grund vor, diese Angabe zu bezweifeln : gerade Palazzolo ist 
als Fundort von Terrakotten bekannt. Diese stammen meist von den 
Ausgrabungen her, die Gabriele Judica auf der Akropolis von Akrai 
veranstaltete. Vielleicht spricht sogar ein Umstand geradezu für die 
Richtigkeit der Fundangabe : das Material ist ein Thon von eigen- 
tümlich grauer Färbung, und R. Kekule (die Terrakotten von Si- 
cilien S. 5) spricht von ' einem bestimmten grauen Aussehen, an 
dem die Köpfchen aus Akrai kenntlich sind '. 

Dargestellt ist der Kopf einer Frau in der ruhigen Haltung 
etwa der Weihgeschenke von der Akropolis. Die Haare sind über 
der Stirn in zwei Reihen Löckchen geordnet, über die der Kopf- 
schmuck herausragt ; weder an der Oberseite der Locken noch an der 
Stephane ist irgend ein Detail angegeben. Hinter den Ohren fallen 
auf beiden Seiten die Haare in drei Strähnen herab. Der Ausdruck 



212 



R. WüEKSCH 



des Gesichtes ist durch den Mund bestimmt, der sich zu einem leisen 
Lächeln verzieht. 

Die Büste ist neuerdings unten geschliffen worden, um das 
Aufstellen zu erleichtern, doch ist dabei nur wenig weggefallen; 
der ursprüngliche Band Hess erkennen, dass hieran nichts weiteres 




Fig. 1 



gesessen hatte. Die rechte und linke Seite sind vollständig, auch 
die Rückseite zeigt eine gute Erhaltung ; wie wenig hier am oberen 
Teile abgebrochen ist, lehrt das Profilbild. Der Hals ist am unte- 
ren Rande 0,16 m. breit, die Höhe der ganzen Terrakotta beträgt 
0,24 m.; die halbcylindrische Fortsetzung der Stephane ist 0,11 m. 
lang. Die Form dieser Verlängerung zeigt zugleich deutlich, dass 
der Kopf bestimmt war, als Stirnziegel zu dienen ; hieraus erklärt 
es sich auch, dass die obere Partie nicht ausgearbeitet ist. Färb- 



ZWEI UNEDIERTE TKRRAKOTTEN 



213 



spuren finden sich nicht, Ergänzungen sind nicht angebracht 
worden. 

Bei archaischen Kunstwerken Siciliens denkt man zunächst an 
die Metopen des Tempels C von Selinunt, in unserem Falle an den 
Athenakopf der Perseusmetope. In der That erinnern an den Stand 




Fig. 2. 



der Kunst, der aus jenem zu uns spricht, bei dem Terrakotta- 
köpfchen noch die geschlitzten Augen und die hochgezogenen 
Brauen: aber wir erkennen doch, dass wir es hier mit einer weiter 
fortgeschrittenen Technik zu thun haben. Namentlich der Mund ist 
nicht mehr ein einfacher wagrechter Schnitt, sondern er hat rundere 
Formen bekommen, und sein Lächeln ist menschlicher. Ferner 
scheint ein Ansatz zum Fortschritt in der Haarbehandlung vorzu- 
liegen : während die Locken über der Stirn und am Halse noch ganz 

15 



214 B. WURNSCH 

schematisch angeordnet sind, erscheinen sie dagegen «wischen Auge 
und Ohr merkwürdig frei behandelt. Allerdings bis zur künstleri- 
schen Vollendung etwa des Artemiskopfes in der Actaeonmetope des 
Tempels E ist noch ein weiter Schritt. 

Prauenköpfe als architektonische Zierstücke kennen wir aus 
Sizilien vielfach ; sie nehmen meist die Stelle ein, an der in älterer 
Zeit sieh die als Apotropaeen gedachten Gorgoneia zu finden pflegen. 
Wie die Fratze der Meduse im Laufe der Kunstentwickelung immer 
mehr zu einem schönen Menschenantlitz wird, so mag auch hier 
ein aesthetisches Bedürfnis dazu geführt haben, au Stelle der 
zähnefletschenden Gorgo das Haupt einer lächelnden Gottheit zu 
setzen. Eine Zusammenstellung solcher Frauenköpfe giebt Kekule 
a. 0. S. 42 fl". Manche unter diesen kommen dem hier besprochenen 
stilistisch sehr nahe : so der schöne Stirnziegel des Syrakuser Mu- 
seums, bei Kekule S. 60, taf. V, der etwa gleichzeitig, und das 
Köpfchen aus Kamarina (S. 44 flg. 92, 93), das etwas jünger sein 
mag. Aber neben diesen Parallelen, deren Zahl sich aus neueren 
Publikationen leicht mehren Hesse, verdient der Kopf aus Akrai, 
der mit keinem noch so nahe verwandten ganz übereinstimmt, seine 
besondere Betrachtung ; es wohnt diesem anmutigen Vertreter ar- 
chaischer Kunst eine ganz eigene Anziehungskraft inne. 

Die Figur des stehenden Jünglings war 1890 im Kunst- 
handel zu Athen, der Fundort ist unbekannt. Die Statuette selbst 
ist 0,275 m. hoch, und hohl; das trapezförmige Postament hat eine 
Höhe von 0,055 m. und ist unten offen. Im Rücken beflndet sich 
ein rechteckiges Brandloch von 0,155 m. Länge und 0,075 m. Breite. 
Die Figur war gebrochen, ist aber ohne Hülfe von Ergänzungen 
wiederhergestellt worden. 

Unsere Abbildung (Fig. 3) ist nach der von Herrn Dr. Stübel 
aufgenommenen Photographie durchgezeichnet. Der Dargestellte 
befindet sich auf der Schwelle des Jünglingsalters; das Haar ist 
sorgfältig geordnet und über der Stirn zu einem Knoten vereinigt. 
Darüber liegt eine wollene Binde, an deren freien Enden kleine 
Stücke abgebrochen scheinen, doch waren sie keinenfalls so lang, 
dass sie die Schultern berührten. Gehalten wird die Binde durch 
einen Lorbeerkranz, aus dessen Mitte ein runder Gegenstande her- 
vorragt. Auf den Schultern liegt der Mantel auf, der die Vorder- 



ZWEI UNEDIERTE TERRAKOTTEN 



215 



Seite völlig nackt lässt, aber zwischen den einzelnen Gliedern als 
Hintergrund erscheint. Er wird leise von der rechten Hand gefasst 
und liegt über dem linken Unterarm: hier hängt über ihn noch 
eine zweite wollene Binde herab. Die freie linke Hand drückt einen 
Hahn gegen die Brust; auf ein linkes Stand- 
bein und rechtes Spielbein ist die Ponderation 
verteilt. 

Das Material der Figur ist ein feiner 
brauner Thon, auf dem sich durchweg Far- 
benspuren zeigen. Die Fleischteile waren rot 
auf weisser Unterlage, die Haai-e enthalten 
Eeste eines eigentümlichen dunkelen Braun- 
rot. Kot ist auch noch der Knopf im Kranze, 
während dieser selbst weiss erscheint, weiss 
ist ferner das Gewand und das Postament, 
das oben und unten mit einem roten Streifen 
abgeschlossen ist. Spuren von Gelb hat allein 
die Kopfbinde bewahrt. 

Der stehende Ephebe mit dem Hahn ist 
ein sehr beliebter Vorwurf der Terrakotten. 
Zwei bis auf gewisse Einzelnheiten ähnliche 
Exemplare — es fehlt der Kranz und die 
zweite Binde — sind abgebildet bei Dumont- 
Chaplain, Les ceramiques de la Grece pro- 
pre, t. II, tab. V; im Texte S. 232 findet 
sich die bezügliche frühere Litteratur ange- 
führt. Diese Figuren stammen aus Theben ; 
überhaupt kann man mit Sicherheit Boeotien 
als Heimat jenes Typus ansprechen : von wei- 
teren derartigen Statuetten stammen zwei aus Thisbae (Martha, 
Catalogue des figurines en terre cuite du Musee . . d' Athenes p. 79 
no. 418, 419), eine grössere Zahl aus der opuntischen Lokris (Mar- 
tha a. 0. no. 482-505). Hier finden wir auch den Kranz ; an Stelle 
des Hahnes können andere Attribute treten : Hase (no. 498 tab. VII), 
Leier, Plectrum. Bei weitem die meisten Exemplare jedoch wurden 
in dem Kabirenheiligtum bei Theben ausgegraben : es waren über 
zweihundert, über die P. Wolters in den Mitteilungen des Athe- 
nischen Institutes XV 1890 S. 360 berichtet hat. Von neuerdings 




Fig. 3. 



216 K. WUEN8CH 

aufgetauchten Stücken nenne ich nur das Dresdener (Arch. Anz. 
1894 S. 30 no. 18) und das Münchener (P. Arndt, Strena Helbi- 
giana S. 14). 

Die kunstgeschichtliche Würdigung des Typus, der allen diesen 
Figuren zu Grunde liegt, giebt Wolters a. 0.: er betont die nahe 
Verwandtschaft des hahntragenden Jünglings mit den Figuren des 
lammtragenden Hermes, dessen erstes Exemplar durch Conze be- 
kannt gemacht wurde {Annali 1858 tav. 0, wiederholt in Roschers 
Lex. d. Myth. I 2395). Die älteren unter den im Kabirion gefun- 
denen Statuetten setzt Wolters zugleich mit jenen Vertretern des 
Hermestypus in die erste Hälfte des fünften Jahrhunderts; hiervon 
unterscheidet er ' die jüngeren, vielleicht schon dem vierten Jahr- 
hundert angehörigen Umbildungen dieses älteren Tj'pus, die sich 
durch die elegantere, auf bewusstem Hervorheben des Unterschiedes 
von Spiel- und Standbein beruhende Stellung, vollere Körperformen, 
rundes, volles Gesicht, und üppig entwickeltes, nicht mehr alter- 
tümlich frisiertes Haar kennzeichnen '. Obwohl die Haartracht des 
Stübel'schen Exemplares den altertümlichen Knoten über der Stirn 
zeigt, sprechen doch die übrigen Indizien, namentlich die Betonung 
der Ponderation, für eine Zuteilung an diesen jüngeren Tj'pus. 

Die älteren Deutungen der Figur als Ganymedes — ihre Ver- 
treter nennt Dumont-Chaplain a. 0. — dürfen nach der Massenhaftig- 
keit des Fundes vom Kabirion wohl als erledigt gelten. Mit Recht 
hat vielmehr Wolters (S. 362) betont, dass man aus der ungemein 
grossen Zahl dieser Jünglingsfiguren den Schluss ziehen müsse, 
dass sie für den Kult eine besondere Bedeutung gehabt haben. Das 
Vorhandensein einer solchen kultischen Beziehung wird in unse- 
rem Falle noch durch den feierlichen Kopfschmuck nachdrücklich 
betont. Welcher Art sie gewesen ist, wird sich noch ungefähr sagen 
lassen. Die Anzahl und der Ort der gefundenen Figuren beweisen, 
dass wir es mit Weihgeschenken zu thun haben (*), und wie die 
Darstellungen wohl keinen Gott, sondern einen jugendlichen Men- 
schen wiedergeben wollen, so waren sie wohl auch von Epheben 

0) Aus diesem Grunde möchte ich auch nicht an eine sepulkrale Bedeu- 
tung der Statuetten denken, wie dies A. Furtwängler, Sammlung SabouroflF II 
Einl. S. 12 gethan hat. — W. Amelung, der mich freundlichst auf diese Stelle 
aufmerksam macht, bemerkt mir noch, dass Furtwängler auch über den Haar- 
knoten, wie ihn unsere Figur aufweist, gesprochen hat (Meisterwerke S. 679 ff.). 



ZWEI UNEDIERTE TERRAKOTTEN 217 

geweiht. Sie erscheinen dabei im Habitus des Gottes, dem sie ihre 
Gabe überreichen ; für den Brauch, dass der Verehrer sich der an- 
gebeteten Gottheit angleicht, genügt es als Beispielsammhing die 
Dissertation von F. Back anzuführen de Graecorum caerimoniis 
in quibus homines deorum vice fangebantur (p. 26 u. a.). In Ta- 
nagra erzählte man dem Pausanias (IX, 22, 2), Hermes habe einst 
die Stadt von der Pest befreit, indem er mit einem Widder auf 
der Schulter die Mauern umschritten habe, und daher stamme die 
Sitte, oq av slvai twv icpijßcDV TtQOxQid^fj to sidog xciXXiütoc, ovtoc 
iv Tov "^Eqiiov Tfi soQrfi nsqCsiaiv iv xvxhp rov Tfixovg, ^'xojv ccQva 
im TcUi' Mficov. Dieselbe Anschauung, die bei der Prozession in Ta- 
nagra den schönsten der Epheben mit dem Widder auf der Schulter 
an Stelle des Hermes setzte, hat auch die Terrakottafiguren der 
Jünglinge mit Lamm oder Hahn im Hermestypus geschaffen. 

So mögen diese Statuetten ursprünglich Weihgeschenke gewesen 
sein, dem Hermes von den Epheben — vielleicht beim Eintritt in 
das mannbare Alter als dem KovQorgocpog — dargebracht. Es bleibt 
dabei noch die Frage offen, welche Bedeutung dem Hahn beizu- 
messen ist. Sieht man, wie andere Figuren desselben Typus andere 
Embleme führen, einen Hasen, eine Schale, eine Leyer, so wird man 
darauf geführt, anzunehmen, dass diese Beigabe ganz willkürlich 
aus dem täglichen Leben genommen und rein dekorativ aufzufassen 
sei (s. E. Baethgen, de vi ac significatione galli in religionibus 
et artibus Graecorum et Romanorum p. 26). Aber an unserer Figur 
würde ein solches Spielzeug ganz unverträglich mit dem feierli- 
chen Ernst des Kopfschmuckes sein ; wir müssen vielmehr an die 
Bedeutung des Hahnes als heiligen Tieres denken : o 'Egfirjc, ov 
tsQog €l/.u, sagt stolz der Hahn des Lukianischen "OveiQog rj 
dXsxTQvmv c. 28. Er soll dem Gotte geweiht werden : auf eine Dar- 
bringung im Tempel deutet auch die über den Arm hängende Binde, 
die sonst ganz unerklärt bliebe ('). 

Aber nicht dem Hermes allein diese sind Weihgeschenke ge- 
stiftet worden, obwohl sie, wie der Typus beweist, ursprünglich nur 



(0 Auf der Stele des Echedemos aus Larissa (über sie hat zuletzt A. Schiff, 
Strena Helbigiana S. 274 Anra. gesprochen) trägt der Verstorbene einen Hahn 
auf der rechten Hand. — Berühmt waren die Hähne gerade von Tanagra 
(Paus. IX, 22, 4). 



218 R. WUENSCH, ZWEI UNEDIERTE TERRAKOTTEN 

ihm galten. Die Funde im Kabirion erklären sich, wie Wolters her- 
vorhebt, durch eine üebertragung auf die dort waltenden Gottheiten. 
Auch bei der Stübelschen Figur habe ich Bedenken, eine Gabe an 
Hermes anzunehmen; davon hält mich die Gestaltung des Kopf- 
schmuckes ab. Zwar die Binde ist ein allgemeines sakrales Zeichen, 
nicht aber der Lorbeerkranz : wenigstens kenne ich ihn nicht an 
Hermes, sondern nur an Apollo. In der späteren Kunst ist er typisch 
für die Köpfe des Kitharöden, so bei der Vatikanischen Statue (s. z. B. 
M. Collignon, Gesch. d. griech. Plast., deutsche Uebers. II S. 261): 
hier bildet die Mitte des Kranzes ein Edelstein, der genau dem 
roten Knopfe der Terrakotta entspricht. Es liegt also nahe, anzu- 
nehmen, dass der Apollokult den Hermestypus aufnahm und nur 
durch Hinzufügung des charakterisierenden Lorbeerkranzes umstem- 
pelte: der Hahn störte weiter nicht, er fand sich auch sonst auf 
der Hand eines statuarischen Apollo (Plut. De Pyth. or. c. 12 
p. 400 C : o Tov dXsxtQvovtt TionfjGai sm rrjg x**?<^5 '''^^ HnöX- 
X(ovog). Auch lässt sich dieser Gott, ebenso wie Hermes, gern herab, 
Weihgeschenke von Epheben anzunehmen : sind doch beide Kovqo- 
xqötfoi (Preller-Robert Griech. Myth. I S. 273. 400). Sollte daher 
die besprochene Statuette eine bestimmte Bezeichnung erhalten, so 
möchte ich sie ' Weihgeschenk eines Epheben an Apollo ' nennen. 

Breslau. 

ß. WüENSCH. 



ZUR REKONSTRUKTION 
DER TYRANNENMÖRDERGRÜPPE 



Wie die Tyrann enmörder des Kritios und Nesiotes gestaltet 
und mit einander gruppirt waren, gilt als ausgemacht, und viel 
Neues ist darüber in der That nicht zu sagen ('). Versucht man 
aber von der jedem Archaeologen geläufigen Vorstellung zu wirkli- 
cher Rekonstruktion überzugehen, so stellt sich alsbald heraus, dass 
einige sehr wesentliche Züge unsicher bleiben und die ergänzende 
Phantasie mehr als wünschenswert eingreifen muss. Nun mehren 
sich neuerdings die Anzeichen, dass man das kunsthistorisch so über- 
aus wichtige Werk in der Entstellung, der die einzige Kopie ver- 
fallen ist, nicht mehr ertragen mag, dass man wenigstens am Ab- 
guss sich den Eindruck des Originals möglichst ungetrübt vorführen 
möchte. Mit erfreulichem Radikalismus geht Treu in diesem Be- 
streben soweit, die gegebenen Plinthen und Baumstammstützen zu 
beseitigen, sodass man im Dresdener Albertinum bald in der Lage 
sein wird, die beiden Figuren dichter als bisher möglich aneinan- 
derzurücken und durch das Experiment sich zu überzeugen, welche 
Gruppirung dem Gegenstande des Werkes und dem Stil seiner 
Meister am besten entspricht. In der Hoffnung, dass eine womöglich 
plastische, mindestens aber genaue zeichnerische Rekonstniktion das 
Ergebnis dieser Bemühung sein werde, finde ich es angemessen, mit 
einigen Beobachtungen, die ich 1891 an den Originalen machte, 
nicht länger zurückzuhalten, sondern sie als bescheidenen kritischen 
Beitrag zu der willkommenen Wiederherstellungsarbeit der Oeffent- 
lichkeit zu übergeben. 



(•) Nach meinen Bemerkungen Anf. d. stat. Gruppe S. 43 fF., offenbar 
ohne sich dieser zu erinnern, hat Overbeck sich noch einmal in gleichem 
Sinne geäussert Ber. d. sächs. Gesellsch. 1892, S. 34 ff. 



220 B. SAUER 

Ich beginne mit dem Harmodios und hier mit der Bewegung 
des linken Arms. Die Stütze, die in herkömmlicher Weise die 
schwächste Stelle, das Handgelenk, mit dem Schenkel verbindet (i), 
sitzt nicht an ihrer ursprünglichen Stelle. Denn 0,12 m. höher, 
dicht über dem oberen Rande der Glutaeusgrube tindet sich am 
Schenkel die Spur der ursprünglichen Stütze, eine leise Anschwellung, 
die ein Quadrat von etwa 0,035-0,04 m. Seite bildet und nach innen 
eine flache Vertiefung aufweist; sie lehrt, dass man die unregel- 
mässigen Reste der ausgebrochenen Stütze oberflächlich weggeputzt 
hat. Da diese Stütze nicht eben stark war, kann das Handge- 
lenk von ihrer Basis nicht weit entfernt gewesen sein ; der Arm 
war also nicht straif vom Körper abgestreckt, sondern leicht ge- 
bogen, während der Oberarm einen energischen Druck nach dem 
Rücken hin ausübte: der Ansatz des Oberarms, dem die Richtung 
des modernen Armes widerspricht, bestätigt dies. Aus dieser Arm- 
haltung folgt aber weiter, dass die Hand nicht leer war, wie man 
das für die schräg nach hinten gestreckte mit Berufung auf den 
myronischen Sat3^r wohl annehmen konnte ; man muss also dem Har- 
modios, der mit dem Schwert zuschlägt, die Schwertscheide in die 
Linke geben ebenso wie dem Aristogeiton, dem sie durch Parallel- 
monumente gesichert ist. Damit steht im Widerspruch, dass Har- 
modios ein Wehrgehenk, die Scheide also an diesem, nicht in der 
Hand getragen haben soll. Aber den Glauben an dieses Wehrge- 
henk kann ich nicht mehr teilen. Weder in noch neben dem hellen 
Streifen, der schräg um die Brust zieht, findet sich die geringste 
Spur (2) einer weiteren Befestigung des metallenen Attributes, im 
Widerspruch zu antikem Brauch, der mindestens an der Hüfte eine 
besondere Befestigung verlangen würde. Dagewesen ist ein metalle- 
nes Band allerdings, aber es war ein moderner Zusatz, nicht besser 
als die Schwertgriffe ohne Klingen, die beide Figuren jetzt halten, 
oder der nichtssagende, stabförmige Ansatz in der Hand des bel- 
vederischen Apollon. Die Möglichkeit, dass der Schwertgurt nur 
aufgemalt gewesen sei, verdient keine ernstliche Erwägung. 

Beim Aristogeiton lässt sich die entsprechende Armhaltung 
nicht so evident beweisen, obwohl die starke Glättung des Marmors 

(*) In Abgüssen manchmal weggelassen. 

(^) Die Vertiefungen in der Gegend des I. unteren Eippenrandes sind 
zufällige Verletzungen des Marmors. 



ZUR REKONSTRUKTION DER TYRANNENMÖDERGRUPPE 



221 



in der Glutaeusgrube vermuten lässt, dass hier eine Stütze weg- 
gearbeitet ist, während in der Umgebung der jetzigen Stütze ausser 
unregelmässigen Verletzungen der Oberfläche des Schenkels nichts 
Auffallendes zu bemerken ist. Hier aber kommt uns das Zeugnis des 
Thronreliefs zu Hilfe, das dem rechten Arm des Aristogeiton gerade 
die Haltung giebt, die für den linken Arm des Harmodios direkt 
nachweisbar ist. 

Noch schlechter als dieser rechte Arm ist der linke des Aristo- 
geiton ergänzt ; statt nahezu horizontal vorgestreckt zu sein, sieht er 
wie geknickt aus und bildet die schlimmste Entstellung der Gruppe. 

Mindestens ein Rest des alten muss dem 
Brgänzer vorgelegen haben ; man würde 
sonst nicht begreifen, wie dieser auf die 
annähernd archaische Anordnung des Ge- 
wandes gekommen ist. Die Ansatzstelle 
aber des ursprünglichen Gewandes liegt 
neben dem modernen, dicht am Baum- 
stamme und über dessen horizontaler Ab- 
schlussfläche, eine unregelmässig viereckige 
flache (max. 0,005 m.) Vertiefung von max- 
0,04 m. Breite und max. 0,09 m. Höhe, 
die früher verschmiert war, am Abguss folglich nicht erkennbar ist. 
Ein deutlicher Ansatz des Gewandes ist freilich auch am Original 
nicht erhalten ; doch ist der vordere und untere Rand der beschrie- 
benen Vertiefung, soweit er in beistehender Abbildung verstärkt ist, 
als Grenze eines von der Schenkeloberfläche aufsteigenden Körpers 
charakterisirt durch die ihn begleitende hellere Linie : Schenkel und 
Gewand bildeten hier einen der Verschmutzung weniger zugängli- 
chen Winkel. 

Dass endlich der rechte Arm des Harmodios nicht so hoch 
aufragte wie jetzt und in Overbecks Rekonstruktion, ergiebt sich 
sicherer als aus Parallelmonumenten und aesthetischen Erwägun- 
gen (^ aus dem Mangel einer Stütze zwischen Kopf und Arm. Der 
scharf gebogene Arm bildete eine kompakte Masse, die der Stütze 
vielleicht entbehren konnte ; war doch eine da, so verband sie Ober- 
und Unterarm, nicht Arm und Kopf. Das Schwert oder seine Klinge 




modernes 
Gewandl 



(») Vgl. das Anfänge d. statuar. Gruppe S. 51 f. Zusammengestellte. 



222 B. SAUER. ZUR REKONSTRUKTION DER TYRANNKNMÖROERGRUPPE 

war gewiss, gleichviel in welchem Material, besonders angesetzt; 
gleiches gilt für das Schwert des Aristogeiton und die weit herausra- 
gende Schwertscheide des Harmodios, während die des Aristogeiton 
wohl aus einem Stück mit dem Gewand gearbeitet war. 

Es sind anscheinend nur kleine imd nebensächliche Züge, die 
uns diese genauere Prüfung der Neapler Kopie für das Original 
wiedergewinnen lässt; doch wird man leicht einsehen, und das 
Experiment würde es bestätigen, dass der straffere Rhythmus, der 
damit in die Bewegung der Arme kommt, den Eindruck des entschlos- 
senen Vorgehens jeder der beiden Gestalten erheblich verstärkt 
und dass die Einmütigkeit der Freunde in der nach Möglichkeit 
gleichen Aktion ihrer Körper einen ebenso einfachen wie drastischen 
und überzeugenden Ausdruck findet. 

Giessen. 

B. Sauer. 



PINNIKAPÜS lüVENÜM 



Als ich bei Herausgabe der Pariser Tesserensammliing in der 
Vorrede dio Bestimmung und Bedeutung der verschiedenen Classen 
von römischen Tesseren behandelte, erörterte ich auch die Frage 
über die Geschichte und Bedeutung der collegia iuvenum im römi- 
schen Reiche ('). Ich führte dabei aus, wie einer der Hauptzwecke 
bei der Gründung dieser collegia die physische Erziehung des besten 
Theiles der muuicipalen Jugend war, und wie dazu zwei Mittel 
angewendet wurden : Uebungeu rein militärischer Art und üebungen 
in der Technik der amphitheatralischen Spiele. Beide stehen natür- 
lich in engem Conneie ; dazu kamen wahrscheinlich noch Jagd- 
übungen in wildreichen Gegenden (2). Bis jetzt waren aber nur 
Zeugnisse über die Betheiligung der iuvenes bei den Thierhetzen 
bekannt, und ich bezweifelte deshalb, dass die jungen Municipal- 
aristocraten auch als Gladiatoren geübt wurden (^). Mit Unrecht. 
Die Technik des Gladiatorenwesens bildete ebenso einen Bestand- 
theil des jugendlichen Unterrichtes wie die aus der Inschrift von 
Aquae Sextiae bekannte Bestiariertechnik, die mit der wirklichen 
Jagd ebenso fest verknüpft war wie der Gladiatorenunterricht mit 
der militärischen Erziehung (^). 



(») Revue numismatique 1898 S. 271 flF. und 457 ff. 

(.2) Als wirkliche Jagdfibungen, nicht als Theilnahme an den venationes 
möchte ich die Worte der metrischen Inschrift C. I. L. XII 53, 10-14 (Büche- 
ier Carmina epigrophica 465): Ft comes ursaris, comes his qui vict>.ma{m) 
sacris Caedere saepe solent et qui novo tempore veris Floribus intextis re- 
fovent simulacra deorum, auiFassen. Dafür spricht hauptsächlich das « noro 
tempore veris f. 

(3j Bev. num. 1898 S. 461. 

(*) S. die vortrefflichen Bemerkungen Lafayes in Daremberg et Saglio 
Dictionnaire des antiauit4s S. 1583. 



224 M. ROSTOWZEW 

Es ist wohl unnnöthig, zu bemerken, dass die Gladiatorenspiele 
und die Gladiatoren technik an sich nichts Infarairendes hatten, und 
dass nur der Gladiatorenstand als solcher, hauptsächlich wegen sei- 
ner Zusammensetzung, keines guten Rufes genoss und zu den be- 
rüchtigtsten Classen der Bevölkerung gehörte. 

Den Beweis dafür, dass die iuvenes, besonders bei den von ihren 
Vereinen veranstalteten Spielen, als Fechter auftraten, liefert eine 
Stelle aus Cassius Dio (LXVI, 15 ; vom J. 75 n. Chr.), wo von der Ein- 
weihung des forum Pacis gesprochen und dabei folgende Bemerkung 
gemacht wird: acpaydg <Ja o OvsOTcadiardg ^rjqiuiv fiiv inouTto 
ev Toig ^säxQoic, fiorofiaxiceig <?* dv^Qcöi' ov nävv ti sxaiqe, 
xccizoi tov Tirov iv raig tmv vsaviffxcov naidiaiq taig sv xf na- 
TQidi avTov TsXovfit'vaig <fxiafiax^(^ccvT6g nore JiQog tov l4Xir]vdv 
oTiXoig. Die rsariaxmv naidiaC sind doch sicher die Reatinischen 
iuveaalia, die vom reatinischen Jugend-Vereine veranstalteten Spiele; 
dieser Verein ist uns aber aus epigraphischen Zeugnissen wohl be- 
kannt {CLL. IX, 4691. 4696. 4753. 4754) ('). Das angeführte 
Zeugniss zeigt nun erstens, was wir übrigens schon wussten, dass 
die Mitglieder der angesehensten Familien an den Vereinen und 
Vereinsspielen Theil nahmen ; zweitens, dass an diesen Spielen wahr- 
scheinlich auch Mitglieder anderer italischer Vereine sich bethei- 
ligten, da der Gegner des Titus, Caecina Alienus, doch wohl mit 
dem bekannten Caecina der flaviscben Zeit identisch ist (s. Pro- 
sopogr., I, p. 255 n. 71); dieser stammt aber, wie bekannt, aus 
Vicetia (Tac. 4, 38). Obwohl für Vicetia selbst uns keine Zeugnisse 
über die Existenz eines luvenes-Vereines daselbst überliefert sind, 
ist es doch als wahrscheinlich anzunehmen, dass ein solcher dort 
existiert hat : alle anderen bedeutenderen Städte Norditaliens weisen 
uns diese Vereine auf (2). 

Es zeigt sich weiter, was übrigens schon Lafaye bemerkt hat (3), 

(') Die Inschrift n. 4696 bleibt mir ebenso wie dem Herausgeber sehr 
verdächtig ; eine Frau als Mitglied wäre vollständig in der Ordnung, aber ein 
T. Fl. Sabinus und die Benenmng corpus passen nicht gut zusammen. Dagegen 
finde ich eine weitere Erwähnung der iuvenes in der Inschrift 4697, wo ich 
in der 6 Zeile (nach 4691) iuve^aibus, in der 7. mit Muratori VIvireis lese. 

(*) S. Demoulin, Leu collegia iuvenum dans Vempire romain, Louvain, 
1897 {Mus^e beige t. I) S. 7 iF. und Encore les collegia iuvenum, Louvain, 
1899 S. 10 n. 4. 

(3) A. 0. p. 1581 et 1594. 



PINNIRAPUS lUVENUM 225' 

dass der Kampf zwar ein regelrechter war (oTrAotg), aber doch nur zum 
Scheine ausgeführt wurde, nur als Fechtübung, ob mit hölzernen oder 
irgendwie anders unschädlich gemachten Waffen, bleibt ungewiss. 

Es ist auch mit Wahrscheinlichkeit zu vermuthen, in welcher 
Gattung der Fechtübungen Titas geübt war, wenn man sich näm- 
lich der Worte Suetons Tit. 8 erinnert : quin et Studium arma- 
turae Thraecum prae se ferens saepe cum populo et voce et ge- 
stu ut fautor cavillatus est, verum maiestate salva et aequitate. 
Diese Vorliebe für die Thraker erklärt sich wahrscheinlich eben 
daraus, da.ss er selbst in seiner Jugend zu dieser armatura gehörte, 
wie seine Liebe zu den Fechtspielen überhaupt sich aus seiner 
Zugehörigkeit zum Vereine erklären lässt. Die Wahl der armatura 
Thraecum, die gewöhnlich als Gegner einen schwer bewaffneten 
oplomachus hatten, für die iuvenes erklärt sich wohl daraus, dass 
die Kampfart dieser Gladiatorengattung am meisten Aehnlichkeit 
mit dem wirklichen Soldatenkampfe hatte. Man erinnere sich nur, 
dass der römische Soldat hauptsächlich für den Kampf gegen 
nordische Barbaren vorbereitet werden musste. 

Nach diesen Vorbemerkungen wird uns erst eine vor Kurzem 
in Spoleto aufgefundene Inschrift verständlich. Sie lautet nach der 
Copie von G. Sordini {Not. d. Scavi, 1900, April, p. 141): D. M. \ 
C. Cominieno For\tunatiano VI viro \ Aug{ustali)pinn. (sie) iu- 
venum \ Veturia Aepikaris \ coiugi kar{issimo) et fili tres \ For- 
tunatus Marcianus \ et Aggrippinus (sie) patri karisi\mo. 

lü dem räthselhaften pinn der Inschrift ist eine Bezeichnung 
für ein besonderes Amt im Juvenesvereine zu suchen ; das ergiebt 
sich aus mehreren analogen Inschriften, in denen gleich nach einem 
Juvenesamt (gewöhnlich Magisterium) der Sevirat bekleidet wird {^). 
Ein Amt aber das mit pinn beginnt ist bis jetzt unbekannt. Die 
Erklärung giebt uns eine Stelle des Juvenal (III 152 ff.): 

nil habet infelix paupertas durius in se, 

quam quod ridiculos homines facit. « exeat » inquit 

" st pudor est, et de pulvino surgat equestri 

cuius res legi non sufficit, et sedeant hie 

lenonum pueri quocumque ex fornice nati. 

hie plaudat nitidi praeconis filius inter 

pinnirapi cultos iuvenes iuvenesque lanistae ». 

(1) Rev. num. 1898 S. 458, 2. 



226 M. ROSTOWZEW 

Es werden hier Persooen angeführt, die sich durch schmutzige 
und unehrliche Gewerbe bereichert haben ; zuerst die lenones, dann 
die praecoMS, ddinn pinnirapi {^} und lanistae. Ihre Söhne dürfen, 
weil sie durch ihre Väter reich geworden sind, unter den equites 
sitzen, nicht aber ein Bürger aus alter aber verarmter Familie! 

Zunächst ist klar, dass der räthselhafte pinnirapus in ähnli- 
cher "Weise sein Vermögen erworben hat wie der lanista, dass er 
also zum Gladiatorenstande gehörte. Das sonst nicht vorkommende 
Wort wird folgendermassen vom Scholiasten erklärt C'^) : pinnirapi. 
a pinna. pitinis pavonum ornari solent gladiatores siquando ad 
pompam descendant. pinnirapos aiitem dicit lanislas ex habitu 
gladiatoriim quia post mortem retiarii pianam id est manicam 
rapit vi ostendat populo se vicisse. Aut ideo pinnirapos quia pin- 
nas in galeis habebant ut Lucilias « cum Septem incalamis (1. in- 
columis) (^) pinnis redit ac recipit se « . 

Aus diesen verworrenen Angaben geht nur eines hervor : die 
Benennung pinnirapus scheint entstanden aus dem Gebrauch der 
Gladiatoren, sich der Feder der besiegten Gegner als Zeichen des 
Sieges zu bemächtigen, wozu auch die Worte des Lucilius vortrefflich 
passen (''). Nach den Worten Juvenals muss es eine gewisse Gla- 
diatorenkategorie gegeben haben, die pinnirapi hiess und die sich 
in Reichtum und socialer Stellung mit den lanistae messen konnte. 
Wir werden vielleicht nicht zu weit gehen, wenn wir vermuthen, 
dass pinnirapus ein Ehrentitel war, den ausgediente Gladiatoren 
vielleicht einer besonderen Gattung, nach einer Anzahl von ausge- 
fochtenen Siegen bekamen, also etwa gleich dem veleranus, primus 
pilas, prima rudis (^), aber wahrscheinlich noch höher. Daher ihr 

(1) Man hätte sonst wegen der Inschrift an iuvenes als im technischen 
Sinne gebraucht denken können, also Mitglieder des Vereines ; dagegen aber 
spricht der Zusatz iuvenesque lanistae und der ganze Sinn der Stelle; s. Fried- 
länder z. d. St. 

(*) Die Neueren von Lipsius an (Saturn. II c. XI in Graevii Thes., IX, 
p. 1235) bis Friedländer (zur Stelle) und die Lexica wiederholen die Angaben 
des Scholiasten. Lipsius: itaque pinnirapi.... non alii quam qui cum Samnite 
compositi quique rapiunt eius pinnas. 

(3) L. Müller III fr. LIII. In der von ihm aus Apuleius' Apologia {in 
ßne) citierten Stelle sind die septem pinnae nur Conjectur. 

(<) 0. Keller, Philologus, XLV S. 555. 

(5) Meier De c/ladiatura romana S. 52 sqq.; Lafaye, a. 0., S. 1590. 



PINNIRAPUS lUVENUM 227 

Reichtum, den sie sich in Folge der verschiedenen Siege erwarben 
und vielleicht noch weiter mehrten, indem sie als Fechtlehrer fun- 
gierten, als doctores. 

Und damit kehren wir zu unserer Inschrift zurück. Nach dem 
Gesagten wird es nicht auffällig erscheinen, wenn wir für den doch 
irgendwie mit pinna zusammenhängenden Amtsnamen des Comi- 
nienus das Wort pinnirapus vorschlagen. In den Juvenesvereinen 
gab es bei der ständigen Pflege der Gladiatorenübungen wahrschein- 
lich auch dieselben Ehrentitel und Ehrenabzeichen, wie in einer 
wirklichen familia gladiatoria ; einen Titel wie pinnirapus konnte 
ein erfahrener, mehrmals siegreicher Fechter sieh auch im lusus tu- 
venum erwerben, und dann benutzte man doch wahrscheinlich die 
Erfahrungen und die Kunst eines Mitgliedes des Vereines zum 
Unterrichte der jüngeren Collegen. 

Dies für den Fall, dass pinnirapus in der Inschrift wirklich, 
wie übrigens sehr wahrscheinlich, eine Amtsbezeichnung ist ; sonst 
könnte es auch bloss ein Ehrentitel sein, den sich der junge Mann, 
während er noch Mitglied des Vereines war, erworben hatte, und 
dessen er sich noch nachher als Sevir rühmt. 

Wir dürfen jetzt die Ergebnisse dieser kleinen Untersuchung 
zusammenfassen. Es hat sich herausgestellt welch hohen Werth die 
aus der Idee des Augustus hervorgegangenen und durch spätere 
Kaiser stets protegierten Vereine auf kräftige physische Erziehung 
legten ('). Und zwar sollte diese Erziehung zuerst praktischen Zwek- 
ken dienen : die italische Jugend sollte kräftige, geübte Soldaten 
liefern ; aus ihr gingen die Legionen hervor und die künftigen Le- 
gionare und Legionsoflfiziere mussten von ihrer Jugend an zum Krie- 
gergeschäft durch Fechtübungen, zur Tapferkeit und Unerschrocken- 
heit durch Thierhetzen, zur Ausdauer durch die Jagd erzogen werden. 
Die jährlichen Spiele galten als eine Art Musterung, und ihr Leben 

(') Gegen die republikanischen Keime der Institution (Demoulin Encore 
les collegia iuvenum) hätte ich gar nichts gehabt. Die Zeugnisse aber fehlen 
uns, da von den beiden bei D. citierten Inschriften die erste sicher der Kai- 
serzeit angehört, die oskische aber (vgl. jetzt Conway The Italic Dialects 
[Oxf. 1897J S. 60 und Mau Pompen [New York 1899] S. 159 ff.; nur von der 
Verbreitung der Ephebie auch im hellenisierten Süditalien zeugt, wobei aber 
doch zu betonen ist, dass das entscheidende Wort von zweifelhafter Deutung 
ist ; vgl. Conway Glossary S. 667. 



228 M. KOSTOWZEW, PINNIRAPUS lUVENUM 

lang behielten die jungen Leute ihre im lusus iuvenum erworbenen 
Ehrentitel und Amtsbezeichnungen. Das sind die positiven Seiten 
dieser wichtigen Institution ; dass sie andererseits nicht wenig zur 
Verwilderung der Jugend, zur Mord- und Blutlust, zur Minderung 
der geistigen Cultur beitrug, kann man sich leicht denken. Ich 
glaube, es wird schwer fallen, im römischen Leben der Kaiserzeit 
eine dem lusus iuvenum entsprechende geistige üebung nachzu- 
weisen, die ebenso wirksam für die Hebung der geistigen Cultur ge- 
wesen wäre, wie jene für die Förderung körperlicher Tüchtigkeit. 

Rom, August 1900. 

V M. ROSTOWZEW. 



EINE UNERKANNTE MIDASVASE 



In der Aufzählung der die Gefangennahme des Silen und seine 
Vorführung vor König Midas darstellenden Vasen, die nach Heyde- 
mann zuletzt Kuhnert und Bulle (') eingehend behandelt haben, fehlt 
ein Gefäss des Neapler Museums, eine Reliefvase des Museo Sant- 
angelo, welche von Heydemann ungenau beschrieben und irrig auf 
Herakles vor Busiris gedeutet {^) sich ihrer richtigen Verwertung 
bisher entzogen hat. Die richtige Erklärung ergab sich mir vor der 
Vase selbst sofort. Da die von A. Mau liebenswürdigst vorgenommene 
Nachprüfung der Abweichungen, welche meine Skizze und Notizen 
gegenüber Heydemann's Beschreibung und Abbildung aufwiesen, 
grösstenteils zu meinen Gunsten entschieden hat, so wird ein noch- 
maliges Eingehen auf das in mehrfacher Hinsicht interessante Stück 
sich vielleicht Dank verdienen. 

Die 0,19 m. hohe bauchige Lekythos von der Form, welche 
Furtwängler als Aiyballos bezeichnet (^) und die aus der beigege- 
benen Figur (nach einer Photographie von Sommer in Neapel, 
n. 11094) zu ersehen ist, gehört, wie erwähnt, zum Bestände der 
Sammlung Santangelo. Sie trägt keine Nummer, üeber den, jeden- 



(1) Heydemann, Jahrbuch des archäol. Instituts II (1887) S. 112 £F. ; 
Kuhnert, Zeitschrift der deutschen raorgenländischen Gesellschaft XL (1886) 
S. 556 ff. ; ders. in Roscher's Lexikon d. Mythol. II 2 Sp. 2963 S. ; Bulle, Athen. 
Mitth. XXn (1897) S. 387 ff. 

(8) Vasensammlung des Museo Nazionale S. 716 n. 343; Siebentes Hall. 
Winckelmannsprogr. S. 7 ff., Taf. 2 n. 2. — Danach hat Stoll die Vase unter 
die Busirisdarstellungen aufgenommen, Röscher Lexikon I 1, 835, während 
sie bei Furtwängler ebd. I 2, 2283 (vgl. 2215) fehlt, freilich auch Sp. 2252. 

(3) Beschreibung der Berliner Vasensammlung II S. 89 (Form Taf. VI 
n. 240). 

16 



230 



H. LUCAS 



falls unteritalischen, Fundort konnte H. nichts Genaueres erfahren ; 
die Inventare ergeben nach Mau's Mitteilung darüber nichts. Da- 
nach ist die Fundangabe Canino auf der Sommer'schen Photogra- 
phie mit Vorsicht aufzunehmen. Die sechs Personen umfassende 

Darstellung schmückt in ausge- 
schnittenen und aufgesetzten, fein 
modellierten, aber stark verschlif- 
fenen, daher in den Details oft 
sehr undeutlichen Relieffiguren den 
Bauch des Gefässes. Stellenweise 
hat sich auf den Figuren, wie auch 
auf der Photographie zu sehen, 
noch ein weisser Ueberzug erhal- 
ten, offenbar der Deckgrund für 
eine ursprüngliche Farbenbema- 
lung. Warum H. die einstige Be- 
malung als zweifelhaft hinstellt, 
ist hiernach nicht ersichtlich. 

Nun zum Bilde selbst, von 
dem ich zum leichteren Verständ- 
nis meine freilich unter ungün- 
stigen Verhältnissen — durch Glas- 
scheiben — genommene Skizze 
beigebe. Die Scene schreitet von 
links nach rechts vor. Ganz 1. ein 
an Grösse die übrigen Figuren 
überragender bartloser Mann in gegürtetem Chiton, Mantel und 
phrjgischer Mütze mit Laschen, mit erhobener Rechten, in der 
Linken ein Schwert (oder Schwertscheide). Vor ihm unzweifelhaft 
ein Mädchen (nicht ein Jüngling, Doryphoros, wie H. behauptet), 
in Chiton und Mantel; die r. Hand ist undeutlich, vielleicht hielt 
sie den Strick, mit dem die Arme der folgenden Figur auf dem 
Rücken gefesselt sind. Diese stellt einen bärtigen Mann dar, nackt 
bis auf den Mantel, der den Rücken bedeckt. Spitze tierische Ohren, 
wenigstens das rechte, glaubte ich, wenn auch nicht unzweifelhaft 
sicher, zu erkennen (^). Gleichfalls scheint den Strick, der seine 

(^) Die Satyrohren erklärt Mau nicht zu sehen, auch ist er geneigt, in 
der Bekleidung des Mannes ein Löwenfell zu erkennen, dessen Tatzen am r. 




Fig. 1. 



EINE UNERKANNTE MIOASVASE 231 

Arme fesselt, die vierte Figur zu halten, diese wie die beiden 
folgenden nach links gewandt, während die drei ersten sich nach 
rechts bewegen. Es ist ein Jüngling, dessen Tracht mit der der 
ersten Figur im wesentlichen übereinstimmend scheint: phrygi- 
sche Mütze, gegürteter Chiton (mit Aermeln?), vielleicht Mantel. 
Die Person, welcher der Gefangene vorgeführt wird, sitzt auf einem 
mit einem Tuche belegten, mit Armlehnen versehenen Thron. (Von 
der Sphinx, die ich als Verzierung der Armlehne zu bemerken 
glaubte, konnte M. nichts erkennen). Der 1. Arm des bärtigen 




Fig. 2. 

Mannes, dessen Oberkörper nackt und Unterkörper mit einem Mantel 
verhüllt ist, liegt auf der Thronlehne auf, der r. hält ein Scepter. 
Die Beine, behaglich gekreuzt, ruhen auf einer Fussbank. Der Kopf 
des Herrschers ist mit einer liohen, spitz zulaufenden Tiara bedeckt ; 
auffällig sind die langen tierischen Ohren (nur das linke sichtbar) ('). 



Arm herabhängen. (Die Drapierung, in der das Fell auf Heydemann's Tafel 
erscheint, ist jedenfalls unmöglich). Leider ist gerade diese Partie sehr stark 
verschliffen oder mit Farbe ausgefüllt, so dass eine sichere Entscheidung 
sich wohl nicht geben lässt. Immerhin glaube ich angesichts der Photogra- 
phie das Zeugnis meiner Zeichnung, trotzdem sie stellenweis auch im Stich 
lässt — einige Mantelpartieen waren mir unklar geblieben — nicht verwerfen 
zu sollen. Glücklicherweise fehlt es nicht an andern ausschlaggebenden Mo- 
menten. 

(') Bei der Wichtigkeit dieses Punktes möchte ich die Auskunft Mau's 
wörtlich hersetzen : « Was Sie für Eselsohren halten, sehe auch ich ; es ver- 
mischt sich aber derart mit den Falten der Kopfbedeckung, dass ich es nicht 
mit Bestimmtheit dafür erklären möchte. Doch scheint es mir wahrscheinlich ». 



232 H. LUCAS 

Den Abschluss macht endlich eine jugendliche Gestalt, der phry- 
gischen Mütze wegen wohl männlich, die mit dem Sonnenschirm 
den Herrscher beschattet. (H. erinnert mit Recht an den Satrapen 
auf dem Nereidenmonument von Xanthos). 

Es dürfte wohl bei unbefangener Würdigung des Gesamtbil- 
des sofort einleuchten, dass H.'s Deutung auf die Vorführung des 
gefesselten Herakles vor den König Busiris nicht bestehen kann. 
Denn unter den fünf Figuren, die den vermeintlichen Herakles um- 
geben, befindet sich nicht, wie man erwarten sollte, auch nur ein 
einziger Neger ! Ferner tragen drei der Personen phrygische Mützen, 
eine vierte die spitze Tiara, wodurch der ganze Vorgang sofort auf 
orientalischen Boden verwiesen wird. Kaum brauchten wir noch zm- 
endgültigen Entscheidung die Eselsohren des sitzenden Königs, für 
die wir die, wenn auch bedingte Zustimmung Mau's haben, so dass 
aus der ündeutlichkeit der Silensgestalt weiter kein Schade er- 
wächst. Wir haben somit sicherlich den König Midas vor uns, dem 
seine ausgesandten Trabanten den eingefangenen Silen bringen. 

Es erübrigt noch, einen Blick auf die übrigen Midasvasen zu 
werfen, um unserem Reliefgefäss den richtigen Platz unter ihnen 
anzuweisen {^). Die mythologischen Ergebnisse aus den bis dahin 



(1) Von Vasen, die den genannten Mythus zum Gegenstand haben, sind 
mir zehn bekannt (denn die Münchener Vase Jahn n. 790 ist zu streichen: 
Ath. Mitth. 1897, 390 Anm. 2). Bei der folgenden Aufzählung sparen wir in 
der Regel die besondere Verweisung auf Heydemanns und Bulles anfangs 
erwähnte Besprechungen. 

A. S.f. Schale des Ergotimos aus Aegina, Berliner Antiquarium. Gerhard 
A. V.Taf. 238; Wiener Vorlegebl. 1888 Taf. IV, 2; Reinach ESpert. des vases 
peints II 120, 3. Arch. Zeit. 1848 S. 237 f., 334 f. (388); Arch.-epigr. Mitth. II 
S. 24 f. n. 21 (Litt.); Heydemann 5. Hall. Progr. S. 12, B (Litt.); Klein Vasen 
mit Meistersignaturen S. 37. 

B. S.f. Amphora aus Gela, Sammlung Navarra in Terranova. Bull. delVinst. 
1867 p. 229 n. 11 ; Benndorf griech. u. sicil. Vasenbilder Taf. 53 n. 2, S. 104. 

C. R.f. Krater aus S. Agata de' Goti, Neapel, Museo Nazionale. Heyde- 
mann Neapler Vasensamml. n. 1851; Jahrb. d. Inst. II S. 113 (Abb.). 

D. R.f. Vase in Terranova, Sammlung Ammendola. Bull. deW inst. 1867 
p. 229 zu n. 11. 

E. S.f. Napf aus Vulci, Louvre. De Witte, catal. Durand n. 261; Arch. 
Zeit. 1844 S. 388 f.; "" Catal. Paravey n. 10; Athen. Mitth. 1897 S. 389 f. 

F. S.f. Gefäss aus Eleusis ; dort im Museum. Athen. Mitth. 1897 S. 387 ff., 
Taf. 13; ebd. 1899 S. 339 f. 



EINE UNERKANNTE MIDASVASE 233 

bekannten auf die Midassage bezüglichen Denkmälern und der 
litterarischen Ueberlieferung sind von Kuhnert und Bulle scharf- 
sinnig und in so zutreffender Weise gezogen, dass es müssig 
wäre, diese Fragen noch einmal aufzuwerfen. Nur würden wir 
eine andere Gruppierung der Vasen vorziehen. Wir möchten 
drei Darstellungsmotive unterscheiden. Erste Gruppe {Ä-D) : der 
Transport des eingefangenen Dämons durch eine oder zwei Perso- 
nen (nur in Ä sind es Bauern, sonst Bewaffnete, in G hat sich zu 
dem Wächter eine Frau gesellt). Diese Gruppe zu sondern haben 
wir wohl Anlass, da es nicht so durchaus selbstverständlich ist, 
dass das gedachte Motiv nur einen Auszug aus der zweiten, figu- 
renreicheren Gruppe darstellt. Vielmehr scheint meist der Zug un- 
terwegs dargestellt zu sein, am zweifellosesten bei A, das freilich 
in vieler Hinsicht eine singulare Stellung einnimmt('). Zweite (^-/) : 
die Einlieferung des gefangenen Silen an den thronenden Midas, 
meist eine ausgedehntere Composition. Endlich als dritte Gruppe 
die Vase K, die sich allerdings in formaler Hinsicht als eine Abkür- 
zung der zweiten darstellt, nämlich eine Auswahl zweier Figuren 
daraus, welche aber in ihrer jetzigen Zusammenstellung inhaltliche 
Selbständigkeit beansprucht und eine neue Deutung verlangt, ent- 
weder die Aussendung eines Trabanten durch den König, oder wahr- 
scheinlicher die Meldung von dem Fange. 

Die Neapler Reliefvase gehört demnach der zweiten Gruppe an. 
Am meisten Berührangspunkte hat sie mit dem Londoner Stamnos 
ff, obwohl sie diesen wie alle übrigen Nummern an Figurenreichtum 



G. R.f. Amphora aus Agrigent, in Palermo. Mon. delV inst. IV tav. 10 ; 
Reinach rSpert. des vases peints I 122. Bull. deWinst. 1843 p. 55, 1846 
p. 141 n. VI; Ann. deWinst. 1844 p. 200 ff.; Arch. Zeit. 1845 S. 87, 1871 
S. 55 n. 46; Heydemann 10. Hall. Progr. S. 22 f., c. 

H. R.f. Stamnos aus Chiusi, im Brit. Museum. Ann. deWinst. 1844 tav. H; 
p. 210 f.; Reinach rSpert. des vases peints I 269. Arch. Zeit. 1851, Anz. S. 39*, 
Journ. of hell. stud. II p. 226 ; Brit. Mus. Gatal. III, E 447. 

/. Unsere Reliefvase des Museo Santangelo. 

K. R.f. Schale des Museo Gregoriano im Vatikan. Litt, bei Heibig Führer 
II« n. 1275. Dazu noch: Arch. Zeit. 1847 S. 135 ff.; Reinach r4pert. des vases 
peints I 268, 3 = 357, 4. 

(1) Bulle a. a. 0. p. 398 f.; vgl. auch Kuhnert bei Röscher p. 2965 f., 
dessen Ausführungen freilich zu modificieren sind durch das Bekanntwerden 
von F und die Sicherstellung der schwarzfigurigen Technik von E. 



234 H. LUCAS, EINE UNERKANNTE MIDASVASE 

übertrifft. Das Einzelne bedarf weiter keiner Erläuterung. Nur sei 
darauf hingewiesen, dass auch auf ihr wie auf mehreren andern 
Vasen {E, G, ff) sich die rätselhafte Frau findet, welche schwer- 
lich eine unbedeutende Dienerin — daran könnte man nur bei ff 
denken — sondern eine mit Midas in den uns leider verlorenen 
litterarischen Behandlungen des Mythus einst verbunden gewesene 
Figur sein muss. Auf dem richtigen Wege ist wohl Bulle, wenn 
er (a. a. 0. p. 397 f.) in der Figur, welcher auf der Londoner Vase 
der Name Evqmttu beigeschrieben ist, eine nordgriechische He- 
roine vermutet. Die üebereinstimmung dieser mehrfachen Darstellun- 
gen muss übrigens doch daran irre machen, ob wirklich auf dem 
Neapler Krater (C), wie besonders Heydemann betonte, eine Mänade 
gezeichnet ist: das Gerät, das die Frauengestalt dort umgekehrt 
trägt, ist eher ein langgestielter Fächer der Form wie auf ff als 
ein Thyrsos. Und darf nicht die scheinbar verzückte Tanzbewegung 
bloss als Ausdruck lebhafter Freude über den geglückten Fang 
aufgefasst werden ? Es müsste ja auch Wunder nehmen, wenn hier 
die Verbindung mit dem bacchischen Thiasos als bekannt voraus- 
gesetzt, auf der entschieden jüngeren Reliefvase dagegen wieder zu 
Gunsten der älteren Mythenfassung geschwunden sein sollte. Wir 
kommen also zu dem Schlüsse, dass die Einbeziehung der Silen- 
Midassage in den dionysischen Kreis, die uns ja aus der späteren 
Litteratur sehr geläufig ist('), auf den bildlichen Darstellungen 
noch nicht nachzuweisen ist. 

Charlottenburg. 

H. Lucas. 

(1) Röscher II 2, 2956 flf. 



zu MITTEILUNGEN OBEN S. 144 



In dem eben erschienenen Heft der « Mitteilungen » bespricht 
Petersen (S. 142 ff.) neuerdings das raarathonische Weihgeschenk 
der Athener in Delphi. Den Hauptinhalt seines Aufsatzes bezeichnet 
Petersen als Hypothese, und ich gehe auf denselben nicht ein. Aber an 
dem Vorwurf « die Kritik discreditierender Methode », der S. 144, 1 
gegen mehrere Erklärer der Stelle Paus. X, 10, 1.2 erhoben wird, 
habe auch ich mein Teil. Ich soll Pausanias direct und indirect wi- 
dersprochen haben. Wer meine wenigen Seiten (') liest, wird finden, 
dass ich nicht nur für die Richtigkeit von Pausanias' Lesung des 
Epigramms wie der Namensinschriften eintrete, sondern seine Anga- 
ben über die Einheit des Bathrons (2) und die Siebenzahl der Epo- 
nymen durch Gründe des Zusammenhangs vor Anzweiflung schütze 
und selbst eine angenommene Lücke des Textes ablehne (^). Ich 
habe also überall, wo Pausanias Tatsächliches berichtet und berich- 
ten konnte (^), seine Worte genauestens zur Grundlage genommen 
und nur gegenüber seiner Beurteilung der Tatsachen mir Freiheit 
gewahrt, indem ich annahm, dass er, durch jüngere Aufschriften 
irregeführt, in den Statuen des Antigonos, Demetrios und Ptole- 
maios die umgenannten Bilder der drei fehlenden Eponymen nicht 
erkannte: ob ich damit, trotz der von Petersen urgierten Bär- 
tigkeit wenigstens des Aias (^), Pausanias zu viel zugemutet habe, 

(i) Studi ItaJ. di ßlologia dass. V S. 33 ff.; dazu VI, S. 28. 

{*) Vgl. auch Schubart, deutsche Uebersetzung S. 762, 12. 

(3) Dem überlieferten ^vXevg gegenüber ist Petersen nicht conservativer 
als ich. Nur dass meine Reconstruction der Gruppe von meiner Emendation 
unabhängig ist, während Petersen für die seinige der Lesung <fiXaiog wesent- 
lich bedarf. 

{*) Das XQ^'"'? i'öTcpo»' dniaxeiXuv {§ 2) ist an sich nicht Tatsache, 
sondern nur Auslegung. Die folgenden Worte beweisen nicht Inschriftenbe- 
nutzung, sondern das (Jegenteil. 

(5) Was Petersen über den persönlichen Eindruck so unähnlicher Por- 
träts auf die damit Geehrten bemerkt, ist scharfsinnig. Nur trifft es nicht mich, 
der ich mich über Zeit und Anlass der ümnennung der Aeusserung enthalte, 
sondern die doch nicht wegzuleugnende Sitte der ümnennung selbst. — War 
übrigens Antigonos sicher unbärtig? 



286 E. LOEWY, ZU MITTEILUNGEN OBEN S. 144 

entscheide der Leser. Kann Petersen selbst sich gleicher Strenge 
gegen den Autor rühmen, wenn er (Mitteil. 1891, S. 378) schreibt: 
tt seeondo ce lo descrive Paumnia, MiUiade vi era rappresentato 
fra messo di Ätene e di Apollo » ? Und selbst wenn dem Buchstaben, 
sind seine Folgerungen der Sache gerecht? üeber die durch die spä- 
tere Zufügung dreier Statuen verursachte Störung zum Mindesten 
der Symmetrie mag man hinweggehen. Und auch den Zweifel, ob 
das Auf- und Absteigen ungleich grosser Figuren mit der Senkung 
(Miltiades) in der Mitte für jene Zeit künstlerisch wahrscheinlich 
sei, will ich, als vielleicht subjectiv, nicht zu sehr betonen. Wol 
aber darf man fragen, ob eine solche Heraushebung eines, selbst 
verstorbenen ('), Zeitgenossen dem religiösen, eventuell auch dem 
politischen Empfinden des damaligen Athen gemäss war. Und die 
Hauptsache : die Schwierigkeit, die darin liegt, dass von den zehn 
Phylen nur sieben durch ihren officiellen Heros vertreten gewesen 
sein sollten, wird durch Petersen's anfängliche Nichtanerkennung 
so wenig aus der Welt geschafft, als durch seine nunmehrige Er- 
satzmännertheorie, welche die Frage nach dem Grund so ungleicher 
Vertretung erst recht aufwerfen lässt. 

Diess nur in Kürze zur Abwehr : dieselbe nicht zu unterdrücken, 
war mir durch das Verhältnis, welches mich dem Verfasser persön- 
lich verbindet, doppelt zur Pflicht gemacht (2). 

Rom, 21. Juli. 

E. LOEWY. 



(i) So Petersen, der das Denkmal den Jahren 470-460 zuweist. Umsomehr 
befremdet es mich, dass er wiederholt und nachdrücklich Miltiades als « ein- 
zigen Sterblichen » in Wesensgegensatz zu den Heroen stellt. Im Sinne des 
Geschlechtes, das die Gebeine des Theseus zurückholte, lag das gewiss nicht. 

(2) Zu den in gleichem Hefte (S. 152 ff.) veröffentlichten Ausführungen 
über die florentiner Einger habe ich bereits in der Institutssitzung meine 
Bedenken vorgebracht. Nur lässt Petersen S. 159, 1 mich etwas zu dogma- 
tisch von führenden und geführten Künsten sprechen. Ich wandte mich vor- 
nehmlich gegen das Verfahren, Motive an sich, ohne Rücksicht auf deren 
ungleichzeitige Entwicklung in den verschiedenen Kunstzweigeu, zur Grund- 
lage von Datierungen zu machen. Ein von mir damals, allerdings in anderer 
Tendenz und aus anderwärts entwickeltem Zusammenhang heraus, hervorge- 
hobenes Detail, dass die Ringer wesentlich nur für die Betrachtung von zwei 
Seiten geeignet seien, sehe ich zu meiner Freude von Petersen selbst (S. 156) 
ausgesprochen. 



SPIGOLATÜRE ARCHEOLOGICHE 

iTav. III). 



[I. Una necropoli greca a S. Anastasia, presso Randazzo, e la collezione Va- 
gliasindi. — II. Oenochoe col mito dei Boreadi, liberanti Phineus dalle 
Arpie. — III. Anfora panatenaica.] 

I. Una necropoli greca a S. Anastasia, 
presso Randazzo, e la collezione Vagliasindi. 

Nell'agosto del 1899 ebbi occasione di visitare la piccola col- 
lezione archeologica del nobile e gentile signore cav. Paolo Vaglia- 
sindi di Randazzo. Benche essa non contenga che pochi oggetti 
veramente belli o importanti, pure, sapendo delle vive questioni agi- 
tatesi fra i dilettanti locali di antiquaria, per identificare Randazzo, 
cittä medievale, con im'antica cittä sicula o greca, voUi visitare i 
luoghi, dove i vasi, le terrecotte, i metalli della collez. Vaglia- 
sindi erano stati trovati ('). Aggiungasi che mi sembrava veramente 
strano il miscuglio — dirö cosi — di oggetti, che, quantunque in 
picciol numero, vanno cronologicamente dalle etä preelleniche ai 
tardi tempi bizantini. II luogo della scoperta e il feudo di S. Ana- 
stasia, proprietä del cav. Vagliasindi. A sei chilometri circa da 
Randazzo, verso est, i pendii dell' Etna, sempre piü declinaudo, 
si aprono in una bella ed ubertosa pianura, alta, perö, dal mare 
piü che 650 m. Essa si stende liingo la riva destra del fiume Al- 
cantara, 1' Akesines degli antichi ; ed ha di fronte gli Ultimi con- 
trafforti del Mykonion (Monti Nebrodici). Qui, come ultimo posto 
avanzato dell' elemento greco nei versanti Etnei, sorse senza dubbio 

(') Ancora gradevolmente commosso delle molte cortesie usatemi dal 
cav. P. Vagliasindi e dalla sua ottima famiglia, rendo qui a loro pubbliche 
grazie. — Ringrazio anche il bravo Rettore del CoUegio di S. Basilio don 
P. Guidazio, il prof. don E. Ceria e gli altri buoni Salesiani, per l'ospita- 
litä e per tutte le gentilezze, di cui mi furono larghi. 



238 G. E. RIZZO 

un" antica cittä, di cui esiste ancora, in buona parte esplorata, la 
necropoli. Agli scavi fortuiti del cav. Vagliasindi, che si estesero 
SU molte tombe, successero nel 1889 e 1890 due campagne di scavi 
regolari, fatti sotto la direzione del prof. A. Salinas, il quäle trasse 
fuori da buon numero di sepolcri piü che 2000 oggetti, quasi tutti 
privi d' importanza, a giudicarne da una copia del giornale degli 
scavi, che mi fu esibita dal Vagliasindi. 

Forse lo studio di questa suppellettile archeologica* potrebbe 
essere importante, non giä per il pregio intrinseco degli oggetti, 
quanto per stabilire i limiti cronologici della necropoli. 

Sorprende, quasi, uno stanziamento greco in quei luoghi etnei, 
non molto vicini alla costa Orientale o settentrionale, proprio in mezzo 
all' elemento siculo indigeno. Ma appartiene questa necropoli ad una 
Vera e propria colonia greca sconosciuta, o ad una cittä sicula gre- 
cizzata ? 

Forse un po' di luce non guasterebbe, e noi la aspettiamo da 
future ricerche sistematiche, che vorrä, spero, intraprendere in quei 
luoghi Paolo Orsi. 

Nel terreno sono ancora evidenti le tracce di detrito ar- 
cheologico, e ancora sul luogo posson vedersi i grandi lastroni 
di terracotta di cui eran composti i sarcofaghi; — modo di seppelli- 
mento codesto, comunissimo nei luoghi in cui, come a S. Anasta- 
sia, manca la pietra calcare tenera, preferita dai Greci pei loro 
sarcofaghi monoliti, come a Siracusa (necropoli del Fusco), a Me- 
gara Hyblaea, altrove. Le tombe, come mi fu assicurato, avevan 
forma di casse piane, e ve n' eran anche di quelle cosi dette a 
cappuecina. 

Risulta, poi, dalla escursione ch' io feci per le ubertose e poe- 
tiche campagne di S. Anastasia, che 1' antica cittä continuö ad essere 
abitata fino a' tardi tempi bizantini, ai quali certo devonsi ascri- 
vere i rilevanti avanzi di costruzioni in muratm-a, chiamati dai 
Randazzesi le Cube. Con tal nome si indicano in vari luoghi della 
Sicilia le antiche costruzioni a volta, o raeglio a cupola ; e in tutte 
queste Cube furono riconosciute dall' Orsi rovine di antiche chiese 
bizantine (0- Infatti io non credo d' ingannarmi, affermando che 

(>) Cfr. Byzant. Zeitschrift VIII, 4, p. 631. Cosi la Cuba di Cittadella 
presso Noto, la Cuba di S. Pietro presso Pachino, l'altra presso Siracusa; 
« ne si dimentichi la Cuba di Palermo, sebbene di etä molto piü tarda ». 



SHIGOLATl'RE ARCHEOLOOICHE 289 

anche nelle Cube di S. Anastasia, discretamente conservate, deb- 
bano riconoscersi absidi di Chiese bizantine delle quali 1' Orsi (/. <?., 
e ibid. VII, 1, p. 1-28) ha illustrato im buon numero, arrecando 
un notevole contributo alla conoscenza della Sicilia bizantina, che 
e tutta, quasi, una vera incognita. Arne duole non poter offrire 
piante, disegni e misure di quelle di Randazzo: troppo fugace fu 
la mia escursione, e qui, poi, non sarebbe il luogo di parlarne. 
Altri saprä farlo meglio di me; fermiamo intanto qualche indizio 
toponoraastico non ispregevole : Santa Anastasia e nome pret- 
tamente bizantino, per il culto a cui esso accenna ; ne raeno bizap- 
tino e l'altro nome, S. Teodoro, con cui e designata una parte 
del feudo, adiacente al fiume. 

Quäle fu questa cittä, i cui primi monumenti superstiti sono, 
come vedremo, greci del V secolo av. Cr., gli ultimi, bizantini del- 
r VIII secolo, circa, d, Cr.? 

Qui non c' impantaneremo fra le ammuffite disquisizioni degli 
eruditi locali : Tiracia, Triocala, Tissa, altre cittä d' incerto sito 
furon tirate in campo come progenitrici di Randazzo, che, come 
dissi, e cittä medievale ('), Forse ha qualche maggior grado di pro- 
babilitä la vecchia congettura del Cluverio, il quäle pensö a Tissa. 
Mi affretto, perö, a soggiungere che se lo studio del materiale 
archeologico della necropoli poträ darci, con sufficiente credibilitä, i 
limiti cronologici di essa, non poträ invece, allo stato delle presenti 
scoperte, condurci alla risoluzione del problema topografico. Manca 
ogni testimonianza epigrafica; e sarä difficile trovarne, essendo la 
Sicilia greca estremamente povera di titoli inscritti. 

Ecco, ad ogni modo, un succinto catalogo dei principali og- 
getti che conservansi nella collezione Vagliasindi. 

Premetto un cenno sui minuscoli oggetti preellenici, d' incerta 
origine e direi quasi sporadici, trascinati, probabilmente, dalle 
acque alla sottostante pianura da' pendii etnei, abitati dai Siculi. 
Essi sono: uno skyphos ad ansa verticale, fatto a mano, acromo, 
di brutto impasto; due rozzissimi scodellini id. id., delle forme 
ormai note del primo periodo siculo [Orsi]; tre coltelli di silice 
a sezione trapezoidale ed altri analoghi spezzati; alcune piccole 

(') Cfr. Amico. Dizion. topogr. della Sicilia (trad. Di Marzo) ad v. 
Randazzo. Per la letteratura posteriore su tale qaestione oziosa cfr. Casagrandi, 
Le carapagne di Gerone II, ecc, n. 140. 



240 6. E. RIZZO 

asce di nefrite e di fibrolite ; poche fibule di bronzo ad arco sem- 
plice e a navicella. 

Oltre un grande e robusto dolium (m^og), probabilmente di 

fabbricazione greca, ecco gli altri materiali fittili della collezione. 

A. Vasi attici. P Alcime piccole lekythoi a f. n. di 

Stile comune e trascurato, con volgari scene dionisiache, ed impor- 

tanti solo per la nostra ricerca cronologica. 




Fig. 1. 



2° Piccole lekythoi ed altri vasettini a f. r. di stile severe ; 
fra cui Doto: a) Lekythos, alta cm. 12, con palmette sul coUo: 
Nike alata, corrente a destra. — b) Id. id.: Nike alata incedente, 
con teda. — c) Altra lekythos, alta m. 0,175; con buona rappre- 
sentanza di un Eros volante. Porta nella sinistra la lira e nella 
destra il plettro (v. la fig. 1). Scelgo questa lekythos fra il piccolo 
manipolo di vasi attici a f. r. di stile severo, non solo per dare 
un' idea precisa di essi, ma anche per la tigurina graziosamente 
disegnata, nel noto motivo della lekythos di Gela (Benndorf, Griech. 
u. sicil. Vasenbüd. 49, 2; cfr. Baumeister, Denkm. I, fig. 540). 



SPIGOLATÜRE ARCHEOLOGICHE 241 

3° Idria a f. r. di stile elegante, alta cm. 26, di buon di- 
segno e di buona conservazione. Fregio ad ovuli suU'orlo ; palmette 
sul collo ; in basso, meandro con croci interposte. Giovane vestito 
di clamide e petasos, con due lance nella destra, insegiie giovine 
donna, che a lui si volge in atto di sorpresa. 

4° Grande cratere (alt. cm. 43) a f. r. di ottimo stile, disgra- 
ziatamente rotto in molti pezzi, ma non diflScilmente restaiirabile. 
Potei riconoscervi non meno di cinque figure. Visibilissimo im guer- 
riero armato, con lancia e scudo rotondo (episema: una biscia), 
rivolto a sinistra. Molto probabilmente vi e rappresentata una delle 
cosi dette scene di congedo. 

5° Idria, come sopra (n. 3) ; alta cm. 34 ; sconservata. Su d' un 
elegante xha/xög siede una giovine donna con la lira nella sinistra 
e il plettro nella destra. A destra, altra figura muliebre sta diritta, 
in atto di ascoltare ; a sinistra, una terza donna, che tiene auch' essa 
la lira. AUa parete e appesa una cetra. Intendo per una scena del 
gineceo, o forse anche per una scuola di musica. 

6° Cratere a campana. sconservato. Fregio superiore ad ovuli, 
inferiore a meandro, con croci interposte. Stile un po' trascurato. 
A) Dioniso barbuto, reggente nella sinistra il tirso e nella destra 
il carchesio, cinta la testa di doppia benda, incede a destra, vol- 
gendosi indietro a riguardare un giovine satiro. Precede una Mainas 
danzante. B) Nike alata offrente una libazione, fra due efebi. 

7" Due lekythoi blanche, alte non meno di mm. 315; ma 
sventuratamente sconservate in modo, che non e possibile inten- 
derne i soggetti figurati. Rimane quindi incerta la cronologia di 
esse; perche essendo durata la fabbricazione di queste lekythoi fu- 
nerarie dal V al II secolo (Pottier, Les lecythes blaues attiques, 
p. 103), bisogna sempre desumerne l'etä dal soggetto e dallo stile 
della rappresentanza figurata. lo perö colloco le due di Randazzo 
accanto ai sopradescritti vasi di giovane scuola attica, poiche dalla 
pasta rosea delV argilla, dalle pareti sottili, dal fregio a palmette 
slanciate elegantissime, conservato su una di esse, dallo stile della 
testa con parte del busto di un efebo, conservato sull' altra, sup- 
pongo che esse non debbano essere piü recenti della fine del V o 
del principio del IV secolo av. Cr. 

8° Oenochoe col mito dei Boreadi, liberanti Phineus dalle 
Arpie (vedine 1' illustrazione al capit. seg.). 



242 G. E. RIZZO 

B. Vasi di fabbrica italiota. Tralasciando ora di enu- 
merare altri vasettini di scuola attica, perche punto importanti e 
buoni soltanto come docuraenti pei limiti cronologici della necro- 
poli, abbraccio in unico gruppo 1' abbondante vasellame di fabbri- 
che seriori, dividendolo, perö, in due classi: 1^ Vasi dipinti, po- 
licromi, con fregi e figure; di fabbricazione quasi esclusivamente 
campana. Vi abbonda il vasellame minuto, rappresentato dalle solite 
forme (lekane, pyiis, lekythos ariballica ed ovoidale, skjphos ecc), 
ed ornato dalle non meno solite grandi teste vedute di profilo, e 
da palmette, dipinte a colori scialbi (Cfr. Orsi, in Monum. anti- 
chi, IX, pag. 264 segg., figg. 58, 63, 66). Caratteristica una serie 
di piccole lekythoi ovoidali policrome con figure di uccelli, come 
in Notizie degli scavi, nov. 1897, pag. 494 seg., figg. 27, 31. Dato 
il rilevante numero di tutti questi vasi campani nella necropoli di 
S. Anastasia, non e inutile 1' osservare che in Sicilia i vasi italioti 
sono quasi esclusivamente rappresentati dai prodotti delle fabbriche 
campane ; le quali, verso la metä del III secolo, pare abbiano preso il 
posto delle fabbriche attiche nell' importazione dei vasi dipinti. II 
fatto fu giä osservato da altri (Patroni, Guida del Mus. di Siracusa, 
pag. 46 ; Orsi, in Monum. ant. IX, p. 259 seg., 264 seg.; Notizie 
degli scavi, nov. 1897, p. 498 segg.); e forse dev'esser ricollegato 
con gli eventi politici di quel tempo. La cronologia di questa classe 
di vasi si estende fino a tutto il III secolo. 

2* Con la seconda classe scendiamo ancora piü giü. Essa 
e quella dei vasi a vernice nera brillante, delle ultimo fabbriche 
italiote ; ed e assai bene rappresentata nella coUezione Vagliasindi, 
sia per il numero di esemplari, che per la conservazione e la forma 
tipica di alcuni di essi. Siamo, con questa classe, alla fine della 
pittura vascolare ; e ci aspetteremmo, quasi, di veder continuata la 
Serie cronologica della coUez. Vagliasindi con i vasi rossi aretini ; 
ma questi vi mancano affatto. 

C. Vasettini di vetro di stil e fenicio. Riunisco in 
una piccola categoria a parte undici conservatissimi vasettini di 
vetro opaco, a fasce serpeggianti e dentellate, azzurre, gialle e 
blanche (6 anforette, 3 alabastra, 2 aryballoi; frammenti di altri). 
Sono nuovi e pregevoli documenti per la diffusione di simili prodotti 
nelle necropoli greche della Sicilia; ma rimane ancora dubbia la 
provenienza e la fabbrica di essi. Sono genuinamente fenici ? o sono, 



SPIGOLATURE ARCHEOLOGICHE 243 

piuttosto, rodii (Cfr. Perrot et Chipiez, Hisloire de l'arl dans 
Vantiq. III, p. 736 segg.). II fatto di trovarli in buon numero nelle 
necropoli di S. Anastasia, i cui reperti non posson farsi risalire al 
di lä del 475 av. Cr., potrebbe far credere che fosse giä troppo 
tardi per poter pensare a commerci fenici, in un tempo in cui il 
dissidio fra T elemeuto ellenico e il cartaginese in Sicilia era scop- 
piato, dopo la battaglia d' Imera, in aperta lotta. Sarebbe quindi 
piü plausibile ammettere che Rodi sia stata il centro di diffusione 
di tali articoli, che furon perö, in origine, imitazione di prodotti 
fenici. Ma siamo in un campo puramente congetturale; ne possiamo 
dalla presenza di questi vasettini ricavare alcun utile indizio cro- 
nologico per la necropoli di S. Anastasia ; perche la loro diffusione 
in Sicilia va dalla metä del VI secolo in poi, e ne furono, inoltre, 
raccolti alcuni esemplari in pleno periodo romano, a Porapei (cfr. 
Pottier, Catalogue des vas. ant. du Louvre, p. 151; Orsi, in Not. 
degli scavi, aprile 1895, [Necrop. del Fusco, p. 17 dell'estr.] e 
noT. 1897, p. 473). AUa medesima origine e fabbricazione devonsi 
ascrivere le perle di vetro colorato che si conservano nella collez. 
Vagliasindi, e un mascherino grottesco pure di vetro policrorao. 

D. Terrecotte. 1° II pezzo piü interessante sarebbe stato 
quello di cui disgraziatamente esiste soltanto il plinto con i due 
piedi, essendo andati smarriti altri frammenti. I piedi, ancora ben 
conservati, misurano in lunghezza cm. 15; e dall' impasto e dal 
colore dell'argilla dalla modellatura accurata ma alquanto rigida, 
e facile riconoscere ch' essi apparteneyano ad una statua greca ar- 
caica, a piü che due terzi del vero. Rimane a noi soltanto il con- 
forto di constatare che tali statue tittili nel periodo arcaico erano, 
forse, una specialitä della Sicilia greca, patria di Damophilos e Gor- 
gasos, i ben noti modellatori che lavorarono nel tempio di Cerere 
a Roma nel 493 (Plin. H. N., XXXV, 194). Pare che questi due 
artisti abbiano formato scuola in Sicilia (Cfr. Bull. d. Corresp. 
hellen. 1895, p. 309 segg.). 

2° Terracotta arcaica, alta cm. 18, rappresentante tigura 
muliebre seduta con alto polos in testa, vestita di chitone talare 
adornato al petto di pendagli e di agrafl alle spalle. E il tipo 
oramai noto dell' idolo a aavig (Kekule, Terracott. aus Sicüien, 
pag. 17, fig. 21-27), di cui diede la statistica 1' Orsi, in Monum. 
ant. VII, 240. Cfr. anche quello che io ne scrissi in questo Bollet- 
tino, XII, 305 seg. 



244 



G. E. RIZZO 



3° Busto deir arcaismo progredito, con la testa sormontata 
dal kalathos, come in Kekiile, o. c, tav. IX e X ; e pag. 62, fig. 124. 
tt II fatto che fiiori della Sicilia sembra sconosciuto qiiesto tipo 




Fig. 2. 



plastico, r unitä dei caratteri fondamentali conservati attraverso il 
succedersi dei vari stili, sembrano argomenti di peso per far cre- 
dere che si tratti di im tipo plastico e ieratico, peculiare all' arte 
siceliota, nato e sviliippato nell' isola, in servizio di un culto che 
vi aveva grande diffusione». Cosi V Orsi, che di questi biisti trattö 
estesamente e da par sno. dandone una completa statistica, in 



SHIGOLATURE ARCHEOLOOICHE 245 

Monum. ant. VII, pag. 243 segg. Ed io sono come lui convinto 
che in essi si debba riconoscere una delle due divinitä di Eleusi. 
4° AUa medesima classe appartiene quest' altro busto (alto 
cm. 16, largo alla base cm. 14), ch'io feci fotografare o che si 
riproduce alla pag. prec. (fig. 2), perche esso presenta notevoli carat- 
teri distintivi e stilistici, i quali lo rendono interessante, qiiantunque 
non raggiunga le proporzioni di quelli studiati dall' Orsi. 

Le durezze del primo arcaismo sono nel nostro in gran parte 
scomparse; il volto ovale, dall' espressione dolcemente malinco- 
nica, e chiuso e come incorniciato dalla ricca chioma abbassata 
suUa fronte in triplice ordine di riccioli spiraliformi, sormontato 
da im diadema , mentre il resto della chioma scende in due masse 
ondulate dietro la nuca e le spalle. Le labbra grossette sono atteg- 
giate al lieve sorriso tipico delle teste arcaiche. II busto, benche 
modellato in forme schematiche, senza accenno a protuberanza del 
seno, e vestito del chitone (fors.i un chitonisco), che lascia scoperta 
parte del seno, e dell' himation che, gettato sulle spalle come una 
sciarpa, ricade sul dinanzi in due lembi con pieghe verticali: 
foggia di vestire caratteristica in una delle statue dell' Acropoli 
(CoUignon, Seulpt. grecque I, fig. 173; cfr. anche Orsi, Monum. 
antichi VII, 237 seg.). L' acconciatura frontale della chioma, comune 
alle diverse scuole dell' arcaismo progredito, dagli Egineti agli Attici, 
la mancanza del polos e le vesti(') sono altrettante notevoli diffe- 
renze tra questo busto e tutti gli altri studiati dall' Orsi (*) ; ma sono 
anche caratteri stilistici interessanti, che avvicinano maggiormente 
il nostro al tipo delle statue femminili dell' Acropoli, ed alle Sta- 
tuette fittili di Granmichele (Orsi, 1, c, pag. 230 seg., tav. IV). 
Chiari, io credo, vi appariscono i contatti dell' arte greco-sicula con 
l'attica, in quanto questa, nel periodo arcaico, risente il doppio 
influsso deir arte ionica e della peloponnesiaca, a cui perö i sice- 
lioti maggiormente si accostano; e parmi inoltre che dall'esame 

(») L' Orsi notö in due dei busti di Granmichele due fori al torace, de- 
stinati a reggere dei panneggi « coi quali il busto forse nelle grandi solennitä 
era coperto ». 

(*) Quanto piü la qui descritta testa e differente dalJe altre terrecotte 
siceliote, di tantn maggior peso sarä la sua concordanza con la colossale {esta 
Ludovisia, attribuita in questo Bullettino VII (1892) p. 61 e 77 alla Aphro- 
dite del monte Eryx. E. P. 

17 



246 G. E RIZZO 

complessivo del nostro busto si renda ancora piü probabile 1' identi- 
ficazione con Demeter o Köre, stabilita, come ho detto, dall' Orsi. 

b° Piccola terracotta che rappresenta un putto accovacciato, 
con le due mani poggiate sul siiolo; nello Schema insomma, abba- 
stanza conosciuto di Tammuz-Adonis, non molto frequente in Sici- 
lia (Kekule, o. c, pag. 19, flg. 41 bis; Orsi, Camarina, in Mommi. 
ant. IX, pag. 261). 

6° Grottesca figura di Sileno, nudo, dal membro molto 
sviluppato ; accoccolato a terra e con le mani serrate sul turgido 
ventre. E uno dei tanti Bes, ovvii nei sepolcri arcaici, dei quali 
ha parlato ampiamente 1' Orsi in Megara-Hyblaea, pag. 154-156. 

7° Buon frammento di maschera scenica, come in Kekule, 
0. c, tav. LIII, specialmente n. 5. 
Tralascio le terrecotte minori. 

E. Bronzi. Pochi e poco interessanti sono i bronzi della 
collez. Vagliasindi. Notiamo specialmente: Strigile-Ansa di vaso 
con due mascherini di leone ai punti della saldatura ed elegante 
fregio a palmetta nell'estremitä inferiore. — Coperchio superiore di 
un grande vaso di bronzo con appliques ralfiguranti piccole teste 
sileniche. Sia questo che il precedente pezzo mi sembrano di arte 
ellenistica (Cfr. Schreiber, Die alexandrin. Toreutik, n. 12, 111, 
112, 128). Armilla a doppia testa di serpente, etc. 

F. Oreficerie. 1<* Verl gioielli della collez. Vagliasindi 
sono le due ammirabili helikes di oro, che suUa tav. III si presentano 
in una riproduzione che del fine lavoro non lascia apprezzare tutta 
r eleganza e lo splendore. Ognuna di esse pesa gr. 16,75; ed io 
non vidi mai gioielli antichi cosi ben conservati : salvo una lievis- 
sima ammaccatura in una di esse, le due helikes sembrano uscite 
ieri non giä dalla terra etnea che per tanto tempo le tenne sepolte, 
ma dalle stesse mani dell' orafo greco, vissuto piü che ventitre se- 
coli addietro. La spirale vera e propria termina, lievemente assot- 
tigliandosi, in un ornamento filigranato a bastoncini, chiuso da un 
cerchio di perline; su di esso sono impostate le teste di ariete, 
tratteggiate con scrupolosa veritä e con evidente studio della na- 
tura ; salvo che nella parte lanuta, flno alla radice delle corna ; 
parte che e, dirö cosi, stiliszata con piccoli e simmetrici cerchielli 
a rilievo. Sul dorso, quattro spirali e due slanciate palmette di fili- 
grana, il cui disegno e, per ogni rispetto, incensurabile. La parte 



SPIGOLATURE ARCHEOLOGICHE 247 

della testa trattata in maniera convenzionale trova chiarissime 
rispondenze sia nella grande che nella piccola arte; ed io non so 
eitai'e migliori coofronti che la testa marmorea, proveniente dalla 
sima di un tempio di Eleusi, oggi nel museo iiazionale di Atene, 
e un vaso fittile in forma di testa d' ariete. Si 1' una che 1' altro 
anteriori, cronologicamente, ai gioielli della coUez. Vagliasindi (vedi 
queste due teste, riprodotte in Winnefeld, Altgriech. Bronzehecken 
aus Leontini, in LIX®* Progr. sum Winckelmannsfe&te, pag. 20 
seg.). Ma un piü conclusivo confronto e possibile trovarlo nella nu- 
mismatica, che con l'oreficeria ha piü dirette attinenze. Intendo 
parlare delle monete di Delfi, che dal 520 al 355 av. Cr. portano 
impressa una testa d' ariete o due affrontate, disegnate, in ogni piü 
minuto particolare, come quelle delle helikes Vagliasindi ; special- 
mente nelle monete della metä del V secolo (cfr. Svoronos, NofiCcfi. 
Twv JeX^döv, in Bull, de Corresp. hellen. XX, tav. 25, 26). Io 
perö ascrivo questi gioielli piü facilmente alla fine, che alla metä 
del secolo quinto ('). 

2° Testa muliebre di sottil lamina d' oro (peso, gr. 0,66) ; 
sospesa ad un cerchietto, attraverso il quäle puö passare un cor- 
doncino. ßimango incerto se essa sia un orecchino, o un orna- 
mento (centrale) di coUana o monile. Nessun dubbio che il lavoro 
sia greco ; ma alquanto piü moderno che i due gioielli precedenti, 
come puö vedersi dai tratti del volto e dall' acconciatura del capo, 
molto simile a quella in Baumeister, Denkm. I, fig. 683. Tralascio 
gli oggetti d' argento, come poco importanti ; sono appena da men- 
zionare, in questo rapide e sommario catalogo, due oenochoai, con 
fregi serpentiformi sovrapposti, alte circa cm. 6; ed una simile, 
ancora piü piccola (-). 

(') II cav. Vagliasindi mi afferma che fra gli oggetti scavati dal Saliuas 
ci sono anche due gioielli simili, se non perfettamente uguali, a quelli di 
cni ho parlato. 

(*) Pubblico qui, in fretta, due boUi fittili della stessa collezione, che 
credo nuovi; ma privo, come sono, dei grandi repertori epigrafici, special- 
mente per il bollo latino, non potrei affermarlo. 
1° Su robusto mattone rettangolare : 



Non h conosciuto dal Kaibel, Inscript. graec. Siciliae. etc. Nomi simili 



248 G. E. RIZZO 

Quali risultati si possono ora ricavare da questo nostro studio? 
Certo essi sarebbero piü sicuri e piü completi, se a Santa Anasta- 
sia si continuassero, sistematicamente, gli scavi; ma si badi che 
la parte piü antica della necropoli e stata quasi completamente 
spogliata. 

I pochi esemplari di vasi attici a f. n. ci dicono che siamo 
neir ultima fase di questo stile giä declinante, ma che continua 
ed accompagna per qualche tempo il sorgere della pittura vascolare 
a f. r. Ma pur sorgende questa negli ultimi anni del VI secolo (*), 
noi — per non essere audaci — dall' esame stilistico dei pochi e 
minuscoli esemplari di vasi a f. r. di stile severe (le tre lekythoi 
con le Nikai e con Eros citaredo, ecc.) non possiamo assegnare come 
terminus a quo della necropoli, che il primo quarto del V secolo 
av. Cr., accostandoci, forse, un po' di piü alla metä di esso. 

A giudicarne, poi, dal materiale ceramico conservato nella 
coUez. Vagliasindi, la durata della necropoli si sarebbe protratta 
sino al 125 circa av. Cr. In altri luoghi bisognerebbe cercare le 
necropoli di piü bassi tempi, fino ai bizantini. 

Or se mi fosse lecito di esporre una mia congettura, senza perö 
avventuranni ad identiticazioni topografiche, direi che probabilmente 
lo stanziamento di coloni Greci a S. Anastasia (se vogliamo atte- 
nerci a risultati della cronologia archeologica) coincide col movi- 
mento di popolazioni, avvenuto, nei versanti Etnei, sotto Gerone; e 
che continua, poco tempo depo, con la sommossa di Ducezio e la 
prima vittoria dei Siculi. Si sa quanto 1' opera di Gerone, che non 
si limitö soltanto alla nuova xriaig di Catana-Etna, sia stata poco 
durevole (cfr. Holm, Storia di Sicil. nell' ant. I, p. 410). Or in 
questo flusso e riflusso di popolazioni una parte dei coloni greci 



nel Pape-Benseler, Wörterb. d. griech. Eigennamen: Kvrjfiri (il cui genit. do- 
rico sarebbe simile al nostro bollo), Kvrjfjug, Kvrjfxog. 

2° Su frammento dell' orlo forse di un grande dolium : 



AG/^LIC- 
ANTR O 



(') Dopo gli scavi della colinata deirAcropoli, il fatto e talmente cono- 
sciuto che mi dispenso dalle citazioni. Cfr. tuttavia la relazione di Botho 
Graef, nei Sitzungs-Ber. d. archäolog. Gesellsch. su Berlin, n. 13, pag. 37. 



SPI60LATURE ARCHE0L06ICHE 249 

non avrebbe potuto occupare o sia pure ottenere quegli ultimi pendii 
delV Etna, bagnati dalV Akesines ? 

II. Oenochoe col mito dei Boreadi (tav. III). 

Quando visitai per la prima volta la collezione Vagliasindi, 
ebbi subito un' impressione di lieta sorpresa nel vedervi la bella 
oenochoe, che qui per la prima volta si pubblica. Mi Cölpirono la 
raritä della rappresentanza figurata, con particolari del tutto nuovi, 
e r elegante morbidezza del disegno ; e quantunque avessi divisato 
di farla presto di pubblica ragione, difficoltä non lievi si opposero 
al mio proposito, in un paese dove mancano fotografi e disegnatori. 
Anche ora, dopo vari tentativi, la riproduzione che ne presento non 
e degna di un vaso cosi raro e hello. 

L' oenochoe a f. r., di sagoma elegantissiraa, ottimamente con- 
servata, salvo un lieve restauro nella faccia anteriore non figurata, 
h alta m. 0,188, ed ha una circonferenza massima di m. 0,488 
(diam. m. 0.16). Essa fu trovata nella parte superiore della necro- 
poli, che diede principalmente i vasi attici a f. r., di 
cui nel mio breve catalogo. 

I sei personaggi spiccano sul fondo nerissimo e sono disegnati 
a linee sottili e sicure, con insigne morbidezza di contorni, special- 
mente nella figura alata di mezzo. Pochissimi sono i ritocchi di 
color rosso bruno sui chitoni delle due figure muliebri alate ; per6, 
giä dopo un primo esame, mi parve di riconoscere qualche lieve 
traccia di doratura, ma cosi esigua, che solo una seconda e piü 
attenta osservazione mi rese sicuro del fatto. Sui nudi e come soflfusa, 
a tratti, una leggera tinta incarnata, ora in gran parte scomparsa, 
che pur lasciando trasparire il rosso dell' argilla, da maggior rilievo 
e veritä alle figure. Le vesti sono trasparenti e omate, in parte, 
di erocette ; il panneggio abbondante e morbido ; il tratteggio delle 
ali e minuzioso, ma vero ed elegante; i capelli son disegnati con 
linee ondulate, nettamente divise e con evidente studio della natu- 
mlezza. 

Dei personaggi, due poggiano sul fregio inferiore, tre piü in 
alto, senza alcuna indicazione della linea del terreno, uno e dise- 
gnato non precisamente a mezzo-busto, ma possiamo dire a due 
terzi della statura completa. In alto e in basso della scena figu- 
rata corre un fregio ad ovuli. 



250 G. E. RIZZO 

Da questi dati stilistici e da altri che in seguito verrö espo- 
nendo poträ dedursi la conclusione sulla fabbrica e sulla crono- 
logia deir oenochoe : per ora veniamo all' interpretazione del sog- 
getto. Essa non si presentö spoglia di difficoltä, ed anche ora qualche 
particolare di questa rappresentanza figurata mi riesce oscuro. Senza 
dubbio, perö, dobbiamo riconoscervi le Arpie prese e legate dai 
Boreadi, alla presenza di Phineus. 

II gruppo che attira maggiormente 1' attenzione per la sua bel- 
lezza e quello delle tre figure a destra. ün' Arpia, vestita di corto 
ehitone, stretto alla vita da una cintura da cui si partono due bende 
in croce. fissate sul seno da un fermaglio rotondo, e caduta in gi- 
nocchio, poggiando sulla gamba sinistra fortemente ripiegata, mentre 
la destra e distesa in avanti. Su di questa il primo Boreade calca 
il piede, e con la mano sinistra acciuffa 1' Arpia per i lunghi e 
scomposti capelli. Alla violenta mossa, 1' Arpia ripiega fortemente 
indietro la bella testa; e col braccio lungo disteso, poggiando la 
mano presse 1' ascella dell' assalitore, tenta svincolarsi, aiutandosi 
anche col braccio sinistro, ripiegato ad angolo dietro la testa, forse 
per impedire il nodo della fune con cui la attorce il secondo Bo- 
reade. Le mammelle balzano turgide dall' aperto ehitone ; le ali 
Spiegansi in alto, violentemente distese, quasi ad indicare la corsa 
in cui r Arpia yiene arrestata, e lo sforzo supremo di liberarsi. 
Disgraziatamente dalla nostra tavola non e possibile apprezzare i 
magistrali tocchi con cui il pittore seppe esprimere il dolore del- 
V Arpia, che abbassa le palpebre e socchiude mestamente la bocca, 
mentre il coUo le si inarca, ripiegandosi indietro. Ma spero riescasi ad 
apprezzare tutto il pathos di questa bella figura, la cui derivazione 
dalla grande arte non puö essere dubbia. L' altra Arpia, giä presa 
e legata, e caduta ai piedi di Phineus : le ali mestamente raccolte, 
il braccio destro quasi inerte, disteso in atto di abbandono, la testa 
ripiegata indietro, con espressione di grave cordoglio per la scon- 
fitta subita. 

Phineus, vecchio e canuto, tentando raccogliere un po' di luce 
{aTToaxoTiMv?) con la mano sinistra, assiste alla scena, seduto su 
d'un elegante xhajuog. 

Dubbia sembrerebbe a prima vista la figura muliebre dise- 
gnata a metä; ma io intendo che sia Iris. Una tradizione antica, 
raccolta da Esiodo, Antimaco ed ApoUonio Rodio {Schol. Laur, 



SPIGOLATURE ARCHEOLOGICHB 251 

ad Apoll. Rhod. II, 296) diceva che ai figli di Borea non era lecito 
di uccider le Arpie, ma solo di allontanarle da Phineus ; e per 
Esiodo Chi arrecava ai Boreadi qiiesto nunzio di Zeus, era Hermes 
{Catal. fragm. 79 Kinkel). Ma in ApoUonio, che certo attinse ad 
una tradizione piü antica — e il nostro vaso ne fa prova — que- 
sf ufficio era compito da Iris. I versi in Argonaut. II, 285 segg.: 
« /iiy ccQ wxäa Iqig iSsv, xaxd 6' al^sQog aXro | ovQavo^ev x. 
T. A., non ci lascian diibbio in proposito. Notiamo intanto che il 
personaggio di Iris, nelle rappresentanze figiirate del mito dei Bo- 
readi, e completamente nuovo. 

Nel disegno, che per quanto rafßnato e sempre opera di un pit- 
tore vasaio, non si capiscon bene alcuni particolari. Che fa il primo 
Boreade con la mano destra? II pugno chiuso indica che debba 
tener qualche cosa : la fune, non par dubbio. Mentr' essa perö e chia- 
ramente disegnata presso il braccio del secondo Boreade, qui manca 
affatto, ne potei scorgerne sul nero intatto della vernice traccia al- 
cuna. Ancor piii dubbia e la mossa del braccio destro di Phineus ; 
e r incrociamento di esso col gomito del sinistro e forzato ed inve- 
rosimile. La figura di Phineus, anzi, e disegnata maluccio. La se- 
conda Arpia e caduta troppo vicino al vecchio re perseguitato, sulle 
cui ginocchia pare che essa si appoggi. Le mense, comuni nelle 
altre poche rappresentanze vascolari dello stesso soggetto, nel nostro 
vaso mancano affatto. 

II mito e notissimo ; e bisogna appena ch' io vi accenni con 
pochissime parole, per i fini speciali della mia dimostrazione ; riman- 
dando chi ne voglia sapere tutti i particolari alla ben nota memo- 
ria dello Stephani, Boreas und die Boreaden (in Mem. de l'Acad. 
imp6r. de St. PHersbourg, t. XVI, n. 13 [1871], specialmente 
pagg. 15-22); e ai due articoli («c? y. Boreaden) del dizionario 
mitologico del Röscher e della enciclopedia filologica del Pauly- 
Wissowa. Si sa, dunque, che Zetes e Kaiais, figli di Boreas e di Orei- 
thyia, presero parte alla spedizione degli Argonauti, durante la qnale 
fu loro principale impresa la liberazione, compiuta a Salmydessos, 
del vecchio e cieco profeta Phineus, loro cognato, dalla persecu- 
zione delle Arpie (cfr. in generale, 'Apollod. I, 121-123 [Wagner]). 
Se tali perö sono le linee generali del mito, i particolari ne sono 
diversi, secondo le diverse fonti, e la nostra stessa rappresentanza figu- 



252 G, E. EIZZO 

rata aggiunge un particolare nuovissimo, come vedremo. Sebbene il 
mito facesse giä parte dei Cataloghi esiodei (cfr. Catal. fragm.^ 
75-80, presso Kinkel, E-pic. graec. fragm. I, pag. 113 seg.), e si 
trovi in Teognide (I, 715 seg.) menzione dei figli di Borea; seb- 
bene Pindaro {Pyth. IV, 182) nomini i Boreadi fra i primi che 
presero parte alla spedizione degli Argonauti, e accenni al loro 
tipo giä costituito {msqoTaiv \ vwrcc necpQtxovTag), pure il mito non 
acquista pleno svolgimento e diffusione che nell' etä alessandrina, per 
opera specialmente di Apollonio Rodio (vedi la limga narrazione in 
Argon. II, 234-447) e dei poeti elegiaci. Ma 1' arte, da tempo anti- 
chissimo, s' era impadronita di questa popolare e poetica tradizione ; 
ed e noto che la liberazione di Phineus dalla Arpie era compresa 
fra i rilievi della cassa di Cipselo e dei Trono di Amyklai ('). Accanto 
alla grande arte, anche la pittura vascolare trattö assai per tempo 
lo stesso tema ; ma non molto di frequente, a giudicarne dallo scar- 
sissimo numero di vasi con tale rappresentanza, a noi pervenuto. 
Giä lo Stephani (o. c, p. 19 seg.) raccolse nove di queste pit- 
ture vascolari dove sono effigiati i Boreadi ; ma di esse appena tre 
rappresentano il mito della liberazione di Phineus dalle Arpie (-) : 
La nostra oenochoe e, dunque, il quarto fra questi vasi, ed e forse 
il secondo in ordine d' importanza, ed il primo per bellezza. 

(>) Paus. V, 17, 11; III, 1§, 15. Cfr. Loeschcke, in Archaeol Zeit. 
XXXIX, 49; Milchhöfer, Anfänge der Kunst 58, 165. 

{*) Ai nove conosciuti dallo Stephani, bisogna ora aggiungere: 

10® Anfora a f. r. proveniente da Camiros, ora nel British Museum 
{Brit. Mus. Catal. III E, 302) ; pubblic. in Archäol. Zeitung 1880, tav. XII, 2 — 
A) Phineus seduto, dinanzi alla tavola imbandita; un'Arpia fugge a sinistra, 
dopo aver rubato le vivande. — B) Un'altra Arpia c. s. — Inscriz. KAUOS. 
dne volte. Vi mancano, perö, i Boreadi. 

11° Anfora di Nola, a f. r., antica proprietä Castellani, ora in pos- 
sesso della signora Hall di Londra; pubblicata in Bull, de Gorresp. hellen. 
XXIII (1900) pp. 157-164; figg. 1-2. A) Uu /«(»«/jewV seduto ; e un personaggio 
nudo, alato e barbuto, corrente a destra. B) Un altro personaggio, id. id. Eapr 
presentazione agonistica dei Boreadi, come corridori nei giuochi funebri di 
Pelias e di Thoas (Apoll. Ehod. Argon. I, 1304; Schol. Pind., Olymp. IV, 26, 
29, 32; Hygin. Fab. 273). II vaso apparterrebbe alla serie di quelli che por- 
tano l'acclamazione XAPMI AESKAUOS, TIMOX^ENOSKAUO^; 
ed h, per piü rispetti, importante. • 

[Colgo qui r occasione di ringraziare la dotta autrice dell' illustrazione 
di questo vaso, Miss C. A. Hutton, la quäle volle gentilmente favorirmi un 
estratto dei suo lavoro]. 



SPIGOLATURE ARCHEOLOGICHB 253 

Per dimostrare quäl posto ad esso veramente appartenga, enu- 
mero qui gli altri tre vasi, ai quali ho accennato: 

I. (^=3 Stephani). fi la famosa tazza di Phineus deU'an- 
tica coUezione Feoli , ora nel Miiseo di Würzburg. Si sa che essa 
e molto arcaica (stile ionico a f. n. e ritocchi bianchi) : Monum. del- 
r Inst. X, tav. 8, ed Annali (1874), p. 175; Ärch. Zeit. XXXVIII, 
138 (Flasch); Sittl, Die Phineusschale, Würzb. 1892; etc. etc. 

IL (=1 Stephani). Pittui-a vascolare assai restaurata, in 
Millingen, Anc. uned. Monum. t. I, tav. 15. Che essa rappresenti 
la liberazione di Phineus dalle Arpie, fu negato dallo Stackeiberg 
(cfr. Gräber der Hellenen, tav. 38) ; ma alla prima interpretazione 
del Millingen si accostö lo Stephani (o. c. p. 19). 

III. (=2 Stephani). Anfora a volute della coUez. Jatta a 
Ruvo. Essende auch' essa notissima come il vaso I, e inutile tor- 
nare qui a descriverla. Cfr. Monum. dell' Inst. III, tav. 49, ed 
Annali (1843), p. 1 ; Arch. Epigraph. Mittheil, aus Oesterr.- 
Ung. VI, p. 52, etc. 

Or di questi tre vasi, il primo, come molto arcaico, e quello 
che piü si accosta alle rappresentazioni antichissime da me citate 
sulla fede di Pausania (Flasch, 1. c), e non e quindi ricoUegabile 
col ciclo artistico a cui il nostro appartiene ; il secondo, oltre che 
capricciosamente restaurato, e poco importante di per se stesso ; il 
terzo e senza dubbio il piü importante fra tutti, per la grandio- 
sitä della composizione e per il numero delle figure, oltre che per 
lo stile. — In esso, la liberazione di Phineus e appena un episo- 
dio, poiche il pittore abbracciö una piü larga e piü svolta azione, 
includendovi gli Argonauti, compagni di Zetes e Kaiais; — episo- 
dio certo bene immaginato ed eseguito ; ma piü conforme alle fonti 
letterarie, che non sia la rappresentanza dell' oenochoe Vagliasindi ; 
e dove le figure delle Arpie (la prima a sinistra, specialmente) con- 
servano ancora tratti delV antica bruttezza. 

Vediamo ora in che le singole figure del nostro vaso e la di- 
sposizione di esse in gruppi siano conformi alle fonti letterarie e 
agli altri monumenti conosciuti, e in che se ne allontanino. 

Phineus, la figura piü trascurata, parmi disegnato nello schema 
di un ßqccßsvg. Fu giä osservato dalla Hutton lo scambio dei due per- 
sonaggi (Phineus-/?^a/9ft;e) tra il vaso 10° {= Arch. Zeit. 1880, 
tav. XII, 2) e r anfora di Nola, da lei illustrata ; e a me non par 



254 G. E. RIZZO 

dubbio lo stesso scambio, ma in senso inverso, nella nostra oeno- 
choe, in cui Phineus, anche per la mossa poco chiara della mano 
destra che pare aspetti il lungo bastone forcuto {Xvyog), ricorda 
assai da vicino il ßqctßsvq della composizione agonistica coi Bo- 
readi, illustrata da Miss Hutton. 

I Boreadi, come in altri vasi, sono completamente nudi ; e solo 
quello di sinistra ha calzari ornati in alto di alette, quasi in ricordo 
delle ali al malleolo che ha spesso Boreas nelle rappresentanze figu- 
rate, e che conservano inoltre i Boreadi della pittura arcaica del vaso I. 

Nudi, del resto, eran di preferenza rappresentati i Boreadi, 
salvo che nei vasi 1, 3, 4 Steph.; e con aspetto molto giovanile, 
precisamente come nella nostra oenochoe; ma la tazza di Würz- 
burg e r anfora nolana illustrata dalla Hutton rappresentano bar- 
buti i figli di Boreas. Le ali sono il loro attributo costante ; e solo 
il pittore del vaso 9 Steph. {= Arch. Zeit. 1846, tav. 44; e la 
famosa anfora di Talos della collez. Jatta a Ruvo, cfr. Baumeister, 
Denkm. fig. 1804 seg.) tralascia questo particolare. Dove parmi, 
piuttosto, di riscontrare un tratto caratteristico della nostra pittura 
e nei capelli del primo Boreade ; liberi di corone e di bende, comuni 
negli altri vasi; ne coperti ^ijpilos^ come nei vaso III; ma lunghi 
e svolazzanti al vento, come se il pittore si fosse ricordato di una 
tradizione, la quäle diceva che gli stessi capelli aiutavano i Bo- 
readi a volare (cfr. Apoll. Rhod. Argon. I, 221 segg.; Hygin. Fab. 14; 
Tzetz. Chil. I, 210, XII, 441). E fin qui la concordanza del tipo 
con le descrizioni dei poeti e mitografi si puö dir perfetta e com- 
pleta : ma mentre 1' unanime testimonianza della tradizione scritta 
e monumentale (cfr. Stephani, 1. c, p. 16, n. 9 e p. 21) da ai Bo- 
readi spade lance, oppure spade e lance insieme, per 1' insegui- 
mento delle Arpie, il pittore dell'oenochoe ci presenta un partico- 
lare del tutto nuovo : il legamento delle Arpie. Attinse egli a fonti 
perdute ? Modificö di suo arbitrio la tradizione ? Qui, davvero, non 
saprei rispondere, ne credo che altri possa farlo, attingendo a testi- 
monianze letterarie. 

Le Arpie, specialmente quellacaduta in ginocchio, ricordano 
lo Schema delle Erinni nella pittura vascolare non arcaica {}). Cfr., 
p. es., Millingen, Vas. Coghill XXIX, 1. 

(1) Si osservi, intanto, che la concezione mitica delle Arpie e delle Erinni 
non e gran fatto diversa. Cfr. Koscher, Ausführl. Lex. d. griech. und röm. 
Mythol. I, 1, col. 1329. 



SPIGOLATLRE ARCHEOLOOICHE 265 

La cintura con la benda in croce, adornata di un fermaglio 
rotondo al punto d' incrociamento e assai diflfusa nelle figure si ma- 
schili che muliebri dei vasi italioti ; di modo che questo particolare 
stilistico puö far dubitare della fabbrica a cui devesi ascrivere 1' oe- 
nochoe Vagliasindi ; ma a far sparire il dubbio, basta osservare che 
la benda in croce non e un ornamento caratteristico delle vesti 
italiote; che anzi e proprio degli abiti delle fanciulle ateniesi, nel 
secolo quarto, come dimostrano i mimerosi esempi che se ne tro- 
vano negli Altische Grabreliefs, fasc. VII (cfr. Petersen, in queste 
Mittheilun<jen XII, p. 131). 

N6 minor motivo a dubitare par che dia, a prima vista, la 
tigura di Iris, disegnata a mezzo-busto, o piü precisamente a due 
terzi della statura completa; poiche e notissimo che i personaggi 
disegnati a mezzo busto sono una caratteristica assai diffusa nella 
pittura vascolare italiota : basterebbe ricordare 1' abuso che ne fecero 
Assteas e Python. Perö questo espediente tecnico non e ignorato 
dai ceramisti della giovane scuola attica, dai quali appunto passa 
ai maestri posteriori ('). 

Ma io ho detto giä che non mi par possibile che il gruppo 
principale della nostra rappresentanza figurata sia creazione origi- 
nale del ceramista, indipendente, cioe, dalla grande arte ; e il let- 
tore attento e competente sarä subito corso col pensiero alle nume- 
rose Amazzonomachie, in cui, con rara costanza, si ripete il motivo 
artistico che ora qui c' interessa. Si confronti il gruppo di destra di 
un' Amazzone e di un guerriero Ateniese nello scudo Strangford ; 
e si vedranno, giä nell' arte di Fidia, determinati e costituiti gli 
elementi e i dati che ritornano anche nel nostro vaso. L'Amazzone 
e caduta in ginocchio, poggiando il corpo sulla gamba sinistra forte- 
mente ripiegata, mentre la destra e distesa; su di essa l'assalitore 
calca il piede, e con la mano sinistra acciuffa per i capelli l'Amaz- 



(') La gradazione dei piani nella grande pittura parietale di Polignoto 
fece si che qualche personaggio rimanesse, in parte, nascosto. DaH'iraitazione 
esagerata di questo fatto pittorico, derivano i busti nei vasi. Cfr. Winter, Die 
jünger, att. Vasen, p. 49; Patroni, La ceramica antica, p. 54. Agli esempi 
di vasi attici con figure a mezzo-busto, enumerati dal Patroni (ibid., n. 2), si 
aggiunga il magnifico cratere a calice di Camarina, pubblicato dall' Orsi, in 
Monum. ant. IX, p. 244 seg. — In esso, indiscutibilmente attico, la figura 
di Poseidon h disegnata nettamente a mezzo-busto. 



256 G. E. RIZZO 

Zone, che tenta svincolarsi. E inutile, credo, rilevare aleune piccole 
diversitä di mosse, che non turbano la concezione artistica dell'as- 
sieme : ognuno, del resto, puö vedere le riproduzioni dei raonumenti 
ch' io cito. Da un secondo confronto col bassorilievo del fregio sud 
del tempio di Athena Nike (Collignon, o. c, II, fig. 48) si passi al- 
l'altro, ancora piü istruttivo, con rAmazzonomachia del fregio del 
tempio di Figalia {ibid., fig. 78), e si comprenderä che il pittore 
della oenochoe Vagliasindi ebbe presenti, se non questi monumenti 
della scultura attica, le numerose copie comuni alla grande e alla 
piccola arte. Poiche qiiesto motivo artistico passö ai rilievi dei 
sarcofaghi (cfr., fra gli altri, Baumeister, Denkm. ; ad v. Amasonen) 
e alla pittura vascolare : ma queste due classi di monumenti risen- 
tirono anche 1' influsso delle pitture di Micone ('). Nella rappresen- 
tanza del nostro vaso l'Arpia e sostituita all'Amazzone, il Boreade 
al guerriero Ateniese. 

Le fonti artistiche, dunque, ci richiamano principalmente al- 
r Attica, come all' Attica ci richiamano il mito e il culto di Bo- 
reas (cfr. Koscher's Lexikon I, 1, c. 814). Ivi la tradizione dei Bo- 
readi dovette esser viva, come ci dimostra il fatto che essa, nel 
piü bei secolo, fu svolta drammaticamente da Eschilo e da Sofocle 
(vedine i framm. nella raccolta del Nauck). Sembra inoltre che ad 
aleune officine vasarie attiche fosse famigliare il ciclo di leggende 
dove comparivano i Boreadi (Hutton, 1. c, p. 163). Abbiamo dunque 
una tradizione artistica non interrotta, che passa in seguito alla 
Magna Grecia, forse anche per influenza della colonia ateniese di 
Thurioi, dove dagli Ateniesi fu trapiantato il culto di Boreas (Aelian. 
F. H. XII, 91) (-'). 



(1) Cfr. Winter, o. c, p. 36 seg. Per la pittura vascolare confronta anche 
le Amazzonomachie in Gerhard, Auserles. Vasenbild. 329; Monuni. deH'Inst. II, 
tav. 30 (importante); V, tav. 11 ; X, tav. 28, etc. — Non h privo d' importanza 
il notare che un motivo analogo si ripete nella numerosa serie di vasi rap- 
presentanti Aiace che aiferra Cassandra. Cfr., specialmente, la pittura del cra- 
tere in Archäol. Zeit. 1848, tav. 13. 

(*) Cosi il Perrot (in Monum. grecs 1874, n. 3. p. 39-52) spiega la diifu- 
sione del mito di Boreas nelle officine vasarie italiote, illustrando la bella 
oenochoe del Louvre (Sal. K, n. 35), che ha comune con la nostra il pathos 
delle figure. 



SPIGOLATUKE ARCHEOLOGICHE 257 

Da tutto quanto ho detto, richiamandomi principalmente al- 
r esame stilistico, nonche al pimto della necropoli dove il vaso fti 
trovato, credo di potere affermare che l'oenochoe Vagliasindi e 
di fabbricazione attica, ed appartiene al 350 circa av. Cr. 

III. Anfora panatenaica. 

L'anfora panatenaica della seconda classe (o di tipo panate- 
naico), che qui per la prima volta si pubblica, e posseduta dal 
nobile e cortese signore cav. C. Zappalä Asmundo di Catania, che 
pubblicamente ringrazio, per avermene egli permesso lo studio. 

Da lungo tempo destinata a non ispregevole ornamento di un 
ricco salone, essa sfuggi agli occhi degli archeologi, quantunque 
trovata nel primo quarto di questo secolo, a Catania (quartiere 
Indirizzo), nello scavarsi le fondamenta di una casa. Vedutala, mi 
sembrö degna di esser pubblicata, non tanto per il suo pregio ar- 
tistico, quanto perche con essa si accresce lo scarsissimo numero 
di anfore panatenaiche di sicura provenienza siciliana ; tanto piü che 
questa proviene dalla greca Catania, di cui, per le continue deva- 
stazioni causate dall'Etna, ben pochi cimeli si son conservati. Non 
c'e infatti archeologo, che ignori quanto poche siano le anfore pa- 
natenaiche trovate in Sicilia, in confronto col grande numero che 
ne diedero, per es., le necropoli di Vulci ; si che alle notizie pre- 
cedenti su quelle scoperte in Sicilia (cfr. 0. Jahn, Beschreib, der 
Vasensamml. in der Pinakoth. zu München, n. 787 e p. XXXIII ; 
J. de Witte, Vases Panathenafques, in Ann. dell' Inst. 1877, p. 294 
segg). mi e appena possibile aggiungere un' indicazione dei fram- 
menti piccolissimi di un'anfora panatenaica e di due di tipo pana- 
tenaico, trovati dalF Orsi nell'antica necropoli siracusana del Pusco 
(Not. degli scavi, nov. 1893, p. 25 dell'estr.). 

L' anfora e ancora, in parte, coperta di incrostazioni calcari 
durissime e resistenti agli acidi ; e la sua conservazione, buona nel 
lato meno nobile, e appena mediocre nel lato principale, con la 
dea. Le anse e la base sono molto restaurate. Misura in altezza 
m. 0,468, con una circonferenza massima di m. 0,947 ; altezza della 
Dea, m. 0,225. 

A) Athena, nel solito schema, rivolta a sinistra, fra due colon- 
nette doriche, sormontate da galli. La dea e vestita del lungo chi- 



258 



G. K. RIZZO 



tone nodriQr^q e deH'egida a scaglie, circondata di serpenti; e 
coperta di un piccolissimo elmo con alto l6(fog, ed ha il braccio 
destro ornato di un' armilla. Episema dello scudo : parte anteriore 
di un cavallo (Pegaso?). 




Fi?. 3. 



B) Due lottatori. A sinisti-a il ßqaßsvg rabdoforo ed armato 
di Xvyoc. 

II collo e ornato di un tVegio a palmette affrontate; all'im- 
postatura superiore delle anse, un listello ; sotto, lo Stabornameni, 
caratteristico ; il fondo e radiato. Di bianco son dipinti la testa, 
il braccio, i piedi della dea e 1' episema dello scudo ; di rosso-bruno, 



SPIGOLATUKE ARCHEOLOGICHE 259 

gli ornamenti del X6(pog dell' elmetto, l'orlo dello scudo e alcuni 
ritocchi neU'episeina, le creste dei galli, le barbe {sie !) degli ago- 
nisti e l'orlo del mantello del ßQaßsvg. 

lo stimo quest'anfora realmente arcaica. Benche dalla foto- 
incisione non appaia, per la convessitä della pancia del vaso e per 




Fi-, -i. 



la consegiiente diversitä dei piani nell' eseguire la fotografia, la 
figura della dea e piuttosto tozza: nou siamo certo alle propor- 
zioni deH'anfora Burgon (alt. del vaso m. 0,61; id. della dea, 
m. 0,26), ma non si puö nemmeno dire che la figura di Athena 
sia nel nostro vaso molto slanciata (47 : 22), come nelle anfore se- 
riori. Indizi sicuri d' arcaismo sono inoltre lo Schema stesso della 



^6Ö 



G. E. RIZZO, SHIGOLATÜRE ARCHEOLÖGICHE 



dea volta a sinistra e il profilo della faceia, per quahto sconser- 
vato, con 1' occhio disegnato di pleno prospetto (cfr. anche gli occhi 
degli agonisti, nel rovescio); 1' egida a scaglie con i serpenti, ma 
senza il Gorgoneion (De Witte, 1. c.) ; le pieghe diritte e simme- 
triehe del chitone; il disegno rigido e secco, a tratti decisi, degli 
agonisti. Le palmette affrontate del coUo, benche di stile comune, 
ricordano i fregi prediletti da Amasis maior, e, in genere, dai 
maestri dello strengen Archaismus ; e nulla parmi ci sia nella nostra 
anfora, che ricordi 1' arcaismo fittizio o di maniera, caratteristico 
per molti di questi vasi di tipo costante e, dirö cosi. consacrato. 

Melilli (Siraciisa), settembre 1900. 

GiULio Em. ßizzo. 



.f; !) i-' 



VASO CAMPANO CON SCENA FLIACICA 

(Tav. VI) 



II vaso ch' io presento nella tav. I non e certo im capolavoro 
per lo Stile, raa parmi assai importante per la sua rappresentanza 
figurata ; ne depo gli studi dello Heydemann, del Winnefeld, del 
Körte, del Bethe, del Eeisch, del Patroni, bisogna davvero ch'io 
spenda troppe parole, per mostrare la diiplice importanza di ogni 
niiovo vaso fliacico, specialmente quand' esso, come il nostro, con- 
tenga la rappresentanza della scena e di personaggi facilmente 
determinabili. Archeologi e filologi vi trovano eguale oggetto di 
studio e di istruzione. 

II vaso fu casualmente scoperto, parecchi anni or sono, nella 
necropoli di Kenturipai, insieme con altro vasellame minore della 
stessa epoca e fabbrica, e trovasi ora in Catania, in commercio, 
presse l'antiquario sig. Derio Pappalardo, dov' io lo vidi e potei 
studiarlo. Del che rendo grazie al gentile possessore. 

La forma del vaso e quella chiamata dal Patroni (La Ceram. 
ant. deirital. merid., p. 84 e fig. 52) pyxis skyphoide ; e si puö 
nettamente apprezzare dal piccolo zinco unito. 11 vaso, cioe, e co- 
stituito di un alto skyphos ad anse orizzontali, e di un coperchio 
simile a quello delle pjaides italiote. L'altezza totale e di mm. 323 
e il maggior diametro dello skyphos mm. 227 ; la conservazione 
buona, specialmente nel lato meno nobile ; ma il coperchio fu gros- 
solanamente restaurato, con volgari ritocchi alle numerose flgure 
della scena dionisiaca rappresentatavi. 

A) Sul logeion, sorretto da due robusti assi, con una sca- 
letta dinanzi, e chiuso, ai lati, da due colonne doriche, stanno, nel 
mezzo Herakles, rivolto {änoaxono^v) verso una figura muliebre 
vestita del lungo chitone {nodiqqrig) e avvolta nell' tfiärwi: Essa 
stringe con la sinistra i lembi dell' himation e matte fuori la destra 

18 



226 G. E. RIZZO 

all' altezza del coUo, volgendosi, come se sorpresa, verso 1' eroe. 
Questi e vestito nel solito costume dei fliaci: lunghe dva^vQidsg 
e corto (TcoficxTiov, dal quäle spunta fuori il phallos, avvoltolato. 
La pelle del leone nemeo, la cui folta giubba serve a coprirgli il 
capo, scende, dietro le spalle, nascondendo in parte la lunga clava 
SU cui l'eroe si appoggia. La maschera e dipinta nei soliti tratti dei 
<pXvax€g, barbuta e con la bocca smisuratamente larga. A sinistra 
gli sta Hermes, vestito anch' egli di dva^vqidsg e di acoficTiov, e 
avvolto nel breve mantello. Egli stende la destra col lungo kery- 
keion verso Herakles, quasi in atto di accennare, e guarda coi tondi 
occhi della maschera, molto caratteristica e molto ben disegnata 
e conservata, verso la donna. Tra questa ed Herakles sorge un ramo- 
scello flessuoso ed alto, nel fondo della scena, a cui e appesa una 
tazza : soliti artifici dei pittori vascolari, per indicare la parete ter- 
minale della casa o della scena. 

B) Scena di offerta, comune nei vasi italioti. Donna, ornata 
di monili, e di un diadema che cinge la parte anteriore del kekry- 
phalos, sta seduta su semplice kline e regge una corona nella destra. 
Un' altra diritta dinanzi, vestita ed ornata alla stessa maniera della 
prima, le offre una coppa con ricchi doni (tig. 1). 

C) Coperchio. I restauri, benche eseguiti male, non lascian 
dubbio suUa retta interpretazione delle singole figure. — E una 
scena dionisiaca, piena di movimento : vi si vede una figura muliebre, 
seduta su d'un'alta kline, a' cui piedi un Eros accovacciato, dalle 
lunghe ali distese in alto; a partire dalla destra di questo gruppo: 
1° Mainas, reggente due tirsi, corre verso destra. — 2° Mainas tym- 
panistria, sdraiata su d'una roccia. — 3° e 4° Satiro che regge un 
tirso nella sinistra e stende il braccio destro ad una Mainas, anche 
essa col tirso, e coperta dalla nebris. — 5° Mainas, nel solito 
Schema col corpo violentemente ripiegato indietro; regge due tirsi. — 
6° Mainas tympanistria. — Non e inutile far notare che questa 
rappresentanza del coperchio e intimamente ricollegata a quella 
fliacica principale, poiche entrambe riferisconsi al culto di Dioniso, 
sotto il cui sacro patronato stava anche la scena dei fliaci. L' ele- 
mento dionisiaco e, del resto, comune nelle rappresentazioni di 
questi vasi (cfr. Patroni, o. c, pag. 172). 

II nostro vaso presenta tutti i caratteri stilistici delle fabbri- 
che di Cuma, secondo gli ultimi studi del Patroni (o. c, p. 82 segg.). 



VASO CAMPANO CON SCENA FLIACICA 263 

II copeichio 6 coronato da un elegante fregio ad ovuli, in cima; e 
intorno al collo corre una ghirlanda di foglie d' alloro, sormontata 
da una specie di Stabornament. All' orlo, una triplice fila di qua- 
drettini neri su d'una fascia rossa. Anche lo skyphos e coronato 
di un fregio ad ovuli, e la rappresentanza figurata e chiusa, in 
basso, dall'ornato a cane corrente, caratteristico delle fabbriche 
cumane. Sotto le anse, grande palmetta, fiancheggiata da due mezze 




Fig. 1. 

palmette con viticci e calici. La vernice non e molto lucida; il 
rosso deH'argilla e poco vivo, e quindi fu originariamente rinforzato, 
per far risaltare le figure ; la policromia e spiccatissima, perche le 
parti dipinte in bianco, visibili nella nostra tavola, furono dal pittore 
adornate con tratti di giallo, ora parzialmente scomparsi, chiaris- 
simi perö sulla mano destra e sulla faccia della donna, sul somation 
e sulla clava di Herakles, ecc. Di questi tratti gialli e di qualche 
tratto di carminio, il pittore fece abuso nel dipingere la giubba 
della pelle leonina. Di rosso bruno sono dipinte le fasce ornamen- 
tali deir himation della figura muliebre. Non mancano, come ho 
fatto notare, i piccoli accessori nella rappresentazione figurata. La 
stessa forma h « caratteristica della ceramica cumana » (Patroni, o. c, 



2ß4 G. E. KIZZO 

p. 84); e tiitto ciö dovrebbe, parmi, bastare per ritenere il vaso 
senza dubbio fabbricato a Cuma, nella metä, circa, del III secolo 
av. Gr., e forse ancora piü tardi. Purtroppo, qiündi, ancbe questo 
nuovo vaso con la rara rappresentanza della scena non e piü antico 
degli altri tredici congeneri ('). 

Se dunqiie non e piü accettabile la teoria del Furtwängler 
{Berl. VasensammL), che ritiene campani tutti i vasi con scene flia- 
ciche, ai pochissimi che giä si sapevano certamente fabbricati in 
Campania, anche per il liiogo di origine (sei soltanto fra i ventisei 
dello Heydemann (^), di provenienza conosciuta) — viene ad aggiun- 
gersi il nostro, e, come dirö, anche un altro, il celebre vaso N, con 
Herakles e i Kerkopes, del quäle fin ora soltanto si conosceva la 
rappresentanza principale (^). Notiamo, intanto, che la Sicilia ci da 
ancora un altro vaso di fabbrica campana. 

Altri caratteri stilistici non possiamo desumere dal disegno dei 
personaggi, essendo i cpXvaxsg trattati in modo quasi uniforme dai 
diversi pittori {'*). 

Nel nostro vaso il (fcoiidriov e dipinto in bianco, laddove il 
pittore Assteas li dipingeva in rosso bruno, per imitare il colore 
del cuoio ; e parmi anche notevole e non privo di grazia il modo 
con cui il pittore ha saputo coprire le teste di Herakles (come nel 
vaso di Lentini) e di Hermes, traendo profitto della pelle del leone, 
per r uno, e del corto mantello, per 1' altro. 

Per la vexata quaestio della scena, il nostro vaso si deve com- 
prendere fra quelli della prima Classe, stabilita dal Bethe (scena 
costrutta su travi ed assi, con la scala dinanzi o anche senza scala), 
della terza, stabilita dal ßeisch (rappresentazione della scena con 
la scala dinanzi) {^) ; classe davvero non troppo numerosa, perche 
i vasi conosciuti che vi appartengono sono appena cinque (dal IX 

{}) Faccio mia 1' osservazione del Reisch, in Dörpfeld u. Eeisch, das 
griech. Theater, pag. 312. , 

(*) Mi riferisco alla ben nota memoria dello Heydemann, die Phlya- 
kendar Stellungen auf bemalten Vasen, Jahrb. d. arch. Inst. I (1886), p. 260-313. 
Cfr. anche Winnefeld, Assteas, in Bonner Studien, 1890, 

(3) Vedi Vexcursus, in fondo. 

(*) Patroni, o. c, p. 41. Cfr. anche le sagaci osservazioni del Körte, sul 
costume dei fliaci, in Jahrb. d. arch. Inst. VIII, 72 segg. 

(5) Bethe E., Prolegomena zur Gesch. d. Theat. im Alterth. (1896), 
pag. 281 seg. — Beisch, in o. c, pag. 312 seg. 



VASO CAMPANO COM SCENA FLIACICA 265 

dl XIII, nel Keisch). II sesto che io piibblico ö dunque una nuova 
confferma dell' opinione del Reisch siill' altezza della scena nei teatri 
della cittä della Magna Grecia, nel III secolo. 

La congettura del Bethe, che assegna alla scena dei vasi flia- 
cici r altezza di tre metri, sol per il desiderio di riavvicinare queste 
rappresentanze vascolari al proscenio del teatro di Epidauro, non 
e inyece suffragata dal nostro vaso, in ciii il numero dei gradini 
e la proporzione tra i personaggi e il proscenio, assegnano a questo 
r altezza di un metro circa ('). Si potrebbe appena obiettare che 
r altezza delle due colonne della scena e di poco siiperiore a qiiella 
dei personaggi, cosa che si puö anche osservare nel vaso M dello 
Heydemann (cratere di Lentini), e che quindi non e a parlare di 
proporzione, quando questa non e conservata in tutte le parti. 

Ma r altezza del vaso avrebbe mai potiito permettere che tutta 
la scena, nella parte superiore, fosse rappresentata al vero ? 

Di vasi fliacici trovati in Sicilia non si conoscevano che i due 
segnati M (citato cratere di Lentini) ed i (cratere di Lipari) nella 
memoria dello Heydemann. Altri due ora se ne aggiungono : questo 
di Centuripe e il vaso N, che, come dimostrerö nell' excursus^ e di 
Camarina. 

Interpretazione del soggetto. — Quanto alla rappre- 
sentanza fliacica che sopra ho soltanto descritto, senza perö adden- 
ti'armi nella esegesi di essa, e fuor di dubbio che se ne ha da cercare 
11 motivo non giä nella caricatura della vita comune, ma in quella 
del mondo mitologico e nel travestimento della tragedia. Anzi io 
son convinto che il cpXva^ da cui trasse inspirazione il pittore va- 
saio fu un tc TQayixd (istaqqvi^iii^cov ig ysXoTov, come si dice 
il Tarantino Rhinthon (Steph. Byz., ad voc. Tccqag). Quindi il 
nostro vaso appartiene alla seconda classe stabilita dal Bethe (o. c, 
p. 57) ; e, come in parecchi altri, vi compare Herakles, 1' eroe pre- 
diletto dai fliaci [M, N, R, f, p, q. Heydemann]. Per la giusta valuta- 
zione del nostro vaso e notevole che gli dei sono assai scarsamente 
rappresentati nelle pitture fliaciche: appena Zeus ed Hermes nel 
vaso I ; ed Hera, Ares ed Hephaistos in a. 

Ma se si pensi alle miserande sorti dei (fXvaxsq^ letti solo 

{*) Cfr. Reisch, in o. c, pag. 320 e 325. II numero dei gradini raggiunge 
gli btto, soltanto nel vaso XII, pubblic. dal Eeisch,-fig. 79. 



266 G. E. RIZZO 

da grammatici e lessicografi alessandrini ('), le ciii aride glosse 
nulla ci dicono degli argomenti delle singole commedie, e molto 
difficile, e talyolta impossibile, ricondurre le rappresentanze vasco- 
lari fliaciche a soggetti determinati. 

Abbandonata la vecchia opinione di riconoscere in queste rap- 
presentanze una fönte per la commedia attica, e caduta quindi la 
generale interpretazione che voleva vedere nel noto vaso di Berlino 
la prima scena dello Rane di Aristofane (2), appena una sola di 
queste pitture vascolari (quella del vaso I Heyd.) fu potuta ricolle- 
gare, con ingegnosa congettura, all' ^AfKfitqvwv di Ehinthon ; ma 
tale interpretazione e lungi dall' esser sicura {^). 

Or delle tre fonti a cui attinsero i (plvaxeg, cioe i miti po- 
polari, la tragedia attica e la commedia menandrea (Körte, 1. c, 
p. 89), parmi fuor di dubbio che la nostra pittura vascolare debba 
ricondursi ad una commedia della seconda fönte. Ma, fra i tragici, 
fu Euripide preso principalmente di mira dai fliaci, sia per il ca- 
rattere stesso delle sue tragedie, sia per la grande diffusione di 
queste nella Magna Grecia; diffusione di cui vediamo numerosi 
ed importanti riflessi nella pittura vascolare italiota di genere 
serio (■^). II fatto stesso, anzi, che la tragedia euripidea fu molto in 
voga, ne determinö la caricatura; poiche i due fenomeni letterari 
stanno sempre nel i-apporto di causa ad effetto. Che ci dicono infatti 
i frammenti dei fliaci? Titoli delle commedie di Kintone sono: 
'^HqaxXrjc, ^I(fiysv£ia d iv AvXidi, 'lifiyäv. d iv Tavqoig^ JovXoq 
MeXsayQog, Mr^dsia, 'OqbGtag, TrjX€(pog; di Sciras: MsXsayQog; di 
Sopater: "^InTtoXvTog, "OqäaTr^g (Kaibel, o. c, pag. 185 segg.); titoli 
tutti che ci riconducono al teatro eui-ipideo. Or fra le molte tra- 

(') Cfr. Comicor. graec. fragrh. edid. G. Kaibel (Berlin, Weidmann, 
1899), I, 1, p. 184. 

(-) Fu primo 11 Dierks (Archäol. Zeit. 1885, p. 31 segg.). che non ac- 
cettö la cömune interpretazione; e pol anche lo Heydemann, 1. c, p. 283. 

(3) bi sa che fu primo il Winckelmann (cfr. Mon. ined., n. 190) a darla, 
6 fu poi seguito da tutti gli altri interpreti, sino alle Heydemmann, 1. c, 
p, 277 ; secondo il quäle non biscgnerebbe pensare ad Alkmene, ma ad una 
delle tante belle amate dal re degli Dei (ZeJ? /iotjfo?). La vecchia interpre- 
tazione ha ora avuto il sufFragio del Kaibel, o. c, p. 185. 

{*) Per questa affermazione, cf. il recente volume dell' Huddilston, Greek 
Tragedy in the lighl of vase paintings (London, 1898), che dispensa dal piü 
antico lavoro del Vogel, .Scenen euripid. Trag, in Vasengem. (Lipsia, 1886). 



VASO CAM PA NO CON SCENA FLIACICA 267 

gedie di Euripide, ve ne sono di quelle che prestaronsi alla carica- 
tura per ü loro stesso argomento, ed altre di cui non si sa se siano 
State vere e proprie tragedie, anche perche 1' autoie avrebbe mani- 
festato in esse intenti comico-satirici personali (*). 

Ciö premesso, il nostro pensiero corre a\Y"JXxr](yTig; si sa che 
questa tragedia di Euripide occupava nel concorso drammatico il 
quarto posto, quello del dramma satirico, e che per gli elementi 
comici ch' essa contiene, antichi e moderni critici discussero e di- 
scutono ancora suUa vera natura di questa tragedia (-). Neil' ultima 
scena, Herakles riconduce al marito addolorato la sposa, dopo una 
lotta con Thanatos, dalle cui mani 1' eroe riesce a strapparla, quando 
essa e giä chiusa nel sepolcro, ma non ancor discesa all' Hades. 
Un' antica tradizione, perö, diceva che Herakles, per liberare Alceste 
fosse disceso fino all' Hades (Apollod. 1, 9, 15, 3 ; Luc. Dial. Mort. 23 ; 
Hygin. fab. 51). A questa tradizione, la cui parodia si prestava a 
scene piü comiche, si sarebbe attenuto il (fXva^-, e quindi Hermes, 
nel suo ufficio di ipt^onofinög, diventava un personaggio necessario. 
Cosi la nostra rappresentanza fliacica, per quanto opera di un umile 
artigiano, eseguita con diversi intenti ed in epoca seriore, si colle- 
gherebbe a quella che la grande arte avrebbe lasciato sulla ben 
nota columna eaelata dell' Artemisio di Efeso, accettando la sedu- 
cente interpretazione del Kobert (3). 

Certo al (pXval^ doveva sorrider 1' idea di far si che si svol- 
gessero nel profondo Hades, con facile contrapposto, scene molto 
comiche; ne migliore occasione per mostrar Herakles spavaldo, 
attaccabrighe, pronto a menar le mani, che fargli combattere con 
Hades la lotta, dopo la quäle soltanto (Apollod., 1. c.) all' eroe pre- 
diletto dai fliaci riesciva di liberare Alceste. La lotta e finita; e 
al vincitore soddisfatto e ancora spavaldo il servizievole Hermes 
addita la sposa di quell' Admeto, a cui Herakles vuol dar prova 
di tutta la sua gratitudine e potenza. 

(1) Cfr. in proposito i recenti ed acuti studi del mio amico A. Olivieri 
in Eiv. di filol. XXVIII, 2; e nel giornale Le Grazie di Catania, 1900 (estr.). 

(*) V. specialmente, oltre i citati studi dell' Olivieri, Jöhring, Ist die 
u Alkestisn des Euripides eine Tragödie? (1894); e Schöne, Ueber die AI- 
kestis d. Euripides (1895). 

(3) Cfr. Robert, Thanatos (39** Berlin.- Winckelmannsprogr.), pag. 36 segg.; 
e, in risposta agli oppositori, ribadendo maggiormente la sua congettura, 
Archäol. Märchen, pag. 160 segg. 



268 G. E. RIZZO 

Qual soggetto meglio che questo, si sarebbe prestato al trave- 
stimento dell' ilarotragedia, se la tragedia stessa conteneVa in se 
elementi comici? 

Se la mia congettura non fosse troppo ardita, il nostro vaso 
avrebbe un' importanza grande per la questione sulla natura del- 
r Alkestis euripidea ; e ai titoli delle comraedie, forse dello stesso 
Eintone, forse di un ignoto (pXva^, si potrebbe aggiungere un' ^'JX- 
xTqatig. Non pote dire il Kaibel (o. c, p. 185), uomo certamente 
autorevole : ar gumenium \_A mp hitryonis] in vasispi- 
etura expressum, Heyd. litt. 1\ e comprender questa pittura 
nella raccolta dei frammenti di Bintone ? 

Exeu rs US. — Dopo alcune mie visite al Museo Biscari, per 
studiarvi ciö che c' e ancora d' importante, fui preso, com' e natu- 
rale, da un vivo desiderio di far ricerche intese a stabilire la pro- 
venienza degli oggetti, e specialmente dei bronzi. 

Aiutato dalla cortesia dei comproprietari cav. Moncada e 
cav. Roberto di Biscari e dall' ottimo archivista signor S. Rapi- 
sarda, ai quali rendo pubbliche grazie, potei visitar l'archivio, e 
vi trovai parecchie centinaia di disegni bene eseguiti, pronti per 
il catalogo illustrato che il vecchio principe Ignazio intendeva fare 
dei suo Museo. Fra questi disegni, ce ne sono di oggetti, anche 
importanti, ora scomparsi e chi sa dove andati a finire ; e vi rin- 
venni anche il disegno, che qui pubblico, dei vaso N Heyd. (Herakles 
e i Kerkopes), che non esiste piü nel Museo. Dove sarä mai ? 

Sfogliando poi il manoscritto autografo dei noto Viaggio a tutte 
le antichitä di Sicilia, dello stesso Biscari, vi trovai fra postille 
in fogliettini staccati, questo appunto, destinato certo ad accrescere 
le notizie su Camarina : « A Camarina fu anche trovato il vaso 
con la caricatura di Ercole e dei re Euristeo » . 

Ecco intanto come lo Heydemann (1. c, pag. 280 seg.) descrive 
questo va^o N. (non ö, come e stampato per errore): « Amphora 
im Mus. Biscari zu Catania, unbekannten Fundorts (nota 94 : 
wohl sicher aus Grosrgriechenland) abgb . . ; e qui la biblio- 
grafia. — Rev. Unbekannt. 

Con r aiuto di questo disegno, in cui c' e anche la scala ra- 
gionata sull' antica misurä siciliana (1 palmo = 12 once = m. 0,258), 
potremo descrivere il vaso cosi: 



VASO CAMPANO CON SCENA FLIACICA 



269 



« Cratere a campana, alto m. 0,274, trovato a Camarina; di 
fabbrica italiota, e precisamente della fabbrica di Saticula (Pa- 
tron!, 0. c, pag. 93-101), di cui presenta tutti i caratteri stili- 
stici {}) A [= scena principale coDoscinta]. 




Fig. 2. 

« B. Due efebi ammantati ; in mezzo, iina stele tronca ; siilla 
Stele, in alto, un disco con segni inintelligibili. Appartiene, pro- 
babilmente, alla seconda metä del IV secolo » . 

Melilli (Siracusa), settembre 1900. 

GiüLio Em. Rizzo. 



(}) La ghirlanda di foglie d'alloro suU'orlo, il meandro con croci inter- 
poste in basso, e il fregio ad ovuli che circonda la base delle anse ricordano 
perfettamente gli ornati caratteristici della giovane scuola atlica (Winter, Die 
jung. att. Vasen, p. 17) , passati poi, corae tante altre peculiaritä, ai piü antichi 
ceramisti italioti, i quali, com'fe ben noto, non furono in principio che fedeli 
imitatori dei maestri attici. 



DER TEMPEL DER VENUS POMPEIANA. 
(Taf. VII- Vm). 



1. Vorläufige Orientirung. 

Die in den Jahren 1898 bis 1900 vorgenommene Ausgrabung 
der Südwestecke Pompeji's, westlich der Basilika und der Gase di 
Championnet, südlich der Strada della Marina, hat über alles Er- 
warten wichtige Resultate ergeben. Es liegen hier jetzt die freilich 
dürftigen Reste eines grossen Tempels und seines Säulenhofes 
zu Tage. Im Jahre 63 eingestürzt, zur Zeit der Verschüttung im 
Neubau begriffen, wäre dies Heiligtum, wenn zum Abschluss ge- 
kommen, zweifellos das grösste und glänzendste Pompeji's geworden. 
Allem Anscheine nach war es der Tempel der Venus Pompeiana, 
der Stadtgöttin der römischen Colonie. 

Im Folgenden ist der Kürze halbör die Richtung nach der 
Strada della Marina als Nord, die nach der Basilika als Ost be- 
zeichnet; genauer gesprochen ist jene Nordnordwest, diese Ostnord- 
ost (1), 

Die Südwestecke des Stadthügels war zur Zeit der Verschüttung 
eingenommen von einem grossen, rechtwinkligen, wahrscheinlich qua- 
dratischen, ganz horizontalen Platz (Taf. VIII), dessen Umfassungs- 
mauer im Norden, Osten und Westen erhalten oder kenntlich ist, im 
Süden aber fehlt. Die östliche Umfassungsmauer lief der Rückmauer 
der Basilika nicht ganz parallel, sondern convergirte mit ihr nach 
Süden. In ihr öffnete sich, an der Nordecke, der 5,11 m. weite 

(1) Ueber diese Ausgrabungen ist berichtet Not. d. sc. 1899 S. 17 ff. 
und 1900 S. 27 ff. Ich unterlasse es, gegen die dort vertretene, von der mei- 
nigen grundverschiedene Auffassung zu polemisiren. Die Widerlegung ergiebt 
sich aus meiner Darstellung. Unrichtige Angaben über Thatsächliches sind 
ihres Orts berichtigt. 



DER TEMPEL DER VENUS POMPEIANA 271 

Haupteingang, weiter südlich, an der Südwestecke der Basilika, 
ein 1,77 weiter Nebeneingang. Ihr Südende ist zerstört; wieweit 
sie sich erstreckte, ist nicht kenntlich. Die Nordmauer, 4,70 m. 
hoch erhalten, tritt um 3,60 m. vor die Nordmauer der Basilika 
vor und trennt den Platz von der hier des Gangsteiges entbehrenden 
Strada della Marina. Der Fahrdamm fällt nach Westen steil ab, 
80 dass hier die Mauer auf einer nach Westen immer höher wer- 
denden Puttermauer steht. Die Westmauer steht auf der ihr als 
Fundament dienenden Westmauer des jetzt als Museum benutzten 
Raumes. Auch hier ist, wie im Osten, das Südende zerstört und 
die ursprüngliche Ausdehnung nicht kenntlich. Alle diese Mauern 
sind gleicher Bauart: ziemlich grobes, unregelmässiges Reticulat 
aus gelbem Tuff mit Ecken und Thüi-pfosten aus Ziegeln. Sie sind 
auf unserem Plan in Schwarz angegeben ; im Westen ist kreuzweise 
schraflirt das Stück, wo nur die Fundamentmauer erhalten ist. 

In der Mitte des Platzes liegen die Reste des Tempels, orien- 
tirt nach Südsüdost. Maassgebend für die Orientirung war die Rich- 
tung der Strada della Marina, der die Rückseite parallel ist. 

Auf drei Seiten des Tempels erstrecken sich die Stylobatfunda- 
mente der Säulenhallen, die ihn einst umgaben oder umgeben sollten. 
Und zwar unterscheiden sich in zweifelloser Weise die Fundamente 
eines älteren und eines jüngeren Portikus. Der ältere, auf unserem 
Plan mit punktirten Linien angegeben, war schiefwinklig; sein Nord- 
arm war der Rückseite des Tempels und der Strada della Marina, 
der Ost- und Westarm waren der Rückseite der Basilika parallel und 
wichen von der rechtwinkeligen Richtung etwas nach Osten ab. Ihm 
parallel sind auf denselben drei Seiten die Fundamente einer älte- 
ren Umfassungsmauer und anderer älterer Mauern, von denen wei- 
terhin die Rede sein wird, erhalten; sie sind in unserem Plan 
schraffirt. Der jüngere Portikus — im Plan mit vollen Linien ange- 
geben — war nach allen drei kenntlichen Richtungen grösser und 
rechtwinklig, den Seiten des Tempels parallel ; daher die schon er- 
■jvähnte Convergenz nach Süden mit der Rüokmauer der Basilika. 
Beide Portikusfundamente fehlen im Süden ; vermutlich sind sie hier, 
am steilen Abhang des Stadthügels, mit der Umfassungsmauer abge- 
stürzt, vielleicht schon durch das Erdbeben des Jahres 63. Auch 
die Ecken fehlen hier, so dass die ursprüngliche Ausdehnung nicht 
kenntlich ist. 



272 A. MAU 

Die ganze Stidwestecke des Platzes, etwa 17 X 25 m., ist, wie 
es scheint in moderner Zeit, um etwa 2 m. tiefer gelegt worden; 
in unserem Plan ist dies durch schräge Linien angedeutet. Bei 
dieser Gelegenheit ist das Siidende des Stylobats imd der Kegen- 
rinne des älteren Westportikus zerstört, auch von dem Unterbau 
des Tempels die ganze Südwestecke, 9 X 3,50 m., weggebrochen 
worden. Wir gewinnen hierdurch einen Einblick in die innere 
Struktur des Unterbaues des Tempels und einen Durchschnitt des 
Untergrundes des Platzes, vom Tempel ab westwärts und süd- 
wärts. 

Vom Tempel soll weiterhin die Rede sein. In Betreff des 
Platzes ergiebt sich hier in zweifelloser Weise, dass seine hori- 
zontale Fläche künstlich hergestellt worden ist. Die jetzt zwischen 
zwei Puttermauern zum Thor hinabsteigende Strada della Marina 
ist nicht etwa in das ursprüngliche Terrain eingeschnitten, sondern 
wie sie, so fiel auch dieses früher da, wo später der Tempel stand, 
steil nach Westen und Süden ab. Damals standen hier mehr- 
stöckig am Abhänge hinab gebaute Häuser, wie noch jetzt am ganzen 
Südrande der Stadt. Einige Reste dieser Häuser sind noch kennt- 
lich. Am Ostrande der vertieften Südwestecke sieht man, dass 
der weiterhin zu erwähnende grosse Altar vor dem Tempel auf 
den Resten eines Hauses steht, von dem nur die oberen, über die 
Fläche des Tempelplatzes aufragenden Teile beseitigt worden sind. 
Man erkennt eine Ecke eines Hofes mit einer Regenrinne und 
einem ganz einfarbig roten Sockel, Leider fehlt jedes Detail um 
den Stil zu bestimmen ; es steht aber nichts im Wege, den Sockel 
und überhaupt diese Reste der Zeit des ersten Stiles zuzuschreiben. 
An der Ostseite des Platzes, an dem vorderen Fundament des 
jüngeren Portikus, und wohl ebeü zum Zweck seiner Fundamen- 
tirung, hat man einen Graben gezogen, in dem noch die Lapilli 
liegen, so dass seine Tiefe nicht kenntlich ist. In ihm liegen die 
Reste eines gewölbten, mit weissem Stuck verputzten Ganges zu 
Tage, der nach Süden hinabführte in die unteren, am Abhänge 
hinab liegenden Stockwerke eines Hauses. Aehnliche Gänge sind 
in den mehrstöckigen Häusern der Süd- und Westseite Pompejis 
mehrfach erhalten. 

An der Nordseite der vertieften Südwestecke, im Terraindurch- 
schnitt der westlichen Hälfte des Tempelhofes, erkennt man, 



DER TEMPEL DER VENUS POMPEIANA 273 

dass sein Fussboden nicht auf natürlichem Boden liegt, sondern auf 
aufgeschütteten Massen von allerlei Bautrümmern. Wie tief diese 
hinabreichen, ist nicht kenntlich, jedenfalls weit unter die sicht- 
baren 2 m. — Versuche, in diesem Schutt, so wie auch im Inneren 
des Tempelunterbaues, chronologisch bestimmbare Manufacte zu 
finden, waren erfolglos. 

Nach Westen reicht jetzt diese Aufschüttung nur bis an das 
Stylobatfundament des älteren Portikus. Der Zwischenraum zwischen 
diesem und dem vorderen Stylobatfundament des jüngeren Portikus 
ist ausgefüllt von den Verschüttungsmassen des Jahres 79, war also 
damals leer. Leer ist auch noch jetzt der Zwischenraum zwischen 
dem ersten und zweiten Fundament des jüngeren Portikus so wie 
der zwischen letzterem und dem der Umfassungsmauer (auch dies 
im Plan durch schräge Linien bezeichnet) Dieser letztere Zwischen- 
raum enthält jetzt das Museum. Man hatte also hier überall die 
Aufschüttungsmassen fortgeschafft, um diese jüngeren Fundamente 
legen zu können. 

2. Analyse des Tempelunterbaues. 

Vom Tempel ist erhalten nur der Unterbau mit Resten des 
Fussbodens. Er ist lang, einschliesslich des Vorsprunges an der 
Südostecke, 29,15, breit 15,05 m., ohne den Vorsprung der untersten 
Quaderschicht. Doch sind, bei der ungleichmässigen Bearbeitung 
der Steine, diese Maasse nur ungefähr richtig. Seine Struktur ist 
eine ziemlich complicirte. Wir geben auf Tafel VII zwei Grundrisse, 
deren einer die jetzige Oberfläche zeigt, der andere einen Horizon- 
talschnitt unterhalb des Fussbodens und die innere Struktur des 
Unterbaues, ferner, unter letzterem, einem Querschnitt des Unter- 
baues, und betrachten nun, von Aussen beginnend, die verschiede- 
nen Vertikalschichten, aus denen dieser sich zusammensetzt. Sie 
sind auf dem zweiten Plan und in dem Querschnitt mit den fol- 
genden Zahlen bezeichnet. 

1. Eine mächtige Mauer aus Lavaquadern läuft ringsum und 
dm-chquert ausserdem den Bau mit einem 1,60 m. breiten Streifen, 
zwei ungleiche Rechtecke bildend. Es sind fünf Schichten, zu- 
sammen 3,10 m. hoch und 1,60 stark. In dem Bruch an der Süd- 
westecke (oben S. 272) sind sie deutlich sichtbar. Die unterste ruht 



274 A. MAU 

auf einer Unterlage aus Lavaincertum und springt nach Aussen 
um 0,90 vor die anderen vor. Von diesen Schichten liegen drei 
unter der Oberfläche des Tempelhofes, nur zwei erheben sich um 
1,25 über ihn. 

Die hellgraue, vorzüglich feste, von sehr kleinen Leucitkry- 
stallen ganz durchsetzte Lava ist erwähnt von Schöne bei Nissen, 
Pompej. Stud. S. 6. Sie kommt in Pompeji, soviol mir bekannt, 
nur noch am Unterbau des Grabes der Naevoleia Tyche vor (Schöne 
a. 0. S. 388). Aus Sogliano Not. d. sc. 1900 S. 30. entnehme ich, 
dass sie aus Pozzuoli stammt. 

2. Innerhalb dieser Quadern läuft ringsum eine 1,30 bis 1,40 m. 
starke Vertikalschicht aus Incertum gemischten Materials, vorwie- 
gend Sarnokalkstein. Sie steht auf derselben Unterlage mit den 
Quadern, hat genau dieselbe Höhe wie diese und zu oberst eine 
ebene Oberfläche, intact wie sie der Maurer hergestellt hat. Von 
dem Querstreifen der Quadern wird sie durchbrochen. 

3. Innerhalb dieser, ebenfalls von dem Querstreifen der Qua- 
dern durchbrochen, läuft ringsum eine zweite, 0,50 bis 0,60 starke 
Incertumsmauer. Sie ist der vorigen sehr ähnlich aber deutlich von 
ihr geschieden und erhebt sich über sie um 0,25 m. 

4. Von der Mitte des Querstreifens der Qnadermauer (1) läuft 
in der Längenaxe des Tempels nach vorn eine 1,50 m. starke In- 
certumsmauer. Wie es scheint durchbricht sie am Südrande 3 
und schliesst sich 2 an. Durch sie wird also das vordere der beiden 
von 1 gebildeten Rechtecke in zwei kleinere Rechtecke geteilt. 

5. Die so gebildeten drei Rechtecke sind angefüllt mit Schutt 
und Erde. Diese Füllmasse ist durchsetzt von sich kreuzenden, 
etwa 0,50 m. starken Incertumsmauern, die aber nicht so tief 
hinabreichen wie die bisher beschriebenen Teile, sondern nur bis 
etwa 1,50 m. unter die Oberfläche des Unterbaues. Dieser letztere 
Umstand ist nur an dem in den Bruch der Südwestecke treffenden 
Westende der südlichsten Quermauer kenntlich. Man hat also erst 
die Füllmasse bis zu einer gewissen Höhe aufgeschüttet, dann 
diese Mauern gezogen und endlich die so entstandenen kleinen 
Vierecke ausgefüllt. Ohne Zweifel sollte dies innere Mauernetz als 
Stütze des Fussbodens dienen und ungleichmässige Senkung des- 
selben verhindern. Unser Plan giebt ausgefüllt die sichtbaren Teile, 
in punktirten Umrisslinien das was sich aus Verlängerung dieser 



DEK TEMPEL DER VENUS POMPEIANA 275 

Teile ergiebt oder vermutungsweise angenommen ist, wie die stärkere, 
sicher auch auf den gewachsenen Grund fundirte Mauer unter der 
ehemaligen Vordermauer der Cella. 

Auf dem inneren und höheren Teil — einschliesslich 3 — 
des hinteren der beiden von der Quadermauer (1) gebildeten Recht- 
ecke ist der Fussboden der Cella erhalten, stark zerstört, aber 
in seiner Anordnung vollkommen kenntlich, vorn und hinten voll- 
ständig, an den Seiten verkürzt. Die Schwelle ist nicht erhalten, 
wohl aber die « Travertin «-fliesen des zunächst anstossenden Teiles 
der Vorhalle, so dass durch die Lücke zwischen den beiden Puss- 
böden der Platz der Vordermauer und der Schwelle deutlich be- 
zeichnet ist. Wir kommen hierauf weiterhin zurück. 

Die Qaadermauer (1) ist teilweise zerstört. Die vollkommen, 
bearbeiteten, noch mit Eisenklammern versehenen Blöcke liegen 
namentlich östlich vom Tempel verstreut ; ihre Plätze sind an den 
Eindrücken, die sie in dem Mauerwerk von 2 hinterlassen haben, 
zweifellos kenntlich. Man könnte sogar einzelne Blöcke wieder an 
ihren Platz bringen, z. B. den nordöstlichen Eckblock der obersten 
Schicht. Diese Zerstörung ist durchaus modern: die Blöcke lagen 
auf den Lapilli; einer ruht noch jetzt auf einer 0,50 hohen La- 
pillischicht. In Folge dieser Zerstörung sind nur auf einem 3,50 m. 
langen Stück der Westseite alle fünf Schichten erhalten. Auf der 
Nordseite und dem Nordende der Westseite fehlt die oberste, an 
der Nordostecke und auf dem Querstreifen die beiden obersten, auf 
der Ost- und Südseite, so wie auf dem Ostende des Querstreifens 
und auf dem Südende des erhaltenen Teiles der Westseite die drei 
obersten Schichten. Am weitesten ist die Zerstörung fortgeschritten 
auf der Westseite gleich südlich des vollständig erhaltenen Teiles. 
Hier sind auf eine Strecke von 3,20 m. die vier obersten Schichten 
entfernt und auch der untersten sind einige Steine entnommen 
worden ('). Unser erster Grundriss zeigt alles dies durch verschie- 



(') Not. d. sc. 1899 S. 18 wird gesagt, die Erforschung grade dieser 
Vertiefung habe ergeben, dass die Zerstörung vor der Verschüttung stattge- 
funden habe. Ein solcher Beweis könnte nur dann als geführt gelten, wenn 
hier die Verschüttungsmassen des Jahres 79 unberührt gefunden wären. Ich 
habe aber zweifellos festgestellt, dass hier Asche und Lapilli gemischt waren : 
sie lagen also nicht, wie sie 79 n. Chr. fielen, sondern sind später hierher 



276 A. MAU 

dene Schraffirung und diircli die in römischen Ziffern eingetragenen 
Schichtenzahlen. 

Es ist ferner ganz sicher, dass im Jahre 79 der Quaderbau 
unvollendet war. Dies bezeugen schon die zahlreichen, für ihn 
vorbereiteten aber nur ganz unvollkommen bearbeiteten Lavablöcke. 
Sie liegen zerstreut nördlich vom Tempel; ich zählte ihrer 34, 
verschiedener Grösse und in verschiedenen Stadien der Bearbeitung. 
Auf mehrere derselben sind mit roter Farbe Zahlen aufgemalt: VI, 
VIII, XI, XII, XIII, XIIII, XXI. Ferner ist auf der Nordseite die 
Aussenfläche der zweiten Schicht (die oberste fehlt), die doch über 
der Erde bleiben sollte, gänzlich unbearbeitet. Besser bearbeitet 
ist die Westseite, aber doch auch nicht so wie sie nach Vollendung 
.des Baues bleiben konnte. Endlich ist die unregelmässige Form 
der Südseite, mit dem Vorsprung an der Ostecke, nicht etwa durch 
die oben besprochene moderne Zerstörung entstanden ; es ist ganz 
klar, dass die Westfläche der Steine dieses Vorsprunges und die 
Südfläche derer des übrigen Teiles der Südseite nicht für Anschluss 
bearbeitet sind, also diese Lücke nie ausgefüllt war. 

Abgesehen aber von dieser Lücke waren im Jahre 79 fünf 
Schichten des Quaderbaues vollständig fertig; die Lager der ein- 
zelnen Steine sind, wie schon gesagt, an den Eindrücken in dem 
Incertum von 2 überall kenntlich. Mithin beweisen die noch weiter 
vorbereiteten unfertigen Steine, dass die Absicht bestand, ihn zu 
noch grösserer Höhe aufzuführen. Und in der That ist eine Höhe 
von nur 1,25 m. für den Unterbau eines so grossen Tempels unge- 
nügend. 

Hiermit ist das grundlegende Factum für die Baugeschichte 
des Tempels festgestellt. Er war einerseits noch im Bau begriffen — 
nicht einmal der Unterbau war fertig — andererseits beweist der 
Pussboden, dass er in einer früheren Zeit einmal ganz fertig war. 
Also ein älterer Tempel war vermutlich im Jahre 63 eingestürzt 
imd sollte wieder aufgebaut werden. Wir müssen also in dem 
Erhaltenen die älteren und jüngeren Teile zu sondern suchen.. 

Schon erwähnt wurden die von den Quadern in dem Incer- 



geworfen worden. Vermutlich lagen innerhalb dieser Masse an irgend einer 
Stelle Lapilli in grösserer Quantität ohne Asche beisammen und gaben so 
Anlass zu obigem Irrtum. 



DER TEMPEL DER VENUS POMPEIANA 277 

tum 2 hinterlasgenen Eindrücke. Sie beweisen, dass das Incertum 
jünger ist als die Quadern und an sie hinangemauert wurde, was 
übrigens auch sonst der Augenschein lehrt. 

Ebenso augenscheinlich ist aber das Incertum von 2 an das 
von 3, welches also früher bestand, hinangemauert worden, und 
zwar nachdem 3 um einen Teil seines ursprünglichen Bestandes 
verkürzt war. 

Von dem auf 3 und von da einwärts erhaltenen Fussboden 
war schon die Rede (S. 275). Er reicht im Westen, wo alles 
dies am deutlichsten ist, bis 0,20 vom Rande des erhaltenen, über 
2 aufragenden Mauerwerkes von 8, ohne dass hier ein Abschluss 
kenntlich wäre. Auf 2, das nie diese Höhe erreichte, konnte er 
sich nie erstrecken. Ferner ist an der Nordwestecke deutlich ein 
Stück der einstigen Rückmauer der Cella erhalten, mit der In- 
nenfläche. Sie reicht bis an den Westrand des erhaltenen Mauer- 
werks von 3, ohne eine Spur der Innenecke. Diese also lag noch 
weiter westlich. Gesetzt nun auch, dass sie gleich westlich von 
dem Erhaltenen folgte, so fehlt doch mindestens die ganze Breite 
der Westmauer. Um soviel also mindestens ist 3 verkürzt worden, 
bevor 2 an es hinangemauert wurde. Und in der That zeigt die 
Aussenfläche von 3 — sie liegt im Westen zum Teil, nach Zerstö- 
rung von 2, bis auf die dritte Schicht von 1 bloss — deutliche 
Spuren der Bearbeitung mit der Spitzhacke. 

So ist also 2 jünger als 1 und jünger als 3, das heisst es 
ist eine vorher zwischen 1 und 3 bestehende Lücke durch 2 
ausgefüllt worden. Damit ist die Geschichte des begonnenen Neu- 
baues vollkommen klar. Die ^eile, auf denen der Fussboden liegt, 
von 3 einwärts, gehören zu dem alten Bau. Dieser sollte vergrös- 
sert werden durch die ringsum gelegten Quadern. Zu diesem Zweck 
hackte man von dem alten Unterbau ringsum ein Stück von für jetzt 
noch unbekannter Breite ab, legte dann die Quadern 1,30 — 1,40 m. 
von dem übrig gebliebenen und füllte endlich die Lücke mit In- 
certum (2) aus. Die Zweckmässigkeit dieses Verfahrens ist ein- 
leuchtend. Erstens war das Legen der grossen Quadern erleichtert 
dadurch, dass man sie von zwei Seiten fassen konnte. Zweitens 
konnte nun ihre Rückseite ganz unbearbeitet bleiben. Endlich 
wurden durch das zwischengelegte Incertum die älteren und jün-' 
geren Teile zu einer fest zusammenhängenden Masse vereinigt. 

19 



278 A. MAU 

Man verfuhr hierbei so, dass, wenn eine Schicht Quadern 
lag — oder auch ihrer zwei — nun auch bis zu dieser Höhe der 
Zwischenraum mit Incertum gefüllt wurde. So kommt es, dass 2 
grade bis zur Oberfläche der obersten Schicht von 1 reicht. So 
entstanden auch innerhalb 2 horizontale Abschnitte; vollkommen 
deutlich ist ein solcher an der Nordostecke in der Höhe der zweiten, 
an der Westseite, gleich nördlich von dem Querstreifen, in der 
Höhe der dritten Quaderschicht. 

Mit 2 geht zusammen die von dem Querstreifen von 1 nach 
vorn gehende Mauer (4). Es ist vollkommen deutlich, dass auch 
sie an die Quadern hinangemauert ist; auch liegt ihre Oberfläche 
genau im Niveau der Oberfläche der obersten Quaderschicht. 

In dem Terraindurchschnitt der vertieften Südwestecke ist 
vollkommen kenntlich, dass, ehe man an die Vergrösserung des Tem- 
pels ging, rings um ihn in dem auf Aufschüttungsmassen ruhenden 
Hofe eine Grube gegraben wurde, westlich bis etwa 0,40 von der 
untersten, vor die übrigen vorspringenden Quaderschicht; an den 
anderen Seiten ist es nicht kenntlich. Nachdem der Aufbau der 
Quadern die Höhe des Hofes erreicht hatte, schüttete man die 
Grube zu mit den Lavaabfällen eben dieser Quadern. Hierüber 
habe ich, soweit es damals möglich war, schon Mitth. VI, 1891, 
S. 265 f. berichtet. 

Es ist klar, dass die Quadereinfassung (1) mit ihrem Quer- 
streifen den Grundriss des beabsichtigten Tempels zeichnet: das 
hintere, grössere Rechteck bezeichnet die Cella, das kleinere die 
Vorhalle; auf dem Querstreifen sollte die Vordermauer der Cella 
stehen, die also gegen den alten, durch den Fussboden bezeugten 
Bau nach vorn um etwa 3 m. verlängert werden sollte. Der Vor- 
sprung auf der Vorderseite, an der Südostecke, beweist, dass hier 
die Quadermauer breiter werden sollte, als auf den anderen Seiten, 
ohne Zweifel weil man hier dem Tempel in ganzer Breite eine 
Treppe vorlegen wollte. Vermutlich sollten Vorhalle und Treppe 
zusammen die Tiefe der Cella haben. 

Auf den Fussboden kommen wir weiterhin noch zurück. Hier 
bemerken wir nur, dass dieser Teil der Oberfläche, also alles was 
von der Cella übrig geblieben ist, auf drei Seiten, rechts, links 
und hinten, eingefasst ist von einer niedrigen Mauer mit nach 
Aussen geneigter Oberfläche, hoch innen circa 0,60, aussen 0,40, 



DER TEMPEL DER VENUS POMPEIANA 279 

stark 0,40 (s. den ersten Grundriss und den Querschnitt) ; genaue 
Maassangaben sind bei der Unregelmässigkeit der Arbeit nicht mö- 
glich. Sie ist aussen und oben bekleidet mit einer signinumartigen 
Masse; auf der Innenseite liegt das Mauerwerk bloss, und es ist 
evident, dass es an Holzwerk angemauert wurde. Ferner sind innen 
unmittelbar am Fuss der Mauer vier Löcher kenntlich (s. Taf. VII 
den ersten Grundriss), in denen offenbar vier Holzpfähle standen : 
zwei in den hinteren Ecken, zwei von diesen 6,90 m. entfernt anden 
Seiten; doch ist auch vorwärts dieser letzteren der Eindnick der 
Holzbretter auf der Innenseite der Mauer kenntlich. Hier stand also 
eine Holzhütte, an" deren Wände man von Aussen diese niedrige 
Mauer angesetzt hatte, um ihr Festigkeit zu geben und ihren un- 
tersten Teil gegen das Regenwasser zu schützen. Diese niedrige 
Mauer steht hinten an der Stelle der alten Rückmauer, deren Vor- 
derfläche in der Nordwestecke deutlich kennbar ist. Dagegen ist 
auf den Seiten, wie schon bemerkt, die Stelle der alten Wände nicht 
erhalten ; die niedrige Mauer steht hier auf dem Mosaik des Fuss- 
bodens, das an ihrer Aussenseite deutlich zum Vorschein kommt. 

An der Rückwand steht die 1,40 ra. hohe Basis des Kultbil- 
des, ihrer Marmorbekleidung beraubt und links (westlich) etwas 
verkürzt. 

Es scheint mir sehr wahrscheinlich, dass diese Holzhütte dem 
Kult der Stadtgöttin eine vorläufige Unterkunft bot, zumal hier, 
wie weiterhin zu erwähnen sein wird, Teile einer Venusstatuette 
gefunden wurden. Sogliano {Not. d. Sc. 1899 S. 23) möchte hier 
lieber den Aufenthaltsort der Aufseher der Bauarbeiten vermuten. 
Aber es ist doch nicht abzusehen, weshalb man hierfür grade die Cella 
des Tempels gewählt haben sollte, zumal sie, ohne Mauerreste und 
dem sehr kräftigen Meerwind in lästigster Weise ausgesetzt, keinerlei 
Vorteile bot. Es fehlte ja auf dem weiten Hofe nicht an geeigne- 
teren Plätzen, mit Anlehnung an die Portikusmauern. 

3. Der Tempel vor 63 n. Chr. 

Wir versuchen jetzt, die Gestalt des im Jahre 63 zerstörten 
Tempels so weit wie möglich zu ermitteln. 

Es war ein Marmorbau. Dies beweisen schon die auf dem 
Tempelhofe umherliegenden Säulen und Gebälkstücke aus weissem 



280 



A. MAU 



Marmor. Zwar gehören sie ausschliesslich dem Portikus an ; aber 
man wird doch nicht einen Marmorportikus um einen Tufftempel 
gebaut haben. Es scheint aber auch sicher, dass Reste des Mar- 
mortempels selbst erhalten sind. Zwar nicht an Ort und Stelle. 
Aber in dem kürzlich auf dem Platz nördlich vom Apollotempel 
angelegten Magazin liegen unter anderen Fragmenten Teile ionischer 
oder korinthischer Marmorsäulen, darunter eines des oberen Schaft- 




FlG. 1. 



endes, aus dem sich der obere Durchmesser ziemlich genau auf 
0,70 m. berechnen lässt. Nach dem bekannten Kanon (52:60) 
mochte also der untere Durchmesser 0,80 m. betragen. 

Ferner liegen ebenda Teile eines grossen Griebelgesimses (Fig. 1). 
Es entspricht fast genau, auch in der Grösse, dem bei Mazois III 
Tf. 39 publicirten Gesims der Vorhalle des Macellum, so genau, 
dass der Verdacht aufkommen könnte, die beiden Stücke gehörten 
zusammen. Aber das ist doch nicht möglich. Die Stücke vor dem 
Macellum sind zweifellos das Zwischengebälk einer zweistöckigen 
Säulenhalle ohne Zwischenboden, wie sie ja auch für die Vorhalle 
des Gebäudes der Eumachia nachgewiesen ist. Es ist kaum zu 
bezweifeln, dass sie in der That der Vorhalle des Macellums ange- 
hören; für einen Giebel, zumal einen so grossen, wie er sich aus 
der Mächtigkeit des Gesimsstückes ergiebt, ist hier kein Platz. 



DER TEMPEL DER VENUS POMPEIANA 



281 



Und wenn wir genau zusehen, sind auch die Formen der beiden 
Gesimse nicht ganz gleich. Verschieden ist die Bildung des Zahn- 
schnitts : an dem Giebelstück stehen die Zähne dicht an einander, vor 
dem Macellum ist der Zwischenraum der Vorderfläche gleich. 
Ferner tritt unter dem Zahnschnitt das Profil am Giebel in ge- 
schwungener Linie, dort rechtwinklig zurück. Endlich ist die Hän- 
geplatte am Giebel grösser. 







"HH — I" 



t 



o io fo J>° ^o Ao (>o fo eo ßo f oo 
Fig. 2. 



Jt 



Natürlich fehlt an dem Gesims vor dem Macellum das oberste, 
die Sima vertretende Glied. Von diesem liegt in dem Magazin 
hinter dem Apollotempel ein Fragment, das die als Blatt gestaltete 
Spitze des Giebels enthält. 

Wir haben also hier Fragmente eines grossen Marmortempels. 
Und da Marmortempel auch nur annähernd gleicher Grösse sonst 
in Pompeji nicht vorhanden sind, so kann kaum bezweifelt werden, 
dass es verschleppte Beste des Tempels hinter der Basilika sind. 
An die weit entfernten unausgegrabenen Stadtteile oder an die 
viel tiefer liegende Ebene ausserhalb der Stadt zu denken, ist 
ganz • unzulässig. 

Es scheint wunderlich, dass das gleiche Gesims auf Säulen 
von 0,80 m, Durchmesser und auf den nur 0,54 m. starken, ohne 
das Kapitell 3,53 hohen Säulen vor dem Macellum gelegen haben 



282 A. MA.U 

soll. Doch betrifft diese Schwierigkeit, wenn es eine ist, die Vor- 
halle des Macellums, nicht den Tempel. Für diesen ist eine Gesims- 
höhe von 0,70 m. einschliesslich der Sima eher klein als gross. 
Das Zwischengesims aber vor dem Macellum hat man so stark 
gemacht, weil es eine obere, auf Postamenten stehende Säulen- 
stellung tragen sollte. 

Die Uebereinstimmung der beiden Gesimse wird sich so erklären, 
dass beim Neubau des Macellum, mutmasslich zur Zeit des Clau- 
dias, für das Gebälk der Vorhalle der damals noch stehende Ve- 
nustempel als Muster diente. Wir können also vermuten, dass 
auch Epistyl und Fries (Mazois a. 0.; unsere Fig. 2) den entspre- 
chenden Teilen des Tempels nachgebildet waren. Die erhaltenen 
Stücke — das grösste liegi; jetzt in dem Magazin in der grossen 
Markthalle an der Nordwestecke des Forums — können mit einer 
unteren Breite von 0,46 m., einem Epistyl von 0,35 m. und einem 
Fries von 0,39 m. Höhe nur dem Macellum, nicht dem Tempel 
angehören. 

Wir haben also vom Aufbau des Tempels die Säulen, deren Höhe 
freilich approximativ aus dem Durchmesser zu erschliessen bleibt, 
ohne das Kapitell, das wir aber zweifellos korinthisch annehmen 
dürfen, ferner das schräge und damit auch das horizontale Gesims 
und vermutungsweise die Formen des Epistyls. 

Beim Tempel selbst liegt der untere Teil (h. 1,80) eines 
unten 0,62 m. breiten Incrustationspilasfcers (Fig. 3); die Cannelu- 
ren sind ausgefüllt bis 1,185. Ich finde für denselben keine Verwen- 
dung, weder am Tempel noch im Portikus. Auch an das Innere der 
Cella darf nicht gedacht werden. Denn da der unterste Marmorstreif 
der Rückwand erhalten ist, so ist ganz sicher dass hier keine Pi- 
laster standen. Und bei der Form der Cella — sie war, wie wir 
gleich sehen werden, mehr breit als lang — kann auch nicht an- 
genommen werden, dass Pilaster an den Seitenwänden, an der Rück- 
wand etwa nur Eckpilaster gewesen wären : die Rückwand wai" lang 
genug, um zwischen zwei Pilastern hinlänglichen Raum für die 
Basis des Kultbildes zu lassen. Auch die Annahme, es seien etwa 
nur Eckpilaster gewesen, ist auszuschliessen ; denn das erhaltene 
Stück ist eben kein Eckpilaster. 

Vorder- imd Rückwand der Cella sind vollkommen kenntlich. 
Erstere war 0,62 m. stark; von letzterer ist hinten abgehackt 



DER TEMDEL DER VENUS POMPEIANA. 



283 



U 



bis auf etwa 0,50 m. So kennen wir genau die Tiefe der Cella: 
9,64 m. bis an den sockelartigen Marmorstreif am Fusse der 
Rückwand. Die Breite ist unbekannt, da der die Seitenwände 

tragende Teil des Unterbaues ab- 
gehackt ist. Doch können wir sie 
vermutungsweise ermitteln. 

Es unterliegt keinem Zwei- 
fel, dass der Tempel ein Prostylos 
war, mit einer Front von vier oder 
sechs Säulen und einer entspre- 
chenden Anzahl zwischen der Eck- 
säule und den Vorderecken der 
Cella. Alsdann aber ist es kaum 
vermeidlich, anzunehmen — zumal 
bei der grossen Tiefe der Vorhalle 
— dass vor diese Ecken Anten 
vorsprangen. Diese Annahme wird 
noch durch einen weiteren Um- 
stand bestätigt. 

Die Vordermauer der Cella 
ist zwar gänzlich zerstört, aber 
an der Lücke zwischen dem Fuss- 
boden der Cella und dem der 
Vorhalle vollkommen kenntlich , 
wie unser Plan zeigt. Vor sie 
sprangen seitlich der Thür zwei 
Anten vor, wie eben dort zu er- 
sehen. Um so mehr erscheint die 
Annahme von Anten an den Ecken 
notwendig : es wäre unerhört, dass 
die Front der Cella mitAnten ver- 
sehen gewesen wäre, diese aber 
grade da, wo sie am nötigsten 
waren, gefehlt hätten. 
Nun giebt uns die östlich der östlichen Ante erhaltene, 0,95 m. 
lange Travertinfliese der Vorhalle (s. Grrundriss) die Entfernung der 
Eckante von der Ante neben der Thür. Denn die Ostkante dieser 
Fliese ist nicht für Anschluss bearbeitet; es setzte sich also hier 



Fig. 3. 



^o ^oM: 



284 A. MAU 

der Travertinfussboden nicht weiter nach Osten fort, was doch wohl 
nur daran liegen kann, dass eben hier die Eckante vorsprang. 
Ergänzen wir symmetrisch westlich der Thür, wo die entsprechende 
Fliese unvollständig erhalten ist, so betrug die Distanz zwischen 
den Eckanten, ganz unten, 9,99 m. 

Zweifellos waren die Eckanten denen neben der Thür an Breite 
gleich : 1,20 m. das unterste Glied der Basis. Denn schmäler konnten 
sie doch nicht sein, breiter aber auch nicht, da die Breite des 
Schaftes mit 0,80 m., dem Säulendurchmesser, gegeben ist. Da also die 
Basis jederseits um 0,20 m. vor den Schaft vorsprang, so waren die 
Aussenecken der Anten um m. 9,99+(2X],20)— (2X0,20)=11,99 
von einander entfernt. Dies wäre demnach die äussere Breite der 
Cella. Waren die Seitenmauern, wie die Vordermauer, 0,62 m. 
stark — sie konnten mit Rücksicht auf etwaige Nischen etwas 
stärker sein — so war der Innenraum 10,75 m. breit, also um 
1,11 m. breiter als lang. Der Unterbau mochte noch etwas vor 
die Cellawände vorspringen und etwa 12,40 m. breit sein; da der 
erhaltene Teil 0,40 m. breit ist, so waren also beiderseits etwa 
1,50 m. abgehackt. Die das mit Schutt und Erde gefüllte Rechteck 
des alten Unterbaues umschliessende Mauer war über 2 m. stark. 

Viel geringer war die Verkürzung auf der Rückseite. Da der 
Tempel nach hinten mehr als nach den Seiten vergrössert werden 
sollte — die Cella sollte jetzt mehr lang als breit werden — so 
legte man hier die Lavaquadern weiter von dem alten Bau entfernt, 
und wenn man von diesem abhackte, so handelte es sich nicht 
darum, Platz zu gewinnen, der genug vorhanden war, sondern nur 
eine bessere Anschlussfläche für das Incertum zu schaffen. So ist 
denn von der Rückmauer — vorausgesetzt, dass sie der Vordermauer 
an Stärke gleich war — nur ein Stück von 0,10 abgehackt; ausser- 
dem der hinter die Cellamauer vorspringende Teil des Unterbaues, 
im ganzen kaum über 0,30. Danach muss hier die oben (S. 274) 
mit 3 bezeichnete Vertikalschicht noch etwa 1,7 stark sein. Sie 
muss in der Mitte einen Vorsprung haben als Unterlage für die 
Basis des Kultbildes. Diese ist hoch 1,40, breit jetzt 1,85, aber 
links verkürzt; sie war ursprünglich 2,05 breit; tief 0,175. 

Der Eussboden der Cella besteht neben der Basis (dazu ein 
ganz schmaler Streif vor derselben) und an den Seitenwänden 
entlang aus weissem Mosaik. An der Rükseite ist der Mosaik- 



■DER TEMPEL DER VENUS POMPEIANA 285 

streif 1,78 breit; und genau so breit war er an den Seitenwänden, 
wenn unsere Berechnung der Cellabreite richtig ist, was durch 
eben diese Uebereinstimmung bestätigt wird. 

Zwischen diesen drei Mosaikstreifen und der Vorderwand ist der 
Boden mit verschiedenfarbigen Marmorplatten von 0,296 m. (1 röm. 
Fuss) im Quadrat belegt. Und zwar bilden diese Platten ein Qua- 
drat von 24 Platten an jeder Seite, zu dem vorn und hinten noch 
je eine Plattenreihe hinzugefügt ist. Doch sind diese beiden Reihen 
durch einen schmalen weissen Marmorstreifen von dem Quadrat 
getrennt ; ein eben solcher Streif umschliesst das ganze Rechteck. 
Die Mitte nahm ein ebenfalls von einem solchen Streifen umschlos- 
senes Rechteck ein ; nur die rechte Vorderecke dieses Streifens ist 
erhalten. Es konnte ein Mosaikbild oder, wohl wahrscheinlicher, 
ein besonderes Marmormuster enthalten. 

Links vorn liegt in dem Mosaik, an den Marmorfussboden 
anstossend, eine Tuffplatte (0,59 X 0,54) und an ihr einwärts, in 
Mosaik und Marmorfussboden eingreifend, eine weisse Mamiorplatte 
(0,73 X 0,50). Hier wird irgend etwas gestanden haben. Ebenso 
rechts vor der Basis des Kultbildes, wo auf oder in dem hier sehr 
zerstörten Fussboden eine unregelmässig runde Spur (s. Grundriss) 
kenntlich ist. 

Wir wenden uns jetzt der Vorhalle zu. Der vordere Teil des 
alten Unterbaues, von der Vorderwand der Cella bis zum Rande 
des erhaltenen, ist 9,70 lang. Der erhaltene Rest des äusseren, 
gemauerten Teils des alten Unterbaues ist vorn nicht wesentlich 
stärker, als an den Seiten : 0,60. Wollten wir nun daraus schliessen, 
es seien auch hier 1,40 bis 1,50 abgehackt, und so die ursprüng- 
liche Länge auf 11,10 berechnen, so wüi-den wir auf die Schwie- 
rigkeit stossen, dass dann die Länge der Vorhalle grösser wäre als 
die der Cella einschliesslich der Rückmauer und des hinten etwa 
vorspringenden Teiles des Unterbaues ; denn diese können wir nicht 
über 10,50 berechnen. Es ist aber obige Annahme auch keineswegs 
notwendig : da hier die Treppe vorlag, so konnte der bis zur Höhe 
des Fussbodens hinaufreichende Teil des Mauerwerkes beträchtlich 
schmäler sein. Und seine aus der Längenberechnung mit Notwen- 
digkeit resultirende geringere Stärke liefert den Beweis, dass die 
Treppe die ganze Breite des Unterbaues einnahm. Wir können es 
wohl als ziemlich sicher betrachten, dass er 1,40 stark, also die 



286 A. MAU 

Vorhalle 10,50 tief war, so dass die Vordermauer der Cella die 
ganze Anlage in zwei gleiche Teile teilte. 

Zweifellos standen in der Front sechs, auf den Seiten ausser 
der Ecksäule je drei Säulen. War die Säulenfront 12 m. lang, so 
war die Centraldistanz 2,24, das Intercolumnium 1,44, die Säulen- 
stellung also, bei einem Durchmesser von 0,80, weitläuftiger als 
vor dem Jupitertempel, wo der Durchmesser 1,0, die Central- 
distanz 2,65, das Intercolumnium 1,65 m. beträgt. Um vorn und 
an den Seiten das gleiche Intercolumnium zu haben, musste die 
Ante um etwa 1,34 vorspringen, was keineswegs unmöglich ist; 
freilich ist es auch nicht unmöglich, dass die Seitenintercolumnien 
etwas weiter waren, als in der Front. Praktisch war das etwas 
enge Intercolumnium nicht allzu unbequem, da bei der Breite der 
Treppe alle Intercolumnien als Durchgang dienen konnten. Mit vier 
Frontsäulen würden wir übermässig weite Intercolumnien erhalten. 

Wir geben auf Tafel VII links unten den auf Grund obiger 
Darlegung wiederhergestellten Grundriss des im J. 63 zerstörten 
Tempels. 

4. Der ältere Säulenhof. 

Die Ausdehnung des Tempelhofes zur Zeit der Verschüttung 
wurde schon oben (S. 270 f.) bezeichnet. Er war aber ursprünglich 
kleiner. Die Erweiterung geschah im Norden auf Kosten der Strada 
della Marina. Diese ist am Westende der Basilika breit 8,20, der 
Fahrdamm ungefähr 2,80. In diese Strasse springt von Süden der 
Tempelhof vor um 3,70, so dass nun der Gangsteig ganz ver- 
schwindet und der Fahrdamm nur noch 1,90 breit ist. Bei der Art, 
wie am Südrande das Pflaster ganz unregelmässig abbricht, war 
schon früher klar, dass es sich hier um nachträgliche Veränderung 
handelte. Jetzt, nach Ausräumung des Tempelhofes, liegen hier, 
in der Verlängerung der Nordmauer der Basilika, die Fundamente 
der alten Nordmauer desselben (im Plan Tafel VIII schraffirt) zu 
Tage. Damals also hatte die Strada della Marina auch auf dieser 
Seite ihren Gangsteig, der aber, ganz wie auf der gegenüberlie- 
genden Seite der Strasse, auf der ganzen Strecke horizontal lief, 
während der Fahrdamm steil abwärts geht und daher beim Ein- 
gang des bekannten gewölbten Ganges innerhalb des Thores um 



DER TEMPEL DER VENUS POMPEIANA 287 

fast 5 m. unter dem Gangsteig liegt. An einer Stelle, etwas westlich 
der Nordwestecke des Tempels, ist noch die Fussbodenmasse des 
Gangsteiges sichtbar. Die Fundamente der Mauer sind nicht auf 
der ganzen Strecke freigelegt, sondern nur durch einige Versuchsgra- 
bungen constatirt worden. Im Osten endete sie mit einem Zie- 
gelpfosten am Eingang des Hofes. 

Parallel dieser nördlichen Umfassungsmauer, parallel auch der 
Rückfront des Tempels, läuft der ältere Stylobat (im Plan punk- 
tirt) mit seiner Regenrinne, imterbrochen durch die Quaderver- 
grösserung des Tempels, also älter als diese. 

Weniger einfach liegt die Sache im Osten. Deutlich ist auch 
hier der ältere Stylobat mit seiner Rinne, nicht rechtwinklig zu dem 
nördlichen, sondern parallel der Rückmauer der Basilika. Parallel 
demselben läuft weiter östlich, 5,95 m. von der Rinne, ein zweites 
Fundament, auf dem, in der nördlichen Hälfte, drei Travertin- 
schwellen (im Plan angegeben) liegen. Weiter südlich sind mehrere 
grössere Unterbrechungen kenntlich. Also eine von Thüren und wei- 
ten Durchgängen durchbrochene Mauer. Wieder weiter östlich läuft 
in derselben Richtung. 6,06 von dem Vorderrand der Schwellen 
entfernt, das Fundament der älteren östlichen Umfassungsmauer. Es 
reicht nach Norden nicht ganz so weit, wie das vorige, sondern 
bricht um etwa 1,30 m. früher ab ('). 

Die beiden letztgenannten Fundamente sind durch Querfun- 
damente mit einander verbunden. Es war also der Raum zwischen 
ihnen durch Mauern in verschieden grosse, durch die erwähnten 
Thüren und Durchgänge aus dem Portikus zugängliche Räume geteilt. 
In dem ersten und zweiten von Norden ist der Signinumfussboden 
erhalten, an der Mauer zwischen dem vierten und fünften zu unterst 
geringe Reste des Stuckbewurfs und seiner Bemalung : ganz unten 
weiss, dann schwarz. 

Die letzte, südlichste dieser Quermauern bildet mit der Um- 
fassungsmauer eine deutliche Ecke aus ziegelföimigem Kalkstein. 
Ist dies eine wirkliche Ecke des Baues, und handelt es sich nicht 
etwa um eine Thür, so erstreckten sich diese auf den Portikus 

(1) Irrtümlich wird Not. d. sc. 1900 S. 27 gesagt, das Fundament mit 
den Schwellen sei nicht dem Stylobat und der Umfassungsmauer parallel, 
sondern rechtwinklig zum Nordstylobat. Auch der Plan S. 28 ist in diesem 
Punkte nicht richtig. 



288 A. MA.U 

geöffneten Räume nicht ganz bis an das Südende desselben, son- 
dern hörten früher auf. Das Südende des Stylobatfundamentes ist 
zerstört. Es wäre sehr erwünscht, dass durch Nachgrabung festge- 
stellt würde, ob in grösserer Tiefe Reste desselben, sowie der Ecke 
und des gänzlich verschwundenen Südportikus zu finden sind. 

Die erste, nördlichste Qiiermauer, über 0,80 stark, erstreckte 
sich noch um 1,10 über die Ecke nach Osten. Sie verlief in ge- 
brochener Linie, so dass der Raum südlich von ihr in seinem 
westlichsten Teil um etwa 1,40 breiter war. Die Ausdehnung (0-W) 
dieses erweiterten Teiles ist nicht ganz klar, weil seine Ostwand 
mit ihren beiden Ecken bei der Anlage des jüngeren Portikus 
zerstört worden ist; es steht nichts der Annahme im Wege, dass 
die Aussenseite (0) der kurzen Ostwand zusammenfiel mit der 
Ostseite eben dieses jüngeren Fundaments. Dann entsprach sie 
genau der Ostseite eines von der nördlichen Umfassungsmauer nach 
Süden vorspringenden Mauerstückes, dessen Ausdehnung ebenfalls 
undeutlich ist, da sein Ende dem jüngeren Fundament zu nahe 
kommt ; es scheint aber, dass zwischen beiden ein kleiner Zwischen- 
raum geblieben wäre, wenn man ihn nicht bei der Legung des 
jüngeren Fundaments ausgefüllt hätte. Dann war also zwischen 
diesen beiden Vorsprüngen der Eingang in den alten Portikus. 

Das über den letztgenannten Vorsprung noch nach Osten 
vorspringende Stück der nördlichen Umfassungsmauer (1,02) ist 
aus Ziegeln, einem sonst diesem Bau fremden Material, und steht 
daher im Verdacht, späterer Zusatz zu sein. Ihm entspricht, ebenfalls 
aus Ziegeln, das von der Nordwestecke der Basilika nach Westen 
vorspringende Mauerstück. Es scheint, dass auch hier ein Eingang 
geschaffen war zu einer Art Vorraum, aus dem man einerseits in 
den Tempelhof, andererseits in den zwischen ihm und der Basilika 
übrig gebliebenen Raum gelangte. Spuren von Verschluss sind nicht 
vorhanden. 

Auf den Resten der Südmauer dieses Vorraumes, zwischen 
ihm und dem ersten Zimmer der Ostseite, erkennt man die Eindrücke 
zweier hier einst liegenden Steinplatten (im Plan angegeben); die 
westliche ist grösser; sie messen 1,46 resp. 1,10 X 0,45 und sind 
0,50 von einander entfernt. Es sind nicht Schwellen — südwärts 
von ihnen ist Mauerwerk über dem Niveau des Fussbodens erhal- 
ten — sondern die Böden zweier Nischen. 



DER TEMPEL DER VENUS POMPEIANA 289 

Auf der Westseite des Hofes ist von dem alten Stylobat nebst 
Kegenrinne nur der nördliche Teil, 20 m., erhalten. "Weiterhin ist 
er zerstört worden, zum Teil bei der modernen Tieferlegung der 
Südwestecke (S. 272), zum Teil wohl schon früher, bei Legung der 
Fundamente des jüngeren Stjdobats, mit dessen Linie er zusam- 
mentreffen musste. 

Auf einer noch kürzeren Strecke ist das westliche Parallelfun- 
dament erhalten. Es ist vom Kande der Rinne fast 5,95 entfernt, 
genau die Distanz zwischen Rinne und Umfassungsmauer auf der 
Nordseite, fast genau die zwischen der Rinne und der Mauer mit 
den Thüren auf der Ostseite, wo Messungen an verschiedenen 
Punkten etwas verschiedene Resultate geben. Hier entsteht nun 
also die Frage: ist dies das Fundament der Umfassungsmauer 
oder entspricht es der Mauer mit Thüren und lag die Umfassungs- 
mauer noch weiter westlich? Allem Anschein nach ist ersteres 
anzunehmen. Dies Fundament — es liegt an der Nordwestecke 
frei auf etwa 8 m. — bildet mit dem der alten nördlichen Um- 
fassungsmauer eine vollkommen deutliche Ecke aus ziemlich grossen 
ziegeiförmigen Kalksteinen, ohne Fortsetzung nach Westen, die 
ja notwendig wäre, wenn die westliche Umfassungsmauer weiter 
nach Westen gelegen, also die Nordmauer sich weiter in dieser 
Richtung erstreckt hätte. Nun ist zwar ganz sicher, dass diese 
Ecke nicht beim Bau des Tempelhofes gemacht wurde, sondern 
einem vor der Planirung des Platzes hier am Abhänge • stehenden 
Gebäude angehört, so wie auch der ganze Rest des fraglichen 
Fundamentes. Dieses ist mit dem jüngeren Stylobat verbunden 
durch drei Quermauern, die ursprünglich zweifellos bis an den 
jüngeren Stylobat reichten, aber zwischen den beiden Stylobaten 
bei der Fundamentirung des jüngeren entfernt worden sind. Auch 
sie gehören jenem älteren Gebäude an ; wenigstens zwischen den 
beiden südlichen dieser Quermauern ist noch jetzt, unterhalb des 
Niveaus des Tempelhofes, ein Innenraum vorhanden, unzugänglich, 
aber mit einem oben giebelförmigen Fenster nach Süden; meines 
Wissens ist er nie erforscht worden. Offenbar sind hier ältere Gebäude 
zur Fundamentirung der Tempelbauten benutzt worden. Es wäre 
also an sich nicht unmöglich, dass man an die alte Ecke eine 
Fortsetzung der Nordmauer nach Westen angesetzt hätte. Aber 
Termutlich hätte man dann doch die alte Ecke angebrochen und 



290 A. MAU 

so eine festere Verbindung hergestellt, nicht aber das Neue so 
ohne Bindung an das Alte angelehnt. So raüsste also die Portsez- 
zung doch irgend eine Spur hinterlassen haben. Es ist mithin wahr- 
scheinlicher, dass hier weiter nichts folgte, sondern dies die alte 
Umfassungsmauer war, so dass also auf diesen alten Portikus nur 
im Osten sich noch weitere Räume öffneten. War es nicht so, und 
lag die alte westliche Umfassungsmauer moch weiter westlich, so 
sie ist beim Bau des jüngeren Portikus spurlos beseitigt worden. 

Auf dem Stylobat ist an mehreren Stellen eine Mörtelschicht 
erhalten, in der man deutlich die Spuren einst auf ihr liegender 
Steinplatten sieht (im Plan angegeben). Sehr deutlich im Osten, wo 
die Platten ziemlich genau 2,13 lang waren. Ferner auf der West- 
hälfte der Nordseite ; die Osthälfte liegt noch unter antikem Schutt. 
Offenbar war die untere Fläche der Platten wenn nicht glatt so doch 
einigermassen eben gearbeitet. Sie dienten als Unterlage der Säulen. 
Im Norden, nahe der Westecke, lag die Unterseite der Platten etwa 
5 bis 6 cm. über dem Rande der Rinne. Im Osten ist die Mörtel- 
schicht wohl nicht recht vollständig erhalten ; es scheint aber sicher, 
dass die Platten hier tiefer lagen, mit ihrer Unterfläche unter 
dem Rande der Rinne. Im Westen sind keine so deutlichen Spu- 
ren. Aber hier erhebt sich der Stylobat (Incertum) am Nordende 
um 0,14, nahe dem Südende um fast 0,22 über den Rand der 
Rinne ; die dieser zugewandte Fläche ist mit Signinum bekleidet. 
An den beiden Stellen, wo obige Höhen gemessen wurden, ist die 
obere Fläche des Signinum vollständig eben: es scheint kaum 
zweifelhaft, dass hier die Platten lagen. Es steigt also die Niveau- 
differenz zwischen Platten und Rinne von der Südostecke bis zur 
Südwestecke ; vermutlich beruht sie auf einer Senkung der Rinne. 

Die Rinne, aus Tuff, ist auf der Westseite unterbrochen durch 
zwei der gewöhnlichen Abklärungsbassins. Das zweite von Norden 
hat einen Abfluss nach Westen ; an dem ersten kann er auch ge- 
wesen sein, doch ist hier die betreffende Wand zerstört. Auf der 
Ostseite ist eines dem zweiten ungefähr gegenüber, sehr zerstört 
und undeutlich; dem ersten ungefähr gegenüber ist eine zwei- 
felhafte Spur: es scheint hier ein Stein zu fehlen. 

Ausserdem liegen ausgemauerte Bassins neben der Rinne, in 
dem offenen Platze. Eines in der Nordwestecke, 0,95 X 1,00, 
tief 0,75; es ist mit Signinum ausgekleidet und erhielt Zufluss 



DER TEMPEL DER VENUS POMPEIANA 291 

aus der Westrinne, deren nördlichstes Stück (1,70) sich hierher 
senkt. Ein zweites, nahe der Nordwestecke des Tempels, ist ver- 
schüttet und nur im ümriss kenntlich. Ebenso ein drittes in der 
Nordostecke. Ein viertes an der Ostseite, nördlich der grösseren 
Basis, 1,0X1,07, tief 0,55, mit Signinum ausgekleidet. Diese 
beiden hatten Zufluas aus der Nordrinne ; Abfluss ist nicht kennt- 
lich. Diese Bassins dienten wohl, um zu irgend einem Gebrauch 
frisches Kegenwasser zu sammeln. Oestlich vom Tempel, nahe der 
Südostecke, ist eine Cisternenmündung (im Plan angegeben). 

Der unbedeckte Platz des Tempelhofes hat einen Fussboden, 
dessen oberste, etwa 10 cm. starke Schicht — Vesuvlava in 
Stuck — auf einer 15 bis 20 cm. starken Incertumschicht ruht. 
Vor dem Tempel (S) liegt der Fussboden frei, im Uebrigen ist 
er bedeckt mit Lavaschutt, den Abfällen von der Bearbeitung der 
grossen Lavaquadern des Tempels. 

Nahe der Südostecke des unbedeckten Platzes führt in einer 
von einer dünnen Mauer umgebenen Grube (5,30X1,15) eine 
Treppe nach Norden abwärts. Am Nordende der Grube gelangt 
man westlich durch einen 0,85 breiten Durchgang in einen nach 
Süden steil absteigenden Gang, dessen weiterer Verlauf mit der 
ganzen Südseite des Platzes zerstört ist. Er führte wohl zu tiefer 
gelegenen, zum Tempel gehörigen Räumen, vielleicht zu Grotten, 
die sich auf den Abhang öffneten, vielleicht zum ünterstock eines 
früher hier gelegenen Hauses, den man bei Anlage des Tempel- 
hofes conservirt hatte und etwa als Wohnung des Aedituus benutzte. 
Denn eine solche musste doch wohl vorhanden sein, ist aber sonst 
nicht nachweisbar. 

An der Ostseite stehen, wie im Plan angegeben, die Reste 
zweier grösseren und einer kleinen Basis. Die erste von Norden 
ist quadratisch, unten 1,32, dann sich verjüngend, aber weiter 
nicht erhalten. Sie besteht aus Ziegeln, Incertum und ziegeiför- 
migen Kalksteinen und war bekleidet mit weissem Stuck; kein 
Marmor. 

Zwischen dieser und der Rinne steht eine kleine Basis, 0,465 
im Quadrat. Sie steht, mit Marmor bekleidet, auf einer Tuffunter- 
lage. Die Spur einer Leitungsrohre an der Südseite beweist, dass 
auf ihr eine Brunnenfigur stand. 

Südlich von diesen steht, unvollständig erhalten, eine Reiter- 



292 A. MA.U 

basis, 2,38 X 1,36, massiv aus " Travertin ", aber, mit Ausnahme 
des untersten Gliedes, behauen, um mit Marmor verkleidet zu 
werden. Es war also zweifellos ursprünglich eine einfache Traver- 
tinbasis, die erst später Marmorbekleidung erhielt. Von dieser ist 
das unterste Glied erhalten : drei genau der Länge der Schmalseite 
entsprechende Stücke liegen in der Nähe (Fig. 4). Wir müssen also 
eine zweite Basis gleicher Dimensionen, vermutlich gegenüber an 
der Westseite, annehmen. 

Von einer weiteren Basis, an der Südseite, ist nichts erhalten 
als die in den Fussboden eingehauene, den Umfang bezeichnende 
Rille (s. den Plan), und auch von dieser nur der nördlichste Teil, so 
wenig, dass wir nicht entscheiden können, ob die Basis länglich oder 



— I I 1 1 1 1 1 1 r! 1 1 — yi/. 

FiG. 4. 

quadratisch war, ob sie eine Reiterstatue oder ein Standbild trug. 
Die allein erhaltene Nordseite ist 1,32 lang, also genau gleich der 
Seite der quadratischen Basis an der Ostseite. War die Anordnung 
hier wie dort, so haben wir etwa 1,80 südlich dieser Linie die 
Rinne der Südseite anzunehmen. 

Endlich gehören noch zu dem alten Tempelhofe die Reste 
des grossen Altars vor dem Tempel, die etwa 3 m. von dem 
vorspringendsten Teil des erhaltenen Unterbaues deutlich zu er- 
kennen sind. Um den Incertumkern liegen verschiedene Travertin- 
fragmente, darunter auch ein unbearbeiteter Block und verschiedene 
Stücke, die als Treppenstufen gelten können. Bemerkenswert ist 
ein Stück Gesims mit Eierstab und Zahnschnitt (Fig. 5), f erner ein 
Eckstück und noch ein Fragment eines vom Boden ansteigenden 
und sich verjüngenden Profils. Der mit der Schmalseite gegen 
den Tempel stehende Altar war etwa 5,0 X 3,50 m. gross, un- 
gerechnet die Stufe an seinem Fuss, deren Platz wir wohl in einer 
obigen Umfang umziehenden etwa 0,55 breiten Lücke des Fussbo- 



DRR TEMPEL, DER VENUS PCMPEIANA 293 

dens zu erkennen haben. An diese Stufe angelehnt, an der vom Tempel 
abgewandten Seite, standen zwei kleine Basen oder etwas ähnliches, 
0,50 X 0,40 m. gross, 1,30 von einander entfernt; erhalten sind nur 
die in den Fussboden eingehauenen, den Umfang umschreibenden 
Rillen. Etwas ähnliches war auch von Osten an die Nordostecke der 
Stufe angelehnt, auch hier nur durch die Rille bezeichnet: Süd- 
seite 0,65, erhaltener Teil der Ostseite 0,78. Weiter vorwärts, in 
der Axe des Altars und des Tempels, ist in den Fussboden eine 
weisse Marmorplatte eingelegt, 0,85 im Quadrat, ohne Standspuren. 
Auf der Ostseite ist durch den für die Fundamentirung des 
jüngeren Stylobats gezogenen Graben, im Westen durch die mehr- 
fach erwähnte Tieferlegung der Südwestecke die Fundamentirung 




des älteren Stylobats sichtbar geworden, am deutlichsten im Westen, 
bis 2,30 m. unter der unteren Fläche der Stylobatplatten. Man 
hat zuerst bis 2,30 m. unter den Platten eine 0,70 m. starke Mauer 
in einer Holzform aufgeführt ; auf ihr liegt der Stylobat. In dieser 
Höhe verbreitert sie sich nach Osten, bis zu 1,30 m., ohne Holzform; 
diese Verbreiterung trägt die Rinne. Auf der Ostseite ist der untere, 
dünnere Teil des Fundaments nicht sichtbar, weil die den erwähnten 
Graben ausfüllenden Verschüttungsmassen des Jahres 79 nicht ent- 
fernt worden sind. So erkennen wir hier nur, von 0,85 bis 0,35 m. 
unter den Platten, die 1,55 dicke Mauer, hier in Holzform gemacht, 
und auf ihr, ohne Holzform, von einander getrennt, die Fundamente 
des Stylobats und der Rinne, nach beiden Seiten etwas vorspringend, 
besonders nach der Seite des Stylobats. 

Die Holzform könnte zu der Vermutung führen, die Funda- 
mentmauern seien vor Aufschüttung des Platzes aufgeführt worden. 
Doch wäre dies ein Fehlschluss. Denn erstens ist auch der jüngere 

20 



294 A. MAU 

Stylobat, bei dem doch davon nicht die Rede sein kann, in Holz- 
form fundamentirt. Zweitens war grade bei freistehenden Mauern 
die Holzform überflüssig, und ist auch in Pompeji meines Wissens 
für solche nie angewandt worden. 

5. Der jüngere Säulenhof. 

Mit dem Bau der jüngeren Portiken war eine Vergrösserung 
des Tempelhofes nach allen drei uns kenntlichen Seiten verbunden. 
Von der Ausdehnung und den Umfassungsmauern des so vergrösserten 
Platzes war schon auf S. 270 f. die Rede; sie sind auf dem Plan 
ersichtlich. 

Die Umfassungsmauer ist auf der Nordseite erhalten bis zur 
Höhe von 4,70, im Osten entsprechend der Nordhälfte der Basi- 
lika bis 1.30 m., weiterhin bis zur Südwestecke der Basilika nur 
Fundamente. Dann folgte, der Strasse südlich der Basilika entspre- 
chend, ein Nebeneingang, breit 1,77 m. Von diesem südlich ist die 
Mauer wieder bis 3,80 m. erhalten. Hier, 1,30 m. vom Nebeneingang, 
öffnet sich in der Umfassungsmauer, 1,10 vom Boden, eine 1,37 m. 
tiefe, 12,53 breite Nische; die Höhe ist nicht erhalten. Der innere 
Teil des Bodens der Nische, 0,85 m., ist als Stufe um 0,16 über den 
vorderen erhöht ; beide sind mit weissen, etwas grau geäderten Mar- 
morplatten belegt. Dagegen ist an den Wänden keine Spur von 
Marmor. Um 3,30 m. weiter südlich folgt eine zweite Nische, in 
gleicher Höhe, tief 0,36, breit 1,75 m. ; auf dem Boden ist der 
Eindruck von Marmorplatten kenntlich. Eine dritte, 13,25 m. von 
der zweiten entfernt und ihr, so weit kenntlich, ganz gleich, ist 
nur teilweise erhalten. 

Im Westen ist nur das nördlichste Stück der Mauer, bis 
3,60 m. von der Ecke, erhalten. Man wollte hier anfangs, 0,30 m. 
von der Ecke, eine 1,90 m. breite thürartige Oeffnung machen. 
Als aber der nördliche Pfosten schon über 2 m. hoch, der südliche 
noch beträchtlich niedriger war, änderte man den Plan, vermauerte 
die Oeffnung bis zur Höhe des südlichen Pfostens mit ziegeiför- 
migen Stücken gelben Tuffs und führte dann die Mauer auf bis 
2,50 m. von der Ecke; hier war ein Fenster, dessen südlicher 
Pfosten nicht erhalten, dessen Breite also unbekannt ist. Weiterhin 
ist die aufstehende Wand gänzlich zerstört und nur die ihr als Fun- 



DKR TEMPEL DER VENUS POMPEIANA 295 

dament dienende Westwand des jetzt als Museum benutzten Kaumes 
erhalten. Im Süden ist, wie schon gesagt, weder von der Umfassungs- 
mauer noch von dem Portikus irgend welche Spur vorhanden. 

Auf der Nordseite läuft parallel mit der Umfassungsmauer 
ein 1,02 m. starkes Fundament, dessen Südkante 5,90 m., d. i 
20 römische Fuss, von ihr entfernt ist. Auf ihm liegt eine 0,15 m^ 
hohe, mit einigen Steinen vermischte Mörtelschicht, auf der einst 
Steinplatten lagen, ganz wie auf dem älteren Stylobat. Die Länge 
zweier dieser Platten, 2,18 m., ist deutlich zu erkennen. Die 
Mörtelschicht ragt nach Aussen (Süden) um reichlich 0,10 m. über 
den Rand des Fundaments vor, während sie nach Innen etwas 
vom Eande entfernt bleibt ; doch kann letzteres auf Zerstörung be- 
ruhen. Zweifellos haben wir hier den jüngeren Stylobat /u erkennen. 
Doch fehlt jede Spur der Rinne ; offenbar war sie noch nicht gelegt. 

An dies Fundament schliessen sich auf der Ostseite, recht- 
winklig, zwei Fundamente an. Das vordere (westliche) ist im 
Mauerkern fertig, war aber offenbar ganz neu ; seine Aussentläche 
(Westen) liegt noch bloss, weil der Graben, den man, um es zu 
legen, gezogen hatte, noch nicht wieder zugeworfen war. Von der 
Mörtelschicht auf der Oberfläche ist keine Spur; sie war offenbar 
nie vorhanden. Man sieht das Fundament bis zur Tiefe von m. 1,10 ; 
weiter unten liegt noch der Lapillo des Jahres 79. Der nördliche 
Teil ist mit antikem Schutt bedeckt; man war also in den letzten 
Tagen Pompejis nicht beschäftigt es fertig zu machen und die Platten 
zu legen. 

Diesem parallel, 5,94 m. von seiner Aussenfläche, läuft weiter 
rückwärts (östlich) ein zweites, 0,95 m. starkes Fundament. Auf 
ihm liegt die hier nur 0,06 m. hohe Mörtelschicht, etwas über den 
Vorderrand vorragend, vom Hinterrand deutlich um etwa 0,20 m. 
zurückbleibend, mit deutlichen Spuren der 2,20 m. langen Platten. 
An keinem dieser beiden Fundamente war die Rinne je vorhanden. 

Auch auf der Westseite finden wir zwei der Umfassungsmauer 
parallele Fundamente. 

Zur Legung des vorderen (östlichen) wurde Erde und Schutt 
von der Westseite des alten Stylobätfundaments entfernt. Weiterhin 
wurde das alte Fundament ganz beseitigt, da seine Linie gekreuzt 
werden musste ; auch hier muss ein breiter Graben gezogen worden 
sein, der jetzt mit der Vertiefung der Südwestecke zusammen- 



296 A. MAU 

fällt. In und an diesem ist dann das neue Fundament zum grössten 
Teil als freistehende Mauer aufgeführt worden. Nur ein kleines Stück 
an der Nordecke, oben 2 m., unten yermutlich sich verbreiternd, 
war ganz in die Erde fundirt. Weiterhin, bis noch 6 m. südlich 
des Punktes an dem das alte Fundament aufhört, war das neue 
Fundament an den Westrand des Grabens als Futtermauer ange- 
mauert. Von da ab südwärts stand es ganz frei. Seine Aussenfläche 
an den freistehenden Teilen ist bis 2,20 m. unter der Fläche des 
Tempelhofes als Reticulat, weiter unten als Incertum behandelt. 
Das Material ist gelber Tuff. Deutlich sind auch auf diesem Fun- 
dament die Spuren der die Platten tragenden Mörtelschicht ; doch 
ist die Länge der Platten hier nicht kenntlich. 

Das zweite Fundament ist die Ostmauer des Museums. Ober- 
fläche und Westseite sind durch den Museumsbau unkenntlich 
geworden. Die Aussenfläche der Ostseite gleicht ziemlich der des 
ersten Fundaments : oben grobes Reticulat, weiter unten Incertum, 
noch weiter unten wieder Quasireticulat. 

Auf der Südseite des Platzes ist auch von diesen jüngeren 
Bauten keine Spur geblieben. 

Wir haben also hier innerhalb der Umfassungsmauer im Norden 
ein, im Osten und Westen je zwei Fundamente. Dass von den je 
zwei Fundamenten das vordere Säulen tragen sollte, ist selbstver- 
ständlich und zum üeberfluss auf der Westseite durch Reste der 
Mörtelschicht mit den Plattenspuren bezeugt. Für das zweite könnte 
man ja an sich auch an eine Mauer mit Thüren denken, wie auf 
der Ostseite des älteren Tempelhofes. Aber grade im Osten hat das 
zweite Fundament die deutlichsten Plattenspuren. Hier also ergeben 
sich zwei Säulenreihen hinter einander, und wir dürfen annehmen, 
dass diese auch im Westen vorhanden oder beabsichtigt waren. Der 
auf den alten Ostportikus geöffneten Räume bedurfte man nicht 
mehr; statt ihrer verdoppelte man die Säulenhalle und übertrug 
dies Motiv auch auf die Westseite. 

Fertig war hier nichts. Keines dieser Fundamente hat oder 
hatte seine Regenrinne. Dass aber doch die Säulen mit ihrem 
Gebälk zum Teil schon standen, entnehmen wir aus den erhaltenen 
Teilen derselben, die zum Teil im Tempelhofe umherliegen, zum 
Teil, schon früher gefunden, in der Basilika aufgestellt sind. Es 
sind nämlich vorhanden: 



DER TEMPEL DBR VENUS POMPEIANA 



297 



1. Zwei Säulenbasen beistehenden 
Profils (1-2 in Fig. 6 vereinigt), hoch 
0,22 m. Der Plinthus misst 0,62 resp. 
0,63 m. im Quadrat; Durchmesser der 
oberen Fläche 0,52 m. Auf der Oberfläche 
der einen (in der Basilika) ist die Zahl 
VIII eingehauen. 

2. Ein zerbrochener aber vollstän- 
diger ionischer Säuleuschaft, hoch 3,57 m. ; 
Durchmesser der unteren Fläche 0,50, 
unterer Schaftdurchmesser 0,42, oberer 
0,40 m.; Durchmesser der oberen Fläche 
0,45 m. Die Canneluren sind bis 1,23 m. 
über der Basis ausgefüllt. Von einer zwei- 
ten, ganz gleichen Säule ist nur der untere 
Teil erhalten. 

3. Fünf korinthische Kapitelle 
(zwei auf dem Tribunal der Basilika), 
hoch 0,52 ; Durchmesser der unteren Flä- 
che reichlich 0,40 m. Auf ihnen zweifel- 
lose Spuren eines unten 0,42 m. breiten 
Epistyls. Auf einem (in der Basilika) 
ist oben die Zahl IIIIV eingehauen. Ab- 
bildung nach Photographie Not. d. sc. 
1899 S. 21. 

4. Zwei Pilasterbasen genau des- 
selben Profils und derselben Grösse wie 1. 

5. Zwei Säulenbasen einer kleine- 
ren Ordnung, beistehenden Profil (Fig. 7), 
beide in der Basilika, hoch 0,225 m. Seite 
des Plinthus 0,51, Durchmesser der obe- 
ren Fläche 0,42 m. 

6. Eine Halbsäulenbasis derselben 
Form und Grösse. 

7. Neun korinthische Kapitelle 
dieser kleineren Ordnung, hoch 0,41, un- 
terer Durchmesser 0,33 m. Auf einem 
deutliche Spuren des 0,33 m. breiten Epi- 



298 A. M\u 

styls; auf einem anderen ist der Platz für dasselbe vorbereitet, 
und zwar ist zweifellos kenntlich, dass hier ein Eckstück lag. 
Auf den übrigen scheint nichts gelegen zu haben. 

8. Drei Halbsäulenkapitelle derselben kleineren Ordnung. 

9. Fragmente eines Epistyls beistehenden Profils (Fig. 8), 
•hoch 0,37, breit unten 0,43 m., also offenbar zu den Kapitellen 3 
gehörig. Drei Fragmente passen an einander und bilden ein voll- 
ständiges, 2,23 m. langes Stück. Eisenklammern an den Enden be- 
weisen, dass es in opera war. Ein zweites Stück, lang 0,81, hat 
am einen Ende Anschlussfläche, am anderen und auch der Länge 
nach ist es gebrochen ; keine Klammern. Oben ist es glatt, ohne die 
in unserer Zeichnung angedeuteten Abhackungen des erstgenannten 
Stückes. Es scheint, dass dies etwas zu hoch geraten war ; durch das 



2o ;so 
Fig. 7. 



-tAU 




Fig. 8. 



tM. 



Abhacken erhielt sein Profil die Höhe des anderen. Die Klammern 
sind nach dem Abhacken eingesetzt. Wenn nun der mittlere Teil 
beträchtlich höher stehen geblieben ist, als das Profil, so lässt sich 
dies wohl nur durch die Annahme erklären, dass der Fries mit 
farbigem Marmor verkleidet und so die üngleichmässigkeit verdeckt 
war. An dem unvollständigen Stück war, wie es scheint, das oberste 
Glied anfangs etwas zu voll geraten und dann schlanker gemacht 
worden, dieser Teil ist rauh und unfertig. Auch im übrigen macht 
das Stück nicht recht den Eindruck, dass es ganz fertig wäre. 

10. Sieben vollständige Stücke und einige Fragmente eines 
Gesimses beistehenden Profils (Fig. 9). Die obere, untere und hintere 
Fläche sind bei einigen glatt gearbeitet, bei anderen rauh, wie wei- 
terhin im Einzelnen anzugeben. Die vollständigen Stücke sind alle 
mit Eisenklammern zur Befestigung an den anliegenden Blöcken ver- 
sehen; an einem ist die Klammer nur an einem Ende vorhanden, 



DER TEMPEL DER VENUS POMPEIANA 



299 



am anderen durch eine dünne Rille angedeutet. Sie waren also in 
opera. Wie dies möglieb war bei denen die unten raub sind — 
und zwar tritt die raube Fläcbe vor — weiss icb nicbt zu erklä- 
ren. Alle, soweit die Oberfläcbe siebtbar ist, baben in derselben 
ein 0,075 langes, 0,018 breites, 0,06 tiefes Loeb, glatt gearbeitet, 
im Sinne der Länge sieb nacb Innen etwas erweiternd. Ein ebeu- 
solcbes Locb findet sieb in einem Stück des unteren Gesimses vom 
Innenpoi-tikus des Gebäudes derEumacbia (Mittb. VII, 1892, S. 122). 
Von den Fragmenten gebort eines — es liegt nabe der Nord- 
westecke des Tempels — zweifellos einer einspringenden Ecke an; 




iUUUliJ 



HH — I — I — I — I — I — I — i — I — h- i/ 

» /p -f" po ■** ^o bo n fif ßo /.oo M! 
Fig. 9. 



die Anscblussfläcbe bildet mit der auf 0,80 erhaltenen Bückseite 
einen Winkel von 45 Grad. Es bandelt sieb also um einen Por- 
tikus, nicbt um einen Tempel. 

Es wird gut sein, die Gesimsstücke bier einzeln aufzuzählen ; 
a-g sind vollständige Stüche, h-k Fragmente. 
a. b. c. Lang 1,24. 1,61. 1,727; oben und unten glatt, hinten 

raub ; Klammern ; Locb in der Oberfläcbe. 

d. 1,14; wie a,h,c\ doch ist die Klammer nur an einem Ende 

vorhanden, am anderen durch eine dünne Rille angedeutet. Das 
Loch nicht sichtbar, weil das Stück auf der Oberfläcbe liegt. 

e. 1,59; oben raub, unten und hinten glatt; Klammern; Loch. 

f. g. 1,29; oben, unten und hinten raub; Klammern; das Loch 

an dem einen nicbt sichtbar, wie bei d. 
h. 0,88, links vollständig mit Klammer, rechts gebrochen; unten 

glatt, oben und hinten rauh. 
i. Die schon oben besprochene einspringende Ecke; oben raub, 

unten und hinten glatt; Klammer. 



300 A. MAU 

k (liegt nahe der Südwestecke der Basilika). Hinten 0,40, rechts 
Anschlussfläche, links gebrochen. Es scheint, dass man ange- 
fangen hatte, diese Bruchfläche, die mit der Rückseite einen 
Winkel von 45 Grad bildet, als Anschlussfläche für eine ein- 
springende Ecke zu bearbeiten. Doch war man hiermit nicht 
fertig geworden : die mittleren, rauhen Teile stehen weiter vor 
als der bearbeitete Rand. 

Alle diese Werkstücke sehen so neu und frisch aus, als kämen 
sie eben aus der Werkstatt, ja zum Teil machen sie, namentlich 
die Gesimsstücke und Kapitelle, den Eindruck, als seien sie nicht 
ganz fertig und als hätte man noch in opera die letzte Hand an- 
legen wollen. 

Wenn nun hier auch, wie schon gesagt, einiges unklar bleibt, 
soviel ist doch sicher, dass wir hier die Elemente eines zweistöcki- 
gen Portikus ziemlich vollständig beisammen haben: die Säulen 
und ihre Distanz (2,23), Epistyl und Gesims, Basis und Kapitell 
einer oberen Säulenstellung. Es fehlen der Schaft und das Gebälk 
dieser letzteren und der Fries des unteren Gebälkes. 

Dem unteren Gebälk entsprach kein Zwischenboden. Dass in den 
erhaltenen Gebälkstücken keine Balkenlöcher vorhanden sind, ist 
nicht entscheidend ; sie konnten in den nicht erhaltenen Friesblöcken 
sein. Aber in der bis 4,70 erhaltenen Nordmauer müssten die Spuren 
sichtbar sein. Auch ist absolut nicht ersichtlich, wo eine Treppe 
zu dem oberen Umgang hätte sein sollen; und es hätten ihrer bei 
dem grossen Umfang doch mehrere sein müssen. Es war also wohl 
auch hier das offenbar in der ersten Kaiserzeit sehr beliebte Motiv 
des zweistöckigen Portikus ohne Zwischenboden zur Anwendung 
gekommen, wie in und vor dem Gebäude der Eumachia, vor dem 
Macellum, und vermutlich auch vor den übrigen Gebäuden auf der 
Ostseite des Forums. 

Der Portikus war im Osten und Westen von doppelter Tiefe, 
mit zwei Säulenreihen hinter einander, im Norden einfach, und so 
vermutlich auch im Süden, wo für die doppelte Breite das Terrain 
wohl nicht reichte. Die Wände waren der unteren Säulenstellung 
entsprechend durch Pilaster, der oberen entsprechend durch Halb- 
säulen gegliedert und zwischen diesen ohne Zweifel mit Marmor 
bekleidet. Wie weit freilich dies alles gediehen war, wissen wir 



DER TEMPBL DER VENUS POMPEIANA 



301 



nicht; fertig war es noch lange nicht; auf der Ostseite fehlte noch 
die ganze vordere Säulenstelliing. 

Der nördliche Stylobat ist 57 m. lang bis an die zweiten Sty- 
lobate des Ost- und Westportikus. Welche Lösung man für das 
Zusammentreffen mit den vorderen Säulenreihen derselben gefunden 
hatte, ist uns unbekannt. Aber bei einer Distanz von 2,23 mussten 
hier 26 Säulen oder ähnliche Glieder stehen. Ebenso viele natür- 
lich gegenüber auf der Südseite. Im Osten ist das zweite Funda- 
ment auf 53 m. erhalten; es liegt nahe, zu vermuten, dass auch 
hier die Länge 57 m. war, so dass der offene Platz mit den Vor- 
derhallen der Ost- und Westseite ein Quadrat bildete. Dann standen 



,VA'.(^lCi)Ll^^X^'X)Ji^'xlVail'iDJj)XJj^^ 




hier, ohne die Ecksäulen, je zweimal 24, also im Ganzen im Osten 
und Westen 96, im ganzen Portikus 148 Säulen. Standen nun über 
allen diesen auch noch obere Säulen — der Grundriss bietet keinen 
Anhalt, die Zweistöckigkeit etwa auf eine Seite zu beschränken — 
so waren ihrer im Ganzen 296. Rechnen wir dazu die Pilaster — 
deren Reihe nicht ununterbrochen sein konnte, wegen der grossen 
Nische in der Ostwand — und die Halbsäulen der oberen Ordnung, 
so sehen wir hier einen Prachtbau entstehen, dem sich nichts in 
Pompeji auch nur annähernd an die Seite stellen kann. 

Erhalten sind noch zwei Stücke eines 0,23 m. hohen Incrusta- 
tionsepistyls beistehenden Profils (Fig. 10). Die auch sculpirte 
Schmalseite beider Stücke — an dem einen rechts, an dem anderen 
links erhalten — zeigt, dass es 0,16 vor die Wand vorsprang. Das 
Ornament der Unterseite soll wohl Lorbeerblätter und Beeren dar- 
stellen. An dem einen Stück ist das Centrum desselben erhalten : es 



302 A. MAU 

war 1,32, das ganze Epistyl 1,90 m. lang, lag also auf Kapitellen, die 
oben ohne den vorspringenden Teil nicht über 0,29 breit waren. 
Das starke Vortreten des Epistyls lässt eher auf Halbsäulen als auf 
Pilaster schliessen; der Schaftdurchmesser konnte nicht viel über 
0,20 sein. Es kann sich hier wohl nur um die Einfassung einer 
Nische in der Portikuswand handeln. 

In der Nähe der Südostecke des Tempels liegt eine vollstän- 
dige, 2,15 m. hohe Säule aus Africano; der Durchmesser der un- 
teren Fläche ist 1,0, der der oberen 0,95, Bei solchen Verhältnissen 
konnte sie keinem Gebäude angehören, sondern war ohne Zweifel be- 
stimmt, im Tempelhofe stehend eine Statue oder ein Anathem zu 
tragen, wie dergleichen so häufig auf Wandgemälden erscheint. 
Vielleicht sollte diese Säule auf eine Basis gestellt werden, die 
unvollendet, in Form eines umgekehrten Würfelkapitells, in der 
Nähe der Nordwestecke der Basilika liegt. Das untere Quadrat der 
Basis misst 1,50, der Durchmesser des oberen kurzen Cylinders 
ist 1,05. Eine ganz ähnliche, auch unfertige Basis, in der Nähe 
der Säule, hat einen oberen Durchmesser von 1,42, ist also für die 
Säule zu gross, es sei denn, dass noch ein Zwischenglied eingescho- 
ben werden sollte {Not. d. sc. 1898 S. 171; 1900 S. 29 f.). 

6. Geschichte der ganzen Anlage. 

Wir haben einen älteren und einen jüngeren, zur Zeit der 
Verschüttung unvollendeten Tempelbau constatirt. Wenn wir nun 
auch einen älteren und einen jüngeren, nie fertig gewordenen 
Portikusbau finden, so scheint sich zunächst die Annahme auf- 
zudrängen, es seien dies die Portiken eben jener beiden Tempel. 
Aber bei auch nur etwas genauerer Betrachtung zeigt sich sofort, 
dass dies unmöglich ist. 

Der unvollendete Neubau der Portiken kann unmöglich mit 
dem letzten Neubau des Tempels, mit der Vergrösserung des 
Unterbaues durch die ringsum gelegten Lavaquadern zusammen 
gehören. Es wäre widersinnig gewesen, den Portikusbau zu beginnen, 
während man noch am Unterbau des Tempels arbeitete, so dass 
man gezwungen gewesen wäre, das Material für den Tempelbau 
— in diesem Falle die grossen Lavablöcke — durch die Marmor- 
portiken zu transportiren, wobei die Säulen und die Platten, auf 



DER TEMPEL DER VENUS POMPRIANA 303 

denen sie standen, notwendig beschädigt werden mussten. Selbst- 
verständlich baut man erst den Tempel und geht erst nach Vollen- 
dung desselben an die Portiken. 

Dazu kommt noch ein thatsächlicher Beweis. Der von der 
Bearbeitung der Quadern herrührende Lavaschutt bedeckt, wie 
schon oben (S. 291) gesagt, den grössten Teil des Tempelhofes 
und unterschiedslos auch das jüngere Stylobatfundament der Nord- 
seite, wo er auf der einst den Platten als Unterlage dienenden 
und ihre Spuren tragenden Mörtelschicht liegt. Ebenda, auf eben 
dieser Mörtelschicht, liegen zwei der noch unbearbeiteten Lava- 
blöcke. Es ist zweifellos, dass alles dies — Material und Abfälle 
des letzten Tempelbaues — hierhergekommen ist, nachdem die 
einst hier liegenden Platten wieder entfernt worden waren. So 
war also vor Beginn des letzten Tempelbaues der schon früher 
begonnene, aber nicht vollendete Portikenbau sistirt und rückgängig 
gemacht, das schon liegende und stehende Material entfernt worden. 

Also eine von der letzten Erneuerung des Tempels unabhän- 
gige, ihr vorhergehende, durch sie unterbrochene Erneuerung der 
Portiken. Und da die letzte Erneuerung des Tempels doch sicher 
durch das Erdbeben des Jahres 63 veranlasst ist, so fällt der 
Portikusbau vor dieses Jahr. Nun ist es aber doch beinahe selbst- 
verständlich, dass der Erneuerung der Portiken eine Erneuerung 
des Tempels vorherging. Dieser müssen wir die oben (S. 280) 
besprochenen Marmorfragmente zuschreiben ; es handelte sich sicher 
um die Ersetzung eines älteren Tuff baues durch einen Marmorbau. 
Eben dahin führt eine andere Betrachtung. 

Der älteste Marmorbau Pompeji's ist der Tempel der For- 
tuna Augusta, um 3 v. Chr. Marmorbauten aus republikanischer 
Zeit sind nicht vorhanden. Noch das vornehme Grab der Istacidier, 
aus der Zeit des dritten Stiles, hat Säulen und Gebälk aus Tuff, 
dem wohlbekannten Material der Bauten vorrömischer Zeit und 
der ersten Zeit der Colonie. Die früheste Erwähnung des lunen- 
sischen Marmors (Plin. XXXVI 48) ist aus der Zeit um 48 v. Chr. 
Es ist nach alle dem höchst unwahrscheinlich, dass der aus eben 
diesem Material erbaute Tempel über die Kaiserzeit hinauf reichen 
sollte. Nun aber ist es nicht wohl möglich, den älteren Säulenhof 
für so jung zu halten ; und er kann, wie man auch über die Datirung 
des Tempelbaues denken mag, nicht wohl mit einem Marmortempel 



304 A. MAU 

zusammen entstanden sein. Er ist älter und ist zweifellos um 
einen älteren Tempel aus bescheidenerem Material, aus Tuff, 
gebaut worden. 

Zunächst kommt hier in Betracht die ausserordentlich starke 
Abnutzung der Rinne, namentlich auf der Ostseite. Hier sind 
gegen das Südende des Erhaltenen die Ränder der Rinne ganz 
abgetreten, so dass diese, um noch zu fungiren, hat vertieft werden 
müssen, was in sehr roher und formloser Weise geschehen ist. 
Diese Abnutzung erstreckt sich auf die Ostseite und die ersten 
drei Steine der Nordseite. Der Rest der Nordseite und die AVestseite 
sind besser erhalten ; man könnte yerrauten, dass hier einmal 
eine Erneuerung stattgefunden habe. 

Ferner passt die Basis aus Incertum und Ziegel mit Stuckbeklei- 
dung (S. 291) absolut nicht zu einem Marmortempel. Als man diesen 
baute, hatte man Marmor genug zur Hand, um auch die Basis 
damit zu bekleiden. Auch die Reiterbasis aus Travertin war sicher 
nicht von Anfang an bestimmt, mit Marmor bekleidet zu werden ; 
dafür waren massive Travertinblöcke doch ein zu kostbares Ma- 
terial. Es war ursprünglich eine einfache Travertinbasis, die wieder 
nicht zu einem Tempel passt, für den solche Marmormassen zur 
Verfügung standen. Und für diesen passt auch nicht der Haupt- 
altar aus Travertin. Aus Travertin war auch eine kleine Basis, 
von der ein Eckstück in der Nähe des Altars liegt. In der Nord- 
ostecke war an der Rinne etwas aus Incertum aufgemauert und 
mit rotem Stuck bekleidet; der Rest ist zu gering, um die Zeit 
zu bestimmen, aber zu einem Marmortempel passt auch dies 
nicht. Auch der Fiissboden des Hofes macht einen recht alter- 
tümlichen Eindruck. Und überhaupt ist an Ort und Stelle der 
Eindruck höheren Alters aller dieser Reste ein so entschiedener, 
dass sich ihm schwer jemand entziehen wird. 

Andererseits aber tragen diese Reste doch nicht den wohlbe- 
kannten Charakter der « Tuffperiode ", der vorrömischen Zeit. Für 
diese würden wir elegantere, sorgfältigere Arbeit erwarten, und die 
Rinne müsste flacher, weniger tief ausgehöhlt sein. So werden 
wir mit Wahrscheinlichkeit für den älteren Tempel- und Portikus- 
bau auf die frühere Zeit der römischen Colonie geführt. 

Bedenken erregen könnten die auch auf diesem älteren Sty- 
lobat sichtbaren Spuren der einst die Säulen tragenden Platten. 



DER TEMPEL DER VENUS POMPEIANA. 305 

Wie schon bemerkt, mussten sie auch auf ihrer Unterseite wenn 
nicht glatt so doch einigermassen eben bearbeitet sein; man hat 
leicht den Eindruck, es seien Marmorplatten gewesen. Hier muss 
nun bemerkt werden, dass ein eigentlicher Abdruck der unteren 
Plattenfläche nicht vorhanden ist; dafür ist die Mörtelschicht 
nicht intact genug. Täuschend wirken die sehr deutlichen Spuren 
der Platten fugen. Man denkt leicht, dass sie auf der etwas ver- 
schiedenen Stärke der einzelnen Platten beruhen, in welchem 
Falle sie ja ein ziemlich genaues Bild der Unterseite derselben 
geben würden. Dies ist aber nicht der Fall; sondern es sind 
Anputzfugen. Man legte die Mörtelunterlage immer nur für eine 
Platte. Lag diese, so entfernte man die seitwärts vortretenden 
Mörtelteile und legte erst wenn die nächste Platte bereit war, 
auch für diese die Unterlage. So kommt es, dass auch bei starker 
Verwitterung der Mörtelschicht doch diese Fugen deutlich bleiben, 
während der Abdruck der einst aufliegenden Fläche verloren geht. 
Also aus dem Abdruck direct das Material zu erschliessen, sind 
wir nicht in der Lage. Dass man aber auch einmal einen tTuff- 
stylobat aus unten einigermaassen glatt gearbeiteten, auf eine 
Mörtelschicht gelegten Platten hergestellt habe, ist eine Annahme, 
die auf keine ernste Schwierigkeit stösst. Bei der grossen Zahl der 
Platten lag es nahe, sie durch Sägen herzustellen; dann ergab 
sich die glatte Fläche auch unten von selbst. 

Wir können mit Wahrscheinlichkeit feststellen, dass der 
Marmorbau der Kaiserzeit auf dem Unterbau des alten Tufftempels 
errichtet wurde. Es wurde schon oben (S. 279) bemerkt, dass die 
jetzt den Raum der Cella einschliessende niedrige Mauer hinten 
auf dem Platze der alten Cellarückmauer steht, von der nur, wie 
auch vom Unterbau, der hinterste Teil abgehackt ist. Es ist nun 
deutlich sichtbar, dass diese alte Rückmauer auf einer Reihe etwa 
0,10 hoher, quaderartiger Tuffsteine steht, und wir dürfen annehmen, 
dass auf einer gleichen Unterlage auch die Seitenwände standen. 
Diese hat aber an einem Marmorbau keinen Sinn; sie ist offenbar 
der Rest eines am oberen Rande des Unterbaues vorspringenden 
Tuffgesimses, das natürlich auch einen Tufftempel voraussetzt. 
Beim Bau des Marmortempels wird man die vorspringenden Teile 
abgeschlagen und durch ein Marmorgesims ersetzt haben. 

In dem das Innere des Unterbaues füllenden Schutt haben 



806 A. MAU 

sich, wie schon oben (S. 273) gesagt, keine chronologisch be- 
stimmbaren Manufacte gefunden. Das Incertum der älteren Teile 
(3 oben S. 274) ist aber entschieden nicht das fast ausschliesslich 
aus Lava bestehende der vorrömischen Zeit (Basilika, Jupitertem- 
pel, grosses Theater u. A.). Auch der Mörtel pflegt dort schwarz 
punktirt zu sein durch die Beimischung zerstossener Lava. Hier 
haben wir ein hellfarbiges Mauerwerk aus gemischtem Material, 
vorwiegend Kalkstein und grauem Tuff. Leider fehlt ja das Cha- 
rakteristischeste, die Oberfläche ; dennoch dürfen wir zuversicht- 
lich sagen, dass der Charakter ein jüngerer ist als der der Tuff- 
periode. In Verbindung mit dem vorhin beobachteten werden wir 
demnach auch hier auf die erste Zeit der römischen Colonie ge- 
führt. 

Damals also wurde hier, auf der dem Meer zugewandten 
Ecke des Stadthügels, an dem steilen Abhang, unter Zerstörung 
älterer Häuser und mit teilweiser Benutzung ihrer unteren Teile, 
durch Stützmauern und Aufschüttung eine annähernd quadratische 
ebene Fläche in der Höhe des Forums hergestellt und auf ihr 
ein Tufftempel gebaut, umgeben von Säulenhallen des gleichen 
Materials. In der Kaiserzeit — näher können wir die Zeit nicht 
bestimmen — wurde der Tufftempel durch einen Marmortempel 
ersetzt, der Tempelhof beträchtlich erweitert und um ihn der Bau 
marmorner Säulenhallen begonnen. Letzterer war noch lange nicht 
beendigt, als im Jahr 63 n. Chr. das Erdbeben Tempel und 
Säulenhallen umwarf. Nach Entfernung der Trümmer und der 
stehengebliebenen Beste, einschliesslich der Platten, auf denen 
die Säulen der Portiken standen, ging man zunächst an den 
vergrössernden Neubau des Tempels, war aber im Jahr 79 noch 
nicht mit dem Unterbau fertig geworden. 

7. Die Gottheit des Tempels. 

Es kann kaum ein Zweifel aufkommen, dass wir hier den 
Tempel der Venus Pompeiana vor uns haben. Dass die Stadtgöttin 
des römischen Pompeji einen bedeutenden Tempel und zwar in 
der Nähe des Forums haben musste, ist doch selbstverständlich, 
und auch ohne alle sonstigen Indicien müssten wir ihn in dem 



DER TEMPEL DER VENUS POMPEIANA 307 

einzigen hier noch iinbenannten Tempel vermuten. Dazu kommt, 
dass dieser allem Anschein nach aus der früheren Zeit der Colonie 
stammt, aus der Zeit, in der der Tempel der neuen Stadtgöttin 
gegründet sein musste. In der Cella fand man zwei Fragmente 
einer marmornen Venusstatuette und eine kleine Basis (im Grund- 
riss angedeutet), auf der sie wahrscheinlich gestanden hatte {Not. d. 
sc. 1898, S. 333). Sie zeigte nicht den wohlbekannten Typus der 
Pompeiana, sondern den der ins Bad steigenden, das Gewand auf ein 
Gefäss niederlegenden Göttin. Nun ist es natürlich nicht ausge- 
schlossen, dass eine Venusstatuette auch in dem Tempel einer an- 
deren Gottheit als Anathem aufgestellt war, auch nicht, dass diese 
Statuette gar nicht hierher gehörte; aber als Judicium im Verein 
mit anderen Indicien können wir diesen Fund doch gelten las- 
sen. Ferner wurde in dem nach Süden abwärts führenden unter- 
irdischen Gange (oben S. 291) ein kleines bronzenes Steuerru- 
der gefunden {Not. d. sc. 1899 S. 294). Da das Steuerruder zu 
den Attributen der Venus Pompeiana gehört, so dürfen wir auch 
hier ein ihr dargebrachtes Anathem erkennen. Ein in der Nähe des 
Tempels gefundener grünlich glasirter weiblicher Thonkopf mit 
einer Binde im Haar {Not. d. sc. 1898, S. 194) kann wohl allen- 
falls auch ein Aphroditekopf sein, darf aber doch nicht mit Be- 
stimmtheit als solcher in Anspruch genommen werden. 

Wenn der Tempel nicht, wie man vielleicht für das Heiligtum 
der Stadtgöttin erwarten könnte, unmittelbar am Forum liegt, 
so wird dies Bedenken reichlich aufgewogen durch eine andere 
Erwägung. 

Er ist ja bekannt genug, dass man die Tempel der Aphrodite 
mit Vorliebe am Meer anlegte, auf Höhen, die auf das Meer 
hinausblickten. Es genügt, an den Tempel von Ancona, auf der 
Höhe von S. Ciriaco zu erinnern. Und so ist auch diese dem 
Meer zugewandte, die schmale Küstenebene hoch überragende 
Ecke des Stadthügels ein ganz besonders geeigneter Platz für einen 
Venustempel. Nicht zu leugnen ist, dass die üeberzeugungskraft 
dieses Argumentes einige Einbusse erleidet durch die den Tempel 
auch nach der Meerseite umgebenden hohen Portiken. Stände es 
nicht so vollkommen fest, dass hier früher TVohnhäuser standen, 
so könnte man auf die Vermutung kommen, dass auch schon der 
erste Bau der römischen Colonisten an die Stelle eines älteren, 



308 A. MAU. DER TEMPEL DER VENUS POMPKIANA 

frei liegenden und vom Meere aus sichtbaren Aphroditetempels 
getreten sei. Doch das ist gänzlich ausgeschlossen. Für sicher 
dürfen wir aber halten, dass das in dem kleinen erhaltenen Stück 
der Westmauer kenntliche Fenster (S. 294) nicht das einzige 
war, dass vielmehr durch eine Keihe von Fenstern, vielleicht auch 
in der Südmauer, der Blick aus dem Portikus auf das Meer geöf- 
fnet war. 

A. Mau. 



DIE DIOSKÜREN AUF MONTE CAVALLO 
UND JÜTÜRNA. 



Michaelis hat am Schluss seines gelehrten Aufsatzes über 
Monte Cavallo in diesen Mittheiliingen 1898 S. 24 ff. eine Darle- 
gung von mir über die ursprüngliche Aufstellung der ' Giganten ' 
in Aussicht gestellt. Dies Versprechen jetzt zu erfüllen veranlasst 
mich die gegenwärtige Ausbesserung der Colosse, indem das zu 
diesem Zwecke aufgeführte Gerüst es ermöglichte, beide Gruppen 
überall von unten bis oben aus nächster Nähe zu besichtigen und 
einiges überhaupt erst, vieles aber genauer und besser zu sehen, 
als es auch bei oft wiederholter Besichtigung mit dem Fernglas 
möglich gewesen war. Für bereitwilligst gewährten Zutritt spreche 
ich dem Director des Ufificio regionale, cav. de Angelis gern den 
schuldigen Dank aus ; ebenso dem mit der Kestauration betrauten 
Bildhauer, cav. Cencetti für die Antheilnahme an meiner Untersu- 
chung und für Mittheilung einer Beobachtung, die seit langem 
kein andrer zu machen in der Lage gewesen ist. 

I. DIE VERSCHIEDENEN MEINUNGEN. 

Andre haben vor mir ähnliche Gelegenlieit zur Prüfung der 
Statuen gehabt (') ; aber aus solchen Beobachtungen sind stark 
auseinandergehende Ansichten von der ursprünglichen Aufstellung 
und Anordnung des Ganzen entsprungen, und man kann wohl sagen, 

(') Vgl. die sehr fleissige Zusammenstellung der Litteratur, der Stiche 
zu der Geschichte und Beschreibung der Statuen selbst in Matz-Duhns An- 
tiken Bildwerken in Rom I S. 260 ff. 

21 



310 E. PETERSEN 

dass alle Möglichkeiten erschöpft sind: Canova, 1802(0, wollte 
beide Jünglinge und Rosse wie ein Hochrelief vor eine grade Wand- 
fläche gestellt wissen, und zwar die Dioskuren einander zugekehrt. 
Pogelberg, 1842 (2), verlangte gleichfalls einen wandartigen Hinter- 
grund für die Figiu-en ; aber nicht eine grade, sondern zwei in rechtem 
Winkel gebrochene Mauern, die Ecken eines grossartigen Por- 
tales, sollten jede mit einer der beiden Gruppen umkleidet gewe- 
sen sein : die Rosse sollten im Inneren gestanden haben, die Diosku- 
ren draussen, auseinandergehend die Rosse gleichsam um die Ecken 
herum hinter sich her herausziehend. Ebenfalls an Ecken, aber 
äusseren, etwa eines Grabgebäudes, glaubten Ungenannte in Cano- 
vas Tagen {^) die Gruppen dereinst angebracht, und zwar die Rosse an 
den Seiten, die Dioskuren, aufeinanderzu eilend an der Front, zu 
beiden Seiten des Eingangs. Was blieb da noch übrig als die Rosse 
zu tauschen, wie es Martin Wagner im J. 1824 (^ als nothwendig 
hinstellte ? Doch noch eine Vorstellung, die keinem der Neueren ge- 
kommen zu sein scheint, findet sich iü den Mirabilia Romae{^)'. 
den Statuen der beiden Jünglinge Fidias und Praxiteles, als zum 
Dank und Gedächtniss ihrer Weisheit errichtet, wird über die Rosse 
Folgendes offenbart: veniet rex potentissimus qui ascendet super 
equos. Kein Zeifel, dass hier die Rosse als einen Wagen ziehend 
gedacht werden, von den Jünglingen geführt, wie man auf Sarko- 
phagen, z. B. des Endymion (Robert, Sarkophage III n. 53 ff.), oft 
ein Gespann von einem männlichen oder weiblichen Wesen geführt 
sieht. Nicht so durch die Zweizahl der Führer als vielmehr durch 
die alsbald zu besprechenden besonderen Merkmale der Figuren 
wird dieser Gedanke ausgeschlossen, so dass eine specielle Wider- 
legung nicht erforderlich sein wird. 

Es gilt also weder eine neue Ansicht aufzustellen noch ganz 
neue Beweise beizubringen, sondern nur eine kritische Revision 
der vorgebrachten Meinungen. Damit nun aber diese Darlegung 

(') Das von v. Duhn citierte Originalschriftchen habe ich nicht erlan- 
gen können, sondern nur die Uebersetzung im Almanach aus Rom II 1811 
S. 247, aber ohne die Abbildungen. 

(«) In den Annali d. Inst. 1842 S. 194 mit den Tafeln EST. 

(3) Erwähnt im Almanach aus Rom 1811 S. 253. 

(4) Im Kunstblatt 1824 S. 390. 

(5J In Jordans Topogr. II S. 619 f. 



DIE DIOSKUREN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA 311 

aus sich selbst verständlich sei, wird es erlaubt sein, auch früher 
gemachte Beobachtungen zu wiederholen, soweit sie zur Sache 
gehörig und durch eigene Nachprüfung bestätigt worden sind (•). 

Von den angeführten Aufstellungen hat diejenige Fogelbergs 
jedenfalls die Ueberlieferung für sich. Denn, abgesehen davon dass 
um das J. 1800 unter Pius VI und VIT, des einzuschiebenden 
Obelisken wegen, beide Gruppen vorn auseinandergerückt worden 
sind, haben beide sowohl an sich als auch zu einander, soweit un- 
sere litterarische und bildliche ueberlieferung reicht, immer we- 
sentlich so gestanden wie Fogelberg will ; nur freilich ohne die die 
Winkel ausfüllenden Mauern : die Rosse parallel, die Jünglinge im 
rechten Winkel zu ihnen, ungefähr in gleicher Linie mit der Brust 
der Pferde. 

So wurden sie von D, Fontana gewiss eben deswegen aufge- 
stellt, weil sie vordem so gestanden hatten, nur an etwas ande- 
rem Platze und anders gerichtet. Denn vor 1589 standen die Colosse 
etwas weiter nach Süden ; und gerichtet waren sie früher nach Süd- 
osten (2), während die Mittelaxe beider Gruppen gegenwärtig ein 



(*) Die Hauptsachen waren schon von Canova richtig bemerkt; genauer 
im Einzelnen war dann Fogelbergs Untersuchung. 

(2) Den früheren Platz kennen wir genauer nur durch Bufalinis grossen 
Plan ; die Orientierung der Gruppen annähernd auch durch die Ansichtspläne. 
Jener stellt die Basis zwischen die Ruinen der Constantinsthermen und die wel- 
che jetzt noch von Lanciani dem Aurelianischen Sonnentempel zugeschrieben 
werden. Bufalini gab aber nicht das Recht, die Basis grade in die Axe jenes 
Tempels zu stellen, wie Lanciani gethan hat, vermutlich um die Dioskuren 
zu seinem Sonnengott in Beziehung zu setzen. Vielmehr haben die Zwillinge 
dadurch eine Richtung erhalten, die weder mit Bufalini noch mit den An- 
sichtsplänen in Uebereinstimmung ist. Bei Bufalini würden die Dioskuren, 
wenn die Inschriften vertauscht gewesen wären, was sie aber nicht waren 
(s. Anm. 3, 312) nach NWesten geblickt haben, andernfalls nach Südosten; 
und damit wird man auch die alten Ansichtspläne soweit in Einklang finden, 
als man verlangen kann. Die älteren nämlich, nach Hülsen's Liste im Bullet- 
tino comun. 1892 S. 38, 1 gezählt, n. 8, 12, 13, 14 geben das Stadtbild von 
Monte Mario aus gesehen, mit dem Vatikanischen Quartier unten rechts, den 
Strom von unten links nach oben rechts durch das Bild gehend. Auf diesen 
stehn die Colosse rechtshin gewandt. Lief nun die Langaxe des Postaments, wie 
auf Lancianis Forma urbis, von Nord nach Süd (statt nach SWest), dann konnten 
diese Ansichten den Gedanken begünstigen, dass die Dioskuren vor 1589 gegen 
West nicht gegen Ost geschaut hätten, also bei Bufalini das opus Praxitelis 



3t2 E. PETERSEN 

wenig nördlich von der Axe der Quirinal- und Ventisettembrestrasse 
fällt, d. h. nordöstlich. Wurden doch die getrennten Basen beider 
beibehalten, schon aus dem Grunde, damit die guten Seiten der 
Kosse sichtbar blieben. Weggelassen wurde natürlich der Einbau, der 
sich im Mittelalter zwischen beiden eingenistet hatte ('). Immer so 
wie heute standen die Rosse zwischen den Jünglingen, und deshalb 
links (7. Besch.) der welcher die Linke hebt, rechts der welcher 
sein Ross mit der Rechten führt, und immer war jener an der Basis 
als Opus Fidiae, dieser als Opus Praxitelis bezeichnet. Wir danken 
es Michaelis, dass er diesen Thatbestand über jeden Zweifel erhoben 
hat; aber eigentlich hätte es der Heemskerckschen Zeichnung und 
der Wiedergabe des Salamancaschen Stiches nicht bedürfen sollen, 
um die Behauptung, dass bei der Neuaufstellung durch Fontana 
die Inschriften vertauscht worden seien, in ihrer vollkommenen Bo- 
denlosigkeit zu erkennen (2). 



links V. Besch. gestanden, und da dies der heut und immer links stehende 
sein musste, eine Vertauschung der Inschriften stattgefunden hätte. Aber 
Lancianis Eichtung der Basis ist eben willkürlich, wahrscheinlich seiner These 
vom Sonnentempel zuliebe gemacht; und nun kommen ja auch die jüngeren 
Ansichtspläne noch in Betracht. In diesen, in der oben angeführten Liste 
Hülsens n. 15, 16 und 18 sind nämlich Peterskirche und Vatikan von unten 
rechts nach oben rechts geschoben, und der Standpunkt des Beschauers ist 
im NOsten der Stadt. Also hat man das Stadtbild eine Vierteldrehung um 
sein Centrum machen lassen ; der Tiber fliesst aber nun quer von rechts nach 
links durch das Bild, und die Dioskuren haben ebenfalls mehr als eine Viertel- 
drehung gemacht. Statt nämlich wie früher nach rechts, kehren sie sich jetzt 
nach links, ein Beweis, dass die Zeichner die Orientierung dieser Gruppe 
etwas nach ihrer Bequemlichkeit und leichteren Darstellung eingerichtet haben. 
Gemeinsam den älteren wie den jüngeren Ansichtsplänen ist aber, dass die 
Dioskuren im grossen Ganzen der Stromrichtung gleich und parallel gerichtet 
sind. Diese Hauptsache muss man fest im Auge behalten, um nicht durch Ein- 
zelnes beirrt zu werden, und um zu erkennen, dass die Stadtpläne kein abwei- 
chendes Resultat ergeben. 

(1) Michaelis, a. a. 0. S. 260 und die Ansichten Fig. 2. 3 Taf. VIII. 

(") Von Duhn stellte S. 263 die Vertauschung gleich als Thatsache hin. 
Ganz angenommen haben dies z. B. Wolters, Gipsabgüsse 1270 f., Löwy, 
Künstlerinschriften S. 323 ff.; Furtwängler, M.W. S. 128, 1 wollte nun den 
Stil des Pheidias in dem nur irrthümlich diesem zugeschriebenen, in Wirklich- 
keit als ojOMS Praxitelis bezeichneten aufweisen und vice versa. Eine Ver- 
tauschung der Inschriften hat allerdings stattgefunden aber nur in den Stichen, 
indem diese, einer dem anderen direkt nachgestochen, abwechselnd richtig 



DIE DIOSKUREN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA 313 

II. DIE BEWEISE FÜR ANSCHLUSS HINTEN. 

Giebt es nun freilich kein schriftliches oder bildliches Zeugniss 
dafür, dass in noch früherer Zeit unsere Gruppen anders angeordnet 
gewesen sind, so verrathen doch sie selbst, dass jenes nicht die ur- 
sprüngliche Aufstellung gewesen ist. Die Erhaltung der Colosse, ganz 
besonders der Jünglinge ist ja eine so durchaus ungewöhnliche, dass 
man sich nicht verwundern darf solches Zeugniss von ihnen zu ver- 
nehmen, und wahrscheinlich ist es ausser der Colossalität auch hier 
wie bei der Trajanssäule, im Unterschiede von der des Marcus, der 
harte griechische Inselmarmor, welchem diese phänomenale Erhaltung 
verdankt wird (•). Beide Jünglinge, die je aus einem Block gemeisselt 



oder verkehrt im Druck herauskamen ; nur bei den Inschriften war man stets 
bedacht, und zu sehr gewohnt sie verkehrt zu stechen, weil die verkehrte 
Schrift jedem störend gewesen sein würde, während Verkehrung der Figu- 
ren nur archaeologischer Genauigkeit auifällig und störend sein konnte. Bei 
solchem Sachverhalt konnten natürlich nur die ältesten Stiche maassgebend 
sein. Richtig stellte v. Duhn auch unter 1 Lafreri und Salanianca voran, die 
einander zu widersprechen schienen, weil v. D. über Salamanca, wie wir jetzt 
von Michaelis erfahren, eine falsche Angabe macht, ob durch Matz' Notizen 
irregeführt, darf man zweifeln. Bei Lafreris Stich, den v. D. selber vor Augen 
hatte, liegt aber die Sache völlig klar. Er hat (Salamanca nachstechend) die 
Gruppen richtig auf der Platte, also im Druck verkehrt; und jeder Gruppe ist 
die Inschrift beigesetzt die ihr noch heut eignet; diese im Drack richtig, also 
auf der Platte verkehrt. Um nun dem Salamanca, der wie man meinte, die- 
selbe Ansicht wie Lafreri aber mit vertauschten Inschriften gäbe, und den 
späteren, in jener ungenauen Weise arbeitenden Stechern oder Xylographen 
gegen den noch heut vorliegenden Thatbestand und Lafreri Recht zu geben, 
wird diesem S. 263 mit der Erklärung :' was sich wohl durch nachträgliche 
u. s. w. eine Confusion untergeschoben, die im Grunde nur v. Duhn selber 
gemacht hat. 

(') Ergänzt, weil beschädigt, ist Folgendes (! bedeutet wesentliche 
Abweichung von M-D., C bedeutet dass die Ergänzung in den Rechnungen 
aufgeführt ist, welche im BuUettino comunale 1896 S. 186 (Cerasoli) abgedruckt 
sind): Am 1. Dioskur von der r. Hand ein Glied jedes Fingers, zwei des klei- 
nen und Spitze des Daumens, von der linken zwei Glieder des kl. Fingers; ferner 
ein Flicken, 22 X 27 cm. gross im Hinterkopf, das Geschlecht; am 1. Pferd 
die Brust mit beiden Vorderbeinen (C), rückwärts bis zur Hälfte des Pfeilers, 
die ebenfalls 0,45 nach unten, mit dem Pferdetheil eins, modern ist (die Brust 
müsste erheblich höher sein, und infolgedes der Kopf höher und weiter zurück 
liegen); ferner die ganze Mähne mit einem Streifen längs des ganzen Halses (C); 



314 E. PETERSEN 

sind und von den Rossen, an denen nur je der Kopf mit dem Hals 
aus einem besonderen Stück gearbeitet war, das rechte stehen un- 
gebrochen auf ihren Fussplatten. Ja, die Jünglinge haben auch 
Köpfe und Arme ungebrochen, ausser dass dem rechten der nackte 
Unterarm, nicht die Hand, mit dem nächsten Theile des Gewan- 
des im J. 1589 ergänzt worden ist. Durch die nicht viel weni- 
ger als zweitausendjährige Wirkung des niederrinnenden Wassers 
ist allerdings die Oberfläche meistens um 1-2 mm. oder mehr 
geschwunden, abgebrochen aber sind nur unbedeutende Theile und 
ergänzt worden noch weniger. Die Pferde haben mehr eingebüsst, 
namentlich das linke; und doch hat eben diesem im J. 1589 sogar 
der grösste Theile des ursprünglichen Schweifes wiederangefügt 
werden können; und das andre hat sogar das rechte Vorderbein 
ungebrochen erhalten. Die Statuen haben also zweifellos immer 
aufrecht gestanden (^); und wenn sie den Platz wechselten, ist mau 
dabei mit grosser Vorsicht verfahren. 



auch noch ein Stück unter der antiken Fuge, sammt einem Theil des unteren 
Schopfes; oben mit dem Halsstreifen auch das r. Ohr und ein Theil des Stirn- 
schopfes; vom 1. Ohr nur die Spitze; die Hinterfüsse mit kleinerem Theil 
des r., grösserem des 1. Unterbeines und der ganzen Plinthe von da an nach 
vorn sammt dem Pfeiler bis 1 10 hoch: — dies in den Eechnungen nicht 
erwähnt — , der alte Schweif! laut C riattacata, nur etwas mehr als das untere 
Drittel ergänzt; so auch das Glied. Am r. Dioskur der 1. Unterarm !, daran 
die alte Hand, die man in einem Hause eingemauert gefunden, angefügt, 
daran ein par Fingerglieder vielleicht nur abgebrochen und wieder angefügt 
sind, das Glied, der grosse 1. Zeh; von der Basis nicht die Hälfte (!) sondern 
nur ein hinten gerundetes Stück das zwischen r. Fuss und Panzer vorn heran- 
geschoben ist; am r. Pferd: 1. Brust und 1. Vorderbein (C), r. Ohr, 1. Ohrspitze, 
ein Stück des Halses unten mit dem inneren Theil der Haarschopfcs (C) der 
Schweif, die Hoden. — Die Ergänzungen waren ausgeführt von Flam. Vacca 
und zwei anderen Bildhauern, deren Arbeit geschätzt wurde auf scudi 2250: 
so C und Fea Mise. II S. 3 f.; bei beiden steht, dass diese Summe ermässigt 
wurde, aber nur bei C dass auf 2100 sc, die am 3 März 1590 bezahlt wären; 
dagegen bei Fea: am 12 Jan. mit 1800 sc. Die Differenz, erklärt sich wohl, 
aber nicht ganz und reinlich, aus den a conto gezahlten sc. 400 (nach Cor- 
visieri,bei M-D. S. 264 angeführt, Archivio 1879, (nicht 1878). Denn die Diffe- 
renz ist ja nur 300 sc. und zudem hat Fea ohne diese dieselbe Gesaramtsumme 
sc. 6114 wie C mit ihnen. 

(') V. Duhn folgert aus 'den starken Zerstörungen ' das Gegentheil. — 
Die Aufmauerung unter dem 1. Pferde, welche die Stiche zeigen, sollte offen- 
bar einem Umfall vorbeugen. 



DIE DIOSKUREN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA 315 

Von den Ergänzungen dieser zufälligen Beschädigungen 
unterscheiden sich andere solcher fehlenden Theile, die auch jetzt 
noch mit völliger Sicherheit als nicht durch Zufall fehlend, erkannt 
werden, vor allem daran, dass immer dieselben Theile an den ent- 
sprechenden Seiten oder Gliedern beider Jünglinge und Pferde fehlen, 
und zwar wie flächenhaft abgeschnitten. Solchergestalt fehlen an 
den Jünglingen die Kückseite des Gewandes und des Panzers, der 
Ellbogen des nach hinten bewegten gesenkten Armes ; an den Rossen 
ein bedeutender Teil längs der ganzen einen Flanke, derjenigen 
von welcher der Kopf des Thieres sich wegkehrt, und die also die 
schlechte Seite genannt werden soll. Während alle andern Be- 
schädigungen an beiden Rossen sehr ungleich sind, ist hier wiede- 
rum wenigstens in der Hauptsache Uebereinstiramung : beim linken 
Pferde war der fohlende Theil längs der schlechten Seite grösser, 
aber bei beiden begann er hinter der Schulter, ungefähr senk- 
recht über der Vorderkante des stützenden Pfeilers, und erstreckte 
sich nach hinten durch, hier beim linken etwa 0,25 tief gehend, 
beim andern weniger. Dem entsprechend war beim 1. Pferd auch 
der äussere Teil des r. Hinterbeins abgeschnitten, während das 
entsprechende Hinterbein des andern Pferdes hinten nur eine un- 
ausgeführte rohe Aussenseite zeigt. Die Profile des Pfeilers, so 
Kopf wie Puss, sind bei dem einen wie bei dem andern an dieser 
Seite modern ergänzt; also wahrscheinlich fehlten auch sie ur- 
sprünglich. 

Obgleich nun diese Abflächungen bei keiner der vier Figuren 
heut, so weit zu sehen, alle genau in einer Ebene liegen, so ist 
doch die üebereinstimmung im Grossen und Ganzen derartig (^), 
dass sie keine andere Auslegung zulassen, als dass die Jünglinge 



(') Beim 1. Dioskur schienen mir Panzerabschnitt und hintere Mantel- 
fläche in einer Ebene zu liegen; nicht in derselben der Ellbogenschnitt; am 
Ross der Schnitt durch den Glutaeus und das r. Hinterbein ; am r. Dioskur 
schien Ellbogenschnitt und Abflächung des Gewandes am Arm in gleicher 
Ebene zu liegen, nicht so der übrige Mantel mit seiner Dnppelfiäche und der 
Panzerschnitt ; am Ross der Anfang des Glutaeuschnitts in die Hauptlinie der 
hinteren Plinthenkante und ihrer senkrechten Fläche zu fallen. Man bedenke, 
dass die durch Jahrhunderte offenliegenden Flächen nicht unverändert bleiben 
konnten und, sofern sie Anstückung erhalten sollten, neu zugeschnitten werden 
mussten. 



316 E. PETERSEN 

mit ihrer Rückseite, die Rosse mit ihrer ' schlechten ' an einer Wand- 
fläche zu stehen, also gleichwie Hochreliefs zu wirken bestimmt 
gewesen sind. Grade bei den Jünglingen, wo diese Flächen z. T. 
nie von modernen Ergänzungen verdeckt worden sind, vielmehr 
noch in ihrem ursprünglichen Zustand offen vor Augen liegen, ist 
die absichtliche Abflächung ebenso gewiss, wie dass vor die tiefere, 
d. h. der Vorderseite nähere Fläche ebenso absichtlich ein Stück 
mit höherer Fläche vortritt, das also nothwendig in die Wandfläche 
eingriff. 

Man wird aber die Frage aufwerfen, ob nicht die Abflächung 
eine nachträglich vorgenommene Aenderung sein könne, die eine 
spätere Zeit mit diesem Werke vorgenommen, um Rundfiguren zu 
Reliefs zu machen. Aber diese Frage ist mit aller Sicherheit zu 
verneinen. Denn nicht genug, dass alle vier Figuren ganz und 
gar auf reliefartige Wirkung angelegt und berechnet sind, was im 
Einzelnen noch deutlicher hervortreten wird: auch das ist augen- 
scheinlich, dass nicht alle flächenhaften Partien der Hinterseiten 
erst durch Abhacken entstanden sind ; vielmehr zeigt ein Teil davon 
eine gar nicht ausgeführte, rohe Aussenseite. Bisher hat man sogar, 
wie es scheint, fast nur an dies gedacht. 

Nun ist es aber bei dem Gewand des 1. Jünglings völlig deut- 
lich, dass schon ausgeführte Faltenmassen nachträglich weggeschla- 
gen sind ; und wer die Ellbogenschnitte ansieht, und dass nur ein 
gar winziges Stück bei dem linken Dioskuren fehlte, und ein 
nicht viel grösseres bei dem rechten, der muss es viel wahr- 
scheinlicher finden, dass man von dem völlig ausgeführten Ellbo- 
gen nachträglich so viel wegschnitt, wie erforderlich war, als dass 
man nach ziemlich unsicherer Berechnung die Ausarbeitung so ge- 
ringer Theile gespart haben sollte. Bei den durch moderne Ergän- 
zung zugedeckten Panzern und den Pferdekörpern kann man natür- 
lich nicht mehr erkennen, ob hier weggeschnitten oder von An- 
fang an weggelassen wurde; aber an den Pferdehinterbeinen 
ist es doch aus dem was schon angegeben wurde, noch einiger- 
maassen ersichtlich, dass bei dem einen Ross das eine, bei dem an- 
dern das andre Verfahren angewendet worden ist. Und dieses zweite 
Verfahren, das Weglassen, fand ich auch an dem Gewand des r. 
Jünglings, dessen Rückseite theilweise ganz das Aussehn eines rohen 
Marmorblocks hat. 



DIE DIOSKUREN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA 317 

Noch stärkere Beweiskraft haben die von Fogelberg ange- 
merkten Reste von einer Art von Reliefgrimdfläche an den Skulptu- 
ren selbst, nämlich stellenweise zwischen den Beinen der Jünglinge 
und ihrem Gewand. Diese Flächen, die vorn an der sichtbaren Seite 
nicht wohl ganz, aber doch beinahe mit der vorausgesetzten Wand- 
fläche hinter den Figuren zusammenfallen konnten, beweisen, dass 
der Künstler schon bei Ausarbeitung seiner Figuren an einen Re- 
liefgrund hinter ihnen gedacht hat. Dasselbe ist auch da nicht ganz 
verdunkelt, wo, wie z. B. zwischen dem Panzer und dem zurück- 
stehenden r. Unterbein des r. Jünglings, diese Grundfläche bis auf 
eine leistenartige Stütze, welche von der Wade schräg hinab nach 
der Fussplatte läuft ('), weggearbeitet ist, doch so dass der einstige 
Anschluss beiderseits, am Panzer und Bein, noch ganz deutlich 
ist. Namentlich am Bein entlang ist die Abarbeitung ziemlich roh 
ausgeführt worden, und die Ferse hinten sogar platt, und an den 
Seiten so unausgeführt, dass sie kaum anders als in die Wand ein- 
geschlossen gedacht werden kann. 

Noch ein andrer so gut wie sicherer Beweis eines Wandan- 
schlusses und reliefartiger Aufstellung liegt in den zwei grossen 
Schulterflicken, die jeder der beiden Jünglinge an gleicher Stelle 
und ungefähr in gleicher Grösse hat, und die wiederum, eben der 
Gleichartigkeit wegen, nicht auf zufällige Beschädigung zurückge- 
führt werden können. Einleuchtend sind sie vielmehr so erklärt, 
dass an diesen Stellen einst starke Eisenhaken eingriffen, mit denen 
die Statuen, zur Sicherung gegen üeberkippen nach vorn, möglichst 
hoch rückwärts verankert waren; dass dann, als man die Statuen 
von der Wand entfernte, die Eisen mit ihrem Bleiverguss herausge- 
brochen, und die so vergrösserten Löcher mit Marmorflicken ausge- 
füllt worden sind. 

Was so durch Vermuthung erschlossen worden war, ist fast 
Thatsache geworden durch eine Mittheilung des cav. Cencetti: 
dass man nämlich um den einen Flicken herum eine dreifache, 
wie von einem Centrum ausgehende Spaltung wahrgenommen habe, 
wie sie von im Marmor eingeschlossenen Eisen verursacht zu werden 

(1) Nicht am 1. Bein, noch von oberhalb der Ferse ansteigend, wie v. 
Duhn S. 269, wohl durch verkehrten Stich beirrt, angiebt. 



318 K. PETERSEN 

pflege. In dem Gedanken, dass ein Eisen mögliclierweise noch darin 
stecken könne, habe man den Flicken entfernt aber das Eisen nicht 
mehr gefunden. 

III. AüSCHLUSS AN THOR (FOGELBERG) ODER WAND (CANOVA)? 

"Wenn nun also Jünglinge und Kosse von Anfang an relief- 
artig vor Tvandartiger Fläche gestanden haben, dann scheint der 
einzig natürliche und nächstliegende Schluss der zu sein, dass weil 
Mann und Ross zusammengehören, und weil auch wieder beide 
Dioskuren zusammengehören, alle vier Figuren vor einer Wand- 
fläche gestanden haben, so wie Canova wollte. Aber Fogelberg, 
der, selber gleich jenem Bildhauer, Canovas Ausführung gekannt 
hat, hat sie verworfen, und ihm, nicht Canova sind die Neueren ge- 
folgt. Hören wir seine Gründe, zunächst die gegen Canova vorge- 
brachten ('). 

Fogelberg behauptet, dass wenn Mann und Ross an dieselbe 
Wand gestellt würden, die Vorderhufe des Rosses nicht, wie Ca- 
nova wolle, gegen das Bein des Mannes, sondern dahinter, d. h. 
näher dem Hintergrund fallen würden, und dass man, um jenes 
zu ermöglichen, die Basen der Pferde um etwa vier Palm vor- 
schieben müsse. Es ist schwer zu begreifen, wie F. so grade das 
Gegentheil hat behaupten können von dem was ist, und auch aus 
seinen eigenen Maassen ( Tav. S.) und Ansichten ( Tav. T.) erhellt. 
Die Fussplatte des r. Rosses, das allein genügend erhalten ist, um 
daran den Beweis zu führen (2), ist am r. Ende um c. 25 cm. breiter 
als diejenige des Mannes an dem ihr nächsten, linken Ende. Ueber 
die Vorderkante seiner Fussplatte fällt nun aber die Innenseite 
des nie gebrochenen r. Hufs noch c. 30 cm. hinaus. Dieser Huf 
stände also reichlich m. 1.30 von der vorausgesetzten Wand ab. 
Der vordere ümriss des r. Beines des Dioskuren dagegen entfernte 
sich in der Höhe des Hufs nur etwa 95 cm. von der Wand, so dass 

(1) S. 200: giacchS se le zampe dei destrieri debbono sovraporsi alla 
coscia deWuomo, allora i necessario portare innanzi la base del cavallo 
circa 4 palmi, e cosl non forma piü quella sola linea da lui ideata. 

(*) Bei dem andern scheint es aber im Wesentlichen ebenso gewesen 
zu sein. 



DIE DIOSKUREN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA '619 

zwischen ihm und dem Huf noch ein Zwischenraum von gegen 40 cm. 
war. Der linke Huf des Pferdes würde also, bei Canovas Aufstellung, 
in seiner jetzigen, dem Restaurator verdankten Gestalt ungefähr auf 
das Mannesbein treffen und daher nicht gestatten ßoss und Mann 
erheblich näher zusammen zu rücken als in unserer Photographie 
auf S. 328 geschehen ist('). 

Es würde aber nicht schwer sein, grade nach dem Vorbild von 
Rossen des Parthenonsfrieses, dem linken, jedenfalls viel stärker 
gehobenen Vorderbein eine andere Haltung zu geben, höher gehoben 
und den Huf mehr zurückschlagend, also nicht so parallel dem er- 
haltenen Bein ; und damit würde eine erhebliche Verminderung des 
Abstandes von Mann und Ross ermöglicht sein. 

Nicht besser steht es mit dem andern Einwand : dass nämlich 
die Hand des Jünglings den Zügel nicht neben dem Maul, wie 
üblich, sondern vor demselben fassen würde. Hiermit wird der Ca- 
novaschen Anordnung ein Vorwurf gemacht, der viel schwerer die 
Fogelbergsche triift und schon lange vorher gegen die herkömmliche 
Aufstellung geltend gemacht worden war. Darauf ist alsbald zu- 



(1) In derselben ist die von Folgelberg S. 196 richtig bemerkte fehler- 
hafte Aufstellung des Jünglings soweit wenigstens corrigiert., das die nach 
links geneigte Oberfläche der Fussplatte ins richtige Niveau gebracht ist, 
wodurch natürlich die Hand gegenüber dem Pferdekopf merklich gehoben 
ist. Die falsche Neigung rückwärts konnte dagegen nicht beseitigt werden; sie 
fällt aber auch kaum ins Auge. Fast an allen Abflächungen, soweit ihre Senk- 
rechte zugänglich, ist ein starkes Einwärtshängen — bis zu 1 : 10 — wahr- 
zunehmen, sowohl dei den Pferden wie bei den Männern. Also sind, da die 
Wand, an welcher die Colosse standen, doch natürlich senkrecht war, die Sta- 
tuen oben vorgeneigt gewesen, wie es bei allen thönernen Giebel figuren Ita- 
liens beobachtet wird. Als man sie später frei aufstellte, hat man diese Vor- 
neigung um so viel, als die Flächen hinten jetzt einwärts hängen, vermindert; 
aber wegen der wenig tiefen Basen hat man die Jünglinge doch durch starke 
Eisen rückwärts zu verankern nöthig gefunden, die bei Umstellungen natürlich 
ausgebrochen und wieder eingefügt werden mussten. Höher als es jetzt sitzt, 
ist beim r. Dioskur ein Krampenloch verschmiert. In der S. 314 unten citierten 
Kechnung bei Fea figurieren sc. 78 per spranghe di ferro. Vielleicht haben 
auch die Löcher an den Vorderseiten der Plinthen ähnliche Bestimmung gehabt^ 
Dass sie modern sind darf man daraus schliessen, dass auch am modernen 
Plinthentheil des 1. Pferdes sich ein solches findet. Für die Löcher in dem 
rechten Panzer (5 und 8 cm. im Durchra., 12 und 15 tief) finde ich keine Erklä- 
rung; sie sind rund gebohrt. 



320 E. PETERSEN 

rückzukommen. Die sonstigen Gegengründe, wie dass das Pferd dem 
Mann zu sehr auf den Leib rücke, oder dass die Composition lascie- 
rebbe dei vani molto grandi sind zu wenig positiver Art. 

Sind denn nun etwa die Gründe für die eigene Aufstellung 
besser als die gegen die fremde vorgebrachten ? Von den auf S. 201 
aufgezählten sieben Gründen empfehlen fünf nur die reliefartige 
Aufstellung vor wandartiger Fläche überhaupt, also nicht das was 
Fogelbergs Ansicht von der Canovasehen unterscheidet, sondern was 
jener mit dieser gemein ist. 

So bleiben zwei Argumente ('): erstens die Symmetrie der 
Linien und Massen der beiden Gruppen, — aber in dieser Hinsicht 
würde m. E. die Canovasche Anordnung sogar den Vorzug ver- 
dienen; zweitens, wenn ich recht verstehe, die gleiche Höhe der 
je zwei Figuren, weil man vom Pferde je nur die Vorderansicht 
sah. Inwiefern das ein Vortheil wäre werden wir bald sehen. 

Vielleicht empfiehlt nun aber Fogelbergs Aufstellung sich sel- 
ber besser, als es ihr Urheber zu thun vermocht hat? Doch, was 
für ein thürloses Gebäude, dürfen wir wohl fragen, soll denn das 
gewesen sein, aus dessen Thor die Dioskuren ihre Rosse wie aus 
einem Stall herauszögen? Lanciani (s. S. 311,2) würde vielleicht 
antworten : dass sie aus dem Tempel des Sonnengottes dessen, nicht 
die eigenen Rosse herauszögen. Wollte man sich aber auch sonst eine 
so seltsame Vorstellung gefallen lassen, so müsste man doch das 
mindestens verlangen, dass die Dioskuren dann nicht in entgegen- 
gesetzter Richtung auseinandergingen, und weiter: welcher Tempel, 
ja welches Gebäude überhaupt könnte ein Thor haben, nicht blos weit 
genug, um etwa 3 Meter des Eingangs für die Rosse und ihre Basen 
abgeben zu können, sondern ausserdem aller architektonischen Glie- 
derung und Einrahmung so baar, dass um die Eingangsecken herum 
je Mann und Ross so sich hätten verbinden können ? Und wo, frage 
ich ferner, soll man denn die Gruppen gesehen haben ? Da wo man 
die Rosse am besten sah, nämlich innerhalb des Eingangs, da sah 
man doch von ihnen je nur eines, von beiden Dioskuren aber keinen ; 



(1) 1. la concezione di loro linee e masse, che mosLrano una simmetria 
rilevante ; 2, nella loro composizione dimora un sostenuto piano lineale con 
poco sporgimento in confronto della loro altezza. 



DIE DIOSKUREN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA 321 

und da wiederum wo man die Dioskuren einzig und allein sehen 
konnte, da hätte man die Rosse nur sehr ungenügend gese- 
hen (1). 

Worauf beruht es denn, dass nicht etwa jedes bäumende Pferd, 
aber diese hier, von vorn gesehen, einen so überaus ungeschickten 
und ungünstigen Eindruck machen ? Es liegt eben daran, dass, 
wie Canova richtig sah, das Ross von dieser Seite gar nicht gesehen 
sein will (2) dass es sich vielmehr alle mögliche Mühe giebt, sich 
in Seitenansicht zu praesentieren. Es dreht nämlich sein ganzes 
Vordertheil nach seiner guten, d. i. rechten Seite heraus, und nur 
dadurch war es möglich, dass der Flächenschnitt seiner linken oder 
inneren Seite nicht weiter ging als bis zur Schulter (3). Ausserdem 
aber schiebt sich auch die linke Seite der Brust vor, grade so wie 
in der Regel eine Relieflfigur die am Grunde liegenden Theile vor- 
schiebt, um die Hauptansicht möglichst vollständig zu gestalten. 
Aus demselben Grunde hebt sich auch die linke Seite ('*), um das 
1. Bein über dem rechten sichtbar werden zu lassen, eine Absicht 
die allerdings durch den Ergänzer (s. S. 318 f.) grossentheils 
wieder zunichte gemacht ist. Für die Vorderansicht hat das alles 
nicht etwa nur keine Bedeutung, sondern es wirkt da durchaus 
störend. 

(') Nicht unerwähnt bleiben darf, dass bei Fogelbergs Aufstellung die 
Vorderbeine des Rosses alle beide, oder bei andrer Ergänzung (s. S. 319) 
wenigstens das vorgestreckte nicht weniger als 70 cm. über die Plinthe, 
also etwa 50 cm. über das Bein des Dioskuren vorgeragt haben würde, ein son- 
derbarer Anblick für jeden der von der Seite her dem Eingang genaht wäre. 

(*) Ein unbewusster Zeuge hierfür ist der Photograph Anderson (n. 2395 
der r., 2394 der 1. Dioskur), indem derselbe es gar nicht der Mühe werth 
gehalten hat, in die Hauptansicht des Mannes die Vorderansicht des Pferdes 
ganz mithineinzubringen, vielmehr von dem 1. Pferde etwa zwei Drittel, vom 
andern das r. Vorderbein und ein Theil des Maules abgeschnitten werden. 
Trotzdem sieht man das was im Text bemerkt wird auch auf diesen Ansichten 
genügend. Als Hauptansicht der Eosse hat derselbe ausgezeichnete Photo- 
graph die seitliche (n. 2395 f.) aufgenommen. 

(5) Das rechte Pferd steht schon gleich mit den Hinterbeinen diagonal 
auf seiner Fussplatte : die Axe des r. hinteren Unterbeins liegt vorn am Hnf 
nur 12 cm., hinten dagegen 35 cm. von der Fussplattenkante ab. 

(*) Man sehe nur die schräge, rechts hinaufsteigende Linie, welche den 
Körper des Pferdes von demjenigen des Pfeilers abgrenzt. 



822 E. PETERSEN 

Durch jenes Herausdrehen des Vordertheiles wird in der Vor- 
deransicht des rechten Bosses nur die linke, nicht die rechte Seite 
des Pferdehalses und der Mähne sichtbar, ebenso auch vom Kopfe 
nur die linke Seite ; diese aber sieht man vorn viel weniger gut 
als die rechte in der Seitenansicht, aus dem Grunde weil das 
Thier auch den Kopf noch merklich nach seiner rechten Seite 
hinüberneigt. Zu noch positiverem Beweis dafür, dass das Pferd von 
der Seite her gesehen werden wollte, sind Hals und Kopf an ihrer 
rechten, in jene Ansicht fallenden Seite besser als an der andern 
ausgeführt, wie man trotz der Verwitterng z. B. an den Falten 
um das Maul oder oben am Hals genügend sieht. Und auch wer 
das nicht zu sehen vermöchte, müsste doch wenigstens die Aus- 
führung der Mähne als nur auf die Seitonansicht berechnet an- 
erkennen: denn, kurzgeschoren, endet diese nur unten, am Widerrist 
und oben zwischen den Ohren mit einem Büschel längeren Haares. 
Nun fällt aber nicht blos dieser letztere Büschel infolge jener 
Kopfbewegung auf die äussere, die rechte Seite, sondern ebenso auch 
der untere Schopf; und die geschorene Mähne ist ebenfalls nur auf 
der rechten Seite durch wechselnd längere und kürzere Einschnitte 
abgetheilt und als borstiges Haar charakterisiert. 

Zum Ueberfliiss noch eine treffende Bemerkung Canovas über 
die Stellung der Pfeiler unter den Rosseleibern, die Folgelberg 
(S. 200) unbilligerweise beiseiteschiebt. Der Pfeiler nämlich ist, 
nicht zum Vortheil der Stabilität, also wohl aus aesthetisch-künst- 
lerischen Gründen soweit irgend möglich an die innere, schlechte 
Seite des Thieres gerückt, soweit dass, wie bereits gesagt wurde, 
das Kopf- und Fussprofll nicht mehr Platz fand vor der Fläche ('). 
Daher hat, wer das Pferd von vorn her sieht, ein peinliches Gefühl 
von Schiefheit und gestörtem Gleichgewicht, ohne dass doch der 
Pfeiler an diesem Platze dem Blicke mehr verborgen wäre als wenn 
er weiter zur Seite, richtig unter der Mitte stände. Anders in 
der Seitenansicht! Denn hier entzieht der Pfeiler sich wirklich 
dem Blick dadm-ch dass er soweit wie möglich nach hinten ge- 
stellt ist. 



Q) Dies ist nicht etwa blos bei dem r. Pferd (M.-D.) der Fall, sondern 
war ebenso bei dem linken. 



DIE DIOSKUREN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA 323 

IV. SIND DIE ROSSE ZU VERTAUSCHEN? 

Die vorbemerkte starke Seitendrehung des Pferdes mit seinem 
Vordertheil hat nun aber, in der herkömmlichen und auch in der 
Fogelbergschen Aufstellung, eben den weiteren Uebelstand zm* 
Folge, dass der Kopf des Thieres sich von der Hand seines Herrn 
entfernt, mehr noch als die Photographie sehen lässt (^). Dagegen 
haben Pferdekenner zu verschiedenen Zeiten Einsprache erhoben (2), 
als gegen Natur und Wahrheit verstossend. Mit vollem Recht; 
denn die Gewalt des Gebisses über das Maul des Pferdes ist so 
gross, dass dieses, widerstrebend, wohl den Hals, ja selbst den 
ganzen Körper dem Führer entziehen und von ihm abwenden kann, 
dass das Maul aber stets der Hand des Führers zugekehrt bleibt. 

Deshalb eben machte M. Wagner den oben S. 310 schon er- 
wähnten Vorschlag, die Rosse ihren Platz tauschen zu lassen, und 
dieser Vorschlag scheint eine starke Stütze zu finden an einigen 
Wagner nicht bekannten Sarkophagreliefs. 

Zunächst eine Sarkophagplatte (beistehend abgebildet) von 
der via Appia, jetzt im Thermenmuseum {^). Denn hier sehen wir 
in zwei seitlichen Intercolumnien die Dioskuren zu Fuss ihre Rosse 
am Zügel nach sich ziehend, der Mitte zu. In fast gleicher Hal- 

(1) Deshalb eben machte M. Wagner den oben erwähnten Vorschlag, die 
Rosse ihren Platz tauschen zu lassen. 

(2) Vor etwa einem Jahre kam ein solcher, mir diese Bemerkung zu 
machen. Er wusste nicht dass Wagner sie vor langen Jahren schon gemacht 
hatte, und Wagner erwähnt wohl dass P. Vivenzio schon vor ihm dasselbe 
ausgesprochen habe, nicht aber dass bereits in Aldrovandis Zeiten man sich 
über das Verhalten der Eosse Gedanken machte; Statue di Roma, S. 310 f, 

Vogliono alcuni che stiano male collocati (gedruckt ist collocate) presso le 
Statue di quellt due giovanl, che son lor presso : percM nel modo che si 
oeggono hora posti pare che della mano e del braccio di coloro si spaven- 
tano; il che dicono, che non sogliono i feroci cavalli fare. 

(3) L. Mariani e D. Vaglieri, Guida del Museo Naz. Rom. neue Terme 
Diocl.^ S. 89 n, 18. Schon Furtwängler verglich die Dioskuren desselben 
mit den quirinalischen und rauss das Reliefbild ähnlich verstanden haben. 
Dass die letzteren je an einer Wand aber in stumpfem Winkel gestanden, ist 
von dem hier gewonnenen Ergebniss nicht so sehr verschieden aber nicht 
annehmbar. Von ähnlichen Sarkophagen scheinen die Fragmente Matz-Duhn, 
2708-2710 herzurühren. S. am Schluss. 



324 



E. PETERSEN 



tung und Bewegung trugen sie in den inneren gesenkten Hän- 
den die Lanzen (die wegen der hohlen Hände auch bei den quirina- 
lischen vorauszusetzen sind), führten mit den gehobenen äusseren 
die Rosse und wandten nach diesen die Köpfe um. Die Rosse 
aber sprengen, vorn hoch sich hebend gleich den quirinalischen, in 
scheinbar entgegengesetzter Richtung nach aussen und wenden doch 
die Köpfe nach den Herren um. Abgesehen also davon, dass die 
Hand des Dioskuren, unter dem Pferdekopf durch, den Zügel an der 




Fig. 1. 

abliegenden Seite des Maules fasst, scheint die Stellung von Mann 
und Ross genau so wie Wagner sie haben möchte; und dass die 
Rosse durch langes stark bewegtes Mähnenhaar, die Zwillinge durch 
Kappe, Chlamys und Schwert von den quirinalischen abweichen fällt 
dieser üebereinstimmung gegenüber nicht stark ins Gewicht. 

Andre Rosseführer in ähnlicher Haltung auf Reliefs sind Myr- 
midonen auf Achilleussarkophagen, Amazonen an solchen der Pen- 
thesileia(^); und bemerkenswerth ist dass diese Rosseführer wie- 
derum an den Enden ihren Platz haben, die Amazonen gleich den 



(1) Achilleussarkophage bei Robert, die ant. Sark. II n. 25 f., vgl. S. 41, 
wo Robert die Aehnlichkeit mit den Colossen von M. Cavallo hervorhebt; 
Penthesileiasarkophage ebda n. 92, 95 ff., 102, und einem andern Dioskuren- 
typus entsprechend 106. 



DIE DIOSKUREN AUF MONTE CA.VALLO UND JUTURNA 325 

Dioskiiren nach innen, die Griechen nach aussen gekehrt, die einen 
wie die andern ebenfalls in scheinbar den Pferden entgegenge- 
setzter Bewegung. Die Verwandtschaft mit den quirinalischen wird 
noch durch einen kleinen eigenthümlichen Zug bestätigt, indem 
die Myrmidonen, auch der 1. Dioskur des Thermensarkophags, den 
Zügel horizontal, nicht vertical in der Hand halten, ebenso wie er 
nach der horizontal durchgehenden Höhlung in der erhobenen Hand 
der quirinalischen gewesen sein muss ('). 

Die Composition dieser Rosseführer ist also sicherlich mit jener 
der ' Giganti ' verwandt. Da aber bei diesen, wie sogleich zu zeigen 
sein wird, die Wagnersche Aufstellung unmöglich ist, fragt es sich, 
ob jene Reliefbilder der Sarkophage wirklich so aufzufassen sind, 
als 'risse ' der Dioskur sein Pferd ' herum '. Ist das in Wirklich- 
keit bei solcher Energie der Bewegung beider Theile denkbar? (2) 
Gar bei solcher Handhaltung, wie die Dioskuren des Sarkophags 
zeigen ? Dies und die mehrmals schlaif hängenden Zügel der Myrmi- 
donen lassen yielmehr denken dass die Rosse gar nicht gezwungen, 
widerwillig den Männern folgen. Also dürfte die Bewegungslinie 
beider wieder nur durch Flächen- und Raumzwang aus einander- 
gehend sein statt hinter einanderhergehend. Bei den Amazonen 
ist das in der That weniger verdunkelt (3). Wirklich stehn ja der 
einzelne Dioskur und sein Ross auf dem Thermensarkophag ganz 
ähnlich zu einander wie beide Zwillinge mit Rossen auf der Ta- 
losvase und den unten verglichenen Denaren, und was über das 
scheinbare Auseinandergehen dieser zu sagen war, gilt im Grunde 
auch von jenen. Gehen diese verschiedenen Darstellungen von Rosse 
führenden Männern und Amazonen also auf gleiche Vorbilder zu- 
rück, so wird man vermuthen dürfen, dass dies eine wirklich ma- 

(*) Bei diesen fällt noch die Hebung des (doch auch eingebogenen) zwei- 
ten und fünften Fingers auf, als ob der durchgehende Zügel einen Zug nach 
oben gehabt hätte. Daher die wunderliche Auslegung der Mirabilia. Jordan, 
Top. n, 620 altis bracchiis et replicatis digitis nuntiant ea quae futura erant. 

(2) Etwas ganz Verschiedenes ist, wenn ein Mann in ähnlicher Stellung 
sein fortstrebendes Eoss hält, z. B. am Parthenon Michaelis, Parthenon West- 
fries n. 27. Noch ähnlicher den hier besprochenen Typen der Mann vom 
Xanthischen Fries, Mon. ined. d. Inst. X. Taf. XIV 40, aber auch dieser nicht 
schreitend sondern stehend. . 

(•'') Vgl. auch die ihre Rosse hintersichher ziehenden Dioskuren in den 
Eckintercolumnien eines Pisaner Sarkophags bei Lasinio, scult. ant. d. c. s. Gl. 

22 



326 E. PETERSEN 

lerische nicht zeichnerische Darstellung war, in welcher die Diosku- 
ren, oder wer sonst, die Rosse aus der Tiefe nach vom zogen. Bei 
dem Versuch dies plastisch auf die Fläche zu bringen, ergaben 
sich jene verschiedenen Lösungen, mit auseinander oder gegeneinan- 
der sich kehrender Bewegung, wo nicht gar beide Richtungen vereint 
wurden — dies den Ursprung aus malerischer Vorlage am deut- 
lichsten verrathend. 

Danach wäre nun zu beweisen was schon behauptet wurde, 
dass die quirinalischen Colosse nie so gestanden haben können wie 
Wagner wollte, und durch die Sarkophagreliefs auf den ersten Blick 
bestätigt zu werden schien. 

Es ist oben ausgeführt worden, dass Ross und Mann je eine 
gute und eine schlechte Seite haben. Bei der gegenwärtigen Ver- 
bindung von Mann und Ross nun liegen beide schlechte Seiten 
innen, beide guten aussen: bei jeder beliebigen Aufstellung von 
Mann und Ross, vom spitzen bis zum gestreckten Winkel, werden 
also immer beide guten sich dem Beschauer darbieten können. Ver- 
tauscht man dagegen die Rosse, so wird sowohl innen wie aussen 
je eine gute und eine schlechte Seite liegen. Jede Ansicht also, 
von der Aufstellung in gestreckten bis zum rechten, ja bis zum 
spitzen Winkel, würde stets eine gute und eine schlechte Seite 
zusammen darbieten. Erst wenn man den Mann ganz herum drehte, 
so dass seine schlechte, d. h. seine Rückseite gegen die gute Seite 
des Pferdes lehnte, würde man in einer und derselben Ansicht zu- 
gleich beide guten Seiten haben. Und so ungefähr wollte Wagner (^) 
die Figuren gestellt wissen. Aber auch dies ist aus mehr als einem 
Grunde positiv unmöglich. Erstens nämlich wird jeder, der etwa 
mit ausgeschnittenen Photographien den Versuch macht, sogleich 
gewahren, dass durch Gewand und Panzer soviel von dem Pferde 
verdeckt wird, dass kein Künstler je solche Composition verbro- 
chen haben könnte. Viel positiver ist aber zweitens, dass bei 
solcher Aufstellung allerdings die abgeflachte Rückseite des Pferdes 
ihren Zweck erfüllen würde^ indem sie an eine Wand lehnen könnte ; 

(') S. 390: Daher müssen, meiner Meinung nach, diese Pferde, wenn sie 
mit ihren Führern der Vernunft und Kunst gemäss verbunden werden sollen, 
mit denselben einen spitzen Winkel bilden. Des Pferdes Kopf müsste sich 
gegen die Hand des Führers neigen, und der Führer in die hohle oder 
eingebogene Seite des Pferdes zu stehen kommen. 



DIE DIOSKUREN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA 327 

nicht ebenso aber die Abflachung des Mannes, die ja grossentheils 
gögen die nicht platten sondern runden Formen des Pferdes zu 
stehen käme, zu noch grösserem Theile aber nichts, d. h. freien 
Raum hinter sich haben würde. Der Ellbogen wäre ohne Zweck 
abgeschnitten, und die Schulterflicken müssten anders erklärt wer- 
den; denn eine Verankerung oben, über die Pferde hin, wäre ja 
undenkbar. Drittens würde grade bei dieser Parallelstellung von 
Mann und ßoss eben das wieder verloren gehn, um dessenwillen 
die ganze Vertauschung vorgenommen werden sollte. Denn eben die 
gleichmässig schräge Haltung des Pferdekopfes und des führenden 
Armes, diagonal zur Fussplatte, ergiebt, dass die Hand wohl dicht 
am Maul sein kann, wenn Mann und ßoss im spitzen Winkel zu 
einander stehn, dass aber, je dichter man den Mann ans Pferd 
heranschiebt, desto weiter wieder die Hand sich vom Maul entfernt. 

Soweit also wenigstens hat die üeberlieferung recht, dass Mann 
und Ross zusammengehören, so wie sie zusammengestanden haben, 
seit wir von ihnen wissen. 

Ist demnach sowohl Wagners Umstellung als auch Fogelbergs 
Anordnung, und aus denselben Gründen auch die Aufstellung an 
den äusseren Ecken (oben S. 310, die vorletzte) eines Gebäudes aus- 
geschlossen, so bleibt einzig und allein möglich Canovas Vorschlag, 
der, wie schon gesagt, sich als nächstliegende und natürlichste Con- 
sequenz des Nachweises ergiebt, dass Rosse wie Männer reliefartig 
standen. Denn so naturgemäss und gewöhnlich Reliefs an graden 
Flächen, so abnorm und selten sind solche an in rechtem oder an- 
derem Winkel gebrochenen Flächen ('). 

Während bei jeder andern Aufstellung führende Hand und 
Pferdemaul sich in unnatürlicher Weise von einander entfernten, 
kommen bei der Canovaschen grade durch die diagonale Richtung 
beide einander entgegen, so dass hier in der Mitte zwischen bei- 
den Figuren das Relief die höchste Höhe erreicht. Dass neben an- 
dern Arten ein Ross zu führen auch diese von der alten Kunst dem 



(') Grade an den S. 324, Anm. 1 citierten Achilleussarkophagen, z.B. Ro- 
bert II n. 25, wo an den Ecken 25/25a und wieder 25b 25c, desgleichen 
26/26a und 26/26b Rosse fahrende Jünglinge stehn, und zwar grade die, wie 
oben ebendaselbst gesagt wurde, den Dioskuren von M. Cavallo so ähnlichen, 
sind doch nie Mann und Ross durch die Ecke getrennt. 



328 E. PETERSEN 

Leben nachgebildet worden ist, sowohl in ruhigerem als in bewegte- 
rem Tempo, dafür bedarf es kaum der Beispiele ('). 

Wenn nun aber an einer wandartigen Fläche aufgestellt, fragt 
sichs, ob die Dioskuren auf einander zu oder von einander wegbe- 
wegt gestanden haben. Letzteres würde im Grunde auch bei Fogel- 
bergs Anordnung herauskommen, die auch daran zum Ueberfluss noch 
scheitert. Denn so wenig compositionell ein leeres Dreieck zwischen 




Fig. 2. 

den Rossen und vom Centrum nach aussen ansteigende Linien, wie 
sie sich bei der zweiten Form der Gruppe ergeben würden, erträglich 
wären, so wenig wäre gedanklich das Auseinandergehn der innigen 
Gemeinschaft der Zwillinge gemäss. Das zu erkennen bedarf es 
eines raschen üeberblicks über Dioskurendarstellungen unter jenem 
besonderen Gesichtspunkt ihrer Gruppierung. 



(') Canova S. 251 selbst wies schon auf eine Figur des Parthenonsfrieses 
hin (Michaelis, Parth. Westfries 27). 



DIE DIOSKUREN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA 



329 



V. DARSTELLUNGEN DIVERGIERENDER DIOSKUREN. 

Als Rundbilder werden wir sie wesentlich dem Beschauer 
zugekehrt denken, mochten sie als Gultbilder und Hauptfiguren im 
eigenen Tempel aufgestellt sein, wie in Argos (Paus. II, 22, 5) 




Fig. 3. 

oder Athen (Paus. I 18, 1); mochten sie als Nebenfiguren in ana- 
thematischen Gruppen stehen, z. B. von der Beute des Sieges bei 
Aigospotamoi (Paus. X 9, 4). So haben auch die capitolinischen 
Colosse einst wie jetzt nebeneinander gestanden wegen der Kopfwen- 
dung, die wie häufig, nur dem Bruder gilt, nicht dem auf der andern 
Seite stehenden Kosse. 

Ganz ähnlich haben, soweit bis jetzt zu erkennen, die lebens- 
grossen Dioskuren neben ihren Rossen gestanden, die unlängst neben 
dem Castortempel beim lacus Juturaae arg zerstückt und unvoll- 



330 E. PETERSEN 

ständig zum Vorschein gekommen sind ('): nackt, ruhig, jeder sein 
ßoss am Zügel haltend, und den Kopf etwas zur Seite wendend. 
Es ist ein gi-iechisches Werk aus Inselmarmor, der ersten Hälfte 
des 5. Jhdts, zeitlich also den erzeneu Dioskuren des Hegias, an'p. 
aedem Jovis Tonantis (Plin. n. h. 34, 79) nah. In demselben lacus 
steht auch noch ein kleiner Altar mit den Dioskuren, die wiederum 
ähnlich nebeneinander in Vorderansicht stehen, hier in Relief und 
ohne die Rosse, aber mit Kappen, Sternen, Schwertern und Lanzen. 
Solches Nebeneinanderstehn in Vorderansicht, mit mehr oder we- 
niger markierter Wendung gegeneinander, ist im entwickelten Re- 
lief, von den oben S. 1 if. behandelten Tarentiner Thontafeln an- 
gefangen, sehr häufig. 

Für die lebhaft bewegten quirinalischen Zwillinge kommen diese 
Darstellungen der ruhig beinander stehenden nun freilich nur inso- 
fern in Betracht, als sie es widerrathen, jene auseinandergehend zu 
denken. Etwas mehr Gewinn können wir uns von bewegteren Typen 
versprechen, unter denen keiner eher verglichen zu werden bean- 
sprucht als der in Lokri gefundene (2). Aber wie ? Sind die beiden 
dort gefundenen Dioskuren, im Anabatenschema von ihren Rossen 
herabgleitend, um die letzte Strecke neben diesen herzulaufen, sind 
sie Akroterien vom Dach des Tempels oder Theile einer Giebel- 
gruppe ? In diesem Falle wären sie einander zugekehrt gewesen, 
in jenem von einander abgekehrt. Für jenes hatte ich mich nach 
Abwägung aller Umstände entschieden, dies haben Koldewey und 
Puchstein vorgezogen (3). In diesem einzigen Fall kommt aber aus 
besonderen Gründen eines und das andere auf dasselbe hinaus. Denn 
durch den das Ross tragenden Triton wird die Darstellung auf die 
besondre lokrische üeberlieferung, vielleicht sogar die Tempelle- 
gende bezogen : über das Meer, von Sparta her kommen die Zwillinge 



(') In Notizie 1900 S. 298 kurz erwähnt. 

{•) Vgl. Rom. Mittheil. 1890 S. 201. Taf. IX; Antike Denkmäler I 52. 
Im Museum in Neapel hat man die wenigen Fragmente des zweiten nach 
dem ersten ergänzt. 

(3) Die Griechischen Tempel in Unteritalien nnd Sicilien S. 8. Sie stützen 
diese Ansicht auch auf die weibliche Figur (Rom. Mitth. 1890 S. 208). Die 
Spuren einer Verankerung an ihr scheinen dieser Ansicht günstig. Aber ist 
denn diese Figur als Mittelakroter componiert ? und wo bleibt das Palmetteu- 
akroter a. a. 0. S. 209 ? 



DIE DIOSKURKN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA 331 

SO eben, den Loki'ern beizustelin gegen die Krotoniaten, insbeson- 
dere den Tempel zu schützen nach dem Willen der Tempelgöttin, 
wenn es, wie wahrscheinlich Persephone war ('). Vor derjenigen Tem- 
pelfront gefunden, welche dem nahe brandenden Meere abgekehrt 
war, also an dieser ohne Zweifel aufgestellt, müssen die Zeussöhne, 
ob einander zugekehrt im Giebel, oder von einander abgekehrt auf 
den Dachschrägen aufgestellt, immer verstanden werden als zu- 
sammen vom Meere her gekommen in parallelen Bewegungslinien, 
die jetzt flächenhafter Darstellung zuliebe in rechten Winkeln ge- 
brochen werden. Gingen sie auch als Akroterien auseinander, so 
würde doch dies Auseinandergehen nur scheinbar sein. Schon dess- 
halb, weil sie ja beide vom Ross abspringen, also nach der Bedeu- 
tung dieses Schemas {-) alsbald am Ziele anlangen, d. h. beim 
Tempel, oder in Lokri, oder vielleicht, anschaulich am meisten 
zur Ueberlieferung passend, auf den beiden Flügeln der lokrischen 
Schlachtstellung: in cornibus bei Trogus XX 2. Als Zierrath auf 
desselben Daches Enden schwebend, durch das Mittelakroter geeint 
und dem Tempel verbunden, würden sie durch den völligen Einklang 
der architektonischen Idee mit der heiligen Geschichte, trotz aus- 
einandergehender Bewegung doch enge zusammengehalten. 

Was könnte aber bei solcher Aufstellung die Dioskuren von 
M. Cavallo zusammen gehalten haben ? und wenn die lokrischen 
Dioskuren gar, wie mir immer noch .durch dieselben Gründe empfoh- 
len zu werden scheint, im Giebel beiderseits gegen die Mitte gekehrt 
standen, dann fällt auch die äusserliche Analogie dieses Beispiels 
weg; und andre finden sich, so viel ich sehe, nicht. 

Eine kaiserliche Münze von Thessalonike wurde früher {^) als 
seltenes Beispiel divergierender Bewegung der Zwillinge angeführt ; 
aber dieser Typus ist durchaus wappenartig componiert, wie das 
Gegenbild, der zweigesichtige Janus und zwei auseinanderspren- 
gende Kentauren einer andern Münze derselben Prägestätte (^). 

Purtwängler (Roscher's Lex. S. 1176) führte auf Münzen der 
gegen Rom verbündeten Italiker es als ' eine nicht seltene Abart des 



(>) Vgl. Liv. XXIX 18, 16 mit Trogus XX 2^10; Rom. Mitth. 1890 S. 220. 
(*) Vgl. Pausan. V, 9 enl xw ia^ärw ^göfiM cnonrj&öjvTSs, S. oben S. 32. 

(3) Combe Mus. Brut. Taf. V. Gatalogue, Macedon S. 112, 32. 

(4) Gatalogue S. 112 n. 34. 



332 E. PETERSEN 

Typus der zusammen reitenden Dioskuren an, dass sie beide aus- 
einander reiten '. So viel ich sehe, ist es wesentlich nur ein in 
Italia, der Bundeshauptstadt copierter Münztempel ('), den einige 
Decennien früher ein Münzmeister Serveilius ßufus hatte in Rom 
prägen lassen und zwar, wie man annimmt, um auf das in der 
Gens übliche Cognomen Geminus anzuspielen. Der auf Familien- 
münzen so gewöhnliche Typus der miteinander dahinreitenden Zwil- 
linge eignete sich natürlich nicht, so specielle Nebenbedeutung zu 
erhalten : also wählte man einen auffälligen Typus, auffällig durch die 
Abkehr. Vielleicht können wir aber auch noch den Ursprung dieses 
Typus nachweisen und den Sinn jener übrigens nur partiellen Ab- 
kehr erkennen. 

Man vergleiche die Dioskuren der schönen Talosvase (-) : die 
Stellung der Rosse und Jünglinge ist im Grossen und Ganzen, von 
dem zwischen sie gestellten Talos abgesehen, fast dieselbe; erst 
bei näherem Zusehen gewahrt man dass Polydeukes, um Talos zu 
fassen, vom Rosse gesprungen ist. Auch also nur scheinbare Diver- 
genz : Ziel und Vorhaben der Zwillinge ist gemeisam. Nicht anders 
ist es bei der nahverwandteu Vase des Meidias (^). Zwar nicht einen 
gilt es hier zu fangen, sondern jeder Dioskur entführt sein Mäd- 
chen; aber dennoch spaltet sich das Bild nicht: zusammen sind 
die Zwillinge gekommen, gleich ist ihre Absicht : Altar, Götterbild 
und heiliger Hain sind das gemeinsame Centrum, und die Diver- 
genz der Wagen ist mehr scheinbar als wirklich. Wagenaxen, Di- 
phroi, Räder und staffeiförmige Aufstellung der Rosse sagen uns 
deutlich, dass die Wagen nicht in entgegengesetzter Richtung davon 
fahren, sondern vielmehr parallel (^), grade so wie auf der Peters- 
burger Vase mit dem Parisurteil, (Wiener Vorlegeblätter A. XI), 
die über den Göttinnen haltenden Wagen bekanntermassen nicht 
von entgegengesetzten Seiten her, sondern desselben Weges ge- 

{}) Drei Varianten bei Bompois, les Types monet. de la guerre soc. 
Taf, 1. abgebildet. S. Friedländer, Osk. Münzen S. 81, 8; über diese Nach- 
ahmungen im allgemeinen S. 69 und 72. Babelon, Monn. republ. IL 378. 

(8) Arch. Zeitung 1844 Taf. IV Wiener Vorlegebl, IV Taf. V. 

(3) Vgl. Gerhard, Akad. Abh. Taf. XIII, Daremberg-Saglio, Dictionn. III 
S. 251. 

(^) Gedacht hat das also auch der Maler eines andren Vasenbildes mit 
diesem Gegenstand, aber er vermochte es noch nicht anzudeuten. 



DIE DIOSKUREN AUF MONTE CA.VALLO UND JUTURNA 333 

kommen zu denken sind. Dass diese gegen einander, die "Wagen 
des Meidias auseinander gekehrt sind, erklärt sich leicht: beim 
Urtheil ist das Weilen am Platz die Hauptsache, beim Leukippi- 
denbilde das Entführen und Davonreiten. In einem wie im andern 
Falle sind aber parallel und senkrecht zur Bildfläche geführte Be- 
wegungslinien einer bestimmten Stilstufe gemäss zeichnerisch aus- 
einandergelegt. 

VI. DIOSKÜREN CONVERGIEREND GEGEN EIN CENTRÜM. 

Kann durch solche Beispiele einer nm* scheinbaren Divergenz 
der Dioskuren die divergierende Aufstellung der quirinalischen 
Dioskuren nicht begründet werden, weil bei diesen ein wirkliches 
und energisches Auseinandergehen sich ergeben würde, so werden 
nun für die entgegengesetzte Aufstellung um so stärker ins Gewicht 
fallen die zahlreichen, weitaus die häutigsten Darstellungen über- 
haupt, welche die unauflösliche Gemeinsamkeit der Zwillinge direkt 
zum Ausdrucke bringen. Das sind die verschiedenen auf Vasen, 
Keliefs, Münzen, so oft wiederholten Typen der in gleicher Richtung 
bewegten, namentlich der reitenden, abgekürzt auch zu den zwei 
nebeneinander gestellten, gleich gerichteten Köpfen. Ist hier kein 
bestimmtes Ziel angedeutet, so sollen sie gewiss allgemein als das 
zur Rettung und Hilfe rasch herbeieilende Paar verstanden werden. 
Mehr die innige Gemeinschaft und enge Zusammengehörigkeit kam 
dagegen bei symmetrischer Gegenüberstellung zur Geltung, minder 
abstrakt noch in so individuellen und lebendigen Darstellungen wie 
dem spartanischen Relief archaischen Stiles, wo beide, je mit einer 
Hand, den thyreatischen Siegeskranz fassen ('), als ob sie beide 
gleichen Anspruch auf diesen Preis hätten; oder gar die hübsche 
Gruppe der Astragalenspieler auf der Berliner Gemme (-). Ein 
abstraktes Schema dagegen ist der bekannte Typus spartanischer 
Reliefs, auch schon in einem archaischen Exemplar (3). Auf den 
Tarentiner Thontafeln (oben S. I ff.) sehen wir einen ähnlichen Ty- 

(*) Vgl, oben S. 39. P. "Wolters hatte die Güte mich auf die Bleivotive 
ans dem Menelai'on (Revue archSol. 1897 18) hinzuweisen, als Darstellungen 
derselben Kränze. 

(*) Furtwängler, Roschers Lex. Sp. 1172, Ant. Gemmen Taf. 35,3. 

(3) S. Milchhöfer, Athen. Mitth. II S. 313, 14. 



334 E. PETERSEN 

pus aus dem andern vorbesprochenen mehr statuarischen der neben- 
einanderstehenden hervorgehen. Auch bei diesen letzteren ist ja 
meistens eine leise Wendung eines zum anderen vorhanden. 

Aber was bei den ruhig nebeneinander stehenden, mehr gegen 
den Beschauer als zu einander gekehrten nicht vermisst wird, näm- 
lich ein Ziel ihrer Bewegung, ein Gegenstand ihrer Sorge und An- 
wesenheit : nicht vermisst wird, weil es der Beschauer sein kann ; 
auch bei den parallel bewegten nicht dargestellt zu sein braucht, 
weil noch nicht im Bereich des Auges, das ist bei den gegenein- 
ander gekehrten schwerer entbehrlich. Hier müssen wir sie am Ziel 
angelangt denken, und nahe liegt das Verlangen es zu sehen; je 
energischer die Bewegung der Zwillinge ist, desto mehr. Einer 
Gruppe wie die quirinalischen Dioskuren, wenn sie nach allem nicht 
wohl anders als gegeneinander gekehrt zu denken, wie in unserer 
Abbildung, heischt, schon damit die gewaltsam bewegten nicht 
aufeinanderprallen, etwas was sie trenne zugleich und verbinde. Um 
zu finden was es etwa gewesen sein könnte, haben wir unsere Um- 
schau noch etwas fortzusetzen. 

Von den Tarentiner Tafeln haben wir uns auch einiger solcher 
zu erinnern, wo die Dioskuren mehr nebeneinander, gegen den 
Beschauer gekehrt standen, weil sie dennoch ein Objekt zwischen 
sich hatten wie den Altar in Typus I, oder die döxava, ihr eigenes 
Bild oder ähnliches in 2, 6, 10, 11; Mehr noch gehören hierher 
die Typen 34-36, wo die Dioskuren im Luftraum gegeneinander 
reiten, in Wahrheit freilich auch dies wieder zeichnerisch zurecht- 
gelegte Parallelbewegung auf den unten stehenden Speisetisch hin. 

Bekannt sind ferner die Dioskuren als Begleiter von Sol und 
Luna in römischen Himmelsbildern ('). Dass diese auf das Giebel- 
feld des Capitolinischen Juppitertempels zurückgehen, wie ver- 
muthet worden ist (2), wurde zwar durch die von Audollent und 
Hülsen (3), ins Licht gerückte Zeichnung im ürsinianus nicht bestä- 
tigt, darf aber nach Allem als wahrscheinlich gelten, wenn auch 

(i) S. 0. Jahn, Arch. Beiträge S. 79 ff., dessen Bezeichnungen ich hei- 
hehalte: a Relief in Villa Borghese, b in S. Lorenzo fuori (s. Matz-Dnhn 
n, 3090) c d im Vatikan, e in Perugia, abgebildet a b C bei R. Rochette, 
Mon. in6d. LXXII 1 LXXII A 2 LXXII 2, e Visconti Mus. Fie-Gl4m. lY 18. 

(2) S. E. Schulze, Arch. Zeit. 1872 S. 7. 

(3) Vgl. Hülsens Topogr. Jahresb. in Köm. Mitth. 1889 S. 250. 



DIE DIOSKUREN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA 335 

frühestens wohl erst von dem zweiten Tempel. Die Idee, den himm- 
lischen Göttersitz mit den kreisenden Lichtgöttern einzufassen und 
durch sie eben anschaulich zu machen, geht, so weit unser Wissen 
reicht, auf Pheidias zurück. Dass derselbe ihnen aber auch schon 
einmal die Dioskuren beigegeben habe (^), können wir kaum anneh- 
men. Später aber allerdings werden diese zu Begleitern jener. Dabei 
erscheinen sie in Typus und Bewegung recht verschieden : sie rei- 
ten (c) oder sie führen die Rosse am Zügel, entweder rasch wie 
die quirinalischen, jedoch in gleicher Richtung, (a e), oder sie stehen 
mehr ruhig neben ihren Rossen wie die capitolinischen und zwar 
gegeneinander gekehrt (b). Man sieht wie einige Haupttypen be- 
liebig vertauscht werden ; besser noch, wenn auch einige andre eng 
verwandte Sarkophagbilder hinzugezogen werden. 

An dem später zum Grabe eines Cardinais verwendeten Sar- 
kophag von S. Lorenzo (b) war, unter jenem Himmelsbild, das den 
Deckel schmückte, der Eheschluss eines römischen Paares darge- 
stellt. Offenbar denselben Gedanken wollte man ausdrücken, wenn 
man die beiden Bilder des Deckels und des Kastens in eines zu- 
sammenzog oder verkürzt nebeneinanderstellte, wie an den Beispie- 
len, die Albert (2) gesammelt hat. Hier nehmen die Gatten die Mitte 
des Sarkophages ein, die Dioskuren stehen mit ihren Rossen an den 
Ecken, auch hier bald (wie n. 201 und 205) mehr im capitolini- 
schen Typus, bald (wie 202) mehr im quirinalischen, die Rosse 
hinter sich herziehend. 

Darin stimmt dieser letzte Sarkophag wieder mit dem schon 
oben (S. 323 f.) besprochenen Thermensarkophag überein ; mit wel- 
chem er auch die spiral-canelierten Säulen und Meer- und Erd- 
gottheit unter den Dioskuren gemein hat, die sicherste Gewähr, dass 
diese Darstellungsweise aus dem Himmelsbilde sich herleitet. 



(•) In der Paudorageburt, wie sie andeutungsweise an der Basis der Le- 
normantschen Parthenoscopie (Michaelis, Parthen. Taf. 15) wiedergegeben ist, 
werden allerdings die Rosse von einem Jüngling geführt, der mit unsern quirina- 
lischen Dioskuren die grösste Aehnlichkeit hat. Aber die Dioskuren führen 
ihre eigenen, nicht fremde Rosse. Jenen Führer des Helioswagens und sein 
Gegenbild, den zarten Jüngling, welcher auf der Petersburger Vase iC. R. 1860 
Taf. II Stephani S. 42 ff.) das Ross Selenes führt, werden wir für Phosphoros 
und Hesperos erklären müssen. 

(«) Le culte de Castor et Pollux en Italie S. 154 ff. n. 176, 200-206- 



336 E. PETERSEN 

In diesen Bildern also nehmen Sterbliche die Stelle der höch- 
sten Götter ein, und nicht genug, dass sie zwischen die himmli- 
schen Zwillinge gestellt werden : sie werden auch (n. 205) selbst 
in dem bekannten Gruppentypus von Ares und Aphrodite dargestellt. 
Anderswo wiederum erscheint das Ehepaar, in heroisches Gewand 
gekleidet, als Achill und Penthesileia, diese sterbend in den Armen 
des Helden ; oder als Achill und Deidamia, jener von der Gelieb- 
ten sich scheidend, zu Kampf und Sieg, doch auch zum Tode eilend ; 
und wieder stehen einfassend an den Enden, zwar nicht die Dio- 
skuren selbst, aber in ihrem Schema Myrmidonen und Amazonen, 
und eben dieser Typus oder vielmehr seine verschiedenen in Rom 
heimischen Brechungen schienen sich uns oben S. 320 als aus ei- 
nem Gemälde herstammend zu erweisen. 

Ist es da zu kühn sich der eben in Rom der Bewunderung 
ausgestellten Gemälde zu erinnern, in welchen vielleicht nicht zu- 
erst ein Maler überhaupt (') aber zum ersten Mal ein Maler ersten 
Ranges einem Sterblichen die Dioskuren als Begleiter zur Seite 
gestellt hatte? Im Marsforum hatte Augustus dem Eintretenden 
zur Linken Alexander auf dem Triumphwagen und die Personifi- 
cation des Krieges mit auf dem Rücken gefesselten Händen ; zur 
Rechten (2) aber Castorem et Pollucem cum Victoria et Alexandro 
Magno, zwei Bilder des Apelles geweiht. Da standen doch ohne 
Zweifel die Dioskuren an den Seiten, der von Nike gekränzte Alex- 
ander in der Mitte, wie in jenen Sarkophagbildern Mars mit Venus. 
Alexander wird freilich in dieser Umgebung weniger dem Ares ge- 
glichen sein als dem Himmelskönig Zeus, dessen Blitz derselbe 
Apelles seinem berühmten Alexander x€Qavvo(p6Qog in die Hand 
gegeben hatte. Das muss uns wohl die, wenn auch römische, Auf- 
stellung der Dioskuren des Hegias (s. S. 330) vor dem Tempel 
des Juppiter Tonans lehren, wo wir sie nun nach allem nicht wie 

(^) Im lakedaemonischen Anathem an' ^Ad-rjvcäbiv Pausanias X 9, 4 ist 
die Eeihenfolge der Figuren schwerlich ganz so zu denken, wie der Perieget 
sie nennt; immer aber scheint die vordere Reihe der Hauptfiguren in zwei 
Unterabtheilungen zu zerfallen : einerseits Zeus zwischen Apollo, Artemis und 
Dioskuren; andererseits Poseidon und die Sterblichen. 

(2) Vgl. Plinius n. h. XXXV 27 und 93 mit dem Commentar von 
E. Seilers. Die daselbst angeführten Gemälde des ehemal. cav. Campana 
{Mon. ined. d. Inst. III 9 f.) können freilich nicht als antik gelten. 



DIE DIOSRUREN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA 337 

Jahn meinte ('), neben der Thür sondern zur Seite aufgestellt zu 
denken haben, etwa wie die Reiter — man darf auch hier Dioskuren 
vermuthen — auf den Treppeawangen des pompejanischen Juppiter- 
tempels am Forum {-). 

Dem Apelles schon solche Darstellung der Dioskuren, die ich 
ihre Rosse von hinten nach vorn ziehend, also in starker Verkür- 
zung dargestellt denke, zuzuschreiben, berechtigt uns ein andres 
Alexanderbild, in welchem jene Leistung schon überboten wird, 
die Alexanderschlacht der casa del Fauno. Der Perser, welcher von 
seinem Ross gesprungen ist, um es dem Oxathres (?), statt des 
ihm unter dem Leibe erstochenen darzubieten (3), steht zu seinem 
Rosse ähnlich wie die quirinalischen Dioskuren, nur dass er das 
Ross nicht hinter sich herzieht wie jene, sondern im Gegenteil zu- 
rückdrängt, und dass zweitens die ganze Gruppe umgekehrt ist, 
nicht von vorn sondern von hinten gesehen wird : eine bedeutend 
schwierigere Aufgabe. 

Dass es nun möglich wäre, nach diesen Analogien für die qui- 
rinalischen Dioskuren eine Mittelfigur, etwa einen Juppiter oder 
Kaiser auszudenken soll gewiss nicht geleugnet werden. Dass eine 
solche Mittelfigur nicht wohl auch reliefartig an eine Mauer ge- 
lehnt sein konnte, sagt man sich leicht; aber sie hätte ja z. B. in 
einer Nische stehen können. Doch es muss genügen, dies zu erwähnen, 
da weiteres kaum dafür beizubringen sein dürfte. 

Ein Wort genügt auch über eine andere Mittelfigur, welche 
die Dioskuren oft zwischen sich habeu: eine weibliche Gestalt in 

(') Archaeol. Beitr. S. 92, oft nachgesprochen. Die Beispiele sind aber 
nur eben dieser Tempel des Tonans, und die Fogelbergsche Idee von den qui- 
rinalischen Colossen. Denn Caligulas EingriflF in den Castortempel, bei Sueton 
Calig. 22, wie Cassius Dio 59, 28, ist auch jetzt noch wenig klar. Eher, scheint 
mir, könnte man an die eixoveg innsojy vor den Propyläen der athenischen 
Akropolis erinnern, die, wie Pausanias I, 22, 4 angiebt, auch für die Söhne 
Xenophons gehalten wurden, welche ' Dioskuren ' hiessen (vgl. die Anmerkung 
bei Jahn-Michaelis zur Stelle). 

(*) S. Mau, Pompeji in Leben und Kunst S. 56 und die Restauration 
S. 42, bei der allerdings nicht an Dioskuren gedacht zu sein scheint. 

(3) Unbegreiflich ist die gewöhnliche Erklärung, die nur die schriftliche 
Ueberlieferung ins Auge fasst aber nicht von den markanten Zügen des Bildes 
sich Rechenschaft giebt. Die richtige Erklärung, schon vor mehr als einem 
halben Jahrhundert ausgesprochen, ist von Welcker, Kl. Sehr. III 472 abge- 
wiesen worden. 



838 E. PETERSEN 

Vorderansicht, oft idolartig steif dastehend, verschleiert oft, und 
auch mit Attributen einer Göttin ('). Helena nennt man sie gewiss 
mit Recht, wenn sie auf spartanischen Reliefs so dargestellt ist, 
und denselben Namen wird man ihr auch anderswo gegeben haben. 
Dass sie durch Mondsichel oder Fackel als Nacht- oder Mondgöttin 
bezeichnet ist, passt durchaus zu der schon hervorgetretenen Be- 
ziehung der Dioskuren zum Sonnenauf- und Untergang, zwischen 
denen, wie einerseits der Tag, so andererseits die Nacht liegt. Aber 
auch diese Vorstellung wird ausgeschlossen durch die heftige Be- 
wegung unserer Dioskuren ; denn fast ausnahmslos {-) sind dieBrüder 
neben Helena, ob reitend oder stehend, in Ruhe dargestellt, wie 
es künstlerisch allein zulässig scheint. 

VII. DIOSKUREN AM BRÜNNEN (JÜTÜRNa). 

So bleibt nur noch ein Gedanke, der, irre ich nicht, mehr als 
jeder andere von verschiedenen Seiten sich empfiehlt. Ein kleines 
Weihrelief in Neapel, das im J. 1787 durch Guattani Monum. S. 40 
bekannt gemacht, von Jahn, Arch. Beitr. S. 92 besprochen wor- 
den war, zeigt, durch eine Horizontale und zwei Verticale abge- 
theilt, in drei oberen Feldern, links und rechts, also wiederum an 
den Ecken, die Dioskuren, im capitolinischen Typus ihre Rosse 
am Zügel führend, zwischen ihnen im mittleren drei Nymphen im 



(1) So die spartanischen Eeliefs, Athen. Mitth. II S. 38.3 n. 4 und 201 ff., 
der Sarkophag Arch. Zeit 1868 S. 39, drei Reliefs in der Karalitis, S. 345 und die 
Münzen aus denselben Gegenden Kleinasiens, vgl, Imhoof-Blumer, Monn. 
grecques S. 345, 110 und Hill Catalogue of the greek coins of Lycia n.s.vf. 
Akalissus, S. 40, Ariassus S. XCVIII; Codrula S. 211, Termessus major S. 270; 
Verbe S. XCVII; Pednelissus S. 234, l,wo in der Mitte nur die Mondsichel 
ist, wie auch in Prostanna S. 239 ; ähnlich in Sagalassos S. 240 ff. 20 und 23 
zwischen den Altären der Dioskuren eine schlanke Säule. Hiermit vergleichen 
sich das spartan. Relief a. a. 0. 220 und eines von Tripolis Ath. Mitth. IV 
144, 2. Mit dem in nächster Anra. citierten Eelief aus Macedonien gehören 
hierher auch die von Hülsen Rom. Mitth. 1888 S. 315 angeführten aus den 
Donauländern, in denen Helena und die Schlangen aus den eben angeführten 
Monumenten herstammen, das Opfer aus den Xenienreliefs, oben S. 24, die 
capitolinische Trias, Sonne und Mond und die merkwürdigen Liegenden aus 
den S. 334 f. erörterten Bildern. 

(*) Ausnahme macht das Relief von Stobi, Rev. arch. 1873 II S. 40. 



DIE DIOSKUREN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA 339 

bekannten Schema, ihre muschelförmigen Gefässe vor dem Schoss 
haltend. In den unteren Feldern steht unter den Dioskuren die 
Weihinschrift; in dem mittleren, unter den Nymphen, ist ein lie- 
gender Wassergott dargestellt. Diese Zusammenstellung hat der 
Verfertiger der kleinen Tafel oder sein Auftraggeber natürlich nicht 
ersonnen; sie giebt sich unmittelbar als Nachbildung einer der 
Brunnenanlagen, an denen das kaiserliche Rom, nach Ausweis der 
Notitia, so reich gewesen sein muss wie wohl nie ein anderer Ort 
der Welt. Treffend erinnerte schon Jahn, wegen der Verbindung 
der Dioskuren mit den Nymphen, an die Juturna, von welcher nicht 
bloss der Quell beim Castortempel seinen Namen hat, sondern in Rom 
selbst noch ein anderes Wasser, das seitdem im Marsfeld bekannt 
geworden ist, an dem Juturna mit den Nj^mphen zusammen ver- 
ehrt wurde. Die Juturna beim Castortempel ist uns jüngst wieder 
vor Augen gekommen, wie oben bereits erwähnt worden, und in 
diesem Zusammenhang noch etwas näher zu erörtern ist. 

Obgleich Boni's Spüreifer, dem alles Vorhandene verdankt 
wird, noch weitere Anzeichen älterer Anlagen sucht, wird das Haupt- 
bild kaum wesentlich verändert werden, und schon jetzt ist zu 
erkennen, worin die Hauptveränderung der Quellenfassung bestanden 
hat. Sie liest sich sogar an dem mit zwei fast gleichlautenden Inschrif- 
ten versehenen ^i</^ö;Z ab {}). An seinem jetzigen Platz, wo das ünter- 
lager desselben etwa 3 M. über dem Boden des Lacus und der 
Ausmündung der Quelle liegt, kann es wirklich nur eine Brunnen- 
mündung gewesen sein; und es fehlen ihr nicht die Zeichen, dass 
man an Seilen die Schöpfgefässe durch sie heraufgezogen hat. 

Von den zwei Inschriften hat nun aber nur die aussen am 
Cylinder eingemeisselte den Zusatz puteal. Wie dieser zu der ge- 
genwärtigen höheren Aufstellung passt, zu der man ein wenig 
anstieg, so scheint die andere oben auf der wagrechten Fläche um 
die Mündung eingegrabene, eben weil ohne den Zusatz puteal, auf 
eine andre Aufstellung schliessen zu lassen, tiefer, unmittelbar 



(») S. Notizie 1900 S. 293 m. • barbativs pollio aed • cvr ivtvrnai • 
SACRVM PVTEAL. Boni hält (ich zweifle, ob mit Recht) das pvteal in der 
zweiten Inschrift für einen späteren Zusatz, wie auch das fast getilgte 
REST, am Ende der dritten Zeile. Nach dem Charakter des Ornaments schreibt 
er das Werk Neronischer Zeit zu. 



340 E. PETERSEN 

Über dem Quell. Auf den Denaren des Albinus Q) ist ja nun das 
Juturnawasser auch anders gefasst und zu erreichen: die Kosse 
trinken es aus einem labrum, das an Grösse, wenn wir diese nach 
den Dioskuren und ihren Bossen, als lebensgrossen, bemessen, und 
an Form dem von Boni gefundenen puteal sehr ähnlich sieht. 
Nur ist auf den Münzen der Cylinder dünner, wogegen Fuss und 
Kopf um so stärker ausladen, eine Verschiedenheit die gewiss nicht 
verbietet, beide Dinge für identisch zu halten, wenn das sonst sich 
empfiehlt. Und das scheint der Fall zu sein. Die Münzen werden 
nämlich um das Jahr 90 v. C. datiert (2), und es liegt nahe zu 
denken, dass eine neue Fassung des heiligen Wassers eben Anlass 
gab, jenen Stempel zu schneiden. Barbatius Pollio aber, der die wieder 
aufgefundene Marmorfassung alsAedilis Curulis geweiht hat, wird 
von Cicero in seinem letzten Lebensjahr erwähnt in Phil. XIII, 3 : 
naufragia Caesaris amicorum Barbas CassioSj Barbatios Pol- 
liones (^). Er hätte allerdings damals im J. 43, ein hoher Siebziger 
sein müssen, wenn er die Quellfassung geweiht haben sollte, die 
auf einer Münze des Jahres 90 v. C. abgebildet worden ist. Un- 
möglich scheint das nicht zu sein, und wenn wir annehmen, dass 
im Anschluss an den nach 117 v. C. begonnenen Neubau des 
Castortempels auch der Juturnaquell eine zeitgemässe Herrichtung 
erfuhr, so dünkt es mich sogar sehr wahrscheinlich, das diese und 
der von Albinus auf seinen Münzen abgebildete, endlich die von 
Barbatius Pollio geweihte Fassung, alle ein und dasselbe Ding 
gewesen sind. Denn bevor durch Anlage des jetzt aufgedeckten 
lacus, den wir mit dem Tiberianischen Neubau des Kastortempels 
in Verbindung bringen dürfen, die älteren Verhältnisse des Quells 
und seiner Umgebung so gründlich verändert wurden, waren die 
Bedingungen für die Stiftung des Pollio keine anderen als für das 
Becken das wir auf dem Albinusdenar sehen : dieses bekommt sein 
Wasser nicht von oben, und jene Marmorfassung war noch kein 
wirkliches puteal, stand noch nicht in grösserer Höhe über dem 
aufquellenden Wasser. 

(1) Babelon, Monn. rSpubl, II, 377, ff. 

(2) S. Mommsen, Gesch. d. röm. Münzwesens S. 558, n. 173, Babelon a. 0. 
(3j Cassius Barba, der anderswoher bekannt war, haben die Herausgeber 

als eine Person anerkannt; Barbatius Pollio dagegen haben sie durch Inter- 
punction in zwei getheilt. 



DIE DIOSKUREN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA 341 

Aber, wird man fragen, kann denn die vorhandene, aus drei 
Theilen: Fuss, Cylinder, Kopf, bestehende Marmorfassung, die doch 
kein labrum sondern ein puteal scheint ('), je so bis an den Band 
mit Wasser gefüllt gewesen sein, wie wir uns das Becken des 
Albinusdenars, nach der Art wie die Pferde daraus trinken, zu 
denken haben? Allerdings; denn die jetzige, im Boden des lacus 
befindliche Ausflussöffnung, kreisrund mit Ziegeln ausgelegt, hat 
geringeren Durchmesser als die innere Weite des PoUionischen 
Marmorcy linders. Denken wir uns diesen, was soviel ich sehe, 
technisch keine Schwierigkeiten bereiten könnte {}), entweder un- 
mittelbar auf jene Quellöffnung aufgesetzt oder mit noch einem 
zwischengelegten Gliede, so dass die Höhe der Fassung den höch- 
sten Stand des aufsteigenden Wassers — er eiTeicht im lacus, so 
viel ich gehört, etwa M. 0.75 Höhe — noch um ein Weniges über- 
ragte, so wäre die bis oben mit Wasser gefüllte Fassung des Pollio 
mehr ein labrum als ein puteal gewesen. Auch das labrum auf 
dem Albinusdenar hat nicht etwa von oben herabrinnendes Wasser 
aufgefangen. Das werden wir zwar allein aus dem Fehlen jeglicher 
Andeutung auf dem Münzbilde nicht schliessen, wohl aber, wenn 
wir dazuhalten die mit dem gegenwärtigen Zustande übereinstim- 
mende Beschreibung des Dionysios : rijg XißäSog rj naqd to isqöv 
zrjg '^Eüxiag ccvadiScoGi Xifj,vr]v rroiovda ifißv&iov oXCytjv (3). d. h. 
das Wasser steigt von unten herauf, und muss also auch jenes 
labrum von unten herauf gefüllt haben. 

Beim ersten Castortempel mag also das Wasser noch in einem 
nicht ^'iel weniger natürlichen lacus, als ihn Dionysios vor dem 

(1) Man kann nicht wohl annehmen, dass der obere Theil der Brunnen- 
mündung aus einem Becken zurechtgeschnitten sei. 

(2) Eine Analogie bietet der cantharus der im Paradisus der alten Peters- 
kirche stand : die grosse erzene pigna, die damals oben noch offen, von unten 
zugeleitetem Wasser bis an den Rand gefüllt wurde. Analog sind auch die 
in Wandgemälden z. B. Bull, comun. 1874, XVII mit innen aufquellendem 
Wasser, dargestellten Krater. 

(3) Hestia nennt er, weil der Kastortempel noch nicht existiert und auch 
zu jenem das Jutumawasser gehört haben mag, wie Boni, Notizie 1900 S. 591 
annimmt, obgleich die Vestalen eigentlich aus dem Quell derEgeria schöpften. 
Das Praesens ist offenbar nicht von der Zeit des Dionysios sondern des im Prae- 
sens erzählten Vorgangs zu verstehn. Zum Ausdruck vgl. Dionysios, I 32 die 
xQtjylffsg vTio Taig fisrguis ifißv&ioi im Lupercal. 

23 



342 E. PETERSEN 

Sieg am Regillus denkt, stagniert haben. Nach dem Neubau des 
Metellus wurde der Quell im Boden fest umgrenzt und an be- 
stimmter Stelle aufzuquellen genöthigt und hier im Marmor- 
behälter des PoUio zusammengefasst. Bei diesem werden auch 
die Marmorstatuen der Dioskuren Aufstellung gefunden haben. 

Auch sie, die doch wohl nicht in und für Rom gemacht, son- 
dern als Beute etwa von Tarent nach Rom übergeführt wurden ('), 
aber natürlich damals noch heil waren, erzählen uns von mehr- 
fachem Wechsel, den sie erlebt. Haben sie zuerst ungebrochen, 
und die Rosse ohne Stützen auf ihren Füssen" gestanden, so sind 
sie später, von einem Unfall betroffen, zerbrochen, so dass bei 
einer Restauration den Leibern die Baumstämme als Stützen 
untergesetzt werden mussten, und die ergänzten Füsse nur scheinbar 
auf der Fussplatte standen. Da sie bei der gewaltsamen Zerstörung 
des späteren lacus in diesen hineingeworfen worden sind, müssen 
wir annehmen, dass sie auch in dessen Nähe noch als Reliquien 
einen Platz bekommen haben. Ob sie aber für diese oder für die 
frühere Neuaufstellung in der angegebenen Weise ergänzt worden 
sind, können wir wohl nicht ermitteln. Nur das dürfte ausser 
Zweifel sein, dass, wie schon 296 von den Ogulniern eine lupa 
mit den Zwillingen beim lupercal und ficus ruminalis aufgestellt 
wurde (2), man bald auch die Dioskuren beim Wasser der Juturna 
nicht missen wollte. Dass sie, und zwar in der stückweise wiederge- 
fundenen Gruppe, daselbst auch schon im Jahr 90 standen, mögen 



(1) Die capitoHnische Wölfin freilich ist m. E. für Eom, aber nicht in 
Eom angefertigt worden. 

(*) Dass die Wölfin, und zwar die capitolinische dort schon viel frühe 
gestanden habe, die Ognlnier nur die Zwillinge dazu geweiht haben, wie es 
kürzlich Dieterich Eh. Mus. 1900 S. 205, dargelegt, vor ihm Eayet Mon. de 
Vart. ant. und Fröhner Medaillons de Vemp. romain S. 288, 2 behauptet 
hatten, ist nicht blos eine durch nichts empfohlene sondern durch Mehreres 
widerrathene Vermuthung. Denn erstlich hat eine Wölfin ohne die Zwillinge 
grade beim ficus ruminalis im Lupercal keinen Sinn; zweitens ist die capi- 
tolinische Wölfin in den wesentlichen Zügen von dem Typus der alleinigen 
verschieden; drittens nöthigt die Wortstellung ad ficum Ruminalem simula- 
cra infantium conditorum urbis sub uleribus lupae posuerunt sicherlich 
nicht, die lupa vorherexistierend zu denken ; vielmehr würde Livius dann die 
beiden Ortsangaben zusammengefasst haben. Er hat nur die Stadtgründer vor 
der Wölfin nennen wollen. 



DIE DI03KUREN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA 343 

wir auch noch dem Denar des Albinus entnehmen; wenn gleich 
weder die Rosse noch die Jünglinge genau copiert sind : hinter 
dem Brunnen oder zu beiden Seiten, natürlich ungefähr auf gleicher 
Höhe mit der Marmorfassung werden sie da gestanden haben. 

Jede Spur dieser früheren Aufstellung musste verschwinden 
bei der Neuordnung, die wir dem Tiberius zuschreiben dürfen, wie 
die vorhergehende mit dem Neubau des Metellus zusammenzu- 
hängen schien. Durch die allgemeine Aufhöhung des Bodens kam 
jetzt die Quelle so tief zu liegen, dass die alte Marmorfassung 
da unten unzugänglich und sinnlos gewesen wäre. Man errichtete 
also jetzt den mit Marmor incrustirten lacm, in dessen Mitte das 
Inselchen sich zu gleicher Höhe erhob wie der ursprünglich auf allen 
vier, später nur noch auf drei Seiten liegende gleichfalls marmor- 
verkleidete Umgang, der gegen den lacus von einem Geländer 
umgeben gewesen zu sein scheint. Seine gegenwärtige Begrenzung 
auf den drei freien Seiten durch eine rohe Mauer, auf der rings 
Reste einer Travertinschwelle liegen, dürfte weit späterer Zeit an- 
gehören, als vielleicht der ganze lacus schon ausgefüllt war. Auch 
zu dieser glänzenderen Ausstattung werden die alten restaurierten 
Dioskureu mit ihren Rossen gehört haben ; und als neuere Zuthat 
der kleine Altar mit Zeus und Leda auf den Schmalseiten, den 
Zwillingen, ohne Rosse aber mit Schwertern und Lanzen, mit Kappen 
und Sternen auf der einen Langseite, und einer Fackelträgerin auf 
der andern. Diese Juturna zu nennen hat keinen Anhalt. Es ist 
auch nicht die gewöhnliche Mondgöttin; eher Helena, die ja in 
den Kreis der Dargestellten hineingehört. Sie würde hier, durch 
die Fackel, wie anderswo durch dieselbe oder durch die Mondsichel, 
als Nacht- oder Mondgöttin bezeichnet, dasselbe bedeuten, was, 
nach Mommsen, die Mondsichel über den ihre Rosse tränkenden 
Dioskuren des Albinusdenars bedeutet, nämlich dass es Abend ist, 
als die Dioskuren an dem Quell ankommen ('). 

Wo nun die Dioskuren, und wo der Altar in der neuen lacus- 
Anlage ihren Platz gehabt, das kann nur gerathen werden, da 
Spuren ihrer Gründung nicht vorhanden sind; aber dem Rathen 
ist wenig Spielraum gegeben. Unmittelbar neben dem Quell, wie 
es für die Dioskuren früher möglich schien, konnte es jetzt nicht 

(1) Dionysias VI, 13, neQl SdXrjv otpiav ro r^Xos kaßovaijs tTJg fXKxrjg. 
Vgl. unten S. 346. 



34i E. PETERSEN 

mehr sein ; wo aber wird man sie passender aufgestellt denken als 
auf der Insel, mitten im lacus ; und wiederum: welchen andern 
Zweck kann diese Insel gehabt haben als solche Dinge zu tragen ? 
So hat man denn auch anfangs den Altar auf die Insel gestellt, 
womit diese freilich nur zum kleinsten Theil gefüllt wurde : denn 
sie hat grade auch noch für die Statuen Platz, wenn man die 
Eosse und Jünglinge an die äusseren Schmalseiten, und dazwi- 
schen den Altar stellt. Ein solcher erscheint in Tarent zwischen den 
ohne Rosse stehenden Zwillingen (oben S. 7) (^), anderswo auch 
zwischen den reitenden oder neben ihren Rossen stehenden (2). Die 
Marmorfassung des Pollio erhielt jetzt einen andern Platz, etwa 
drei Meter höher und näher zum Palatin, wo sie nun als wirk- 
liches puteal diente, aus dem das in der Tiefe dahin geleitete 
Wasser der Juturna emporgeholt wurde, vor einer Kapelle mit 
dem Bilde der Juturna, und mit ihrem Namen am Gebälk {^). 

Die Darstellung der Dioskuren beim Quell der Juturna am 
Forum (^) ist also genügend verbürgt; dieses Wasser wird sogar 
von Dionysios a 0. ihnen selbst heilig genannt, es trage ihren 
Namen xQrjVT] xaXovfjisvr^ re twv xtscöv tovxoav xal isQu elq röds 
XQovov vo{.u^o}ievrj. 

VIII. DER DIOSKUREN BEZUG ZUM WASSER IM ALLGEMEINEN. 

Sollte nun wohl das Baden der Dioskuren und ihrer Rosse 
an diesem Wasser nur ein erst in Rom beliebig aus dem Leben 
aufgegriffener Zug sein, imi die Erscheinung der Dioskuren anschau- 

(') Wegen der Schalen würde er sehr gut auch zu denen passen, die in 
Typus 20 und 22 (Fig. III) neben ihren Eossen stehen. 

(2) Vgl. Albert, le cuUe de C. et P., n. 175; Athen. Mitth. II 205 ein 
Opfertisch (s. oben S. 42, 3). So ebda S. 395 n. 220; IV 144 n. 2. 

(3) Notizie 1900, S. 292 f. Sollte das Wort puteal, wie S. 339, 1 er- 
wähnt, wirklich ein späterer Zusatz zu der zweiten Inschrift sein, dann würde 
auch diese, soweit mit der oberen gleichlautend, ursprünglich, und rrnr putea^ 
ein bei der Höherstellung gemachter Zusatz sein. 

(*) Bei jenem andern Wasser auf dem Campus, der ' aqua Virginea, ' 
hatte Lutatius Catnlus der Juturna einen Tempel erbaut, wo ihr mit den 
Nymphen geopfert wurde (s. Fphemeris epigr., I, S. 36, Preller-Jordan, Eöm. 
Mythol. II, 128). Sollte der Sieger von Vercellae bei dieser Juturna der 
Dioskuren vergessen haben, die seinen Sieg ebenso wunderbar nach Korn 
gemeldet hatten wie den am Regillus? Vgl. Florus, I, 38, 20. 



DIE DIOSKUREN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA 345 

lieber und lebendiger zu gestalten, mit zufälliger Anlebnung an 
den vorbandenen Quell? Man darf fragen, ob nicbt ein nothwen- 
digerer Zusammenbang der Dioskuren mit den Quellen in ibrem 
Wesen begründet war, und ob nicbt auch dieser Zug mit der 
übrigen Sage aus Tarent oder Lokri übertragen sei, und dadurch 
eben die Ansiedelung der ritterlichen Zwillinge neben der Quelle 
veranlasst worden sei. Standen doch auch in Lokri ihre Altäre am 
Flusse Sagra, dv O^rjXvxwg {also ihn als Quelle ansehend?) oiofid- 
^ovCii', sif'ov ßcouot JioctxovQüiv, nsQi ovg AoxqoX KgoTCüvidrag 
ivixrjCav. 

Als ich in Lykien, wo in kaiserlicher Zeit Dioskuren mit 
und ohne Helena auch auf Münzen häufig sind, ein drittes Re- 
lief der Zwillinge, mit Helena in der Mitte, fand ('), zu zweien 
die schon Schönborn beschrieben hatte, und auch dies dritte bei 
ähnlichen Naturverhältnissen, wie sie schon Schönborn bei seinen 
zweien aufgefallen waren (-), nämlich an Stellen, wo die Wasser 
sich gewaltsamen oder wunderbaren Durchbruch und Ausweg aus 
eingeschlossenen Thalbecken geschaffen haben, da drängte sich 
auch schon die Frage auf, ob die Dioskuren zu vor- und durchbre- 
chendem Wasser und Quellen ursprüngliche, im Mythos begrün- 
dete Beziehung hätten. Es Hess sich an den Tempel erinnern, wel- 
chen Byzas (nach Hesychius Milesius 15 in Fragm. hist. gr. N. 19) 
gegründet hatte ; besser an die Quelle JloXvdsvxeia beim Heiligthum 
des Polydeukes in Sparta {^) ; an den Quell des Amykos, dessen un- 
holden Hüter Polydeukes bezwingen musste, um sich und den 
Argonauten das Bad zu gewinnen. Bei Levetzova, unfern einem 
alten Heiligthum der Dioskuren bei Krokeai (^), ist ein Diosku- 
renrelief heut über dem Laufbrunnen, freilich einem Platz der für 
Aufbewahrung von antichitä beliebt ist, eingemauert. Unter den 
vielen Darstellungen altgriechischer Brunnenhäuser, wie sie uns 
jetzt in Athen, Korinth, Megara wieder anschaulich zu werden 
beginnen, die hübscheste ist das Bild einer sfg. attischen Hydria 

(') Vgl. Reisen im Südwestl. Kleinasien, II, S. 168 f. 

(3) S. Schönborn bei Ritter, Kleinasien XIX S. 850. 

(*) Albert, le culte de C et P. S. 164, 216: ein Skarabaeus mit dem 
Bilde des ' Kastor ', der Wasser aus einen Brunnen schöpft. 

(*) Paus. III 21, 4; Curtius, Pelop. II. 267, Athen. Mittheil., II, 1 
S. 389, 208. 



346 F.. PETERSEN 

im Britischen Museum (^). Hier fliessen die xqovvoC aus Röhren, 
deren zwei an den Seitenwänden der Säulenhalle die gewöhnliche 
Form von Löwenköpfen haben; die zwei mittleren an der Haupt- 
wand aber tragen je eine ßeiterfigur so, dass die Rosse nicht mit 
den Füssen darauf stehen sondern selber gleichsam auf den Röhren 
reiten. Walters nannte sie Bellerophon, Wiegand gewiss richtiger 
Dioskuren. 

Sollte es ferner zufällig sein, dass die indischen Dioskuren, 
die Asvins deren Urverwandtscliaft mit den griechischen selbst 
V. Wilamowitz (2) zugiebt, ebenfalls als Wasserspender verehrt 
wurden. Oldenberg in seiner knappen Zusammenfassung der Haupt- 
züge des hilfreichen Wesens der Asvins erwähnt nur, dass sie auch 
Kühlung schaffen. Aus Myriantheus entnehme ich als vedisch die 
Vorstellung dass ' sie den Brunnen von der Stelle gerückt, den Boden 
nach oben und die Oeffnung nach unten gekehrt ', infolge dessen 
die Wasser strömen (3). 

Der Wechsel von Licht und Dunkel, im täglichen Umschwung 
stellt sich in den Asvins ähnlich wie in den Dioskuren dar. Solche 
Lichtnatur der Söhne des lichten Himmelsgotts (wie ihrer Schwes- 
ter Helena), scheint in ihren weissen Rossen hervor, lang ehe sie 
Sternen geglichen, in Sternen angeschaut werden und Sterne auf 
ihren Kappen tragen; sie scheint hervor in ihrem Reiten durch 
den Himmelsraum, wie sie über Land und Meer zu Hülfe eilen, 
in Sturm und Kampf, vom Sieg auch rasche Botschaft bringen. 
Dass die Schlachten, an welche sich solche Sage heftete, um die 
Sommersonn wende fallen (^), weist auf denslben mythischen Grund. 
Vielleicht noch bedeutsamer ist, dass die Zwillinge die Kunde 
noch selbigen Tages bringen, so z. B. in Rom am Abend {^). Abends 
kommen sie auch bei Phormio in Sparta ins Quartier, um früh 
am nächsten Morgen wieder zu verschwinden, den Tisch, an wel- 

(>) Abgebildet Ant. Denkm. II Taf 19 mit Text von Th. Wiegand. Pho- 
tographie beim Institut. Vgl. Walters, Catalogue of vases IL n. 329, 

(2) Euripides, Herakles IP, S. 14, 1. 

(3) Oldenberg, die Religion der Veda S. 215; Myriantheus, die Asvins 
oder arischen Dioskuren S. 131. 

(4) S. A. Momrasen im Philologus 1856, S. 706. 

{^) S. oben S. 313 Anm. 1. Schol. des Persius, II, 56: aliquando nocte 
Persen Macedoniae regem nunciaverunt victum. Florus, I, 28, 14 eodem die. 



DIE DIOSKURBN AUF MONTE CAVAr.LO UND JUTURNA 347 

chem sie ihre Mahlzeit gehalten, hinterlassend (i). Dazu der "Wechsel 
ihres Daseins oben am Himmel und unten unter der Erde. So 
kreisen sie denn in jenen späteren Darstellungen mit Helios und 
Selene um Erde und Himmel, aber der Quell an welchem sie 
sich und ihre Bosse von den Mühen der Keise erquicken, dürfte 
schon früher aus derselben Idee entsprungen sein wie der wun- 
derschöne See, aus welchem Helios am Morgen aufsteigt (Od. III), 
den Göttern und Menschen zu leuchten, gelegen da, wo auch 
Behausung und Reigenplätze der Eos sind; nach Aischylos der 
purpurne Schwall des gerötheten Meeres und der allnährende See 
der Aithiopen, wo der allschauende Helios immer seinen göttli- 
chen Leib und die Müdigkeit seiner Eosse an warmen Strömen 
weichen Wassers erfrischt. 

"Was die Dichtung hier in unendlicher Ferne mythisch wun- 
derbarer Umgebung geschehen lässt, das ist, als Thun der ins 
menschliche Leben eintretenden Dioskuren, in die Sphäre alltägli- 
chen Daseins hineingestellt, ohne dass doch das Wunderbare gänz- 
lich abgestreift wäre. Das Labsal aber das die Dioskuren selber nach 
schwerer Mühe geniessen, oder erst erkämpfen müssen, das theilen 
sie, Quellen spendend, gnädig auch andern mit. 

An der Juturna des Forums waren, und sind heute wiederum, 
die Dioskuren zweimal im Bilde gegenwärtig ; bei der Juturna des 
Campus Martins (s. S. 344,4) wird uns von ihnen nichts gesagt, 
was, wie bemerkt, uns wundern mag. Nicht grade mit dieser, näher 
nicht bekannten, aber mit irgend einer Brunnenanlage im brannen- 
reichen Rom nun endlich auch unsere quirinalischen Dioskuren einst 
verbunden zu denken, scheint näher als irgend ein anderer Ge- 
danke zu liegen: weder die capitolinischen Götter, noch Helena, 
noch was wir sonst als Ziel und Mittelpunkt zwischen ihnen ge- 
funden haben, würde so wohl sich eignen, zwischen diese stark 

(1) Paus., III, 16, 3. Unter den Einwendungen, die v. Wilamowitz gegen 
die Deutung der Dioskuren aus Naturanschauung macht, ist auch dieser : 
' in Indien opfert man den Asvins bei Sonnenaufgang: schön, in Hellas that 
man es nicht. ' Ich bekenne nicht zu wissen, was zu dieser Behauptung 
berechtigt. Uebrigens würde das Opfer Abends für jene Ausdeutung der 
Dioskuren ebenso passend sein wie Morgens. Die natürliche Zeit der |fVta, 
wofern der Gast nicht zu Schiff kommt, pflegt doch der Abend zu sein, wo 
auch Telemach in Sparta anlangt. 



348 E. PETERSEN 

bewegten Colosse gestellt zu werden. Durch ihre ganze Herrich- 
tung erschienen sie ja schon als ein architektonisches Dekorations- 
stück, und vermuthlich ist es eben die Grösse der baulichen An- 
lage gewesen, die ihnen diese riesigen Verhältnisse geben Hess. 
Der Umriss der so, wie uns nöthig schien, zusammengestellten Fi- 
guren, ergiebt eine von beiden Seiten her über den Rossen anstei- 
gende, dann über den Köpfen der Rosse und Männer wagrechte 
Linie. Es braucht nur an den Treppenaufgang des Senatorenpalastes 
erinnert zu werden, um zu erkennen, aus welchen Bedingungen sich 
ergiebt was hier vorausgesetzt wird. Dass die Bedingungen solcher 
Maskierung grossartiger Treppenanlagen bei den römischen Hügeln 
sich häufiger finden als anderswo ist bekannt, und dass die Wasser- 
fülle des alten Roms zu ähnlichen und grossartigeren Anlagen reizte, 
das braucht kaum gesagt zu werden. 

In der That haben die Dioskuren von M. Cavallo soweit un- 
sere Ueberlieferung reicht, fast immer einen Brunnen vor sich ge- 
habt. Ehe Pius VII die grosse Schale vom Marforio davor stellte, 
stand schon ein anderes Bassin vor ihnen ; und auch schon bevor 
Sixtus V sie neu aufstellen liess, scheinen sie einen Brunnen vor 
sich gehabt zu haben. Auf den Stichen und in den Ansichtsplänen 
ist er schon verschwunden, aber die Mirabilia Romae (Jordan 
Top. II S. 619, 14) überliefern als thatsächliche Unterlage ihrer 
prophetischen Ausdeutung den Brunnen wie die Jünglinge mit den 
Rossen ' ante caballos femina serpentibus circumdata sedet habens 
concam ante se,. . . ut (0, wie es nachher erklärt wird, quicumque 
ad eam ire voluerit non potent niü lavetur in conca illa. 

Dieses Weib, natürlich auch ein marmornes, ist, wie Michaelis 
S. 252 gesehen hat, vielleicht noch vorhanden im Palazzo Giusti- 
niani, aber freilich so stark zerstört, dass das Wesentlichste jetzt 
fehlt (2). Wir können sie kaum für etwas anderes als eine Hygieia 

(1) So ist natürlich an zweiter Stelle zu verbinden, nicht mit Jordan 
vor ante se ein Komma su setzen. 

(*) Von etwas oberhalb des Schosses vorn, hinten fast vom Sitz aufwärts 
ist Alles modern oder, wie der Kopf, nicht zugehörig. Unten ist der Fels 
mit den Füssen neu, Fels auch an der 1. Seite der Figur angestückt. Die Schlange 
kommt hinten unten am Fels zum Vorschein, zieht sich grad daran empor, 
legt sich auf dem Felssitz nm die r. Seite der Figur, windet sich über ihr 
r. Knie hinab, umkreist den Schoss und dann den eigenen Leib überschneidend 



DIE DIOSKUREN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA 349 

halten, die aus einer Schale die riesige Schlange trinken liess, 
welche von hinten her die Sitzende umringelt und mit zwei mäch- 
tigen Windungen auf ihrem Schosse lag. Einerlei, ob nun diese 
Schale unter der conca zu verstehen oder noch eine andere (') : 
es scheint, damit jene Ausdeutung einen Halt habe, nöthig, dass 
in der conca Wasser geflossen, also die Figur, wovon jetzt an der 
Giustinianischen Statue nichts zu sehen, wie so viele andre zu einer 
Brunnenfigur gemacht war. 

Damit soll nicht etwa gesagt sein, dass unter der Gestalt der 
Hygieia hier Juturna dargestellt sei, weil Servius nach Varro 1. 1. V 71 
bezeugt Juturna fons est in Italia saluberrima juxta Numicum 
fLumen, cui nomen a iuvando est inditum, und dass diese Statue 
die ursprünglich zum Dioskurenquell zugehörige Nymphe gewesen 
sei ; noch weniger freilich dass man bei der mittelalterlichen Auf- 
stellung sich solcher üeberlieferungen erinnert habe; nur das Be- 
wusstsein dass die Colosse früher zu einer Brunnenanlage gehört 
haben, möchte sich in jener Zusammenstellung fortgeerbt haben. 
Vielleicht ist auch die Nachbarschaft der beiden jetzt capitolini- 
schen Flussgötter welche im Mittelalter sich nahe bei den Diosku- 
ren befanden (^), nicht zufällig. — 

Ein Wort endlich zur kunstgeschichtlichen Frage. Man hat 
geglaubt, die Inschriften seien im J. 1589 vertauscht worden, und 
fand ihre Aussage unter dieser Voraussetzung durch die Stilanalyse 
bestätigt. Hat sich dagegen die Vertauschung als nichtig erwiesen, 
so fällt natürlich das ganze auf die falsche Annahme errichtete 
Gebäude zusammen, und die Inschriften verlieren ebensoviel an 
Werth, als man ihnen zufügen zu können vermeinte. Gewiss sind 

beginnt sie eine zweite Kreiswindung: über dem r. Knie aber bricht das Antike 
ab. Zwei Stützen, deren Brüche auf der ersten Umkreisung sichtbar sind, haben 
wohl einer den sich hebenden Kopf des Keptils, der andre die Hand oder die 
Schale getragen. Die Arbeit ist derb. Eine Demeter mit grosser Schlange neben 
sich zeigen einige Eeliefs; aber von ihr ist die Haltung dieser Sitzenden erheb- 
lich verschieden. 

(1) Dem lateinischen Ausdruck viel entsprechender wäre eine Muschel, 
wie sie bekannte Nymphenfiguren, auch in jenem Neapeler Eelief (S. 338), 
vor sich halten : aber ^die sitzen nicht und sind nicht von Schlangen um- 
wunden. 

(*) S. MichaeUs, Rom. Mitth. 1898 S. 254. 



350 E. PETERSEN 

sie den bekannten opus Tisicratis \\. s. w. nachgebildet, aber dass 
sie jenen älteren nicht gleichwerthig sind, ist besonders durch den 
Fund der zuni Eercules Olivarius gehörigen klar geworden, welche 
dies leider nicht erhaltene Werk als opus Scopae minoris bezeich- 
net ('), Welcher Praxiteles ist es denn, den die Inschrift des einen 
quirinalischen Dioskuren nennt ? 

Freistehende Colosse als Originale der zum Wandschmuck 
bestimmten und componierten quirinalischen Gruppen zu denken 
geht nicht wohl an, auch abgesehen von der Vermuthung die uns 
auf ein malerisches Vorbild hinführte. Der geringe Anhalt aber, 
der sich für den Gedanken finden mochte, dass die vorausgesetz- 
ten Erzcolosse in Tarent gestanden hätten, schwindet zusammen, 
seit wir (oben S. 3 flf.) eben in Tarent eine Menge von Dioskuren- 
typen kennen gelernt haben, darunter aber keinen den quirinali- 
schen auch nur ähnlichen. Dass in diesen Stilmischuug vorliegt kann 
nicht bestritten werden ; denn einerseits erinnert, wie man Furt- 
wängler zugeben wird, nicht weniges in der Bildung der Jünglinge 
wie der Kosse an den Parthenon und Pheidias; andrerseits aber 
sind die Kleinköpfigkeit der Jünglinge, ihr aufgeregtes Aussehn, 
mit weitgeöffneten Augen, lebhaft athmendem Munde, in welchem 
die Oberzähne sichtbar werden, der Wurf des Haares, das über 
der Stirn aufsteigt und zu beiden Seiten zurückfliegt, obgleich die 
Köpfe von der Körperbewegung abgekehrt sind, lauter Züge aus 
demjenigen Ideal der Dioskuren, das wiederum Furtwängler in Ke- 
schers Lex, I, 1175 f. als nach Alexander d. Gr. herausgebildet 
geschildert hat. Endlich wird man den Saumwellen am Mantel des 
Dioskuren wohl auch eine gewisse archaistische Neigung zuge- 
stehen. 

Sehen wir also zwar nicht von Vorbildern aber von Originalen 
die copiert wären ab, so kann nur das die Frage sein, wann diese 
Marmorstatuen gemacht sind. Für diese scheint mir nun eben 
der stilistische Eklekticismus und die klare, praecise, dabei etwas 
trockene Ausführung des Nackten an den Männern, an den Pferden 
besonders der Köpfe für Augusteische Zeit zu sprechen. Viel- 
leicht ergeben die Panzer, bei denen freilich wohl zu berücksich- 
tigen ist, dass sie als Nebensachen dastehen, noch positivere Anhalts- 

(«) Vgl. Eöra. Mitth. 1896, 99 und 1897, 56; Notisie 1895 S. 459. 



DIE DIOSKURKN AUF MONTE CAVALLO UND JUTURNA 351 

punkte. Hier könnte ein oder der andre Zug, wie der Rand der 
Plättchen, deren weiteres Auseinanderstehen ('), vielleicht für 
einen späteren Ansatz geltend gemacht werden, und bis in den An- 
fang des zweiten Jahrhunderts hinabzugehen empfehlen. Doch scheint 
mir die Entwickelung der Panzerformen noch nicht endgiltig fest- 
gestellt zu sein. 

Zusatz. Nachzutragen zu den Tarentiner Thontäfelchen habe 
ich eines, das ich bei Nervegna in Brindisi sah, vollständig 15 cm. 
hoch, 12 breit: der Naisk mit drei Akroterien. Die Jünglinge stehn 
wie in Typus 1 neben dem Altar ; aber auf diesem stehn die beiden 
Amphoren, wodurch der Altar als ihnen gehörend gesichert ist. 
Beide Jünglinge, fast Knaben, sind unterwärts mit Himation beklei- 
det wie in Typus 20 f., beide halten in der gehobenen äusseren 
Hand eine Stlengis, in der inneren, über dem Altar eine Schale. 
Beide haben lang auf die Schultern herabfallendes Haar und auf 
dem Scheitel eine Art Knauf, weder als Kappe noch als Stern 
füglich zu verstehen. Mit keinem der oben aufgereihten Typen 
identisch, dürfte dieser als 1* zu bezeichnen sein. 

E. Petersen. 



(^) Vgl. die fleissige Studie von v. liohden in Bonner Studien, besonders 
S. 7, 11 f. 13. 

[Zu den oben S. 323 und 335 angezogenen Sarkophagen, gehf^ren auch 
mehrere von denen die Strzygowski, Orient oder Rom, Kap. II behandelt hat, 
naraentl. Abb. 14 und 20 mit Dioskuren, einmal mehr im capitolinischen, einmal 
mehr im quirinalischen Typus. Alle diese Sarkophage gehören zur « grie- 
chischen » Gattung, und wie früher namentlich Matz, Arch. Zeit. 1872 S. 12, 
dieselben aus dem griechischen Osten gekommen dachte, so auch Strzygowski, 
der die kleinasiatischen Parallelen nachweist. Es ist ein kleines Stück aus 
einem grossen, räumlich und zeitlich weit reichenden Zusammenhang, was da 
berührt ist. Der S. 836 ausgesprochenen Vermuthung steht die östliche Her- 
kunft jenes Dioskurenmotivs nicht im Wege ; denn ebendaher stammten ge- 
wiss auch die beiden Gemälde des Apelles.] 



BRÜCKE ODER NAVALE ? ZU S. 42, 2. 

Leider etwas zu spät bin ich erst durch Dresseis Ausführung 
in der Zeitschr. für Numism. 1898 S. 32 ff. auf die abweichende 
Deutung aufmerksam geworden, welche dem S. 42, 2 angeführten 
Grosserz des Antoninus Pius kürzlich gegeben worden ist. Meine 
Darlegung am a. 0. wird zwar nicht wesentlich berührt durch diese 
neue Erklärung ; aber man darf sich die Auslegung des hübschen 
Münzbildes nicht verkehrera lassen, wie es durch Hülsen (*) 
und Dressel a. a. 0. geschehen ist. Jener hat die eine Hälfte der 
Bildes falsch angesehen, und dieser hat, da er nun an einer Disso- 
nanz beider Bildhälften Anstoss zu nehmen nicht umhin konnte, 
nicht etwa die erste Hälfte wieder richtig, sondern auch die zweite 
falsch gestimmt. Immerhin aber danken wir Dressel die zuverläs- 
sige Abbildung der zwei Medaillons, die in den früheren Abbil- 
dungen, z. B. bei Cohen und Fröhner befremdliche Verschiedenhei- 
ten aufwiesen, jetzt aber so übereinstimmend erkannt werden, dass 
man nur eben noch sich überzeugt, dass die gute Abbildung die 
s. Z. V. Duhn in Rom. Mitth. 1886 S. 168 von dem einen gegeben 
hatte, gleich Dressel Taf. II 10, nicht 11 ist. 

Das nun was man auf diesen Münzbildern bis dahin für eine 
Tiberbrücke gehalten hat, unter deren einem Bogen ein Schiff sicht- 
bar wird, das hat Hülsen für ein navale, r£(»(>fov erklärt (2), das 
er ein wenig unterhalb des sogen. Vestatempels ansetzt auf der 
jener Abhandlung beigegebenen Tafel. Er fand nämlich den Gedanken 
an eine Brücke ausgeschlossen dadurch dass diese, und was als 
ihre Brustwehr zu gelten hätte, nicht zur Insel niederstiege; dass 
vielmehr die Brücke an beiden Seiten in gleicher Höhe wie ab- 
geschnitten sei. Hülsen verhehlte sich allerdings nicht, dass es schwer 
sei, die Insel und das am 1. Stromufer gelegene navale in ein so 
enges Bild zu fassen; aber er meinte, das Arsenal sei so darge- 
stellt, als ob es am r. Ufer läge und erschiene im Münzbild im 
Spiegel. Eine künstliche Erklärung, die Dressel mit Recht bean- 
standete ; aber statt das navale aus dem Münzbild zu beseitigen, 
beseitigte er vielmehr die Insel, um nun das ganze Bild auf die 
1. Flussseite zu verlegen : Baum, Haus und Thurm glaubt er darin 
von Wald, Bewohnung und Befestigung verstehen zu müssen, die 
auf der Insel keinen Platz fänden (doch s. seine Anm. 1 S. 35), 
und den Ort selbst wegen der über dem Kopf des gelagerten Flus- 
gotts sich ballenden Felsmassen nicht als die flache, durchaus 

(1) In einer Abhandlung: foro Boario e le sue adiacenze nelV antichitä 
in den dissertaz. d. Pontef. Accad. Rom. di archeol. s. II, vol. VI S. 230 ff. 

(1) Ich discutiere nicht die Berechtigung, ein navale inferius im Ge- 
gensatz zu einem andern weiter oberhalb gelegenen anzunehmen, obgleich 
ich keines der zwei Zeugnisse, die nach Beseitigung der Auslegung des Münz- 
bildes übrig bleiben, zwingend finden kann. 



E. PETERSEN, BRÜCKE ODER NAVALE ? 353 

nicht felsige Insel, sondern als einen Berg, nämlich als den Av en- 
tin ansehen zu sollen. 

Wer durch eine längere Argumentation zu einer, wie es scheint, 
folgerichtigen Erklärung eines Bildwerks geführt wird, der wird 
immer gut thun, sich die so gefundene Deutung auch noch einmal 
an und für sich, auf ihre innerliche Wahrheit und künstlerische 
Einheit anzusehn. Im vorliegenden Fall handelt es sich um die 
Ankunft des Heilgottes, der, im Gesandtenschiff bis nah an die 
Tiberinsel gelangt, nun plötzlich selber wunderbarerweise sich 
das ihm genehme Cultuslocal auf der Insel wählt, indem er in seiner 
Schlangengestalt vom Schiffe gradeswegs zur Insel eilt, und diesen 
Vorgang denken sich die neuen Erklärer so dargestellt, dass das 
Schiff bereits in eines der Schiffshäuser eingefahren sei; dass die 
Schlange sich anschicke das Schiff zu verlassen. Aber nicht das Ziel 
ihrer Bewegung, die Insel sondern nur der fernere Hintergrund sei 
dargestellt, neben dem navate noch der Aventin, die beide zu dem 
Ereigniss gar keine oder höchstens eine ganz äusserliche Beziehung 
haben. Eine solche Schlussbetrachtung müsste m. E. allein schon 
von der Irrthümlichkeit der neuen Deutung überzeugt haben. Aber 
es sei auch um Eingehen ins Einzelne. Was Dressel als Felsmassen 
ansieht, das ist nur die bekannte Grotte, welche für den in seinem 
Elemente liegenden Flussgott typisch ist. Der Trajanssäule ist wohl 
auch unser Stempelschneider, so gut wie der das Marcussäulen- 
relief entwarf, gefolgt ; auch die einladende Handbewegung des Gottes 
haben beide jenem Vorbild entnommen.Wer gar auf dem von v. Duhn 
mit Scharfsinn und Gelehrsamkeit erklärten Relief des Pal. Ronda- 
nini den Tiber und die Aesculapschlange erkennt, kann an der Dar- 
stellung der Insel auf den Münzen unmöglich Anstoss nehmen {^). Das 
Höhenverhältniss dieses Locals mit seinen Bauten zum Schiff und dem 
Bogenbau, einerlei ob wir ihn als Brücke oder als navale ansehen, 
passt zu der Höhe der Insel aber nicht des Aventins. Baum, Haus, 
richtiger wohl Tempel und Thurm werden als proleptische Andeu- 
tung des Heiligthums zu verstehen sein, um so mehr wenn man 
die Richtung der Schlange ins Auge fasst. Also die durch den Ge- 
danken geforderte Insel nicht zu erkennen liegt keine Nöthigung vor. 

Aber das navale ? Jener Gedanke mit dem Spiegelbilde hilft 
nicht. Ein ganzes Münzbild könnte verkehrt gestochen sein, aber ein 
halbes? Doch wozu das Spiegelbild? Der Bogenbau ist ja ebenso- 
wenig auf dem rechten wie auf dem linken Ufer stehend zu denken, 
da er augenscheinlich zum Strom, zum Schiff, zur Insel nicht pa- 
rallel sondern quer sich erstreckt, wie es eben nur für eine Brücke 
angemessen ist. Nur für eine Brücke hat auch die Brustwehr Sinn. Ja, 

{}) Umgekehrt muss freilich Dressel S. 35, 2 eine neue Erklärung auch 
des Reliefs verlangen. Was den felsigen Charakter des Flussufers anlangt so 
verweise ich auf das Donauufer an der Trajanssäule Taf. XXVI, 84 f. Cich. mit 
meiner Erklärung, Trajans Dak. Kriege S. 43 f. 



354 E. PETERSEN, BRÜCKE ODER NA.VALE ? 

dass ein navale, in welches heimkehrende Schiffe, wie nach Hülsen 
S. 251 dasjenige des Cato oder auch eben das zum Aesculap ge- 
schickte einlaufen, um dort landen und löschen zu lassen, nicht un- 
mittelbar mit den Schiffshäusern am Fluss liegen kann, wie es doch 
wohl nach der neuen Erklärung der Fall sein müsste, scheint mir 
selbstverständlich. Und mit welchem Recht verlangt man dass die 
Brücke sich zur Insel senke ? Für die Darstellung, wie ich sie mit den 
Meisten verstanden habe, kann m. E. keine andre Brücke als der^ows 
Aemüius in Betracht kommen ('). Dieser ist aber sicherlich ohne Ver- 
bindung mit der Insel gewesen, das lehrt ein Blick vom Ponte Pala- 
tino auf den Ponte rottound die Insel. Ganz konnte die Insel nicht im 
Münzbild aufgenommen werden: der jenseitige Theil musste, zumal 
bei dem tief genommenen Augenpunkt, hinter der Insel und ihren Ge- 
bäuden mit dem Baume verschwinden, wie im Säulenrelief das rechte 
Ende der Trajanischen Donaubrücke hinter dem einen Brückenkopf 
verschwindet (Cich. Taf. LXXII), oder auf der einen Forumsschranke 
das rechte Ende der Basilica Aemilia hinter dem Feigenbaum. Das 
diesseitige Ende musste des engen Bildraums wegen abgeschnitten 
werden, wie ja auch das Navale nicht vollständig sein würde. 
Wozu auch mehr von der Brücke darstellen, von der im Grunde 
ein Joch genügte, um das durchfahrende Schiff aufzunehmen ? 
Von dem eben uni^er der Brücke zum Vorschein kommenden 
Schiff ist in diesem Sinne passend die prora dargestellt, wogegen 
das ins navale einfahrende billigerweise die puppis zeigen würde. 
Gott Tiberinus heisst das Schiff, heisst den neuen Gott willkommen, 
und dass die Schlange das Schiff verlässt in dem Augenblick, wo 
die Insel insicht kommt, das ist doch weit natürlicher, als dass 
sie wartet, bis das Schiff (nach Hülsens Meinung) ins navale 
eingefahren ist. Jene Annahme ist mit dem kurzen Bericht des 
Livius-Auszugs XI in Einklang: anguem . . . deportaverunt ; 
eoque in insulam Tlberis egresso eodem loco aedes Aesculapio 
constituta est. Diese stützt sich auf Valerius Maximus, der den 
im Folgenden eingeklammerten Zusatz, I, VIII 2 : anguis ... urbi 
se nostrae advehendum reslituit, atque (in ripam Tiberis egressis 
legatis) in insulam tranavit, nur aus dem Grunde hinzufügt um 
das selbständige Vorgehn der Schlange in besseres Licht zu rücken. 
Unser Münzbild, wenn wir es nach Allem auch ferner so verstehen, 
wie man es früher verstanden hat, wird uns das Recht geben, jenen 
Zusatz als eine unpassende Einschaltung des Valerius Maximus 
anzusehn. Als Analogie für die Dioskurenschlangen und ihren üeber- 
gang zur neuen Stiftung, wie oben S. 42, wird das Bildchen auch 
ferner gelten dürfen. E. P. 

(1) Wie dieser im Münzbild nach Hülsens Erklärung vor dem Navale 
unsichtbar sein könnte, begreife ich nicht; man müsste denn das Bild mit 
pedantischer Geschichtstreue ausgeführt denken. Ob freilich 291 schon das 
navale existierte ? 



SITZUNGEN UND ERNENNUNGEN 



7. December, zur Feier von Winckelmanns Geburtstag: Petersen, 
über die Dioskuren von Monte Cavallo (s. oben S. 310). 
— Amelung über eine weibliche Gewandstatue des fünften 
Jahrhunderts (s. oben S. 181 ff.). 
21. December: Hülsen, über ein Relieffragment mit Inschrift. — 
Petersen über den ursprünglichen architektonischen Zusam- 
menhang der Dioskuren von Monte Cavallo. 



Zum Winckelmannstage wurden ernannt: 

zu ordentlichen Mitgliedern die Herren: 

Dragatsis, in Athen 
Leonardos, » 
Stais, n 

TSÜNDAS, » 

zu Correspondierenden Mitgliedern die Herren: 

Byzantinos, in Athen 
Schiff, ?» 

WiLSKi, in Milet 
Zahn, in Berlin 
G. Boni, in Rom. 



INHALT 



W. Amelung, Weibliche Gewandstatue des fünften Jahrhun- 
derts (Taf. III, IV) S. 18M97. 
1» r, Bemerkungen zur Sorrentiner Basis S. 198-210. 

E. Caetani-Lovatelli, Di due rilievi gladiatori. S. 97-107. 
E. LoEWY, Zu Mitteilungen oben S. 144 S. 235-236. 
H. Lucas, Eine unerkannte Midasvase S. 229-234. 

A. Mau, Litteratur über Pompeji. S. 108-132. 

» » Der Tempel des Vespasian in Pompeji. S. 133-138. 

» " Ämoren als Oelfabrikanten. S. 138-141. 

» » Der Tempel der Venus Pompeiana. (Taf. VII- VIII). 

S. 270-308. 
P. Orsi, Siculi e Greci in Leontinoi. S. 62-96. 
G. Patroni, La pretesa Maia, erma del Museo Nazionale di 

Napoli. S. 131-132. 
E. Petersen, Dioskuren in Tarent (Taf. I-II). S. 3-61. 
» » Varia: I. Die Marathonische Bronsegruppe des 

Pheidias. S. 142-151. 
» « II. Die Ringergruppe der Tribuna. S. 152-160. 

" i> III. Zeus oder Alexander mit de?n Blitz. S. 160-169. 

11 y> IV. Zum Äugustusbogen von Rimini. S. 169-171. 

» 5» V. Der Sarkophag eines Arztes. S. 171-176. 

« " Die Dioskuren von Monte Cavallo und Juturna. 

S. 310-351. 
Brücke oder Navale? Zu S. 42,2. S. 352-354. 
G. E. Kizzo, Spigolature archeologiche (Tav. V). S. 237-260. 

« » Vaso campano con scena fliacica (Taf. VI). S. 261-269. 
M. KosTOWZEW, Pinnirapus iuvenum S. 223-228. 

B. Sauer, Zur Rekonstruktion der Tyrannenmördergruppe. 

S. 219-222. 
E. WoELFFLiN, Die Dioskuren in Therapnae. S. 177-190. 
K. WuENSCH, Zwei unedierte Terrakotten des Herrn Dr. Alphons 

Stuebel S. 211-218. 
•Sitzungen und Ernennungen. S. 180 und 355. 



VERZEICHNISS 
DERMIT GLIEDER 

DES 

KAISERLICH DEUTSCHEN 
ARCHÄOLOGISCHEN INSTITUTS 

DEZEMBER 1900 



OENTRALDIREKTION 



Herr A. Conze, General-Sekretär 

„ 0. Hirschfeld 

„ R. Kekule von Stradonitz 

„ A. Kirchhofif 

„ Graf von und zu Lerchenfeld 

„ R. Schöne 

„ ü. von Wilamowitz-MöUendorff 

„ F. Hettner in Trier. 

^ G. Körte in Rostock. 

„ A. Michaelis in Strasshurg i. E. 

„ 0. Puchstein in Freihurg i. Br. 



in Berlin. 



SEKRETARIAT 



IN ROM 

Herr E. Petersen, Erster Sekretär. 
„ Ch. Hülsen, Zweiter Sekretär. 



IN ATHEN 

Herr W. Dörpfeld, Erster Sekretär 
Zweiter Sekretär fehlt zur Zeit. 



MITGLIEDER DES INSTITUTS 



EHREN-MITGLIEDER 

Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Friedrich. 
Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit Erzherzog Rainer, 
Seine Königliche Hoheit Prinz llupprecht von Bayern. 
Seine Hoheit der Erbprinz von Sachsen-Meiningen. 
Seine Hoheit Prinz Friedrich Karl von Hessen. 
Seine Durchlaucht der Fürst Johann von und zu Liechtenstein. 
Seine Durchlaucht Fürst von Radolin, Paris. 
Herr R. von Keudell, Berlin. 
„ H. Lehmann, Halle a. S. 
„ Graf von und zu Lerchenfeld, Berlin. 
Donna Ersilia Caetani, contessa Lovatelli, Rom. 
Herr Graf von Plessen-Cronstern, Athen. 
„ J. von Radowitz, Madrid. 
„ A. von Swenigorodskoi, Aachen. 



n 

ORDENTLICHE MITGLIEDER 



Herr F. Adler, Berlin. 

„ Conte A. Antonelli, Terracina. 

y, B. Arnold, München. 

„ E. Babelon, Paris. 

„ F. Barnabei, Rom. 

„ Barone G. Barracco, Rom. 

„ A. de Barthelemy, Paris. 

„ 0. Benndorf, Wien. 



Herr M. R. de Berlanga, Malaga. 

„ J. J. Bernoulli, Basel. 

„ H. Blümner, Zürich. 

„ J. Boehlau, Cassel. 

„ L. Borchardt, Cairo. 

„ E. Bormann, Wien. 

„ R. Borrmann, Berlin. 

„ M. Botkin, St. Petersburg. 



Herr E. Brizio, Bologna. 

„ A. Brückner, Berlin. 

„ F. Böcheler, Bonn. 

^ F. Bulic, Spalato. 

„ R. Cagnat, Paris. 

„ F. Calvert, Dardanellen. 

„ A. Castellaui, Rom. 

„ G. Calderini, Rom. 

„ W. von Christ, München. 

„ March. B. Chigi, Siena. 

„ M. CoUignon, Pai'is. 

„ S. Colvin, London. 

„ A. Conze, Berlin. 

„ F. Cumont, Gent. 

„ H. Dessau, Berlin. 

^ H, Diels, Berlin. 

„ C. Dilthey, Göttingen. 

„ W. Dittenberger, Halle a. S. 

„ W. Dörpfeld, Athen. 

„ A. von Domaszewski, Heidelbei'g. 

„ 0. Donner-von Richter, Frank- 

fuH a. M. 

„ J. Dragatsis, Piräus. 

„ St. Dragumis, Athen. 

„ H. Dressel, Berlin. 

„ L. Duchesne, Rom. 

„ F. V. Duhn, Heidelberg. 

„ F. Ehrle, Rom. 

„ R. Engel mann, Berlin. 

„ A. Erman, Berlin. 

„ A. J. Evans, Oxford. 

„ E. Fabricius, Freiburg i. Br. 

„ J. Ficker, Strassburg i. E. 

„ A. Flasch, Erlangen. 

„ R, Förster, Breslau. 

„ P. Foucart, Paris, 

„ M. Fränkel, Berlin. 

y, L. Friedländer, Strassburg i. E. 

„ W, Fröhner, Paris. 

„ A. Furtwängler, München. 



Herr R. Gädechens, J(?/ia. 

„ G. F. Gamurrini, Arezzo. 

^ E. A. Gardner, London. 

„ P. Gardner, Oxford. 

„ G, Gatti, /?07?i. 

„ G. Gherardini, Padua. 

„ W, W. Goodwin, Cambridge, 

Mass. 

„ H. Grimm, Berlin. 

„ W. Guriitt, Graz. 

„ 0. Hamdy-Bey, Konstantinopel. 

„ J. Hampel, Budapest. 

„ A. Harnack, Berlin. 

y, "W, von Hartel, Wien. 

„ B. Haussoullier, Paris. 

„ B. V. Head, London. 

„ R. Heberdey, Smyrna. 

„ J. L. Heiberg, Kopenhagen. 

„ W. Heibig, i?om. 

„ Th. von Heldreich, Athen. 

„ E. von Herzog. Tübingen. 

„ F. Hettner, TVw. 

„ L. Heuzey, Paris. 

y, F. Hiller von Gärtringen, Berlin. 

„ 0. Hirschfeld, Berlin. 

„ A. Hohverda, Leiden. 

„ Th. Homolle, Athen. 

„ E. Hübner, Berlin. 

„ Ch. Hülsen, i?om. 

„ L. Jacobi, Homburg v. d. H. 

„ F. Imhoof- Blumer, Winterthur. 

y, C. Justi, Bonn. 

„ G. Kaibel, Göttingen. 

„ E. Kaiinka, Czemowitz. 

„ A. Kalkmann, Berlin. 

„ P. Kavvadias, Athen. 

„ R. Kekule von Stradonitz, Berlin. 

„ F. Kenner, Wien. 

„ G. von Kieseritzky, St. Peters- 
burg. 



— 6 



Herr A. Kirchhoff, Berlin. 

„ W. Klein, Prag. 

„ U. Köhler, Berlin. 

„ F. Koepp, Münster i. \V. 

„ G. Körte, Rostock. 

„ R. Koldewey, Berlin. 

„ A. Kondostavlos, Athen. 

„ W. Kubitschek, Wien. 

„ Sp. Lambros, Athen. 

„ R. A. Lanciani, Rom. 

„ Graf C. Lanckoronski, Wien. 

„ B. Latyschev, St. Petersburg. 

„ H. Lehner, Bonn. 

„ F. Leo, Göttingen. 

„ V. Leonardos, Athen. 

„ G. Löschcke, Bonn. 

„ E. Löwy, i?om. 

„ 0. Lüders, Athen. 

„ G. Lumbroso, Ro7n. 

„ 0. Marucchi, Rom. 

„ G, Maspero, Paris. 

„ A. Mau, i2om. 

„ A. Meletopulos, Piräus. 

^ E. Meyer, Halle a. S. 

„ A. Michaelis, Strassbiirg i. E. 

„ L. A. Milani, Florenz. 

„ A. Milchhöfer, Kiel. 

„ A. Mommsen, Hamburg. 

„ Th. Mommsen, Berlin. 

„ 0. Montelins, Stockholm. 

„ J, H. Mordtmann, Salonik. 

„ R. Mowat, Paris. 

„ N. Müller, Berlin. 

„ E. Müntz, Paris. 

„ A. S. Murray, London. 

„ K. Mylonas, Athen. 

„ G. !Niemann, W«Vw. 

„ B. Niese, Marburg. 

„ H. Nissen, Bonn. 

„ Ch. E. Norton, Cambridge, Mass. 



Herr F. Ohlenschlager, München. 

„ J. Oppert, Paris. 

„ P. Orsi, Sgrakus. 

„ J. Pandasidis, Athen. 

„ E. Pais, Neapel. 

„ F. C. Penrose, London. 

„ E. Pernice, Berlin. 

„ G. Perrot, Paris. 

„ E. Petersen, i?om. 

„ G. de Petra, Neapel. 

„ Flinders Petrie, London. 

„ D. Philios, Athen. 

„ L. Pigorini, jRowi. 

„ W. Pleyte, Leiden. 

„ C. Popp, München. 

„ E. Pottier, Paris. 

„ A. Prachov, Kiew. 

„ 0. Puchstein, Freiburg i. Br. 

„ \V. M. Ramsay, Äberdeen. 

„ E. Reisch, W««2. 

„ R. Richardson, Athen. 

„ 0. Richter, Berlin. 

„ C. Robert, i/a^/e a. S. 

„ IL von Rohden, Hagetiau. 

„ E. de Ruggiero, Rom. 

„ A. Saunas, Palermo. 

„ R. von Schneider, Wien. 

„ R. Schöne, Berlin. 

„ ' Th. Schreiber, Leipzig. 

„ J. Schubring, Lübeck. 

„ K. Schuchhardt, Hannover. 

„ IL Schuermanns, Lüttich. 

„ C. Schumacher, Karlsruhe. 

„ L. von Schwabe, Tübingen. 

„ A. H. Smith, London. 

„ Cecil H. Smith, London. 

„ A. Sogliano, Neapel. 

„ W. Soldan, Darmstadt. 

„ V. Sta'is, Athen. 

„ F. Studniczka, Leipzig. 



Herr L. von Sybel, Marhury i, H. 

„ G. Tocilesco, Bukarest. 

„ A. Trendelenburg, Berlin. 

,, G. Treu, Dresden. 

_ Ch. Tsundas, Athen. 

„ H. Usener, Bonn. 

„ L. Ussing, Kopenhagen. 

„ J. Vahlen, Berlin. 

„ A. Heron de Villefosse, Paris. 

„ G. Vitelli, Florenz. 

,, Graf M. de Vogüe, Par^is. 

,, C. Wachsmuth, Leipzig. 

„ E. Wagner, Karlsruhe. 

„ Graf H. Walderdorff, Regensburg. 

„ Ch. Waldstein, Cambridge. 

„ G. Weber, Smyma. 



Herr R. Weil, Berlin. 

„ C. Wescher, Paris. 

„ J. W. White, Cambridge, Mass. 

„ Th. Wiegand, Konstantinopel. 

„ F. Wickhoff, Wien. 

„ U. von Wilamowitz-Möllendorff, 

Berlin. 

„ A. Wilhelm, Athen. 

„ A. Wilmanns, Berlin. 

„ J. Wilpert, Rom. 

„ H. Winnefeld, Berlin. 

„ F. Winter, Innsbruck. 

„ G. Wissowa, Halle a. S. 

„ P. Wolters, Wü7'zburg. 

„ C. Zangemeister, Heidelberg. 



m 



CORRESPONDIRENDE MITGLIEDER 





1 


. Belgien. 


Bei'lin: 


Herr 


c. 


Fredrich. 


Brüssel: 




Herr A.vanBranteghem. 




» 


B. 


Graf. 






„ J. Vollgraff. 




n 


F. 


von Luschan 


Gent: 




„ A. van Ceuleneer. 






L. 
0. 


Pallat. 
Rubensohn. 




2. 


Bulgarien. 




fl 


H. 


Schmidt. 


Sofia: 




Herr W. Dobrusky. 




55 


H. 


Schrader. 






„ H. Skorpil. 




55 


L. 


Stern. 


Varna : 




„ K. Skorpil. 




r> 


R. 


Zahn. 


Kopenho 


3. 

igen: 


Dänemark. 

Herr Ch. Blinkenberg. 
„ C. Jacobsen. 
„ S. Müller. 


Bamberg: 
Bonn: 


n 

n 


J. 

c. 

H. 
A. 
H. 


Führer. 
Konen. 
Lehner. 
Philippson. 
L. Strack. 




4. 


Deutschland. 




» 


A. 


Wiedemann. 


Berlin: 




Herr E. Assmann. 


Braunschu 


eig- » 


P. 


J. Meier. 






„ C. Bardt. 


Breslau: 


» 


C. 


Masner. 






„ Ch. Beiger. 


Calw : 


n 


P. 


Weizsäcker. 



— 8 — 



Cleve: 1 


Icr 


r F. 


Schneider. 


München: 


Herr 


F. von Reber. 


Deutz: 


n 


F. 


Wolff. 




» 


F. von Thiersch 


Dresden: 


n 


P. 


Herrmann. 




ri 


H. L. Urlichs. 




n 


F. 


Hultsch. 


Oberlahnstein 


n 


R. Bodewig. 




n 

n 


L. 

C. 


Otto. 
Wörmann. 


Oldenburg: 
Potsdam : 


7! 


H. Stein. 

R. Schillbach. 


Elberfeld: 
Frankfurt a.M. 


7> 


L. 
A. 


Martens. 
Hammeran. 


Rostock: 
Schwerin: 


71 

n 


0. Kern. 
F. Schlie. 




n 


G. 


Wolff. 


Stettin: 


r> 


G. Kawerau. 


Freiburg i. Br. : 

Gebweiler: 

Giessen: 


n 
n 
n 


J. 
F. 
J. 
Br 


Ziehen. 
Baumgarten. 
Srhlumberger. 
. Sauer. 


Strassburgi.E 
Stuttgart : 


•• n 

r> 
n 
rt 


B. Keil. 
E. Schwartz. 
G. von Alten. 
J. Merz. 


Glückstadt: 


n 


D. 


Detlefsen. 




r> 


E. Paulus. 


Gotha : 


r> 


B. 


Pick. 




n 


G. Sixt. 


Göttingen: 
Greifswald: 


n 
1t 
n 
n 


C. 
W. 
A. 
A. 


Purgold. 
Meyer. 
Gercke. 
Körte. 


Tübingen: 
Wiesbaden: 
Wittenberg: 
Worms: 


n 
r> 
n 
n 


K. Lange. 
E. Ritterling. 
H. Guhrauer. 
C. L. Koehl. 


Gr. Lichter- 


?? 


A. 


Preuner. 




•n 


A. Weckerling. 


felde: 
Halberstadt: 


5: 


R. 
H. 


Oehler. 
Röhl. 


ö. 


Frankreich. 


Hannover: 


» 


H. 


Graeven. 


Paris: 


Herr 


H. Daumet. 


Jena: 


n 


II. 


Geizer. 




V 


P. Decharme. 




n 


F. 


Noack. 




n 


S. Reinach. 


Karlsruhe: 


V 


U. 


Luckenbach. 


Algier: 


» 


St. Gsell. 


Kiel: 


n 


A. 


Schöne. 




55 


V. Waille. 


Königsberg i. P. 
Leipzig: 


• n 
n 
n 


0. 
E. 
F. 


Rossbach. 

Kroker. 

Marx. 


Bordeaux: 

Constantine: 

Embrun 


55 

55 


C. Jullian. 
A. PouUe. 


Liegnitz: 
Lübeck: 
Marburg i.H. : 
Metz: 


V 

n 
n 
n 

n 


A. 
P. 
C. 
E. 
B. 
C. 


Schneider. 

Wilski. 

Curtius. 

Maass. 

Keune. 

Wichmann. 


(Hautes Alpes) „ 

Clermont- 
Ferrand {Ptiy 
de Dome): „ 

Lyon: 


J. Roman. 

A. Tardieu. 
P. Dissard. 
M. Holleaux. 


München: 


n 


P. 


Arndt. 




n 


H. Lechat. 




•n 


E. 


Bodensteiner. 


Moulins: 


55 


A. Bertrand. 




» 


H. 


Bulle. 


Narbonne: 


55 


L. Berthomieu. 



— — 



Nizza: Herr F. Brun. 

Poitiers: „ C. de la Croix. 

Samtes: „ L. Audiat. 

St. Maixent: „ Jl. Esperandieii. 

6. Griechenland. 
Athen: Herr D. Vikelas. 

., Vyzantinos. 

„ M. Deffner. 

„ M. Dimitsas. 

„ E. Gillieron. 

„ K. Karapanos. 

„ P. Kastriotis. 

_, J. Kokidis. 

„ K. Kuruniotis. 

„ J. A. Londos. 

„ A. Philadelphevs. 

„ N. G. Politis. 

„ H. von Prott. 

„ A. Schiff. 

- A. Skias. 

„ G. Sotiriadis. 

„ J. N. Svoronos. 

„ E. Ziller. 

Chalkis: „ A. Matsas. 

Delphi: „ A. Kondoleon. 

Mykonos: „ D. Stavropulos. 

Faros: „ J. Navpliotis. 

Syra: „ P. Serlendis. 

„ A. Vlastos. 

TJiera: „ E. Vassiliu. 

Trikkala: „ M. Krispis. 

Tripolis: „ N. Stephanopulos. 

Volo: „ N. Georgiadis. 

„ D. Tsopotos. 

7. Grossbritannien. 
London: Herr J, Thacher Clarke. 

Sir J. Evans. 



London : 



Cambridge: 

Manchester : 
Neivcastle- 
upon-Tyne: 
Oxford: 
Salisbury: 
South-Shields 
Swanscombe: 



Herr F. M. Nichols. 

„ P. le Page Renouf. 

„ W. C. Perry. 
Sir R. C. Jebb. 
Miss J. Harrison. 
Herr E. L. Hicks. 

„ T. Hodgkin. 

„ F. Haverfield. 

„ J. "VVordsworth. 

,' „ R. Blair. 

^ G. C. Renouard. 



8. Italien. 

Rom: Herr R. Ambrosi. 

„ W. Amelung. 

„ Fr. Azzurri. 

„ G. Boni. 

„ L. Borsari. 

„ G. Calderini. 

„ L. Cantarelli. 

„ Conte A. Cozza. 

„ D. Gius, Cozza- 

Luzi. 

„ D. Farabulini. 

„ A. Galli. 

„ G. B. Giovenale. 

„ P. des Granges. 

„ F. Halbherr. 

„ P. Hartwig. 

„ A. de Lorenzo. 

„ E. Piccolomini. 

„ L. PoUak. 

„ L. Savignoni. 

„ C. Stomaiuolo. 

„ G. Toraassetti. 

„ P. di Tucci. 

„ D. Yaglieri. 



— 10 — 



Alatri: 


Herr de Persiis: 


Isola delLiri: 


Ileri 


G. Nicolucci. 


Alhissola- 






Macerata : 


"^ 


Conte A. Silveri- 


Marina : 


V 


St. Grosso. 






Gentiloni. 


Äna(jni : 


n 


E. Martinelli. 


Feltria: 


n 


March. G. Antimi- 


Ancona: 


n 


C. Ciavarini. 






Clari. 


Appignano (bei 




Marsala : 


y> 


S. Struppo. 


Macerata): 


r> 


ConteE.Tambroni- 


Marzahotto : 


r> 


Conte Aria. 






Armaroli. 


Messina : 


n 


G. Tropea. 


Aquila: 


n 


N. Persichetti. 


Milano: 


n 


S. Ricci. 


Arce: 


^ 


F. Grossi. 




n 


C. Ruga. 


Ascoli Piceno . 


n 


G. Gabrieili. 


Monopoli di 








» 


G. Paci. 


Valdarno: 


r> 


J. Falchi. 


Bari: 


» 


M. Mayer. 


Montenero di 








T) 


G. Milella. 


Bisaccia: 


n 


G. Caraba. 


Benevento : 


n 


A. Meomartini. 


Muro : 


V 


L. MaggiuUi. 


Bergamo: 


r> 


G. Mantovani. 


Neapel: 


f) 


A. Bourguignon. 


Bologna: 


» 


L. Frati. 




n 


PrincipeF.Colonna- 




rs 


A. Zannoni. 






Stigliano. 


Brescia: 


•n 


P. da Ponte. 




7) 


D. de Guidobaldi. 




n 


P. Rizzini. 




n 


C. Mancini. 


Brindisi: 


7) 


G. Nervegna. 




n 


G. Patroni. 


Cagliari: 


ri 


F. Nissardi. 




n 


M. Spinelli, Prin- 


Caiazzo : 


n 


G. Faraone. 






cipe di Scalea. 


Chieti: 


7) 


R. Cavarocchi. 




r> 


P. Stettiner. 


Chiusi: 


n 


P. Bonci-Casuccini. 


Narni: 


n 


March. G. Eroli. 


Este: 


n 


A. Prosdocimi. 


Nocera ümhra 


' » 


R. Carnevali. 


Florenz: 


V 


D. Comparetti. 


Orvieto: 


n 


Conte E. Faina. 




» 


F. Corazzini. 




n 


R. Mancini. 




V 


G. Pellegrini. 


Osimo: 


51 


G. Cecconi. 




V 


March. Ridolfi. 


Padua: 


3 


F. Cordenons. 


Forli: 


V 


G. Mazzatinti. 


Palermo: 


V 


L. Mauceri. 




n 


A. Santarelli. 


Palest rina: 


n 


V. Cicerchia. 


Formia : 


n 


A. Riibini. 


Parma: 


n 


G. Mariotti. 


Fossomhrone: 


n 


A. Vernarecci. 


Pavia: 


n 


G. Canna. 


Genua : 


r> 


G. Oberziner. 




n 


L. Mariani. 


Gesualdo: 


r) 


F. Catone. 


Perugia: 


» 


G. Bellucci. 


S. Giovanni 








•n 


Conte G. B. Rossi- 


Incarico : 


n 


D. Santoro. 






Scotti. 


Girgenti: 


n 


G. Picone. 


Pesaro: 


r» 


March. C. Antaldi. 


Grosseto: 


r) 


A. Barbini. 


Portici: 


•n 


F. Salvatore Dino. 



— 11 — 



Regyio (Ca 


lu- 




Wien: 


Herr 


W. Wilberg. 


hria) : 


Herr 


G. Caminiti. 




55 


F. Zamboni. 




•n 


A. de Lorenzo. 


Budapest: 


55 


V. Kuzsinsky. 


SüL'ona: 


r> 


V. Poggi. 


Cittavecchia: 


T5 


S. Ljubic. 


Ruvo: 


r> 


A. Jatta. 


Czernowitz: 


5) 


H. Dell. 


Sangioryio 


a 






55 


W. Judeicli. 


Lit'i: 


» 


G. Lucciola. 


Görz : 


55 


H. Majonica. 


Scafati: 


» 


F. Morlicchio. 


Graz: 


55 


F. Pichler. 


Sezze: 


n 


F, Lombardini. 




55 


J. Strzygowski. 




n 


G. Porri. 


Klagenfurt: 


■5 


K. V. Hauser. 


Siena: 


r> 


F. Donati. 


Prag: 


n 


H. Swoboda. 




n 


L. Zdekauer. 


Ragusa : 


55 


G. Gelcich. 


Spoleto : 


T) 


G. Sordini. 


Sarajevo: 


55 


C. Patsch. 


Spongano : 


T) 


F. B. Castiglioni. 


Triest : 


55 


A. Puschi. 


Sulmona : 


■^ 


A. de Nino. 


Zara: 


55 


G. Alacevic. 


Tarent: 


n 


L. Viola. 




55 


L. Jelic. 


Terranova Fau- 










sania: 


n 


P. Tamponi. 








Turin: 


r> 


E. Ferrero. 


11. 


Portugal. 


Trevico: 


r> 


A. Calabrese. 


Lissabon: 


Herr 


A. Coelho. 


Umbertide: 


n 


A. Lupatelli. 




55 


J. L. de Vascon 


TJrhisaglia: 


n 


F. S. Palazzetti. 






cellos. 


Venafro : 


^ 


S. Vitali. 


Braga: 


55 


J. J, da Silva 


Verona : 


n 


A. Spagnuolo. 






Pereira Caldas. 


Voherra: 


n 


E. Solaini. 


Guimaraens: 


55 


F. Martins Sar 
mento. 


9. 


Niederlande. 


Oporto : 


55 


J. de Vasconcellos 


Haag: 


Herr 


J. Rutgers. 








Amsterdam 


• » 


J. Six. 


12. 


Russland. 


Groningen: 


55 


U. Boissevain. 


St. Peters- 












burg: 


Herr 


J. Jernstedt. 


10. 


Österreich-Ungarn. 




55 


N. Kondakoff. 


Wien : 


Herr 


S. Frankfurter. 




55 


R. Löper. 




55 


M. Börnes. 




55 


A. Papadopulos 




55 


P. Kretschmer. 






Keramevs. 




55 


E. Reinisch. 




55 


Pomialowsky. 




55 


A. Riegl. 




55 


M. Rostowzew. 




55 


A. Schindler. 




55 


A. Stschukareff. 




55 


E, Szanto. 




55 


T. Zielinsky. 



12 — 



Dorpat: Herr "W. Malmberg. 



17. Türkei. 



Uehingfors: 


„ B, Graser. 


Constan- 






Moskau: 


„ Buslaieff. 


tinopel: 


Herr 


Halil-Edhem. 


Odessa: 


„ A. Nikitsky. 




« 


A. Mordtmann. 


Warschau: 


„ N. Novossadsky. 


A'idin: 


3 


M. Pappa-Konstan 
dinu. 


13. Schweden und Norwegen. 


Alexandrien: 


V 


G. Botti. 


Vpsala: 


Herr S. Wide. 


Artake: 


« 


N. Litnnios. 


Söderhamn: 


„ J. Centerwall. 


Beirut: 


n 


P. Schröder, 






Cairo: 


55 


F. von Bissing. 


14. 


Schweiz. 


Candia : 


55 


J. Chatzidakis. 


Basel: 


Herr E. Bethe. 


Chalki: 


55 


0. N. Askitis. 




„ H. Dragendorff. 


Chios: 


55 


G. J. Solotas. 




„ J. Wackernagel. 


Kalymnos: 


55 


W. R, Paton. 


St. Bernhard 


• „ H. Lugon. 


Rhodos: 


55 


A. Casilli. 


Lausanne: 


„ W. Cart. 




55 


St. Saridakis. 






Samos: 


55 


Th. Sophulis. 


15 


Serbien. 




55 


A. Stergioglidis. 


Belgrad: 


Herr M. Waltrowitz. 




55 


E. Staraatiadis. 






Samothrake : 


55 


N. B. Phardys. 


16. 


Spanien. 


Smyrna: 


55 


A. Fontrier. 


Madrid : 


Herr R. P. Fidel Fita. 




55 


P. Gaudin. 




„ J. R. Melida. 




55 


G. Sotiriu. 




„ Marques de Mon- 










salud. 


Ifi 


1. Tunis. 




„ I. F. Riano. 


CaHliago: 


Heri 


• A. L. Delattre. 




„ E. Saavedra. 


Tunis: 


55 


P. Gauckler. 


Barcelona: 


„ A. Elias de Möllns. 








Cadi^: 


„ F. A. Vera. 


19. Vereinigte 


Staaten von Amerika 


Elche: 


„ P. Ibarra y Ruiz. 


Berkeley: 


Herr 


B. J. Wheeler. 


Granada : 


„ M. G. Moreno. 


Chicago : 


55 


W. G. Haie. 


Mahon: 


„ S. D. G. Llabres. 


Meadville, 






Malaga: 


„ G. Loring, 


Fenns. : 


55 


G. F. Comfort. 


Medina Si- 




Amherst, Masi, 


•••55 


J. R. Sterrett. 


donia : 


„ M. Pardo de Fi- 


Princeton, 








gueroa. 


N. J.: 


55 


A.L. Frothingham 


Vittona: 


„ F. Baraibar. 


Washington: 


55 


van Marter. 



— 13 — 



Publikationen 
des Kaiserlich Deutschen Archäologischen Instituts. 

h. P. = herabgesetzter Preis (nur bis auf Weiteres gültig). 

A. Periodische Publikationen. 

1. *Monumenti inediti. 12 Bände. Rom 1829 — 1885. Supplemento Berlin 1891. 

Gr. Folio. Berlin, Georg Reimer. — Jeder Jahrgang bis 1860 M. 12, h. P. 
M. 6, von 1861—1885 M. 20, h. P. M. 10. Das Supplementheft M. 40, h. P. 
M. 20. Die ganze Serie M. 444. 

2. *Annali. 54 Bände. Rom 1829 — 1885. 8". Berlin, Georg Reimer. — Jeder 

Jahrgang bis 1860 M. 8, h. P. M. 4, von 1861 ab M. 15, h. P. M. 7,50. Die 
ganze Serie M. 303,50. 

3. *Biillettino. 55 Bände. Rom 1829—1885. 8". Berlin, Georg Reimer. — 

Jeder Jahrgang bis 1860 M. 4, h. P. M. 2, von 1861 ab M. 5, h. P. M. 2,50. 

Die ganze Serie M. 122,50. 
Annali, Bulletino und Monumenti 1854 u. 1855. — Je M. 24, h. P. M. 12. 
Annali und Monumenti 1856. — M. 24, h. P. M. 12. 

4. *Repertorio universale (Inhaltsverzeichnis zu 1, 2, 3). Berlin, Georg Reimer. 

— Band I, Rom 1834—1843. 8". M. 8, h. P. M. 4. Band II, Rom 1844— 
1853. 8". M. 8, h. P. M. 4. Band III, Rom 1854—1856. Folio. M. 2,40, 
h. P. M. 1,20. Band IV, Rom 1857—1863. 8». Äl. 4,80, h. P. M. 2,40. 
Band V, Rom 1864— 1873. 8«. M. 5,60, h. P. M. 2,80. Band VI, Rom 1874 
—1885 und Supplement, Berlin 1891. 8». M. 4,60, h. P. M. 2,30. 

5. *Memoxie. Rom 1832. S<^. Berlin, Georg Reimer. — M. 12, h. P. M. 6. 

6. *Nuove Memorie. Leipzig 1865. 8". Berlin, Georg Reimer. — M. 18, h. P. M. 9. 

7. Archäologische Zeitung. Berlin, Georg Reimer. 1843—1885. 43 Bände. 

4". — Jeder Jahrgang M. 12, soweit noch vorhanden. Die ganze Serie M. 600. 
Register dazu 1886. M. 12. 

8. Antike Denkmäler. Berlin, Georg Reimer. 1886 ff. Imp.-Folio. — Jedes 

Heft M. 40. Bisher erschienen Band I, Heft 1—5. Band II, Heft 1—3. 

9. Jahrbuch und Anzeiger. Berlin, Georg Reimer. 1886 ff. S**. — Jeder 

Jahrgang M. 16, Der Anzeiger von 1896 an allein M. 3; ab 1901 Jahrbuch 
M. 20, Anzeiger M. 4. 
10. Jahrbuch, Ergänzungshefte. Berlin, Georg Reimer. 

I, J. Strzygowski, Die Calenderbilder des Chronographen vom Jahre 354. 

1888. 8". M. 30. 
II, R. Bohn, Alterthüraer von Aegae. 1889. 8». M. 24. 
m, H. Winnefeld, Die Villa des Hadrian. 1895. 8". M. 20. 



* Einzelne Bände und Einzelserien nur nach Massgabe des Vorraths. 



— 14 — 

IV, C. Humann, C. Cichorius, W. Judeich, F. Winter, Alterthümer von 
Hierapolis. 1898. 8". M. 24. 

11. Mittheilungen. Römische Abtheilung (Bullettino, Sezione Romana). Rom, 

Loescher & Comp. 1886 ff. 8'^. — Jeder Jahrgang M. 12. 

12. Mittheilungen. Athenische Abtheilung. Athen, Karl Wilberg. 1876 ff. 8». 

— Jahrgang I— X M. 15. Jahrgang XI ff. M. 12. 

13. Ephemeris epigraphica, Corporis Inscriptionum Latinarum Supplementum, 

edita iussu Instituti Archaeologici Romani. 8 Bände. Berlin, Georg Reimer. 
1872 ff. — Bandl, M. 6. Band II, M. 8. Band III, M. 10. Band IV, M. 16. 
Band V, M. 20,20. Band VI, M. 8. Band VII, M. 18. Band VIII, M. 25. 

B. Serien-Publikationen. 

14. I Rilievi delle Urne Etrusche. Band I von H. Brunn. Rom 1870. 4". 

Berlin, Georg Reimer. — M. 60, h. P. M. 40. — Band II, 1 von G. Körte. 
Berlin 1890, Georg Reimer. 4«. — M. 40, h. P. M. 30. — Band II, 2 von 
G. Körte. Berlin 1896. M. 40. 

15. E. Gerhard, Etruskische Spiegel. Band V, bearbeitet von G. Körte und 

A. Klügmann. Berlin, Georg Reimer. 1884—1897. 4°. M. 144. 

16. R. Kekule, Die antiken Terrakotten. Berlin und Stuttgart, W. Spemann. 

Fol. Band I, Die Terrakotten von Pompeji, bearbeitet von H. von Roh den. 
1880. M. 60. — Band II, Die Terrakotten von Sicilien, bearbeitet von 
R. Kekule. 1884. M. 75. 

17. C. Robert, Die antiken Sarkophagreliefs. Band II, Mythologische Cyklen. 

Berlin, Grote. 1890. Fol. M. 225. — Band III, erste Abtheilung. 1897. 
Fol. M. 160. 

18. A. Furtwängler und G. Loeschcke, Mykenische Thongefässe. Berlin, 

1879. Georg Reimer. Fol. M. 40, h. P. M. 30. 

19. A. Furtwängler und G. Loeschcke, Mykenische Vasen, vorhellenische 

Thongefässe aus dem Gebiete des Mittelmeeres. Berlin, 1886. Georg Reimer, 
Fol. M. 115, h. P. M. 75, 

20. E. Curtius und J. A. Kaupert, Karten von Attika. Berlin, Dietrich 

Reimer. Gr. Fol. 1881—1895. — Heft I, mit Text von E. Curtius, G. von 
Alten und A. Milchhöfer, M. 12. Heft II, mit Text von A. Milchhöfer, 
M. 16. Heft III, M. 12. Heft IV, M. 10. Heft V, M. 8. Heft VI, mit Text 
2U Heft III— VI von A. Milchhöfer, M. 7. Heft VII, M. 6. Heft VIII, M. 13. 
Text zu Heft VII— VIII von A. Milchhöfer, M. 2. Heft IX (Übersicht- und 
Gesamtkarte von Attika) im Massstab 1 : 100000. Mit Text und Register. 
M. 17. 

C. Einzelwerke. 

21. Steffen, Karten von Mykenai. Berlin, Dietrich Reimer. 1884. 4". Text von 

Steffen und Lolling. — Mk. 12. 

22. R. Koldewey, Antike Baureste der Insel Lesbos. Mit 29 Tafeln und Text- 

abbildungen, 2 Karten von H. Kiepert. Berlin, Georg Reimer. 1890, Fol. 
M. 80, h. P. M. 40. 



— 15 — 

23. Das Kuppelgrab von Menidi. Athen, Wilberg. 1880. 4o. — M. 8. 

24. G. B. de Rossi, Piante Iconografiche e Prospettiche di Roma anteriori al 

Secolo XVI. Roma 1879. 40. Berlin, Georg Reimer. M. 32, h. P. M. 18. 

25. R. Schöne, Le Antichita del Museo Bocchi di Adria. Roma 1878. Berlin, 

Georg Reimer. 4». M. 24, h. P. M. 12. 

26. Kellermann, Vigilum Romanoi-um latercula duo Caelimontana. Roma 1835. 

40. Berlin, Georg Reimer. M. 6,40, h. P. M. 3,20. 

27. W. Henzen, Scavi nel bosco sacro dei Fratelli Arvali. Roma 1868. Fol. 

Berlin, Georg Reimer. M. 16, h. P. M. 8. 

28. H. Jordan, De forraae Urbis Romae fragmento novo. Roma 1883. 4*'. Berlin, 

Georg Reimer. M. 1,60, h. P. M. 1. 

29. A. Michaelis, Geschichte des Deutschen Archäologischen Instituts 1829 bis 

1879. Berlin 1879, Georg Reimer. 80. M. 6, h. P. M. 3. — Italienische 
Ausgabe M. 4,80, h. P. M. 2,40. 

30. J. Lessing und A. Mau, Wand- und Dockenschmuck eines römischen Hauses 

aus der Zeit des Augustus. Berlin 1891, Georg Reimer. Fol. M. 40, h. P. M. 25. 

31. Alexander Iwanoff, Darstellungen aus der heiligen Geschichte. 14 Liefe- 

rungen zu je 15 Blatt. Berlin, Georg Reimer. Fol. — Jede Lieferung 
M. 80, h. P. M. 20. (Lieferung 2 ist vergriffen.) 

32. Sergius Iwanoff, Architektonische Studien. Heft I. Aus Griechenland. Mit 

Text von R. Bohn. Folio und Quart. 1892. M. 96. — Heft II. Aus 
Pompeji. Mit Text von A. Mau. Folio und Quart. 1895 Dazu Nachtrag. 
Folio und Quart. 1898. M. 40. — Heft III. Aus den Thermen des Gara- 
calla. Mit Text von Chr. Hülsen. Folio und Quart. 1898. M. 120. 

33. M. Botkin, Biographie A. Iwanolfs. Berlin, Georg Reimer. 1880. 4°. 

M. 10, h. P. M. 5. 

34. A. Mau, Katalog der Bibliothek des Kaiserlich Deutschen Archäologischen 

Instituts in Rom. Band I. Rom, 1900. Loescher & Co. 8". M. 6. 

D. Schul-Wandtafeln. 

35. Grabstele der Hegeso. 

36. Sog. Alexander-Sarkophag aus Sidon. 

37. Augustus-Statue von Prima Porta. 

Deutsche und österreichische Unterrichtsanstalten, welche ihre Bestellungen 
an den Generalsekretär des Instituts (Berlin W. Corneliusstr. 2) richten, erhalten 
jede dieser Tafeln zum Preise von 5 Mark 80 Pfennigen (einschliesslich der Ver- 
packung, ausschliesslich des Porto) direkt von der Verlags-Anstalt Fr. Bruckmann 
AG.-München zugesandt, an welche dann auch der Preis direkt einzuzahlen ist. Bei 
Bestellung mehrerer Exemplare für dieselbe Adresse ermässigt sich der für Ver- 
packung berechnete Betrag. 




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